Redcross Webmaster's Blog

Ein humanitärer Digital Immigrant erklärt uns die Welt.

Was ihr wollt?

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Im Rah­men der Neu­aus­rich­tung unse­res Jugend­por­tals #get­so­cial haben wir zunächst junge Men­schen gefragt, was inter­es­sant ist und was für sie rele­vanz hat. Hier die Ergeb­nisse die­ser Umfrage unter 500 Use­rin­nen und Usern der Rotkreuz-Jugendangebote. Die Stu­die wurde im drit­ten Quar­tal 2014 durch­ge­führt. Dar­aus ent­stand auch eine Stra­te­gie zur Kom­mu­ni­ka­tion mit Jugend­li­chen.

Demographie

Ins­ge­samt haben 504 Per­so­nen an der Umfrage teil­ge­nom­men, 7% davon waren Men­schen die nicht aktiv im Roten Kreuz sind, rund 80% sind bereits bei uns tätig.

Die meis­ten Ant­wor­ten wur­den von der Alters­gruppe 18 – 25 Jah­ren abge­ge­ben gefolgt von über 30ig jäh­ri­gen und Men­schen im Alter zwi­schen 14 – 18 Jah­ren. 21% der Befrag­ten besu­chen noch eine Schule. Wäh­rend 33% bereits Teil einer Jugend­gruppe sind, sind 47% nicht darin invol­viert.

Bedürfnisse

Hier die Rei­hen­folge an The­men über die man sich am bes­ten im Roten Kreuz infor­miert fühlt (begin­nend mit der meist ver­brei­tets­ten):

  1. Erste Hilfe (256)
  2. Leit­bild des Roten Kreuzes/Grundsätze/Unsere Werte (213)
  3. Frei­wil­lig­keit (211)
  4. Spende-Möglichkeiten (154)
  5. Jugend­ar­beit (146)
  6. Blut­spen­de­we­sen (141)
  7. Ansprech­part­ner für Infos (126)
  8. Kata­stro­phen­vor­sorge (90)
  9. Tätig­kei­ten ande­rer RK Ein­hei­ten (83)
  10. Aktu­elle Kam­pa­gnen und Pro­jekte (74)
  11. Inter­na­tio­nale Hilfe (69)

Kommunikation & Vernetzung

Smartphone/PC und Tablett nut­zen 61% Befrag­ten mehr­mals am Tag zur Infor­ma­ti­ons­ge­win­nung. Die Mehr­heit, also 42%, zie­hen das Smart­phone zu Rate danach folgt der PC.

Zur Nut­zung von Social Media Kanä­len um mit Freun­den in Kon­takt zu blei­ben zeigt sich fol­gende Auf­tei­lung:

Als genutzte Pro­dukte vom Roten Kreuz wird zuerst rotes​kreuz​.at (46%) genannt, gefolgt von jugend​rot​kreuz​.at (15%) und Help​stars​.at (13%) (jetzt: www​.get​-social​.at)

Über Neu­ig­kei­ten wol­len die Befrag­ten am liebs­ten ein­mal die Woche (29%) infor­miert wer­den sowie wenn aktu­elle Ereig­nisse ein­tre­ten wie Kata­stro­phen, Kam­pa­gnen (33%). Und das am liebs­ten in Form eines News­let­ter (44%) gefolgt von Infos über Face­book (34%).

Ein­deu­tig möch­ten die Befrag­ten eine Home­page mit Infos nut­zen, über Face­book kom­mu­ni­zie­ren, wol­len mehr über die Akti­vi­tä­ten von RK-Einheiten in ande­ren Bun­des­län­dern erfah­ren und möch­ten direkt mit Ent­schei­dungs­trä­gern der Orga­ni­sa­tion kom­mu­ni­zie­ren. Eher weni­ger wol­len die Befrag­ten über ihr eige­nes Enga­ge­ment berich­ten.

Partizipation

Wie das Inter­esse zu ein­zel­nen The­men­be­rei­chen aus­sieht zeigt sich hier:

  1. Mit­spra­che (373 eher wichtig/ 69 eher unwich­tig)
  2. Fami­lie Freunde (330 eher wich­tig /18 eher unwich­tig)
  3. Gesund­heit (327 eher wichtig/29 eher unwich­tig)
  4. Aus­bil­dung ( 311 eher wichtig/ 41 eher unwich­tig)
  5. Frei­zeit (299 eher wich­tig /55 eher unwich­tig)
  6. Zusam­men­le­ben (290 eher wich­tig /58 eher unwich­tig)
  7. Arbeit (271 eher wichtig/ 78 eher unwich­tig)
  8. Bezie­hung, Liebe, Sex (251 eher wich­tig /73 eher unwich­tig)
  9. Iden­ti­tät (236 eher wichtig/ 97 eher unwich­tig)
  10. Poli­tik (138 eher wich­tig /194 eher unwich­tig)
  11. Migra­tion (131 eher wichtig/191 eher unwich­tig)

Geschrieben von Gerald Czech

16. Dezember 2015 um 13:51

Crowd Tasking für das Rote Kreuz?

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Wir star­ten heute mit einem Ver­such, gemein­sam ein Bild­le­xi­kon zu erstel­len, das unse­ren nicht deutsch­spra­chi­gen Gäs­ten die Kom­mu­ni­ka­tion und den Ein­stieg in Öster­reich erleich­tern soll.

Jede Woche kom­men über tau­send Men­schen nach Öster­reich. Die meis­ten kön­nen nicht Deutsch und viele auch nicht Eng­lisch. Um den Gäs­ten die Ver­stän­di­gung so ein­fach wie mög­lich zu machen, wol­len wir bis Anfang Sep­tem­ber ein Bil­der­le­xi­kon auf­le­gen, in dem die 1.000 wich­tigs­ten Wör­ter visua­li­siert und erklärt wer­den.

Telefon

Dazu brauchen wir Deine Unterstützung!

Um dies auch mög­lichst schnell umset­zen zu kön­nen, zäh­len wir auf viele frei­wil­lige Unter­stüt­ze­rIn­nen. Wir bit­ten Dich, aus­sa­ge­kräf­tige Fotos oder Skiz­zen zu ein­zel­nen Wör­tern zu machen. So soll es mög­lich sein mit­tels des deut­schen Wor­tes und einem Bild eine leichte Über­set­zung dar­zu­stel­len. Dazu beschrifte dein Foto bitte mit dem jewei­li­gen Wort dass Du mit dem Bild abge­bil­det hast. WICHTIG: Dabei ist sicher­zu­stel­len, dass Du selbst die Rechte auf das Foto hast, also keine Google-Recherchen machen son­dern selbst foto­gra­fie­ren. Die Fotos brau­chen eine hohe Auf­lö­sung (bitte beim Upload nicht auf das ankli­cken ver­ges­sen). Mit dem Hoch­la­den über­trägst Du uns die unein­ge­schränk­ten Nut­zungs­rechte an dem Foto. Wenn Per­so­nen abge­bil­det sind, bitte hier auch ein Ein­ver­ständ­nis ein­ho­len.

Wie geht’s?

Schau in unse­rer Facebook-Gruppe vor­bei und werde Teil des Pro­jekts. Dort kannst du in den jewei­li­gen bereits ange­leg­ten Foto­al­ben, die sich immer einem bestimm­ten The­men­be­reich wid­men, jeder­zeit neue Bil­der hin­zu­fü­gen und die­ses erwei­tern. Eben­falls brau­chen wir Redak­teu­rin­nen und Redak­teure, die hier die Fotos bewer­ten und aus­wäh­len und eine brauch­bare Samm­lung zusam­men stel­len. Du bist bereit hier mit­zu­ma­chen? Hier geht’s zur Facebook-Gruppe: https://​www​.face​book​.com/​g​r​o​u​p​s​/​1​6​8​5​1​5​9​9​6​5​0​4​6​9​96/

Fragen?

01 58900 154

Sonja.​kuba@​roteskreuz.​at

Gerald.​czech@​roteskreuz.​at

Geschrieben von Gerald Czech

26. August 2015 um 16:16

Abgelegt in einsatz,Hilfe

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#4nepal

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In Nepal ver­wüs­tete ver­gan­ge­nes Wochen­ende ein Erd­be­ben große Teile des Lan­des. Tau­sende Tote, hun­dert­tau­sende Betrof­fene. Die ganze Welt hält den Atem an. Wie dra­ma­tisch die Lage vor Ort ist, berich­tete uns heute unser Disaster-Manager Jür­gen Högl, der in Wien die Hilfe des Roten Kreu­zes koor­di­niert.

Mehr als Medien konsumieren?

Was kann man nun online und digi­tal machen, um die Awa­ren­ess für eine sol­che Kata­stro­phe zu erhö­hen, den Men­schen, die nicht Stamm­kon­su­men­ten der Haupt­abend­nach­rich­ten sind, die Situa­tion der Betrof­fe­nen vor Ort näher brin­gen?

Gemein­sam mit unse­rem Part­ner den Socia­lis­ten haben wir über­legt, was es braucht, um mehr zu pro­du­zie­ren, als blo­ßes Rau­schen. Nicht die sieb­zehnte Stimme im Chor der „Hilfe-Rufenden“ zu sein, son­dern jedem die Mög­lich­keit zu geben, sich aktiv an soli­da­ri­schen Aktio­nen für die Betrof­fe­nen in Nepal zu enga­gie­ren.

Ein Aufruf zur Menschlichkeit.

4nepalUnsere Idee war nun, den sozi­al­me­dia­len Dis­kurs selbst zum Thema zu machen und auf einer Seite zu kana­li­sie­ren. Alle Pos­tings mit dem has­tag #4nepal wer­den gescannt und auf einer ein­zi­gen Seite zusam­men­ge­fasst: www​.4ne​pal​.at (oder eng­lisch­spra­chig: www​.4ne​pal​.info). Das soll einer­seits die Mög­lich­keit geben, seine eigene Inter­ak­tion im Kon­text von ande­ren Mane­schen zu sehen und ande­rer­seits wei­tere Per­so­nen dazu ein­la­den, sich selbst zu enga­ge­ie­ren.

Online-Volunteering at it’s best

Am Nach­mit­tag hat uns dann noch Jakob Kal­ten­bru­mer, ein Frei­wil­li­ger aus dem Roten Kreuz in Ober­ös­ter­reich unter­stützt und in 20 Minu­ten einen schö­nen HTML-Frame für die Seite gebaut, vie­len Dank!

Poste auch Du und lade weitere zur aktiven Solidarität ein!

kalyanKALYAN (ist Nepalesisch und bedeutet Wohlergehen)

Nach dem dra­ma­ti­schen Erd­be­ben, das in der Hima­la­yare­gion enorme Schä­den ver­ur­sacht hat ist das mensch­li­che Leid in Nepal enorm. Wir wol­len allen die Mög­lich­keit geben, ihr Mit­ge­fühl auch digi­tal aus­zu­drü­cken – online dazu bei­tra­gen, dass es den Betrof­fe­nen nach dem Erd­be­ben bes­ser geht. Natür­lich ist mate­ri­elle Hilfe im Moment das Wich­tigste, das berich­ten auch unsere Mit­ar­bei­ter vor Ort. Doch neben dem Spen­den ist auch die mensch­li­che Nähe wich­tig.

Poste Deine Wün­sche für Betrof­fene des Erd­be­bens in Nepal. Zeige Deine Unter­stüt­zung durch ein Pos­ting, einen Spruch, ein Sel­fie oder tagge eine Aktion mit der Du den Betrof­fe­nen hilfst mit dem Hash­tag #4nepal. Und lade Deine Freunde ein, Deine Geschäfts­par­ter, Dein Netz­werk.

Etwas Gutes tun heißt zu zei­gen, dass einem die Situa­tion und vor allem die Men­schen vor Ort nicht kalt las­sen! Also zeig Dein Com­mit­ment mit #4nepal

Alle Pos­tings von Face­book, Twit­ter und Ins­ta­gram fin­dest Du auf www​.4ne​pal​.at.

Damit wir gemein­sam Auf­merk­sam­keit für die betrof­fe­nen Fami­lien und Kin­der schaf­fen kön­nen brau­chen wir Deine Hilfe!

Geschrieben von Gerald Czech

28. April 2015 um 11:55

#getsocial: Ergebnisse der Jugendkampagne

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EINLEITUNG

Wenn wir vom Roten Kreuz als größte huma­ni­täre Orga­ni­sa­tion der Welt sagen, dass die Jugend unsere Zukunft ist, so ste­hen wir im Feld der Kom­mu­ni­ka­tion nicht alleine da. Nahezu alle Kom­mu­ni­ka­to­rin­nen und Kom­mu­ni­ka­to­ren wol­len jugend­li­ches Image für ihre Mar­ken ver­mit­teln und ver­mehrt junge Men­schen zu Inter­ak­tio­nen anre­gen. Obwohl Maga­zine wie der Stern den „Abschied vom Jugend­wahn“ schon vor zehn Jah­ren titel­ten, ist die­ser nar­ra­tiv in der Kom­mu­ni­ka­tion noch immer all­ge­gen­wär­tig.

Jugend 2.0 ?

Doch mit der radi­ka­len Indi­vi­dua­li­sie­rung und dem Wan­del der Kom­mu­ni­ka­ti­ons­ka­näle kam auch die Auf­split­tung. Konn­ten frü­her ein­zelne Jugend­kul­tu­ren klar gegen­ein­an­der abge­grenzt wer­den, ver­schwim­men die Gren­zen immer mehr, auch die Gren­zen zwi­schen den Alters­grup­pen. Jung zu sein bedeu­tet heut­zu­tage viel mehr einen Lebens­stil zu füh­ren, der vom Alter ent­kop­pelt ist. In die­sem Sinne gibt es durch­aus sehr alte 14-Jährige und äußerst junge 40-Jährige.

Für das Öster­rei­chi­sche Rote Kreuz – die größte huma­ni­täre Frei­wil­li­gen­or­ga­ni­sa­tion in Öster­reich – ist das Thema Jugend essen­ti­ell. Im Bereich der frei­wil­li­gen Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter sehen wir bei unter 25-Jährigen die starke Moti­va­tion, ande­ren zu hel­fen.

Das Thema Jugend hat die Füh­rungs­kräfte des Roten Kreu­zes daher in den ver­gan­ge­nen Jah­ren schon inten­siv beschäf­tigt, wurde doch ein Stra­te­gie­pro­zess umge­setzt, um einer­seits Ange­bote für junge Men­schen bereit­zu­stel­len und ande­rer­seits den jun­gen Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­tern mehr Stimme und Ein­fluss in Gre­mien zu geben. Es geht in unse­ren Anstren­gun­gen immer um die drei unter­schied­li­chen Stakeholder-Aspekte von jun­gen Men­schen:

  • einer­seits jugend­li­che Anspruchs­grup­pen in der Kom­mu­ni­ka­tion,
  • ande­rer­seits Jugend­li­che als Emp­fän­ge­rin­nen von Leis­tungs­an­ge­bo­ten sowie
  • als frei­wil­lige Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter.

Im Anschluss an die stra­te­gi­schen Pla­nun­gen für die Gesamt­or­ga­ni­sa­tion in den ver­gan­ge­nen Jah­ren wurde das Jahr 2014 aus­ge­wählt, um die Maß­nah­men der inte­grier­ten Kom­mu­ni­ka­tion in die­sem Seg­ment zu star­ten. Wie immer im föde­ra­len Multistakeholder-Umfeld des Roten Kreu­zes ist die koor­di­nierte Kam­pa­gnen­pla­nung gemein­sam mit den kofi­nan­zie­ren­den Lan­des­or­ga­ni­sa­tio­nen bereits Teil der Kam­pa­gne selbst, weil diese Aus­hand­lungs­pro­zesse gemein­sa­mes Ver­ständ­nis und Koor­di­nie­rung der Ziel­hier­ar­chien und Bot­schaf­ten mit­brin­gen. In die­sem Falle wurde die Zahl der Sta­ke­hol­der auf­grund des Jugend-Tryptichons (Kommunikations-Anspruchsgruppe, Leistungsempfänger/in, Mitarbeiter/in) noch ein­mal kom­ple­xer.

Maßgeschneiderter integrierter Ansatz

Dafür konnte ein spe­zi­fisch auf die wohl ein­zig­ar­ti­gen Bedürf­nisse des Roten Kreu­zes geschnei­der­tes inte­grier­tes Kom­mu­ni­ka­ti­ons­an­ge­bot gemein­sam mit meh­re­ren Agen­tur­part­nern geplant, kon­zep­tio­niert und umge­setzt wer­den – wie die Ergeb­nisse schluss­end­lich zei­gen auch sehr erfolg­reich.

MANAGEMENT SUMMARY

Auch wenn nam­hafte Jugend­for­scher immer wie­der kri­ti­sie­ren, dass junge Men­schen in Öster­reich nur kon­sum­ori­en­tiert seien, ego­is­tisch und gleich­gül­tig, woll­ten wir mit dem Kom­mu­ni­ka­ti­ons­schwer­punkt im Som­mer 2014 zei­gen, dass dem nicht so ist.

Das Rote Kreuz ver­fügt in Öster­reich über ein Netz­werk von über 76.000 frei­wil­li­gen, beruf­li­chen und zivil­dienst­leis­ten­den Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­tern. Dabei sind beson­ders die unter 25-Jährigen das Rück­grat der Orga­ni­sa­tion im Frei­wil­li­gen­be­reich.

Bei die­ser Kam­pa­gne wurde in einem inte­grier­ten Kom­mu­ni­ka­ti­ons­an­satz erst­mals der Schwer­punkt in der digi­ta­len Sphäre gesetzt. Digi­tale (und vor allem Social Media-Elemente) in der jugend­li­chen Kernsta­ke­hol­der­gruppe wur­den durch klas­si­sche Tools und Offline-Aktivitäten ergänzt. Dabei wurde auf die Auf­wer­tung des Begrif­fes sozial / social durch die Ent­wick­lun­gen der letz­ten Jahre gesetzt und zu sozia­lem Enga­ge­ment mit „get social“ auf­ge­ru­fen: Ins­ge­samt konn­ten allein auf digi­ta­lem Weg über 14 Mil­lio­nen Per­so­nen erreicht wer­den.

Die Rotkreuz-Mitarbeiterinnen und Mit­ar­bei­ter waren Bot­schaf­ter und Kom­mu­ni­ka­to­ren der Kam­pa­gne und haben on- und off­line gezeigt, was „gemein­sam mehr“ heißt und wie man damit Men­schen in Not hel­fen kann.

Das Öster­rei­chi­sche Rote Kreuz, seine Lan­des­ver­bände und Dienst­stel­len haben mit der Kam­pa­gne „#get­so­cial“ auf­ge­zeigt und bewie­sen, dass es gerade die Jugend ist, auf die man sich ver­las­sen kann, wenn es ums Hel­fen geht und noch mehr junge Men­schen für sozia­les Enga­ge­ment und die Idee der Mensch­lich­keit begeis­tert. Die Bekannt­heit und die Mar­ken­werte des Roten Kreu­zes konn­ten – wie inten­diert – auch tat­säch­lich gestei­gert wer­den.

KOMMUNIKATIONSKONZEPT

Ausgangssituation

Das Rote Kreuz in der Wahrnehmung von außen

Das Öster­rei­chi­sche Rote Kreuz zählt zu den bekann­tes­ten Mar­ken in Öster­reich, nicht nur im Nonprofit-Bereich. So lis­tet der Young&Rubicam Brand Asset Valua­tor das Rote Kreuz regel­mä­ßig unter den Top 20 Mar­ken in Öster­reich. Die Orga­ni­sa­tion ist bekannt und steht für Ver­trauen, Hilfe, Ver­ant­wor­tung, Zuver­läs­sig­keit, Ehr­lich­keit und Kom­pe­tenz.

Betrach­tet man in den Umfra­gen die ver­schie­de­nen Alters­grup­pen, so kann man in den ver­gan­ge­nen Jah­ren fest­stel­len, dass gerade im Bereich der sehr jun­gen und jun­gen Öster­rei­che­rin­nen und Öster­rei­cher im Alters­seg­ment von 13 – 25 die Bekannt­heit, aber auch die Sym­pa­thie signi­fi­kant nied­ri­ger sind als in den Alters­seg­men­ten, die direkt mit dem Roten Kreuz und sei­nen Leis­tun­gen zu tun haben. Zusätz­lich fällt auf, dass gerade im urba­nen Raum diese Werte noch gerin­ger sind.

Jugend­kul­tur­for­scher unter­stel­len der Jugend regel­mä­ßig, sie sei ego­is­tisch und kon­sum­ori­en­tiert, eine Erfah­rung, die man im Roten Kreuz nicht teilt, sind doch unter 25-Jährige das Rück­grat der Orga­ni­sa­tion im Frei­wil­li­gen­be­reich.

Das Thema Jugend nach innen

Seit dem Jahr 2010 wurde dem Thema Jugend im Roten Kreuz ein stra­te­gi­scher Schwer­punkt gewid­met. Interne Struk­tu­ren wur­den dafür vor­be­rei­tet, einer­seits das Augen­merk auf junge Sta­ke­hol­der zu legen und die Orga­ni­sa­tion noch fit­ter für das Enga­ge­ment jün­ge­rer Men­schen zu machen und ande­rer­seits junge Men­schen auch in den Ent­schei­dungs­gre­mien zu ver­an­kern. Umge­setzte Maß­nah­men dar­aus – retro­spek­tiv betrach­tet auch interne Vor­be­rei­tungs­ar­bei­ten für die Kom­mu­ni­ka­ti­ons­ak­ti­vi­tä­ten 2014 – waren die Koop­tie­rung von Jugendvertreter/innen in das höchste sta­tu­ta­ri­sche Gre­mium, die Prä­si­den­ten­kon­fe­renz des Öster­rei­chi­schen Roten Kreu­zes und in die regel­mä­ßige Tagung der Landesgeschäftsführer/innen. Auf Bun­des­ebene wurde ein Bereich „Jugend“ ins Leben geru­fen, der direkt der Geschäfts­füh­rung unter­stellt ist und daher orga­ni­sa­ti­ons­in­tern die­selbe „sym­bo­li­sche“ Wich­tig­keit hat, wie Ein­satz­ma­nage­ment oder Pflege & Betreu­ung.

Im Zuge die­ser Vor­be­rei­tun­gen wur­den auch die Leis­tungs­be­rei­che eva­lu­iert und opti­miert, in denen sich die Jugend­li­chen als frei­wil­lige Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter im Roten Kreuz ein­brin­gen kön­nen. Ande­rer­seits wur­den Informations-, Beratungs- und auch Unter­stüt­zungs­an­ge­bote für junge Men­schen ent­wi­ckelt und aus­ge­baut, die für diese als Ziel­grup­pen erbracht wer­den.

Ziele der Kampagne

Die Ziel­for­mu­lie­rung als Auf­trag an das Kam­pa­gnen­team war mehr­stu­fig. Einer­seits musste nach innen gewirkt wer­den, um den Stra­te­gie­pro­zess auch nach­hal­tig kom­mu­ni­ka­tiv zu ver­an­kern, ande­rer­seits war die externe Wir­kung Haupt­schwer­punkt des erfolg­reich umge­setz­ten Kon­zepts.

Stakeholder und Kommunikationsziele

Die Ziele wur­den von Beginn an nach Sta­ke­hol­der­seg­men­ten geclus­tert. Bei der Gestal­tung der Jugend­kam­pa­gne stand als pri­märe externe Sta­ke­hol­der­gruppe jene der 14- bis 18-Jährigen im Fokus. Als wei­tere Sta­ke­hol­der wur­den Per­so­nen aus dem Umfeld von Jugend­li­chen defi­niert. Diese Sekund­är­ziel­gruppe ist im Alter von 25+, und umfasst Eltern, Fami­li­en­mit­glie­der, Leh­rer, Arbeit­ge­ber, etc.

Im Kon­kre­ten erga­ben sich daher für die Ziel­for­mu­lie­rung fol­gende all­ge­meine und spe­zi­fi­sche Kom­mu­ni­ka­ti­ons­ziele:

Bekannheit im Bereich 14 – 18 Jahre

  • Bekannt­heit des Roten Kreu­zes bei jun­gen Men­schen wei­ter stei­gern.

Imageziele im Bereich 14 – 18 Jahre

  • Mar­ken­werte des Roten Kreu­zes bei Jugend­li­chen wei­ter stei­gern (Sym­pa­thie).

Wirkungsziele im Bereich 14 – 18 Jahre

  • Jugend­li­che über Mög­lich­kei­ten des sozia­len Enga­ge­ments infor­mie­ren.
  • Jugend­li­che zu sozia­lem Enga­ge­ment bewe­gen.
  • Zukünf­tige Rotkreuz-Freiwillige gewin­nen.
  • Jugend­li­che als Jugendgruppen-Mitglieder oder –Betreuer/innen gewin­nen.

Imageziele in der Sekundärzielgruppe 25+

  • Das Umfeld der Jugend­li­chen über Rotkreuz-Angebote infor­mie­ren und damit die Marke ins­ge­samt „jün­ger“ machen.

Wirkungsziele interne Stakeholder

  • Die inter­nen Sta­ke­hol­der die­nen einer­seits als Ver­stär­ker der Kam­pa­gne, ande­rer­seits wird auch das Mar­ken­bild inner­halb der Orga­ni­sa­tion durch die Kom­mu­ni­ka­ti­ons­ak­ti­vi­tä­ten ver­än­dert. Aus die­sem Grunde hat die­ser Kam­pa­gnen­teil auch beson­dere Bedeu­tung.

Kommunikationsstrategie

Die Ziele der Kam­pa­gne sind mittel- bis lang­fris­tig gesteckt. Ein Drei-Säulen-Modell für das Enga­ge­ment soll als theo­re­ti­sches Kon­strukt zei­gen, in wel­chen Ebe­nen die Inter­ak­ti­ons­py­ra­mide in der Kern­an­spruchs­gruppe ange­legt wer­den kann.

Diese Säu­len sind:

  1. Bekannt­heit stei­gern
  2. Mar­ken­wert stei­gern (Image)
  3. Enga­ge­ment stei­gern (Wir­kung)

Für die drei Ebe­nen des Enga­ge­ments, im Rah­men die­ser Kam­pa­gne wird auf die bei­den ers­ten Säu­len das Haupt­au­gen­merk gelegt, da Enga­ge­ment eine mittel- bis lang­fris­tige Ent­schei­dung ist, die zudem nicht unmit­tel­bar inner­halb unse­rer Orga­ni­sa­tion erfol­gen muss und daher hin­sicht­lich der Wir­kungs­kon­trolle pro­ble­ma­tisch ist.

Die­ser Ansatz sollte mul­ti­modal und mul­ti­me­dial in den Kernsta­ke­hol­der­grup­pen umge­setzt und in den wei­te­ren Sta­ke­hol­der­seg­men­ten bekannt gemacht wer­den.

Grund­lage für die Detail­pla­nung war die Teil­nahme an den Mar­ket Jugend­stu­dien seit 2010 und der regel­mä­ßig rotkreuz-intern statt­fin­dende „Stim­mungs­ba­ro­me­ter“, um Inhalte, Ideen und auch bestehende Image­werte der jun­gen Ziel­grup­pen zu erfas­sen. Die Stra­te­gie wurde gemein­sam mit der Agen­tur Mono­pol ent­wi­ckelt, für die Her­an­ge­hens­weise an das Umfeld der Jugend­li­chen zeich­net Sil­ber­ball ver­ant­wort­lich. Wei­tere Agen­tur­part­ner waren Die Socia­lis­ten für die #Hashtag-Kampagne und IQmo­bile setzte eine mobile Marketing-Aktion per SMS um.

Strategischer Ansatz

Als stra­te­gi­scher Ansatz wurde eine mul­ti­me­diale Multilevel-Multistakeholder-Kampagne mit einem star­ken Social Media-Schwerpunkt ange­dacht, die an die Lebens­rea­li­tät jun­ger Men­schen anschließt, die bestehen­den Sto­ries aus dem Roten Kreuz auf­greift und mit Mit­teln des Sto­ry­tel­lings noch mehr junge Men­schen von der Idee der Mensch­lich­keit begeis­tert. Die Kom­mu­ni­ka­tion soll zunächst Reich­weite im Alters­seg­ment brin­gen, um in wei­te­rer Folge die Bekannt­heit und Sym­pa­thie (also Image) zu ver­bes­sern, was mit­tel­fris­tig zu Inter­na­li­sie­rung der Rotkreuz-Ideen führt und ver­mehrt junge Men­schen zum Enga­ge­ment (Wir­kung) bringt.

Der Slogan #getsocial als zentrales Element der Jugendkommunikation

Als zen­trale Kam­pa­gnen­idee dazu wurde ein Slo­gan ent­wi­ckelt, unter dem die gesam­ten Jugendkommunikations-Aktivitäten gestellt wer­den: #get­so­cial. Damit ist geplant, das in jun­gen Milieus durch­aus nega­tiv kon­no­tierte Adjek­tiv „sozial“ auf­zu­wer­ten, und mit „social“ den kom­mu­ni­ka­ti­ven Kon­nex von rea­lem pro­so­zia­len Ver­hal­ten und sozia­len Medien zu schaf­fen.

Dabei kann „social“ in drei ver­schie­de­nen Wei­sen ver­stan­den wer­den:

  1. Einer­seits als prak­tisch mensch­li­ches Ver­hal­ten, also im Sinne des Rotkreuz-Grundsatzes der Huma­ni­tät.
  2. Zwei­tens als sozia­les Netz der Fami­lie und Freunde, wie es auch das Rote Kreuz für Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter dar­stellt,
  3. und schluss­end­lich drit­tens als Social Media, also Face­book & Co.

Kernbotschaften

Als Kern­bot­schaf­ten wur­den defi­niert:

  1. Du tust oft schon etwas Sozia­les, von dem du nicht wuss­test, dass es auch die Grund­idee des Roten Kreu­zes ist.
  2. Junge Men­schen sind bes­ser, als ihr Ruf: sie enga­gie­ren sich und hel­fen ande­ren gerne.
  3. Jeder kann sich sozial enga­gie­ren, Help­Stars , die huma­ni­täre Jugend­platt­form des Roten Kreu­zes, ist die Platt­form, um die­ses Enga­ge­ment sicht­bar zu machen.

Maßnahmen

Grund­idee für die Kom­mu­ni­ka­tion war es, einen Inter­ak­ti­onstrich­ter mit meh­re­ren Ein­gän­gen zu kon­stru­ie­ren, über den wir die ein­zel­nen Sta­ke­hol­der­seg­mente genau nach den jewei­li­gen Bedürf­nis­sen infor­mie­ren und ser­vicie­ren kön­nen. Dazu wurde zu Beginn fest­ge­legt, dass die digi­tale Kom­mu­ni­ka­tion zu den Haupt­s­ta­ke­hol­der­grup­pen immer über das huma­ni­täre Jugend­por­tal kana­li­siert wird, das gemein­sam von Öster­rei­chi­schem Roten Kreuz und Öster­rei­chi­schem Jugend­rot­kreuz betrie­ben wird.

Eine wei­tere durch­gän­gige Kom­mu­ni­ka­ti­ons­maß­nahme ist die Gestal­tung eines Gesamt­kam­pa­gnen­art­works durch den Künst­ler Boi­cut, der mit dem Key Visual der Kam­pa­gne, einem sym­bo­li­schen Her­zen, ver­sucht hat, die huma­ni­tä­ren Kern­ele­mente des Roten Kreu­zes für junge Men­schen zu visua­li­sie­ren. Ele­mente die­ses Kom­mu­ni­ka­ti­ons­de­signs fin­den sich in allen Online- und Offline-Aktivitäten.

Zwei Wege, ein Ziel: Get Social!

Methode der Kam­pa­gne war es, Jugend­li­che dort abzu­ho­len, wo sie kom­mu­ni­zie­ren. Daher war ein wich­ti­ger Schritt die Kom­mu­ni­ka­tion in Sozia­len Netz­wer­ken. Aus die­sem Grund wurde wäh­rend der gesam­ten Kam­pa­gne ein Haupt­au­gen­merk auf die Ver­brei­tung unse­rer Ideen, Grund­sätze, Ange­bote usw. auf Face­book, Twit­ter und Ins­ta­gram gelegt.

Als zwei­ter Weg in die Online­welt wur­den natür­lich die Kam­pa­gnen­in­halte und –videos auch im Rotkreuz-Onlineportal der Home­page und Help​Stars​.at aktiv mit­ein­be­zo­gen.

Das interaktive YouTube-Video als Kernelement

Bei der Ver­brei­tung der Bot­schaft der Kam­pa­gne setzte man auf ein inter­ak­ti­ves YouTube-Video als Kom­mu­ni­ka­ti­ons­mit­tel. Die­ses wurde inter­es­sant, spek­ta­ku­lär und lus­tig gestal­tet, um das Inter­esse der jun­gen Gene­ra­tion zu wecken. Auf den Absen­der wurde zu Beginn bewusst ver­zich­tet, um einen Über­ra­schungs­ef­fekt zu erzie­len.

Das Viral kon­kret:

  • Ein inter­ak­ti­ves YouTube-Video ging mit Kam­pa­gnen­start online.
  • In dem inter­ak­ti­ven Video hat der User die Mög­lich­keit den Fort­lauf der Geschichte mit ver­schie­de­nen Ent­schei­dun­gen aktiv zu beein­flus­sen.
  • Das inter­ak­tive Ele­ment im Viral soll dazu moti­vie­ren, auch im „ech­ten Leben“ sozial aktiv zu wer­den.
  • Der Inhalt wird sehr über­zeich­net dar­ge­stellt und ist so ein Ver­such, in der Ziel­gruppe „Wir­bel“ zu machen.
  • Im Wei­te­ren soll der Inhalt neu­gie­rig auf mehr machen und so die Use­rin­nen und User dazu moti­vie­ren, die­ses Video aktiv zu ver­brei­ten.
  • Das Video soll auch pro­vo­zie­ren und zu Dis­kus­sio­nen füh­ren.
  • Im Viral ent­deckt der User den per­sön­li­chen sozia­len Hand­lungs­spiel­raum und trifft Ent­schei­dun­gen sub­jek­tiv.
  • Jeman­den vor dem Sturz in die Glas­scher­ben zu bewah­ren, bedeu­tet „aus Liebe zum Men­schen“ zu han­deln. Der User ent­deckt, dass sich sein nor­ma­les tag­täg­li­ches Han­deln mit den Wer­ten des Roten Kreu­zes deckt.
  • Die Mes­sage: Du tust schon etwas, von dem du nicht wuss­test, dass es auch die Grund­idee des Roten Kreu­zes ist.
  • Jugend­li­che im Video sind zum größ­ten Teil selbst Rotkreuz-Jugendgruppen-Mitglieder.

Je nach den getrof­fe­nen Ent­schei­dun­gen im Video wurde der User/die Use­rin auf ver­schie­dene Lan­ding­pa­ges wei­ter­ge­lei­tet. Die dort prä­sen­tier­ten Infor­ma­tio­nen schlos­sen an die Hand­lun­gen im Video an.
Um die Ver­lin­kung auch bei mobi­len End­ge­rä­ten zu ermög­li­chen, ein Fea­ture, das Google auf YouTube nicht gene­risch imple­men­tiert hat, wurde unter m.get-social.at eine eigene mobil ver­füg­bare Web­site umge­setzt.

Jugendportal als Landingpage

Das gemein­same huma­ni­täre Jugend­por­tal von Rotem Kreuz und Jugend­rot­kreuz fun­gierte als Lan­ding­page für die jugend­li­che Ziel­gruppe. Von dort wer­den die Interessent/innen regional/thematisch zu spe­zi­fi­schen Infor­ma­tio­nen im Rotkreuz-Netzwerk wei­ter­ge­lei­tet. Die Jugend­platt­form wurde anläß­lich der Kam­pa­gne einem inhalt­li­chen und gra­phi­schen Relaunch unter­zo­gen.

Whatchado-Stories

Ein zen­tra­les Ele­ment im Rah­men der Kam­pa­gne ist Sto­ry­tel­ling, also der Trans­port der Kam­pa­gnen­in­halte mit Hilfe von Geschich­ten an inter­es­sierte Per­so­nen. Im Sinne der Stra­te­gie ist das also die zweite Säule. Dies wird mit Mitarbeiter/innen-Interviews auf der Online-Video-Plattform What­chado (www​.what​chado​.com) umge­setzt.

What­chado ver­steht sich selbst als Job Dating Seite, auf der Nut­zer der Seite mit zu ihnen pas­sen­den Beru­fen zusam­men­ge­führt wer­den. Wir als Rotes Kreuz wol­len dies aber nicht nur mit bezahl­ten Beru­fen machen, son­dern auch mit den vie­len unter­schied­li­chen Mög­lich­kei­ten des frei­wil­li­gen Enga­ge­ments, die es im Roten Kreuz gibt. User beant­wor­ten einen Fra­ge­bo­gen und bekom­men Videos von Men­schen vor­ge­schla­gen, die ähn­lich den­ken wie sie selbst. So kön­nen Jugend­li­che selbst her­aus­fin­den, wel­che Tätig­keit zu ihnen passt und was das Rote Kreuz für sie im Ange­bot hat.

Dafür wur­den mehr als 50 Videos mit frei­wil­li­gen, beruf­li­chen und zivil­dienst­leis­ten­den Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­tern aus den unter­schied­li­chen Leis­tungs­be­rei­chen und allen Bun­des­län­dern gedreht. Alle Mit­ar­bei­ter und Mit­ar­bei­te­rin­nen beant­wor­ten dabei die glei­chen Fra­gen und erzäh­len wie es ist, sich im Roten Kreuz zu enga­gie­ren. Da es auch um den pri­va­ten Back­ground und die per­sön­li­che Lebens­er­fah­rung geht, sind die Videos viel authen­ti­scher und anspre­chen­der als eine her­kömm­li­che Stel­len­be­schrei­bung. Die Nut­zer kön­nen sich mit den Per­so­nen iden­ti­fi­zie­ren und ent­de­cken so auch das Poten­zial zu sozia­lem Enga­ge­ment in sich selbst.

Hashtag-Kampagne #getsocial

Wie bereits bei dem Punkt Kam­pa­gnen­me­tho­dik erklärt, setzt das Rote Kreuz im Rah­men der Jugend­kam­pa­gne zu einem gro­ßen Teil auf die Sozia­len Netz­werke. Um diese Kom­mu­ni­ka­ti­ons­ak­ti­vi­tä­ten aller Kanäle zu bün­deln und mess­bar zu machen, wurde eine Hashtag-Kampagne initi­iert. Alle public gestell­ten Pos­tings und Fotos mit dem Kam­pa­gnen­hash­tag „#get­so­cial“ wer­den auto­ma­tisch auf eine gemein­same Wall zusam­men­ge­führt und sind somit auch für Ver­an­stal­tun­gen und alle Inter­es­sier­ten auf wall​.get​-social​.at zugäng­lich. Die­ser Kam­pa­gnen­teil wurde von der Agen­tur „Die Socia­lis­ten“ umge­setzt.

Durch ver­schie­dene Pos­tings in den Social Media-Kanälen wie Face­book, Twit­ter oder Ins­ta­gram zeich­net sich auf der Kampagnen-Wall ein brei­tes Bild von sozia­lem Enga­ge­ment in Öster­reich ab.

Der ver­ein­fachte Zugang zu Inhal­ten und die Ein­fach­heit in der Dar­stel­lung von sozia­lem Enga­ge­ment in den Social Media-Kanälen ist auch für die mehr als 76.000 Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter im Roten Kreuz eine gute Gele­gen­heit, von ihrem per­sön­li­chem Ein­satz in den unter­schied­lichs­ten Berei­chen des Roten Kreu­zes zu berich­ten. Gerade das aktive Enga­ge­ment der Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter kann hier zusätz­lich instru­men­ta­li­siert wer­den, andere aktu­elle Hypes wie die Cold-Water-Challenge, der Har­lem Shake oder auch die Ice-Bucket-Challenge kön­nen so mit­ge­nom­men und unter den Kam­pa­gnen­schirm geholt wer­den.

Kampagnenvideo

Als ver­bin­den­des Ele­ment für die interne wie auch externe Kom­mu­ni­ka­tion wurde ein Video erstellt, das die ver­schie­de­nen Akti­vi­tä­ten jun­ger Men­schen im Roten Kreuz dar­stellt. Die­ses ist einer­seits intern als ver­bin­den­des Kom­mu­ni­ka­ti­ons­ele­ment gedacht, um die eige­nen Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter auf die­sel­ben Kom­mu­ni­ka­ti­ons­in­halte zu syn­chro­ni­sie­ren und ande­rer­seits dient es zur exter­nen Prä­sen­ta­tion der Akti­vi­tä­ten in die­sem Bereich, vor­nehm­lich aller­dings nicht bei den Jugend­li­chen, son­dern in ihrem Umfeld.

Offline-Kampagnenmaterialien, Give-aways

Für die interne und externe Kom­mu­ni­ka­tion wur­den unter­schied­li­che Offline-Kampagnenmaterialien pro­du­ziert. Neben wei­ßen Son­nen­bril­len, die zu Sel­fies im #getsocial-Style ein­la­den, gab es T-Shirts, Free­cards, Event­arm­bän­der, Ohren­stöp­sel, Kon­dome, Gum­mi­bä­ren aber auch Lie­ge­stühle und einen Foto­rah­men, um das Kampagnen-Artwork in die Fotos zu brin­gen. Zungen-Tattoos und Sti­cker wur­den eben­falls pro­du­ziert.

Die Give-aways wur­den unter ande­rem bei Groß­ver­an­stal­tun­gen, wie dem Novarock- bzw. dem Frequency-Festival, an viele hun­derte Jugend­li­che und junge Erwach­sene ver­teilt. Zahl­rei­che wei­tere regio­nale und lokale Events sind seit Juni dafür ver­wen­det wor­den, um über das Kam­pa­gnen­motto #get­so­cial zu infor­mie­ren und junge Men­schen über die Mög­lich­keit zu sozia­lem Enga­ge­ment zu infor­mie­ren. Dabei wur­den durch­aus pro­mi­nente Unter­stüt­zer Teil der Kam­pa­gne.

Kampagnenteil „Gemeinsam mehr“

Der par­al­lele Kam­pa­gnen­teil für das Umfeld der Jugend­li­chen wurde feder­füh­rend von der Agen­tur „Sil­ber­ball“ umge­setzt. Dabei konnte an die Mar­ken­kom­mu­ni­ka­tion der ver­gan­ge­nen Rotkreuz-Kampagnen ange­knüpft wer­den, indem die Bot­schaft „Gemein­sam mehr“ mit dem Slo­gan „Get Social!“ ver­knüpft wurde. Drei ver­schie­dene Sujets wur­den für den Print erstellt, Pos­ter pro­du­ziert und zahl­rei­che Sujets – gra­tis – geschal­ten. Das Motiv „Paar“ wurde auch als 8- und 16-Bogen Pla­kat pro­du­ziert und bun­des­weit in einer Zahl von 3.000 Stück affi­chiert.

Radiospot

Die Kom­mu­ni­ka­tion wurde durch einen 16-Sekunden-Radiospot ver­stärkt, der das Motto „Gemein­sam mehr“ in den Mit­tel­punkt stellt, indem eine Gruppe Jugend­li­cher eine gelang­weilte Jugend­li­che mit „get social!“ auf­for­dert, beim Roten Kreuz mit­zu­ma­chen. Eine wei­tere Schal­tung erfolgte im Som­mer auf Spo­tify, einem Online-Streaming-Musikdienst, der spe­zi­fisch von jun­gen Men­schen genutzt wird.

Pressearbeit

Im Rah­men der exter­nen Kom­mu­ni­ka­tion zu die­ser Kam­pa­gne wur­den vor allem Per­so­nen im Bereich der sekun­dä­ren Sta­ke­hol­der­gruppe erreicht. Eine Pres­se­kon­fe­renz und ein Foto­ter­min zum Start der Kam­pa­gne mit Familien- und Jugend­mi­nis­te­rin Sophie Kar­ma­sin fand im Jugend­mi­nis­te­rium statt und wurde rela­tiv breit rezi­piert. Dazu erfolg­ten Pres­se­aus­sen­dun­gen der durch­füh­ren­den Agen­tur­part­ner über die Kam­pa­gne an die Meta­me­dien. Gleich­zei­tig wurde begon­nen, sämt­li­che externe Medien-Kommunikation zu The­men der Jugend im Roten Kreuz unter das Dach von „#get­so­cial“ zu stel­len, was die Wir­kung der Kam­pa­gne im Sta­ke­hol­der­seg­ment des Umfelds von Jugend­li­chen ver­brei­tert hat.

Rotkreuz-Medien

Die Kom­mu­ni­ka­tion in den Rotkreuz- und Jugendrotkreuz-Medien erfolgte flä­chen­de­ckend. Sowohl die Rotkreuz-Zeitung, die an Mit­glie­der und Spen­der ver­sen­det wir, als auch die Jugendrotkreuz-Magazine wid­me­ten sich dem Thema Jugend­kam­pa­gne und vor allem den Akti­vi­tä­ten in die­sem Bereich.
Auf der Home­page des Roten Kreu­zes wurde ein eige­ner Infor­ma­ti­ons­be­reich für Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter, aber auch für externe Inter­es­sierte ein­ge­rich­tet, der die Kam­pa­gne und die Grund­la­gen unse­rer Arbeit im Jugend­be­reich für ältere Sta­ke­hol­der­seg­mente auf­be­rei­tet.

Mobile Kommunikation

Gemein­sam mit der Agen­tur IQmo­bile wurde für den Kam­pa­gnen­start ein mobi­les Add-On zur Kom­mu­ni­ka­tion geschaf­fen, um die Auf­merk­sam­keit zu stei­gern. Am Tag vor dem Kam­pa­gnen­start wurde das bis dahin geheim gehal­tene Viral online gestellt und ein Link per SMS an rund 30.000 Rotkreuz-Mitarbeiterinnen und Mit­ar­bei­ter geschickt. Das Echo war enorm. Diese Aktion wurde am Tag des Kam­pa­gnen­starts noch durch eine SMS-Aktion an wei­tere externe 28.851 Emp­fän­ge­rin­nen und Emp­fän­ger aus der Kernsta­ke­hol­der­gruppe ergänzt.

Zeitplanung

Die kon­krete Pla­nung in einer bun­des­wei­ten Arbeits­gruppe begann schon 9 Monate vor Kam­pa­gnen­start. Ein Ein­kop­peln der Kom­mu­ni­ka­ti­ons­ak­ti­vi­tä­ten auf loka­ler, regio­na­ler und bun­des­wei­ter Ebene erfor­dert beson­ders zu Beginn viel an inter­nem und exter­nem Planungs- und Kom­mu­ni­ka­ti­ons­auf­wand. Dabei wurde diese Kam­pa­gne zwi­schen andere Akti­vi­tä­ten ein­ge­passt. Die Rotkreuz-interne Kom­mu­ni­ka­tion star­tete Anfang Mai, die externe Kam­pa­gne am 12. Juni 2014.

WIRKUNGSKONTROLLE

Die Wir­kungs­kon­trolle der Kam­pa­gne erfolgte stra­te­gie­kon­form nach den Per­spek­ti­ven Reich­weite, Image und Wir­kung. Da sich die Inter­ak­tio­nen als Pri­mär­wir­kun­gen bei digi­ta­len sozi­al­me­dia­len Kam­pa­gnen wie­der auf die Reich­wei­ten rück­aus­wir­ken. Daher sind diese bei­den Per­spek­ti­ven gemein­sam erfasst.

Reichweiten und Interaktionen

Die Mes­sung der Reich­wei­ten erfolgte bei den digi­ta­len Aktio­nen just-in-time, dabei konn­ten die Impres­si­ons, aber auch die Inter­ak­ti­ons­ra­ten auch nach Ziel­grup­pen auf­ge­schlüs­selt zeit­nah erfasst und diese Ergeb­nisse in die Kam­pa­gne rück­über­mit­telt wer­den.

Hinzu kom­men noch die Reich­wei­ten der Radio­spots, Pla­kate und digi­ta­len Audio­wer­bung aus Spo­tify und die Offline-Aktionen bei Fes­ti­vals oder im Rah­men von dezen­tra­len Ver­an­stal­tun­gen in den Bun­des­län­dern und Bezir­ken. Hier ist eine Reich­wei­ten­schät­zung nur kur­so­risch mög­lich.

Diese Reich­wei­ten las­sen sich auf­grund der Unter­schied­lich­keit der Inter­ak­tio­nen und Moda­li­tä­ten nicht mit­ein­an­der ver­glei­chen, geschweige denn zusam­men­zäh­len.

Die pri­märe Wir­kung, also die Inter­ak­tio­nen und die Eta­blie­rung von Kommunikations-Beziehungen in den digi­ta­len Kanä­len, liegt mit einer Gesamt­zahl von über 70.000 Inter­ak­tio­nen über den Erwar­tun­gen. Ver­gleicht man das mit der Größe der Gesamt­ziel­gruppe, so kom­men wir auf eine Inter­ak­ti­ons­rate von über 5 %. Die mittel- und lang­fris­ti­gen Sekun­där­wir­kun­gen im Sinne von Enga­ge­men­tra­ten und Ver­än­de­run­gen im Ver­hal­ten von jun­gen Men­schen sind in der kur­zen Zeit noch nicht mess­bar. Anhand der auf digi­ta­len Kanä­len ein­ge­hen­den Mit­ar­beits­an­fra­gen kann aber abge­schätzt wer­den, dass sich hier eben­falls Stei­ge­run­gen erge­ben könn­ten.

Wirkungsmessung

Intern – Stimmungsbarometer

Das Öster­rei­chi­sche Rote Kreuz führt alle drei Jahre eine interne Mei­nungs­um­frage unter Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­tern durch. Auch 2014 wurde die­ser „Stim­mungs­ba­ro­me­ter“, begin­nend Ende Juni bis Ende August, durch­ge­führt. Ins­ge­samt haben über 2.800 Rotkreuz-Mitarbeiterinnen und Mit­ar­bei­ter an die­ser Umfrage teil­ge­nom­men.

Die Ergeb­nisse sind, was das Enga­ge­ment von jun­gen Men­schen im Roten Kreuz betrifft, inter­es­sant. 95 % der Mitarbeiter/innen unter 25 Jah­ren geben an, ehren­amt­lich tätig zu sein, um Neues zu ler­nen und fast 90 % wol­len etwas für andere tun. Im Ver­gleich zur letz­ten Umfrage – und hier hat die Kam­pa­gne dazu bei­ge­tra­gen – füh­len 74 % der jun­gen Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter, dass „RK-intern der Grund­satz der Mensch­lich­keit im Sinne von Ver­ständ­nis, Freund­schaft und Zusam­men­ar­beit gelebt“ wird (nach 60% im Jahr 2011).

Extern – Online-Umfrage

Für die Wir­kungs­mes­sung wurde Ende August eine Markt­for­schung vom Lin­zer Unter­neh­men mar­ket durch­ge­führt. Dabei wur­den 800 Per­so­nen zu unter­schied­li­chen Image­wer­ten bzw. Tei­len der Kam­pa­gne und Bekannt­heit bzw. Sym­pa­thie des Roten Kreu­zes online befragt. Um die Ziel­ge­nau­ig­keit der Kom­mu­ni­ka­ti­ons­ak­ti­vi­tä­ten zu eru­ie­ren wur­den zwei ver­schie­dene Alters­seg­mente unter­sucht. Die „junge“ Ziel­gruppe (500 Befragte) war – auch panel­be­dingt – von 15 – 29 Jahre selek­tiert, die Kon­troll­gruppe von 40 – 59 Jah­ren beinhal­tete 300 Per­so­nen aus ganz Öster­reich. Die rea­len Werte in der Kernsta­ke­hol­der­gruppe dürf­ten daher noch höher lie­gen.

Die Ergebnisse der Umfrage im Detail

25 % der Ziel­gruppe berich­ten unge­stützt, dass ihnen die Kam­pa­gne auf­ge­fal­len ist (16 % in der Kon­troll­gruppe). Bei Vor­zei­gen von Kam­pa­gnen­su­jets und Ban­nern steigt die­ser Anteil auf 38 % (28 % in der Kon­troll­gruppe).

Dem Roten Kreuz ord­nen 14 % der Gesamt­be­frag­ten (und daher 58 % der Kam­pa­gnen­ken­ner) in der Kern­ziel­gruppe die Jugend­kam­pa­gne zu. (Kon­troll­gruppe: 8 % bzw. 50 % der Kam­pa­gnen­ken­ner).

Auch in Sachen frei­wil­li­ges Enga­ge­ment ist die Jugend bes­ser als ihr Ruf. Sowohl, was das tat­säch­li­che Enga­ge­ment betrifft, als auch hin­sicht­lich der Bereit­schaft in Hilfs­or­ga­ni­sa­tio­nen, spon­tan bei Kata­stro­phen oder auch im eige­nen Umfeld zu hel­fen – die Ant­wort­ra­ten sind bei jun­gen Men­schen immer auf dem­sel­ben Niveau wie bei den älte­ren Öster­rei­che­rin­nen und Öster­rei­chern. Im Bereich der Bereit­schaft zur spon­ta­nen Hilfe bei Kata­stro­phen ist der Wert sogar signi­fi­kant höher. Das ent­spricht auch unse­ren Erfah­run­gen, was das tat­säch­li­che Enga­ge­ment von jun­gen Men­schen betrifft, die tag­ein und tag­aus beim Öster­rei­chi­schen Roten Kreuz frei­wil­lig „aus Liebe zum Men­schen“ tätig sind. Und das mit Freude.

Geschrieben von Gerald Czech

23. Oktober 2014 um 11:48

Loslassen lernen

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Anläss­lich der re:campaign 2013 wurde der Leit­fa­den „Social Media für Non­Pro­fits“ neu auf­ge­legt. Ich wurde ein­ge­la­den, das Edi­to­rial zum Thema Social Media Stra­te­gien zu schrei­ben, das ich gerne hier auch poste.

Social Media Strategien für Nonprofits.

Von Gerald Czech

Gerald Czech ist Sozio­öko­nom, Ein­satz­ma­na­ger und Lei­ter New Media im Öster­rei­chi­schen Roten Kreuz. Als lang­jäh­ri­ger Ehren­amt­li­cher im Ret­tungs­dienst kennt er Nonprofit-Organisationen aus allen Per­spek­ti­ven.

Als Mit­ar­bei­te­rIn von NPOs, NGOs, Stif­tun­gen und Initia­ti­ven – im fol­gen­den als “Non­pro­fits” ver­ein­facht – ist man gewöhnt anzu­pa­cken, wenn in der Gesell­schaft etwas nicht klappt, sich selbst und per­sön­lich ein­zu­set­zen, wofür man steht. Jetzt, hier und sofort. “Ich weiß ja woran es krankt, wer meine Hilfe braucht, wen ich unter­stüt­zen kann!”

Loslegen, jetzt, sofort!

Schon die legen­dä­ren Grün­der und Grün­de­rin­nen der bekann­ten Initia­ti­ven des drit­ten Sek­tors haben gezeigt, wie man sozu­sa­gen „hands-on“ seine Ein­stel­lung durch fak­ti­sches Han­deln zeigt: Irgend­wie steckt in vie­len von uns ein klei­ner Henry Dun­ant (Begrün­der des Int. Roten Kreu­zes, Anm. d. Red.), der aktio­nis­tisch hel­fen will, weil eben Hilfe benö­tigt wird. Auf­grund unse­rer Erzie­hung, unse­rer Ein­stel­lun­gen und Denk­mus­ter wis­sen wir meist spon­tan, was zu tun ist: Wer friert, braucht eine Decke; wer durs­tig ist, braucht etwas zu Trin­ken; wenn es brennt, dann löscht man.

Know me, like me?

Kom­ple­xer wird es, wenn wir gemein­sam hel­fen wol­len – arbeits­tei­lig in Form einer Orga­ni­sa­tion, zum Bei­spiel als Non­pro­fit. Da beginnt es plötz­lich kom­plex zu wer­den. Was für einen selbst gilt, funk­tio­niert gemein­sam nicht mehr: Auf ein­mal brau­chen wir ein ein­heit­li­ches Ver­ständ­nis für die Auf­ga­ben – am bes­ten gemein­sam ver­ein­bart und nie­der­ge­schrie­ben. Kurz: Wir brau­chen eine Stra­te­gie! Glei­ches gilt für das Enga­ge­ment im „vir­tu­el­len Raum“. Als Ein­zel­per­son bei Face­book & Co. bin ich unver­wech­sel­bar und authen­tisch, ich habe ein per­sön­li­che Freunde, Bekannte, Ver­wandte. Und sogar Men­schen, die mich nicht mögen, ken­nen mich zumin­dest. Wer aber ist die Orga­ni­sa­tion als Per­son?

Strategie 1.0

Wie kommt man nun zu einer Stra­te­gie, etwa im Social-Media-Bereich? Der Autor Phi­lip Kot­ler bei­spiels­weise emp­fiehlt – was soll ein Marketing-Guru ande­res sagen? – sich den Markt gut anzu­se­hen (Seg­men­ta­tion) und im Anschluss sei­nen Ziel­markt zu defi­nie­ren (Tar­ge­ting), um sich dort dann rich­tig zu posi­tio­nie­ren. Doch da sind wir beim Kern­pro­blem im Nonprofit-Bereich: Meist gibt es keine Märkte und die Kun­den sind auch nicht das, was sie im Pro­fit­be­reich sind. Dann bliebe uns ja nur mehr die Posi­tio­nie­rung als Stra­te­gie? Zudem sind die Inter­es­sens­grup­pen von Non­pro­fits deut­lich kom­ple­xer struk­tu­riert, als etwa Kun­den, die ein­fach eine Seife kau­fen wol­len.

Sozialer Wandel 2.0

Zudem ist die mediale Rea­li­tät im Social Web eine andere. Ich denke, die Dyna­mik der neuen Medien hat auch die Kom­mu­ni­ka­ti­ons­kul­tur umge­stellt, oder ist zumin­dest mit­ten­drin: Wir kom­mu­ni­zie­ren heute anders als noch vor zehn Jah­ren. Die Breite der ange­bo­te­nen Infor­ma­tio­nen und die stän­dige Ver­füg­bar­keit auf tau­sen­den Kanä­len ver­än­dert das Kon­sum­ver­hal­ten um 180 Grad. Als Medi­en­kon­su­ment suche ich mir jetzt selbst aus, was mich inter­es­siert, meine sozia­len Netze stel­len mir die Infor­ma­tio­nen “per Freund­schaft gefil­tert” zur Ver­fü­gung. Der Absen­der hat in der Regel kei­nen direk­ten Ein­fluss mehr dar­auf, wel­che Infor­ma­tion zu wel­cher Zeit an mich dringt.

Beziehung statt Umfeld

Bevor ich im Social Web los­lege, sollte ich wis­sen, wo ich hin will. Anders als in den Klas­si­kern der Management-Strategie sehe ich die Umge­bung nicht als sta­tisch und unbe­ein­fluss­bar. Im Falle einer Social-Media-Strategie sind dies näm­lich die sozia­len Medien selbst. Und genau dort wol­len wir ja anset­zen und ändern. Genauso wir­ken die sozia­len Netze dann direkt in meine Orga­ni­sa­tion und ver­än­dern auch dort Ein­stel­lun­gen, Werte und schließ­lich die Men­schen. Eigent­lich ist es eher wie in einer Part­ner­schaft, in der die wech­sel­sei­tige Beein­flus­sung wich­ti­ger Teil der Bezie­hung ist.

Teil der Kommunikationskultur statt nur ein weiteres Medium

Social Media – im deutsch­spra­chi­gen Raum fast schon gleich­be­deu­tend mit dem über­mäch­ti­gen Netz­werk Face­book – sind fes­ter Bestand­teil jun­ger, urba­ner Kom­mu­ni­ka­ti­ons­kul­tur. Für die Kids, Teens und Twens ist das Netz längst rea­ler Raum, nicht mehr nur ein vir­tu­el­les Extra.

Soziale Medien kön­nen auf­grund der star­ken Nut­zung schlicht als wei­tere Mög­lich­keit der Kom­mu­ni­ka­tion zwi­schen Men­schen ver­stan­den wer­den. So wie einst das Tele­fon die Mög­lich­kei­ten des Infor­ma­ti­ons­aus­tauschs in räum­li­cher Hin­sicht ver­än­dert hat. Nicht im Sinne eines Mas­sen­me­di­ums, wie das für Radio oder das Fern­se­hen gilt. Social Media sind Kanäle der Kom­mu­ni­ka­tion für Men­schen, die dort pri­vate und unver­bind­li­che Infor­ma­tio­nen aus­tau­schen, wie beim Small­talk oder am Stamm­tisch. Und vir­tu­ell ist in die­sem Zusam­men­hang ledig­lich der Ort der Kom­mu­ni­ka­tion, denn die Infor­ma­tio­nen sind real und fak­tisch.

Hierarchien und Social Media

Gerade Non­pro­fits haben als Orga­ni­sa­ti­ons­form oft­mals eine starre und klas­si­sche Hier­ar­chie. Pyra­mi­den­ar­tige Orga­ni­gramme zei­gen – für jeder­mann leicht erkenn­bar – die Über- und Unter­stel­lun­gen der Mit­ar­bei­te­rIn­nen. Klare Zustän­dig­kei­ten für fest umris­sene Teil­auf­ga­ben des Orga­ni­sa­ti­ons­han­delns hel­fen, Ein­deu­tig­keit zu schaf­fen. Eine Ein­deu­tig­keit die im kom­ple­xen Umfeld ja auch not­wen­dig ist: Für Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter ist es so oft viel leich­ter, ihren Auf­ga­ben nach­zu­kom­men. Auch für die oft als Ver­eine orga­ni­sier­ten Non­pro­fits wird es ein­fa­cher, denn Vor­stand, Geschäfts­füh­rung oder Prä­si­dium müs­sen klare Auf­ga­ben haben.

Bereits klei­nere Orga­ni­sa­tio­nen ent­wi­ckeln recht rasch büro­kra­ti­sche Struk­tu­ren, um die täg­li­che, für die Gesell­schaft wich­tige, Arbeit zu bewäl­ti­gen.

Social Media aber sind ega­li­täre Netz­werke, die Men­schen ohne unmit­tel­ba­ren Sta­tus­be­zug mit­ein­an­der ver­net­zen. Der Por­tier ist genauso Freund wie die Prä­si­den­tin; die ehren­amt­li­che Mit­ar­bei­te­rin in Ham­burg ist genauso Freun­din, wie der ange­stellte Geschäfts­füh­rer in Mün­chen. Infor­ma­tio­nen, die hier aus­ge­tauscht wer­den, sind daher ganz ande­ren Gesetz­mä­ßig­kei­ten unter­wor­fen als die „inter­nen Infor­ma­tio­nen“ im Rah­men der Orga­ni­sa­ti­ons­bü­ro­kra­tie.

Über Jahre und Jahr­zehnte wurde nun in unse­ren Orga­ni­sa­tio­nen ver­mit­telt, das es klare Zustän­dig­kei­ten gäbe, bei­spiels­weise für die Kom­mu­ni­ka­tion nach außen. Und genau diese Art der Kom­mu­ni­ka­tion ver­trägt sich schwer mit der Unmit­tel­bar­keit und Authen­ti­zi­tät der sozia­len Netze.

Mehrdimensionale Organisationen als Lösung?

So wie das in kom­ple­xen föde­ra­len NPOs seit vie­len Jah­ren gelebte Pra­xis ist, ist es von Sei­ten der Füh­rungs­kräfte wich­tig, sich als Ermög­li­cher zu sehen – und nicht län­ger nur als Steu­er­mann. Viele unter­schied­li­che Orga­ni­sa­ti­ons­for­men fin­den ja heut­zu­tage gleich­zei­tig statt, diese wer­den nur meis­tens nicht im Orga­ni­gramm abge­bil­det, denn das ist nur flach und zwei­di­men­sio­nal. Wie man für ein­zelne Pro­bleme Pro­jekt­teams spon­tan aus der Orga­ni­sa­tion bil­det, bei­spiels­weise für eine Ver­an­stal­tung, eine Fest­schrift, oder eine neue Kam­pa­gne, so kann man sich eine Orga­ni­sa­tion 2.0 vor­stel­len, die themen- oder zeit­spe­zi­fisch, oft spon­tan, ent­steht.

Statt des Orga-Komitees für den Ball gibt es eine Facebook-Gruppe. Für die gemein­same Erstel­lung der Social Media Policy ein eige­nes Wiki. Eine adäquate Mög­lich­keit des Ando­ckens an die klas­si­sche Orga­ni­sa­tion ist dafür zwar not­wen­dig – dem Ermög­li­cher an der Spitze (oder sei­nem Social Media-Verantwortlichen) wird dazu aber bestimmt etwas Adäqua­tes ein­fal­len, genauso wie das bei rea­len Pro­jekt­grup­pen auch der Fall sein muss.

Themen und Menschen statt Marken

Die Fil­ter der­so­zia­len Netz­werke und die Such­ma­schi­nen ken­nen unsere Orga­ni­sa­tio­nen nicht. Egal, ob wir Stif­tung sind oder Ver­ein: Die Mar­ken sind im Nor­mal­fall nicht das, was die User/in sucht oder braucht. Nie­mand sucht nach dem Roten Kreuz, wenn er einen Erste-Hilfe-Kurs braucht, nie­mand auto­ma­tisch nach Amnesty Inter­na­tio­nal, weil sie oder er sich für Men­schen­rechte inter­es­siert. Gesucht sind heut­zu­tage also The­men – und immer weni­ger große “Mar­ken”, die vor­mals bestimmte Inhalte klar besetz­ten.

Die wei­te­ren Bau­steine der sozia­len Netze sind die Indi­vi­duen, die hin­ter den Accounts ste­hen und die diese Kom­mu­ni­ka­tion auf­recht­erhal­ten. Genau diese Men­schen sind ja oft­mals auch unser Kapi­tal als Non­pro­fit. Unsere Frei­wil­li­gen, Unterstützer/innen, Spender/innen und alle die sich mit unse­ren The­men iden­ti­fi­zie­ren wol­len genau das, wofür sie ein­tre­ten, auch nach außen kom­mu­ni­zie­ren. Sie wol­len mit­dis­ku­tie­ren, wenn es um „ihren Ver­ein” geht. Hier liegt es an uns, diese Dis­kurse einer­seits zu ermög­li­chen als auch die Ergeb­nisse und Infor­ma­tio­nen in unsere Non­pro­fit 2.0 wie­der ein­zu­spei­sen.

In Gesellschaft statt daheim?

So wie sich die reale Gesell­schaft in den ver­gan­ge­nen Jahr­zehn­ten ver­än­dert hat, ver­än­dert sich auch die digi­tale Land­schaft. Hat sich in den ver­gan­ge­nen 50 Jah­ren der reale Trend vom gemein­sa­men Glück im trau­ten Heim in Rich­tung öffent­li­ches Gesell­schafts­le­ben ver­än­dert, so ändert sich die vir­tu­elle Welt: Von den „pri­va­ten“ Web­pages, die per Such­ma­schine durch­fors­tet wer­den, in Rich­tung „öffent­li­che“ soziale Netz­werke, auf denen die The­men und Anlie­gen von Orga­ni­sa­tio­nen prä­sen­tiert wer­den. Use­rin­nen und User nut­zen soziale Netz­werke und kom­men nicht aktiv auf die Web­page einer Orga­ni­sa­tion, außer sie sind (poten­zi­elle) “Kund/innen“ unse­rer spe­zi­fi­schen Waren, Dienst­leis­tun­gen und Ange­bote.

Daher ist es einer­seits wich­tig, mit der öffent­lich zugäng­li­chen Web­page eine Basis und Anlauf­stelle zu haben und ande­rer­seits die Inhalte und The­men auch im Social Web zu posi­tio­nie­ren – und die Dis­kus­sion dar­über anzu­re­gen. Diese bei­den Kanäle ergän­zen ein­an­der, denn die Web­page dient als “Bauch­la­den”, als Kata­log oder Bro­schüre einer Orga­ni­sa­tion und ihrer ”Dienst­leis­tun­gen”. Wäh­rend Online-Kanäle als dis­kur­sive Ergän­zung funk­tio­nie­ren, wo über diese Inhalte, aber auch über die Orga­ni­sa­tion als Gan­zes dis­ku­tiert wird.

Mit den Schwingen der Crowd?

Doch es geht nicht nur um die Social Net­works. Neue Mög­lich­kei­ten des Fund­rai­sings und der Mobi­li­sie­rung ermög­li­chen, die­sen Dis­kurs auch in prak­ti­schen Hand­lun­gen umzu­set­zen. Kon­krete und abge­grenzte Pro­jekte und Initia­ti­ven kön­nen so einem brei­te­ren Ziel­pu­bli­kum näher gebracht wer­den. So lohnt sich statt der all­ge­mei­nen Spende vlt. Die Dar­stel­lung eines Pro­jekts auf einer “Crowdfunding-Plattform”. Andere Informations-Konsument/innen kön­nen über “Crowd­sour­cing” als Frei­wil­lige oder ehren­amt­li­che Wis­sens­ar­bei­ter gewon­nen wer­den. Das Gute daran: Immer haben die Unter­stüt­zer über dia­lo­gi­sche Social Media die Mög­lich­keit, auch Botschafter/innen des eige­nen The­mas zu wer­den.

Wer kennt seine Wirkungsschöpfungskette?

Ähn­lich wie das im Pro­fit­be­reich schon vor Jah­ren pas­siert ist, heißt es für uns als Non­pro­fits 2.0 nun, die Kern­the­men und Auf­ga­ben unse­rer Orga­ni­sa­tion zu defi­nie­ren und Schritt für Schritt zu über­le­gen, ob nicht ein­zelne Auf­ga­ben auch vir­tu­ell, in der Crowd oder im Netz erle­digt wer­den kön­nen. Ein inte­grier­tes „Non­pro­fit Sup­ply Chain Manage­ment“ sozu­sa­gen, wobei die Wert­schöp­fungs­kette hier­bei eher als “Wir­kungs­schöp­fungs­kette” inter­pre­tiert wer­den sollte. Die Non­pro­fit 2.0 erle­digt nicht mehr alle Tasks selbst, son­dern weiß, wel­che Auf­ga­ben sie selbst mit dem höchs­ten sozia­len Impact erle­di­gen kann – und wel­che Auf­ga­ben bes­ser von ande­ren erle­digt wer­den. Es geht also ums Los­las­sen. Auch das ist letzt­lich Teil einer Social Media Stra­te­gie. Und viel­leicht die wich­tigste Aus­gangs­frage von allen.

Geschrieben von Gerald Czech

7. Mai 2013 um 17:37

Facebook konstruiert Scheinrealität oder der Zivildienst aus der Filter-Bubble

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Prolog: Eine kleine Wirtshauselegie

Im Wirtshaus. Gulasch statt Filterbubble.

Im Wirts­haus. Gulasch statt Fil­ter­bub­ble.

Stel­len wir uns vor wir gehen in ein Restau­rant, die Spei­se­karte liegt nicht auf und der Kell­ner emp­fiehlt uns ein Gericht: In mei­nem Falle bie­tet er mir immer wie­der Gulasch an. Mon­tag: Gulasch, Diens­tag: Gulasch, Mitt­woch: Gulasch. Don­ners­tag, Frei­tag: Gulasch.

Obwohl ich Gulasch eigent­lich nicht mag und jedes­mal wie­der dazu sage, dass ich kein Gulasch möchte, erhalte ich das nächste mal wie­der „Gulasch“ als Top-Empfehlung. Und das, trotz­dem ich Vega­ner bin und einer der Spit­zen­kö­che am Herd auch aus­ge­zeich­nete vegane Cur­ries kochen kann.

Warum, frage ich den Kell­ner, erhalte ich immer nur Gulasch­emp­feh­lun­gen? Er weiß von mir, dass ich viele Freunde habe, die wöchent­lich einen Gulasch-Stammtisch hier im Restau­rant haben, die vega­nen Spei­sen wer­den aus­ser­dem ers­tens fast nie bestellt und zwei­tens danach nicht gelobt. Genauso geht es uns tag­täg­lich auf Face­book.

Danke an Ursula Frais, die meine kom­ple­xen sozio­öko­no­mi­schen Gedan­ken in ein Bild aus der Gas­tro­no­mie ver­packt hat. Dass sie zu dem Zeit­punkt hung­rig war tut ja nichts zur Sache J

Filter-Bubble für den Zivildienst?

Bis jetzt habe ich immer gedacht, die „Filter-Bubble“-Diskussion zu Face­book ist eine wei­tere digi­tale „Urban Legend“, zumin­dest was ihre Rele­vanz für den Durch­schnitts­be­nut­zer betrifft – doch ich dürfte mich getäuscht haben.

Begon­nen hat es mit einem Kom­men­tar von Mar­tin Pitzl unter­halb eines viel­ge­le­se­nen und kom­men­tier­ten Facebook-Beitrags:

Wuss­tet ihr dass es nicht die Auf­gabe des Roten Kreu­zes ist Zivil­die­ner zu beschäf­ti­gen oder ein muss ist den Ret­tungs­dienst zu orga­ni­sie­ren? Finde es ehr­lich gesagt einen Wahn­sinn dass ihr eine der­art rie­sige pro Zivi Kam­pa­gne macht wäh­rend die Rot Kreuz Kern­the­men unter­ge­hen. […]

Ergänzt wird das durch ein Twitter-Posting des­sel­ben Users, mit ähn­li­chem aber ver­kürz­tem Inhalt.

Rotkreuz-Kernthemen gehen unter? Zivi-Kampagne? Da habe ich mir über­legt, wie es zu einer der­ar­ti­gen Ein­schät­zung – wir wür­den mono­the­ma­tisch kom­mu­ni­zie­ren – kommt, wo wir doch Tag für Tag ver­schie­denste The­men auf Face­book und im Rotkreuz-Portal publi­zie­ren? Zivil­dienst haben wir zwar schon das eine oder andere mal gepos­tet, aber ins­ge­samt doch nicht über­trie­ben? Meine per­sön­li­che Wahr­neh­mung am Bott­len­eck zwi­schen Web­por­tal und Face­book ist da eine total andere.

Ein paar Bei­spiele der letz­ten zehn Tage:

Dabei sind die The­men im Jugend­por­tal www​.help​stars​.at noch gar nicht mit­ge­zählt. Wie kommt es nun, dass ein für das Rote Kreuz mehr als inter­es­sier­ter und kri­ti­scher User all das nicht mit­be­kom­men kann? Zunächst dachte ich an selek­tive Wahr­neh­mung. Doch dann – ja, da war doch was. Fil­ter­bub­ble (Jene, die den Sascha Lobo mal linkte), ist das Schlag­wort. Ver­main­strea­m­ung im digi­ta­len Medi­en­kon­sum durch Edge­rank und Co.

Statistik lügt nie?

Die Sta­tis­tik lügt nicht: Vira­li­tät durch die Fil­ter­bub­ble?

Beob­ach­ten wir mal die Sta­tis­tik der Rotkreuz-Facebook-Page im ver­gan­ge­nen Monat. Dort sind wir im Bereich jener Bei­träge, die mehr als 10.000 Per­so­nen Reich­weite haben schon deut­lich mono­the­ma­ti­scher: von den fünf Bei­trä­gen betref­fen vier das Thema Zivil­dienst und einer die Kata­stro­phen­hilfe des Roten Kreu­zes in Kärn­ten nach dem Hoch­was­ser in Lava­münd. Alle ande­ren – aus mei­ner Sicht – genauso inter­es­san­ten Infor­ma­tio­nen des Öster­rei­chi­schen Roten Kreu­zes errei­chen deut­lich weni­ger Per­so­nen, wohl weil sie wei­ter im „long Tail“ unse­rer Informations-Speisekarte sind.

Das pas­siert, weil Face­book den Benut­ze­rin­nen und Benut­zern vor­schlägt, was sie am ehes­ten inter­es­siert, bzw. bes­ser for­mu­liert: Es wer­den Bei­träge vor­ge­schla­gen, bei denen die Wahr­schein­lich­keit einer Reak­tion am größ­ten ist. Ganz so wie mein Gulasch-Kellner am Anfang. Das ist zunächst auf­grund des Inter­es­ses des eige­nen Netz­werks (also der Freun­din­nen und Freunde) begrün­det. Wenn meine Kon­takte also ein Pos­ting beson­ders oft liken, tei­len oder kom­men­tie­ren, dann erhalte ich diese Nach­richt signi­fi­kant öfter in mei­ner Time­line. So kommt es, dass man in sei­nem mög­li­chen Bei­trags­kon­sum durch den Geschmack der Crowd gesteu­ert wird. So bestimmt Face­book die Bei­träge, die ich zu Gesicht bekomme und damit kon­stru­ie­ren – wenn ich Pech habe – die Zucker­berg­schen Algo­rith­men viel mehr meine Rea­li­tät als die Absen­der der Bot­schaf­ten. Aber auch das ent­spricht der Lebens­rea­li­tät „in real life“. Wenn ich dort nur mei­nem Stamm­tisch und dem Bou­le­vard ver­traue, wird sich mein Welt­bild – so es davor nicht schon ein­di­men­sio­nal war – rasch von bunt in Rich­tung mono­chrom ver­än­dern …

Geschrieben von Gerald Czech

21. November 2012 um 16:17

Domainstrategie?

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Heute durfte ich bei einer Pres­se­kon­fe­renz des Öster­rei­chi­schen Domain­ver­wal­ters nic​.at über die Domain­stra­te­gie des Öster­reich­si­chen Roten Kreu­zes spre­chen. Grund war der Launch der Kam­pa­gne „Domains machen mehr dar­aus“ mit der die Hüter der .at-Domains die End­kun­den (ver­mit­telt über die so genann­ten Regis­trare) auf die Zeit nach der Frei­gabe der TLDs durch ICANN vor­be­rei­ten wol­len.

Neben dem Geschäfts­füh­rer von NIC​.at, Richard Wein war auch KR Alfred Harl, Obmann des Fach­ver­bands Unter­neh­mens­be­ra­tung und Infor­ma­ti­ons­tech­no­lo­gie in der Öster­rei­chi­schen Wirt­schafts­kam­mer unter den Red­nern.

Ein Video von Ver Vie Vas erklärte – ich meine sehr anschau­lich – die Kam­pa­gne und den Sinn von Domain­ma­nage­ment in KMUs:

Davor waren noch die State­ments der Ver­tre­te­rin­nen zu hören. Richard Wein von nic zitierte aus der nic​.at Domain-Studie, die Grund­lage für die PLa­nung einer Kam­pa­gne zum Thema Domains. Auf der Web­site www​.domains​ma​chen​mehr​dar​aus​.at – so der Geschäfts­füh­rer – fin­den Unter­neh­men zahl­rei­che Tipps und Tricks, um den Auf­tritt im WWW zu opti­mie­ren, sich für die Domain­zu­kunft zu rüs­ten und Vor­teile im Such­ma­schi­nen­ran­king zu erzielen.Die wich­tigs­ten Ziele:

  1. Ers­tens, Öster­reich fit machen für das Jahr der Domain 2013 und damit für die Zukunft im Inter­net.
  2. Und zwei­tens auf­zei­gen, wie intel­li­gente Domain­stra­te­gie zusätz­li­che Besu­cher auf Web­sites bringt.

»Domains machen mehr dar­aus« wen­det sich an Pri­vate und Unter­neh­men glei­cher­ma­ßen. Die Initia­tive stellt Werk­zeuge und Inhalte bereit, die Agen­tu­ren, Insti­tu­tio­nen und Ein­zel­per­so­nen intel­li­gente Domain­stra­te­gien ver­mit­teln. Im Jahr 2013 wer­den zahl­rei­che Neue­run­gen im Bereich der Domains ein­ge­führt. Zum Bei­spiel kom­men über 1.000 neue Domain-Endungen auf den Markt wie etwa .wien oder .reise – die soge­nann­ten Top-Level-Domains. Die Mög­lich­kei­ten und Chan­cen wach­sen, aber mit ihnen auch der Bera­tungs­auf­wand. Des­halb weist die Initia­tive auf die Wich­tig­keit intel­li­gen­ter Domain­stra­te­gien hin. Denn Stu­dien zei­gen, dass die Mehr­heit ihre Domains eher belie­big mana­ged und nur die Min­der­heit aktiv mit ihren Assets umgeht. »Domains machen mehr dar­aus« will die­sen Umstand ändern. Zusam­men mit zahl­rei­chen .at Regis­tra­ren alleine in Öster­reich bie­tet die Initia­tive eine flä­chen­de­ckende Anlauf­stelle für Bera­tung und Know-how.
so Richard Wein.

Gerald Czech, Richard Wein und Alfred Hartl bei der Pressekonferenz von nic.at am 10. Oktober 2012 in Wien

Gerald Czech (Öster­rei­chi­sches Rotes Kreuz), Richard Wein (Nic​.at) und Alfred Hartl (Wirt­schafts­kam­mer Öster­reich) bei der Pres­se­kon­fe­renz von nic​.at am 10. Okto­ber 2012 in Wien

Der Wirt­schafts­kam­mer­ver­tre­ter betonte, wie wich­tig eine kluge Online-Marketingstrategie und damit auch eine Domain­stra­te­gie ist. Als Bei­spiel nannte er die Wahl der Geschäfts­adresse in der Rea­li­tät, „weil es einen Unter­schied macht, ob man in als Geschäfts­adresse Am Rau­ten­weg oder Am Gra­ben hat.“

Der Inter­net­auf­tritt ist für viele klei­nere und mitt­lere Betriebe zur digi­ta­len Visi­ten­karte gewor­den und daher ist ein pro­fes­sio­nel­ler Auf­tritt Pflicht­pro­gramm. Das bestä­tigt auch die Hälfte der öster­rei­chi­schen Unter­neh­men (genau 47 %), die im Rah­men der E-Business-Studie 2011 der WKÖ befragt wur­den (aktu­elle Stu­die wird gerade fer­tig­ge­stellt). Mehr als zwei Drit­tel der Befrag­ten (genau 79%) konn­ten durch Inves­ti­tion im IT-Bereich die Kun­den­kom­mu­ni­ka­tion ver­bes­sern.

so Alfred Hartl (WKO).

Die Domain­stra­te­gie des Öster­rei­chi­schen Roten Kreu­zes konnte im Anschluss als Best Prac­tice die­nen, dass Domain­stra­te­gie auch im Nonprofit-Bereich ein wich­ti­ges Ele­ment der inte­grier­ten (online-) Kom­mu­ni­ka­ti­ons­stra­te­gie ist. Nahezu 56.773 frei­wil­lige Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter arbei­ten Tag für Tag per­sön­lich und zumeist direkt an den Men­schen in Not und sozial Schwa­chen aus Liebe zum Men­schen – diese Arbeit wird durch on- und off­line Kom­mu­ni­ka­tion unter­stützt. Einen wesent­li­chen Bei­trag lie­fert dazu das größte Öster­rei­chi­sche huma­ni­täre Nonprofit-Portal www​.rotes​kreuz​.at. Dort ver­su­chen wir die unter­schied­li­chen Ziel­grup­pen­seg­mente durch ver­schie­dene Domains ziel­ge­rich­tet zum rich­ti­gen Ort im Por­tal zu lei­ten. Von haus​kran​ken​pflege​.at oder betreu​t24​.at bis hin zu erste​hilfe​.at oder not​arzt​wa​gen​.at erstre­cken sich unsere Leis­tun­gen und damit die Domains über sehr viele Berei­che des täg­li­chen Lebens. Bei der Domain­re­gis­trie­rung war uns wich­tig, diese Breite zu zei­gen und so auch die Mobi­li­sie­rungs­mög­lich­kei­ten in Rich­tung Frei­wil­li­ger stär­ker aus­zu­bauen.

Mit Domains rund um diese The­men brin­gen wir einer­seits die Leute direkt auf das rele­vante Ange­bot auf unse­rem Por­tal. Auf der ande­ren Seite hel­fen uns aus­sa­ge­kräf­tige Domains, bei den Such­ma­schi­nen the­ma­tisch gut gerankt zu sein und so das Feld nicht ande­ren zu über­las­sen. Wir sehen Domain­na­men als Bestand­teil unse­rer Gesamt-Kommunikation, wo eine Stra­te­gie in die andere greift. Ande­rer­seits ist es unsere Auf­gabe, das Rotes Kreuz (das ja im Kriegs­fall auch ein Schutz­zei­chen ist) auch im Inter­net zu schüt­zen und so das Ver­trauen, das in uns gesetzt wird, zu sichern. Natür­lich hel­fen uns unsere Domains auch, spe­zi­elle Ziel­grup­pen anzu­spre­chen wie z.B. mit unse­rem nagel­neuen Jugend­por­tal help​stars​.at.
so werde ich in den Unter­la­gen zitiert.

Bis heute Abend wurde bereits auf der​stan​dard​.at, wiener​zei​tung​.at oder future​zone​.at von der Pres­se­kon­fe­renz berich­tet.

Geschrieben von Gerald Czech

10. Oktober 2012 um 20:36

Helpstars, jeder kann ein Star sein

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It’s a long hard way to the top, san­gen einst schon AC/DC, ein Motto, dass auch sehr gut auf lang­fris­tige Orga­ni­sa­ti­ons­ent­wick­lungs­pro­zesse und Pro­jekte passt, die an sol­che Pro­zesse gekop­pelt sind.

Helpstars, das humanitäre Jugendportal von Österreichischem Roten Kreuz und Österreichischem JugendrotkreuzHeute ist, nach über zwei Jah­ren inten­si­ver Vor­be­rei­tung das Rotkreuz-Jugendportal Help­Stars offi­zi­ell online gegan­gen, ein Pro­jekt, an dem im Laufe der Zeit sehr viele ver­schie­dene Men­schen mit­ge­ar­bei­tet und Input gelie­fert haben. Wir wuss­ten schon seit lan­gem, dass die Zielkunden/innen unse­res Rotkreuz-Portals www​.rotes​kreuz​.at (Social Media Release aus dem Jahr 2008) und jene der Jugendrotkreuz-Website www​.jugend​rot​kreuz​.at ein gros­ses Zielkund/innensegment aus­las­sen, das einer­seits Kon­su­ment der huma­ni­tä­ren Leis­tun­gen von Rotem Kreuz und Jugend­rot­kreuz ist und ande­rer­seits auch selbst aktiv an der Gestal­tung bei­der Orga­ni­sa­tio­nen mit­par­ti­zi­piert: Die Jugend.

Was lange währt wird end­lich gut

Schon im Jahr 2009 konnte ich als Host der NPO-Blogparade das Thema inte­grierte Kom­mu­ni­ka­ti­ons­stra­te­gien für Jugend­li­che Ziel­grup­pen dis­ku­tie­ren und auch zusam­men­fas­sen. Danke an die­ser Stelle noch­mals allen Teil­neh­me­rin­nen, deren Ideen und Gedan­ken in sämt­li­che spä­te­ren Pro­jekt­pha­sen ein­flie­ßen konn­ten. Ein wei­te­rer Input kam von der Wirt­schafts­uni­ver­si­tät Wien: Vier Stu­die­rende erstell­ten im Rah­men eines zwei­se­mest­ri­gen Projekt- und Method­ense­mi­nars am Insti­tut für Public Manage­ment eine Jugend­mar­ke­ting­stra­te­gie und haben diese Arbeit auch in einem Gast­bei­trag im Blog beschrie­ben.

Der gemein­same Auf­trag aller Lan­des­or­ga­ni­sa­tio­nen des Öster­rei­chi­schen Roten Kreu­zes und der Lan­des­lei­tun­gen des Öster­rei­chi­schen Jugend­rot­kreu­zes zur Erstel­lung eines eige­nen Jugend­por­tals erfolgte Anfang 2011. Nach bera­ten­der Unter­stüt­zung von Sei­ten Yake­ty­Yak wurde Mitte 2011 mit dem Mikro­misch­kon­zern super-fi auch ein krea­ti­ver Umset­zungs­part­ner gefun­den, der die Site im CMS Typo3 umge­setzt hat. Die Suche ver­wen­det einen Apa­che Solr-Server, eine Lösung, die auch mit­tel­fris­tig für andere Rotkreuz-Sites ange­dacht ist. Die IT-Infrastruktur qloud­wise wird wei­ter­hin von unse­rem bewähr­ten Part­ner Ama­ris bereit­ge­stellt.

Im Rah­men der Ent­wick­lung wur­den einer­seits die Sta­ke­hol­der aus dem Roten Kreuz regel­mä­ßig immer wie­der ein­ge­bun­den, ande­rer­seits wurde stark auf die Mei­nung der Ziel­gruppe gehört: Jugend­grup­pen des Roten Kreu­zes wur­den genauso befragt, wie externe Jugend­li­che, denn das Por­tal soll schluss­end­lich für die Jugend­li­chen zur Ver­fü­gung ste­hen. Eine pro­funde Ein­bin­dung und Nut­zung der aktu­el­len Social-Media-Kanäle gehört nun genauso zum Por­tal, wie pro­fes­sio­nelle Recher­ché und The­men­auf­be­rei­tung durch die dafür zustän­dige Redak­teu­rin.

Aus dem Facts­heet zum Por­tal:

Help­Stars ver­steht sich als jugend­li­ches Ser­vice­por­tal für die Hil­fe­stel­lung, nie­der­schwel­lige Bera­tung und Infor­ma­tion zu The­men des täg­li­chen Lebens inner­halb und außer­halb der Schule. Wir wol­len die Jugend­li­chen unpo­li­tisch, ohne reli­giö­sen Hin­ter­grund und ideo­lo­gie­frei beglei­ten, unter­stüt­zen und von der huma­ni­tä­ren Idee begeis­tern. Dazu bie­tet die Platt­form Anknüp­fungs­punkte, um selbst aktiv zu wer­den. Die Jugend­li­chen sind Use­rin­nen und Content-Lieferanten zugleich

Eine fast zwei­mo­na­tige Beta­phase seit Anfang August diente eben­falls dazu, das Por­tal von tech­ni­scher Seite, aber auch the­ma­tisch und inhalt­lich auf die Nut­ze­rin­nen und Nut­zer aus­zu­le­gen. Auch eine Umfrage auf unse­rem Online-Survey-Tool unter­stützte uns dabei um die Mei­nung der „Crowd“ ein­zu­fan­gen.

Geschrieben von Gerald Czech

19. September 2012 um 14:15

Facebook ohne Gesichter?

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Wie das Rote Kreuz in Sozia­len Net­zen wir Face­book oder Google+weltweit auf das Schick­sal von Mil­lio­nen Ver­miss­ten und ihrer Ange­hö­ri­ger auf­merk­sam macht.

Ein lee­rer Bil­der­rah­men statt des Pro­fil­bilds erin­nert an den Welt­tag der Ver­schwun­de­nen

Wer hat es in den ver­gan­ge­nen Tagen noch nicht bemerkt. Statt eines Pro­fil­bil­des fin­det man bei sei­nen Kon­tak­ten in Face­book oder Google Plus ledig­lich einen lee­ren Bil­der­rah­men an des­sen Rand ein­fach „the mis­sing“ steht. „The mis­sing“ ist in die­sem Falle der Ver­weis auf die Kam­pa­gne des Roten Kreu­zes, das damit auf den Welt­tag der Ver­schwun­de­nen am 30. August auf­merk­sam machen will.

Zum Welttag der Verschwundenen

In einer Aus­sen­dung erklärt das Öster­rei­chi­sche Roten Kreuz heute früh:

Welt­weit gel­ten mehr als zwei Mil­lio­nen Men­schen als ver­schwun­den. Unter „Ver­schwin­den“ ver­steht man die unbe­grün­dete Fest­nahme von Men­schen durch staat­li­che Organe oder bewaff­nete Kämp­fer. „Oft wer­den die ‚Ver­schwun­de­nen’ ermor­det, in ande­ren Fäl­len an einem unbe­kann­ten Ort fest­ge­hal­ten. Jeden­falls ist die­ses Vor­ge­hen eine Men­schen­rechts­ver­let­zung“, sagt Wer­ner Kersch­baum, Gene­ral­se­kre­tär des Öster­rei­chi­schen Roten Kreu­zes. Am 30. August – dem Tag der Ver­schwun­de­nen – wird welt­weit an das Schick­sal von Men­schen erin­nert, die gegen ihren Wil­len fest­ge­hal­ten wer­den und deren Ange­hö­rige im Unkla­ren über ihren Ver­bleib sind.

Eine Österreichische Idee geht um die Welt

Bereits im ver­gan­ge­nen Jahr konnte das leere Pro­fil­bild aus­ge­hend von der Facebook-Seite des Öster­rei­chi­schen Roten Kreu­zes meh­rere Tau­send Men­schen infor­mie­ren. Bereits damals wurde die Idee auch inter­na­tio­nal auf­ge­grif­fen, wie ich in einem frü­he­ren Blog­post berich­tet habe. Heuer wurde die Kam­pa­gne – gerade wegen des groß­ar­ti­gen vira­len Erfolgs im ver­gan­ge­nen Jahr – auch vom inter­na­tio­na­len Komi­tee vom Roten Kreuz über­nom­men und an die Rotkreuz- und Rothalb­mond­ge­sell­schaf­ten welt­weit wei­ter­ge­lei­tet, um hier mög­lichst viele Men­schen zu errei­chen.

Das Schwei­ze­ri­sche Rote Kreuz hat bereits mit der Aktion begon­nen, viele wei­tere Rotkreuz-Gesellschaften wer­den wer­den hof­fent­lich noch fol­gen.

Social Media als Erfolgsrezept für das Rote Kreuz?

Immer wie­der haben wir in den ver­gan­ge­nen Mona­ten viele Men­schen moti­vie­ren kön­nen, das Medium Face­book auch für das „digi­tale Cam­pai­gning“ zu ver­wen­den, ich

Dunant Myself war eine Facebook-Aktion zum Weltrotkreuz-Tag

Zum Weltrotkreuz-Tag konnte man vor zwei Jah­ren sein Pro­fil­bild mit dem Ant­litz des Rotkreuz-Gründers Henri Dun­ant ver­schö­nern.

erin­nere nur an die Aktion mit der pas­sen­den Jacke zum Weltrotkreuz-Tag, die Freiwilligen-Kampagne zum Anlass des Euro­päi­schen Jahrs des ehren­amt­li­chen Enga­ge­ments oder die Aktion „Dun­ant mys­elf“ (inzwi­schen nicht mehr online). Es konn­ten mit die­sen Kom­mu­ni­ka­ti­ons­pro­jek­ten auf die­sen Kanä­len jedes mal viele Tau­send Men­schen erreicht wer­den, die sich auch per­sön­lich ein­brin­gen konn­ten, und damit gezwun­gen waren, sich mit der Marke Rotes Kreuz aus­ein­an­der zu set­zen. Doch es braucht nicht nur das Soziale Netz­werk, gerade die Geschichte hin­ter einem Pro­jekt ist wich­tig, hier ist nicht nur die Krea­ti­vi­tät, son­dern auch die Authen­ti­zi­tät gefragt, davon bin ich über­zeugt.

Mehr Material zum Welttag der Verschwundenen

Geschrieben von Gerald Czech

27. August 2012 um 15:14

Wer bildet dem Kurier eine Rettungsgasse aus dem Sommerloch?

17 Kommentare

Heute ein­mal real­po­li­ti­sche Öster­rei­chi­sche Satire im Som­mer­loch, oder wie man als chro­nika­ler Tages­zei­tungs­jour­na­list auch mal zu bun­des­wei­ten Zita­ten kommt, ohne reale Fak­ten zu haben.

Ich möchte an die­ser Stelle fest­hal­ten, dass es hier weder darum geht, ob die Ret­tungs­gasse gut ist, oder schlecht. Eine Mei­nung kann man sich – davon bin ich über­zeugt – erst mittel- und lang­fris­tig bil­den, es macht auch kei­nen Sinn ein Stadt­ent­wick­lungs­kon­zept 2 Monate nach inkraft­tre­ten zu eva­lu­ie­ren. Klar, dass die Mei­nungs­lage unter Öster­reichs Auto­fah­re­rIn­nen hier divers ist, geht es doch um zwei der emo­tio­nals­ten Dinge, mit denen man einem Homo Aus­tria­cus kon­fron­tie­ren kann: die hei­lige Kuh der indi­vi­du­el­len Mobi­li­tät einer­seits und den Stau der jedem wert­volle Lebens­zeit stiehlt, die man sonst vor dem Fern­se­her oder auf der Toi­lette ver­brin­gen könnte.

Bereits im gest­ri­gen Kurier wurde ein ers­ter – nen­nen wir ihn mal schlam­pig recher­chiert – Arti­kel publi­ziert, der mit der „Ret­tungs­gasse“ so rich­tig auf­räumt. Dort wird jemand zitiert, von dem in Öster­reich bis dahin nie­mand gehört hat:

Wir sind seit 27 Jah­ren ein­satz­mä­ßig im Stau­be­reich unter­wegs. Es gab kei­ner­lei Not­wen­dig­keit für die Ret­tungs­gasse. Sie wird auch nie­mals funk­tio­nie­ren“, sagt Her­mann Domi­nik, Lei­ter der Sani­täts­staf­fel des Öster­rei­chi­schen Ret­tungs­diens­tes. „Wer die Ret­tungs­gasse wie­der abschafft, den schlage ich für einen Orden vor.“

Domi­nik wer? Öster­rei­chi­scher Ret­tungs­dienst? Mal schnell auf deren Home­page geschaut. Eigen­ar­tig stimmt mich, dass man kein Impres­sum fin­det. Der nic.at-Eintrag für die Domäne ver­weist als Besit­zer auf den im Kurier zitier­ten Herr­mann Domi­nik, kei­nen Ver­ein. Auf der Home­page selbst (hof­fent­lich kor­re­liert die Qua­li­tät der ange­bo­te­nen Ser­vices nicht mit der Qua­li­tät des Web­de­sigs) fin­det man den Prä­si­den­ten der Orga­ni­sa­tion, der den sel­ben Namen trägt, wie der Lei­ter der Sani­täts­staf­fel und den „Zustän­dig­kei­te­be­reich“: Zell am Zil­ler, Lun­gau oder das Enns­tal. Alles drei klare Qua­li­fi­ka­tio­nen für ein Inter­view mit dem Kurier. Und alles drei auch stark von Stau-belasteten Auto­bah­nen durch­zo­gene Regio­nen Öster­reichs.

Okay, denk ich mir. Halt den fal­schen Inter­view­part­ner erwischt. Doch siehe da, der nächste Tag kommt mit der auf­ge­wärm­ten Geschichte vom Vor­tag, aller­dings nun mit „poli­ti­scher“ Kom­po­nente. Wer wird nun zitiert? Rich­tig. besag­ter Herr Domi­nik, der damit zwei Tage hin­ter­ein­an­der zu „15 Seconds of fame“ kommt – so viel hätte ihm wohl auch Andy War­hol nicht zuge­stan­den. Zumin­dest nicht bei die­sem Thema.

Wie berich­tet, üben Poli­zis­ten, aber auch Feu­er­weh­ren Kri­tik an der Ret­tungs­gasse. Der Öster­rei­chi­sche Ret­tungs­dienst for­derte sogar eine rasche Abschaf­fung. „Es gab kei­ner­lei Not­wen­dig­keit für die Ret­tungs­gasse“, sagt der Lei­ter der Sani­täts­staf­fel des Ret­tungs­diens­tes Her­mann Domi­nik. „Sie wird auch nie­mals funk­tio­nie­ren.“

Noch skep­ti­scher macht der Ver­such „ÖRD“ oder Öster­rei­chi­scher Ret­tungs­dienst im zen­tra­len Ver­eins­re­gis­ter auf­zu­fin­den. Mir ist das lei­der nicht gelun­gen. Man­gels online-Verweis auf eine ZVR Num­mer, die im öffent­li­chen Ver­kehr anzu­ge­ben ist, fällt es schwer, den lega­len Sta­tus obge­nann­ter Orga­ni­sa­tion über­haupt zu über­prü­fen, wun­dert mich daher, wie der Kurier diese Geschichte und den OT veri­fi­ziert hat. Auch das Impres­sum der Seite fand ich nicht. (Kor­rek­tur 13:45: wurde von meh­re­ren Lesern auf­merk­sam gemacht, dass die ZVR-Nummer auf einer Unter­seite zu fin­den ist und ZVR: 531244459 lau­tet. Mein Recher­che­feh­ler. Zum Glück schreibe ich in kei­nem Medium)

Span­nend ist aller­dings die Genese des exklu­si­ven Inter­view­part­ners, was seine Mei­nungs­bil­dung hin­sicht­lich der Ret­tungs­gasse betrifft: Was sagt die Home­page sei­ner Orga­ni­sa­tion noch im Juli? (Danke, Google-Cache: http://web​cache​.goo​gleu​ser​con​tent​.com/search?q=cache%3A4DqEAIA5iYAJ%3Awww.oerd.or.at%2Fcategory%2Frettungsgasse-ab-2012-auf-osterreichs-strasen-pflicht-%E2%80%93-asfinag-und-osterreichischer-rettungsdienst-informiert-uber-verbesserung-im-rettungsdienst+&cd=2&hl=de&ct=clnk&gl=at&client=firefox-a)

Um diese Situa­tio­nen zu ver­bes­sern erfolgt nun die vom ÖRD stets gewünschte Ein­füh­rung einer RETTUNGSGASSE ab 2012 im öster­rei­chi­schen Stra­ßen­ver­kehr bei Stau und Not­fäl­len: ÖRD Ret­tungs­fahr­zeuge und Fahr­zeuge ande­rer Orga­ni­sa­tio­nen kom­men oft­mals nur des­halb mit Ver­zö­ge­rung an den Unfall­ort, weit die Zufahrt durch andere ste­hende Fahr­zeuge behin­dert wer­den.

Dazu fällt mir nur Robert Hoch­ners Zitat ein, dass die Rache des Jour­na­lis­ten an den Poli­ti­kern das Archiv sei. In dem Falle wäre eine Archiv­su­che in jedem Fall erkennt­nis­reich gewe­sen, sie hätte das Bild über den frei­gie­bi­gen Spen­der des Zitats in jedem Falle erwei­tert.

Wie­der Fak­ten, die dem Redak­teur wegen feh­len­der Web-Literacy wohl nicht zugäng­lich waren. Apro­pos Fak­ten. Auch diese wur­den offen­bar nicht recher­chiert, denn weder das Rote Kreuz, noch die Feu­er­wehr, geschweige denn der Sama­ri­ter­bund wur­den gefragt. Auch nicht jene, die Daten zu den Ver­mu­tun­gen „Teil­weise seien die Anfahrts­zei­ten zu Unfäl­len län­ger als frü­her über den Pan­nen­strei­fen, heißt es“ (Kurier, 10. 8. 2012) hät­ten:

144 NOTRUF NIEDERÖSTERREICH – die Nie­der­ös­ter­rei­chi­sche Ret­tungs­leit­stelle – bei­spiels­weise ver­merkte heute auf Face­book, dass die objek­ti­ven Zah­len zu den Ein­sät­zen der media­len Infor­ma­tion zumin­dest wider­spre­chen. Das tut aber nichts zur Sache, wenn es um Öster­reichs Auto­fah­re­rIn­nen geht, und neue Rechts­la­gen – wenn man damit „denen da oben“ eins aus­wi­schen kann:

Fak­ten zum Thema Ret­tungs­gasse – Wir haben nun die Daten aus unse­rem Ein­satz­leit­sys­tem veri­fi­ziert und die Ein­treff­zei­ten aus­ge­wer­tet.
Auf Nie­der­ös­ter­reichs Auto­bah­nen und Schnell­stras­sen gab es 2010 exakt 2032 Events, im Jahr 2011 exakt 2032 Events und im Jahr 2012 bis heute exakt 1188 Ein­sätze.
Dabei zeigt sich, dass es durch die Ret­tungs­gasse kei­nes­falls eine Ver­schlech­te­rung der Ein­treff­zei­ten gab, im Gegen­teil, die Zei­ten an ver­gleich­ba­ren Unfall­or­ten sind ten­den­zi­ell bes­ser.

Doch „kalt“ schreibt es sich ein­fach bes­ser, denn Fak­ten sind nicht immer gut geeig­net, das Thema so rüber zu brin­gen, wie es inten­diert ist.

Einem Journalismus-Experten nach, Chef­re­dak­teur Jour­na­lis­ten­aka­de­mie im Schü­ler­ma­ga­zin des Gym­na­si­ums in Hin­ter­sto­der, funk­tio­niert diese Art der Bericht­erstat­tung aller­dings nie­mals, „Weil die Öster­rei­che­rin­nen und Öster­reich solch ein­fa­ches Spiel mit Name­drop­ping um das Som­mer­loch zu fül­len durch­schauen und not­falls selbst recher­chie­ren, wenn das schon nicht die Medien machen“.

Viel­leicht kön­nen ja die ande­ren Medien, die in die Falle des NÖ-Kuriers getappt sind, dem Kurier eine Ret­tungs­gasse aus dem Som­mer­loch bil­den?

Viel­leicht mag ja kobuk​.at auch dar­über berich­ten?

Geschrieben von Gerald Czech

10. August 2012 um 12:26

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