Zusammenfassung: Integrierte Kommunikationsstrategien für jugendliche Zielgruppen

Viel Was­ser ist die Donau her­un­ter­ge­ron­nen, seit dem ich am 22. Juli 2009 das The­ma der NPO-Blogparade ange­sto­ßen habe (NPO-Blogparade).  Zuer­st wur­de die Frist zur Teil­nah­me ver­län­gert und dann hat mich die bein­har­te Rea­li­tät wie­der ein­ge­holt, was heißt, dass ich arbeit­mäs­sig ziem­li­ch ein­ge­deckt war. Daher möch­te ich mich vor­ab ein­mal für die Ver­zö­ge­rung in der Auf­ar­bei­tung ent­schul­di­gen: mea cul­pa, mea cul­pa, mea maxi­ma cul­pa.

But now for some­thing com­ple­te­ly dif­fe­rent. Zunächst ein­mal Dan­ke für die vie­len Inputs. Ver­dammt viel Mate­ri­al war das, das ich durch­ar­bei­ten durf­te, sor­tie­ren und para­phra­sie­ren.

Mat­thi­as Daber­spiel vom Funraiser-Magazin.de aus Dres­den bestä­tigt die Prä­do­mi­nanz älte­rer Ziel­grup­pen als Haupt­kli­en­tel für Funraising-Aktivitäten und die gerin­ge Rele­vanz von jugend­li­chen Grup­pen in die­sem für vie­le NPOs ent­schei­den­dem Seg­ment des Manage­ments.

Die Fra­ge ist: nützt es auf lan­ge Sicht den NPOs jün­ge­re Ziel­grup­pen anzu­spre­chen. Wenn man es rein finan­zi­ell denkt defi­ni­tiv nicht. Auf lan­ge Sicht ent­ste­hen aber Bin­dun­gen an die Orga­ni­sa­ti­on, die trag­fä­hig sein kön­nen und spä­ter die Bit­te um Unter­stüt­zung ver­ein­fa­chen kön­nen. Des­halb ist ein Invest­ment in die Jugend sinn­voll, muß aber sehr ziel­grup­pen­ge­recht und effek­tiv erfol­gen.

Lud­ger Bren­ner, PR-Indianer aus Han­no­ver nimmt in sei­nem Ant­wor­tas­say zunächst den Sponsoring-Markt unter die Lupe: Er sub­sum­miert eine Stu­die Spon­sor Visi­ons, die pos­tu­liert, dass die Gesamt­sum­me des Spon­so­rings zurück­geht – gleich­zei­tig soll die Sum­me des Öko­spo­no­rings stei­gen und die Cor­po­ra­te Soci­al Res­pon­si­bi­li­ty zum fixen Bestand­teil der Unter­neh­mens­stra­te­gi­en wer­den. Dort sieht Bren­ner den Hebel für das Tar­ge­ting von jun­gen Ziel­grup­pen.

Den von mir eher meta­pho­ri­sch ver­wen­de­te Begriff der Panels­terb­lich­keit (Aus­ge­lie­hen von den Sozio­de­mo­gra­phen) für das Phä­no­men, dass die (Fundraising-) Daten­ban­ken auf­grund des weg­ster­bens älte­rer Spen­de­rIn­nen immer neue jun­ge Spen­de­rin­nen benö­ti­gen, um sum­ma sum­ma­rum die sel­ben Ergeb­nis­se zu brin­gen, lehnt Lud­ger ab:

Die­se sicher­li­ch unter öko­no­mi­schen Gesichts­punk­ten zu wer­ten­de Defi­ni­ti­on, kann in der Akqui­se für (akti­ve) Spen­der einer NPO – unab­hän­gig der ange­spro­che­nen Alters­klas­sen und Ziel­grup­pen – heu­te kei­ne Rele­vanz mehr haben. Gera­de die jün­ge­re Gene­ra­tio­nen unter­schei­den sich in ihren (Wesens-) Merk­ma­len von der älte­ren. Und das ist auch gut so!

In wei­te­rer Fol­ge wird ver­sucht, Web2.0 als gera­de für jugend­li­che Ziel­kun­den­grup­pen rele­van­tes Medi­en­bün­del zu beschrei­ben. Die Tat­sa­che, dass Spen­der und För­de­rer emo­tio­nal von „ihrer“ NPO berührt wer­den wol­len, das Gefühl haben wol­len, mit ihrem Ein­satz etwas zu bewe­gen und schluss­end­li­ch auch Teil einer wich­ti­gen gemein­sa­men Sache zu sein, legt, so Lud­ger nahe,  Web2.0 Tech­no­lo­gin zur Spen­der­kom­mu­ni­ka­ti­on zu nut­zen.

Auch aus Nach­hal­tig­keits­über­le­gun­gen scheint es lang­fris­tig sinn­voll, bereits jetzt Image bei den (noch) jun­gen Ziel­grup­pen zu errei­chen.

Das Invol­ve­ment der sozia­len Medi­en erlaubt eben­falls eine neue Art der Mit­wir­kung an NPO-Themen im Sin­ne eines Mit­tel­wegs zwi­schen Geld­spen­de und ehren­amt­li­chen Enga­ge­ment.

Als best-practice wird: der WWF mit sei­nem panda.org Por­tal genannt, der gezielt jun­ge Men­schen anspricht. Auch Bewer­tungs­por­ta­le, wie netzwirken.net, die User­in­ter­ak­ti­on in den Fund­rai­sing­pro­zess ein­bin­den hel­fen in die­sem Bereich mit.

Eini­ge Tipps schlies­sen den Arti­kel von Lud­ger:

  • Der Online-Protest ist nicht nur für poli­ti­sche Orga­ni­sa­tio­nen inter­es­sant, son­dern auch für NPOs, wel­che sich the­ma­ti­sch z. B. mit Men­schen, dem Tier­schutz oder der Umwelt beschäf­ti­gen.
  • Foto- und Video-Communities stel­len einen ers­ten Anfang für Online­ak­ti­vi­tä­ten dar. Unter­stüt­zer kön­nen über ent­spre­chen­de Por­ta­le mit einem Bild oder einem Film, gepaart mit einem State­ment, eine Kam­pa­gne oder ein Pro­jekt emo­tio­nal beglei­ten.
  • In Social-Network-Sites wie z. .B. Stu­di­VZ oder Face­book soll­ten Kam­pa­gnen in jedem Fall inte­griert wer­den. Es kön­nen hier­über Aktio­nen ange­kün­digt und für Spen­den gewor­ben wer­den. Ziel ist es, mög­lichst vie­le Unter­stüt­zer für die eige­ne Sache zu fin­den und an sich zu bin­den.
  • Microblogging-Dienste wie Twit­ter, ermög­li­chen den täg­li­chen Kon­takt mit den Fol­lo­wern einer NPO und hel­fen Kam­pa­gnen und Din­ge aus dem all­täg­li­chen Geschäft in Echt­zeit zu kom­mu­ni­zie­ren. Durch die mobi­le Unab­hän­gig­keit sol­cher Diens­te ist eine dau­er­haf­te emo­tio­na­le Bin­dung der Inter­es­sen­ten in kur­zer Zeit mög­li­ch.

Sein Fazit: Jugend­li­che sol­len ein­ge­bun­den wer­den, denn sie sind poli­ti­sch und sozi­al aktiv – die NPOs sind auf die­se Ziel­grup­pen ange­wie­sen.

Chris­ti­an Henner-Fehr vom Kul­tur­ma­nage­ment Blog bezieht kla­rer­wei­se die Posi­ti­on des Kul­tur­ma­na­gers. Zunächst ver­sucht Chris­ti­an anhand eines prak­ti­schen Bei­spiels, einer Fundraising-Aktion des Young Euro Clas­sic Fes­ti­vals zu expli­zie­ren, inwie­weit jugend­li­che Ziel­kun­den­grup­pen auch für das aktu­el­le Fund­rai­sin­g­er­geb­nis mit­ver­ant­wort­li­ch waren.

Nach­dem die Lis­te ver­ständ­li­cher­wei­se kei­ne Alters­an­ga­ben ent­hält, kann ich nur ver­mu­ten, dass die über­wie­gen­de Mehr­zahl der Spen­de­rIn­nen nicht mehr der Kate­go­rie jugend­li­ch zuge­ord­net wer­den kann. Ich stüt­ze mich bei mei­ner Ver­mu­tung auf die vie­len bekann­ten und pro­mi­nen­ten Namen, die ich in die­ser Lis­te ent­deckt habe.

Dass jugend­li­che Ziel­grup­pen im Mar­ke­ting­jar­gon „gut getar­ge­tet“ wer­den kön­nen, sieht Chris­ti­an auch in meh­re­ren Stu­di­en bestä­tigt. Die Eta­blie­rung von eige­nen Soci­al Media-Strategien sieht er auch als wesent­li­ch für die­ses Ziel­kun­den­seg­ment.

Ich beant­wor­te daher Gerald Czechs Fra­ge, ob es Sinn macht, Jugend­li­che gezielt anzu­spre­chen, mit einem kla­ren Ja. Man muss sich nur dar­über im Kla­ren sein, dass wir hier nicht mehr von einer Spen­den­pra­xis spre­chen, die in den letz­ten Jahr­zehn­ten übli­ch war (und sich auch bewährt hat).

Ein wei­te­rer spä­te­rer Post von Chris­ti­an wid­met sich dem The­ma Fund­rai­sing und Soci­al Media, indem er eine US-Amerikanische Stu­die zusam­men­fasst, die sich die­sem The­ma wid­met – und passt daher auch gut in die­se Zusam­men­fas­sung her­ein.

Han­nes Jäh­nert, „Die wun­der­ba­re Welt … – in Chif­fren und Zei­chen“, wid­met sich im ers­ten­Teil sei­nes Bei­trags der Unter­stüt­zung von gemein­nüt­zi­gem Enga­ge­ments als Basis­auf­ga­be der NPOs und begrün­det damit ein Enga­ge­ment für jugend­li­che Ziel­grup­pen für NPOs schon auf­grund der Basis­aus­rich­tung als NPO. Er erkennt einen Zusam­men­hang von Mar­ke­ting­mass­nah­men in die­sen Seg­men­ten der Ziel­grup­pen und dem spä­te­ren Enga­ge­ment im Sin­ne der Par­ti­zi­pa­ti­on oder der finan­zi­el­len Unter­stüt­zung.

Es scheint mir aus­rei­chend bewie­sen, dass sich frei­wil­li­ges Enga­ge­ment (und das umfasst hier Geld-, Zeit oder Skill­spen­den) zumeist durch die gesam­te Bio­gra­phie zieht und nicht aus­schließ­li­ch im Jugend-, Erwachsenen- oder Ren­ten­al­ter geleis­tet wird (vgl. Düx et al.). Zwar ver­schie­ben sich die Inter­es­sen sowie das Zeit- und Geld­bud­get im Lau­fe einer Enga­ge­ment­bio­gra­fie (Frei­wil­li­gen­sur­vey, 60 sowie 272), doch zieht sich die Bereit­schaft zur Frei­wil­li­gen­ar­beit zumeist durch das gesam­te Leben enga­gier­ter Men­schen. Je frü­her also mit der Enga­ge­ment­för­de­rung begon­nen wird, desto bes­ser!

Hin­sicht­li­ch einer idea­len Kom­mu­ni­ka­ti­ons­stra­te­gie schlägt Han­nes – ganz sozi­al­wis­sen­schaft­li­ch –  vor, sich mit den Lebens­wel­ten der Ziel­grup­pen aus­ein­an­der zu set­zen.

Es geht also um die ziel­grup­pen­spe­zi­fi­sche Pro­fi­lie­rung einer Orga­ni­sa­ti­on – „das Zur­schau­stel­len einer bestimm­ten Eigen­art […] um sich von Ande­ren abgren­zen zu kön­nen“ (Wik­tio­na­ry). Doch wie kön­nen sich gro­ße (Massen-) Orga­ni­sa­tio­nen pro­fi­lie­ren, wenn sie doch tau­sen­den und aber­tau­sen­den ver­schie­den Men­schen gerecht wer­den müs­sen?

Als Lösung für die Indi­vi­dua­li­sie­rung von gro­ßen Orga­ni­sa­tio­nen, sieht Han­nes die Dezen­tra­li­sie­rung. Da die Dach­mar­ken bei die­ser Orga­ni­sa­ti­ons­form hin­ter den ein­zel­nen und indi­vi­du­el­len Hilfs­pro­jek­ten oft­mals schwer erkenn­bar ist, sol­len Kom­mu­ni­ka­ti­ons­stra­te­gi­en bereits früh­zei­tig Wer­te­ver­mit­telnd im Sin­ne der Gesamt­or­ga­ni­sa­ti­on ein­grei­fen kön­nen und so zur Ver­net­zung der Ein­zel­pro­jek­te zu einem Gan­zen bei­tra­gen.

Die Wer­te und Zie­le einer Trä­ger­or­ga­ni­sa­ti­on – die selbst­ver­ständ­li­ch frei­heit­li­che sein müs­sen (!) – soll­ten also schon so früh wie mög­li­ch ver­mit­telt wer­den, was wie­der­um zum nächs­ten Pro­blem führt: Die Inte­gra­ti­on ver­mit­teln­der Kom­mu­ni­ka­ti­on.

Dass das Inter­net oder Soci­al Media der Weg dazu sein kön­nen, bezwei­felt Han­nes Jäh­nert, da sich die Lebens­welt doch größ­ten­teils off­line abspielt.

Thi­lo Rei­chen­bach von F&S Fund­rai­sing und Sozi­al­mar­ke­ting unter­stützt in sei­nem Fazit Chris­ti­an Henner-Fehrs unein­ge­schränk­tes „Ja“ zur Fra­ge, ob es Sinn macht, jugend­li­che Ziel­grup­pen anzu­spre­chen.

Das vie­le der grö­ße­ren NPOs in Deutsch­land der eben­falls der Mei­nung sind, dass sich der Dia­log mit einer jün­ge­ren Ziel­grup­pe durch­aus lohnt und ziel­füh­rend ist, zeigt wohl nicht zuletzt die rasan­te Zunah­me von Twitter-Profilen und Facebook-Präsenzen deut­scher NPOs.9 Und auch eige­ne Com­mu­nities sind auf dem Vor­mar­sch, so star­te­te WWF kürz­li­ch sei­ne WWF Jugend Com­mu­ni­ty, das Deut­sche Rote Kreuz das „Netz­werk Blut­spen­der“ und Green­peace die viel ver­spre­chen­de Akti­ons­platt­form „Gree­nAc­tion“. Wei­ter Orga­ni­sa­tio­nen wer­den sicher fol­gen…

Span­nend ist die Argu­men­ta­ti­on: Thi­lo beginnt, Spen­den auf das Ver­trau­en zurück zu füh­ren, das NPOs in ihren Kern­ziel­grup­pen besit­zen. Die psy­cho­so­zia­le Pro­ze­du­ren der neu­ro­na­len Net­ze spei­chern nun ver­schie­den­s­te Emp­fin­dun­gen zu einer Mar­ke ab, daher haben – gleich­sam wie im B2C-Bereich beim Wasch­mit­tel­ver­kauf –  star­ke Mar­ken auch grö­ße­res Ver­trau­en der Kun­din­nen so die Kom­mu­ni­ka­ti­on und das Mar­ken­emp­fin­den stim­mig sind und ein­an­der ergän­zen.

Doch star­ke neu­ro­na­le Netz­wer­ke, star­ke Mar­ken, ent­ste­hen nur, wenn Kom­mu­ni­ka­ti­on und Mar­ken­bot­schaft klar und rele­vant sind, sehr ein­fach ver­ar­bei­tet wer­den kön­nen und die Infor­ma­ti­on dem bereits bestehen­den neu­ro­na­len Netz­werk, heißt dem Wis­sen um eine bestimm­te Mar­ke, wider­spruchs­frei ange­glie­dert wer­den kann. Nicht rele­van­te Infor­ma­tio­nen wer­den vom Ultra­kurz­zeit­ge­dächt­nis gefil­tert und zah­len nicht auf das „Mar­ken­kon­to“ ein. Die Kom­mu­ni­ka­ti­on ist inef­fi­zi­ent.

Dar­aus begrün­det er nun­mehr eine Pflicht zur kon­sis­ten­ten, wider­spruchs­frei­en und mar­ke­n­ad­äqua­ten inte­grier­ten Kom­mu­ni­ka­ti­on auf allen Kanä­len. Cor­po­ra­te Desi­gn ist dabei essen­ti­ell, wie auch ande­re Iden­ti­täts­de­fi­ni­tio­nen (CI, CB, C…). Web2.0 als inter­ak­ti­ve und par­ti­zi­pa­ti­ve Form der Kom­mu­ni­ka­ti­on ist dabei inso­fer­ne ein Para­dig­men­wech­sel, als das die Bot­schaf­ten zur Mar­ke nicht mehr von einer zen­tra­len „cor­po­ra­te communication“-Person kom­men, son­dern die mar­ken­bot­schaf­ter dezen­tral agie­ren und nur – unbe­wusst – auf ihre gespei­cher­te Mar­ken­emp­fin­dung („Mar­ken­welt“) zurück­grei­fen. Sol­len nun Orga­ni­sa­tio­nen jugend­li­che Ziel­grup­pen anspre­chen?

Mei­nes Erach­tens ist die Fra­ge nicht pau­schal zu beant­wor­ten, jede Orga­ni­sa­ti­on muss für sich selbst bewer­ten, ob der Gang in die sozia­len Netz­wer­ke, denn dort hal­ten sich „jugend­li­che Ziel­grup­pen“ auf, zur Mar­ke passt und ob sie wirk­li­ch die per­so­nel­len, zeit­li­chen und finan­zi­el­len Res­sour­cen auf­brin­gen kann, um ehr­li­ch und authen­ti­sch (!) in einen offe­nen Dia­log zu tre­ten.

Wesent­li­ch, da stimmt er auch mit Chris­ti­an Henner-Fehr vom Kul­tur­ma­nage­ment Blog über­ein ist in jedem Fal­le die Erstel­lung einer inte­grier­ten (Soci­al Media) Kom­mu­ni­ka­ti­ons­stra­te­gie. Wei­te­re gute Tipps von Thi­lo: Im Web2.0 nicht alles auf eine Kar­te set­zen son­dern auch tak­ti­sch zu diver­si­fi­zie­ren.

Bri­git­te Rei­ser von Nonprofits-vernetzt.de betont zunächst, dass für jeg­li­che NPO das geeig­ne­te Port­fo­lio an unter­schied­li­chen (Alters-) Ziel­grup­pen essen­ti­ell ist. Die­se Auf­ga­be ist eine stra­te­gi­sche und trägt zur Erwei­te­rung der eige­nen Spiel­räu­me bei.

Die The­se, die im Fund­rai­sing domi­niert, – dass Spen­den eine Domä­ne der Älte­ren sei, was man an den Spend­en­er­geb­nis­sen able­sen kön­ne – hal­te ich für fal­sch. Die empi­ri­schen Ergeb­nis­se bele­gen nur, dass man mit den bis­he­ri­gen Fund­rai­sing­in­stru­men­ten haupt­säch­li­ch die älte­re Gene­ra­ti­on erreicht hat.

Jun­ge Men­schen, so Bri­git­te, sei­en sehr wohl am Gemein­we­sen inter­es­siert und enga­gie­ren sich auch selbst sehr oft – mit Sicher­heit ein Mög­li­cher Hook zur Bin­dung die­ser Ziel­grup­pen an NPOs.

Hin­sicht­li­ch der opti­ma­len Ziel­grup­pen­an­spra­che schlägt Bri­git­te vor, dass sich NPOs eine gute Daten­grund­la­ge erar­bei­ten (las­sen), in dem sie empi­ri­sche Unter­su­chun­gen zu den Gene­ra­ti­ons­un­ter­schie­den ent­wi­ckeln. Die­se kön­nen dann zur kon­kre­ten Aus­ge­stal­tung der jewei­li­gen stra­te­gi­schen Ansät­ze die­nen.  Ein wei­te­rer Vor­schlag betrifft das „going-online“ von off­line bereits exis­tie­ren­den Struk­tu­ren, wie Jugend­grup­pen. Es gibt zwar ver­schie­de­ne Por­ta­le, aller­dings sind gera­de die vernetzungs- und Par­ti­zi­pa­ti­ons­mög­lich­kei­ten des Web2.0 Zusatz­fea­tures, die die Auto­rin ver­misst. (Anm.: humanitynetwork.at, das Web2.0 Por­tal des Österr. Jugend­rot­kreuz soll gen­au das machen: Blog­post von mir).

Nicht zuletzt soll­ten sich die gro­ßen Orga­ni­sa­tio­nen mit Jugend­ver­bän­den auch gleich die eige­nen Mit­glie­der als Ziel­grup­pen­ex­per­ten zur Hand neh­men, um die jun­ge Gene­ra­ti­on an der Gesamt­stra­te­gie par­ti­zi­pie­ren zu las­sen.

Bei allen Bemü­hun­gen um Kom­mu­ni­ka­ti­ons­stra­te­gi­en für Jugend­li­che darf nicht ver­ges­sen wer­den, dass eine Nonprofit-Organisation nie­mals nur nach Spen­dern suchen soll­te, son­dern immer nach Part­nern, – mit allen Kon­se­quen­zen, die die­ser Stakeholder-Status mit sich bringt

Ulri­ke Schmidt von Kultur2.0 ant­wor­tet zu Beginn ihres Bei­trags ein­fach auf mei­ne Fra­ge:

Ja, unbe­dingt lau­tet mei­ne Ant­wort auf die Fra­ge von Gerald Czech ob es für NPOs inte­grier­te Kom­mu­ni­ka­ti­ons­stra­te­gi­en für jugend­li­che Ziel­grup­pen geben kön­ne bzw. sol­le?

Gera­de die früh­zei­ti­ge Ein­bin­dung von jun­gen Leu­ten ermög­licht es der Orga­ni­sa­ti­on auch die Wer­te und Nor­men zu sozia­li­sie­ren und damit die Basis für zukünf­ti­gen Akti­vis­mus zu gene­rie­ren. Im Sin­ne einer Stakeholder-Pyramide soll­ten es Orga­ni­sa­tio­nen schaf­fen, jun­ge Men­schen zu „packen“ und ihr „Fan sein“ über kurz oder lang zum lang­fris­ti­gen Enga­ge­ment zu trans­fe­rie­ren. Auch den inter­ge­ne­ra­tio­na­len Dia­log, dass Jugend­li­che von Älte­ren Erfah­run­gen und Wis­sen abschöp­fen kön­nen und die Älte­ren vom Élan und neu­en Ide­en der Jugend pro­fi­tie­ren, streicht Ulri­ke her­vor.

Ein Gesamt­über­bli­ch zu die­sen vie­len unter­schied­li­chen Bei­trä­gen ist schwie­rig. Der ers­te Teil mei­ner Fra­ge ist leicht zu beant­wor­ten: Ja, es braucht eine dezi­dier­te Stra­te­gie für jugend­li­che Ziel­grup­pen. Doch ob in die­ser Stra­te­gie dann das Web2.0 vor­kommt, ob die Stra­te­gie viel­leicht lau­tet, die­se Ziel­grup­pe ganz gezielt aus­zu­las­sen lässt sich aus den bestehen­den Bei­trä­gen nicht ein­deu­tig her­aus­le­sen. Auch die Per­spek­ti­ven unter­schei­den sich: Vom prak­ti­schen Mar­ke­ting­stra­te­gen, der die Mar­ken­welt und die damit ver­bun­de­nen emo­tio­na­len Wahr­neh­mun­gen des Kon­su­men­ten in den Mit­tel­punkt sei­ner Betrach­tun­gen stellt, über die kon­kre­te ope­ra­ti­ve Fundraising-Sicht, das Invol­ve­ment inner­halb der Ziel­grup­pen und ihr prak­ti­sches Enga­ge­ment, die Orga­ni­sa­ti­ons­struk­tur und ihre Aus­wir­kun­gen auf die emp­fun­de­ne Orga­ni­sa­ti­ons­kul­tur und rea­le Lebens­welt der Akteu­rin­nen, bis hin zur For­de­rung, sich ein­mal theo­re­ti­sch mit den tat­säch­li­chen empi­ri­schen Ergeb­nis­sen aus­ein­an­der zu set­zen rei­chen die Anre­gun­gen, die  ich sehr wohl auf­neh­men konn­te.

Für mich selbst ist das auch inso­fer­ne ein wert­vol­ler Bei­trag, als das wir selbst in die­sem bereich ver­su­chen, stra­te­gi­sche Rah­men­be­din­gun­gen zu ent­wi­ckeln. Ers­ter Schritt wird die Koope­ra­ti­on mit der Wirt­schafts­uni­ver­si­tät Wien sein, wo im nächs­ten Semes­ter im Rah­men eines stu­den­ti­schen Pro­jekts ein­mal Grund­la­gen zum The­ma erar­bei­tet wer­den sol­len.

Wenn ich in mei­nem Über­bli­ck einen wich­ti­gen Aspekt uner­wähnt habe las­sen, ersu­che ich um Eure Kom­men­ta­re!

Noch ein­mal vie­len Dank für die Bei­trä­ge!

Gerald Czech, vul­go Red­cross Socio­lo­gist