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	<title>Redcross Sociologist</title>
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		<title>Physikalische Segregation oder zweiter Hauptsatz der Sozialdynamik?</title>
		<link>http://blog.roteskreuz.at/sociologist/2010/03/01/physikalische-segregation-oder-zweiter-hauptsatz-der-sozialdynamik/</link>
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		<pubDate>Mon, 01 Mar 2010 15:25:57 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Gerald Czech</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Neoliberalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Soziologie]]></category>
		<category><![CDATA[Ökonomie]]></category>
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		<category><![CDATA[Armut]]></category>
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		<category><![CDATA[Verteilung]]></category>

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		<description><![CDATA[Gerne verwenden technisch oder physikalisch ausgebildete Menschen Sozialsysteme mit ihren physikalischen Theorien. Oftmals kommt dabei natürlich auch die Thermodynamik ins Spiel, insbesondere deren zweiter Hauptsatz, nach dem „In einem geschlossenen adiabaten System die Entropie nicht geringer werden [kann]“ (Quelle: Wikipedia.org). Grundlage dieser Annahme, die als „Erfahrungstatsache“ bezeichnet wird, ist dass die Entropie als Maß der [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Gerne verwenden technisch oder physikalisch ausgebildete Menschen Sozialsysteme mit ihren physikalischen Theorien. Oftmals kommt dabei natürlich auch die Thermodynamik ins Spiel, insbesondere deren zweiter Hauptsatz, nach dem „In einem geschlossenen adiabaten System die Entropie nicht geringer werden [kann]“ (Quelle: <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Thermodynamik#Zweiter_Hauptsatz">Wikipedia.org</a>). Grundlage dieser Annahme, die als „Erfahrungstatsache“ bezeichnet wird, ist dass die Entropie als Maß der Unordnung eines Systems ohne äußere Einflüsse immer zunimmt, ein System also ohne Einfluss von außen chaotischer und stochastischer wird. Für den Bereich von (idealen) Gasen kann man derartige Phänomene ja gut beobachten.</p>
<p>Sozialingenieure, und das wäre wohl die freundlichste Bezeichnung, versuchen nun, diese Theorien auch als Erkenntnisgrundlage für soziale Phänomene zu verwenden. Ersetzen wir die stochastische physikalische Realität (im Bereich der „klassischen“ Physik) durch das zufällig verteilte Einkommen/Vermögen, so wird die soziale „Errungenschaft“ der Segregation zum Sieg der Gesellschaft über die Natur. Gängige neoliberale Utilitaristen ergänzen diese Perspektive dann noch durch die Individualisierung des sozialen.</p>
<p>Verknüpft man dieses „physikalische Weltbild“ – so hieß übrigens vor rund 25 Jahren ein <a href="http://www.rosensteingasse.at/">Freigegenstand an meiner HTL</a> – mit einem in Österreich durchaus als politisch korrekt geltendem Kick an Sozialdarvinismus, so erhält man eine in sich schlüssige Begründung, warum Segregation, also soziale Ungleichbehandlung und damit einhergehend manifeste Benachteiligung verschiedener gesellschaftlicher Schichten gut und wichtig ist, um die gesellschaftliche Ordnung aufrecht zu erhalten. Diese innere Schlüssigkeit der Ideologie, des grundlegend falschen Systems ist wohl eines der Probleme, warum wir in Österreich keinerlei Verteilungsdiskussionen oder Armutsdiskussionen auf breiter politischer Basis zu führen imstande sind.</p>
<h2>Thema Armut und Verteilung:</h2>
<ul>
<li><a href="http://oe1.orf.at/programm/201003011101.html">Ö1-Radiokolleg: Verteilung</a></li>
<li><a href="www.armut.at">www.armut.at</a></li>
<li><a href="www.allesueberarmut.at">www.allesueberarmut.at</a></li>
<li><a href="http://www.slideshare.net/redcrosswebmaster/armut-in-sterreich">Slideshare-Präsentation Armut in .at</a></li>
<li><a href="http://www.roteskreuz.at/berichten/magazin/detail/datum/2009/11/09/katastrophenausloeser-armut/">Rotkreuz-Magazin: Katastrophenauslöser Armut</a></li>
</ul>
<h2>Theoriebackground zum Thema</h2>
<ul>
<li><a href="http://blog.roteskreuz.at/sociologist/2009/12/09/die-theorien-pierre-bourdieus/">Die Theorien Pierre Bourdieus</a></li>
<li><a href="http://blog.roteskreuz.at/sociologist/2009/04/06/soziale-steuerung-und-sozialer-wandel-grundlegende-sozialwissenschaftliche-konzepte-und-diagnosen-zu-konkreten-wandelprozessen/">Sozialwissenschaftliche Konzepte zu sozialen Wandelprozessen</a></li>
</ul><img src="http://blog.roteskreuz.at/sociologist/?ak_action=api_record_view&id=218&type=feed" alt="" />]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Integrierte Marketingkommunikation &#8211; &#8220;Jugend&#8221; &amp; Web2.0</title>
		<link>http://blog.roteskreuz.at/sociologist/2010/02/16/integrierte-marketingkommunikation-jugend-web2-0/</link>
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		<pubDate>Tue, 16 Feb 2010 14:25:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>projektteamwuwien</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

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		<description><![CDATA[Im Wintersemester 2009/2010 arbeitete ein Team von vier Studentinnen der WU Wien an einem Projekt für das ÖRK. Vor dem Hintergrund einer fehlenden zusammenfassenden Strategie für die Zielgruppe „Jugend“ galt es, deren strategische Relevanz zu klären und eine integrierte Marketingstrategie zu entwickeln. Ziel einer solchen ist es, das Österreichische Rote Kreuz für die Zielgruppe zu positionieren. Einerseits ermöglicht dies die Sensibilisierung der „Jugend“ für das Rote Kreuz und dessen Inhalte. Andererseits bietet eine zielgruppengerechte Marketingkommunikation die Chance, den Bereich „Jugend“ für die Zukunft als neues Segment für das Targeting für Freiwilligenarbeit anzusprechen.
In diesem Blogbeitrag sollen wesentliche Aspekte der Projektarbeit angeführt werden und diese zu einer weiteren Diskussion zum Thema "Jugendmarketingkommunikation" anregen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Zu der hier zuvor geführten Diskussion über eine integrierte Kommunikationsstrategie für jugendliche Zielgruppen möchten wir uns an dieser Stelle als <strong>Projektteam der WU Wien</strong> zu Wort melden und unsere Erkenntnisse aus einem von uns im Wintersemester 09/10 durchgeführten Projekt mit euch teilen. Somit können wir einen neuen Blickwinkel in die Diskussion einbringen.</p>
<p>Ziel des Projektes war die Entwicklung einer integrierten <strong>Jugendmarketingstrategie mit besonderer Berücksichtung von Web2.0-Elementen</strong>. Fokus unserer Recherche- und Analysearbeit lag dabei auf der NPO Österreichisches Rotes Kreuz. Die von uns erarbeiteten Aspekte sind sicherlich auch für andere (ähnliche) Organisationen relevant und die Resultate teilweise übertragbar.</p>
<p>Wir möchten in diesem Zusammenhang zuerst zwei für unsere Arbeit zentrale Fragen ansprechen, die auch hier schon öfters angesprochen wurden. Um zu einem Ergebnis zu gelangen, war es von zentraler Bedeutung folgende Fragen zu klären:</p>
<ul>
<li><strong>(1) Welche Rolle spielt die Zielgruppe „Jugend“ für NPOs?</strong></li>
<li><strong>(2) Wie kann diese am besten von den Organisationen erreicht werden? Welche Rolle spielt dabei das Internet und dessen neue Generation, das Web 2.0?</strong></li>
</ul>
<p>(1) Jugendliche – als Zielgruppe für NPOs, in unserem Zusammenhang für das Österreichische Rote Kreuz – sind wie sich in unserer Arbeit herausstellte als <strong>zukünftige Unterstützer, Vermittler der Inhalte und Freiwillige für die Organisation</strong> von zentraler Bedeutung.</p>
<p>Vorweg gilt es aber den Begriff einzugrenzen: „Jugend“ wurde für unsere Analyse als Personenkreis der 14- bis 30-Jährigen festgelegt (in Anlehnung an einige Studien und die Begriffseingrenzung des BMWFJ). Diese kennzeichnet sich durch Heterogenität, Szenenvielfalt, Individualität sowie die Bedeutung des Freundeskreises (Ergebnisse hierfür erhielten wir aus der Forschung zu Jugendkultur siehe z.B. <a href="http://www.jugendkultur.at">www.jugendkultur.at</a> -Beate Großegger).</p>
<p>Jugendliches Verhalten weist eine sinkende Tendenz des Engagementbewusstseins und eine verstärkte Mediennutzung, besonders innovativer Medien wie des Internets, auf. Vor allem die sinkende Tendenz des Engagementbewusstseins macht es für NPOs unabdingbar gezielt Jugendliche anzusprechen um auch die zukünftige Existenz jener Organisationen zu sichern, die stark von Freiwilligenarbeit abhängig sind. Doch welche Rolle spielt dabei das Internet?</p>
<p>(2) Das Internet weist <strong>Charakteristika eines Leitmediums</strong> innerhalb der Zielgruppe auf.</p>
<p>Dies zeigte sich vor allem durch die Analyse der Mediennutzung Jugendlicher (Informationen zur Mediennutzung der Jugend von heute – Time Scout Studie <a href="http://www.tfactory.com/5000trendstudie-TimescoutZ.html">http://www.tfactory.com/5000trendstudie-TimescoutZ.html</a>).</p>
<p>Das Internet bietet Jugendlichen nicht nur Möglichkeiten zur Informationssuche und Unterhaltung, sondern auch zur Kommunikation. Kommunikation bildet einen zentralen Aspekt in der Nutzung des Internets. Dies zeigt sich auch in einer drastischen Steigerung der Userzuwächse verschiedener Online Communities und sozialer Netzwerke (Facebook &amp; Co).</p>
<p>Die Frage wie Jugendliche am besten erreichbar sind, führt aus unserer Sicht somit am Internet nicht vorbei. Die Innovation des Web 2.0 bietet Organisationen ebenso Kostenvorteile sowie Möglichkeiten der Eigeninitiative und Mitgestaltung. Dies konnte durch Best Practice-Beispiele in unserer Arbeit bestätigt werden: Immer mehr Organisationen und Unternehmen machen sich die Vorteile des Web 2.0 zu Nutzen (beispielsweise Oberösterreich Tourismus sucht Oberösterreich Botschafterin auf Facebook http://www.ots.at/presseaussendung/OBS_20091204_OBS0016).</p>
<p><span id="more-208"></span></p>
<p>Im Folgenden eine knappe Zusammenstellung der Erkenntnisse, die wir aus unseren Analysen (der Literatur, Best-Practice etc.) gewinnen konnten.</p>
<p>Durch intensive Literaturrecherche und Vergleiche mit ähnliche Organisationen sind wir im Rahmen unserer Arbeit zu dem Ergebnis gekommen, dass durch die zunehmende Bedeutung des Internets und im Besonderen von Web 2. 0- Applikationen die Ansprache der Zielgruppe „Jugend“ durch eben diese Medien von großer Bedeutung ist. Die Ansprache ist auf diesem Weg am einfachsten zu gestalten, besonders was ihre Umsetzbarkeit betrifft, und ist weiters mit wenig Kosten verbunden und geeignet schnelle Reaktionen zu erzeugen. Vor allem der Kostenvorteil des Internets gegenüber anderen Medien stellt sich vor allem für NPOs als großer Vorteil heraus. Der Ausbau der Internetpräsenz speziell für Jugendliche sowie der Auftritt in „social communities“ erscheinen somit zentral. Bei der Verwendung von Web 2.0-Applikationen darf aber die Pflege bzw. das Monitoring bezüglich der Aktualität dieser Applikationen nicht vernachlässigt werden um den gewünschten Effekt zu erreichen &#8211; eine intensivere zielgerechte Positionierung und Integration der Jugend in die Organisation. Neben dem Internet sollen dennoch „klassische“ Medien weiterhin einbezogen werden, dadurch kann erreicht werden, dass auch Jugendliche außerhalb der „Online-Welt“ angesprochen werden.</p>
<p>Letztendlich kommen wir zu dem Schluss, dass die Einbeziehung der Jugend als Zielgruppe und eine integrierter Marketingkommunikation für die Zukunft des ÖRK von zentraler Bedeutung ist. Durch die Verwendung des Internets können Kostenvorteile genutzt werden. Eine Marketingkommunikation mit geringer oder keiner Einbeziehung des Internets erschwert eine zielgruppengerechte Ansprache, da das Internet zu den am meisten genutzten Medien junger Zielgruppen zählt.</p><img src="http://blog.roteskreuz.at/sociologist/?ak_action=api_record_view&id=208&type=feed" alt="" />]]></content:encoded>
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		</item>
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		<title>Out of Facebook: Stiglitz, Schmidt und der Neoliberalismus</title>
		<link>http://blog.roteskreuz.at/sociologist/2010/01/07/out-of-facebook-stiglitz-schmidt-und-der-neoliberalismus/</link>
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		<pubDate>Thu, 07 Jan 2010 16:13:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Gerald Czech</dc:creator>
				<category><![CDATA[Neoliberalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Sozialpolitik]]></category>
		<category><![CDATA[theorie]]></category>
		<category><![CDATA[Ökonomie]]></category>
		<category><![CDATA[Becker]]></category>
		<category><![CDATA[Keynes]]></category>
		<category><![CDATA[Replik]]></category>
		<category><![CDATA[Stiglitz]]></category>

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		<description><![CDATA[Zur Genese des vorliegenden Textes muss ich erklären, dass dieser am Tag vor Silvester zunächst als kurze Facebook-Note entstand. Ich wollte mich etwas ausführlicher auf eine Replik zu einem von mir geposteten Link auf den Gastkommentar von Joseph Stiglitz im Standard äussern. Nach einigen Tagen fand ich allerdings, dass das vielmehr ein Blogpost sei, als [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div>Zur Genese des vorliegenden Textes muss ich erklären, dass dieser am Tag vor Silvester zunächst als kurze Facebook-Note entstand. Ich wollte mich etwas ausführlicher auf eine Replik zu einem von mir geposteten Link auf den Gastkommentar von Joseph Stiglitz im Standard äussern. Nach einigen Tagen fand ich allerdings, dass das vielmehr ein Blogpost sei, als eine Facebook-Nachricht, daher übernehme ich diesmal den Text in die andere Richtung als sonst und verwende diesen Blog als Sekundärmedium.</div>
<div></div>
<div>Nun noch eine Replik auf Peter Schmidt mit ein bisserl weniger Emotion dafür mit ein bisserl mehr an Worten:</div>
<div>
<blockquote><p>Peter meinte<br />
Ausgelöst vor allem durch Gier der armen US-Häuselbauer mit Finanzierung auf Pump über jede Leistungsfähigkeit hinaus. Niemand muss das tun. Aber von den Banken werden solche Finanzierungen allseits erwartet mit super niedrigen Zinsen, dazu tolle Haben-Zinsen für Einlagen. Und wenn das dann nicht klappt, sind sie auch schuld.</p></blockquote>
<p>Ich fand es in jedem Fall mehr als rabulistisch, die Behauptung aufzustellen, dass die Krise (in den USA) in Form des externen Drucks auf die Hypothekenbanken &#8211; sozusagen durch die Einmischung der Gesellschaft oder des des Staates in das Banksystem erfolgt ist und daher diesem keinerlei Schuld für die darauffolgenden Dominoeffekte anzulasten sei. In diesem Fall, lieber Peter, sitzt du der selbsterfüllenden Prophezeiung der neoliberalen Denker auf, deren Realitätskonstruktion keinerlei andere Lösungen kennt. Fehler im System müssen sich (immer) auf die Einmischung von Aussen zurückführen lassen, weil der Markt allein, regelt immer alles selbst.</p></div>
<div>
<div><img class="alignleft" src="http://photos-h.ak.fbcdn.net/hphotos-ak-snc3/hs152.snc3/17962_224297412981_746762981_3233779_5988242_a.jpg" alt="Quelle: http://greenewable.files.wordpress.com/2008/10/invisiblehand.jpg" width="180" height="200" /></div>
</div>
<div>Diese Argumentation ist ja sogar Neo-Neoliberalismus und genau das prangert Stiglitz zu Recht in seinem <a title="http://derstandard.at/1259282844475/Fuenf-bittere-Lehren-aus-dem-Krisenjahr-2009" href="http://www.facebook.com/note_redirect.php?note_id=225168974957&amp;h=518c88a10c138215cfd0c68d3520b019&amp;url=http%3A%2F%2Fderstandard.at%2F1259282844475%2FFuenf-bittere-Lehren-aus-dem-Krisenjahr-2009" target="_blank">Kommentar auf derstandard.at</a> an. Die &#8220;unsichtbare Hand&#8221; des Marktes, die im Rahmen des Booms des Neoliberalismus dem armen Adam Smith zugeschrieben wurde, der diese Metapher im &#8220;Wohlstand der Nationen&#8221; (<a title="http://en.wikisource.org/wiki/The_Wealth_of_Nations" href="http://www.facebook.com/note_redirect.php?note_id=225168974957&amp;h=3190544be2913f94b67a57d5adfab8a9&amp;url=http%3A%2F%2Fen.wikisource.org%2Fwiki%2FThe_Wealth_of_Nations" target="_blank">Original übrigens hier</a>) überhaupt nur einmal verwendet und da in komplett anderem Zusammenhang. &#8220;Die unsichtbare Hand&#8221;, so Stiglitz, sei deswegen nicht in Erscheinung getreten, weil es sie schlichtweg nicht gibt. Laufende und immer steigende Gier weniger Alphatiere im Finanzsektor führten zur Genese von Derivaten, deren Konstruktion schlussendlich niemand mehr verstanden hat, das hat nichts mehr mit den Krediten zu tun gehabt.</div>
<div>
<div><img class="alignright" src="http://photos-b.ak.fbcdn.net/hphotos-ak-snc3/hs152.snc3/17962_224294112981_746762981_3233767_7326290_a.jpg" alt="Quelle: www.larryevansphotography.com" width="180" height="119" /></div>
<div><span><br />
</span></div>
</div>
<div>Radikale Vertreter der ökonomistischen Theorie, wie beispielsweise <a>Gary Becker</a>, der dafür sogar einen Nobelpreis erhalten hat, versuchen sogar, soziales Verhalten mit diesen Vereinfachungen zu erklären. Becker selbst sieht seinen ökonomischen Ansatz als Erklärungsmodell für jegliches menschliche Verhalten. Es ist in seinen Augen mehr als eine sozialwissenschaftliche Mikrotheorie, weil es auch nicht-soziales zu erklären versucht.</p>
<p>„Ich bin der Auffassung, dass die besondere Stärke des ökonomischen Ansatzes darin liegt, dass er eine breite Skala menschlichen Verhaltens integrativ erfassen kann.“ (Becker 1982: 3)<br />
Doch, wenn man mit einem Satz die Welt erklären will, dann muss man seine Bedeutung sehr breit anlegen. Egal, ob es um Kaffeekonsum, Ehe, die Wirkung der Todesstrafe, oder um die Entscheidung einer Autoroute geht – Beckers Theorie hat scheinbar Lösungen für alles. Was auf der Strecke bleibt ist die soziale Realität als vernachlässigbare Randbedingung. Diese wurde Schritt für Schritt durch eine ökonomische Realität ersetzt, ganz im Sinne des zuvor zitierten Volkswirtschaftlichen Modellbegriffs.</p></div>
<div>
<div><img class="alignleft" src="http://photos-c.ak.fbcdn.net/hphotos-ak-snc3/hs132.snc3/17962_224285167981_746762981_3233722_2144747_a.jpg" alt="Quelle: diePresse.at online: http://diepresse.com/home/panorama/oesterreich/445025/index.do" width="180" height="462" /></div>
</div>
<div>Gerade in Zeiten der einfachen Erklärungen eignen sich Theorien wie diese, weil es für sich in keinster Weise in Anspruch nimmt, selbst normativ zu sein, obwohl im Hintergrund die Ökonomisierung aller Lebensbereiche laufend mitschwingt. Es verwundert trotzdem nicht, dass Becker für diese Ansätze einen Nobelpreis erhalten hat. Auf der einen Seite war es der Preis für Wirtschaftswissenschaften &#8211; damit wurde die Theorie auch aus der ökonomischen Perspektive gesehen – und auf der anderen Seite passt eine Theorie wie diese sehr gut in die neoliberale Rationalität einer globalisierten Welt.</p>
<p>Ob die Krise nun von den Medien gemacht ist, oder nicht ist schlussendlich irrelevant, zumal sie objektiv und auch subjektiv gerade für die Bedürftigen da ist. Die Realwirtschaft hat vom Einbruch in der Finanzwirtschaft Schaden genommen und dieser betrifft einzelne Menschen. Wenn man ansieht, wie viele Menschen nach den neuesten Statistiken armutsgefährdet sind, so ist jeder Euro, der statt in die Verbesserung der Lebensbedingungen aller in die Rettung von Finanzinstitutionen investiert werden muss, um noch grössere Schäden zu vermeiden, ein verlorener Euro. Das und nichts anderes sagte Stiglitz, er bekrittelte &#8211; wie übrigens auch viele andere mehr oder weniger einflussreiche ÖkonomInnen &#8211; die Tatsache, dass Gewinne immer gerne privatisiert werden, während die Verluste kommunalisiert werden, also von uns allen im Wege des Staates beglichen werden.</p>
<p>Doch Stiglitz geht noch weiter in seiner Argumentation, denn er nennt fünf Lehren aus der Krise und die bisher diskutierten Argumente betreffen lediglich seine erste Lehre. Das ist auch der Grund, warum ich Dir ökonomische Literatur nahegelegt habe, in meiner ersten Reaktion. Denn natürlich kann man über die einzelnen Thesen und Argumente unterschiedlicher Meinung sein, ob jetzt Keynesianische Politik immer funktioniert, oder nur in manchen Fällen, wie das mit der Geldpolitik und der Inflationsbekämpfung als ihr heiligstes Ziel ist, und ob Innovationen zu einer effizienteren und produktiveren Ökonomie führen &#8211; doch einfach Pauschal einen wirklich gut geschriebenen und in meinen Augen auch ziemlich auf den Punkt kommenden Artikel als &#8220;Schwachsinn&#8221; zu titulieren schlägt in meinen Augen doch auf die Person zurück, die das geschrieben hat.</p></div>
<div>
<div><img class="alignright" src="http://photos-h.ak.fbcdn.net/hphotos-ak-snc3/hs152.snc3/17962_224324312981_746762981_3233895_7755932_a.jpg" alt="Quelle: Life: John Maynard Keynes during the Monetary Conf." width="180" height="227" /></div>
<div></div>
</div>
<p>Es muss ja nicht gleich <a title="http://www.zeit.de/2008/46/Keynes?page=all" href="http://www.facebook.com/note_redirect.php?note_id=225168974957&amp;h=c20ea6c7c06568d0bdd7e8e39d889d9a&amp;url=http%3A%2F%2Fwww.zeit.de%2F2008%2F46%2FKeynes%3Fpage%3Dall" target="_blank">John Maynard Keynes</a> sein, aber beispielsweise der Artikel oder das Buch <a title="http://books.google.at/books?hl=de&amp;lr=&amp;id=VXIDgGjLHVgC&amp;oi=fnd&amp;pg=PP13&amp;dq=%22Coase%22+%22The+nature+of+the+firm%22+&amp;ots=RFc0mpkNt2&amp;sig=O6R7OOlfzHTTT3GnpZXCw9oAq0c#v=onepage&amp;q=%22Coase%22%20%22The%20nature%20of%20the%20firm%22&amp;f=false" href="http://www.facebook.com/note_redirect.php?note_id=225168974957&amp;h=97d9322cbac5cef1ce256a57e44efa89&amp;url=http%3A%2F%2Fbooks.google.at%2Fbooks%3Fhl%3Dde%26lr%3D%26id%3DVXIDgGjLHVgC%26oi%3Dfnd%26pg%3DPP13%26dq%3D%2522Coase%2522%2B%2522The%2Bnature%2Bof%2Bthe%2Bfirm%2522%2B%26ots%3DRFc0mpkNt2%26sig%3DO6R7OOlfzHTTT3GnpZXCw9oAq0c%23v%3Donepage%26q%3D%2522Coase%2522%2520%2522The%2520nature%2520of%2520the%2520firm%2522%26f%3Dfalse" target="_blank">&#8220;The Nature of the firm&#8221;</a> aus dem Jahr 1936 von Ronald Coarse legen auch schon die Synapsen so weit um, dass unterschiedliche Realitäten zum ökonomischen System gedacht werden können, als dass das die neoliberale &#8220;Moral&#8221;-Theologie zulässt.</p>
<p>Ach ja, danke Dir für Dein &#8220;Stöckchen&#8221;, sonst hätte ich mich nicht zu dem Text hinreissen lassen &#8230;</p>
<p>Liebe Grüsse verbunden mit den besten Wünschen zum bevorstehenden Jahreswechsel,</p>
<p>Gerald</p><img src="http://blog.roteskreuz.at/sociologist/?ak_action=api_record_view&id=198&type=feed" alt="" />]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Die Theorien Pierre Bourdieus</title>
		<link>http://blog.roteskreuz.at/sociologist/2009/12/09/die-theorien-pierre-bourdieus/</link>
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		<pubDate>Wed, 09 Dec 2009 12:51:45 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Gerald Czech</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bourdieu]]></category>
		<category><![CDATA[Soziologie]]></category>
		<category><![CDATA[links]]></category>
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		<category><![CDATA[Subjektivismus]]></category>

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		<description><![CDATA[Dieses Textfragement entstand &#8211; analog zum Fragement zur Geschichte des Roten Kreuzes &#8211; bei der Erstellung meiner Diplomarbeit zu den Sozialstrukturen im Österreichischen Roten Kreuzes als übervollständige Beschreibung des Bourdieuschen Theoriengebäudes. Da einige Teile dieses Abrisses in die Diplomarbeit wegen mangelnder Relevanz für das Thema keinen Eingang finden werden, veröffentliche ich diesen Text hier.
Falls das [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Dieses Textfragement entstand &#8211; analog <a href="http://blog.roteskreuz.at/sociologist/2009/11/27/die-geschichte-des-roten-kreuzes-in-niederosterreich/">zum Fragement zur Geschichte des Roten Kreuzes</a> &#8211; bei der Erstellung meiner Diplomarbeit zu den Sozialstrukturen im Österreichischen Roten Kreuzes als übervollständige Beschreibung des Bourdieuschen Theoriengebäudes. Da einige Teile dieses Abrisses in die Diplomarbeit wegen mangelnder Relevanz für das Thema keinen Eingang finden werden, veröffentliche ich diesen Text hier.</p>
<p>Falls das Lesen am Schirm zu mühsam ist, hier die PDF-Version: <a rel="attachment wp-att-193" href="http://blog.roteskreuz.at/sociologist/2009/12/09/die-theorien-pierre-bourdieus/theorien-pierre-bourdieus/">Theorien Pierre Bourdieus</a></p>
<p>Gerald Czech im November 2009</p>
<p>Andere Bourdieu-Texte in meinem Blog (Diese sind zum Teil Grundlage des hier publizierten Textes):</p>
<ul>
<li><a href="../2009/05/28/die-firma-okonomisches-oder-soziales-phanomen/">Die Firma: ökonomisches oder soziales Phänomen?</a></li>
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<li><a href="../2008/11/21/bourdieus-feldbegriff/">Bourdieus Feldbegriff</a></li>
</ul>
<h1 style="text-align: left"><strong>Die Theorien Pierre Bourdieus</strong></h1>
<p style="text-align: left">Gerald Czech, Dezember 2009</p>
<h1>1.      Kurzbiographie Pierre Bourdieus</h1>
<p>Pierre Bourdieu ging als kritischer politischer französischer Intellektueller auf der einen und als der Soziologe der Ungleichheitsforschung auf der anderen Seite nicht nur in die Wissenschaftsgeschichte ein. Wie Franz Schulteis in einem Interview für das Booklet zur DVD „Soziologie ist ein Kampfsport“ betont, waren beide Perspektiven Bourdieus offenbar jeweils alleinstehend aber für unterschiedliche Zielgruppen präsent: „Wer »Das Elend der Welt« liest oder »Gegenfeuer«, beschäftigt sich meistens nicht mit »Die feinen Unterschiede« oder »Die Regeln der Kunst« oder umgekehrt.“ (Schrenk 2009, S. 30)</p>
<p>Wesentlich erscheint in diesem Zusammenhang, dass Pierre Bourdieu – und hier ist er ganz in der Tradition des deutschen Soziologen Max Weber – als Wissenschafter werturteilsfrei die sozialen Tatsachen schildert, seine politischen Äußerungen spielen sich außerhalb der wissenschaftlichen Publikationen ab. Auch das scheint ein Grund dafür zu sein, warum diese zwei unterschiedlichen Bilder von Bourdieu auch Jahre nach seinem Tod noch immer so existieren.</p>
<p>Aufgrund seiner Publikationssprache und seiner Verortung als französischer Intellektueller war Bourdieu im deutschsprachigen Raum lange Zeit unbekannt. Erst Mitte der 1980er Jahre, fast 20 Jahre nach seinen ersten wichtigen Publikationen, wurde sein Werk auch im deutschsprachigen Raum bekannt und damit Inhalt des sozialwissenschaftlichen Diskurses.</p>
<p>„Im deutschsprachigen Raum bekannt wurde Bourdieu durch seine Studie »Die feinen Unterschiede« (Dt. 1982), die der kulturellen Reproduktion sozialer Ungleichheit gewidmet ist. Dabei entschlüsselte er die Kultur des Geschmacks und erklärte die Funktionsmechanismen des klassenspezifischen »Habitus«.“ (Wieselberg o.J. [2002])</p>
<p>Bourdieu stammt – und das ist für einen Träger höchster akademischer Würden in Frankreich mehr als untypisch – aus einfachen Verhältnissen. Er wuchs in einer peripheren Region an den Pyrenäen auf und konnte dank eines Stipendiums zuerst das Gymnasium in Pau und anschliessend die elitäre akademische Ausbildung an der École normale supérieure absolvieren. (vgl. Bohn, Hahn 2007, S. 289–291)</p>
<p>„Wenn ich daran erinnere, daß ich damals Philosophiestudent an der École normale supérieure war, mich also am Gipfel der Hierarchie des Bildungswesens befand, und zwar zu einer Zeit, als der Sieg der Philosophie ausgemacht schien, so hätte ich wohl alles Nötige zur Erklärung meiner späteren Laufbahn im universitären Feld gesagt.“ (Bourdieu et al. 2007, S. 11f)</p>
<p>Eine kurze Karriere als Gymnasialprofessor wurde durch seinen Militärdienst in Algerien beendet, zu einer Zeit, als die Spannungen in dieser französischen Kolonie immer größer wurden. Nach dem Militärdienst blieb Bourdieu in Algier, wo er ethnologische Studien – unter anderem in der Kabylei, einer ruralen Region Algeriens, trieb und an der Universität unterrichtete. Nach seiner Rückkehr in die französische Heimat beschäftigte er sich immer mehr mit soziologischen Themen, oftmals mit Fragen, die im Laufe seiner Studien in der Kabylei aufgetaucht sind, und die nun detaillierter betrachtet wurden. (vgl. Bohn, Hahn 2007, S. 289–291)</p>
<p>Aufgrund seiner Vielfältigkeit und seines politischen Engagements, war Pierre Bourdieu zunächst in Frankreich und gegen Ende seines Schaffens – nicht zuletzt aufgrund seines Engagements als Mitbegründer der globalisierungskritischen Bewegung ATTAC &#8211; ein „Star des intellektuellen Lebens, eine Figur mit großer Ausstrahlung und medialer Wirkung.“ (Schwibs o.J.[2002])</p>
<p>Bourdieu galt bereits zu Lebzeiten – er starb im Jahre 2002 in Paris – als „Klassiker der Soziologie“.</p>
<p>„Er [war] ein ungebrochener Vertreter einer spezifischen französischen Wissenschaftstradition, die in der Linie Durkheim, Canguilhem, Koyre durchaus ihre handfesten positivistischen Anklänge hat.“ (Schwibs o.J.[2002])</p>
<h1>2.     Pierre Bourdieus Epistemologie</h1>
<h2>2.1.Objektivismus und Subjektivismus als Dichotomie</h2>
<p>Die erkenntnistheoretischen – oder besser epistemologischen – Positionen von Pierre Bourdieu beziehen sich in hohem Maße auf die beiden unterschiedlichen Herangehensweisen, mit denen soziale Welt gesehen, interpretiert und damit konstruiert wird. Es sind dies zwei Modi der Erkenntnis:</p>
<p>Auf der einen Seite sieht Bourdieu den Objektivismus, der die soziale Realität als externe und objektive Struktur begreift, die die handelnden Akteure missachtet und als Objekte zu Spielbällen der Struktur reduziert: „Die objektivistische Tradition begreift die soziale Welt als ein Universum objektiver, von den Handelnden unabhängige Regelmäßigkeiten, die vom Standpunkt eines unparteiischen, die beobachtende Welt überfliegenden Beobachters jenseits des Handelns aus konstruiert sind.“ (Bourdieu 2004, S. 86)</p>
<p>Gerade der Strukturalismus, der nach dem zweiten Weltkrieg in der Philosophie und Ethnologie in Frankreich weit verbreitet war, ist eine objektivistische Theorie. Bourdieu war selbst zu Beginn seiner Forschungen stark strukturalistisch geprägt, stellte jedoch mehr und mehr fest, dass viele aufgeworfene Fragen nicht strukturalistisch erklärt werden konnten. „Bourdieu wirft dem Strukturalismus vor, diese Interessensbezogenheit des Handelns gesellschaftlicher Akteure vollkommen außer acht gelassen zu haben zugunsten einer höchst idealisierten Beschreibung der Regeln und kulturellen Muster.“ (Joas 2004, S. 525)</p>
<p>Die zweite erkenntnistheoretische Position, die Bourdieu im soziologischen Diskurs wahrnimmt, ist die des Subjektivismus, wie er beispielsweise in der Phänomenologie oder auch in der Ethnomethodologie praktiziert wird.</p>
<p>„[…][Der Subjektivismus] ist die absolute Gegenposition zur objektivistischen Beschreibung. Im Grenzfall […] ist die soziale Welt das Produkt der individuellen Handlungen. Danach verhalten sich die Menschen nicht etwa respektsvoll, weil es Hierarchien gibt; vielmehr erwächst die Hierarchie letztendlich aus den unendlich vielen individuellen Respektshandlungen.“ (Bourdieu 2004, S. 86)</p>
<h2>2.2.Praxeologie als Lösung?</h2>
<p>„In der Alltagspraxis besteht ein permanenter Kampf zwischen Objektivismus und Subjektivismus. Jeder versucht, seine subjektive Vorstellung von sich als objektive Vorstellung durchzusetzen. Herrschender ist der, der über die Mittel verfügt, dem Beherrschten aufzuzwingen, ihn so wahrzunehmen, wie er wahrgenommen werden will.“ (Bourdieu 2004, S. 89)</p>
<p>Das wirklich neue in Bourdieus Theorien und auch in seiner Epistemologie ist die dialektische Verschmelzung des subjektivistischen und des objektivistischen Modus zu einer so genannten Praxeologie – einer Theorie der Praxis – , in der die „objektiven“ gesellschaftlichen Strukturen (in der Einteilung der Soziologen als Makrotheorien bezeichnet) und die subjektiven individuellen Handlungsalternativen der Akteure (analog als Mikrotheorien bezeichnet) über das Konzept des Habitus miteinander verknüpft werden:</p>
<p>„Um zu einer aufhebenden Synthese zu gelangen, geht es Bourdieu um die erkenntnistheoretische Rehabilitierung der im objektivistischen Diskurs tendenziell eliminierten sozialen Akteure mit ihren analytisch relevanten Subjektivtätsmerkmalen (Erfahrungen, Erlebnisweisen, Alltagspraktiken etc.), ohne deshalb freilich – wie im subjektivistischen Erkenntnismodus – die wissenschaftliche Reflexion objektiver Strukturen (insbesondere auch in deren Wirkung auf die sozial Handelnden) zu vernachlässigen.“ (Krauss 2001)</p>
<p>Es existiert daher eine – im wahrsten Sinne des Hegelschen Begriffs – dialektische Beziehung zwischen den objektiven Strukturen der Felder und damit der Gesellschaft und dem subjektiven strukturierenden Handeln der Individuen. (vgl. Joas 2004, S. 530)</p>
<p>Objektive Erkenntnis benötigt immer den Bruch mit der Alltagserfahrung durch die Abstraktion auf gesamtgesellschaftliche Ebene, während die subjektivistische Erkenntnis lediglich Alltagserfahrung in sozialwissenschaftliche Worte kleidet. Erst die Kombination dieser Modi durch die objektivistische Sicht, die den subjektiven Phänomenen hinzugefügt wird, entsteht der dritte Modus der praxeologischen Erkenntnis.</p>
<p>„Diese völlig ungewöhnliche Form des Reflektierens führt zum Verzicht auf die absolutistischen Prätentionen der klassischen Objektivität, verurteilt deswegen nicht zu Relativismus: Die Bedingungen der Möglichkeit des wissenschaftlichen Subjekts und die seines Objekts sind nämlich identisch, und jedem Fortschritt in der Erkenntnis der gesellschaftlichen Bedingungen der Produktion wissenschaftlicher Subjekte entspricht ein Fortschritt in der Erkenntnis des wissenschaftlichen Objekts und umgekehrt. Das ist niemals so deutlich wie dann, wenn die Forschung das Feld der Wissenschaft selbst, das heißt das wahrhafte Subjekt wissenschaftlicher Erkenntnis, zu ihrem Objekt macht.“ (Bourdieu 1999, S. 332)</p>
<h1>3.     Die Theorien von Pierre Bourdieu</h1>
<p>Nachfolgend werden die wesentlichen Begriffe aus dem Werk von Pierre Bourdieu in kurzen theoretischen Abhandlungen erklärt und gegenüber gestellt. Insgesamt sind diese unterschiedlichen Theorieteile allerdings stark miteinander verschränkt und in höchstem Maße interdependent. Aus diesem Grunde ist es auch schwierig zu entscheiden, mit welchem Konzept hier begonnen werden soll. Die wesentlichen Konzepte sind der Habitus, das Feld und die Kapitalien, die in weiterer Folge expliziert werden sollen, weil sie im empirischen Teil der Arbeit in unterschiedlichem Ausmaß als Grundlage für die Auswertungen herangezogen werden.</p>
<h2>3.1.Pierre Bourdieus Feldbegriff</h2>
<p>Das soziale Feld ist der erste zentrale Begriff in der bourdieuschen Theoriewelt, den ich in Folge anhand verschiedener Primär- und Sekundärquellen explizieren will.</p>
<p>Bourdieus Begriff des sozialen Feldes meint differenzierte gesellschaftliche Bereiche, hervorgegangen aus der Arbeitsteilung, mit eigenen Ressourcen und eigenen Spielregeln für das soziale Verhalten innerhalb dieses Feldes. (vgl.Müller 1992, S. 263; Iser 1983, S. 67)</p>
<p>Analoge Begriffe – ebenfalls als konstruktivistische Ansätze &#8211; findet man unter anderen Bezeichnungen, beispielsweise als „Wertsphären“ bei Max Weber, als „Subsysteme“ bei Niklas Luhmann oder als „Sinnprovinzen“ bei Alfred Schütz. (vgl. Bohn, Hahn 2007, S. 299)</p>
<p>„Die Logik des Feldes lässt sich nur aus der empirischen Beobachtung des Feldes gewinnen, sie gehorcht keinen strukturellen Gesetzen, die für alle Felder gleich sind.“ (Hillebrandt 1999, S. 12)</p>
<p>Diese sozialwissenschaftlich konstruierten Räume dienen dazu, soziale Beziehungen und Netzwerke zu verstehen, Klassen abzugrenzen, Relationen zwischen den handelnden Akteurinnen und Akteuren im Feld aufzuzeigen und die Macht-Komplexität in der realen Welt zu analytischen Zwecken zu vereinfachen um diese theoretisch erklären zu können. Der soziale Raum wird daher zu einem Raum von Unterschieden, von Differenzen und von Akteuren und Akteurinnen mit verschiedenen Wegen und Zielen. Die Ausdehnung eines Feldes ist nur durch die Feldeffekte definiert – wirkt also ein Feld weiter, so hat es eine größere Ausdehnung. (vgl. Müller 2005, S. 36; Müller 1986, S. 164; Schürz 1999 S. 2; Anheier et al. 1995, S. 860; Bohn, Hahn 2007, S. 300)</p>
<p>„Der soziale Raum ist also nicht nur ein Raum von Unterschieden, sondern auch ein Raum von Beziehungen. Diese Beziehungen enthalten auch ein dynamisches Moment: Relevant für die Bewertung der Akteure ist nicht nur die aktuelle soziale Position eines Individuums bzw. einer Gruppe von Individuen in ähnlicher Lage, sondern auch deren Vergangenheit und Zukunft, deren trajectoire<em> </em>oder »Reiseweg« im sozialen Raum, also die Frage, ob es sich um sozial aufsteigende oder absteigende Personen und Gruppen handelt.“ (Krais 2005, S. 92f)</p>
<p>Innerhalb von Feldern geht man davon aus, dass die Akteure und –innen – die an den Feldern beteiligten Individuen – um unterschiedliche soziale Positionen konkurrieren, das führt dazu, dass sich soziale Strukturen etablieren. Soziale Strukturen im Sinne sozialer Räume in denen die Akteure und Akteurinnen unterschiedliche relative Positionen zueinander einnehmen, je nach dem in welchem Ausmaß diese verschiedene Ressourcen besitzen. Zusätzlich gibt es unterschiedliche Karrierewege im Feld, so genannte „Trajectoire“, zukünftige wahrscheinliche Positionen eines Akteurs oder einer Akteurin. (vgl. Anheier et al. 1995, S. 860,Müller 1992, S. 263f)</p>
<p>Ganz wichtig für das Verstehen von Feldern ist nach Bourdieu die Geschichte des Feldes, die sich in den feldimmanenten Regeln und Riten äußert: „Die gesellschaftliche Welt ist akkumulierte Geschichte. Sie darf deshalb nicht auf eine Aneinanderreihung von kurzlebigen und mechanischen Gleichgewichtszuständen reduziert werden, in denen Menschen die Rolle von austauschbaren Teilchen spielen.“ (Bourdieu 1983, S. 183)</p>
<p>Die Logik des Feldes wird als „Spiel“ oder „Kampf“ um Ressourcen und um die symbolische Macht im Feld beschrieben, der zwischen den Akteurinnen und Akteuren im Feld stattfindet. Die historisch gewachsenen Regeln des Feldes werden von den Mitspielern und Mitspielerinnen implizit und unreflektiert durch ihren Feldeintritt angenommen und akzeptiert. Diese Regeln werden als „Illusio“ bezeichnet. (vgl. Bourdieu 2001, S. 110; Hillebrandt 1999, S. 15; Aldridge 1998, S. 4)</p>
<p>Spezifisch für jedes Feld ist die ungleiche Kapitalverteilung zwischen den Akteuren und Akteurinnen. Aus dieser Verteilung der Kapitalien ergeben sich die objektiven Positionen der Beteiligten, aber auch die Kräfteverhältnisse und die daraus resultierenden Strategien der Akteuren und Akteurinnen im Feld. (vgl. Iser 1983, S. 67)</p>
<p>„Die Struktur des Feldes gibt den Stand der Machtverhältnisse zwischen den am Kampf beteiligten Akteuren oder Institutionen wieder, bzw., wenn man so will, den Stand der Verteilung des spezifischen Kapitals, das im Verlauf früherer Kämpfe akkumuliert wurde und den Verlauf späterer Kämpfe bestimmt.“ (Bourdieu 2001, S. 108)</p>
<p>Grundsätzlicher Inhalt der Auseinandersetzung ist immer die Macht und die Anteile am jeweils feldspezifischen symbolischen Kapital. Dieser Grundkonsens über die Existenz eines feldspezifischen symbolischen Kapitals und damit über die Basis der Spielregeln für die Auseinandersetzung bezeichnet Bourdieu als „Doxa“ bzw. „feldspezifische Illusio“ eines Praxisfeldes.</p>
<p>Die Begrifflichkeiten aus dem religiös-kirchlichen Umfeld verwendet Pierre Bourdieu, um die Hauptakteure im Feld zu beschreiben. Die Orthodoxie ist die Feldelite, die Gestaltungsmacht, die in der Lage ist, die geltenden Spielregeln, die Grundprinzipien der feldimmanenten Wahrnehmung und Bewertung, die „Doxa“, zu gestalten. Als „Häresie“ bezeichnet er wiederum die Bewegung der statusniederen Akteure oder Akteurinnen im Feld. Diese versuchen wiederum, selbst in den Besitz der Gestaltungsmacht, der Orthodoxie zu kommen, die Machtverhältnisse und damit auch die symbolischen Werte der einzelnen Kapitalien zu verändern. (vgl. Wissing 2006, S. 194–196)</p>
<p>Allen Spielerinnen und Spielern im Feld gemeinsam ist, dass sie die Illusio akzeptieren, also das Feld und seine Grenzen, sowie die grundlegenden Regeln. Für Akteure und Akteurinnen außerhalb des Feldes ist sowohl die Doxa als auch das Spiel nicht nachvollziehbar – die Wirkung der Illusio ist daher auch die Wirkung des Feldes, mit dem Enden dieser Feldeffekte sind auch die Grenzen des Feldes erreicht. (vgl. Bourdieu 2001, S. 109; Hillebrandt 1999, S. 16; Fuchs-Heinritz, König 2005, S. 146f; Bohn 2005, S. 64)</p>
<p>Der Habitus (siehe Habitus ab Seite 9) ist im Feld die strukturierende Struktur &#8211; er determiniert die geltenden „Spielregeln“ und definiert das symbolische Kapital, die Spieleinsätze und die möglichen Positionen im sozialen Raum, sowie ihre Zusammenhänge. (vgl. Iser 1983, S. 69)</p>
<p>„Wer sich am Kampf beteiligt, trägt zur Reproduktion des Spiels bei, indem er dazu beiträgt, den Glauben an den Wert dessen, was in diesem Feld auf dem Spiel steht, je nach Feld mehr oder weniger vollständig zu reproduzieren.“ (Bourdieu 2001, S. 109)</p>
<p>Natürlich gibt es zwischen diesen „Feldillusionen“ und den Wünschen der Akteure und –innen Übereinstimmungen. Jeder Feldakteur oder jede Feldakteurin hat seine/ihre eigenen Bedürfnisse, die er mit Hilfe des Feldes befriedigen will: „Jedes Feld (das religiöse, künstlerische, ökonomische, usw.) bietet seinen Akteuren über die besondere Form, in der es die Verhaltensweisen und Vorstellungen regelt, eine auf eine besondere Form von Iillusio gegründete legitime Form, ihre Wünsche zu verwirklichen.“ (Bourdieu 1999, S. 239)</p>
<p>Für gewisse Positionen innerhalb des Feldes benötigt man auch adäquate Kapitalausstattung (siehe Formen des Kapitals ab Seite 12), man muss also mit feldrelevanter Macht in einer gewissen Mindestgröße ausgestattet sein.</p>
<p>„Diejenigen, die bei gegebenen Kräfteverhältnissen das charakteristische Kapital-(mehr oder weniger vollständig) monopolisieren, neigen eher zu Erhaltungsstrategien &#8211; Strategien, die im Feld der Produktion kulturelle Güter tendenziell die Orthodoxie vertreten -, die weniger Kapitalkräftigen dagegen (die oft auch die Neuen und damit meist Jüngeren sind) eher zu Umsturzstrategien &#8211; Strategien der Häresie. Erst die Häresie, die Heterodoxie als kritischer, oft im Zusammenhang mit der Krise auftretender Bruch mit der Doxa bringt die Herrschenden dazu, ihr Schweigen zu brechen und jenen Diskurs zur Verteidigung der Orthodoxie, des rechten Denkens im doppelten Sinne, zu produzieren, mit dem ein neues Äquivalent zur schweigenden Zustimmung der Doxa geschaffen werden soll.“ (Bourdieu 2001, S. 109)</p>
<h2>3.2.Habitus</h2>
<p>Als Habitus bezeichnet Bourdieu die strukturellen Dispositionen, die in weiterer Folge sämtliche Praxis strukturieren. Im Habitus äußern sich daher die inkorporierten Makrostrukturen der Gesellschaft auf persönlicher Mikroebene der Akteure und Akteurinnen. In den Wahrnehmungs-, Denk- und Handlungsschemata der gesellschaftlichen Akteurinnen und Akteure manifestieren sich daher die gesellschaftlichen Normen und Werte. Diese äußern sich vielfältig, beginnend bei der Bedeutung von Symbolen bis hin zum „Geschmack“. (vgl. Bourdieu, Steinrücke 2005, S. 61–63; Joas 2004, S. 533)</p>
<p>Der Habitusbegriff geht auf Klassiker wie Aristoteles zurück, von wo er in die mittelalterliche Scholastik seinen Weg fand und beschreibt in vielschichtiger Bedeutung den Komplex von Fähigkeiten, Gewohnheiten, Haltung, Erscheinungsbild oder Stil eines individuellen Akteurs. Im Rahmen seiner Praxeologie war für Bourdieu der Habitus die Schlüsselstelle, an der sich die gesellschaftlichen Makrostrukturen mit den akteursspezifischen Mikrostrukturen verbinden. Man könnte den Habitus daher auch als die Schnittstelle zwischen Objektivismus und Subjektivismus bezeichnen. Für Pierre Bourdieu ist er handlungsermöglichend in dem er entlastet und damit rasches situationsgerechtes Agieren erlaubt. (vgl. Bohn, Hahn 2007, S. 295,Krais, Gebauer 2002, S. 18f)</p>
<p>„Der Habitus als ein System von &#8211; implizit oder explizit durch Lernen erworbenen &#8211; Dispositionen, funktionierend als ein System von Generierungsschemata, generiert Strategien, die den objektiven Interessen ihren Urheber entsprechen können, ohne ausdrücklich auf diesen Zweck ausgerichtet zu sein.“ (Bourdieu 2001, S. 113)</p>
<p>Der Habitus vermittelt zwischen Struktur und Praxis und hat folgende vier Merkmale: aufgrund von Sozialisation ist er internalisierte Gesellschaftsstruktur; er steuert unbewusst über ein System von Dispositionen die Praxisformen; die Individuen folgen trotzdem den eigenen Interessen und Strategien; die Dispositionen sind dauerhaft und stabil, werden oftmals schon in kindlicher Sozialisation internalisiert. (vgl. Müller 1992, S. 257f )</p>
<p>Der Habitus ermöglicht eine „kontrollierte und bedingte Freiheit“ der Akteurinnen und Akteure, die nicht völlig frei sind, da sie sich auf die Makrostrukturen stützen, die handlungsleitend und perspektiven-ermöglichend funktionieren und gleichzeitig weit weg sind von lediglich durch Strukturen gesteuerten Marionetten. (vgl. Iser 1983, S. 59)</p>
<p>Wesentlich erscheint in diesem Zusammenhang, dass sich die Wirkung des Habitus unbewusst entfaltet. Die subjektiven Dispositionen stellen sich dem Individuum als Handlungsmöglichkeiten dar, die in einer bestimmten Situation bestehen, als Wahlfreiheit oder Alternativen, nicht als Begrenzung der individuellen Freiheit.</p>
<p>In Bourdieus Feldtheorie steht der Habitus sozusagen als individueller Schlüssel zum Feld: „Wichtig ist, dass sich die habitualisierten Dispositionen eines sozialen Akteurs in Auseinandersetzung mit der Praxis des Feldes bilden und gegebenenfalls verändern. In der extremsten Form entsteht so ein Habitus, der sich ausschließlich mit dem Feld identifiziert, weil der soziale Akteur seinen gesamten praktischen Sinn aus der Praxis des Feldes gewinnt. So wird er zum Apparatschik, der dem Apparat alles verdankt, und ist folglich nichts weiter als der ‚Mensch gewordene Apparat’“ (Bourdieu 1997d: 44f. zit. in: Hillebrandt 1999, S. 14).</p>
<p>Der Habitus vermittelt für Bourdieu zwischen der Stellung einer Person im sozialen Raum – also auch im beobachteten Feld &#8211; und ihrem Verhalten und Einstellungen. Im Habitus hätten sich ihre individuellen Erfahrungen und die ihrer Familie und ihrer Klasse (im Sinne kollektiver Geschichte) verkörperlicht. Zwar sei ausgeschlossen, dass die Mitglieder einer Klasse exakt dieselben Erfahrungen und das auch noch in der gleichen Reihenfolge machten, die Aussicht, mit für diese Klasse typischen Situationen konfrontiert zu werden, sei für sie aber sehr viel größer als für die Angehörigen der anderen Klassen. Dieser Habitus stimmt objektive Chancen und subjektive Erwartungen unter Berücksichtigung der eigenen Grenzen aufeinander ab – er verbindet nutzenorientierte Strategien mit klassen- und feldspezifischen Verhaltensformen. (vgl. Müller 1986, S. 163; Hartmann 2005, S. 259; Iser 1983, S. 61f)</p>
<p>„Geschmack klassifiziert &#8211; nicht zuletzt den, der die Klassifikation vornimmt. Die sozialen Subjekte, Klassifizierende, die sich durch ihre Klassifizierungen selbst klassifizieren, unterscheiden sich voneinander durch die Unterschiede, die sie zwischen schön und häßlich, fein und vulgär machen und in denen sich ihre Position in den objektiven Klassifizierungen ausdrückt und verrät.“ (Bourdieu 1987, S. 25)</p>
<p>Der Habitus ist auch im Feld die strukturierende Struktur &#8211; er determiniert die geltenden &#8220;Spielregeln&#8221; und definiert das symbolische Kapital, die Spieleinsätze und die möglichen Positionen im sozialen Raum, sowie ihre Zusammenhänge. (vgl. Iser 1983, S. 69)</p>
<p>Das Individuum wird daher – im Falle des „ökonomischen Habitus“ &#8211; vom Träger eines „Bündel von Präferenzen“<a href="#_ftn1">[1]</a> zu einer „kohärenten Struktur von Neigungen und Gewohnheiten“. (vgl. Bourdieu 2005, S. 211)</p>
<p>Der Habitus ist allerdings kein mechanisches Prinzip, das im Sinne einer trivialen Maschine eine input-output Relation zustande bringt, sondern es ist eine &#8220;konditionierte und eingeschränkte&#8221; Spontaneität, die sich entwickelt; eine &#8220;intelligente Antwort&#8221; auf einen aktiv ausgewählten Teilaspekt der Realität. Trotzdem bleibt der Habitus ein ökonomisches Prinzip, erspart er doch aufgrund der Präselektion von Alternativen und Möglichkeiten, die sonst einzeln und (mehr oder weniger) rational bewertet werden müssten, ein enormes Ausmaß an Zeit und Ressourcen. (vgl. Bourdieu 2005, S. 211f)</p>
<p>„Der Habitus ist das generative und vereinheitlichende Prinzip, das die intrinsischen und relationalen Merkmale einer Position in einen einheitlichen Lebensstil rückübersetzt, das heißt in das einheitliche Ensemble der von einem Akteur für sich ausgewählten Personen, Güter und Praktiken.“ (Bourdieu 2007b, S. 21)</p>
<p>Aufgrund der ähnlichen Sozialisationen unterschiedlicher Klassen ist der Habitus auch ein Produkt genau dieser Klassenlagen, sozusagen Mittel zur Reproduktion ihrer sozial spezifischen Habitusformen. Er wird dadurch zum Handlanger der Vererbung von Ungleichheiten in sozialen Systemen. (vgl. Joas 2004, S. 548)</p>
<p>Eine wichtige Eigenschaft des Habitus ist der so genannte „Hysteresis-Effekt“. Bourdieu geht davon aus, dass habituelle Dispositionen über lange Zeit konstant bleiben, also auch noch, wenn sich die Umwelt oder auch das für den Habitus verantwortliche Feld schon längst verändert haben. Durch die langsame Anpassung des Habitus passen die inkorporierten Strukturen nicht mehr zur objektiven externen Struktur, also aufgrund der langsamen Veränderung der strukturierenden Struktur im Vergleich zur Realität stehen die subjektiven Bewertungsschemata nicht im Einklang mit den externen Bewertungsschemata des Feldes oder der Gruppe. Dann werden beispielsweise falsche symbolische Kapitalien zugeschrieben, wie das etwa im Bereich des institutionalisierten kulturellen Kapitals passieren kann. (vgl. Bohn, Hahn 2007, S. 297)</p>
<p>Auch Generationenkonflikte entwickeln sich aufgrund dieses Hysteresis-Effekts . Man erkennt, der Habitus wirkt aufgrund seiner langsamen Adaption als konservierender Faktor durch die Determinierung der Möglichkeiten des Handelns. Diese konservative Eigenschaft hilft mit, den Habitus in Krisen vor der „Infragestellung“ zu schützen. (vgl. Iser 1983, S. 63f,Bohn, Hahn 2007, S. 297)</p>
<p>Bourdieu erklärt also mit seinem Habituskonzept die Feldwirkung auf individueller Ebene. Er benutzt dazu eine doppelte Wirkung, die er generatives und reproduzierendes Prinzip nennt. Auf der einen Seite strukturiert der Habitus soziale Praxis und auf der anderen Seite reproduziert er soziale Struktur. (vgl. Iser 1983, S. 53)</p>
<p>„Er ist ein generatives Prinzip und somit »strukturierende Struktur« bzw. »opus operandi«, insofern er sozial strukturierende Praxisformen hervorbringt, die im Lauf der Zeit durch individuelle Aneignung oder, wie Bourdieu sich ausdrückt: durch Einverleibung gesellschaftlicher Strukturen und die Ausbildung dauerhafter Dispositionen ermöglicht werden. Der Habitus ist reproduzierendes Prinzip und somit »strukturierte Struktur« bzw. »opus operatum«, insofern die individuelle Praxisformen den sozial strukturierten Dispositionen gemäß gewählt werden und auf diese Weise zur Aufrechterhaltung der ursprünglichen strukturellen Konstellationen beitragen.“ (Müller 1992, S. 256)</p>
<p>„Com grano salis kann man festhalten: Je egalitärer eine Gesellschaft, desto bedeutender werden die feinen Unterschiede. Differenz distinguiert.“ (Müller 2005, S. 34)</p>
<h2>3.3.Kapital</h2>
<p>Ein wesentlicher Begriff in Bourdieus Theoriegebäude ist das Kapital. Er definiert Kapital als „akkumulierte Arbeit“. (Bourdieu, Steinrücke 2005, S. 49), womit er an die marxistische Tradition anknüpft. Bourdieus Kapitalbegriff geht aber deutlich weiter, als der simple ökonomische Sinn als monetäre Ressource wie sie der Autor des Werks „Das Kapital“ Karl Marx im 19. Jahrhundert definiert hat<a href="#_ftn2">[2]</a>. Kapital ist bei Bourdieu als generalisierte Ressource zu verstehen, die monetär oder nichtmonetär sein kann und materiell bzw. auch immateriell.</p>
<p>Als Kapital betrachtet Pierre Bourdieu unterschiedliche Formen von Ressourcen, deren Wert sich erst im spezifischen Feld aufgrund von Definitions-, Macht-, und Verteilungskämpfen ergibt. Die Verteilung der Kapitalien ergibt die spezifischen Machtverhältnisse im Feld und gibt damit auch die Positionen der Subjekte im sozialen Raum wieder. Bourdieus Kapitalsorten verstehen sich allerdings nicht als vollständige Aufzählung aller Varianten von Macht; je nach untersuchtem Feld kann auch eine neue andere Ressource in Form feldspezifischem Kapitals hinzukommen. (vgl. Iser 1983, S. 70f)</p>
<p>„Als vis insita ist Kapital eine Kraft, die den objektiven und subjektiven Strukturen innewohnt; gleichwohl ist das Kapital &#8211; als lex insita &#8211; auch grundlegendes Prinzip der inneren Regelmäßigkeiten der sozialen Welt.“ (Bourdieu 1983, S. 183)</p>
<h3>3.3.1  Formen des Kapitals</h3>
<p>Bourdieu unterscheidet als Idealfall im Prinzip drei unterschiedliche Kapitalien, die von ihm je nach untersuchtem Feld auch angepasst wurden:</p>
<p>„In welcher Gestalt es jeweils erscheint, hängt vom jeweiligen Anwendungsbereich, sowie den mehr oder weniger hohen Transformationskosten ab, die die Voraussetzungen für sein wirksames Auftreten sind: Das ökonomische Kapital ist unmittelbar und direkt in Geld konvertierbar und eignet sich besonders zur Institutionalisierung in der Form des Eigentumsrechts; das kulturelle Kapital ist unter bestimmten Voraussetzungen in ökonomisches Kapital konvertierbar und eignet sich besonders zur Institutionalisierung in Form von schulischen Titeln; das soziale Kapital, das Kapital an sozialen Verpflichtungen und »Beziehungen«, ist unter bestimmten Voraussetzungen ebenfalls in ökonomisches Kapital konvertierbar und eignet sich besonders zur Institutionalisierung in Form von Adelstiteln.“ (Bourdieu 1983, S. 184f)</p>
<p>Als ökonomisches Kapital versteht Bourdieu geldwerte Einkünfte und andere finanzielle Ressourcen, die auch in Form von institutionellen Eigentumsrechten auftreten können, dieser Begriff ist mit Marxens Definition im Einklang. (vgl. Iser 1983, S. 75)</p>
<p>Eine weitere Kapitalart ist das kulturelle Kapital, also (Aus-) Bildung, die Summe von theoretischem und praktischem Wissen, das in unterschiedlicher Form auftreten kann. Soziales Kapital als dritte von Bourdieu definierte Kapitalform beschreibt die Summe der aktuellen und potentiellen Ressourcen, die durch die Teilnahme bzw. Mitgliedschaft an sozialen Netzwerken und Organisationen mobilisiert werden können. Das symbolische Kapital wird feldspezifisch aus den anderen Arten bestimmt und tritt oft verschleiert („euphemisiert“) auf. In späteren Arbeiten definierte Bourdieu auch andere feldspezifische Kapitalien (siehe Weitere Kapitalien ab Seite 18). (vgl. Bohn 2005, S. 862; Savage et al. 2005, S. 40)</p>
<p>„Die Tatsache der gegenseitigen Konvertierbarkeit der verschiedenen Kapitalarten ist der Ausgangspunkt für Strategien, die die Reproduktion des Kapitals (und der Position im sozialen Raum) mit Hilfe möglichst geringer Kapitalumwandlungskosten (Umwandlungsarbeit und inhärente Umwandlungsverluste) erreichen möchten. Die unterschiedlichen Kapitalarten unterscheiden sich nach ihrer Reproduzierbarkeit, also danach, wie leicht sie sich übertragen lassen.“ (Bourdieu 1983, S. 197)</p>
<p>Die unterschiedlichen Kapitalformen unterscheiden sich hinsichtlich ihrer Konvertibilität<a href="#_ftn3">[3]</a> und Liquidität, aber auch in Bezug auf Effekte wie beispielsweise Inflation. Während ökonomisches Kapital am leichtesten umzusetzen und in andere Kapitalformen transferiert werden kann, ist es komplizierter und dauert es länger, kulturelles Kapital zu akkumulieren. Auch soziales Kapital ist schwerer zu akkumulieren bzw. mobilisierbar. (vgl. Bohn 2005, S. 862)</p>
<p>Je nach Dominanz der Kapitalformen in verschiedenen sozialen Feldern entwickeln sich auch die sozialen Strukturen unterschiedlich. Die Vorherrschaft von ökonomischem Kapital beispielsweise führt zu geringerer Segmentation und leicht durchgängigen aber starren Hierarchien. Eine Dominanz von Sozialkapital führt in der Regel zu vielen wenig institutionalisierten Segmenten, die ein komplexes soziales Netzwerk formen. Eine Prädominanz von (symbolischem) kulturellem Kapital schließlich führt zu hierarchischen und segmentierten Sozialstrukturen. (vgl. Bohn 2005, S. 865f)</p>
<p>Grund dafür ist das laufende Spiel im Feld, der Kampf um die Vormachtsstellung, der mittels unterschiedlicher Kapitalausstattung der Akteurinnen und Akteure stattfindet. (siehe dazu auch: Pierre Bourdieus Feldbegriff ab Seite 6)</p>
<h3>3.3.2  Kulturelles Kapital</h3>
<p>„Der Begriff des kulturellen Kapitals hat sich mir bei der Forschungsarbeit als Forschungshypothese angeboten, die es gestattete, die Ungleichheit der schulischen Leistungen von Kindern aus verschiedenen sozialen Klassen zu begreifen. Dabei wurde der Schulerfolg, d.h. der spezifische Profit, den die Kinder aus verschiedenen sozialen Klassen und Klassenfraktionen auf dem schulischen Markt erlangen können, auf die Verteilung des kulturellen Kapitals zwischen den Klassen und Klassenfraktionen bezogen.“ (Bourdieu, Steinrücke 2005, S. 53)</p>
<p>Kulturelles Kapital kann man in drei Formen finden: als inkorporiertes Kapital, verinnerlichtes kulturelles Kapital, als objektiviertes kulturelles Kapital in unterschiedlichsten Artefakten und in Form von institutionalisierten so genannten „Bildungstiteln“. (vgl. Bourdieu 1983, S. 185)</p>
<p>Als objektiviertes kulturelles Kapital versteht man Schriften, Gemälde, Kunstwerke, technische Entwicklungen, also menschliche Artefakte. Diese Ressourcen können zwar mit ökonomischem Kapital erworben werden, ihre Verwendung ist allerdings an die Möglichkeit der Dekodierung gebunden, bedarf daher inkorporiertes, also verinnerlichtes kulturelles Kapital. (vgl. Iser 1983, S. 72)</p>
<p>„Inkorporiertes [kulturelles] Kapital ist ein Besitztum, das zu einem festen Bestandteil der »Person«, zum Habitus geworden ist; aus »Haben« ist »Sein« geworden. Inkorporiertes und damit verinnerlichtes Kapital kann deshalb (im Unterschied zu Geld, Besitz- oder sogar Adelstiteln) nicht durch Schenkung, Vererbung, Kauf oder Tausch kurzfristig weitergegeben werden.“ (Bourdieu 1983, S. 187)</p>
<p>Als empirische Größe zur Messung von kulturellem Kapital schlägt Bourdieu vor, die Zeit zu verwenden, die zum Erwerb des kulturellen Kapitals benötigt wird, da diese – ganz nach dem alten Spruch „Zeit ist Geld!“ &#8211; den direkten Konnex zum ökonomischen Kapital herstellt: „Die stärkste Grundlage für die symbolische Wirksamkeit von kulturellem Kapital ergibt sich zweifellos aus der Logik der Übertragung. [...]Es ist unmittelbar ersichtlich, daß die zum Erwerb erforderliche Zeit das Bindeglied zwischen ökonomischen und kulturellem Kapital darstellt.“ (Bourdieu 1983, S. 188)</p>
<p>Institutionalisiertes kulturelles Kapital wird von einer gesellschaftlich legitimierten Institution bescheinigt und nivelliert daher graduelle Unterschiede, denn entweder hat man die Prüfung für einen Bildungstitel bestanden, oder man hat dies nicht. Es handelt sich also um kategoriale Bezeichnungen für Bildungstitel, die in unterschiedlichem Ausmaß, je nach Feld einen gewissen Wert haben. Der Bildungstitel, das institutionalisierte kulturelle Kapital ist nach dem Erwerb aus sozialer Sicht auch vom ursprünglich damit verknüpften Wissen entkoppelt und damit unabhängig. Die feldspezifische Verknüpfung mancher Positionen im Feld an gewisse Bildungstitel – man denke nur an die so genannten A-Beamten – und damit an ein spezifisches institutionalisiertes kulturelles Kapital macht auch die starke symbolische Wirkung dieser Ressource aus.</p>
<p>„Der Staat ist für Bourdieu dann auch als amtsgewaltiger Wächter über Titel und Patente einer Zentralbank vergleichbar, seine Bezugsgröße sind die Kurse für symbolische Kapitalien.“ (Bohn 2005, S. 68f)</p>
<p>Diese Titel der Bildungsinstitutionen entscheiden dann mitunter über die zukünftige Entwicklung. Hier wird gesellschaftlich festgestellt ob kulturelle Kompetenz besteht, oder nicht.</p>
<p>„Offenkundig wirkt der Bildungstitel wie ein Adelsprädikat: Dem gebildeten garantiert er eine gewisse Ausbildung, eine bestimmte Art, die Dinge zu sehen (‚Manieren‘ im französischen Sinn) und eine qua Bildungsstatus zugeschriebene Kompetenzvermutung, die im einzelnen nicht nachgeprüft wird.“ (Müller 1986, S. 177)</p>
<p>Das Gegenteil passiert Personen, die eine derartige Legitimation einer „alma mater“ nicht haben. Sie werden im Feld laufend wieder ihre Kompetenzen beweisen und sich Tag für Tag um Anerkennung bemühen müssen. Viele Felder sind für diese „Amateure“ überhaupt gesperrt, man denke an Juristen ohne Universitätsabschluss, oder an Ärzte, die nicht studiert haben.</p>
<p>„Der schulische Titel ist ein Zeugnis für kulturelle Kompetenz, das seinem Inhaber einen dauerhaften und rechtlich garantierten konventionellen Wert überträgt. “ (Bourdieu 1983, S. 190)</p>
<p>Das kulturelle Kapital ist allerdings auch die Möglichkeit, soziale Distinktionen über die Generationen weiter zu geben. Durch die frühzeitige habituelle Manifestation kulturellen Kapitals entwickeln sich Kinder aus „höheren Klassen“ anders, als solche aus der Unterschicht.</p>
<p>Familien bezeichnet Bourdieu als Körperschaften, die versuchen, ihre Macht und ihre Privilegien zu perpetuieren, das heißt immer und immer wieder zu reproduzieren. Diese Reproduktionsmechanismen manifestieren sich in Fortpflanzungs-, Heirats-, Nachfolge-, Wirtschafts- und auch Bildungsstrategien. Je bedeutender das kulturelle Kapital innerhalb einer Familie ist, und je wichtiger das kulturelle Kapital gegenüber dem ökonomischen Kapital ist, umso stärker investieren die Familien in die Bildung. (vgl. Bourdieu 2007a, S. 35)</p>
<p>Aus dieser Position kann man auch verstehen, warum die zuvor aufgestellte These, „institutionalisiertes kulturelles Kapital diene dazu, gesellschaftlich festzustellen, ob adäquate kulturelle Kompetenz besteht, oder nicht“, in vielen Fällen nur die tatsächlichen sozialen Strukturen euphemisiert und dazu dient, die Perpetuierung von Eliten zu verschleiern, was Elitenforscher, wie der deutsche Soziologe Hartmann (vgl. Hartmann 2002, S. 371) immer wieder aufzeigen: Zwar nehmen die Abschlüsse an den Universitäten zu, auch die Zahl der Promotionen steigt – doch die symbolische Wirkung der Bildungstitel wurde insofern angepasst, als dass nun gewisse Studien von bestimmten Universitäten<a href="#_ftn4">[4]</a> benötigt werden, damit die Führungskräfte in der Wirtschaft wieder „unter sich“ bleiben können.</p>
<p>„Weil die Aneignung der Kulturgüter Anlagen und Kompetenzen voraussetzt, die ungleich verteilt sind (obwohl scheinbar angeboren), bilden diese Werke den Gegenstand einer exklusiven (materiellen und symbolischen) Aneignung, und weil ihnen die Funktion von (objektiviertem oder inkorporiertem) kulturellem Kapital zukommt, sichern sie einen Gewinn an Distinktion &#8211; im Verhältnis zum Seltenheitsgrad der zu ihrer Aneignung notwendigen Instrumente &#8211; und einen Gewinn an Legitimität, den Gewinn überhaupt, der darin besteht, sich so, wie man ist, im Recht, im Rahmen der Norm zu fühlen.“ (Bourdieu 1987, S. 359)</p>
<h3>3.3.3  Adaptionen zum kulturellen Kapital in anderen Studien</h3>
<p>Aufgrund der Definition der Kapitalien als generalisierte Ressourcen im Sinne von unterschiedlicher Macht diversifizieren sich diese innerhalb der Felder, die sich ja selbst im Laufe ihrer Entwicklungen immer wieder in Subfelder aufteilen. So entstehen, je nach Feld und herrschender Doxa verschiedene weitere Kapitalarten und Unterarten.</p>
<p>„Habitus und symbolische Kapitalien haben sich längst anhand der Felder diversifiziert: in universitäres Kapital, juridisches Kapital, religiöses Kapital etc., die letztlich als feldspezifische Machtformen begriffen werden, deren gesamtgesellschaftlicher »Wert« im Machtfeld umkämpft wird.“ (Bohn 2005, S. 61)</p>
<p>Pierre Bourdieu hat in seiner Arbeit über das wissenschaftliche Feld „homo academicus“ (vgl. Bourdieu, Schwibs 2006, S. 82–99) selbst bereits Adaptionen zu seinen „reinen“ Kapitaltypen angewendet. Seine Indikatoren in der Vollerhebung von akademischen Würdenträgern an französischen Universitäten in der Monographie „homo academicus“ operationalisierte er anhand von Variablen wie „ererbtes oder erworbenes Kapital&#8221;, „Bildungskapital&#8221;, „Universitäres Machtkapital&#8221;, „wissenschaftliches Machtkapital und Prestige“, „intellektuelle Prominenz“ und „politisches oder ökonomisches Machtkapital“.</p>
<p>Betrachtet man – als weiteres Beispiel zur Adaption von kulturellem Kapital – den Krieg als sozialen Raum, so gibt es einige für die Kriegssituation spezifische soziale Eigenschaften, da sich im Laufe eines kriegerischen Konflikts die Gesellschaft-strukturierenden Wirkungen der einzelnen Kapitalformen – je nach Stand der Kampfhandlungen und sozusagen geltender Doxa – laufend verändern. Nicht zuletzt verändern sich auch die Institutionen, die kulturelles Kapital anerkennen und institutionalisieren. Verschiedenes akkumuliertes kulturelles Kapital, das nicht unmittelbar kriegsrelevant, also militärisch verwendbar ist, verliert an Wert, während beispielsweise Gewaltkompetenz an symbolischer Relevanz gewinnt. Eine analytische Betrachtung legt also nahe, das institutionalisierte kulturelle Kapital also für das Feld des Krieges in militärisch relevantes und militärisch nicht relevantes zu kategorisieren. (vgl. Frank 2007, S. 5f)</p>
<p>Ein weiteres Beispiel zur Adaption und Konkretisierung des kulturellen Kapitals ist die Dissertation von Sarah Thornton (vgl. Thornton 1995, S. 11), die jugendliche Clubkultur in Großbritannien untersucht hat. Sie unterscheidet verschiedene so genannte „subkulturelle Kapitalien“ nach ihrer symbolischen Wirkung in den jeweiligen distinkten Subkulturen. Aus der Perspektive der jeweiligen Subkultur handelt es sich nämlich dabei um Prestigebringende und damit distinguierende feldspezifische Ressourcen und damit ganz im Sinne Pierre Bourdieus um Kapitalien: „In thinking through Bourdieu&#8217;s theories in relation to the terrain of youth culture, I&#8217;ve come to conceive of ‘hipness’ as a form of subcultural capital.“ (Thornton 1995, S. 11)</p>
<p>Auch eine deutsche Studie zur regionalen Mobilität von Personen in strukturschwachen Bereichen im deutschen Bundesland Sachsen unterschied zwischen „regionalspezifischen Kapitalien“ und allgemeinen, also beispielsweise zwischen regionalspezifischem kulturellen Kapital  und institutionalisiertem kulturellen Kapital. Zum ersteren zählten beispielsweise Wissen über die regionale Geschichte, die Aneignung eines spezifischen Dialekts und die generelle Identifikation mit der Region. Es wurde nachgewiesen, dass regionalspezifisches kulturelles Kapital die Mobilität senkt, während institutionalisiertes kulturelles Kapital diese hebt (vgl. Skrobanjek, Jobst 2006, S. 229f).</p>
<h3>3.3.4  Soziales Kapital</h3>
<p>Da es verschiedene Effekte gibt, die sich nicht allein auf die Gesamtheit der individuellen Ressourcen eines Akteurs oder einer Akteurin reduzieren lassen, hat Pierre Bourdieu das Konzept des sozialen Kapitals eingeführt. Darunter versteht man die Mobilisierungsfähigkeit von Gruppenkapital, das über Beziehungsnetze der Akteurinnen und Akteure zur individuellen Verwendung potentiell zur Verfügung steht. Das soziale Kapital erlaubt beispielsweise Mitgliedern von Clubs oder Vereinigungen materielle und auch symbolische Profite, zur Aufrechterhaltung müssen allerdings auch laufend soziale &#8220;Investitionen&#8221; getätigt werden. (vgl. Iser 1983, S. 74f)</p>
<p>Das soziale Kapital beinhaltet die mobilisierbaren Ressourcen, die aus persönlichen Netzwerken bzw. Kontakten entstehen. „Das Gesamt-Kapital, das die einzelnen Gruppenmitglieder besitzen, dient ihnen allen gemeinsam als Sicherheit und verleiht ihnen &#8211; im weitesten Sinne des Wortes &#8211; Kreditwürdigkeit.&#8221; (Bourdieu, Steinrücke 2005, S. 63)</p>
<p>Das Sozialkapital entsteht aus den persönlichen Netzwerken der sozialen Akteurinnen und Akteure und es verändert sich je nach Mobilisierbarkeit dieser Kontakte und ihrer Ressourcen. „Der Umfang des Sozialkapitals, das der einzelne besitzt, hängt demnach sowohl von der Ausdehnung des Netzes der Beziehungen ab, die er tatsächlich mobilisieren kann, als auch vom Umfang des (ökonomischen, kulturellen oder symbolischen) Kapitals, das diejenigen besitzen, mit denen er in Beziehung steht.“ (Bourdieu, Steinrücke 2005, S. 64)</p>
<p>Um soziales Kapital zu akkumulieren, bedarf es natürlich auch einiges an Anstrengungen, so genannte Beziehungsarbeit. Man muss laufend Kontakt halten und im Wege des eigenen Beziehungsnetzes in Kontakt stehen. (vgl. Bourdieu, Steinrücke 2005, S. 65)</p>
<p>Gerade Netzwerke sind es, die die bewährten Klassenreproduktionsmechanismen verstärken. Die Alumni-Clubs der Business-Schools, Absolventenvereine der Privatschulen, gemeinsame Freizeitbeschäftigungen, wie Golfspielen oder der Opernbesuch verstärken Segregationseffekte und vermitteln Beziehungen, die sonst nicht geknüpft würden: „Sie sitzen in den Kontrollgremien der wichtigsten Unternehmen, steuern die Kommunikation Dritter und sind immer höchstens drei Handschläge voneinander entfernt“, so beschreibt das Industriemagazin (vgl. Loidl 2007) die Elite der Österreichischen Wirtschaft, die mittels einer Netzwerkanalyse aus den Daten des Österreichischen Firmenbuchs in einem Ranking zusammengefasst wurden.</p>
<p>Wesentliche Betrachtungen in dieser Hinsicht stellte beispielsweise der amerikanische Soziologe Mark Granovetter in seinem Werk „The strength of weak ties“ an. Granovetter zeigt in seiner Studie, dass es für die Erfolgschancen von Arbeitssuchenden wesentlicher ist, über so genannte „weak ties“ (schwache Verbindungen) verbunden zu sein, also über Bekanntschaften und lose Freundschaften, als über starke Verbindungen innerhalb von Gruppen. Grund ist, dass innerhalb von Gruppen mit hoher Kohäsion auch kaum Neuigkeiten oder andere Perspektiven kommuniziert werden, diese kommen &#8211; so wie auch adäquate Jobangebote &#8211; von außerhalb dieser sozialen Gruppen. (vgl. Florian, Hillebrandt 2006, S. 203–210)</p>
<h3>3.3.5  Weitere Kapitalien</h3>
<p>Pierre Bourdieu selbst verwendete seinen Kapitalbegriff eher unsystematisch und vor allem in seinem Spätwerk – beispielsweise bei der Beschreibung von Firmen als ökonomische Akteure in „The Social Structures of the Economy“– verstand er die Kapitalsorten deutlich breiter, als zuvor in den „Feinen Unterschieden“. Die Grundannahmen zu diesen generalisierten Ressourcen, ihre grundlegenden Wirkungen und Regeln bleiben allerdings bestehen.</p>
<p>Die Kapitalien nach denen Bourdieu (vgl. Bourdieu 2005, S. 194f) das ökonomische Feld definiert sind folgende: Das Finanzkapital (dieses Kapital ist die Hauptbedingung für Akkumulation, aber auch für die Erhaltung aller anderen folgenden Kapitalien); das kulturelle Kapital eines Unternehmens, das technologische Kapital (dieses Kapital ermöglicht die Differenzierung und die Weiterentwicklung von Firmen auf Basis von Forschung und Entwicklung), das juristische Kapital, das Organisationskapital (Informationen über das Feld), das Handelskapital, das soziale Kapital (dieses Kapital aktiviert alle anderen Kapitalien über Beziehungsnetzwerke), das symbolische Kapital (repräsentiert Vertrauen und Glaubwürdigkeit aller anderen Kapitalien nach Außen).</p>
<p>Diese Kapitalien wirken zwar auch über den Preismechanismus, vor allem aber wirken sie über strukturelle Mechanismen und Veränderungen. Diese Perspektive der Wirkung über Struktur wird von den neoklassischen ökonomischen Theoretikern strikt abgelehnt, diese kennen lediglich die interaktionistischen Wirkungen an der Schnittstelle vom Verkäufer zum Käufer.</p>
<p>Denn die relative Position einer Firma innerhalb des ökonomischen Subfeldes modifiziert gleichzeitig auch die relative Position und den Gewinn aller Kapitalien der anderen Firmen des Subfeldes (vgl. Bourdieu 2005, S. 195).</p>
<p>Je schlechter eine Firma im Feld positioniert ist, desto mehr ist der Raum der Möglichkeiten – prädeterminiert über den folgend beschriebenen „ökonomischen Habitus“ für diese Firma eingeschränkt – und vice versa, je stärker die Position eines Unternehmens im Feld ist, desto mehr Einfluss hat das Unternehmen auf das Feld und kann die Regeln des feldimmanenten Spiels und damit auch den relativen Wert seiner Kapitalien selber mitbestimmen.</p>
<h3>3.3.6  Kapitalien und das Feld der Nonprofit-Organisationen (NPO)</h3>
<p>Um im Feld der NPO herauszufinden, welches die relevanten Kapitalien sind, was sozusagen innerhalb der Illusio als „symbolisches Kapital“ Wirkung entfaltet, versuchte eine Studie aufgrund von Interviews zu erarbeiten, die mit Vertretern der Orthodoxie im Feld durchgeführt wurden: Eine qualitative Wiener Studie (vgl. Aghamanoukjan et al. 2007, S. 155–157) von 17 Interviews mit Führungskräften aus dem Profit- und dem Nonprofit-Sektor zeigt die Unterschiede in der Selbsteinschätzung, was die Relevanz der unterschiedlichen Kapitalarten nach der Bourdieuschen Theorie angeht: Für den NPO-Bereich erweist sich das ökonomische Kapital als besonders wichtig, während für die Manager aus dem Forprofit-Bereich das soziale Kapital als wichtiger gilt. In einer Detailbetrachtung sieht man allerdings, dass sich NPO-Manager auch auf das organisationale Umfeld beziehen, also die finanzielle Unsicherheit der Organisation auf diese Studie ausstrahlt. Hinsichtlich des kulturellen Kapitals, dessen Bedeutung in beiden Sektoren gleich eingeschätzt wird, ist es im NPO-Bereich unbestritten, selbst viele Aus-, Fort- und Weiterbildungen zu besuchen und das eigene Kompetenzniveau laufend zu erhöhen, die tatsächlichen Titel in Form von institutionalisiertem kulturellem Kapital sind nach dieser Studie eher im Forprofit-Bereich von Bedeutung.</p>
<p>Natürlich ist ein Feld oftmals nicht so strukturiert, wie sich das die Orthodoxie im Feld wünscht. Gerade die verschleiernden Wirkungen symbolischen Handelns als ein Teil der Machtausübung der Orthodoxie verwäscht die relative Relevanz von verschiedenen Kapitalausstattungen der Akteurinnen und Akteure im Feld, der Habitus mit seinen Beurteilungs- und Wahrnehmungsschemata tut sein übriges, um die Realstruktur zu verschleiern. Aus diesem Grund kann die oben zitierte Studie auch nur eine grobe Richtung der Strukturierung des sehr heterogenen Feld der NPO geben, deren tatsächliche Relevanz für das Feld des Österreichischen Roten Kreuzes später überprüft werden soll.</p>
<p><strong><br />
</strong></p>
<h1>Literaturverzeichnis</h1>
<p>Aghamanoukjan, Anahid; Eikhof, Doris; Leitner, Johannes; Meyer, Michael (2007): Leitern ohne Sprossen? Karrieren im Nonprofit-Sektor. In: Helmig, Bernd (Hg.): Nonprofit-Organisationen und Märkte. 7. Internationales Colloquium der NPO-Forscher im März 2006 an der Universität Freiburg/Schweiz. 1. Aufl. Wiesbaden: Dt. Univ.-Verl. (Marktorientiertes Nonprofit-Management), S. 151–160.</p>
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<p>Bohn, Cornelia (2005): Eine Welt-Gesellschaft. Operative Gesellschaftskonzepte in den Sozialtheorien Luhmanns und Bourdieus. In: Colliot-Thélène, Catherine; Bourdieu, Pierre (Hg.): Pierre Bourdieu Deutsch-französische Perspektiven. 1. Aufl. Frankfurt am Main: Suhrkamp (Suhrkamp-Taschenbuch Wissenschaft, 1752), S. 43–78.</p>
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<p>Bourdieu, Pierre (2007b): Sozialer Raum, symbolischer Raum. In: Bourdieu, Pierre; Beister, Hella (Hg.): Praktische Vernunft. Zur Theorie des Handelns. Dt. Erstausg., 1. Aufl., [Nachdr.]. Frankfurt am Main: Suhrkamp (Edition Suhrkamp, 1985 = N.F., 985), S. 15–35.</p>
<p>Bourdieu, Pierre; Egger, Stephan; Schultheis, Franz (2007): Ein soziologischer Selbstversuch. Dt. Erstausg., 3. Aufl., [Nachdr.]. Frankfurt am Main: Suhrkamp (Edition Suhrkamp, 2311).</p>
<p>Bourdieu, Pierre; Schwibs, Bernd (2006): Homo academicus. 1. Aufl., [Nachdr.]. Frankfurt am Main: Suhrkamp (Suhrkamp-Taschenbuch Wissenschaft, 1002).</p>
<p>Bourdieu, Pierre; Steinrücke, Margareta (2005): Die verborgenen Mechanismen der Macht. Unveränd. Nachdr. der Erstaufl. von 1992. Hamburg: VSA-Verl. (Schriften zu Politik &amp; Kultur / Pierre Bourdieu. Hrsg. von Margareta Steinrücke, 1).</p>
<p>Florian, Michael.; Hillebrandt, Frank. (2006): Pierre Bourdieu. Neue Perspektiven für die Soziologie der Wirtschaft /. 1. Aufl. Wiesbaden: VS Verl. für Sozialwiss.</p>
<p>Frank, Cornelia (2007): Analyse von Kriegsökonomien als soziale Ordnungsformen aus Sicht der verstehenden Soziologie von Gewaltakteuren. Entstehung, Konsolidierung und Transformation der UÇK als Fallbeispiel. Paper für das Panel „Soziologische Ansätze zu den Friedensbedingungen in Nachkriegsgesellschaften“, Erster Workshop des AFK-Arbeitskreises Theorie am 5. – 7. Juli 2007 in der Ev. Akademie Loccum. Universität Trier. Trier.</p>
<p>Fuchs-Heinritz, Werner; König, Alexandra (2005): Pierre Bourdieu. Eine Einführung. Konstanz: UVK-Verl.-Ges. (UTB Soziologie, 2649).</p>
<p>Hartmann, Michael (2002): Leistung oder Habitus? Das Leistungsprinzip und die soziale Offenheit der deutschen Wirtschaftselite. In: Bittlingmayer, U. Eickelpasch R. Kastner J. Rademacher C. (Hrsg.) (Hg.): Theorie als Kampf? Zur politischen Soziologie Pierre Bourdieus. Opladen: Leske + Budrich, S. 361–377.</p>
<p>Hartmann, Michael (2005): Eliten und das Feld der Macht. In: Colliot-Thélène, Catherine; Bourdieu, Pierre (Hg.): Pierre Bourdieu Deutsch-französische Perspektiven. 1. Aufl. Frankfurt am Main: Suhrkamp (Suhrkamp-Taschenbuch Wissenschaft, 1752), S. 255–275.</p>
<p>Hillebrandt, Frank. (1999): Die Habitus-Feld-Theorie als Beitrag zur Mikro-Makro-Problematik in der Soziologie &#8211; aus der Sicht des Feldbegriffs. Technische Universität Hamburg-Harburg. Hamburg. (Working Papers zur Modellierung sozialer Organisationsformen in der Sozionik, WP2).</p>
<p>Iser, Maria (1983): Der Habitus als illegitimer Normalfall gesellschaftlicher Reproduktion. Die soziale Bedeutung von symbolischer Gewalt und strukturgesteuertem Lernen und Handeln in der Theorie von Pierre Bourdieu. Dissertation. Betreut von Michael Hofmann und Stefan Titscher. Wien. Wirtschaftsuniversität Wien, Allgemeine Betriebswirtschaftslehre.</p>
<p>Joas, Hans (2004): Zwischen Strukturalismus und Theorie der Praxis &#8211; die Kultursoziologie Pierre Bourdieus. In: Joas, Hans; Knöbl, Wolfgang; Joas, Hans; Knöbl, Wolfgang (Hg.): Sozialtheorie. Zwanzig einführende Vorlesungen. Orig.-Ausg., 1. Frankfurt am Main: Suhrkamp (Suhrkamp-Taschenbuch Wissenschaft, 1669), S. 518–557.</p>
<p>Krais, Beate (2005): Die moderne Gesellschaft und ihre Klassen &#8211; Bourdieus Konstrukt des sozialen Raums. In: Colliot-Thélène, Catherine; Bourdieu, Pierre (Hg.): Pierre Bourdieu Deutsch-französische Perspektiven. 1. Aufl. Frankfurt am Main: Suhrkamp (Suhrkamp-Taschenbuch Wissenschaft, 1752), S. 79–105.</p>
<p>Krais, Beate; Gebauer, Gunter (2002): Habitus. Bielefeld: Transcript-Verl. (Einsichten).</p>
<p>Krauss, Hartmut (2001): Zwischen Subjektivismus und Objektivismus. Zum Erkenntnisgehalt der theoretischen Konzeption Pierre Bourdieus. Glasnost Archiv. Online verfügbar unter <a href="http://www.glasnost.de/autoren/krauss/bourd.html">http://www.glasnost.de/autoren/krauss/bourd.html</a>, zuletzt geprüft am 22. Februar 2009.</p>
<p>Loidl, Rudolf (2007): Im Netzwerk der Macht. In: Industriemagazin, Ausgabe September 2007, 2007, S. 34–45. Online verfügbar unter <a href="http://www.industriemagazin.at/index.php?id=im-artikel&amp;tx_ttnews[tt_news]=2625">http://www.industriemagazin.at/index.php?id=im-artikel&amp;tx_ttnews[tt_news]=2625</a>.</p>
<p>Müller, Hans-Peter (1986): Kultur, Geschmack und Disinktion. Grundzüge der Kultursoziologie Pierre Bourdieus. In: Neidhardt, Friedhelm; Lepsius, M Rainer; König, René (Hg.): Kultur und Gesellschaft. René König, dem Begründer der Sonderhefte, zum 80. Geburtstag gewidmet. Opladen: Westdt. Verl. (Kölner Zeitschrift für Soziologie und SozialpsychologieSonderheft, 27), S. 162–189.</p>
<p>Müller, Hans-Peter (1992): Die soziokulturelle Ungleichheitstheorie. In: Müller, Hans-Peter (Hg.): Sozialstruktur und Lebensstile. Der neuere theoretische Diskurs über soziale Ungleichheit. 1. Aufl. Frankfurt am Main: Suhrkamp (Suhrkamp-Taschenbuch Wissenschaft, 982), S. 238–351.</p>
<p>Müller, Hans-Peter (2005): Handeln und Struktur. Pierre Bourdieus Praxeologie. In: Colliot-Thélène, Catherine; Bourdieu, Pierre (Hg.): Pierre Bourdieu Deutsch-französische Perspektiven. 1. Aufl. Frankfurt am Main: Suhrkamp (Suhrkamp-Taschenbuch Wissenschaft, 1752), S. 21–42.</p>
<p>Savage, Mike; Warde, Alan; Devine, Fiona (2005): Capitals, assets, and resources: some critical issues. In: The British Journal of Sociology, Jg. 56, H. 1, S. 31–47. Online verfügbar unter <a href="http://dx.doi.org/10.1111/j.1468-4446.2005.00045.x">DOI: 10.1111/j.1468-4446.2005.00045.x</a>.</p>
<p>Schrenk, Jakob (2009): Es gibt nur einen Pierre Bourdieu. Jakob Schrenk im Gespräch mit Franz Schulteis. In: Schrenk, Jakob (Hg.): Pierre Carles Soziologie ist ein Kampfsport. Pierre Bourdieu im Gespräch. Frankfurt am Main: Suhrkamp, S. 25–33.</p>
<p>Schürz, Martin (1999): Feine Unterschiede der Kapitalarten bei P. Bourdieu. Veranstaltung vom 23. 6. 1999. Wien. Veranstalter: Republikanischer Club.</p>
<p>Schwibs, Bernd (o.J.[2002]): ORF ON Science &#8211; Bourdieu: Soziologie als Überlebensprogramm. Mehr als ein Meisterdenker. ORF. Online verfügbar unter <a href="http://science.orf.at/science/news/40745">http://science.orf.at/science/news/40745</a>, zuletzt geprüft am 12. Februar 2009.</p>
<p>Skrobanjek, Jan; Jobst, Solveijg (2006): „Begrenzung” durch kulturelles Kapital? In: Berliner Journal für Soziologie, H. 2 Juni 2006, S. 227–244. Online verfügbar unter <a href="http://dx.doi.org/10.1007/s11609-006-0018-0">doi:10.1007/s11609-006-0018-0</a>.</p>
<p>Thornton, Sarah (1995): Club cultures. Music, media, and subcultural capital. Cambridge: Polity Press (Music/culture).</p>
<p>Wieselberg, Lukas (o.J. [2002]): Französischer Soziologe Pierre Bourdieu gestorben. ORF ON Science. ORF. Online verfügbar unter <a href="http://sciencev1.orf.at/science/news/40727,">http://sciencev1.orf.at/science/news/40727,</a> zuletzt geprüft am 9. Dezember 2009.</p>
<p>Wissing, Hubert (2006): Intellektuelle Grenzgänge. Pierre Bourdieu und Ulrich Beck zwischen Wissenschaft und Politik. Univ., Diss.&#8211;Osnabrück, 2005. 1. Aufl. Wiesbaden: VS Verl. für Sozialwiss. (Forschungen zur europäischen Integration, 18).</p>
<hr size="1" /><a href="#_ftnref1">[1]</a> Das ist die neoklassische mikroökonomische Sicht auf den Konsumenten, bei der ceteris paribus alle sozialen Randbedingungen egalisiert werden.</p>
<p><a href="#_ftnref2">[2]</a> „Historisch tritt das Kapital dem Grundeigentum überall zunächst in Form von Geld gegenüber, als Geldvermögen, Kaufmannskapital und Wucherkapital.“ (Marx 1962, S. 161)</p>
<p><a href="#_ftnref3">[3]</a> Die Konvertierbarkeit ist unter anderem auch eine der Grundvoraussetzungen, die Bourdieu für sämtliche Kapitalien definiert.</p>
<p><a href="#_ftnref4">[4]</a> Diese bezeichnet man dann konsequenterweise Elite-Universitäten. Eine Tendenz, die in den Vereinigten Staaten schon lange Tradition hat, kommt damit auch nach Europa.</p><img src="http://blog.roteskreuz.at/sociologist/?ak_action=api_record_view&id=192&type=feed" alt="" />]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>personal oder corporate Twitter?</title>
		<link>http://blog.roteskreuz.at/sociologist/2009/12/09/personal-oder-corporate-twitter/</link>
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		<pubDate>Wed, 09 Dec 2009 10:31:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Gerald Czech</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Organisation]]></category>
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		<category><![CDATA[theorie]]></category>
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		<description><![CDATA[Christian Henner-Fehr diskutiert in seinem Blogbeitrag Twittern: darf es auch persönlich sein? den Unterschied in der Kommunikation zwischen Twitter-Accounts von Organisationen, also sozusagen Corporate Accounts (wenn auch Corporate in diesem Falle solche von Organisationen mit einschließt), und andererseits persönlichen Accounts bei Twitter.
Ist es ein reiner Unternehmensaccount, bei dem die Follower unter Umständen gar nicht wissen, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://twitter.com/kulturmanager">Christian Henner-Fehr</a> diskutiert in seinem Blogbeitrag<a href="http://kulturmanagement.wordpress.com/2009/12/09/twittern-darf-es-auch-personlich-sein/"> Twittern: darf es auch persönlich sein? </a>den Unterschied in der Kommunikation zwischen Twitter-Accounts von Organisationen, also sozusagen Corporate Accounts (wenn auch Corporate in diesem Falle solche von Organisationen mit einschließt), und andererseits persönlichen Accounts bei Twitter.</p>
<blockquote><p>Ist es ein reiner Unternehmensaccount, bei dem die Follower unter Umständen gar nicht wissen, wer da twittert, dann sind die Tweets in der Regel sehr unpersönlich. [...]</p>
<p>In der Tendenz dürfte sich die von <a href="http://twitter.com/typhaeus">Johannes Reiss</a> und mir geäußerte Vermutung, dass die Art des Twitterns von der Art des Accounts (Unternehmen/Individuum) abhängt, bestätigen. Nicht geklärt ist aber die Frage, welcher Ansatz erfolgreicher ist?</p></blockquote>
<p>Ich finde, das ist ein sehr interessantes Phänomen, das sich aufgrund der Art und der Struktur der vertretenden Organisation, für die man im Sinne einer Organwalterschaft das online-Sprachrohr wird, durchaus verändert.</p>
<p>Dass auch die &#8220;persönlichen&#8221; Accounts nicht die wahre Persönlichkeit ihres nicht-virtuellen Alter Egos repräsentieren ist anzunehmen. Gerade wenn man an <a href="http://twitter.com/chrisrutz/reputationmanagement">Reputation Management</a> im Web denkt, an den virtuellen Jahrmarkt der Eitelkeiten, zu dem Twitter ja auch manchmal verkommt, denn was ist soziales Handeln (sei es nun online oder offline) oftmals, als die Explikation von Distinktionen, das Etablieren von mehr oder weniger feinen Unterschieden?</p>
<p>Natürlich unterscheiden sich die Ziele des privaten und des organisationalen &#8220;fishing for distinction&#8221; und damit auch die eingenommene Kommunikationsform in allen ihren Facetten (also Sprache, Häufigkeit, Themen, Diskussionsfreude, Agressivität, &#8230;). Stimmigkeit und Authentizität ist eines der angestrebten Ziele, denke ich mir, und das scheint bei Corporate Accounts deutlich komplexer, weil man natürlich auch mit der Organisationsinternen Realität konfrontiert wird. Zudem werden von Seiten der EmpfängerInnen alle Aussagen, die im virtuellen &#8220;Gezwitschere&#8221; abgesondert werden, direkt auf die vertretene Organisation verbucht. Das sind zwei reale Einflüsse auf die Kommunikationsstruktur von Coporate Accounts, die es schwierig machen, gleich spontan und persönlich zu sein, wie das ein persönlicher Account tun kann.</p>
<p>Das ist beispielsweise ein Grund, warum ich selbst zwei verschiedene online-Accounts habe, Als <a href="http://twitter.com/redcrosswebmast">redcrosswebmaster </a>die Person Gerald Czech und als <a href="http://twitter.com/roteskreuzat">roteskreuzat</a> die Organisation, die ich vertrete. Gerade bei der Vertretung einer Organisation, die aufgrund ihres Selbstverständnisses sehr auf die <a href="http://www.roteskreuz.at/organisieren/organisation/wer-wir-sind/allgemeine-grundlagen/die-rotkreuz-grundsaetze/">Neutralität ihrer Aussagen</a> achtet, ist es  oftmals schwierig, Dinge direkt als Organisation zu sagen &#8211; daher auch das alter Ego des Webmasters, oder die Blogs. Natürlich ist auch für den redcrosswebmast-Account nicht alles möglich. Aus Parteipolitischen Diskursen klinke ich mich genauso aus, wie in Weltanschaulichen oder religiösen Debatten &#8211; auch wenn es oft juckt &#8230;</p><img src="http://blog.roteskreuz.at/sociologist/?ak_action=api_record_view&id=188&type=feed" alt="" />]]></content:encoded>
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		<title>Die Geschichte des Roten Kreuzes in Niederösterreich</title>
		<link>http://blog.roteskreuz.at/sociologist/2009/11/27/die-geschichte-des-roten-kreuzes-in-niederosterreich/</link>
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		<pubDate>Fri, 27 Nov 2009 14:29:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Gerald Czech</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
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		<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Organisation]]></category>
		<category><![CDATA[Rotes Kreuz]]></category>
		<category><![CDATA[Studie]]></category>
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		<category><![CDATA[Niederösterreich]]></category>

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		<description><![CDATA[Dieses Textfragement entstand bei der Erstellung meiner Diplomarbeit zu den Sozialstrukturen im Österreichischen Roten Kreuzes als übervollständige historische Feldbeschreibung. Da einige Teile dieses historischen Abrisses in die Diplomarbeit wegen mangelnder Relevanz für das Thema keinen Eingang finden werden, veröffentliche ich diesen Text hier.
Falls das Lesen am Schirm zu mühsam ist, hier die PDF-Version: Geschichte RK [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Dieses Textfragement entstand bei der Erstellung meiner Diplomarbeit zu den Sozialstrukturen im Österreichischen Roten Kreuzes als übervollständige historische Feldbeschreibung. Da einige Teile dieses historischen Abrisses in die Diplomarbeit wegen mangelnder Relevanz für das Thema keinen Eingang finden werden, veröffentliche ich diesen Text hier.</p>
<p>Falls das Lesen am Schirm zu mühsam ist, hier die PDF-Version: <a rel="attachment wp-att-178" href="http://blog.roteskreuz.at/sociologist/2009/11/27/die-geschichte-des-roten-kreuzes-in-niederosterreich/geschichte-rk-no/">Geschichte RK NÖ</a></p>
<p>Gerald Czech im November 2009</p>
<h1>Die Geschichte des Roten Kreuzes in Niederösterreich</h1>
<blockquote><p>„In jedem Spielakt ist in Gestalt der praktischen Kenntnis der Prinzipien des Spiels &#8211; die bei den neuen stillschweigend vorausgesetzt wird &#8211; die ganze Geschichte, die ganze Vergangenheit des Spiels präsent. Nicht zufällig ist eines der sichersten Indizien für das Bestehen eines Feldes […] das Auftreten einer ganzen Zunft von Konservatoren […] [L]auter Leute, die ein Interesse an der Erhaltung dessen haben, was im Feld produziert wird, also ein Interesse daran haben, zu erhalten und sich selbst als Erhaltende zu erhalten.“ (Bourdieu 2001, S. 110)</p></blockquote>
<p>In diesem Text soll die Geschichte des Roten Kreuzes, zunächst der Gründungsmythos und die Geschichte des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz, dann die Historie des Österreichischen Roten Kreuzes und zuletzt die relevanten historischen Details zum konkret betrachteten Feld, dem Niederösterreichischen Rotkreuz-Landesverband dargelegt werden. Diese Fakten sind im Falle der Bourdieuschen Theorie –  die die Felder als Spielschauplätze mit bedeutender Geschichte versteht, aus der sich die Regeln im Feld entwickeln – allerdings mehr als reine Kontextverortung und Rahmenwissen: Für das Verständnis eines Feldes ist es wesentlich, die Geschichte zu kennen und zu verstehen, denn diese Geschichte ist implizit in jeder Aktion der handelnden Akteurinnen und Akteure im Feld über ihre jeweilige Repräsentation im individuellen Habitus präsent (vgl. Bourdieu 2001, S. 110).</p>
<h1><strong>Henry Dunant und die Gründung des Roten Kreuzes</strong></h1>
<p>Das Rote Kreuz entstand nach einer Idee des Schweizer Geschäftsmanns Henry Dunant, der – zufällig in der Gegend, weil er den Französischen Kaiser Napoleon, III. treffen wollte &#8211; 1859 nach der Schlacht von Solferino die Verwundeten in der Region um das norditalienische Städtchen Castiglione sah und angesichts des Leides der Betroffenen drei Tage und Nächte lang mithalf, Wunden zu verbinden und Leiden zu linden, um „zu trösten und zu retten“. Beeindruckt von den Erlebnissen schrieb Dunant 1862 das Buch „Eine Erinnerung an Solferino“, das er im Eigenverlag drucken ließ und an Vertreter der Herrscherhäuser und ranghohe Militärs in ganz Europa verschickte. (vgl. Bugnion 2006, S. 8; Dempfer 2009, S. 30–39; Haug 1995, S. 27–32; Ladurner 2009; Levathes 1981, S. 777; Müller 1975, S. 144; Österreichisches Rotes Kreuz 2002, S. 7f; Vilt 1981, S. 12 )<br />
Das wesentliche Element an Dunants Werk, so Vilt (vgl. Vilt 1981, S. 12–15), war die Abstraktion &#8211; er blieb nicht bei einer bloßen Wiedergabe der erlebten Ereignisse sondern er forderte Lösungen: Man möge private anerkannte und ausgebildete Hilfsgesellschaften gründen, die im Kriegsfalle die militärischen Sanitätsdienste unterstützen und von allen Konfliktpartei als neutral akzeptiert sind.<br />
Die Öffentlichkeit und ihr Einfluss zur politischen Gestaltung der Realität war Mitte des 19. Jahrhunderts in Europa allerdings noch nicht so ausgeprägt, wie wir sie heute kennen. Die damaligen „Global Players“ waren zumeist nicht parlamentarisch-demokratisch organisiert, sondern wurden als Monarchien in deutlich autokratischerem Maß von einem komplexen System interdependenter europäischer Herrscherhäuser und Adelsgeschlechter regiert. Genau diese, besser gesagt deren Exponenten – heute würde man Stakeholder sagen – wurden vom Autor und Philanthropen Dunant kontaktiert. (vgl. Kübler 2001, S. 58f)<br />
Immer mit in seinem Gepäck, seine Publikation „Eine Erinnerung an Solferino“, die aufgrund des literarischen Stils und der Aktualität in kürzester Zeit zum Gesprächsstoff innerhalb der Zielgruppe von Entscheidungsträger auf europäischen Niveau wurde. Die Zeitungen lobten sein Werk, das im Handel zunächst überhaupt nicht erhältlich war<sup><a name="1.1" href="#1">1</a></sup>, genauso, wie der bekannte Schriftsteller Victor Hugo. (vgl. Boissier 1985, S. 41; Dempfer 2009, S. 34; Österreichisches Rotes Kreuz 2002, S. 13f)<br />
„Auf den steinernen Fliesen der Spitäler und Kirchen von Castiglione liegen Seite an Seite Kranke aller Nationen: Franzosen und Araber, Deutsche und Slawen. Man legt sie einstweilen dort nieder, wo Platz ist, und sie haben nicht mehr die Kraft, sich zu bewegen und können sich auf dem engen Raum nicht rühren. Flüche, Lästerungen und Schmerzensschreie, die wiederzugeben die Sprache nicht fähig ist, hallen von den Gewölben der geweihten Räume wider.“ (Dunant 1997, S. 11)<br />
Vielfach war der französisch-schweizer Geschäftsmann geschickt genug, seine Publikation nicht an die meist militärisch ausgebildeten und damit für derartige Reize abgestumpften Grafen und Herzoge, an die Generäle und Minister zu schicken, sondern an ihre sozial engagierten Gattinnen, die sich bereits bei den vergangenen Kriegen in Europa zum Beispiel als Krankenschwestern immer wieder in den Dienst der verwundeten Soldaten gestellt hatten.<br />
Dunant nutzte seine Kontakte geschickt, baute mit viel Engagement ein Netzwerk zu den jeweiligen Entscheidungsträgern auf, in das er viel Energie steckte. Daraufhin versuchte die „Genfer gemeinnützige Gesellschaft“, ein Verein bedeutender Genfer Bürger mit philantropen Bedürfnissen, den Vorschlag Dunants, eine Hilfsorganisation zu gründen, die neutral im Kriegsfalle Hilfe leisten würde, umzusetzen, indem bereits 1863 zu einer internationalen Konferenz eingeladen wurde. Die Gründung des Roten Kreuzes und der Beschluss der so genannten &#8220;Genfer Konvention betreffend die Linderung des Loses der im Felddienst verwundeten Militärpersonen&#8221; im Jahre 1864 war eine Folge dieser Konferenz. (vgl. Haug 1995, S. 27–32)<br />
Aufgrund privater Fehlspekulationen und schwerer wirtschaftlicher Fehler wurde Dunant zu enormen Schadensersatzzahlungen verurteilt, die dazu führten, dass er vor der Genfer Bürgerschaft moralisch diskreditiert wurde. Das führte 1867 dazu, dass sich das Rote Kreuz von seinem Gründer distanzierte und Dunant als &#8220;ruheloser Wanderer&#8221; durch Europa zog und Vorträge hielt und philantrophische Projekte anging<sup><a name="2.1" href="#2">2</a></sup>, ohne sozialen oder finanziellen Rückhalt zu haben. 1887 zog er sich nach Heiden am Bodensee zurück, wo ihn 1895 der Journalist Georg Baumberger auffand und über ihn berichtete. Erst diese Berichterstattung rehabilitierte den Humanisten Dunant und führte letztendlich auch dazu, dass er im Jahr 1901 den allerersten Friedensnobelpreis<sup><a name="3.1" href="#3">3</a></sup> verliehen bekam. Das Preisgeld, das mit dem Nobelpreis verbunden ist,  wurde – um es vor den Zugriffen von Dunants Gläubigern zu sichern – von einem norwegischen Fürsprecher bis zu seinem Tod verwaltet. (vgl. Haug 1995, S. 47–49; Dempfer 2009, S. 38; von Planta 2007, S. 11; Nobel 2001, S. 270)<br />
Dunant starb am 30. Oktober 1910 mit 82 Jahren. Noch heute wird am 8. Mai, dem Geburtstag des Gründers Jean Henry Dunants der Weltrotkreuz-Tag gefeiert. (vgl. Haug 1995, S. 50)<br />
Dempfer (vgl. Dempfer 2009, S. 28f) begründet die herausragende Stellung der calvinistischen französischen Schweiz bei der Entstehung der humanitären Bewegung des Roten Kreuzes mit der protestantischen Ethik, wie dies auch Max Weber für den modernen Kapitalismus europäischer Prägung getan hat: Die Prädestinationslehre, also die Tatsache, dass es vorher bestimmt ist, ob man die Seligkeit erwirbt, oder in Verdammnis stirbt, wie sie von Johannes Calvin verbreitet wurde, erlaubt es auf der einen Seite nach Reichtum zu streben und andererseits gegenüber denen, die »gottgewollt arm sind« mildtätig zu sein.</p>
<h1><strong>Das Internationale Rote Kreuz</strong></h1>
<p>Das Rote Kreuz, so nannte sich die neugegründete Gesellschaft die im Auftrag der Staaten die Hüterin der „Genfer Abkommen“ wurde, situierte sich in Genf und hatte bereits im Deutsch-Dänischen-Krieg 1864 den ersten sehr erfolgreichen Einsatz. (vgl. Boissier 1985, S. 179; Dempfer 2009, S. 40f)<br />
Seit dieser Zeit gibt es keinen Krieg, bei dem die Schweizerischen Delegierten des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) nicht im humanitären Einsatz vor Ort waren. Stets neutral und unparteilich findet man die Helfer immer auf beiden Seiten der Frontlinien.<br />
In den einzelnen Staaten, die das Genfer Abkommen ratifizierten wurden ebenso Rotkreuz-Gesellschaften gegründet, die einerseits den Sanitätsdiensten der jeweiligen Armeen beistanden und anderseits unterschiedlichste humanitäre Aufgaben wahrnehmen konnten. Doch bis 1884 gab es keine weitere internationale Rotkreuz-Konferenz, das Treffen aller Signatarstaaten und der jeweiligen Rotkreuz-Gesellschaften. Die Kommunikation erfolgte daher – meist unidirektional – nur durch Publikationen aus Genf und direkt im Feld. Die nationalen Organisationen waren daher fast 20 Jahre voneinander entkoppelt und entwickelten sich je nach Bedarf der nationalen Strukturen und kriegerischen Konflikten, die in Europa damals noch zahlreicher waren. (vgl. Boissier 1985, S. 333–335)<br />
Seit der internationalen Rotkreuz-Konferenz 1884, wo die Zusammenarbeit der Bewegung definiert wurde, blieb die Struktur der Rotkreuz-Bewegung, was das Verhältnis zwischen nationalen Rotkreuz-Gesellschaften und IKRK betrifft, auch konstant: Es existieren unabhängige Rotkreuz-Gesellschaften in den Signatarstaaten der Genfer Konvention &#8211; untereinander nur lose vernetzt &#8211; und parallel dazu das Internationale Komitee vom Roten Kreuz in Genf, das auf der einen Seite die Kommunikation zwischen den nationalen Gesellschaften aufrecht erhält und andererseits selbst operativ tätig ist. (vgl. Boissier 1985, S. 339)<br />
Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) ist bis heute eine private unabhängige Schweizer Organisation, die – als „Subjekt des humanitären Völkerrechts &#8211; verankert in den Genfer Konventionen, verschiedene Aufgaben im Rahmen von bewaffneten Konflikten übernimmt. Diese Aufgaben im Krieg sind beispielsweise der Besuch von Spitälern, von Kriegsgefangenen, die Versorgung von Verwundeten, aber auch der Suchdienst, der beginnend mit dem französisch-preußischen Krieg von 1870/71, die Daten von verwundeten, gefallenen und gefangenen Soldaten feststellt und die Daten mit den kriegsbeteiligten Staaten austauscht, sowie eine Kommunikation zwischen den Kriegsgefangenen und ihren Angehörigen durch Rotkreuz-Nachrichten ermöglicht. (vgl. International Federation of Red Cross and Red Crescent Societies 1997, S. 23f)<br />
Erst nach dem zweiten Weltkrieg – im Angesicht der furchtbaren Verbrechen, die von 1939- 1945 von Soldaten, aber auch von zivilen Einrichtungen der Regimes verübt wurden &#8211; im Jahr 1949 wurden die Genfer Abkommen erweitert: nicht nur die Landstreitkräfte (bereits im 1. Genfer Abkommen verankert) waren fortan im Fokus des humanitären Völkerrechts, sondern auch Schiffbrüchige (II. Abkommen), Kriegsgefangene (III. Abkommen) und die Zivilbevölkerung (IV. Abkommen). Die Veränderungen im Verlauf des ausgehenden 20. Jahrhunderts bewirkten im Jahr 1977 den Abschluss zweier Zusatzprotokolle, das erste betreffend den Schutz von Zivilpersonen in internationalen Konflikten und das zweite betreffend nicht-internationale Konflikte. Diese Zusatzprotokolle sind allerdings nicht so weitreichend ratifiziert, also von Staaten anerkannt und in nationales Recht umgesetzt, wie das für die Genfer Abkommen gilt. Speziell das zweite Zusatzprotokoll, wurde immer wieder als „Einmischung in interne Angelegenheiten“ abgelehnt.<br />
Das letzte Zusatzprotokoll zu den Genfer Abkommen wurde 2005 abgeschlossen und regelt die Anerkennung eines neuen Schutzzeichens, des „Roten Kristalls“, der nunmehr neben dem Roten Kreuz und dem Roten Halbmond als geschütztes Symbol im Völkerrecht verankert ist. (vgl. Dempfer 2009, S. 45)<br />
Das IKRK ist als zentrale Drehscheibe der internationalen Rotkreuz-Bewegung auch für die Anerkennung so genannter &#8220;Nationaler Gesellschaften&#8221; verantwortlich, dabei wird überprüft, ob die grundlegenden Eigenschaften einer Rotkreuz-Gesellschaft eingehalten werden.</p>
<h1><strong>Ein weiteres internationales Rotes Kreuz: Die Föderation</strong></h1>
<p>Nach dem Ersten Weltkrieg im Jahr 1919 wurde auf Initiative des Amerikanischen Roten Kreuzes mit Unterstützung des damaligen amerikanischen Präsidenten Wilson die Liga der Rotkreuz-Gesellschaften gegründet. Diese Organisation war als Dachorganisation der Nationalen Rotkreuz-Gesellschaften geplant, analog zum damaligen Völkerbund organisiert<sup><a name="4.1" href="#4">4</a></sup> und sollte für die humanitäre Rotkreuz-Arbeit außerhalb der Kriege und Konflikte verantwortlich sein. (vgl. Durand 1984, S. 139–145; Österreichisches Rotes Kreuz 2002, S. 22–25; International Federation of Red Cross and Red Crescent Societies 1997, S. 51–56)<br />
In Cannes wurde 1919 die Föderation vorbereitet und am 5. Mai 1919 formell in Paris als „Internationale Liga der Rotkreuz- und Rothalbmond-Gesellschaften“ gegründet. Die ersten Mitglieder waren die nationalen Rotkreuzgesellschaften von Frankreich, der USA, Großbritanniens, Italiens und Japan. (vgl. Österreichisches Rotes Kreuz 2002, S. 22–25)<br />
Doch die Liga war zu Beginn auch politisiert. Als Folge des Ersten Weltkriegs, war es den fünf Entente-Mächten möglich, die Rotkreuz-Gesellschaften der &#8220;Mittelmächte&#8221; auszuschließen, aber auch das Russische Rote Kreuz. (vgl. Dempfer 2009, S. 47f)<br />
Die Aufgaben der Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften, wie die Liga seit dem Jahr 1991 heißt, war von Anbeginn die humanitäre Hilfe in Katastrophen, bei Unglücken und Seuchen, bei Hungersnöten oder Epidemien. Deren gab es seit 1919 natürlich sehr viele. Die Zentrale der Liga war zunächst Paris, erst im Zweiten Weltkrieg wurde nach der Invasion der Deutschen in Frankreich ebenso Genf zur Heimat der zweiten Rotkreuz-Dachorganisation. Bis heute existieren Spannungen zwischen der Schweizer Privatorganisation IKRK und der internationalen Dachorganisation „Föderation“, was die Aufgaben und ihre Koordination betrifft. (vgl. Dempfer 2009, S. 49f; Österreichisches Rotes Kreuz 2002, S. 22–25; International Federation of Red Cross and Red Crescent Societies 1997, S. 51–56)</p>
<h1><strong>Das Österreichische Rote Kreuz</strong></h1>
<p>Das Österreichische Rote Kreuz wurde im Jahre 1880 gegründet. Es ging aus den davor immer wieder anlässlich eines Krieges gegründeten (und danach jeweils wieder liquidierten) Patriotischen Hilfsvereinen hervor, die Verwundete der k.u.k-Armeen unterstützten und sich um Kriegswitwen- und -waisen annahm. (vgl. Österreichisches Rotes Kreuz 2002, S. 33)</p>
<h2><em><strong>Der Anfang</strong></em></h2>
<p>Im Feldzug gegen Preußen 1866 wollte der damalige Patriotische Hilfsverein Hilfsgüter auf die Schlachtfelder schicken, da Österreich-Ungarn im Gegensatz zu Preußen und Italien jedoch dem Genfer Abkommen nicht beigetreten war<sup><a name="5.1" href="#5">5</a></sup>, wurden diese Güter – mangels internationalem Status oder Mandat des Hilfsvereins &#8211; nicht vorgelassen. Die Wirkung des Vereins war daher auf das Reichsgebiet beschränkt, wo er Verwundete und Kranke pflegte. Dieser Verein löste sich –  anders als bisher – nicht nach dem Krieg auf, sondern etablierte sich, indem er die Geldmittel in einen Fonds legte, und wurde – Österreich-Ungarn war inzwischen Signatarstaat der Genfer Konvention – mit Entschluss des Kaisers zu einer permanenten Einrichtung. Der „Österreichische Patriotische Hilfsverein für verwundete Krieger- Militärwitwen und Waisen“ bekannte sich zu den Prinzipien des Roten Kreuzes und verwendete als Namenszusatz „zugleich Landeshilfsverein vom Rothen Kreuze für Niederösterreich“<sup><a name="6.1" href="#6">6</a></sup>. (vgl. Vilt 1981, S. 19–30; Österreichisches Rotes Kreuz 2002, S. 33)<br />
Weitere Tochtervereine in Böhmen, in der Steiermark und in Mähren bzw. in Schlesien gründeten sich, auch ein Frauenhilfsverein für alle österreichischen Länder wurde gegründet. Die Hilfsaktionen, die von den voneinander unabhängigen Vereinen organisiert wurden, beispielsweise 1878 während der Okkupation von Bosnien und der Herzegowina, verliefen unkoordiniert und teilweise chaotisch. Teilweise widersprachen sich die Ziele und Statuten der Teilorganisationen, von effizienter Hilfe keine Spur. Erst 1879 wurde, auf Initiative des Verteidigungsministers begonnen, diese Teilvereine an einen Tisch zu bringen und über die Dachorganisation zu beraten, die mit 14. März 1880 als Österreichische Gesellschaft vom Rothen Kreuze (ÖGvRK) gegründet wurde. (vgl. Vilt 1981, S. 19–30 )<br />
Delegierte des Roten Kreuzes, die im Kriegsdienst waren mussten entweder ausgebildete k.u.k. Offiziere sein, oder konnten bei Sonderverwendungen auch dem Zivilstand angehören, mussten in jenem Falle aber eine Uniform tragen<sup><a name="7.1" href="#7">7</a></sup>. (vgl. Vilt 1981, S. 66f )<br />
Bereits 1900 wurde von der Bundesversammlung der ÖGvRK der Beschluss gefasst, die Tätigkeiten von der reinen Hilfeleistung bei außerordentlichen Not- und Unglücksfällen hin zu organisiertem zivil-staatlichen Sanitätsdienst auszuweiten. Damit war wohl der Grundstein für den heute flächendeckend verfügbaren Rettungs- und Krankentransportdienst gelegt. (vgl. Vilt 1981, S. 54; Österreichisches Rotes Kreuz 2002, S. 44)<br />
Der erste Transport-Einsatz der nagelneuen Verwundetentransportkutsche einer Rotkreuz-Dienststelle in der Bukovina, die heute im südöstlichen Polen liegt führte quer durch die Donaumonarchie in das Allgemeine Krankenhaus der Residenzstadt Wien. (vgl. Czech, 2009)<br />
Die Aufgaben des Roten Kreuzes vor dem Ersten Weltkrieg waren zumeist rein auf die Unterstützung der militärischen Sanitätsdienste ausgerichtet, daher waren auch die Ressourcen beschränkt. Bei außergewöhnlichen Notständen und Unglücksfällen wurden die &#8220;hiezu disponsiblen Kräfte&#8221; unterstützend eingesetzt. (vgl. Vilt 1981, S. 44f)<br />
So genannte &#8220;Blessiertenträgerkolonnen&#8221;, bei denen der Kommandant vom Roten Kreuz gestellt wurde, die 23 sanitätsdienstlich ausgebildeten Chargen und Soldaten von der k.k. Landwehr und die Fuhrleute aus der &#8220;Kondukteurschaft&#8221; des Rotkreuz-Feldspitals, genauso wie die Blessiertenwagen wurden organisiert. (vgl. Vilt 1981, S. 56f)</p>
<h2><em><strong>Der Erste Weltkrieg</strong></em></h2>
<p>Im Verlauf des Ersten Weltkriegs war die ÖGvRK hauptsächlich in den militärischen Sanitätsdienst integriert, auch der Betrieb von Sanitätsanstalten im gesamten Hinterland war Aufgabe des Roten Kreuzes. In Niederösterreich beispielsweise verzeichnete man in den ersten fünf Kriegsjahren insgesamt 305.485 Patienten in den Sanitätsanstalten, das waren 25,1 % der gesamten vom Roten Kreuz betreuten Verletzten und erkrankten Soldaten. (vgl. Vilt 1981, S. 163–167)<br />
Nach Beginn des Ersten Weltkriegs wurde auch der zivile Rettungs- und Krankentransportdienst strukturiert. Alle Feuerwehrlandesverbände wurden an das Rote Kreuz angeschlossen, Ende 1916 gab es in Österreich rund 4.800 Rettungsabteilungen unter dem Zeichen des Roten Kreuzes (organisatorisch zumeist in Feuerwehrhand). (vgl. Vilt 1981, S. 173f)<br />
Eine weitere Aufgabe des Roten Kreuzes war ab 1917 die Kur- und Bäderfürsorge für heeresentlassene Kriegskranke. Ein Kurhaus in Bad Gastein wurde beispielsweise 1918 zu diesem Zweck übernommen und betrieben. (vgl. Vilt 1981, S. 178f)<br />
Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs wurde – genauso, wie die staatlichen vormals k.u.k-Strukturen – auch die Österreichische Gesellschaft vom Rothen Kreuze in mehrere nationale Rotkreuz-Gesellschaften aufgeteilt. Die Auseinandersetzungen über die Vermögensaufteilung dauerten einige Jahre. (vgl. Vilt 1981, S. 190–196)</p>
<h2><strong><em>Zwischenkriegszeit</em></strong></h2>
<p>Der Friedensvertrag von Saint Germain von 1919 schränkte auch das Hauptaufgabengebiet der ÖGvRK ein: In Folge des Verbots von jeglicher Kriegsvorbereitung war auch die Fürsorge für Verwundete im Felde und erkrankte Soldaten verboten, das Rote Kreuz musste sich daher auf andere Aufgaben konzentrieren, beispielsweise die Gesundheits- und Wohlfahrtspflege und der Rettungsdienst, die Hilfeleistung bei öffentlichen Notständen im In- und Ausland, die Zusammenarbeit mit anderen Trägern der freiwilligen Gesundheits- und Wohlfahrtspflege und das Österreichische Jugendrotkreuz, das 1922 gegründet wurde. (vgl. Vilt 1981, S. 199–200)<br />
In der Zwischenkriegszeit führte das Rote Kreuz weiterhin Rettungs- und Krankentransporte durch. Dabei wurde auf regionale und lokale Organisationen, also Freiwillige Feuerwehren, Freiwillige Rettungsgesellschaften oder Sport- und Kameradschaftsvereine zurückgegriffen, die als &#8220;Korporationsmitglieder&#8221; pauschal dem jeweiligen Landesverein des Roten Kreuzes beitreten konnten und damit ihre Selbstständigkeit bewahren und trotzdem mit den Gerätschaften des Roten Kreuzes und mit Rotkreuz-Armbinde tätig werden konnten. Dadurch konnte unter dem Zeichen des Roten Kreuzes nahezu flächendeckend ein rudimentärer Rettungsdienst und Krankentransporte angeboten werden. Die dabei tätigen Organisationseinheiten verstanden sich allerdings hauptsächlich lokal und eigenständig, ein Phänomen, das mancherorts bis heute zu finden ist. (vgl. Vilt 1981, S. 219)<br />
Im Rahmen der bürgerkriegsähnlichen Auseinandersetzungen in Ostösterreich im Juli 1927, die im Brand des Justizpalastes mündeten – die Polizei schoss damals auf die demonstrierenden Arbeiter (Berger 2007, S. 105–110) wurde auch in Österreich nach dem Vorbild der Deutschen Arbeiterschaft der Arbeitersamariterbund als Sektion des ASKÖ gegründet<sup><a name="8.1" href="#8">8</a></sup>, „da sich das bürgerliche Rote Kreuz weigerte, verletzten Arbeitern zu helfen.“ (ASBÖ Gruppe Floridsdorf-Donaustadt 2007)</p>
<h2><em><strong>Nazidiktatur und Eingliederung ins Deutsche Rote Kreuz</strong></em></h2>
<p>Ab 1938 wurde die ÖGvRK auf Initiative des geschäftsführenden Präsidenten des Deutschen Roten Kreuzes Ernst Robert Grawitz – er war gleichzeitig leitender SS-Arzt<sup><a name="9.1" href="#9">9</a></sup> &#8211; in das Deutsche Rote Kreuz (DRK) eingegliedert, welches analog zur Wehrmacht streng hierarchisch gegliedert und als der SS angegliederte Institution des verbrecherischen Regimes hauptsächlich kriegsunterstützend tätig war. Durch diese Eingliederung und Unterstellung wurde auch der Rettungsdienst und Krankentransport &#8211; die Hauptaufgabe der regionalen Rotkreuzdienststellen &#8211; nun vollständig durch das Rote Kreuz durchgeführt. (vgl. Vilt 1981, S. 241–246; Dempfer 2009, S. 56f)<br />
Die Übernahme ins DRK bewirkte auch die Modernisierung und den Aufbau flächendeckender Strukturen in der nunmehr als „Ostmark“ bezeichneten Region: die Organisation von Bereitschaften, die Errichtung von Krankenhäusern, Schwesternschulen, die Bereitstellung von Materialien und Bekleidung für das „Nationalsozialistische Sanitätskorps, auch wenn es sich mit Rücksicht auf die Genfer Konvention Deutsches Rotes Kreuz nennt“<sup><a name="10.1" href="#10">10</a></sup>. (Dempfer 2009, S. 58)<br />
Die Strukturen waren nunmehr nicht mehr eigenständige Organisationen mit Assoziation zum Roten Kreuz, sondern – oftmals unter Übernahme der davor eigenständigen Ressourcen &#8211; eine durchgehende paramilitärische Organisationsform mit vollständiger Eingliederung in die Luftschutz- und Militär-Einheiten des Regimes.<br />
Trotz der Struktur und seiner Nähe zum Regime waren die Aufgaben und Leistungen des Roten Kreuzes auch während des Krieges eine wichtige Unterstützung für die Zivilbevölkerung, wenn auch nicht alle Teile der Bevölkerung davon profitierten. Gerade die vielen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Rettungsdienst unterstützten die Bevölkerung und halfen – als Teil des Luftschutzes &#8211; nach den oft schweren Bombenangriffen mit, Verletzte zu versorgen. (vgl. Tesarek 2005, S. 03:15)</p>
<h2><strong><em>Der Neuanfang 1945</em></strong></h2>
<p>Die Rotkreuz-Arbeit im Rettungsdienst wurde von der Befreiung Österreichs durch die Alliierten nicht unterbrochen, gleich nach Kriegsende versuchten Rotkreuz-Mitarbeiter in allen Bundesländern die Strukturen von vor 1938 wiederherzustellen. So wurde das Österreichische Rote Kreuz bereits im November 1945 wieder provisorisch gegründet<sup><a name="11.1" href="#11">11</a></sup>. Gleiches gilt natürlich auch für die Landesverbände. (vgl. Vilt 1981, S. 247–250)<br />
Unabhängig von der rechtlichen Vereinsstruktur waren die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sofort wieder im Einsatz, um ihre Dienste als Rotkreuz-Schwestern oder -Sanitäter zu verrichten, in ganz Österreich war ja durch die letzten Kriegsmonate enorm viel zerstört worden, sehr viele Verletzte und Verwundete mussten ebenso noch versorgt werden. (vgl. Vilt 1981, S. 247–250)<br />
Der Rettungsdienst wurde auch nach dem Zweiten Weltkrieg weiter betrieben und ausgebaut. Standen in den ersten Jahren nach dem Krieg die Wiederherstellung der Infrastruktur und das Anschaffen von Fahrzeugen und Arbeitsgerät im Vordergrund, so änderten sich diese Bedürfnisse im Laufe der Zeit: Gegen Ende des 20. Jahrhunderts war die Flächendeckung und die rasche Verfügbarkeit von medizinischer Hilfe sehr wichtig – zahlreiche neue Dienststellen entstanden in ganz Österreich, um diese Eintreffzeiten zu verringern. Ein weiterer Meilenstein im Bereich des Rettungsdienstes war die Etablierung eines flächendeckenden Notarztsystems, das im Laufe der 1980er und 1990er Jahre errichtet wurde. (vgl. Vilt 1981, S. 272–278; Österreichisches Rotes Kreuz 2003)<br />
Auch der Bereich der Heimhilfe bzw. Hauskrankenpflege entstand im heutigen Sinne erst deutlich nach dem Zweiten Weltkrieg. War die Rotkreuz-Schwesternschaft – entstanden erst auf DRK-Initiative im Dritten Reich -  auch nach dem Kriege noch hauptsächlich im Bereich der „Fürsorge“, der Kinderhilfe, der Flüchtlingsfürsorge bzw. direkt in Krankenhäusern in der Versorgung von Erkrankten und Verletzten tätig, so wurde in den 1970er-Jahren dieser Bereich neu überdacht und in Form der „Gesundheits- und Sozialen Dienste“ restrukturiert: Hauskrankenpflege und Heimhilfe – also extramurale Leistungen – waren aufgrund des demographischen Wandels notwendig. Auch andere neue Dienstleistungen, wie beispielsweise „Essen auf Rädern“ wurden angeboten. (vgl. Vilt 1981, S. 284–288)</p>
<h2><em><strong>Das ÖRK heute</strong></em></h2>
<p>Das Österreichische Rote Kreuz ist mit seinen rund 5.000 hauptberuflichen und mehr als 45.000 freiwilligen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern Teil der Internationalen Rotkreuz- und Rothalbmond-Bewegung. (vgl. Österreichisches Rotes Kreuz 02.01.2009)<br />
Die weltweit gültigen Rotkreuz-Grundsätze<sup><a name="12.1" href="#12">12</a></sup> (Österreichisches Rotes Kreuz, 2008) definieren Unabhängigkeit und Unparteilichkeit als zentrale Leitlinien jeglicher Rotkreuz-Arbeit. Jede Nähe zu parteipolitischen oder religiösen Gemeinschaften wird daher abgelehnt.<br />
Die jährlich veröffentlichten Bilanzzahlen zeigen für das Jahr 2006 Gesamterlöse im Ausmaß von 446.199.000 Euro, die zu 64,86 % aus Kostenersätzen und Leistungserlösen, zu 11,25 % aus Spenden und Mitgliedsbeiträgen, sowie zu 23,89 % aus anderen Quellen stammen. Aufwandseitig sind der Rettungs- und Krankentransportdienst (59 %), der Blutspendedienst (18 %) und die Gesundheits- und Sozialen Dienste (17 %) die größten Posten. (vgl. Fraisl 2008)<br />
Insgesamt 48.4602 freiwillige Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, 5.497 und 3.384 Zivildienstleistende führt das Österreichische Rote Kreuz in seiner Bilanz an. Es ist damit wohl die größte private Sozialinstitution Österreichs. Vergleicht man die Mitarbeiterzahlen der vergangenen Jahre, so kann man eine deutlich steigende Tendenz, vor allem bei den Freiwilligen erkennen. (vgl. Fraisl 2008, S. 3)</p>
<h2><em><strong>Dienstleistungsangebote heute</strong></em></h2>
<p>Die Angebote an Dienstleistungen (Leistungsbereiche und Aufgaben vgl. Österreichisches Rotes Kreuz, 2009) des Roten Kreuzes sind umfangreich und können hier nicht umfassend dargestellt werden. Sie beginnen bei den bekanntesten Diensten im Rettungs- und Krankentransport und reichen im Gesundheits- und Sozialbereich von der extramuralen Pflege bis hin zu stationären und teilstationären Pflege- und Hospizeinrichtungen. Der Blutspendedienst ist ebenso Teil des Dienstleistungsangebots, wie das Österreichische Jugendrotkreuz oder der Bereich der Erste-Hilfe-Ausbildung, aber auch im Migrationsbereich gibt es Angebote. Genauso breit wie das Leistungsportfolio gestalten sich die unterschiedlichen Zielgruppen für die Dienstleistungen. Aufgrund des geschilderten Spektrums kann man getrost annehmen, dass das Rote Kreuz in Österreich den gesamten Lebensweg eines Menschen begleiten kann: Zur Geburt wird die Mutter mit dem Krankentransport des Roten Kreuzes in den Kreißsaal gebracht. Als Kind ist man mit dem Jugendrotkreuz konfrontiert, dann macht man für den Führerschein einen Erste-Hilfe-Kurs; vielleicht benötigt man einmal den Rettungsdienst, ist dann als pflegender Angehöriger mit den Beratungsleistungen bedient, um später selbst Klient für Pflege- und Betreuungsleistungen – vielleicht sogar in einer stationären Einrichtung zu werden.</p>
<h1><strong>Das Rote Kreuz in Niederösterreich</strong></h1>
<h2><strong><em>Die Anfangsjahr</em></strong>e</h2>
<p>Der Niederösterreichische Rotkreuz-Landesverband war eigentlich die Keimzelle für das Rote Kreuz im k.u.k. Reich. Der bestehende patriotische Hilfsverein für Niederösterreich wurde 1867 mit dem Zusatz „zugleich Landeshilfsverein vom Roten Kreuz in Niederösterreich“ benannt. (siehe dazu auch: Der Anfang, Seite 8). Erst 1880 folgte die Dachorganisation für alle Landesvereine als „Österreichische Gesellschaft vom Rothen Kreuze“ (vgl. Burger 1993, S. 48)<br />
Die Aufgaben der Landesvereine waren neben der Bereitstellung von sanitätsdienstlicher und humanitärer Unterstützung – vornehmlich für die Armeen – auch der Betrieb von Vereinsreservespitälern und Rekonvaleszentenhäusern, in NÖ gab es davon im Jahr 1913 drei Spitäler mit Ressourcen für 20 Offiziere und 900 Soldaten und sechs Rekonvaleszentenhäuser für in Summe 32 Offiziere und 165 Soldaten (vgl. Vilt 1981, S. 86–88).<br />
Die vornehmlich kriegsdienstlichen Aufgaben wurden ab der Jahrhundertwende auch um Unterstützungsleistungen für den zivilen Bereich, vornehmlich bei großen Unfällen, aber auch im Krankentransport ergänzt. Der Transport von Verletzten und Verwundeten im Hinterland erfolgte in Zusammenarbeit durch freiwillige Feuerwehren und Turnvereinen, die im Anlassfalle als Organe der Roten Kreuzes agierten. (vgl. Vilt 1981, S. 96)</p>
<h2><strong><em>Best Practice in Wiener Neustadt</em></strong></h2>
<p>Bereits 1900 wurde vom Roten Kreuz als praktischer Versuch im Bezirk Wiener Neustadt ein Verwundeten- und Krankentransportdienst mit zwei Standorten (in Wiener Neustadt und in Schwarzau) errichtet. Das beigestellte Sanitätsmaterial wurde von den Gemeindeärzten verwaltet, die auch die Ausbildung geeigneter Feuerwehrmänner in „Erster Hilfe“ übernahmen. Die Kosten wurden von Sponsoren und von den Gemeinden übernommen bzw. mittels „Fundraising“ erwirtschaftet. Dieser Leistungsbereich machte das Rote Kreuz in Wiener Neustadt<sup><a name="13.1" href="#13">13</a></sup> sehr populär, wie einem zeitgenössischen Bericht zu entnehmen war. (vgl. Vilt 1981, S. 125f)</p>
<h2><strong><em>Trennungsthese</em></strong></h2>
<p>In Niederösterreich gab es bereits sehr früh eine diesbezügliche vertragliche Vereinbarung zur Kooperation beim Rettungs- und Krankentransportdienst zwischen der Feuerwehr und dem Roten Kreuz, in dem sich die Feuerwehren verpflichteten, das Rote Kreuz zu unterstützen und die Rotkreuz-Idee zu verbreiten, dafür wurden Feuerwehrmitglieder vom Roten Kreuz ausgebildet. Rettungsstellen wurden vom Roten Kreuz errichtet und ausgestattet, die Feuerwehren stellten das Personal. Ausserdem konnten weitere Personen vom Roten Kreuz zusätzlich an den Standorten tätig werden, die nicht der Feuerwehr angehören mussten. Das waren dann oft auch Rotkreuz-Ärzte. Insgesamt waren bis 1937 in NÖ 4.083 „Rettungsmänner“ ausgebildet worden, die an 1.142 Rettungsstellen ihren Dienst versahen. (vgl. Vilt 1981, S. 220–222)<br />
Das Rote Kreuz &#8211; damals Verein des gehobenen Bildungsbürgertums und des Adels &#8211; übte in diese Dienststellen die Koordination und den „ärztlichen Dienst“ aus, während die Feuerwehr, bestehend vornehmlich aus dem niederen Bürgertum und den Bauern, die Mannschaft und die Kommandanten für die Mannschaft stellte. Dies stellt meiner Ansicht nach eine der Determinanten dar, die zu einer noch immer persistenten Segregation zwischen den Funktionären des Roten Kreuzes – die noch immer eher aus dem höheren Bürgertum kommen &#8211; auf der einen und den „diensttuenden“ Mannschaften auf der anderen Seite führt.</p>
<h2><strong><em>Die Neugründung nach dem Zweiten Weltkrieg</em></strong></h2>
<p>Für die Zeit bis zum Ersten Weltkrieg und die Zwischenkriegszeit gibt es für das Rote Kreuz in Niederösterreich in den vorhandenen Quellen keine für die soziologischen Betrachtungen im Anschluss relevanten Besonderheiten zu berichten, die nicht bereits in der allgemeinen Geschichte des Österreichischen Roten Kreuzes genannt wurden<sup><a name="14.1" href="#14">14</a></sup>.<br />
Wesentlich für das Verständnis des Feldes allerdings, ist die Entwicklung nach dem zweiten Weltkrieg. Die Wiedergründung des Landesverbandes erfolgte 1945 zunächst als Landesverband vom Roten Kreuz für Wien, Niederösterreich und das Burgenland. Dieser Landesverband wurde am Standort der Österreichischen Gesellschaft vom Roten Kreuzes in der Milchgasse in der Wiener Innenstadt errichtet<sup><a name="15.1" href="#15">15</a></sup>. Die Aufspaltung in unabhängige Landesorganisationen erfolgte erst viel später. Zuerst entkoppelte sich das Burgenland und erst viele Jahre später der Landesverband Wien.<br />
Besonderen Einfluss auf die Funktionärslandschaft, so berichtet Volkmar Burger in einer Festschrift aus dem Jahre 1993, hatte die Verbotsgesetzgebung nach der ehemalige NSDAP-Mitglieder und Nazi-Funktionäre in Österreich nicht als Funktionäre tätig sein durften. Im Jahr 1950 wurde daher Direktor<sup><a name="1.16" href="#16">16</a></sup> Ing. Friedrich Proksch zum so genannten „leitenden Beamten“ ernannt, eine Funktion, die später Landessekretär genannt wurde und heute dem Vorsitzenden der Geschäftsleitung als monokratisches Organ entspricht. (vgl. Burger 1993, S. 52)<br />
Die Funktion war nicht nur ein monokratisches Organ, sondern auch mit der Funktion des gewählten Landesrettungskommandanten junktimiert, was dazu führte, dass Ing. Proksch zum Vorgesetzten für den gesamten operativen Betrieb des NÖ Roten Kreuzes war. In Kombination mit Präsidenten, die ihre statutarische Macht als gewähltes oberstes Organ des Vereins nicht wahrnahmen, konnte der Landessekretär auch sämtliches Wissen über die Organisation in Anspruch nehmen und als ihr Außenvertreter nahezu uneingeschränkt auftreten. Die regionalen Bezirksstellenleiter waren zu jener Zeit nämlich vom Präsidium eingesetzt und waren daher auf das Wohlwollen der Landesverbandsführung angewiesen. Sein zentralistischer und autoritärer Führungsstil, den er ohne Kompromisse durchsetzte, stieß zwar vielerorts immer mehr auf Ablehnungen, seine Anordnungen wurden trotzdem in ganz Niederösterreich bis zu seiner Demission im Jahr 1982 befolgt und umgesetzt. (vgl. Burger 1993, S. 52)</p>
<h2><strong><em>Lokale Demokratisierung</em></strong></h2>
<p>In den 1970er-Jahren wurden – für den Bereich der Bezirksstellen Niederösterreichs &#8211; demokratischere Statuten beschlossen, die Bezirksstellen führten von nun an Wahlen durch. Auf Landesebene änderte sich nichts.<br />
Regionale Gemeindevertreter und Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens wurden in die so genannten Bezirksstellenausschüsse gewählt, auch Vertreter der Mannschaft und Rechnungsprüfer wurden in die Ausschüsse gewählt. Die Bezirksstellenleiter wurden zwar weiterhin zentral bestellt – die Zustimmung des gewählten Ausschusses war allerdings zur Bestellung nötig.<br />
Der nächste Demokratisierungsschritt für die regionalen Dienststellen wurde mit den nächsten Statuten im Jahr 1976 absolviert: Nunmehr wurden auch die Funktionäre, also Bezirksstellenleiter und seine Stellvertreter, Schriftführer und Kassier für jede Bezirksstelle gewählt, auch die Mannschaftsoffiziere, das so genannte Kommando war zu wählen. Diese Demokratisierung führte – da die Wahl an keine Ausbildungserfordernisse geknüpft war &#8211; zunächst oftmals dazu, dass jene Mitarbeiter zu Kommandanten wurden, die in der Mannschaft am beliebtesten waren, oftmals durch intensives Beistellen verschiedenster lokaler Alkoholika bei den Mannschaftsversammlungen. „Bierkistlkommandanten“ nennt sie Burger (vgl. Burger 1993, S. 52–53) in seinem Beitrag zur historischen Entwicklung des NÖ Roten Kreuzes: „Da sich die Wahl der Offiziere nicht bewährte, wurde sie 1981 wieder abgeschafft, dafür wurde die Offiziersausbildung obligatorisch.“ (Burger 1993, S. 53)</p>
<h2><strong><em> Nach Jahrzehnten der Wandel</em></strong></h2>
<p>Im Bereich des Landesverbandes, der in Wien IX in der Peregringasse residierte, änderte sich trotz Demokratisierung an der Basis bis in die 1980er-Jahre wenig. Dafür war der darauf folgende Wandel um so nachhaltiger.<br />
Eine zentrale Figur, Direktor Ingenieur Proksch hielt alle Zügel fest in der Hand: Landessekretär und Landesrettungskommandant. In den 1980er Jahren begannen sich immer mehr Bezirksstellen gegen die autoritäre und zentralistische Führung zur Wehr zu setzten. Schließlich trat auch der Präsident Obermedizinalrat Dr. Ernst Wechtl, ein praktischer Arzt aus Aspang im südlichen Niederösterreich 1982 zurück, gleiches tat der Vizepräsident Minister Otto Rösch. Damit war im Landesverband nur mehr ein Akteur tätig, der nun versuchte, alles an sich zu reißen: Ing. Friedrich Proksch ließ sich zur Generalversammlung am 22. September 1982 zur Wahl als Präsident des Landesverbandes aufstellen, wurde allerdings von den Delegierten aus den Bezirksstellen, die sich endlich demokratisch gegen den zentralistischen Kurs wehren konnten, nicht gewählt. Enttäuscht legte er bald darauf die Funktion des Landesrettungskommandanten zurück und mit Jahresende 1982 schied er auch als leitender Angestellter aus dem Rotkreuz-Landesverband aus. (vgl. Burger 1993, S. 53)</p>
<p><strong><em>Zentral, dezentral, föderal?</em></strong><br />
Nach der Eskalation um die Nicht-Wahl von Ing. Proksch zum Präsidenten wurden viele Gespräche mit möglichen Kandidaten um das Amt des Präsidenten geführt. Der Landespolitiker und Klubobmann der ÖVP im NÖ Landtag Ing. Hans Kellner war seit einigen Jahren auch Rotkreuz-Bezirksstellenleiter der kleinen Bezirksstelle Atzenbrugg-Heiligeneich im Tullnerfeld und wurde immer wieder als potentieller Kandidat genannt. (vgl. Wallner 1999, S. 56)</p>
<p>Kellner war bereits seit 1971 auch als Vizepräsident im NÖ Roten Kreuz tätig, eine Funktion die lediglich auf dem Papier bestand. In der Krise trafen sich viele Bezirkshauptleute, die oftmals in Personalunion auch Bezirksstellenleiter im Roten Kreuz waren<sup><a name="17.1" href="#17">17</a></sup> im Büro des Klubobmannes, um Lösungen in der Krise zu finden. Man ersuchte Kellner, die Funktion des Präsidenten zu übernehmen. (vgl. Lechner 1999, S. 49–50)<br />
Ing. Hans Kellner stellte sich der Wahl und wurde mit überwältigender Mehrheit gewählt. Er übernahm daher als gewählter Präsident die oberste Führung des NÖ Rotkreuz-Landesverbands, als leitender Angestellter wurde der vormalige Bezirkssekretär von Gänserndorf Christian Czink beschäftigt und in die Funktion des Landesrettungskommandanten wurde der Mödlinger Rotkreuz-Bezirksstellenleiter und Stadtrat Ing. Volkmar Burger gewählt. (vgl. Burger 1993, S. 53)<br />
Mit diesem kompletten Wechsel an der Spitze der Organisation veränderten sich auch die Strukturen und die Spielregeln im Feld. Kellner, der als Landwirtschaftslehrer das Bundesland Niederösterreich mit seinen stark rural geprägten Regionen hervorragend kannte, war auch ein geschickter und erfahrener Politiker, der gar kein Interesse an zentraler Machtausübung hatte. Die Machtstrukturen veränderten sich schlagartig, durch die abrupt endende Zentralmacht. Auf einmal waren die Bezirksstellen mit eigener Finanzmacht ausgestattet und föderal selbst für ihren operativen Betrieb verantwortlich. Was sich natürlich nicht änderte war die Struktur innerhalb der Bezirksstellen. Die Zentralmacht wurde lediglich von einer Person auf 56 – allerdings demokratisch gewählte &#8211; Personen in Niederösterreich verteilt.<br />
Die Aufgaben des Landesverbandes wandelten sich von der Führung in Richtung Steuerung und Richtlinienvorgaben, wobei der Fokus im Laufe der Präsidentschaft Kellners in Richtung föderaler und dezentraler Machtausübung lag. (Siehe dazu Organisationsstruktur des NÖ Roten Kreuzes).<br />
Durch die fehlende zentrale Koordination – der Landessekretär war hinsichtlich zentraler Steuerung ähnlicher Ansicht, wie der Präsident &#8211; wanderte das Pendel vom monokratisch und zentral geführtem Bürokratiemodell Anfang der 1980er hin zum nahezu unsteuerbaren und dezentralen Modell, wie es besonders deutlich bis in die 1990er-Jahre bestand. Erst langsam, hauptsächlich bewirkt durch ökonomischen Druck, unterstützt durch verschiedene Organisationsentwicklungsversuche, bewegt sich das Gesamtsystem langsam wieder in Richtung koordiniertem Gesamtverband.<br />
Aufgrund der Etablierung von St. Pölten zur eigenen Hauptstadt für das Bundesland Niederösterreich in den 1980er-Jahren war es der NÖ Landesregierung ein Anliegen, auch alle Niederösterreichischen Zentralen unterschiedlicher Organisationen weg von Wien zu bringen: „Für alle Hilfsorganisationen ist als Standort die Stadt Tulln vorgesehen. 1993 war der Neubau des Verwaltungsgebäudes und des Schulungsgebäudes fertig gestellt und der Landesverband zog um.“ (Österreichisches Rotes Kreuz, Landesverband Niederösterreich 2009)</p>
<h2><em><strong> Ins neue Jahrtausend</strong></em><sup><a name="18.1" href="#18">18</a></sup></h2>
<p>Aufgrund verschiedener nicht näher erläuterbarer Vorkommnisse trennte sich der Landesverband im Jahre 1998 vom leitenden Angestellten Christian Czink, eine Dreier-Geschäftsleitung als Kollegialorgan wurde eingerichtet, deren Mitglieder bereits davor mittlere Managementaufgaben im NÖ Roten Kreuz hatten. Das waren Gerhard Wessely als „Sprecher der Geschäftsleitung“, der bereits seit vielen Jahren die Ausbildung (damals die größte Abteilung im Landesverband) leitete, Maria Knöpfl, die langjährige Leiterin der Buchhaltungsabteilung und Carl-Heinz Langer, der davor viele Jahre als Leiter des operativen Rettungsdienstes tätig war.<br />
Um die Nachfolge von Ing. Kellner bewarben sich zwei Funktionäre, die beide lange Zeit im Arbeitsausschuss waren. Auf der einen Seite der damalige Landesrettungskommandant Ing. Volkmar Burger und andererseits der damalige Vizepräsident Hadmar Lechner. Burger war ein Bauingenieur aus dem Bezirk Mödling, südlich von Wien, wo er auch selbst seit vielen Jahren Bezirksstellenleiter war. Auch sein politisches Engagement als langjähriger ÖVP-Finanzstadtrat in Mödling war bekannt. Mit der Kandidatur zum Präsidenten legte Burger seine Funktion als Landesrettungskommandanten nieder und schlug der Generalversammlung auch seinen Nachfolger zur Wahl vor: Ing. Friedrich Eigenschink, der auch gewählt wurde und diese Funktion bis heute inne hat. Die Generalversammlung wählte Hadmar Lechner zum Präsidenten; Hofrat, Verwaltungsjurist und Bezirksstellenleiter der Bezirksstelle Melk an der Donau und als Bezirkshauptmann auch im niederösterreichischen politischen Netzwerk bekannt und verankert.<br />
Sein Nachfolger als Vizepräsident wurde der ehemalige Nationlaratsabgeordnete aus dem Waldviertel, Ökonomierat Willibald Sauer, der inzwischen selbst Präsident des Roten Kreuzes, Landesverband Niederösterreich ist.<br />
Im Jahr 2003 gab es erneut eine Änderung in der Geschäftsleitung. Carl-Heinz Langer übernahm die Position des Geschäftsführers, die bis dahin eingerichtete kollegiale Leitung wurde wieder durch eine monokratische Führung ersetzt.<sup><a name="19.1" href="#19">19</a></sup></p>
<h2><em><strong> Die Causa LEBIG<sup><a name="20.1" href="#20">20</a></sup></strong></em></h2>
<p>Im Oktober 2001 präsentierte das Land NÖ eine Analyse, die vorschlug, die so genannten Leitstellen zu reorganisieren. Das sind die Organisationseinheiten, die die Notrufe und Anrufe entgegen nehmen und die Fahrzeuge des Rettungs- und Krankentransportes koordinieren. Zu diesem Zeitpunkt gab es in NÖ mehr als 90 Leitstellen, beim Roten Kreuz deutlich über 50. Die Funktionärsgremien beschlossen daher eine Restrukturierung, die sich aufgrund der bestehenden Organisationsverhältnisse nur durch eine Herauslösung der bestehenden Leitstellen in ein neues „Shared Service“ durchführen ließ.<br />
„Am 5. März 2003 wurde die LEBIG (Leitstellen-Entwicklungs, -betriebs- und -integrationsgesellschaft mbH) offiziell gegründet.&#8221; (144 NOTRUF NÖ GMBH 2008)<br />
Diese Gesellschaft – zunächst im Eigentum des Roten Kreuzes und später mit dem Christophorus-Flugrettungsverein, dem Betreiber der ÖAMTC-Notarzthubschrauber und dam NÖ Arbeitersamariterbund als Minderheitsgesellschafter – übernahm auch einen Großteil der angestellten Leitstellenmitarbeiterinnen und -mitarbeiter. Durch die Herauslösung des Personals aus dem Betrieb wurden allerdings auch die laufenden Kosten explizit, die bis dahin als allgemeine Verwaltungsgemeinkosten nicht weiter auffielen. Diese wurden daher &#8211; kalkuliert auf den einzelnen vermittelten Auftrag &#8211; den Dienststellen verrechnet. Zudem wurde in moderne Infrastruktur im IT und Telekommunikationsbereich investiert und ein landesweites Qualitätsmanagement eingeführt, was zu einer zusätzlichen Erhöhung der laufenden Betriebskosten geführt hat. Gleichzeitig verloren die regionalen Führungskräfte den direkten Zugriff auf die Leitstellen, die die zentralen Regelungs- und Steuerungsinstrumente für den Rettungs- und Krankentransportdienst sind.<br />
Aufgrund der gestiegenen laufenden Kosten und der Tatsache, dass die Infrastrukturinvestments auch eine Finanzierungslücke hinterließen, versuchten viele Funktionäre, die Verantwortung und vor allem die Kosten an der LEBIG abzutreten. Das Land Niederösterreich übernahm daher im Juni 2004 nach einigen Verhandlungen gleichzeitig mit der Finanzierung des Systems auch die Mehrheitseigentümerrechte an der Gesellschaft und die Rettungsdienstorganisationen haben dort nur mehr eine Sperrminorität. Durch diese Übernahme wurden die laufenden Betriebskosten für die Bezirksstellen selbst gesenkt – allerdings gab man damit auch das Steuerungsinstrument für den Rettungsdienst und Krankentransport in Niederösterreich aus der Hand.</p>
<h1><em><strong> Nachsatz</strong></em></h1>
<p>Der Textteil zur Geschichte des Roten Kreuzes in Niederösterreich seit dem Zweiten Weltkrieg stützt sich zum größten Teil auf sehr wenige Quellen. Die Autoren dieser Quellen waren zumeist selbst Organwalter der höchsten Führung des NÖ Roten Kreuzes, daher kann man die Historie in dieser Form auch als „Teil der feldspezifischen Illusio“ zur Gestaltung einer organisationsspezifischen Realität bezeichnen.<br />
Speziell die Interpretation der Tätigkeiten des ehemaligen Landessekretärs und Landesrettungskommandanten Proksch sind in diesen Quellen extrem einseitig geschildert. Bedenkt man, dass beispielsweise Volkmar Burger unter Proksch Teil der jungen „Häresie“ im Feld war und nach dessen Fall in die Orthodoxie aufstieg, so wird auch dieses Abschließen mit dem Paradigmenwechsel und die Negation der vorigen Führungskräfte unter Euphemisierung der eigenen Leistungen im Rahmen des organisationalen Wandels durchaus nachvollziehbar.<br />
Gerade hinsichtlich der Niederösterreichischen Rotkreuz-Geschichte nach dem Zweiten Weltkrieg wäre eine eigene quellenbasierte Studie sinnvoll und angebracht, zumal die Akteure der ersten Stunde nach der Absetzung von Ing. Proksch inzwischen verstorben sind und auch die zweite Generation der Führungskräfte danach inzwischen in der Reserve ist und ein abgeklärter &#8211; vielleicht objektiverer – Blick auf die damaligen Entwicklungen nunmehr leichter fällt.</p>
<h1>Literaturverzeichnis</h1>
<ul>
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<li> <strong>ASBÖ Gruppe Floridsdorf-Donaustadt</strong> (2007): Die Geschichte des Arbeiter-Samariter-Bundes Österreichs. Arbeitersamariterbund Österreichs. Online verfügbar unter <a href="http://www.samariter.at/ueber_uns/ueber_uns_detail/article/die-geschichte-des-arbeiter-samariter-bundes-oesterreichs/">http://www.samariter.at/ueber_uns/ueber_uns_detail/article/die-geschichte-des-arbeiter-samariter-bundes-oesterreichs/</a>/86/?cHash=6f40eed1ee, zuletzt aktualisiert am 15.10.2007, zuletzt geprüft am 01. Jänner 2009.</li>
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<li> <strong>International Federation of Red Cross and Red Crescent Societies</strong>: Handbook for Delegates (1997). Geneva: International Federation of Red Cross and Red Crescent Societies.</li>
<li> <strong>Kübler, Arnold </strong>(2001): Henri Dunant, die Schlacht bei Solferino und die Anfänge des Roten Kreuzes. In: Enzensberger, Hans Magnus (Hg.): Krieger ohne Waffen. Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz. Limitierte Erstausg., 1. &#8211; 8. Tsd. Frankfurt am Main: Eichborn (Die andere Bibliothek, Bd. 196), S. 53–64.</li>
<li> <strong>Ladurner, Ulrich</strong> (2009): Solferino. Kleine Geschichte eines großen Schauplatzes. St. Pölten: Residenz-Verl.</li>
<li><strong> Lechner, Hadmar</strong> (1999): Begegnung mit Hans Kellner. In: Lechner, Hadmar (Hrg ). (Hg.): Hans Kellner. Ein Leben für die Gemeinschaft. Festschrift zum 70. Geburtstag. Tulln: Eigenverlag, S. 48–55.</li>
<li> <strong>Levathes, Louise</strong> (1981): The American Red Cross: A Century of Service. In: National Geographic, Jg. 159, H. 6, S. 777–792.</li>
<li> <strong>Müller, Peter</strong> (1975): An der Front der Menschlichkeit. Das Rote Kreuz heute. Graz: Stocker.</li>
<li> <strong>Nobel, Peter</strong> (2001): Alfred Bernhard Nobel and the Peace Prize. In: International Review of the Red Cross, H. 842, S. 259–273.</li>
<li> <strong>Österreichisches Rotes Kreuz</strong> (2002): Das Rote Kreuz. Weltweit und in Österreich. Wien: Österreichisches Rotes Kreuz.</li>
<li> <strong>Österreichisches Rotes Kreuz</strong> (2003): Ehrenkreuz für Treichl. Österreichisches Rotes Kreuz. Online verfügbar unter <a href="http://old.roteskreuz.at/1227.html">http://old.roteskreuz.at/1227.html</a>, zuletzt aktualisiert am 20.10.2003, zuletzt geprüft am 02. Jänner 2009.</li>
<li> <strong>Österreichisches Rotes Kreuz</strong> (2008): Rotes Kreuz: Die 7 Grundsätze. Österreichisches Rotes Kreuz. Online verfügbar unter <a href="http://www.roteskreuz.at/organisieren/organisation/wer-wir-sind/allgemeine-grundlagen/die-rotkreuz-grundsaetze/die-7-grundsaetze/">http://www.roteskreuz.at/organisieren/organisation/wer-wir-sind/allgemeine-grundlagen/die-rotkreuz-grundsaetze/die-7-grundsaetze/</a>, zuletzt aktualisiert am 29.05.2008, zuletzt geprüft am 02. Jänner 2009.</li>
<li> <strong>Österreichisches Rotes Kreuz</strong> (2009): Rotes Kreuz: Struktur &amp; Organisation. Österreichisches Rotes Kreuz. Online verfügbar unter <a href="http://www.roteskreuz.at/organisieren/organisation/struktur-organisation/">http://www.roteskreuz.at/organisieren/organisation/struktur-organisation/</a>, zuletzt aktualisiert am 02.01.2009, zuletzt geprüft am 02. Jänner 2009.</li>
<li> <strong>Österreichisches Rotes Kreuz, Landesverband Niederösterreich</strong> (2009): Rotes Kreuz Niederösterreich: Die Geschichte des Roten Kreuzes. Österreichisches Rotes Kreuz, Landesverband Niederösterreich. Online verfügbar unter <a href="http://www.roteskreuz.at/noe/organisieren/organisation/wer-wir-sind/die-geschichte-des-roten-kreuzes/">http://www.roteskreuz.at/noe/organisieren/organisation/wer-wir-sind/die-geschichte-des-roten-kreuzes/</a>, zuletzt aktualisiert am 20.03.2009, zuletzt geprüft am 21. Juli 2009.</li>
<li> <strong>Planta, Martin von</strong> (2007): Jean-Henri Dunant. The Founder of the Red Cross organisation. In: Resuscitation, H. 73, S. 8–11.</li>
<li> <strong>Tesarek, Paul</strong> (2005): Das Österreichische Rote Kreuz. Geschichte und Gegenwart. Kurzfassung der Österreichbild-Dokumentation von Mai 2005. Weitere Beteiligte: Tesarek, Paul; Czech Gerald (Red.). DVD. Wien: ORF und Österreichisches Rotes Kreuz.</li>
<li> <strong>Vilt, Walter</strong> (1981): Die Entwicklung der Österreichischen Gesellschaft vom Roten Kreuz von den Anfängen bis in die Gegenwart. Dissertation. Betreut von Univ. Prof. Dr. Ernst Bruckmüller. Wien. Universität Wien, geisteswissenschaftliche Fakultät.</li>
<li> <strong>Wallner, Franz </strong>(1999): Wir wurden nicht enttäuscht! In: Lechner, Hadmar (Hrg ). (Hg.): Hans Kellner. Ein Leben für die Gemeinschaft. Festschrift zum 70. Geburtstag. Tulln: Eigenverlag, S. 56–59.</li>
<li> <strong>Wicke, Markus </strong>(2002): SS und DRK. Das Präsidium des Deutschen Roten Kreuzes im nationalsozialistischen Herrschaftssystem 1937 &#8211; 1945. Potsdam: Vicia.</li>
</ul>
<h1>Fussnoten</h1>
<p><a name="1">1</a> Dunant finanzierte und verlegte die erste Auflage von 1.600 Stück selbst, weil er das Buch nie in den Verkauf bringen wollte (vgl. Österreichisches Rotes Kreuz 2002, S. 15)<br />
<a href="#1.1">zurück</a><br />
<a name="2">2</a> So gründete er beispielsweise – bereits 1852 &#8211; in Genf auch den Schweizer Ableger des Vereins Christlicher Junger Männer.<br />
<a href="#2.1">zurück</a><br />
<a name="3">3</a> Insgesamt &#8211; Dunants Preis eingerechnet &#8211; erhielt das Rote Kreuz vier mal den Friedensnobelpreis: 1901 (Henry Dunant), 1917 (IKRK), 1944 (IKRK), 1963 (IKRK und Internationale Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmond-Gesellschaften). (vgl. Durand 2001, S. 285)<br />
<a href="#3.1">zurück</a><br />
<a name="4">4</a> In den Statuten des Völkerbundes fand sich auch ein Verweis auf die Liga und ihre Aufgaben. Österreichisches Rotes Kreuz 2002, S. 23<br />
<a href="#4.1">zurück</a><br />
<a name="5">5</a> Vilt geht davon aus, dass dies aufgrund der „Neutralisierung“ der Sanitätsdienste im Abkommen entschieden wurde.<br />
<a href="#5.1">zurück</a><br />
<a name="6">6</a> Damit kam es zur interessanten Situation, dass der Niederösterreichische Landesverband 13 Jahre älter ist, als die Dachorganisation.<br />
<a href="#6.1">zurück</a><br />
<a name="7">7</a> Daraus ergab sich offenbar die für Österreich (und auch Deutschland) spezifische Eigenschaft der Rotkreuz-Organisation als Uniform- und Distinktionstragende Organisation, wie das im Rest der Welt für Rotkreuz-MitarbeiterInnen nicht üblich ist. Ein weiteres Element dürfte die Regimenähe im Dritten Reich gewesen sein (s.u.).<br />
<a href="#7.1">zurück</a><br />
<a name="8">8</a> Das ist fast 40 Jahre später, als in Deutschland, wo in Berlin bereits 1888 der Samariterbund entstand. Arbeiter-Samariter-Bund Deutschland o.J.<br />
<a href="#8.1">zurück</a><br />
<a name="9">9</a> Zudem war Grawitz für die Annäherung des Deutschen Roten Kreuzes an die SS verantwortlich und er ordnete Menschenversuche in den Vernichtungslagern an. (vgl. Wicke 2002, S. 36–41)<br />
<a href="#9.1">zurück</a><br />
<a name="10">10</a> So zitiert Dempfer Dempfer 2009, S. 56 einen deutschen Rotkreuz-Funktionär (nach Morgenbrod, Birgitt; Merkenich, Stefan (2008):Das Deutsche Rote Kreuz unter der NS-Diktatur 1933-1945)<br />
<a href="#10.1">zurück</a><br />
<a name="11">11</a> Allerdings waren auch viele der vor 1938 verantwortlichen Funktionäre und Mitarbeiter aufgrund der Gräueltaten im Nazi-Regime und der anschließenden „Gleichschaltung“ ermordet oder vertrieben worden. Ein Umstand, der für viele Österreichische Organisationen nach dem zweiten Weltkrieg gleich war, jedoch nirgendwo wirklich als relevant beachtet wurde.<br />
<a href="#11.1">zurück</a><br />
<a name="12">12</a> Diese wurden im Jahr 1965 auf einer internationalen Rotkreuz-Konferenz in der Wiener Hofburg beschlossen und gelten seit dem weltweit.<br />
<a href="#12.1">zurück</a><br />
<a name="13">13</a> Die Rotkreuz-Bezirksstelle in Wiener Neustadt ist auch heute noch eine der größten und leistungsfähigsten des Roten Kreuzes in Niederösterreich. Zahlreiche Innovationen und Leistungsbereiche wurden für Niederösterreich dort entwickelt. (Beispielsweise Trinkwasseraufbereitung oder die Hundestaffeln)<br />
<a href="#13.1">zurück</a><br />
<a name="14">14</a> siehe dazu die Kapitel Der Erste Weltkrieg Seite 10, Zwischenkriegszeit Seite 10 und Nazidiktatur und Eingliederung ins Deutsche Rote Kreuz Seite 11<br />
<a href="#14.1">zurück</a><br />
<a name="15">15</a> Auswirkungen dieser anachronistischen Zusammenfassung verschiedener Organisationsebenen und Einheiten in einem gemeinsamen Verein bestehen bis heute, zum Beispiel in der vom Generalsekretariat verwalteten „Sonderorganisationseinheit“ der Blutspendezentrale für Wien, Niederösterreich und das Burgenland.<br />
<a href="#15.1">zurück</a><br />
<a name="16">16</a> Ein im Roten Kreuz noch immer verwendeter Amtstitel für die leitenden Angestellten der Landesverbände, der in früherer Zeit auch dem Chef des Bildungszentrums und der Blutspendezentrale zustand.<br />
<a href="#16.1">zurück</a><br />
<a name="17">17</a> Es gab früher zahlreiche Bezirke, wo man als Bezirkshaupmann nahezu „automatisch“ auch Bezirksstellenleiter beim Roten Kreuz wurde, das Amt war sozusagen in „Erbpacht“ für den jeweiligen Hofrat reserviert.<br />
<a href="#17.1">zurück</a><br />
<a name="18">18</a> Ab hier schildere ich die Geschichte des Roten Kreuzes in Niederösterreich zum größten Teil nicht mehr Quellengestützt, sondern aus meiner persönlichen Erinnerung. Ich war ab 1996 im NÖ Rotkreuz-Landesverband zunächst als Zivildienstleistender und ab Februar 2007 als Angestellter mit Verantwortung für die Pressearbeit und das Marketing tätig.<br />
<a href="#18.1">zurück</a><br />
<a name="19">19</a> Ich beende an dieser Stelle die Chronologie der Geschichte des NÖ Roten Kreuzes, zumal jüngere Ereignisse noch zu präsent sind, um diese aus der historischen Perspektive betrachten zu können.<br />
<a href="#19.1">zurück</a><br />
<a name="20">20</a> Diese eine Causa ist deswegen von Relevanz, weil die Meinungen pro oder contra Verkauf der LEBIG-Anteile an das Land Niederösterreich noch immer Gegenstand verschiedener Auseinandersetzungen im Feld des NÖ Roten Kreuzes sind, oder zumindest in manchem Konflikt mitschwingen. Natürlich gibt es in dieser Causa auch eine parteipolitische Komponente, die ich mangels neutraler Perspektive aber Außen vor lasse.<br />
<a href="#20.1">zurück</a></p><img src="http://blog.roteskreuz.at/sociologist/?ak_action=api_record_view&id=167&type=feed" alt="" />]]></content:encoded>
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		<title>Interne Herausforderungen für Web2.0 in NPOs</title>
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		<pubDate>Wed, 25 Nov 2009 11:31:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Gerald Czech</dc:creator>
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		<description><![CDATA[In der 12. Runde der NPO-Blogparade fragt Katrin Kiefer nach den internen Herausforderungen für NPOs, wenn diese Social Media erfolgreich einsetzen wollen.
Ich denke – und bevor ich in medias res gehen möchte, sollte ich das Feld noch ein wenig beschreiben – dass man hier NPOs selbst nicht so über einen Kamm scheren kann. Je nach [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>In der 12. Runde der <a href="http://netzwerkpr.de/index.php/2009/11/12-runde-der-npo-blogparade/">NPO-Blogparade</a> fragt Katrin Kiefer nach den internen Herausforderungen für NPOs, wenn diese Social Media erfolgreich einsetzen wollen.</p>
<p>Ich denke – und bevor ich in medias res gehen möchte, sollte ich das Feld noch ein wenig beschreiben – dass man hier NPOs selbst nicht so über einen Kamm scheren kann. Je nach höherem Ziel der Organisation, dies kann im tatsächlichen operativen Bereich sein –  beispielsweise bedürftige Menschen direkt oder indirekt zu unterstützen  – oder im ideellen–beispielsweise eine Idee zu verbreiten  – sollten die Herangehensweisen an das Thema Medien und Kommunikation nach außen schon unterschiedlich sein; analoges gilt daher meiner Meinung nach auch für Social Media.</p>
<p>Ist Kommunikation eines ideellen Wertes das eigentliche Ziel, so ist der Zugang zu partizipativen Medien näherliegend, da diese Technik die Mission eher unterstützt, als behindert. Anders sieht es bei „produktiven“ NPOs aus,  bei denen vielfach passieren kann, dass die Kommunikation, speziell wenn es um partizipative Konzepte wie Social Media geht, beginnt, mit den operativen Strukturen der Organisation zu interagieren, wenn sozusagen die Crowd beginnt, das operative Handeln mitgestalten zu wollen. Dann nämlich werden die Grenzen zwischen dem Organisationsinnerem und der Umwelt aufgelöst, ein Angriff auf die Integrität des Systems, werden manche Organisationsmitglieder empfinden und daher dagegen sein.</p>
<p>Gerade die Binnenorganisation einer NPO differiert zwischen den verschiedenen Playern in diesem Feld. Je nach Geschichte und Genese, nach Ziel und Mission kann es sich um lose Föderationen von lokalen Einheiten handeln, oder streng zentralistische Strukturen. Es können Organisationsformen gefunden werden, die sehr grassroot-based sind, oder solche mit autokratischer zentraler Steuerung. Natürlich ist auch jede Ausprägung dazwischen möglich.</p>
<p>Da sich ehrliches Social Media Engagement auch mit diesen Organisations- und Entscheidungsstrukturen beschäftigen muss, gibt es aus meiner Sicht Organisationsformen, die mit dieser Art der Partizipation leichter umgehen können, als andere, Gerade das <a href="http://sozwiki.de/wiki/index.php?title=B%C3%BCrokratie-Theorie_der_Organisation">Bürokratiemodell Max Webers</a>, der einst das „stahlharte Gehäuse der Hörigkeit“ beschrieben hat, ist mit multidirektionalen Netzwerkartigen Organisationsformen der Social Media nicht kompatibel. Innerorganisatorische soziale Modelle, die Seniorität und Distinktion von Organisationsmitgliedern kennen, also nach dem bürokratischen Modell funktionieren brauchen mit Sicherheit ganz andere Ideen zur Implementation kompetenter Social Media Konzepte, als dies kleinere Organisationen benötigen, oder solche mit generisch netzwerkartiger Struktur.</p>
<p>Was in jedem Fall eine Herausforderung darstellt, ist der „digital divide“ innerhalb von NPOs. Oftmals sind Führungskräfte und Entscheidungsträger zwar Nutzer von Social Media (<a href="http://www.gfk.at/public_relations/pressreleases/articles/004917/index.de.html">zumindest wenn man den neuesten Studien Glauben schenken mag</a>), sehen aber die Implemantation in die Kommunikationsstrategie nicht prioritär und verstehen nicht, das mit der Implementierung derartiger Methoden auch ein Organisational Shift im Sinne einer Organisationsentwicklung einher geht.</p>
<p>Einige der wesentlichen Erfolgsfaktoren zur Web2.0 Implementation hat McKinsey einmal basierend auf Manager-Befragungen im PO-Bereich publiziert. Ich habe dazu im <a href="../../../../../../redcrosswebmaster/2009/02/19/kritische-erfolgsfaktoren-fur-web20-implementationen/">Februar gebloggt.</a> Ich denke, das diese Faktoren auch für NPOs durchaus von Bedeutung sind, wenn auch die Prioritäten vielleicht anders gewählt werden müssen.</p><img src="http://blog.roteskreuz.at/sociologist/?ak_action=api_record_view&id=163&type=feed" alt="" />]]></content:encoded>
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		</item>
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		<title>Zusammenfassung: Integrierte Kommunikationsstrategien für jugendliche Zielgruppen</title>
		<link>http://blog.roteskreuz.at/sociologist/2009/09/25/zusammenfassung-integrierte-kommunikationsstrategien-fur-jugendliche-zielgruppen/</link>
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		<pubDate>Fri, 25 Sep 2009 13:08:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Gerald Czech</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Viel Wasser ist die Donau heruntergeronnen, seit dem ich am 22. Juli 2009 das Thema der NPO-Blogparade angestoßen habe (NPO-Blogparade).  Zuerst wurde die Frist zur Teilnahme verlängert und dann hat mich die beinharte Realität wieder eingeholt, was heißt, dass ich arbeitmässig ziemlich eingedeckt war. Daher möchte ich mich vorab einmal für die Verzögerung in der [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Viel Wasser ist die <a href="http://www.doris.bmvit.gv.at/pegel/pegelstaende/wildungsmauer/">Donau</a> heruntergeronnen, seit dem ich am 22. Juli 2009 das <a href="../../../../../2009/07/22/integrierte-kommunikationsstrategien-fur-jugendliche-zielgruppen/">Thema der NPO-Blogparade angestoßen habe</a> (<a href="http://npoblogparade.wordpress.com/2009/07/22/npo-blogparade-10-runde-gestartet/">NPO-Blogparade</a>).  Zuerst wurde die Frist zur Teilnahme verlängert und dann hat mich die beinharte Realität wieder eingeholt, was heißt, dass ich arbeitmässig ziemlich eingedeckt war. Daher möchte ich mich vorab einmal für die Verzögerung in der Aufarbeitung entschuldigen: mea culpa, mea culpa, mea maxima culpa.</p>
<p>But now for something completely different.<strong> Zunächst einmal Danke für die vielen Inputs</strong>. Verdammt viel Material war das, das ich durcharbeiten durfte, sortieren und paraphrasieren.</p>
<p>Matthias Daberspiel vom <a href="http://fundraiser-magazin.de/">Funraiser-Magazin.de</a> aus Dresden bestätigt die Prädominanz älterer Zielgruppen als Hauptklientel für Funraising-Aktivitäten und die geringe Relevanz von jugendlichen Gruppen in diesem für viele NPOs entscheidendem Segment des Managements.</p>
<blockquote><p>Die Frage ist: nützt es auf lange Sicht den NPOs jüngere Zielgruppen anzusprechen. Wenn man es rein finanziell denkt definitiv nicht. Auf lange Sicht entstehen aber Bindungen an die Organisation, die tragfähig sein können und später die Bitte um Unterstützung vereinfachen können. Deshalb ist ein Investment in die Jugend sinnvoll, muß aber sehr zielgruppengerecht und effektiv erfolgen.</p></blockquote>
<p><a href="http://www.pr-indianer.de/?p=333">Ludger Brenner, PR-Indianer aus Hannover</a> nimmt in seinem Antwortassay zunächst den Sponsoring-Markt unter die Lupe: Er subsummiert eine <a href="http://www.pilot.de/">Studie</a> Sponsor Visions, die postuliert, dass die Gesamtsumme des Sponsorings zurückgeht – gleichzeitig soll die Summe des Ökosponorings steigen und die Corporate Social Responsibility zum fixen Bestandteil der Unternehmensstrategien werden. Dort sieht Brenner den Hebel für das Targeting von jungen Zielgruppen.</p>
<p>Den von mir eher metaphorisch verwendete Begriff der <a href="http://www.marketing-lexikon-online.de/index.php?option=com_content&amp;view=article&amp;id=212:panelsterblichkeit&amp;catid=1:lexikon">Panelsterblichkeit</a> (Ausgeliehen von den Soziodemographen) für das Phänomen, dass die (Fundraising-) Datenbanken aufgrund des wegsterbens älterer SpenderInnen immer neue junge Spenderinnen benötigen, um summa summarum die selben Ergebnisse zu bringen, lehnt Ludger ab:</p>
<blockquote><p>Diese sicherlich unter ökonomischen Gesichtspunkten zu wertende Definition, kann in der Akquise für (aktive) Spender einer NPO – unabhängig der angesprochenen Altersklassen und Zielgruppen – heute keine Relevanz mehr haben. Gerade die jüngere Generationen unterscheiden sich in ihren (Wesens-) Merkmalen von der älteren. Und das ist auch gut so!</p></blockquote>
<p>In weiterer Folge wird versucht, Web2.0 als gerade für jugendliche Zielkundengruppen relevantes Medienbündel zu beschreiben. Die Tatsache, dass Spender und Förderer emotional von „ihrer“ NPO berührt werden wollen, das Gefühl haben wollen, mit ihrem Einsatz etwas zu bewegen und schlussendlich auch Teil einer wichtigen gemeinsamen Sache zu sein, legt, so Ludger nahe,  Web2.0 Technologin zur Spenderkommunikation zu nutzen.</p>
<p>Auch aus Nachhaltigkeitsüberlegungen scheint es langfristig sinnvoll, bereits jetzt Image bei den (noch) jungen Zielgruppen zu erreichen.</p>
<p>Das Involvement der sozialen Medien erlaubt ebenfalls eine neue Art der Mitwirkung an NPO-Themen im Sinne eines Mittelwegs zwischen Geldspende und ehrenamtlichen Engagement.</p>
<p>Als best-practice wird: <a href="http://www.panda.org/">der WWF</a> mit seinem panda.org Portal genannt, der gezielt junge Menschen anspricht. Auch Bewertungsportale, wie <a href="http://www.netzwirken.net/">netzwirken.net</a>, die Userinteraktion in den Fundraisingprozess einbinden helfen in diesem Bereich mit.</p>
<p>Einige Tipps schliessen den Artikel von Ludger:</p>
<ul>
<blockquote>
<li>Der Online-Protest ist nicht nur für politische Organisationen interessant, sondern auch für NPOs, welche sich thematisch z. B. mit Menschen, dem Tierschutz oder der Umwelt beschäftigen.</li>
<li> Foto- und Video-Communities stellen einen ersten Anfang für Onlineaktivitäten dar. Unterstützer können über entsprechende Portale mit einem Bild oder einem Film, gepaart mit einem Statement, eine Kampagne oder ein Projekt emotional begleiten.</li>
<li>In Social-Network-Sites wie z. .B. <em>StudiVZ</em> oder <em>Facebook</em> sollten Kampagnen in jedem Fall integriert werden. Es können hierüber Aktionen angekündigt und für Spenden geworben werden. Ziel ist es, möglichst viele Unterstützer für die eigene Sache zu finden und an sich zu binden.</li>
<li> Microblogging-Dienste wie <em>Twitter</em>, ermöglichen den täglichen Kontakt mit den Followern einer NPO und helfen Kampagnen und Dinge aus dem alltäglichen Geschäft in Echtzeit zu kommunizieren. Durch die mobile Unabhängigkeit solcher Dienste ist eine dauerhafte emotionale Bindung der Interessenten in kurzer Zeit möglich.</li>
</blockquote>
</ul>
<p><strong>Sein Fazit: Jugendliche sollen eingebunden werden, denn sie sind politisch und sozial aktiv &#8211; die NPOs sind auf diese Zielgruppen angewiesen.</strong></p>
<p><a href="http://kulturmanagement.wordpress.com/2009/08/10/npo-blogparade-integrierte-kommunikationsstrategien-fur-jugendliche-zielgruppen/">Christian Henner-Fehr vom Kulturmanagement Blog</a> bezieht klarerweise die Position des Kulturmanagers. Zunächst versucht Christian anhand eines praktischen Beispiels, einer Fundraising-Aktion des <a href="http://kulturmanagement.wordpress.com/2009/06/19/das-festival-young-euro-classic-sucht-unterstutzung/">Young Euro Classic Festivals</a> zu explizieren, inwieweit jugendliche Zielkundengruppen auch für das aktuelle Fundraisingergebnis mitverantwortlich waren.</p>
<blockquote><p>Nachdem die Liste verständlicherweise keine Altersangaben enthält, kann ich nur vermuten, dass die überwiegende Mehrzahl der SpenderInnen nicht mehr der Kategorie jugendlich zugeordnet werden kann. Ich stütze mich bei meiner Vermutung auf die vielen bekannten und prominenten Namen, die ich in dieser Liste entdeckt habe.</p></blockquote>
<p>Dass jugendliche Zielgruppen im Marketingjargon „gut getargetet“ werden können, sieht Christian auch in mehreren <a href="http://go2.wordpress.com/?id=725X1342&amp;site=kulturmanagement.wordpress.com&amp;url=http%3A%2F%2Fwww.slideshare.net%2FUMGermany%2Fum-wave-4-power-to-the-people">Studien</a> bestätigt. Die Etablierung von eigenen <a href="http://kulturmanagement.wordpress.com/2009/01/28/social-media-strategisch-planen/">Social Media-Strategien</a> sieht er auch als wesentlich für dieses Zielkundensegment.</p>
<blockquote><p>Ich beantworte daher Gerald Czechs Frage, ob es Sinn macht, Jugendliche gezielt anzusprechen, mit einem klaren Ja. Man muss sich nur darüber im Klaren sein, dass wir hier nicht mehr von einer Spendenpraxis sprechen, die in den letzten Jahrzehnten üblich war (und sich auch bewährt hat).</p></blockquote>
<p>Ein weiterer späterer Post von Christian widmet sich dem Thema <a href="http://kulturmanagement.wordpress.com/2009/08/13/fundraising-und-social-media-eine-studie/">Fundraising und Social Media</a>, indem er eine US-Amerikanische Studie zusammenfasst, die sich diesem Thema widmet – und passt daher auch gut in diese Zusammenfassung herein.</p>
<p><a href="http://foulder.blogspot.com/2009/08/runde-8-der-npo-blogparade-integration.html">Hannes Jähnert, „Die wunderbare Welt … &#8211; in Chiffren und Zeichen“</a>, widmet sich im erstenTeil seines Beitrags der Unterstützung von gemeinnützigem Engagements als Basisaufgabe der NPOs und begründet damit ein Engagement für jugendliche Zielgruppen für NPOs schon aufgrund der Basisausrichtung als NPO. Er erkennt einen Zusammenhang von Marketingmassnahmen in diesen Segmenten der Zielgruppen und dem späteren Engagement im Sinne der Partizipation oder der finanziellen Unterstützung.</p>
<blockquote><p>Es scheint mir ausreichend bewiesen, dass sich freiwilliges Engagement (und das umfasst hier Geld-, Zeit oder Skillspenden) zumeist durch die gesamte Biographie zieht und nicht ausschließlich im Jugend-, Erwachsenen- oder Rentenalter geleistet wird (vgl. <a href="http://www.amazon.de/Kompetenzerwerb-freiwilligen-Engagement-informellen-Jugendalter/dp/product-description/3531157981">Düx et al.</a>). Zwar verschieben sich die Interessen sowie das Zeit- und Geldbudget im Laufe einer Engagementbiografie (<a href="http://www.bmfsfj.de/bmfsfj/generator/RedaktionBMFSFJ/Arbeitsgruppen/Pdf-Anlagen/freiwilligen-survey-langfassung,property=pdf,bereich=bmfsfj,sprache=de,rwb=true.pdf">Freiwilligensurvey, 60 sowie 272</a>), doch zieht sich die Bereitschaft zur Freiwilligenarbeit zumeist durch das gesamte Leben engagierter Menschen. Je früher also mit der Engagementförderung begonnen wird, desto besser!</p></blockquote>
<p>Hinsichtlich einer idealen Kommunikationsstrategie schlägt Hannes – ganz sozialwissenschaftlich &#8211;  vor, sich mit den Lebenswelten der Zielgruppen auseinander zu setzen.</p>
<blockquote><p>Es geht also um die zielgruppenspezifische Profilierung einer Organisation – „das Zurschaustellen einer bestimmten Eigenart […] um sich von Anderen abgrenzen zu können“ (<a href="http://de.wiktionary.org/wiki/Profilierung">Wiktionary</a>). Doch wie können sich große (Massen-) Organisationen profilieren, wenn sie doch tausenden und abertausenden verschieden Menschen gerecht werden müssen?</p></blockquote>
<p>Als Lösung für die Individualisierung von großen Organisationen, sieht Hannes die Dezentralisierung. Da die Dachmarken bei dieser Organisationsform hinter den einzelnen und individuellen Hilfsprojekten oftmals schwer erkennbar ist, sollen Kommunikationsstrategien bereits frühzeitig Wertevermittelnd im Sinne der Gesamtorganisation eingreifen können und so zur Vernetzung der Einzelprojekte zu einem Ganzen beitragen.</p>
<blockquote><p>Die Werte und Ziele einer Trägerorganisation – die selbstverständlich freiheitliche sein müssen (!) – sollten also schon so früh wie möglich vermittelt werden, was wiederum zum nächsten Problem führt: Die Integration vermittelnder Kommunikation.</p></blockquote>
<p><strong>Dass das Internet oder Social Media der Weg dazu sein können, bezweifelt Hannes Jähnert, da sich die Lebenswelt doch größtenteils offline abspielt.</strong></p>
<p><a href="http://www.online-fundraising.org/index.php?/10-npo-blogparade-integrierte-kommunikation-fa-r-jugendliche.html">Thilo Reichenbach von F&amp;S Fundraising und Sozialmarketing</a> unterstützt in seinem Fazit Christian Henner-Fehrs uneingeschränktes „Ja“ zur Frage, ob es Sinn macht, jugendliche Zielgruppen anzusprechen.</p>
<blockquote><p>Das viele der größeren NPOs in Deutschland der ebenfalls der Meinung sind, dass sich der Dialog mit einer jüngeren Zielgruppe durchaus lohnt und zielführend ist, zeigt wohl nicht zuletzt die rasante Zunahme von Twitter-Profilen und Facebook-Präsenzen deutscher NPOs.<sup>9</sup> Und auch eigene Communities sind auf dem Vormarsch, so startete WWF kürzlich seine WWF Jugend Community, das Deutsche Rote Kreuz das „Netzwerk Blutspender“ und Greenpeace die viel versprechende Aktionsplattform „GreenAction“. Weiter Organisationen werden sicher folgen&#8230;</p></blockquote>
<p>Spannend ist die Argumentation: Thilo beginnt, Spenden auf das Vertrauen zurück zu führen, das NPOs in ihren Kernzielgruppen besitzen. Die psychosoziale Prozeduren der neuronalen Netze speichern nun verschiedenste Empfindungen zu einer Marke ab, daher haben – gleichsam wie im B2C-Bereich beim Waschmittelverkauf &#8211;  starke Marken auch größeres Vertrauen der Kundinnen so die Kommunikation und das Markenempfinden stimmig sind und einander ergänzen.</p>
<blockquote><p>Doch starke neuronale Netzwerke, starke Marken, entstehen nur, wenn Kommunikation und Markenbotschaft klar und relevant sind, sehr einfach verarbeitet werden können und die Information dem bereits bestehenden neuronalen Netzwerk, heißt dem Wissen um eine bestimmte Marke, widerspruchsfrei angegliedert werden kann. Nicht relevante Informationen werden vom Ultrakurzzeitgedächtnis gefiltert und zahlen nicht auf das „Markenkonto“ ein. Die Kommunikation ist ineffizient.</p></blockquote>
<p>Daraus begründet er nunmehr eine Pflicht zur konsistenten, widerspruchsfreien und markenadäquaten integrierten Kommunikation auf allen Kanälen. Corporate Design ist dabei essentiell, wie auch andere Identitätsdefinitionen (CI, CB, C…). Web2.0 als interaktive und partizipative Form der Kommunikation ist dabei insoferne ein Paradigmenwechsel, als das die Botschaften zur Marke nicht mehr von einer zentralen „corporate communication“-Person kommen, sondern die markenbotschafter dezentral agieren und nur – unbewusst &#8211; auf ihre gespeicherte Markenempfindung („Markenwelt“) zurückgreifen. Sollen nun Organisationen jugendliche Zielgruppen ansprechen?</p>
<blockquote><p>Meines Erachtens ist die Frage nicht pauschal zu beantworten, jede Organisation muss für sich selbst bewerten, ob der Gang in die sozialen Netzwerke, denn dort halten sich „jugendliche Zielgruppen“ auf, zur Marke passt und ob sie wirklich die personellen, zeitlichen und finanziellen Ressourcen aufbringen kann, um ehrlich und authentisch (!) in einen offenen Dialog zu treten.</p></blockquote>
<p><strong>Wesentlich, da stimmt er auch mit <a href="http://kulturmanagement.wordpress.com/2009/08/10/npo-blogparade-integrierte-kommunikationsstrategien-fur-jugendliche-zielgruppen/">Christian Henner-Fehr vom Kulturmanagement Blog</a> überein ist in jedem Falle die Erstellung einer integrierten (Social Media) Kommunikationsstrategie.</strong> Weitere gute Tipps von Thilo: Im Web2.0 nicht alles auf eine Karte setzen sondern auch taktisch zu diversifizieren.</p>
<p><a href="http://blog.nonprofits-vernetzt.de/index.php/npo-blogparade-sind-jugendliche-zielgruppen-wichtig-und-wie-spricht-man-sie-an/">Brigitte Reiser von Nonprofits-vernetzt.de</a> betont zunächst, dass für jegliche NPO das geeignete Portfolio an unterschiedlichen (Alters-) Zielgruppen essentiell ist. Diese Aufgabe ist eine strategische und trägt zur Erweiterung der eigenen Spielräume bei.</p>
<blockquote><p>Die These, die im Fundraising dominiert, – dass Spenden eine Domäne der Älteren sei, was man an den Spendenergebnissen ablesen könne – halte ich für falsch. Die empirischen Ergebnisse belegen nur, dass man mit den bisherigen Fundraisinginstrumenten hauptsächlich die ältere Generation erreicht hat.</p></blockquote>
<p>Junge Menschen, so Brigitte, seien sehr wohl am Gemeinwesen interessiert und engagieren sich auch selbst sehr oft – mit Sicherheit ein Möglicher Hook zur Bindung dieser Zielgruppen an NPOs.</p>
<p>Hinsichtlich der optimalen Zielgruppenansprache schlägt Brigitte vor, dass sich NPOs eine gute Datengrundlage erarbeiten (lassen), in dem sie empirische Untersuchungen zu den Generationsunterschieden entwickeln. Diese können dann zur konkreten Ausgestaltung der jeweiligen strategischen Ansätze dienen.  Ein weiterer Vorschlag betrifft das „going-online“ von offline bereits existierenden Strukturen, wie Jugendgruppen. Es gibt zwar verschiedene Portale, allerdings sind gerade die vernetzungs- und Partizipationsmöglichkeiten des Web2.0 Zusatzfeatures, die die Autorin vermisst. (Anm.: <a href="http://www.humanitynetwork.at/">humanitynetwork.at</a>, das Web2.0 Portal des Österr. Jugendrotkreuz soll genau das machen: <a href="../../../../../../redcrosswebmaster/2008/09/24/juryauszeichnung-fur-humanitynetworkat/">Blogpost</a> von mir).</p>
<p>Nicht zuletzt sollten sich die großen Organisationen mit Jugendverbänden auch gleich die eigenen Mitglieder als Zielgruppenexperten zur Hand nehmen, um die junge Generation an der Gesamtstrategie partizipieren zu lassen.</p>
<blockquote><p>Bei allen Bemühungen um Kommunikationsstrategien für Jugendliche darf nicht vergessen werden, dass eine Nonprofit-Organisation niemals nur nach Spendern suchen sollte, sondern immer nach Partnern, – mit allen Konsequenzen, die dieser Stakeholder-Status mit sich bringt</p></blockquote>
<p><a href="http://kulturzweinull.eu/index.php/npo-blogparade-%C2%A6-anmerkung-zur-einbindung-jugendlicher-zielgruppen-in-die-kommunikationsstrategien/">Ulrike Schmidt von Kultur2.0</a> antwortet zu Beginn ihres Beitrags einfach auf meine Frage:</p>
<blockquote><p>Ja, unbedingt lautet meine Antwort auf die Frage von Gerald Czech ob es für NPOs integrierte Kommunikationsstrategien für jugendliche Zielgruppen geben könne bzw. solle?</p></blockquote>
<p>Gerade die frühzeitige Einbindung von jungen Leuten ermöglicht es der Organisation auch die Werte und Normen zu sozialisieren und damit die Basis für zukünftigen Aktivismus zu generieren. Im Sinne einer Stakeholder-Pyramide sollten es Organisationen schaffen, junge Menschen zu „packen“ und ihr „Fan sein“ über kurz oder lang zum langfristigen Engagement zu transferieren. Auch den intergenerationalen Dialog, dass Jugendliche von Älteren Erfahrungen und Wissen abschöpfen können und die Älteren vom Elan und neuen Ideen der Jugend profitieren, streicht Ulrike hervor.</p>
<p>Ein Gesamtüberblich zu diesen vielen unterschiedlichen Beiträgen ist schwierig. Der erste Teil meiner Frage ist leicht zu beantworten: Ja, es braucht eine dezidierte Strategie für jugendliche Zielgruppen. Doch ob in dieser Strategie dann das Web2.0 vorkommt, ob die Strategie vielleicht lautet, diese Zielgruppe ganz gezielt auszulassen lässt sich aus den bestehenden Beiträgen nicht eindeutig herauslesen. Auch die Perspektiven unterscheiden sich: Vom praktischen Marketingstrategen, der die Markenwelt und die damit verbundenen emotionalen Wahrnehmungen des Konsumenten in den Mittelpunkt seiner Betrachtungen stellt, über die konkrete operative Fundraising-Sicht, das Involvement innerhalb der Zielgruppen und ihr praktisches Engagement, die Organisationsstruktur und ihre Auswirkungen auf die empfundene Organisationskultur und reale Lebenswelt der Akteurinnen, bis hin zur Forderung, sich einmal theoretisch mit den tatsächlichen empirischen Ergebnissen auseinander zu setzen reichen die Anregungen, die  ich sehr wohl aufnehmen konnte.</p>
<p>Für mich selbst ist das auch insoferne ein wertvoller Beitrag, als das wir selbst in diesem bereich versuchen, strategische Rahmenbedingungen zu entwickeln. Erster Schritt wird die Kooperation mit der Wirtschaftsuniversität Wien sein, wo im nächsten Semester im Rahmen eines studentischen Projekts einmal Grundlagen zum Thema erarbeitet werden sollen.</p>
<p>Wenn ich in meinem Überblick einen wichtigen Aspekt unerwähnt habe lassen, ersuche ich um Eure Kommentare!</p>
<p>Noch einmal vielen Dank für die Beiträge!</p>
<p>Gerald Czech, vulgo Redcross Sociologist</p><img src="http://blog.roteskreuz.at/sociologist/?ak_action=api_record_view&id=159&type=feed" alt="" />]]></content:encoded>
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		<title>Integrierte Kommunikationsstrategien für jugendliche Zielgruppen?</title>
		<link>http://blog.roteskreuz.at/sociologist/2009/07/22/integrierte-kommunikationsstrategien-fur-jugendliche-zielgruppen/</link>
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		<pubDate>Wed, 22 Jul 2009 11:31:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Gerald Czech</dc:creator>
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		<description><![CDATA[ Anbei mein Beitrag zur NPO-Blogparade, bei der ich erstmals Gastgeber sein darf. Ich habe versucht, mich mit theoretischen Konzepten zurück zu halten, um nicht paradigmatisch die Antworten vorweg zu nehmen. Bitte entschuldigt die Verzögerung bei der Publikation meines Beitrags, ich befinde mich im Moment auf Kur im Gasteinertal und musste erst dazwischen die Zeit [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p> Anbei mein Beitrag zur <a href="http://npoblogparade.wordpress.com/2009/06/01/die-npo-blogparade-wachst-und-wachst/">NPO-Blogparade</a>, bei der ich erstmals <a href="http://npoblogparade.wordpress.com/gastgeber/">Gastgeber </a>sein darf. Ich habe versucht, mich mit theoretischen Konzepten zurück zu halten, um nicht paradigmatisch die Antworten vorweg zu nehmen. Bitte entschuldigt die Verzögerung bei der Publikation meines Beitrags, ich befinde mich im Moment auf Kur im <a href="http://www.gastein.com/">Gasteinertal </a>und musste erst dazwischen die Zeit finden, mir was zu überlegen.</p>
<p>Betrachtet man die NPOs, in denen sich Menschen engagieren, so sind diese entweder sehr milieutypisch für verschiedene Milieulagen der heutigen (postmodernen?) Gesellschaft, oder in Form von großen Organisationen eher – sagen wir einmal diffuse ausgerichtete Massenorganisationen mit statistisch älterem und bildungsfernerem Publikum. Viele Organisationen, die auf private Fundraisingaktivitäten angewiesen sind, typisieren deren Spenderklientel auch tendenziell weiblich, älter und bildungsfern.</p>
<div id="attachment_151" class="wp-caption aligncenter" style="width: 244px"><img class="size-medium wp-image-151" src="http://blog.roteskreuz.at/sociologist/files/2009/07/poor-234x300.jpg" alt="Arme Frau in England beim Arzt. Bild: Life! Mark Kauffman 1949" width="234" height="300" /><p class="wp-caption-text">Arme Frau in England beim Arzt. Bild: Life! Mark Kauffman 1949</p></div>
<p>Ein Phänomen, das sich durch die Abhängigkeit von diesen Sozialstrukturen ergibt, ist jenes, das im Bereich der empirischen Sozialwissenschaften als Panelsterblichkeit bezeichnet wird, nämlich dass die Datenbasis für diese Fundraisingaktivitäten immer dünner wird und daher laufend neue ZielkundInnen geworben werden müssen. Ein zweites Phänomen, das auf die soziale Struktur zurück zu führen ist, könnte man als ökonomischen Vulnerabilitätseffekt bezeichnen, denn gerade ältere Personen aus Bildungsfernen Schichten sind besonders empfindlich auf Schwankungen der wirtschaftlichen Lage, da oftmals nicht viele finanzielle Reserven vorhanden sind. Das führt dann rasch zu geringeren Fundraising-Erträgen, gerade in Zeiten, in denen beispielsweise Sozialorganisationen am ehesten eine fundierte finanzielle Ausstattung benötigen würden, um ihren zivilgesellschaftlichen Aufgaben zur Abfederung der ökonomischen Wirkungen auf die Schwächsten der Gesellschaft.</p>
<p>Ich stelle mir daher die Frage, ob es – im Falle der großen diffusen Organisationen – Sinn machen würde, ganz gezielt junges Publikum (ab wann macht es Sinn, Jugendliche zu targeten?) anzusprechen, um es für die Werte dieser Organisationen zu sozialisieren und damit auch die Basis für zukünftige Aktivitäten zu schaffen?</p>
<div id="attachment_150" class="wp-caption aligncenter" style="width: 207px"><img class="size-medium wp-image-150" src="http://blog.roteskreuz.at/sociologist/files/2009/07/japanese-youth-197x300.jpg" alt="Japanische Jugendliche. Foto: Life! Michael Rougier 1964" width="197" height="300" /><p class="wp-caption-text">Japanische Jugendliche. Foto: Life! Michael Rougier 1964</p></div>
<p>Inwiefern sind derartige Strategien auch für stark milieuspezifische NPOs von Nutzen, ohne dass die Streuverluste der Aktivitäten, die Nutzeffekte überwiegen? Und schließlich: Wie können derartige zielgruppenrelevanten Kommunikationsstrategien aufgebaut sein, reicht da ein viraler Zugang über das Web2.0, oder sollte man sich eher ganz breite und transmediale Konzepte überlegen? Gibt es vielleicht best practices?</p>
<p>Ich freue mich über Eure Beiträge bis zum 12. August.</p><img src="http://blog.roteskreuz.at/sociologist/?ak_action=api_record_view&id=148&type=feed" alt="" />]]></content:encoded>
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		<title>Steuergerechtigkeit und Umverteilung?</title>
		<link>http://blog.roteskreuz.at/sociologist/2009/06/10/steuergerechtigkeit-und-umverteilung/</link>
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		<pubDate>Wed, 10 Jun 2009 10:15:47 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Gerald Czech</dc:creator>
				<category><![CDATA[Sozialpolitik]]></category>
		<category><![CDATA[Soziologie]]></category>
		<category><![CDATA[Studie]]></category>
		<category><![CDATA[Armut]]></category>
		<category><![CDATA[Steuern]]></category>

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		<description><![CDATA[Martin Schenk schreibt in einer Note auf Facebook:
Steuern sind Instrumente der Politik. Vermögensbezogene Steuern sind deshalb auch keine Ziele, sondern Instrumente, um Ziele wie Gesundheitsversorgung, Existenzsicherung, Pflege oder sozialen Ausgleich zu erreichen. In einer wirtschaftlichen Rezession historischen Ausmaßes mit seinen sozialen Folgen von Arbeitslosigkeit und Armut geht es um die Steuerungsinstrumente, die noch das Ganze, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://www.hungeraufkunstundkultur.at/jart/prj3/hakuk/main.jart?rel=de&amp;content-id=1199353854018&amp;reserve-mode=active">Martin Schenk</a> schreibt in einer Note auf <a href="http://www.facebook.com/note.php?note_id=111265121857&amp;ref=nf#/note.php?note_id=111265121857&amp;ref=mf">Facebook</a>:</p>
<blockquote><p>Steuern sind Instrumente der Politik. Vermögensbezogene Steuern sind deshalb auch keine Ziele, sondern Instrumente, um Ziele wie Gesundheitsversorgung, Existenzsicherung, Pflege oder sozialen Ausgleich zu erreichen. In einer wirtschaftlichen Rezession historischen Ausmaßes mit seinen sozialen Folgen von Arbeitslosigkeit und Armut geht es um die Steuerungsinstrumente, die noch das Ganze, das Gemeinwohl, im Auge haben.</p></blockquote>
<p>In weiterer Folge argumentiert Schenk anhand der Einkommens- und Vermögensverhältnisse und des Gini-Index, daß eine Änderung der Besteuerung der wirklich Reichen, also der Besitzer von exorbitant hohen Bar- und Wertpapiervermögen durchsetzbar ist, ohne den Mittelstand zu betreffen, wie dies als Totschlagargument immer wieder genannt wird.</p>
<blockquote><p>Wenn Kommentatoren von der Mittelschicht mit 3500 Euro Einkommen schreiben, dann sprechen sie von 9,8 Prozent aller Einkommensbezieher. Das soll die Mittelschicht sein? Da gehen versteckte Interessen einer kleinen Minderheit ab durch die Mitte – und Omas und Häuslbauer werden verwendet, um die eigentlichen Interessen zu verschleiern.</p></blockquote>
<p>Ich finde die Argumentation schlüssig und bin der Meinung, daß er die Problematik hervorragend zusammenfaßt:  Die Einkommensverteilung in Österreich wird von Jahr zu Jahr unausgewogener. Während die ganz Reichen (also das oberste Promill der Skala) immer mehr an Vermögen akkumulieren &#8211; sie verlieren auch in der Krise tendentiell weniger als andere &#8211; nimmt die Zahl der manifest Armen in den vergangenen Jahren laufend zu. Es braucht mehr als zivilgesellschaftliches Engagement und CSR um die Situation der Betroffenen zu verbessern. Vor allem auch, wenn man die budgetären Grössenordnungen beispielsweise in Relation zu anderen (ebenfalls eminent wichtigen) Ausgaben betrachtet.</p><img src="http://blog.roteskreuz.at/sociologist/?ak_action=api_record_view&id=146&type=feed" alt="" />]]></content:encoded>
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