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	<title>Redcross Sociologist</title>
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	<description>Just another Blog.roteskreuz.at weblog</description>
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		<title>Ist Blutspenden ein Menschenrecht?</title>
		<link>http://blog.roteskreuz.at/sociologist/2010/07/14/ist-blutspenden-ein-menschenrecht/</link>
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		<pubDate>Wed, 14 Jul 2010 10:18:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Gerald Czech</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Rotes Kreuz]]></category>
		<category><![CDATA[Studie]]></category>
		<category><![CDATA[theorie]]></category>
		<category><![CDATA[Blut]]></category>
		<category><![CDATA[HIV]]></category>

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		<description><![CDATA[Mein Beitrag zur Debatte über den Ausschluss von Männern, die Sex mit Männern haben, von der Blutspende. Immer wieder flammt die Diskussion auf, ob das Blutspende-Verbot für Männer, die Sex mit Männern haben (MSM), diskriminierenden Charakter hat. Einige Vertreter der schwulen Community sehen das definitiv so. (Dazu beispielsweise der Blogpost von Michael Leiblfinger) Doch für [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Mein Beitrag zur <a title="Standard-Bericht: Schwules Blut" href="http://derstandard.at/1277337107668/Thema-Life-Ball-2010-Schwules-Blut">Debatte über den Ausschluss von Männern, die Sex mit Männern haben, von der Blutspende</a>.</p>
<p>Immer wieder flammt die Diskussion auf, ob das Blutspende-Verbot für Männer, die Sex mit Männern haben (MSM), diskriminierenden Charakter hat. Einige Vertreter der schwulen Community sehen das definitiv so. (Dazu beispielsweise der<a href="http://michaelleiblfinger.at/?p=506"> Blogpost von Michael Leiblfinger</a>)</p>
<p>Doch für das Rote Kreuz als Hersteller eines Medikaments – als solches sind ja Blutprodukte einzustufen – muss zunächst die Empfängerseite beachtet werden. Das Blutsicherheitsgesetz definiert in seinem §1 sehr deutlich, um was es bei der Sicherheit geht:</p>
<blockquote><p>„Dieses Bundesgesetz regelt die Gewinnung und Testung von menschlichem Blut und Blutbestandteilen sowie die damit zusammenhängenden Sicherheitsmaßnahmen, um Spendern und Patienten den bestmöglichen Schutz zu bieten“.</p></blockquote>
<p>Als Grundlage dafür, ist – und so lautet der zweite Absatz des §1 BSG „…der Stand der medizinischen Wissenschaft einzuhalten“.</p>
<p>Für das Österreichische Rote Kreuz, als humanitäre Organisation ganz klar dem Menschen verpflichtet – nicht zuletzt lautet unser Slogan ja auch „Aus Liebe zum Menschen“ – ist es daher von jeher ein Dilemma, zwischen den – durchaus berechtigten Forderungen der SpenderInnen, die ja Gutes tun wollen, und den Rechten und Forderungen der EmpfängerInnen, die Notleidend im medizinischen Sinne sind, abzuwägen. Dabei machen wir es uns nicht leicht.</p>
<p>Gerne will ich versuchen, im folgenden die medizinischen Grundlagen für den bestehenden Blutspende-Ausschluss von Männern, die Sex mit Männern haben, zu begründen. Es handelt sich im Grundsatz um eine epidemiologische Feststellung, also um eine medizinstatistische Aussage, die sich auf Studien zur so genannten „Prävalenz“ (und da ist ein Unterschied zu den immer wieder ins Treffen geführten Neuerkrankungen, der so genannten Inzidenz) von HIV Erkrankungen stützt.</p>
<h2>HIV-Prävalenz als Maßzahl</h2>
<p>Als <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Pr%C3%A4valenzratio">Prävalenz</a> (oder Prävalenzratio) wird die Zahl bezeichnet, wie viele Menschen einer bestimmten Gruppe (Population) definierter Größe an einer bestimmten Krankheit erkrankt sind, beziehungsweise für die Infektion mit dem HI-Virus, wieviele eine ebensolche Infektion haben.</p>
<p>Diese Prävalenzrate beträgt für HIV in der Österreichischen Gesamtbevölkerung im Jahr 2006 0,0011, das heißt in einer Stichprobe von 1000 Personen war statistisch im Jahr 2006 ziemlich genau eine HIV-infizierte Person zu erwarten. Nimmt man nun die so genannte Prävalenz von Männern, die Sex mit Männern haben (Quelle: <a href="http://eurohiv-database.invs.sante.fr/">http://eurohiv-database.invs.sante.fr/</a>), so liegt diese signifikant über der ersten Zahl. Die verfügbaren Studien, beispielsweise aus der Schweiz 2004<a href="#_ftn1">[1]</a> zeigen hier eine Prävalenzrate von 0,09; nimmt man beispielsweise alle BlutspenderInnen in Österreich im Jahr  2004 (eurohiv-database), so lag die Prävalenz bei 0,01. Das heißt, wenn man nun die Epidemiologie wieder übersetzt, dass die Chancen, dass eine HIV-Infektion vorliegt, in der ausgeschlossenen Zielgruppe von Männern, die Sex mit Männern haben, deutlich höher ist – je nach Studien, die man vergleicht – als dies bei allen anderen Blutspenderinnen und Blutspendern der Fall ist.</p>
<p>Das heißt aber auch, dass das Risiko für den Empfänger einer Blutkonserve, sich mit den HIV-Viren zu infizieren entsprechend steigt, denn die modernsten <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Polymerase-Kettenreaktion">PCR-Verfahren</a> in der Blut-Testung können leider noch immer nicht 100%ig garantieren, dass man alle Erreger finden kann. Die Meldungen, dass die Zahl der Neuinfektionen mit dem HI-Virus in allen Bereichen der Bevölkerung sinken sind sehr erfreulich, doch das Gesamtrisiko – und damit das Risiko für den Empfänger &#8211; reduzieren diese (im Moment) noch nicht.</p>
<h2>Diskriminieren wir den Spender oder den Empfänger?</h2>
<p>Nach diesen statistischen Erklärungsversuchen daher die Frage: Würden Sie diese Möglichkeit des Risikoausschlusses für den Empfänger, und um nichts anderes darf es in dieser Diskussion gehen, außer Acht lassen?</p>
<p>So gesehen ist es hoffentlich nachvollziehbar, warum rechtlich und auch moralisch das Recht des Empfängers, eine sichere Blutkonserve zu erhalten deutlich höher eingestuft wird, als das Recht des Spenders, Gutes zu tun.</p>
<p>Warum man aufgrund derartiger Entscheidungen allerdings <a href="http://twitter.com/R34lB0rg/status/18504863330">als Schwulenhasser</a> bezeichnet wird, ist mir nicht ganz einsichtig.</p>
<p>Ein Link zum Thema <a href="http://www.roteskreuz.at/berichten/aktuelles/news/datum/2009/08/31/induzierte-pluripotente-stammzellen-ips-kopie-1/">Blutspendeforschung und HIV</a> von Univ. Prof. Dr. Renate Heinz .</p>
<hr size="1" /><a href="#_ftnref1">[1]</a> Balthasar H, Jeannin A, Dubois-Arber F. surveillance des comportements face au VIH/sida chez les hommes ayant des rapports sexuals avec des hommes &#8211; Suisse, 1992-2004. Int J Public Helath 2007;52:27-38</p>
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		<title>Gibt es eine sinnvolle Verknüpfung zweier Welten?</title>
		<link>http://blog.roteskreuz.at/sociologist/2010/06/28/gibt-es-eine-sinnvolle-verknupfung-zweier-welten/</link>
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		<pubDate>Mon, 28 Jun 2010 16:32:05 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Gerald Czech</dc:creator>
				<category><![CDATA[Blogparade]]></category>
		<category><![CDATA[Bourdieu]]></category>
		<category><![CDATA[Luhmann]]></category>
		<category><![CDATA[Organisation]]></category>
		<category><![CDATA[Soziologie]]></category>
		<category><![CDATA[web2.0]]></category>
		<category><![CDATA[Entkoppelung]]></category>
		<category><![CDATA[NPO-Blogparade]]></category>
		<category><![CDATA[theorie]]></category>

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		<description><![CDATA[Ole Seidenberg, Soziologe und SocialBlogger.de, schreibt im Aufruf zur 16. NPO- Blogparade Nicht selten – wie fast immer, wenn es etwas neues gibt – wurden vom Web 2.0 „Wunder“ erwartet. Die bislang ausbleibenden Freiwilligen, die zurückgehenden Spender, die Kampagne, die nicht so recht funktionieren wollte: Das Wundermittel Web 2.0 würde es schon richten. Doch vermehrt [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ole Seidenberg, <a href="http://socialaction20.wordpress.com/">Soziologe und SocialBlogger.de, </a> schreibt im <a href="http://socialaction20.wordpress.com/2010/06/07/npo-blogparade-nr-16/">Aufruf zur 16. NPO- Blogparade</a></p>
<blockquote><p>Nicht selten – wie fast immer, wenn es etwas neues gibt – wurden vom Web 2.0 „Wunder“ erwartet. Die bislang ausbleibenden Freiwilligen, die zurückgehenden Spender, die Kampagne, die nicht so recht funktionieren wollte: Das Wundermittel Web 2.0 würde es schon richten.</p>
<p>Doch vermehrt kommt die Frage auf: Wie lässt sich tatsächliches Handeln, wie Verhaltensmuster der Menschen „auf der Straße“ durch Social Media ändern.</p></blockquote>
<p>Und er fragt weiter (auch im Original in Orange): <span style="color: #ff6600;"><strong>Wie gelingt die sinnvolle Verknüpfung von Social-Media-Werkzeugen mit Offline-Aktionen/Handeln? </strong></span></p>
<p>Obwohl die Frist zum Kommentar bereits vergangene Woche abgelaufen ist, erlaube ich mir hier ebenfalls meine Kommentare dazu abzugeben – wenn ich Glück habe werden sich diese auch noch in der Zusammenfassung wiederfinden.</p>
<p>Zunächst erscheint es mir wichtig, mein bekanntes Credo zu wiederholen: bei Social-Media-Tools handelt es sich „nur“ um weitere Tools der Kommunikation, die in den bestehenden Kommunikationsmix einer Organisation eingebunden sein sollten. Die sinnvolle Verknüpfung ergibt sich daher bereits vor dem Einsatz des Werkzeugs oder dem operativen Offline-Handeln in der dahinterliegenden Strategie, dem die Kommunikationstools, egal ob on- oder offline.</p>
<h2>Problemkreis eins: Entkoppelte Teilsysteme</h2>
<p>Vergangenes  Jahr habe ich eine <a href="http://socialaction20.wordpress.com/2008/12/15/npo-blogparade-nr-3-die-kehrseite-des-web-20-hypes-fur-den-nonprofit-sektor/">Frage, die ebenso von Ole kam</a> – zu den <a href="../2009/01/07/npo-blogparade-kehrseiten-des-web20-fur-npos/">Kehrseiten des Web 2.0 für NPO</a> – unter anderem damit beantwortet:</p>
<blockquote><p>Das Medium (wenn man das Web2.0-Toolbündel als solches subsummieren darf) eignet sich zwar im Bereich des breiten intellektuellen Diskurses als weiteres Tool im akademischen Medienmix im Sinne einer Demokratisierung der Meinungen, aber es ist kein adäquates Mittel, um die Bedürftigen als Stakeholderinnen auf der einen und die SpenderInnen auf der anderen Seite des Stakeholderkontinuums zuverlässig zu erreichen. Die Tools können bestenfalls die bewährten Systeme ergänzen und klassische Kommunikation auf eine andere Ebene heben, also im Sinne Luhmanns anschlussfähig machen. Aber Achtung – genau das kann auch zu einer Abkopplung des Web2.0 Bereichs und laufender Anschlusskommunkation und konstruktivistischer Selbstdefinition des Kommunikationsversuchs als <a href="http://heinz.typepad.com/lostandfound/2006/09/in_arbeit_web_p.html">selbstreferentielles Subsystem</a> führen, das lediglich im (auch nicht viel mehr externen) Web2.0 rezipiert wird.</p></blockquote>
<p>Probleme dieser Art des fehlenden Einkoppelns von medialer Kommunikation in die Offline-Realität werden immer wieder beobachtet, weil sich eben diese Subsysteme bilden, die dann keinerlei Verbindung mehr in andere Systeme benötigen. Hier muss nach der Anschlussfähigkeit der Systeme getrachtet werden.</p>
<h2>Problemkreis zwei: Digital divide</h2>
<p>Ein zweiter Problemkreis kann sich aufgrund der Mediennutzung unterschiedlicher Anspruchsgruppen ergeben, dieser Effekt ist im Bereich der klassischen Medien als „Streuverlust“ bekannt. Doch wenn der Streuverlust die tatsächliche Wirkung um ein mehrfaches übersteigt, so kann wohl nicht mehr von effizienter Kommunikation gesprochen werden. Wie bereits 2007 im <a href="../2007/08/08/blogs-und-web20-als-instrumente-der-segregation/">Blogbeitrag „Blogs und Web2.0 als Instrumente der Segregation“</a> geschrieben – heute hoffentlich weniger krass als vor drei Jahren – hat das Web und Social Media nämlich ein Problem, gewisse Bevölkerungsschichten zu erreichen. Selbst Personen, die technisch dazu in der Lage wären, sind jedoch resistent gegen verschiedene Maßnahmen der online-Kommunikation – gerade wenn sich diese außerhalb ihres Lebensstils abspielt. Ein Beispiel dafür ist das ganze Thema der Xenophobie oder das Thema Migration, wo <a href="http://game.roteskreuz.at/">Argumente offenbar anders vermittelt</a> werden müssen, als in <a href="http://henri.cantat.com/?w=3&amp;ic=7&amp;ii=34">Magazinen</a>.</p>
<h2>Neuinterpretation der Frage</h2>
<p>Weitere Hermeneutik der Fragestellung („Wie gelingt die sinnvolle Verknüpfung von Social-Media-Werkzeugen mit Offline-Aktionen/Handeln?“) kann auch zum Ergebnis führen, dass diese eigentlich genau die Entkopplung der Kommunikation gemeint hat, und wie man diese verhindern kann. Doch auch bei der Entkoppelung von kommunikativer Realität und Alltagsumwelt unterscheiden sich die einzelnen Medien (also On- und Offline)  nicht. Inwiefern wird ein <a href="http://www.zeit.de/politik/2010-06/rechtsextremismus-studie">Artikel aus der „Zeit“</a> real, wenn er gedruckt ist? Unterscheidet er sich damit hinsichtlich seines Eintritts in die Realität von einem Tweet, einem Facebook-Termin oder einem Youtube-Video?</p>
<p>Hier geht es möglicherweise auch – aus Sicht eines kommunikationstheoretischen Ansatzes – um das lebensweltliche und reale Manifestieren von Kommunikationszusammenhängen jeglicher Medien. Das gelingt – und jetzt hängt es vom jeweiligen sozialwissenschaftlichen Paradigma ab, mit dem man seine subjektive Realitätskonstruktion begründen möchte – nur unter Zuhilfenahme sozialwissenschaftlicher Theorien, beispielsweise mit jenen von <a href="http://www.scribd.com/doc/33652335/Wissenschafts-und-Erkenntnistheorie-Pierre-Bourdieus">Bourdieu</a> (mein Favorit), oder um wieder nach Deutschland zu schauen, von <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Niklas_Luhmann">Luhmann</a> oder <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/J%C3%BCrgen_Habermas">Habermas</a>.</p>
<p>Wer es mit dem Theoretischen nicht so hat, kann sich auch die Taktik verschiedenster politischer Thinktanks ansehen. Wie ist beispielsweise der Neoliberalismus aus den dunklen Gruften unter der Chicagoer Universität wiederauferstanden?</p>
<h2>Antworten oder noch mehr Fragen?</h2>
<p>Wenn ich mir mein Posting nun durchlese, so sehe ich, dass ich eigentlich wieder einmal geschafft habe, aus einer einfachen Frage mehrere komplizierte Fragen abzuleiten, für die ich – mangels weiterer Zeit zum nachdenken – so konkret überhaupt keine Antworten habe.</p>
<p>Vielleicht ist das der Grund warum ich immer seltener um meine Meinung zu verschiedenen Themen gefragt werde?</p>
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		</item>
		<item>
		<title>Genug Umverteilung in Österreich?</title>
		<link>http://blog.roteskreuz.at/sociologist/2010/05/14/genug-umverteilung-in-osterreich/</link>
		<comments>http://blog.roteskreuz.at/sociologist/2010/05/14/genug-umverteilung-in-osterreich/#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 14 May 2010 21:36:21 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Gerald Czech</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Neoliberalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Sozialpolitik]]></category>
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		<description><![CDATA[Das aktuelle rotkreuz.factbook widmet sich dem Thema Armut. Fast eine Million Menschen verfügen in Österreich über ein Einkommen unterhalb der Armutsgrenze. Diese wird in der Sozialpolitik aus dem so genannten Medianeinkommen ermittelt. Es geht dabei um Medianeinkommen nach dem Erhalt von Transferleistungen, also von Arbeitslosengeld, Familien- und Kinderbeihilfen, Pflegegeld, &#8230; Der Sozialstaat gibt der Politik [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Das aktuelle <a href="http://www.roteskreuz.at/berichten/publikationen/publikationen/rotkreuzfactbook/">rotkreuz.factbook</a> widmet sich dem <a href="http://www.roteskreuz.at/berichten/magazin/rotkreuzfactbook/armut/teil-11-wer-ist-arm/">Thema Armut</a>. Fast eine Million Menschen verfügen in Österreich über ein Einkommen unterhalb der Armutsgrenze. Diese wird in der Sozialpolitik aus dem so genannten <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Medianeinkommen">Medianeinkommen</a> ermittelt. Es geht dabei um Medianeinkommen nach dem Erhalt von Transferleistungen, also von Arbeitslosengeld, Familien- und Kinderbeihilfen, Pflegegeld, &#8230;</p>
<blockquote><p>Der Sozialstaat gibt der Politik ein Mittel in die Hand, gesellschaftliche Verhältnisse zu beeinflussen. Durch seine Leistungen honoriert der Sozialstaat bestimmte Verhaltensweisen, Lebensformen und Staatsangehörigkeiten, während er andere sanktioniert. Damit trägt er dazu bei, dass bestimmte „Normalitäten“ konstruiert bzw. reproduziert werden. Sozialpolitik ist damit immer auch Gesellschaftspolitik. (von <a href="http://www.armutskonferenz.at/index.php?option=com_content&amp;task=view&amp;id=65&amp;Itemid=110">armutskonferenz.at</a>)</p></blockquote>
<p>Die Armutsgefährdungsgrenze liegt in der EU bei 60 % des Median-Pro-Kopf-Haushaltseinkommens, dem Durchschnittseinkommen der Einwohner/innen eines Landes bezogen auf den Zeitraum eines Jahres. In Österreich betrug es im Jahr 2009 monatlich 951 Euro (macht jährlich 11.406 Euro) für einen Einpersonenhaushalt. Neben diesem objektivierten Finanzindikator kommt für im Falle der  so genannten &#8220;manifesten Armut&#8221; auch noch die soziale Ausgrenzung dazu, also merkbare Einschränkung durch die Einkommenssituation, die sich auch in gesellschaftlicher Ausgrenzung manifestiert.</p>
<p>Die Zahl der in manifester Armut lebenden Personen in Österreich wird von der <a href="http://www.armutskonferenz.at/index.php?option=com_content&amp;task=view&amp;id=13&amp;Itemid=77">Armutskonferenz</a> mit rund einer halben Million Menschen angegeben.</p>
<blockquote><p>492 000 Menschen (6% der Wohnbevölkerung) in Österreich sind von Armut und sozialer Ausgrenzung betroffen – Sie sind manifest arm, haben neben einem niedrigen Einkommen auch Einschränkungen in zentralen Lebensbereichen (z.B. Bildung, Wohnung, Begleitung). Frauen sind dabei stärker als Männer betroffen. Ein Viertel der Armutsbetroffenen sind Kinder. Ihre Eltern sind zugewandert, erwerbslos, alleinerziehend oder haben Jobs, von denen sie nicht leben können.</p></blockquote>
<p>Da sich die Armutsgefährdungsparameter vom Medianeinkommen ableiten und die Einkommensverteilung in Österreich in der mittleren Frist konstant ist, dürfte auch die Zahl der armutsgefährdeten Personen mit rund &#8211; oder knapp unter 10 % der Österreichischen Bevölkerung konstant bleiben.</p>
<p>Die Zahl von nahezu 10% der Bevölkerung an oder unter der Armutsgrenze und davon mehr als die Häfte mit manifesten Armutsstigmata behaftet, das regt zumindest zum Denken an, ob die Welt gerecht ist, denn Österreich gehört ja zu den reichsten Staaten der Welt. <strong>Wie kann man diese Armut nun bekämpfen?</strong></p>
<p>Hier gilt es zunächst, den eigenen paradigmatischen Standpunkt abzuklären und deutlich zu machen, weil wir bewegen uns in den gefährlichen Untiefen des Schnittbereichs von Sozialpolitik, Wirtschaftspolitik und Gesellschaftspolitik, wo Theorie oftmals mehr der Eristik dient, als der Erklärung von Zusammenhängen. Ja, ich gehe davon aus, dass die Politik auch aktives sozial- und gesellschaftspolitisches Gestalten beinhaltet und ich gehe davon aus, dass die Gesellschaft komplexer aufgebaut ist, als das so manche <a href="http://blog.roteskreuz.at/sociologist/2010/01/07/out-of-facebook-stiglitz-schmidt-und-der-neoliberalismus/">Utilitaristen</a> annehmen, auch wenn diese dafür Nobelpreise erhalten.</p>
<p>Ein Argument vieler neoliberaler Wirtschaftsvertreter ist, dass das Gesamtwohl einer Gesellschaft über die Reichen erzielt wird, die so genannte &#8220;<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Trickle-down-Theorie">trickle-down economy</a>&#8220;. Ähnliche Ideen stehen wohl auch hinter den &#8220;Rettungspaketen&#8221; für die Banken, wenn nämlich die eigene Handlungsmotivation für die Krisenhilfe nach der Hilfe für die Bankinstitute endet, denn das &#8220;trickle-down&#8221; wird sich auch hier nicht einstellen.</p>
<blockquote><p>Reichtum ist nicht – wie oft behauptet – ein Leitbild unserer Gesellschaft, sondern normativ ambivalent. Im konservativen Denken ist Reichtum sichtbarer Leistungsausdruck und fungiert für Nicht-Reiche als Leistungsanreiz, sofern er zu verstärkten Anstrengungen motiviert. In einem emanzipatorischen Verständnis macht Reichtum arm, weil er mit ungerechtfertigter Macht und Privilegien einhergeht. (<a href="http://www.armutskonferenz.at/index.php?option=com_docman&amp;task=doc_download&amp;gid=319&amp;Itemid=69">Martin Schürtz</a> (2009): Reichtum: Spuren im Nebel, WISO 32. Jg. )</p></blockquote>
<p>Das Österreichische System der Sozialpolitik in Richtung mehr Umverteilung zu organisieren, das wäre eine der Möglichkeiten, davon bin ich überzeugt. Eine Möglichkeit die im Moment noch nicht adäquat ausgenützt wird. Das Österreichische System der Sozialpolitik &#8211; in <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/G%C3%B8sta_Esping-Andersen">Gosta Esping-Andersens</a> Typologisierung der &#8220;Sozialstaats-Regimes&#8221; wird das Österreichische Modell als &#8220;konservativer Typ&#8221; bezeichnet. Soziale Sicherung ist ein Teil der Ziele dieses Typs, gleichzeitig wird versucht, Statusdifferenzen trotz aller Sicherung beibehalten zu können. Intensive „Umverteilung“ wird in diesem Systemtyp nach allgemeiner Theorie &#8211; speziell im Vergleich zu skandinavischen Modellen &#8211; also vermieden.</p>
<p>Es gibt jedoch ExpertInnen &#8211; und das <a href="http://www.ihs.ac.at">Institut für höhere Studien in Wien</a>, bzw. sein Leiter <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Bernhard_Felderer">Bernhard Felderer</a>, ist offenbar ein Vertreter dieser Fraktion, die behaupten, das derzeitige System hätte bereits genügend Umverteilungskomponenten beinhaltet. IHS-Chef Bernhard Felderer ist der Meinung, so <a href="http://derstandard.at/1271376714950/Der-Sozialstaat-als-grosses-Verteilzentrum-70-Prozent-zahlen-30-Prozent-empfangen">derStandard.at in seiner Online-Ausgabe</a>, dass die Umverteilungswirkung des Österrereichischen Sozialsystems adäquat sei.</p>
<blockquote><p>Bestätigt sieht sich der IHS-Leiter in seiner Ansicht, wonach Vermögenssteuern zur Korrektur allfälliger Ungerechtigkeit nicht angebracht seien. Umgekehrt glaubt Felderer &#8211; außer in Ausnahmefällen &#8211; nicht, dass die Umverteilung Leistungsanreize stark dämpfe. So zitiert der Autor des Standard-Artikels Andreas Schnauder den IHS-Chef.</p></blockquote>
<p>Interessant sind in diesem Artikel die <a href="http://derstandard.at/1271376714950/Der-Sozialstaat-als-grosses-Verteilzentrum-70-Prozent-zahlen-30-Prozent-empfangen">Grafiken</a>, die beispielsweise die einzelnen Dezile der staatlichen Transferleistungen zu Visualisieren versuchen. Quellen der Daten dieser Grafik sind einerseits die <a href="http://www.statistik.at/web_de/frageboegen/private_haushalte/eu_silc/index.html">Ergbnisse des EU-SILCS</a>,  und andereseits aus dem <a href="http://www.ihs.ac.at/vienna/index.php?category_id=1000459">IHS-ITABENA</a>, einem mikroökonomischen Haushalts-Simulationsmodell des Instituts für höhere Studien, das Österreichische Haushalte anhand ihrer Präferenzentscheidungen simuliert um steuerliche und Transferleistungen auf den Einzelhaushalt zu simulieren und daher zumindest in den Grundlagen die Utilitaristische Logik beinhaltet.</p>
<p>Ebenso erschliessen sich mir in diesem Artikel die Zusammenhänge der einzelnen Argumente nicht ganz klar. Wird zu Beginn noch Reichtum und Vermögen miteinander verglichen -</p>
<blockquote><p>Ist Österreich ein Land weniger Vermögender (die ihren Reichtum in steuerschonenden Stiftungen parken) und einer großen Masse unterer Einkommensschichten, die von der Gesellschaft vernachlässigt werden?</p></blockquote>
<p>- so argumentiert der zweite Teil des Artikels anhand von Einkommen und öffentlichen Transferleistungen, zwei ganz unterschiedliche Paar Schuhe. (siehe auch <a href="http://www.politikberatung.or.at/typo3/fileadmin/02_Studien/5_armut/armutundreichtum2008.pdf">2. Armuts und Reichtumsbericht</a> für Österreich)</p>
<p>Spannend finde ich in diesem Fall, dass man wieder versucht, anhand der Transferleistungen und deren Höhe zu behaupten, es &#8220;passiere eh genug&#8221; und &#8220;mehr sei ja der Bevölkerung wegen der sonst abnehmenden Leistungsbereitschaft nicht zuzumuten&#8221;.</p>
<p>Doch es gibt auch andere Perspektiven, gerade auf den Sozialstaat. So begreift <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Abram_de_Swaan">Abraham de Swaan</a> die Errungenschaften sozialstaatlichen Handelns auch als ein Handeln der Orthodoxie um eigenes &#8220;Unheil&#8221; abzuhalten. Beispielsweise wurden Kanäle und Abwasseranlagen gegen Cholera nicht wegen der betroffenen &#8220;Armen&#8221; errichtet, sondern um das Unheil von den Reichen in den selben Städten abzuhalten. Analog so de Swaan weiter wäre die Masse der schlecht abgesicherten Arbeiter als Bedrohung<br />
für die Betriebe wahrgenommen worden; daher wurde durch Sozialversicherungen in Wirklichkeit die Existenz der Betriebe gesichert.</p>
<p>Vielleicht braucht es also deutlichere Bedrohungsszenerien für die &#8220;Reichen&#8221;, um hier Handlungen in die Wege zu leiten?</p>
<p>Manchmal ist wohl die Wahrheit eindeutig eine Frage des eigenen Standpunkts.</p>
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		<title>Wissensmanagement dekonstruiert.</title>
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		<pubDate>Wed, 21 Apr 2010 14:25:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Gerald Czech</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Wie können gemeinnützige Organisationen die kollaborativen Tools und Netzwerke des Internets nutzen, um Wissen zu generieren, zu vermitteln, zu bewahren und zu pflegen? Das fragt Brigitte Reiser von Nonprofits-Vernetzt im Rahmen der aktuellen NPO-Blogparade. In ihrer Einleitung argumentiert Reiser, dass die Tools der Social Media für das Wissensmanagement nahezu prädestiniert wären und das NPOs derzeit [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<blockquote><p>Wie können gemeinnützige Organisationen die kollaborativen Tools und Netzwerke des Internets nutzen, um Wissen zu generieren, zu vermitteln, zu bewahren und zu pflegen?</p></blockquote>
<p>Das fragt <a href="http://nonprofits-vernetzt.posterous.com/">Brigitte Reiser</a> von Nonprofits-Vernetzt im Rahmen der aktuellen <a href="http://blog.nonprofits-vernetzt.de/index.php/npo-blogparade-15-wissensmanagement-in-gemeinnutzigen-organisationen-mit-hilfe-von-social-media/">NPO-Blogparade</a>.</p>
<p>In ihrer Einleitung argumentiert Reiser, dass die Tools der Social Media für das Wissensmanagement nahezu prädestiniert wären und das NPOs derzeit eher zu wenig Gebrauch von derartigen Tools per se machen:</p>
<blockquote><p>Meines Erachtens würde das Wissen von Nonprofits an strategischem Wert gewinnen, wenn es über das Internet stärker öffentlich gemacht würde. Nur so könnte man sich auf gesellschaftlicher Seite einen realistischen Überblick über die Situation im sozialen/kulturellen/… Sektor verschaffen und Lösungsmöglichkeiten entwickeln.</p></blockquote>
<p>Die Frage die sich hier stellt ist, ob das tatsächlich mit Wissensmanagement zu tun hat, oder  eher in Richtung Legitimation der Akteurinnen gegenüber der interessierten Zivilgesellschaft geht?</p>
<p>Ich denke dass die „neuen“ Tools bereits durchaus Eingang in die NPO-Alltagsrealität gefunden haben. Je nach Organisationskultur und  -Selbstverständnis gilt es allerdings unterschiedlichste Tasks umzusetzen. Diese Organisationsrealität habe ich ja bereits als Grundlage im Artikel „<a href="../2009/11/25/interne-herausforderungen-fur-web2-0-in-npos/">Interne Herausforderungen für Web2.0 in NPOs</a>“ angesprochen. Wahrscheinlich ist diese eigene Kultur, die feldspezifische Doxa oder „Illusio“, wie das Pierre Bourdieu (<a href="../2009/12/09/die-theorien-pierre-bourdieus/">vgl. Blogbeitrag hier</a>) bezeichnen würde, ein viel wesentliches Merkmal für die Social Media Nutzung einer Organisation, als ihre ökonomisch/politische Zuordnung zum NPO-Sektor oder zur Ökonomie.</p>
<p>Kollaboration ist beispielsweise für uns (das <a href="http://www.roteskreuz.at">Österreichische Rote Kreuz)</a> als stark operative NPO im Gesundheits- und Sozialbereich eine seit Jahren laufend geübte Praxis. Auch das Web1.0 war bereits zu einem erkläglichen Teil Kommunikationstool für die eigenen MitarbeiterInnen und –Mitarbeiter, die Tools der sozialen Medien haben diese Komponenten in jedem Fall gestärkt. Eine aktive Suche nach „Wissensmanagement“ im gesamten Rotkreuz-Onlineportal findet insgesamt fünf Beiträge – davon drei vom <a href="http://www.roteskreuz.at/wien/forschungsinstitut-des-roten-kreuzes/">Forschungsinstitut</a>, das eine jährliche „<a href="http://www.roteskreuz.at/fileadmin/user_upload/LV/Wien/Metanavigation/Forschungsinstitut/MitarbeiterInnen%20%2B%20Projektberichte/T%C3%A4tigkeitsbericht%20FRK%202009%20Endversion.pdf">Wissensbilanz</a>“ als Tätigkeitsbericht publiziert. Ein Treffer betrifft eine <a href="http://www.roteskreuz.at/pflege-betreuung/soziales/prosa/">Projektdatenbank „PROSA – Projekte mit Sozialem Anspruch“</a> auf in unserem Portal. Das zeigt, dass die Begrifflichkeit „Wissensmanagement“ im Falle des Österreichischen Roten Kreuzes keine große Bedeutung hat, was nicht heißt, das bei uns kein Wissen generiert, vermittelt, bewahrt oder geplegt wird.</p>
<p>Vielfach erscheint der Begriff des „<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Wissensmanagement">Wissensmanagement</a>“ gehyped, <a href="http://www.google.de/search?hl=de&amp;client=firefox-a&amp;hs=eKb&amp;rls=org.mozilla%3Ade%3Aofficial&amp;q=wissensmanagement+beratung&amp;btnG=Suche&amp;meta=lr%3Dlang_de&amp;aq=f&amp;aqi=&amp;aql=&amp;oq=&amp;gs_rfai=">viele Berater setzten auf dieses Pferd</a>, wiewohl die Spitze dieser Management-Mode schon fast vorbei sein dürfte. Wann, und da meldet sich bei mir auch wieder der Praktiker, wird „Wissen gemanaged“ und wann nur „intern Kommuniziert“; wann ist ein Tool einfach Feedback-Generierend und wann wird damit Wissen bewahrt. Ist ein System zur Erfassung von „<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Critical_Incident_Reporting_System">Critical Incidents</a>“, also zur Fehlererfassung bereits ein Wissensmanagement-Tool, wie sieht es mit <a href="http://www.roteskreuz.at/kurse-aus-weiterbildung/erste-hilfe/erste-hilfe-online-kurs/">Online-Trainingsplattformen</a> aus?</p>
<p>Als stark von sozialwissenschaftlichen Theoretikern geprägt postuliere ich jetzt, dass jegliche strukturierte Anwendung von Tools zur Verbesserung von innerorganisatorischem Sozialkapital (im Sinne der <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Bourdieu">Bourdieuschen</a> Definition, also im Sinne von sozialer Vernetzung) im weitesten Sinn neben dem Feld selbst auch das Wissen des Feldes strukturiert. Allein die partizipative Grundhaltung der Feldorthodoxie, das Formulieren von „Best Practices“ und „Lessons Learnt“, das eigene interne Verkaufen von Erfolgsmodellen erlaubt schon die Kategorisierung als „Wissensmanagement“. Und gerade diese Vernetzungen passieren durch die modernen Tools des Web2.0, so dieser <a href="http://oreilly.com/web2/archive/what-is-web-20.html">Begriff von Tim O’Reilly</a> noch erlaubt ist. Ich bin mir sicher, das ganze lässt sich auch systemtheoretisch begründen, ich bin allerdings im Moment noch derartig im Bourdieuschen Paradigma, dass ich hier geistig noch nicht flexibel bin.</p>
<p>So gesehen wirken alle partizipativen Tools, deren Content durch die Verwendung von digitalen Systemen gespeichert werden, im Sinne der ersten Frage Wissen generierend. Die Frage ist natürlich, ob dahinter auch das strategische Ziel steht, diese Methoden zu just dieser Zielerreichung zu verwenden. Sonst ist das Wissensmanagement einfach eine Art Kollateralschaden des eigenen (hoffentlich zumindest strukturierten) Kommunikationshandelns.</p>
<p>Wie schon in anderen Blogbeiträgen sehe ich die neuen Tools des Social Webs nur als Ergänzung zu bestehenden Tools. Auch die Methoden der Barcamps, Socialbars, … erscheinen weitere interessante Möglichkeiten hier bestehende Strukturen zu ergänzen und damit im Sinne eines breiten Methodenmixes die strategisch geplanten Organisationsziele auch operativ zu erreichen. Mir ist schon klar, dass ich hier wenig operative Beispiele gebe, sondern um die Begrifflichkeiten und Ziele diskutiere &#8211; ich denke aber, dass genau das ein primär wichtiger Schritt ist, die Frage zu dekonstruieren und zu den dahinterliegenden Phänomenen vorstoßen zu können.</p>
<p>Zum Schluss noch ein Link zu verschiedenen <a href="http://www.roteskreuz.at/service/social-media/">Social-Media Informationen des Österreichischen Roten Kreuzes</a>.</p>
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		<title>Sozialstrukturen im Österreichischen Roten Kreuz</title>
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		<pubDate>Fri, 16 Apr 2010 14:12:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Gerald Czech</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Gerne möchte ich die Ergebnisse meiner Diplomarbeit zum Thema Sozialstrukturen im Österreichischen Roten Kreuz auch in diesem Medium zur Verfügung stellen. Daher veröffentliche ich das Vorwort und die Zusammenfassung der Erkenntnisse hier und verlinke auf den Volltext bei textfeld.at. Vorwort „Verstehen heißt zunächst das Feld zu verstehen, mit dem und gegen das man sich entwickelt.“, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Gerne möchte ich die Ergebnisse meiner Diplomarbeit zum Thema Sozialstrukturen im Österreichischen Roten Kreuz auch in diesem Medium zur Verfügung stellen. Daher veröffentliche ich das Vorwort und die Zusammenfassung der Erkenntnisse hier und verlinke auf den <a href="http://textfeld.ac.at/text/1654/">Volltext bei textfeld.at</a>.</p>
<h1>Vorwort</h1>
<blockquote><p>„<em>Verstehen heißt zunächst das Feld zu verstehen, mit dem und gegen das man sich entwickelt.</em>“,</p></blockquote>
<p>das schrieb Pierre Bourdieu (Bourdieu et al. 2007, S. 11) zu Beginn seines „soziologischen Selbstversuchs“, bevor er versucht, seine eigene Entwicklung &#8211; objektiviert und sozialwissenschaftlich fundiert &#8211; nachzuzeichnen.</p>
<p>Ähnlich ging es mir in den vergangenen Jahren bei meinen Versuchen, mich dem Phänomen Rotes Kreuz von sozialwissenschaftlicher Seite her zu nähern. Viele meiner Seminararbeiten der vergangenen vier Jahre beschäftigten sich mit dem Roten Kreuz oder zumindest mit Einzelphänomenen, die mir im Roten Kreuz von Relevanz erschienen. In vielen Fällen hinderte mich mein eigenes Kontextwissen über die Organisation daran, tiefer zu graben, Offensichtliches zu dekonstruieren und die eigenen inkorporierten Normen und Riten dieser Organisation als ebensolche zu verstehen.</p>
<p>Mehr als 20 Jahre ehrenamtliches Engagement in der Organisation, als Rettungs- und Notfallsanitäter im Einsatz, als Leiter eines Führungsgrundgebietes auf Landes- und Bundesebene in der Katastrophenhilfe und im Einsatzmanagement, als Funktionär an einer Bezirksstelle, Angestellter in der Landesverbandsverwaltung und schlussendlich auch im Generalsekretariat, wo ich inzwischen – neben vielen anderen interessanten Tätigkeiten &#8211; auch mehrfach an Auslandseinsätzen teilnehmen durfte, erlaubten es mir, diese Organisation aus verschiedensten Perspektiven – allerdings immer nur von innen – zu betrachten. Die vergangenen Jahre im Marketingbereich im Generalsekretariat verlangten es immer häufiger, auch eine (halb-) externe Perspektive auf das Österreichische Rote Kreuz einzunehmen. Mehrere inzwischen abgeschlossene sozialwissenschaftliche Studien konnte ich hier bereits durchführen.</p>
<p>Obwohl ich versuche, einen sozialwissenschaftlich-kritischen Blick auf das Rote Kreuz in Niederösterreich zu wahren, kann ich die eigene Verstrickung in das Feld natürlich nicht abstreiten. Durch hochgerechnet rund 819 ehrenamtliche Rettungsdienste in den vergangenen mehr als 20 Jahren als Sanitäter oder Fahrer eines Rettungs-, Krankentransport- oder Notarztwagens – vorwiegend in zwölfstündigen Nachtdiensten aber durchaus auch unter Tags – wurde ich von der Idee des Roten Kreuzes selbstverständlich beeinflusst, man kann schon sagen, dass es Zeiten in meinem Leben gab, wo die ehrenamtliche Rotkreuz-Tätigkeit alle  anderen Aktivitäten bestimmte. Die Arbeit als Angestellter des Österreichischen Roten Kreuzes, noch dazu in einer anderen Organisationseinheit, hat mir geholfen, die nötige Distanz zu finden, um zumindest temporär auch die Rolle eines teilnehmenden Beobachters einnehmen zu können, wie dies für diese Studie auch notwendig war. Doch ich bin mir meiner blinden Flecken durchaus bewusst. Einerseits bin ich selbst Teil der Rotkreuz-Orthodoxie und andererseits aufgrund der jahrelangen PR-Tätigkeiten wohl selbst Profi im Euphemisieren von negativen Feldeffekten.</p>
<p>In dieser Arbeit möchte ich erneut eine interne Perspektive betrachten, die Ausprägung der Sozialstrukturen innerhalb eines Teils des Österreichischen Roten Kreuzes. Vieles – so meine Vermutung ex-ante – sollte hier zu finden sein, das den Verantwortungsträgern ohne diese Analysen nicht zur Verfügung steht. Zusammenhänge und Hypothesen wollte ich aufstellen, die die Arbeit in verschiedensten Bereichen des NPO-Managements vereinfachen sollen. Inwieweit das gelungen ist, mögen die Leser in den folgenden Kapiteln selbst beurteilen.</p>
<h2>Zusammenfassende Beschreibung des Sozialsystems Rotes Kreuz Niederösterreich</h2>
<p>Mit insgesamt 14.709 in der Datenbank erfassten Mitgliedern, die zum größten Teil in der tagtäglichen humanitären Arbeit engagiert sind, ist das Rote Kreuz wohl eine der größten Nonprofit-Organisationen in Niederösterreich. Das Durchschnittsalter der Rotkreuz-Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ist mit 41 Jahren relativ jung – betrachtet man nur die tatsächlich in den operativen Diensten wie beispielsweise im Rettungs- und Krankentransport oder in der Pflege und Betreuung beschäftigten, so sind diese im Schnitt noch deutlich jünger.</p>
<p>Betrachtet man die vertikale Schichtung, so kann vereinfacht gesagt werden, dass 80 % der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der so genannten „Mannschaft“ zu finden sind und je 10 % in den unteren und mittleren Führungsebenen, die als Unteroffiziere und Offiziere bezeichnet werden.</p>
<p>Untersucht man den so genannten „Mitgliedsstatus“, so kann man erkennen, dass insgesamt nur unter 5 % der Mannschaft angestellt ist, rund 10 % sind so genannte Reservisten und Reservistinnen, sind also von der Dienstverrichtung befreit und nicht mehr wahlberechtigt – in etwa 13 % werden als Funktionäre geführt und rund 70 % sind als ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erfasst, davon ein Viertel als Probemitglieder im ersten Jahr ihrer Tätigkeiten.</p>
<p>Im Bereich der Ausbildung kann man feststellen, dass ein durchschnittlicher Mitarbeiter oder eine durchschnittliche Mitarbeiterin rund 420 Stunden an Ausbildung innerhalb des Roten Kreuzes genossen hat. Ein Fakt, das zeigt, dass die Organisation auch hinsichtlich der Ausbildung ein wesentliches Element für die Zivilgesellschaft darstellt. Aufgrund der Fluktuation von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern verbessern die im Roten Kreuz erworbenen Fähigkeiten und Erkenntnisse auch nach dem Ende des eigenen Rotkreuz-Engagements die gesamtgesellschaftliche Vorbereitung für Katastrophen und Notfälle. Diese Aktivitäten dienen daher in jedem Fall auch der Gesellschaft indem sie die Anpassungsfähigkeit für Katastrophen generell verbessern.</p>
<p>Rund 12 % der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verfügen über deutlich mehr als 900 Ausbildungsstunden (30 ECTS), was an Universitäten einem ganzen Semester an Ausbildung entspricht. Besonders erwähnenswert ist auch die noch bessere interne Ausbildung des angestellten Personals.  Hinsichtlich der Bildung kann man im Roten Kreuz NÖ eine Akademikerquote von 10,29 % feststellen, im Bereich der Führungskräfte steigt diese auf 42,94 %</p>
<p>Es existiert eine Geschlechtersegregation mit manifester Benachteiligung von Frauen, was ihre Beteiligung an Führungspositionen in allen Ebenen betrifft. Diese Benachteiligung ist zwar relativ gesehen geringer, als die Benachteiligung in vielen anderen NPOs, speziell was die vertikale Segregation betrifft, allerdings ist sie nichts desto trotz ein messbares Faktum. Auch der Zugang weiblicher Rotkreuz-Mitglieder zu sozialen Distinktionen, seien es Auszeichnungen im Sinne symbolischen Kapitals, oder seien es Dienstgrade im Sinne von Distinktionen im engeren Sinn, ist – vergleicht man sie mit ihren männlichen Kollegen – eingeschränkt.</p>
<h1>Conclusio</h1>
<p>Zu Beginn der Arbeit an dieser Studie standen die drei unterschiedlichen „Säulen“ in der Führung des Roten Kreuzes als sozialwissenschaftliche Konstrukte: hauptberufliche Führungskräfte, Funktionäre und Mannschaftsoffiziere (und auch Ärzte) und ihre unterschiedlichen Sozialisierungen, Ziele und Rationalitäten als zentrale Inhalte dieses Forschungsvorhabens. Mit Hilfe verschiedener statistischer Methoden konnten im Laufe der Arbeit die meisten der theoretischen Annahmen zu diesem Sozialsystem aus den bereitgestellten Daten bestätigt werden.</p>
<p>Das Sozialsystem des Roten Kreuzes in Niederösterreich im Untersuchungszeitraum unterscheidet sich nicht wesentlich von der niederösterreichischen Gesellschaft im Jahre 2008, in die es ja interdependent eingebunden ist: Frauen werden benachteiligt; je wichtiger eine Funktion ist, umso geringer ist der Frauenanteil; Führungskräfte sind tendenziell besser ausgebildet und erhalten dafür mehr gesellschaftliche Anerkennung.</p>
<p>Doch es gibt auch Erkenntnisse jenseits dieser erwartbaren Gemeinplätze: Das Niederösterreichische Rote Kreuz ist ein hochkomplexes Feld das im gesamten bisher wenige sozialwissenschaftliche Untersuchungen über sich ergehen hat lassen. Die multiperspektivische Betrachtung aus historischer, organisationstheoretischer und organisationssoziologischer Analyse im Sinne der Bourdieuschen Praxeologie hat es erlaubt, einige bisher unbeachtete Aspekte zu entdecken, speziell was das Verhältnis der unterschiedlichen Mitarbeitergruppen zueinander betrifft.</p>
<p>Relevante Kapitalien im Feld mit symbolischer Wirkung, um mit den Bourdieuschen Termini zu sprechen, sind das institutionelle kulturelle Kapital, also schulische bzw. akademische Ausbildung, das interne kulturelle kapital, also interne Aus- und Fortbildung, sowie das feldspezifische symbolische Kapital, das sich durch Orden, Ehrenzeichen und so genannte Distinktionen, also unterschiedliche Dienstgrade manifestiert.</p>
<p>Auch wenn nach außen hauptsächlich die Funktionärinnen und Funktionäre der Organisation wirken und intern eher die Mannschaftsoffizierinnen und -Offiziere, beziehungsweise die angestellten Führungskräfte, so haben alle Gruppen wesentliche Aufgaben innerhalb dieses Sozialsystems, was sich auch anhand der im Feld zugewiesenen symbolischen Kapitalanteile zeigt. Doch diese drei für die Forschung aus Felddefinitionen konstruierten Klassen sind aufgrund der großen Komplexität des Feldes wahrscheinlich oftmals zu wenig selektiv. Besonders die im Anhang beigefügte Faktorenanalyse der Detailvariablen (ab Seite 98) und ihre grafische Darstellung zeigen, aufgrund der detaillierteren MitarbeiterInnengruppen diese Zusammenhänge deutlich detaillierter, als dies mit den Kreuztabellen in der Hypothesenprüfung möglich war. Aufgrund dieser Daten ist auch ersichtlich, dass sich die Mitarbeiter- und Führungskräftegruppen deutlich komplexer und heterogener präsentieren, als man dies eigentlich erwartet hätte.</p>
<p>Wie Pierre Bourdieu postuliert, unterscheiden sich im sozialen Raum verschiedene Klassen durch ihren Zugang zu den unterschiedlichen Ressourcen im Feld, die er Kapitalien nennt. Er behauptet zudem, dass sich die Klassen aufgrund der Feldsozialisierung schlussendlich auch habituell von einander unterscheiden, was beispielsweise ihre Lebensstile betrifft. Diese „Entfernung im sozialen Raum“ geht nach Bourdieu – vermittelt über den Habitus – auch mit einer Entfremdung dieser Klassen voneinander im Sinne eines langfristigen Prozesses einher. Anhand der vorliegenden Daten zum Sozialsystem Österreichisches Rotes Kreuz, Landesverband Niederösterreich, konnte zumindest der unterschiedliche Ressourcenzugang verschiedener Gruppen von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zu den untersuchten feldrelevanten Kapitalien bewiesen werden. Inwiefern sich diese Mitarbeitergruppen – die Unterschiede reichen in den meisten Fällen (noch) nicht aus, um sie im soziologischen Sinne als Klassen zu bezeichnen – auch hinsichtlich ihres Habitus unterscheiden muss Gegenstand weiterer Untersuchungen im Felde sein. Aufgrund der vorliegenden Theorie – aber auch nach den Ergebnissen anderer Erhebungen, wie des Stimmungsbarometers (Czech 2009) oder weiterer interner Auswertungen der Markenwahrnehmung unterschiedlicher Mitarbeiterinnengruppen – liegt dieser Schluss aber in jedem Falle nahe und würde als Erklärung für so manche Entwicklung innerhalb des Sozialsystems gut passen.</p>
<p>Eine wesentliche Komponente im theoretischen Gebäude Bourdieus, der Zugang zum finanziellen Kapital konnte allerdings aufgrund fehlender Erfassungen in der Mitarbeiterdatenbank nicht mit abgedeckt werden. Hier ist mit Sicherheit eine Ergänzung dieser Studie um eine quantitative Umfrage in einer Teilgesamtheit der Niederösterreichischen Rotkreuz-Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter angebracht, um diesen relevanten Aspekt in einer breiteren Theorie über die Mitarbeitergruppen und ihr Verhalten innerhalb dieses Feldes ebenfalls berücksichtigen zu können. Die Theorie würde in jedem Falle eine analoge Verteilung vorher sagen, wie sie beim kulturellen Kapital zu finden war.</p>
<p>Eine Zusammenfassung der empirischen Ergebnisse zum Sozialsystem wurde der Studie vorangestellt.</p>
<h2>Weitere Erkenntnisse aus der Studie</h2>
<p>Die intensive Auseinandersetzung mit der dem Österreichischen Roten Kreuz, Landesverband Niederösterreich zugrunde liegenden Sozialstruktur hat auch zu verschiedenen anderen Erkenntnissen hinsichtlich der komplexen Zusammensetzung dieser Organisation geführt, die zunächst nicht im Untersuchungsfokus dieser Studie lagen.</p>
<p>Wesentlichste Aufgabe ist mit Sicherheit die adäquate Berücksichtigung weiblicher Mitarbeiterinnen in den Führungskräftegruppen, also als Mannschaftsoffizierinnen und Funktionärinnen – ein Pilotprojekt dazu würde die Implementierung mit Sicherheit beschleunigen. Ziel sollte in jedem Fall sein, auch innerhalb der Führungskräfte denselben Anteil an Frauen zu haben, wie dies beispielsweise in den jüngeren Altersgruppen der Fall ist.</p>
<p>Hinsichtlich der Struktur zeigt sich das Rote Kreuz Landesverband Niederösterreich äußerst komplex und für Außenstehende nicht durchschaubar. Die Mechanismen der Entscheidungsfindung sind mehrstufig und manchmal nicht eindeutig. Im Sinne einer Steuerbarkeit mit klaren und zuordenbaren Verantwortlichkeiten (Governancestrukturen) scheint eine Beschleunigung bestehender Organisationsentwicklungsprozesse angebracht. Die Entscheidung, ob die bestehende Organisationsentwicklung alleine ausreicht, um den rasch ändernden Rahmenbedingungen in diesem Feld Herr zu werden, oder ob man sich auf einen schwierigen aber raschen Change-Management-Prozeß einstellen sollte, ist ebenfalls in Erwägung zu ziehen. Gerade aktuelle Debatten in der Branche – beispielsweise die Ausschreibung des Rettungs- und Krankentransportdienstes im Bundesland Tirol – zeigen, dass auch große Organisationen der Zivilgesellschaft klare und funktionierende Managementstrukturen benötigen, um unter volatilen und oftmals nicht vorhersehbaren Rahmenbedingungen bestehen zu können.</p>
<p>Auch die Unterschiede in den Anteilen an verschiedenen Kapitalien zwischen den unterschiedlichen Führungskräftegruppen zeigen, dass hier auch Potential für zukünftige Gestaltungen des Feldes liegt. Einerseits die gezielte Auswahl von Führungskräften unter Berücksichtigung externer Ausbildung und andererseits die Förderung der internen Ausbildung gerade im Bereich der Funktionärinnen und Funktionäre, oder auch die Unterstützung externer Ausbildung für intern stark integrierte und erfahrene angestellte Führungskräfte, die in diesem Bereich Nachholbedarf haben. Gerade die Entwicklungen im tertiären Bildungsbereich haben in den vergangenen Jahren in Niederösterreich verschiedene Bildungsstätten entstehen lassen, die berufsbegleitende Ausbildungen – zum Teil sogar Branchenspezifisch –  anbieten.</p>
<p>Weiters könnte die verstärkte Nutzung unterschiedlichster Mechanismen des symbolischen Kapitals innerhalb der Organisationsstruktur zukünftig eine Verbesserung in der Integration verschiedener Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bringen, zur Zeit verstärken Orden und Ehrenzeichen nur die Unterschiede zwischen den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die bereits mittels Diensträngen begründet werden.</p>
<p>Hinsichtlich des symbolischen Kapitals – also Orden und Auszeichnungen – profitiert nur eine Minderheit von derartigen sozialen Distinktionen. Vergleicht man den derzeit damit in Verbindung stehenden Verwaltungsaufwand auf allen Ebenen der Organisation, dafür sind eigene Angestellte beschäftigt, die die komplexen Kriterien zur Anwartschaft überprüfen und abwickeln, so steht dieser in keinem Verhältnis zum Effekt, den diese anachronistische Methode der Wertschätzung innerhalb des Sozialsystems derzeit bewirkt.</p>
<p>Weiters scheinen – vergleicht man die Daten mit den Grundannahmen über das Funktionieren der Organisation– die Vertreterinnen und Vertreter des ärztlichen Standes innerhalb der Sozialstruktur eine spezifische Rolle zu spielen, die allerdings nicht durch symbolisches Kapital feldimmanent bestätigt wird. Die Ärztinnen und Ärzte sind zwar bis auf Bezirksebene in der Struktur – durchaus in Offiziersrängen &#8211; präsent, werden offenbar aber von der Organisation nicht mit Auszeichnungen im Sinne symbolischen Kapitals bedacht. Gleichzeitig sind die Vertreter und Vertreterinnen der Ärzteschaft die Mitarbeitergruppe mit dem größten Anteil an externem und dem geringsten Anteil an internem kulturellem Kapital. Dies ist auch deutlich in den Diagrammen aus der Faktorenanalyse zu sehen (siehe dazu „Erstes Diagramm: kulturelles vs. symbolisches Kapital“ ab Seite 105 und „Zweites Diagramm: externes vs. internem kulturellem Kapital“ ab Seite 106), wo sich die Ärzte klar außerhalb aller anderer Mitarbeitergruppen (und möglicherweise auch außerhalb des Sozialsystems Rotes Kreuz) befinden.</p>
<p>Besonders interessant scheint in diesem Zusammenhang, dass diese empirischen Feststellungen auch in persönlichen Anmerkungen von Ärzten immer wieder zu hören sind, beispielsweise von den Chefärzten im Rahmen der Landesrettungskommandantenklausur 2008, was ein Zeichen dafür darstellt, dass es sich nicht um ein statistisches Artefakt handelt. Hier sind von Seiten der Organisationsgestaltung integrierende Maßnahmen vorzusehen, diese Gruppen enger an das Rote Kreuz zu binden.</p>
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		</item>
		<item>
		<title>Physikalische Segregation oder zweiter Hauptsatz der Sozialdynamik?</title>
		<link>http://blog.roteskreuz.at/sociologist/2010/03/01/physikalische-segregation-oder-zweiter-hauptsatz-der-sozialdynamik/</link>
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		<pubDate>Mon, 01 Mar 2010 15:25:57 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Gerald Czech</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Gerne verwenden technisch oder physikalisch ausgebildete Menschen Sozialsysteme mit ihren physikalischen Theorien. Oftmals kommt dabei natürlich auch die Thermodynamik ins Spiel, insbesondere deren zweiter Hauptsatz, nach dem „In einem geschlossenen adiabaten System die Entropie nicht geringer werden [kann]“ (Quelle: Wikipedia.org). Grundlage dieser Annahme, die als „Erfahrungstatsache“ bezeichnet wird, ist dass die Entropie als Maß der [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Gerne verwenden technisch oder physikalisch ausgebildete Menschen Sozialsysteme mit ihren physikalischen Theorien. Oftmals kommt dabei natürlich auch die Thermodynamik ins Spiel, insbesondere deren zweiter Hauptsatz, nach dem „In einem geschlossenen adiabaten System die Entropie nicht geringer werden [kann]“ (Quelle: <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Thermodynamik#Zweiter_Hauptsatz">Wikipedia.org</a>). Grundlage dieser Annahme, die als „Erfahrungstatsache“ bezeichnet wird, ist dass die Entropie als Maß der Unordnung eines Systems ohne äußere Einflüsse immer zunimmt, ein System also ohne Einfluss von außen chaotischer und stochastischer wird. Für den Bereich von (idealen) Gasen kann man derartige Phänomene ja gut beobachten.</p>
<p>Sozialingenieure, und das wäre wohl die freundlichste Bezeichnung, versuchen nun, diese Theorien auch als Erkenntnisgrundlage für soziale Phänomene zu verwenden. Ersetzen wir die stochastische physikalische Realität (im Bereich der „klassischen“ Physik) durch das zufällig verteilte Einkommen/Vermögen, so wird die soziale „Errungenschaft“ der Segregation zum Sieg der Gesellschaft über die Natur. Gängige neoliberale Utilitaristen ergänzen diese Perspektive dann noch durch die Individualisierung des sozialen.</p>
<p>Verknüpft man dieses „physikalische Weltbild“ – so hieß übrigens vor rund 25 Jahren ein <a href="http://www.rosensteingasse.at/">Freigegenstand an meiner HTL</a> – mit einem in Österreich durchaus als politisch korrekt geltendem Kick an Sozialdarvinismus, so erhält man eine in sich schlüssige Begründung, warum Segregation, also soziale Ungleichbehandlung und damit einhergehend manifeste Benachteiligung verschiedener gesellschaftlicher Schichten gut und wichtig ist, um die gesellschaftliche Ordnung aufrecht zu erhalten. Diese innere Schlüssigkeit der Ideologie, des grundlegend falschen Systems ist wohl eines der Probleme, warum wir in Österreich keinerlei Verteilungsdiskussionen oder Armutsdiskussionen auf breiter politischer Basis zu führen imstande sind.</p>
<h2>Thema Armut und Verteilung:</h2>
<ul>
<li><a href="http://oe1.orf.at/programm/201003011101.html">Ö1-Radiokolleg: Verteilung</a></li>
<li><a href="www.armut.at">www.armut.at</a></li>
<li><a href="www.allesueberarmut.at">www.allesueberarmut.at</a></li>
<li><a href="http://www.slideshare.net/redcrosswebmaster/armut-in-sterreich">Slideshare-Präsentation Armut in .at</a></li>
<li><a href="http://www.roteskreuz.at/berichten/magazin/detail/datum/2009/11/09/katastrophenausloeser-armut/">Rotkreuz-Magazin: Katastrophenauslöser Armut</a></li>
</ul>
<h2>Theoriebackground zum Thema</h2>
<ul>
<li><a href="http://blog.roteskreuz.at/sociologist/2009/12/09/die-theorien-pierre-bourdieus/">Die Theorien Pierre Bourdieus</a></li>
<li><a href="http://blog.roteskreuz.at/sociologist/2009/04/06/soziale-steuerung-und-sozialer-wandel-grundlegende-sozialwissenschaftliche-konzepte-und-diagnosen-zu-konkreten-wandelprozessen/">Sozialwissenschaftliche Konzepte zu sozialen Wandelprozessen</a></li>
</ul>
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		</item>
		<item>
		<title>Integrierte Marketingkommunikation &#8211; &#8220;Jugend&#8221; &amp; Web2.0</title>
		<link>http://blog.roteskreuz.at/sociologist/2010/02/16/integrierte-marketingkommunikation-jugend-web2-0/</link>
		<comments>http://blog.roteskreuz.at/sociologist/2010/02/16/integrierte-marketingkommunikation-jugend-web2-0/#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 16 Feb 2010 14:25:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>projektteamwuwien</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>

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		<description><![CDATA[Im Wintersemester 2009/2010 arbeitete ein Team von vier Studentinnen der WU Wien an einem Projekt für das ÖRK. Vor dem Hintergrund einer fehlenden zusammenfassenden Strategie für die Zielgruppe „Jugend“ galt es, deren strategische Relevanz zu klären und eine integrierte Marketingstrategie zu entwickeln. Ziel einer solchen ist es, das Österreichische Rote Kreuz für die Zielgruppe zu positionieren. Einerseits ermöglicht dies die Sensibilisierung der „Jugend“ für das Rote Kreuz und dessen Inhalte. Andererseits bietet eine zielgruppengerechte Marketingkommunikation die Chance, den Bereich „Jugend“ für die Zukunft als neues Segment für das Targeting für Freiwilligenarbeit anzusprechen.
In diesem Blogbeitrag sollen wesentliche Aspekte der Projektarbeit angeführt werden und diese zu einer weiteren Diskussion zum Thema "Jugendmarketingkommunikation" anregen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Zu der hier zuvor geführten Diskussion über eine integrierte Kommunikationsstrategie für jugendliche Zielgruppen möchten wir uns an dieser Stelle als <strong>Projektteam der WU Wien</strong> zu Wort melden und unsere Erkenntnisse aus einem von uns im Wintersemester 09/10 durchgeführten Projekt mit euch teilen. Somit können wir einen neuen Blickwinkel in die Diskussion einbringen.</p>
<p>Ziel des Projektes war die Entwicklung einer integrierten <strong>Jugendmarketingstrategie mit besonderer Berücksichtung von Web2.0-Elementen</strong>. Fokus unserer Recherche- und Analysearbeit lag dabei auf der NPO Österreichisches Rotes Kreuz. Die von uns erarbeiteten Aspekte sind sicherlich auch für andere (ähnliche) Organisationen relevant und die Resultate teilweise übertragbar.</p>
<p>Wir möchten in diesem Zusammenhang zuerst zwei für unsere Arbeit zentrale Fragen ansprechen, die auch hier schon öfters angesprochen wurden. Um zu einem Ergebnis zu gelangen, war es von zentraler Bedeutung folgende Fragen zu klären:</p>
<ul>
<li><strong>(1) Welche Rolle spielt die Zielgruppe „Jugend“ für NPOs?</strong></li>
<li><strong>(2) Wie kann diese am besten von den Organisationen erreicht werden? Welche Rolle spielt dabei das Internet und dessen neue Generation, das Web 2.0?</strong></li>
</ul>
<p>(1) Jugendliche – als Zielgruppe für NPOs, in unserem Zusammenhang für das Österreichische Rote Kreuz – sind wie sich in unserer Arbeit herausstellte als <strong>zukünftige Unterstützer, Vermittler der Inhalte und Freiwillige für die Organisation</strong> von zentraler Bedeutung.</p>
<p>Vorweg gilt es aber den Begriff einzugrenzen: „Jugend“ wurde für unsere Analyse als Personenkreis der 14- bis 30-Jährigen festgelegt (in Anlehnung an einige Studien und die Begriffseingrenzung des BMWFJ). Diese kennzeichnet sich durch Heterogenität, Szenenvielfalt, Individualität sowie die Bedeutung des Freundeskreises (Ergebnisse hierfür erhielten wir aus der Forschung zu Jugendkultur siehe z.B. <a href="http://www.jugendkultur.at">www.jugendkultur.at</a> -Beate Großegger).</p>
<p>Jugendliches Verhalten weist eine sinkende Tendenz des Engagementbewusstseins und eine verstärkte Mediennutzung, besonders innovativer Medien wie des Internets, auf. Vor allem die sinkende Tendenz des Engagementbewusstseins macht es für NPOs unabdingbar gezielt Jugendliche anzusprechen um auch die zukünftige Existenz jener Organisationen zu sichern, die stark von Freiwilligenarbeit abhängig sind. Doch welche Rolle spielt dabei das Internet?</p>
<p>(2) Das Internet weist <strong>Charakteristika eines Leitmediums</strong> innerhalb der Zielgruppe auf.</p>
<p>Dies zeigte sich vor allem durch die Analyse der Mediennutzung Jugendlicher (Informationen zur Mediennutzung der Jugend von heute – Time Scout Studie <a href="http://www.tfactory.com/5000trendstudie-TimescoutZ.html">http://www.tfactory.com/5000trendstudie-TimescoutZ.html</a>).</p>
<p>Das Internet bietet Jugendlichen nicht nur Möglichkeiten zur Informationssuche und Unterhaltung, sondern auch zur Kommunikation. Kommunikation bildet einen zentralen Aspekt in der Nutzung des Internets. Dies zeigt sich auch in einer drastischen Steigerung der Userzuwächse verschiedener Online Communities und sozialer Netzwerke (Facebook &amp; Co).</p>
<p>Die Frage wie Jugendliche am besten erreichbar sind, führt aus unserer Sicht somit am Internet nicht vorbei. Die Innovation des Web 2.0 bietet Organisationen ebenso Kostenvorteile sowie Möglichkeiten der Eigeninitiative und Mitgestaltung. Dies konnte durch Best Practice-Beispiele in unserer Arbeit bestätigt werden: Immer mehr Organisationen und Unternehmen machen sich die Vorteile des Web 2.0 zu Nutzen (beispielsweise Oberösterreich Tourismus sucht Oberösterreich Botschafterin auf Facebook http://www.ots.at/presseaussendung/OBS_20091204_OBS0016).</p>
<p><span id="more-208"></span></p>
<p>Im Folgenden eine knappe Zusammenstellung der Erkenntnisse, die wir aus unseren Analysen (der Literatur, Best-Practice etc.) gewinnen konnten.</p>
<p>Durch intensive Literaturrecherche und Vergleiche mit ähnliche Organisationen sind wir im Rahmen unserer Arbeit zu dem Ergebnis gekommen, dass durch die zunehmende Bedeutung des Internets und im Besonderen von Web 2. 0- Applikationen die Ansprache der Zielgruppe „Jugend“ durch eben diese Medien von großer Bedeutung ist. Die Ansprache ist auf diesem Weg am einfachsten zu gestalten, besonders was ihre Umsetzbarkeit betrifft, und ist weiters mit wenig Kosten verbunden und geeignet schnelle Reaktionen zu erzeugen. Vor allem der Kostenvorteil des Internets gegenüber anderen Medien stellt sich vor allem für NPOs als großer Vorteil heraus. Der Ausbau der Internetpräsenz speziell für Jugendliche sowie der Auftritt in „social communities“ erscheinen somit zentral. Bei der Verwendung von Web 2.0-Applikationen darf aber die Pflege bzw. das Monitoring bezüglich der Aktualität dieser Applikationen nicht vernachlässigt werden um den gewünschten Effekt zu erreichen &#8211; eine intensivere zielgerechte Positionierung und Integration der Jugend in die Organisation. Neben dem Internet sollen dennoch „klassische“ Medien weiterhin einbezogen werden, dadurch kann erreicht werden, dass auch Jugendliche außerhalb der „Online-Welt“ angesprochen werden.</p>
<p>Letztendlich kommen wir zu dem Schluss, dass die Einbeziehung der Jugend als Zielgruppe und eine integrierter Marketingkommunikation für die Zukunft des ÖRK von zentraler Bedeutung ist. Durch die Verwendung des Internets können Kostenvorteile genutzt werden. Eine Marketingkommunikation mit geringer oder keiner Einbeziehung des Internets erschwert eine zielgruppengerechte Ansprache, da das Internet zu den am meisten genutzten Medien junger Zielgruppen zählt.</p>
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		</item>
		<item>
		<title>Out of Facebook: Stiglitz, Schmidt und der Neoliberalismus</title>
		<link>http://blog.roteskreuz.at/sociologist/2010/01/07/out-of-facebook-stiglitz-schmidt-und-der-neoliberalismus/</link>
		<comments>http://blog.roteskreuz.at/sociologist/2010/01/07/out-of-facebook-stiglitz-schmidt-und-der-neoliberalismus/#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 07 Jan 2010 16:13:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Gerald Czech</dc:creator>
				<category><![CDATA[Neoliberalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Sozialpolitik]]></category>
		<category><![CDATA[theorie]]></category>
		<category><![CDATA[Ökonomie]]></category>
		<category><![CDATA[Becker]]></category>
		<category><![CDATA[Keynes]]></category>
		<category><![CDATA[Replik]]></category>
		<category><![CDATA[Stiglitz]]></category>

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		<description><![CDATA[Zur Genese des vorliegenden Textes muss ich erklären, dass dieser am Tag vor Silvester zunächst als kurze Facebook-Note entstand. Ich wollte mich etwas ausführlicher auf eine Replik zu einem von mir geposteten Link auf den Gastkommentar von Joseph Stiglitz im Standard äussern. Nach einigen Tagen fand ich allerdings, dass das vielmehr ein Blogpost sei, als [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div>Zur Genese des vorliegenden Textes muss ich erklären, dass dieser am Tag vor Silvester zunächst als kurze Facebook-Note entstand. Ich wollte mich etwas ausführlicher auf eine Replik zu einem von mir geposteten Link auf den Gastkommentar von Joseph Stiglitz im Standard äussern. Nach einigen Tagen fand ich allerdings, dass das vielmehr ein Blogpost sei, als eine Facebook-Nachricht, daher übernehme ich diesmal den Text in die andere Richtung als sonst und verwende diesen Blog als Sekundärmedium.</div>
<div></div>
<div>Nun noch eine Replik auf Peter Schmidt mit ein bisserl weniger Emotion dafür mit ein bisserl mehr an Worten:</div>
<div>
<blockquote><p>Peter meinte<br />
Ausgelöst vor allem durch Gier der armen US-Häuselbauer mit Finanzierung auf Pump über jede Leistungsfähigkeit hinaus. Niemand muss das tun. Aber von den Banken werden solche Finanzierungen allseits erwartet mit super niedrigen Zinsen, dazu tolle Haben-Zinsen für Einlagen. Und wenn das dann nicht klappt, sind sie auch schuld.</p></blockquote>
<p>Ich fand es in jedem Fall mehr als rabulistisch, die Behauptung aufzustellen, dass die Krise (in den USA) in Form des externen Drucks auf die Hypothekenbanken &#8211; sozusagen durch die Einmischung der Gesellschaft oder des des Staates in das Banksystem erfolgt ist und daher diesem keinerlei Schuld für die darauffolgenden Dominoeffekte anzulasten sei. In diesem Fall, lieber Peter, sitzt du der selbsterfüllenden Prophezeiung der neoliberalen Denker auf, deren Realitätskonstruktion keinerlei andere Lösungen kennt. Fehler im System müssen sich (immer) auf die Einmischung von Aussen zurückführen lassen, weil der Markt allein, regelt immer alles selbst.</p></div>
<div>
<div><img class="alignleft" src="http://photos-h.ak.fbcdn.net/hphotos-ak-snc3/hs152.snc3/17962_224297412981_746762981_3233779_5988242_a.jpg" alt="Quelle: http://greenewable.files.wordpress.com/2008/10/invisiblehand.jpg" width="180" height="200" /></div>
</div>
<div>Diese Argumentation ist ja sogar Neo-Neoliberalismus und genau das prangert Stiglitz zu Recht in seinem <a title="http://derstandard.at/1259282844475/Fuenf-bittere-Lehren-aus-dem-Krisenjahr-2009" href="http://www.facebook.com/note_redirect.php?note_id=225168974957&amp;h=518c88a10c138215cfd0c68d3520b019&amp;url=http%3A%2F%2Fderstandard.at%2F1259282844475%2FFuenf-bittere-Lehren-aus-dem-Krisenjahr-2009" target="_blank">Kommentar auf derstandard.at</a> an. Die &#8220;unsichtbare Hand&#8221; des Marktes, die im Rahmen des Booms des Neoliberalismus dem armen Adam Smith zugeschrieben wurde, der diese Metapher im &#8220;Wohlstand der Nationen&#8221; (<a title="http://en.wikisource.org/wiki/The_Wealth_of_Nations" href="http://www.facebook.com/note_redirect.php?note_id=225168974957&amp;h=3190544be2913f94b67a57d5adfab8a9&amp;url=http%3A%2F%2Fen.wikisource.org%2Fwiki%2FThe_Wealth_of_Nations" target="_blank">Original übrigens hier</a>) überhaupt nur einmal verwendet und da in komplett anderem Zusammenhang. &#8220;Die unsichtbare Hand&#8221;, so Stiglitz, sei deswegen nicht in Erscheinung getreten, weil es sie schlichtweg nicht gibt. Laufende und immer steigende Gier weniger Alphatiere im Finanzsektor führten zur Genese von Derivaten, deren Konstruktion schlussendlich niemand mehr verstanden hat, das hat nichts mehr mit den Krediten zu tun gehabt.</div>
<div>
<div><img class="alignright" src="http://photos-b.ak.fbcdn.net/hphotos-ak-snc3/hs152.snc3/17962_224294112981_746762981_3233767_7326290_a.jpg" alt="Quelle: www.larryevansphotography.com" width="180" height="119" /></div>
<div><span><br />
</span></div>
</div>
<div>Radikale Vertreter der ökonomistischen Theorie, wie beispielsweise <a>Gary Becker</a>, der dafür sogar einen Nobelpreis erhalten hat, versuchen sogar, soziales Verhalten mit diesen Vereinfachungen zu erklären. Becker selbst sieht seinen ökonomischen Ansatz als Erklärungsmodell für jegliches menschliche Verhalten. Es ist in seinen Augen mehr als eine sozialwissenschaftliche Mikrotheorie, weil es auch nicht-soziales zu erklären versucht.</p>
<p>„Ich bin der Auffassung, dass die besondere Stärke des ökonomischen Ansatzes darin liegt, dass er eine breite Skala menschlichen Verhaltens integrativ erfassen kann.“ (Becker 1982: 3)<br />
Doch, wenn man mit einem Satz die Welt erklären will, dann muss man seine Bedeutung sehr breit anlegen. Egal, ob es um Kaffeekonsum, Ehe, die Wirkung der Todesstrafe, oder um die Entscheidung einer Autoroute geht – Beckers Theorie hat scheinbar Lösungen für alles. Was auf der Strecke bleibt ist die soziale Realität als vernachlässigbare Randbedingung. Diese wurde Schritt für Schritt durch eine ökonomische Realität ersetzt, ganz im Sinne des zuvor zitierten Volkswirtschaftlichen Modellbegriffs.</p></div>
<div>
<div><img class="alignleft" src="http://photos-c.ak.fbcdn.net/hphotos-ak-snc3/hs132.snc3/17962_224285167981_746762981_3233722_2144747_a.jpg" alt="Quelle: diePresse.at online: http://diepresse.com/home/panorama/oesterreich/445025/index.do" width="180" height="462" /></div>
</div>
<div>Gerade in Zeiten der einfachen Erklärungen eignen sich Theorien wie diese, weil es für sich in keinster Weise in Anspruch nimmt, selbst normativ zu sein, obwohl im Hintergrund die Ökonomisierung aller Lebensbereiche laufend mitschwingt. Es verwundert trotzdem nicht, dass Becker für diese Ansätze einen Nobelpreis erhalten hat. Auf der einen Seite war es der Preis für Wirtschaftswissenschaften &#8211; damit wurde die Theorie auch aus der ökonomischen Perspektive gesehen – und auf der anderen Seite passt eine Theorie wie diese sehr gut in die neoliberale Rationalität einer globalisierten Welt.</p>
<p>Ob die Krise nun von den Medien gemacht ist, oder nicht ist schlussendlich irrelevant, zumal sie objektiv und auch subjektiv gerade für die Bedürftigen da ist. Die Realwirtschaft hat vom Einbruch in der Finanzwirtschaft Schaden genommen und dieser betrifft einzelne Menschen. Wenn man ansieht, wie viele Menschen nach den neuesten Statistiken armutsgefährdet sind, so ist jeder Euro, der statt in die Verbesserung der Lebensbedingungen aller in die Rettung von Finanzinstitutionen investiert werden muss, um noch grössere Schäden zu vermeiden, ein verlorener Euro. Das und nichts anderes sagte Stiglitz, er bekrittelte &#8211; wie übrigens auch viele andere mehr oder weniger einflussreiche ÖkonomInnen &#8211; die Tatsache, dass Gewinne immer gerne privatisiert werden, während die Verluste kommunalisiert werden, also von uns allen im Wege des Staates beglichen werden.</p>
<p>Doch Stiglitz geht noch weiter in seiner Argumentation, denn er nennt fünf Lehren aus der Krise und die bisher diskutierten Argumente betreffen lediglich seine erste Lehre. Das ist auch der Grund, warum ich Dir ökonomische Literatur nahegelegt habe, in meiner ersten Reaktion. Denn natürlich kann man über die einzelnen Thesen und Argumente unterschiedlicher Meinung sein, ob jetzt Keynesianische Politik immer funktioniert, oder nur in manchen Fällen, wie das mit der Geldpolitik und der Inflationsbekämpfung als ihr heiligstes Ziel ist, und ob Innovationen zu einer effizienteren und produktiveren Ökonomie führen &#8211; doch einfach Pauschal einen wirklich gut geschriebenen und in meinen Augen auch ziemlich auf den Punkt kommenden Artikel als &#8220;Schwachsinn&#8221; zu titulieren schlägt in meinen Augen doch auf die Person zurück, die das geschrieben hat.</p></div>
<div>
<div><img class="alignright" src="http://photos-h.ak.fbcdn.net/hphotos-ak-snc3/hs152.snc3/17962_224324312981_746762981_3233895_7755932_a.jpg" alt="Quelle: Life: John Maynard Keynes during the Monetary Conf." width="180" height="227" /></div>
<div></div>
</div>
<p>Es muss ja nicht gleich <a title="http://www.zeit.de/2008/46/Keynes?page=all" href="http://www.facebook.com/note_redirect.php?note_id=225168974957&amp;h=c20ea6c7c06568d0bdd7e8e39d889d9a&amp;url=http%3A%2F%2Fwww.zeit.de%2F2008%2F46%2FKeynes%3Fpage%3Dall" target="_blank">John Maynard Keynes</a> sein, aber beispielsweise der Artikel oder das Buch <a title="http://books.google.at/books?hl=de&amp;lr=&amp;id=VXIDgGjLHVgC&amp;oi=fnd&amp;pg=PP13&amp;dq=%22Coase%22+%22The+nature+of+the+firm%22+&amp;ots=RFc0mpkNt2&amp;sig=O6R7OOlfzHTTT3GnpZXCw9oAq0c#v=onepage&amp;q=%22Coase%22%20%22The%20nature%20of%20the%20firm%22&amp;f=false" href="http://www.facebook.com/note_redirect.php?note_id=225168974957&amp;h=97d9322cbac5cef1ce256a57e44efa89&amp;url=http%3A%2F%2Fbooks.google.at%2Fbooks%3Fhl%3Dde%26lr%3D%26id%3DVXIDgGjLHVgC%26oi%3Dfnd%26pg%3DPP13%26dq%3D%2522Coase%2522%2B%2522The%2Bnature%2Bof%2Bthe%2Bfirm%2522%2B%26ots%3DRFc0mpkNt2%26sig%3DO6R7OOlfzHTTT3GnpZXCw9oAq0c%23v%3Donepage%26q%3D%2522Coase%2522%2520%2522The%2520nature%2520of%2520the%2520firm%2522%26f%3Dfalse" target="_blank">&#8220;The Nature of the firm&#8221;</a> aus dem Jahr 1936 von Ronald Coarse legen auch schon die Synapsen so weit um, dass unterschiedliche Realitäten zum ökonomischen System gedacht werden können, als dass das die neoliberale &#8220;Moral&#8221;-Theologie zulässt.</p>
<p>Ach ja, danke Dir für Dein &#8220;Stöckchen&#8221;, sonst hätte ich mich nicht zu dem Text hinreissen lassen &#8230;</p>
<p>Liebe Grüsse verbunden mit den besten Wünschen zum bevorstehenden Jahreswechsel,</p>
<p>Gerald</p>
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		</item>
		<item>
		<title>Die Theorien Pierre Bourdieus</title>
		<link>http://blog.roteskreuz.at/sociologist/2009/12/09/die-theorien-pierre-bourdieus/</link>
		<comments>http://blog.roteskreuz.at/sociologist/2009/12/09/die-theorien-pierre-bourdieus/#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 09 Dec 2009 12:51:45 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Gerald Czech</dc:creator>
				<category><![CDATA[Bourdieu]]></category>
		<category><![CDATA[Soziologie]]></category>
		<category><![CDATA[links]]></category>
		<category><![CDATA[theorie]]></category>
		<category><![CDATA[Erkenntnistheorie]]></category>
		<category><![CDATA[Feld]]></category>
		<category><![CDATA[Habitus]]></category>
		<category><![CDATA[Kapital]]></category>
		<category><![CDATA[Objektivismus]]></category>
		<category><![CDATA[Subjektivismus]]></category>

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		<description><![CDATA[Dieses Textfragement entstand &#8211; analog zum Fragement zur Geschichte des Roten Kreuzes &#8211; bei der Erstellung meiner Diplomarbeit zu den Sozialstrukturen im Österreichischen Roten Kreuzes als übervollständige Beschreibung des Bourdieuschen Theoriengebäudes. Da einige Teile dieses Abrisses in die Diplomarbeit wegen mangelnder Relevanz für das Thema keinen Eingang finden werden, veröffentliche ich diesen Text hier. Falls [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Dieses Textfragement entstand &#8211; analog <a href="http://blog.roteskreuz.at/sociologist/2009/11/27/die-geschichte-des-roten-kreuzes-in-niederosterreich/">zum Fragement zur Geschichte des Roten Kreuzes</a> &#8211; bei der Erstellung meiner Diplomarbeit zu den Sozialstrukturen im Österreichischen Roten Kreuzes als übervollständige Beschreibung des Bourdieuschen Theoriengebäudes. Da einige Teile dieses Abrisses in die Diplomarbeit wegen mangelnder Relevanz für das Thema keinen Eingang finden werden, veröffentliche ich diesen Text hier.</p>
<p>Falls das Lesen am Schirm zu mühsam ist, hier die PDF-Version: <a rel="attachment wp-att-193" href="http://blog.roteskreuz.at/sociologist/2009/12/09/die-theorien-pierre-bourdieus/theorien-pierre-bourdieus/">Theorien Pierre Bourdieus</a></p>
<p>Gerald Czech im November 2009</p>
<p>Andere Bourdieu-Texte in meinem Blog (Diese sind zum Teil Grundlage des hier publizierten Textes):</p>
<ul>
<li><a href="../2009/05/28/die-firma-okonomisches-oder-soziales-phanomen/">Die Firma: ökonomisches oder soziales Phänomen?</a></li>
<li><a href="../2009/04/06/wissenschafts-und-erkenntnistheorie-im-werk-pierre-bourdieus/">Wissenschafts- und Erkenntnistheorie im Werk Pierre Bourdieusourdieu erkenntnistheorie</a></li>
<li><a href="../2009/04/06/sozialwissenschaftliche-mikrotheorien/">Sozialwissenschaftliche Mikrotheorien</a></li>
<li><a href="../2009/01/01/konzeptpapier-habitus/">Konzeptpapier: Habitus</a></li>
<li><a href="../2009/01/01/konzeptpapier-pierre-bourdieus-feldbegriff/">Konzeptpapier: Pierre Bourdieus Feldbegriff</a></li>
<li><a href="../2008/11/21/bourdieus-feldbegriff/">Bourdieus Feldbegriff</a></li>
</ul>
<h1 style="text-align: left"><strong>Die Theorien Pierre Bourdieus</strong></h1>
<p style="text-align: left">Gerald Czech, Dezember 2009</p>
<h1>1.      Kurzbiographie Pierre Bourdieus</h1>
<p>Pierre Bourdieu ging als kritischer politischer französischer Intellektueller auf der einen und als der Soziologe der Ungleichheitsforschung auf der anderen Seite nicht nur in die Wissenschaftsgeschichte ein. Wie Franz Schulteis in einem Interview für das Booklet zur DVD „Soziologie ist ein Kampfsport“ betont, waren beide Perspektiven Bourdieus offenbar jeweils alleinstehend aber für unterschiedliche Zielgruppen präsent: „Wer »Das Elend der Welt« liest oder »Gegenfeuer«, beschäftigt sich meistens nicht mit »Die feinen Unterschiede« oder »Die Regeln der Kunst« oder umgekehrt.“ (Schrenk 2009, S. 30)</p>
<p>Wesentlich erscheint in diesem Zusammenhang, dass Pierre Bourdieu – und hier ist er ganz in der Tradition des deutschen Soziologen Max Weber – als Wissenschafter werturteilsfrei die sozialen Tatsachen schildert, seine politischen Äußerungen spielen sich außerhalb der wissenschaftlichen Publikationen ab. Auch das scheint ein Grund dafür zu sein, warum diese zwei unterschiedlichen Bilder von Bourdieu auch Jahre nach seinem Tod noch immer so existieren.</p>
<p>Aufgrund seiner Publikationssprache und seiner Verortung als französischer Intellektueller war Bourdieu im deutschsprachigen Raum lange Zeit unbekannt. Erst Mitte der 1980er Jahre, fast 20 Jahre nach seinen ersten wichtigen Publikationen, wurde sein Werk auch im deutschsprachigen Raum bekannt und damit Inhalt des sozialwissenschaftlichen Diskurses.</p>
<p>„Im deutschsprachigen Raum bekannt wurde Bourdieu durch seine Studie »Die feinen Unterschiede« (Dt. 1982), die der kulturellen Reproduktion sozialer Ungleichheit gewidmet ist. Dabei entschlüsselte er die Kultur des Geschmacks und erklärte die Funktionsmechanismen des klassenspezifischen »Habitus«.“ (Wieselberg o.J. [2002])</p>
<p>Bourdieu stammt – und das ist für einen Träger höchster akademischer Würden in Frankreich mehr als untypisch – aus einfachen Verhältnissen. Er wuchs in einer peripheren Region an den Pyrenäen auf und konnte dank eines Stipendiums zuerst das Gymnasium in Pau und anschliessend die elitäre akademische Ausbildung an der École normale supérieure absolvieren. (vgl. Bohn, Hahn 2007, S. 289–291)</p>
<p>„Wenn ich daran erinnere, daß ich damals Philosophiestudent an der École normale supérieure war, mich also am Gipfel der Hierarchie des Bildungswesens befand, und zwar zu einer Zeit, als der Sieg der Philosophie ausgemacht schien, so hätte ich wohl alles Nötige zur Erklärung meiner späteren Laufbahn im universitären Feld gesagt.“ (Bourdieu et al. 2007, S. 11f)</p>
<p>Eine kurze Karriere als Gymnasialprofessor wurde durch seinen Militärdienst in Algerien beendet, zu einer Zeit, als die Spannungen in dieser französischen Kolonie immer größer wurden. Nach dem Militärdienst blieb Bourdieu in Algier, wo er ethnologische Studien – unter anderem in der Kabylei, einer ruralen Region Algeriens, trieb und an der Universität unterrichtete. Nach seiner Rückkehr in die französische Heimat beschäftigte er sich immer mehr mit soziologischen Themen, oftmals mit Fragen, die im Laufe seiner Studien in der Kabylei aufgetaucht sind, und die nun detaillierter betrachtet wurden. (vgl. Bohn, Hahn 2007, S. 289–291)</p>
<p>Aufgrund seiner Vielfältigkeit und seines politischen Engagements, war Pierre Bourdieu zunächst in Frankreich und gegen Ende seines Schaffens – nicht zuletzt aufgrund seines Engagements als Mitbegründer der globalisierungskritischen Bewegung ATTAC &#8211; ein „Star des intellektuellen Lebens, eine Figur mit großer Ausstrahlung und medialer Wirkung.“ (Schwibs o.J.[2002])</p>
<p>Bourdieu galt bereits zu Lebzeiten – er starb im Jahre 2002 in Paris – als „Klassiker der Soziologie“.</p>
<p>„Er [war] ein ungebrochener Vertreter einer spezifischen französischen Wissenschaftstradition, die in der Linie Durkheim, Canguilhem, Koyre durchaus ihre handfesten positivistischen Anklänge hat.“ (Schwibs o.J.[2002])</p>
<h1>2.     Pierre Bourdieus Epistemologie</h1>
<h2>2.1.Objektivismus und Subjektivismus als Dichotomie</h2>
<p>Die erkenntnistheoretischen – oder besser epistemologischen – Positionen von Pierre Bourdieu beziehen sich in hohem Maße auf die beiden unterschiedlichen Herangehensweisen, mit denen soziale Welt gesehen, interpretiert und damit konstruiert wird. Es sind dies zwei Modi der Erkenntnis:</p>
<p>Auf der einen Seite sieht Bourdieu den Objektivismus, der die soziale Realität als externe und objektive Struktur begreift, die die handelnden Akteure missachtet und als Objekte zu Spielbällen der Struktur reduziert: „Die objektivistische Tradition begreift die soziale Welt als ein Universum objektiver, von den Handelnden unabhängige Regelmäßigkeiten, die vom Standpunkt eines unparteiischen, die beobachtende Welt überfliegenden Beobachters jenseits des Handelns aus konstruiert sind.“ (Bourdieu 2004, S. 86)</p>
<p>Gerade der Strukturalismus, der nach dem zweiten Weltkrieg in der Philosophie und Ethnologie in Frankreich weit verbreitet war, ist eine objektivistische Theorie. Bourdieu war selbst zu Beginn seiner Forschungen stark strukturalistisch geprägt, stellte jedoch mehr und mehr fest, dass viele aufgeworfene Fragen nicht strukturalistisch erklärt werden konnten. „Bourdieu wirft dem Strukturalismus vor, diese Interessensbezogenheit des Handelns gesellschaftlicher Akteure vollkommen außer acht gelassen zu haben zugunsten einer höchst idealisierten Beschreibung der Regeln und kulturellen Muster.“ (Joas 2004, S. 525)</p>
<p>Die zweite erkenntnistheoretische Position, die Bourdieu im soziologischen Diskurs wahrnimmt, ist die des Subjektivismus, wie er beispielsweise in der Phänomenologie oder auch in der Ethnomethodologie praktiziert wird.</p>
<p>„[…][Der Subjektivismus] ist die absolute Gegenposition zur objektivistischen Beschreibung. Im Grenzfall […] ist die soziale Welt das Produkt der individuellen Handlungen. Danach verhalten sich die Menschen nicht etwa respektsvoll, weil es Hierarchien gibt; vielmehr erwächst die Hierarchie letztendlich aus den unendlich vielen individuellen Respektshandlungen.“ (Bourdieu 2004, S. 86)</p>
<h2>2.2.Praxeologie als Lösung?</h2>
<p>„In der Alltagspraxis besteht ein permanenter Kampf zwischen Objektivismus und Subjektivismus. Jeder versucht, seine subjektive Vorstellung von sich als objektive Vorstellung durchzusetzen. Herrschender ist der, der über die Mittel verfügt, dem Beherrschten aufzuzwingen, ihn so wahrzunehmen, wie er wahrgenommen werden will.“ (Bourdieu 2004, S. 89)</p>
<p>Das wirklich neue in Bourdieus Theorien und auch in seiner Epistemologie ist die dialektische Verschmelzung des subjektivistischen und des objektivistischen Modus zu einer so genannten Praxeologie – einer Theorie der Praxis – , in der die „objektiven“ gesellschaftlichen Strukturen (in der Einteilung der Soziologen als Makrotheorien bezeichnet) und die subjektiven individuellen Handlungsalternativen der Akteure (analog als Mikrotheorien bezeichnet) über das Konzept des Habitus miteinander verknüpft werden:</p>
<p>„Um zu einer aufhebenden Synthese zu gelangen, geht es Bourdieu um die erkenntnistheoretische Rehabilitierung der im objektivistischen Diskurs tendenziell eliminierten sozialen Akteure mit ihren analytisch relevanten Subjektivtätsmerkmalen (Erfahrungen, Erlebnisweisen, Alltagspraktiken etc.), ohne deshalb freilich – wie im subjektivistischen Erkenntnismodus – die wissenschaftliche Reflexion objektiver Strukturen (insbesondere auch in deren Wirkung auf die sozial Handelnden) zu vernachlässigen.“ (Krauss 2001)</p>
<p>Es existiert daher eine – im wahrsten Sinne des Hegelschen Begriffs – dialektische Beziehung zwischen den objektiven Strukturen der Felder und damit der Gesellschaft und dem subjektiven strukturierenden Handeln der Individuen. (vgl. Joas 2004, S. 530)</p>
<p>Objektive Erkenntnis benötigt immer den Bruch mit der Alltagserfahrung durch die Abstraktion auf gesamtgesellschaftliche Ebene, während die subjektivistische Erkenntnis lediglich Alltagserfahrung in sozialwissenschaftliche Worte kleidet. Erst die Kombination dieser Modi durch die objektivistische Sicht, die den subjektiven Phänomenen hinzugefügt wird, entsteht der dritte Modus der praxeologischen Erkenntnis.</p>
<p>„Diese völlig ungewöhnliche Form des Reflektierens führt zum Verzicht auf die absolutistischen Prätentionen der klassischen Objektivität, verurteilt deswegen nicht zu Relativismus: Die Bedingungen der Möglichkeit des wissenschaftlichen Subjekts und die seines Objekts sind nämlich identisch, und jedem Fortschritt in der Erkenntnis der gesellschaftlichen Bedingungen der Produktion wissenschaftlicher Subjekte entspricht ein Fortschritt in der Erkenntnis des wissenschaftlichen Objekts und umgekehrt. Das ist niemals so deutlich wie dann, wenn die Forschung das Feld der Wissenschaft selbst, das heißt das wahrhafte Subjekt wissenschaftlicher Erkenntnis, zu ihrem Objekt macht.“ (Bourdieu 1999, S. 332)</p>
<h1>3.     Die Theorien von Pierre Bourdieu</h1>
<p>Nachfolgend werden die wesentlichen Begriffe aus dem Werk von Pierre Bourdieu in kurzen theoretischen Abhandlungen erklärt und gegenüber gestellt. Insgesamt sind diese unterschiedlichen Theorieteile allerdings stark miteinander verschränkt und in höchstem Maße interdependent. Aus diesem Grunde ist es auch schwierig zu entscheiden, mit welchem Konzept hier begonnen werden soll. Die wesentlichen Konzepte sind der Habitus, das Feld und die Kapitalien, die in weiterer Folge expliziert werden sollen, weil sie im empirischen Teil der Arbeit in unterschiedlichem Ausmaß als Grundlage für die Auswertungen herangezogen werden.</p>
<h2>3.1.Pierre Bourdieus Feldbegriff</h2>
<p>Das soziale Feld ist der erste zentrale Begriff in der bourdieuschen Theoriewelt, den ich in Folge anhand verschiedener Primär- und Sekundärquellen explizieren will.</p>
<p>Bourdieus Begriff des sozialen Feldes meint differenzierte gesellschaftliche Bereiche, hervorgegangen aus der Arbeitsteilung, mit eigenen Ressourcen und eigenen Spielregeln für das soziale Verhalten innerhalb dieses Feldes. (vgl.Müller 1992, S. 263; Iser 1983, S. 67)</p>
<p>Analoge Begriffe – ebenfalls als konstruktivistische Ansätze &#8211; findet man unter anderen Bezeichnungen, beispielsweise als „Wertsphären“ bei Max Weber, als „Subsysteme“ bei Niklas Luhmann oder als „Sinnprovinzen“ bei Alfred Schütz. (vgl. Bohn, Hahn 2007, S. 299)</p>
<p>„Die Logik des Feldes lässt sich nur aus der empirischen Beobachtung des Feldes gewinnen, sie gehorcht keinen strukturellen Gesetzen, die für alle Felder gleich sind.“ (Hillebrandt 1999, S. 12)</p>
<p>Diese sozialwissenschaftlich konstruierten Räume dienen dazu, soziale Beziehungen und Netzwerke zu verstehen, Klassen abzugrenzen, Relationen zwischen den handelnden Akteurinnen und Akteuren im Feld aufzuzeigen und die Macht-Komplexität in der realen Welt zu analytischen Zwecken zu vereinfachen um diese theoretisch erklären zu können. Der soziale Raum wird daher zu einem Raum von Unterschieden, von Differenzen und von Akteuren und Akteurinnen mit verschiedenen Wegen und Zielen. Die Ausdehnung eines Feldes ist nur durch die Feldeffekte definiert – wirkt also ein Feld weiter, so hat es eine größere Ausdehnung. (vgl. Müller 2005, S. 36; Müller 1986, S. 164; Schürz 1999 S. 2; Anheier et al. 1995, S. 860; Bohn, Hahn 2007, S. 300)</p>
<p>„Der soziale Raum ist also nicht nur ein Raum von Unterschieden, sondern auch ein Raum von Beziehungen. Diese Beziehungen enthalten auch ein dynamisches Moment: Relevant für die Bewertung der Akteure ist nicht nur die aktuelle soziale Position eines Individuums bzw. einer Gruppe von Individuen in ähnlicher Lage, sondern auch deren Vergangenheit und Zukunft, deren trajectoire<em> </em>oder »Reiseweg« im sozialen Raum, also die Frage, ob es sich um sozial aufsteigende oder absteigende Personen und Gruppen handelt.“ (Krais 2005, S. 92f)</p>
<p>Innerhalb von Feldern geht man davon aus, dass die Akteure und –innen – die an den Feldern beteiligten Individuen – um unterschiedliche soziale Positionen konkurrieren, das führt dazu, dass sich soziale Strukturen etablieren. Soziale Strukturen im Sinne sozialer Räume in denen die Akteure und Akteurinnen unterschiedliche relative Positionen zueinander einnehmen, je nach dem in welchem Ausmaß diese verschiedene Ressourcen besitzen. Zusätzlich gibt es unterschiedliche Karrierewege im Feld, so genannte „Trajectoire“, zukünftige wahrscheinliche Positionen eines Akteurs oder einer Akteurin. (vgl. Anheier et al. 1995, S. 860,Müller 1992, S. 263f)</p>
<p>Ganz wichtig für das Verstehen von Feldern ist nach Bourdieu die Geschichte des Feldes, die sich in den feldimmanenten Regeln und Riten äußert: „Die gesellschaftliche Welt ist akkumulierte Geschichte. Sie darf deshalb nicht auf eine Aneinanderreihung von kurzlebigen und mechanischen Gleichgewichtszuständen reduziert werden, in denen Menschen die Rolle von austauschbaren Teilchen spielen.“ (Bourdieu 1983, S. 183)</p>
<p>Die Logik des Feldes wird als „Spiel“ oder „Kampf“ um Ressourcen und um die symbolische Macht im Feld beschrieben, der zwischen den Akteurinnen und Akteuren im Feld stattfindet. Die historisch gewachsenen Regeln des Feldes werden von den Mitspielern und Mitspielerinnen implizit und unreflektiert durch ihren Feldeintritt angenommen und akzeptiert. Diese Regeln werden als „Illusio“ bezeichnet. (vgl. Bourdieu 2001, S. 110; Hillebrandt 1999, S. 15; Aldridge 1998, S. 4)</p>
<p>Spezifisch für jedes Feld ist die ungleiche Kapitalverteilung zwischen den Akteuren und Akteurinnen. Aus dieser Verteilung der Kapitalien ergeben sich die objektiven Positionen der Beteiligten, aber auch die Kräfteverhältnisse und die daraus resultierenden Strategien der Akteuren und Akteurinnen im Feld. (vgl. Iser 1983, S. 67)</p>
<p>„Die Struktur des Feldes gibt den Stand der Machtverhältnisse zwischen den am Kampf beteiligten Akteuren oder Institutionen wieder, bzw., wenn man so will, den Stand der Verteilung des spezifischen Kapitals, das im Verlauf früherer Kämpfe akkumuliert wurde und den Verlauf späterer Kämpfe bestimmt.“ (Bourdieu 2001, S. 108)</p>
<p>Grundsätzlicher Inhalt der Auseinandersetzung ist immer die Macht und die Anteile am jeweils feldspezifischen symbolischen Kapital. Dieser Grundkonsens über die Existenz eines feldspezifischen symbolischen Kapitals und damit über die Basis der Spielregeln für die Auseinandersetzung bezeichnet Bourdieu als „Doxa“ bzw. „feldspezifische Illusio“ eines Praxisfeldes.</p>
<p>Die Begrifflichkeiten aus dem religiös-kirchlichen Umfeld verwendet Pierre Bourdieu, um die Hauptakteure im Feld zu beschreiben. Die Orthodoxie ist die Feldelite, die Gestaltungsmacht, die in der Lage ist, die geltenden Spielregeln, die Grundprinzipien der feldimmanenten Wahrnehmung und Bewertung, die „Doxa“, zu gestalten. Als „Häresie“ bezeichnet er wiederum die Bewegung der statusniederen Akteure oder Akteurinnen im Feld. Diese versuchen wiederum, selbst in den Besitz der Gestaltungsmacht, der Orthodoxie zu kommen, die Machtverhältnisse und damit auch die symbolischen Werte der einzelnen Kapitalien zu verändern. (vgl. Wissing 2006, S. 194–196)</p>
<p>Allen Spielerinnen und Spielern im Feld gemeinsam ist, dass sie die Illusio akzeptieren, also das Feld und seine Grenzen, sowie die grundlegenden Regeln. Für Akteure und Akteurinnen außerhalb des Feldes ist sowohl die Doxa als auch das Spiel nicht nachvollziehbar – die Wirkung der Illusio ist daher auch die Wirkung des Feldes, mit dem Enden dieser Feldeffekte sind auch die Grenzen des Feldes erreicht. (vgl. Bourdieu 2001, S. 109; Hillebrandt 1999, S. 16; Fuchs-Heinritz, König 2005, S. 146f; Bohn 2005, S. 64)</p>
<p>Der Habitus (siehe Habitus ab Seite 9) ist im Feld die strukturierende Struktur &#8211; er determiniert die geltenden „Spielregeln“ und definiert das symbolische Kapital, die Spieleinsätze und die möglichen Positionen im sozialen Raum, sowie ihre Zusammenhänge. (vgl. Iser 1983, S. 69)</p>
<p>„Wer sich am Kampf beteiligt, trägt zur Reproduktion des Spiels bei, indem er dazu beiträgt, den Glauben an den Wert dessen, was in diesem Feld auf dem Spiel steht, je nach Feld mehr oder weniger vollständig zu reproduzieren.“ (Bourdieu 2001, S. 109)</p>
<p>Natürlich gibt es zwischen diesen „Feldillusionen“ und den Wünschen der Akteure und –innen Übereinstimmungen. Jeder Feldakteur oder jede Feldakteurin hat seine/ihre eigenen Bedürfnisse, die er mit Hilfe des Feldes befriedigen will: „Jedes Feld (das religiöse, künstlerische, ökonomische, usw.) bietet seinen Akteuren über die besondere Form, in der es die Verhaltensweisen und Vorstellungen regelt, eine auf eine besondere Form von Iillusio gegründete legitime Form, ihre Wünsche zu verwirklichen.“ (Bourdieu 1999, S. 239)</p>
<p>Für gewisse Positionen innerhalb des Feldes benötigt man auch adäquate Kapitalausstattung (siehe Formen des Kapitals ab Seite 12), man muss also mit feldrelevanter Macht in einer gewissen Mindestgröße ausgestattet sein.</p>
<p>„Diejenigen, die bei gegebenen Kräfteverhältnissen das charakteristische Kapital-(mehr oder weniger vollständig) monopolisieren, neigen eher zu Erhaltungsstrategien &#8211; Strategien, die im Feld der Produktion kulturelle Güter tendenziell die Orthodoxie vertreten -, die weniger Kapitalkräftigen dagegen (die oft auch die Neuen und damit meist Jüngeren sind) eher zu Umsturzstrategien &#8211; Strategien der Häresie. Erst die Häresie, die Heterodoxie als kritischer, oft im Zusammenhang mit der Krise auftretender Bruch mit der Doxa bringt die Herrschenden dazu, ihr Schweigen zu brechen und jenen Diskurs zur Verteidigung der Orthodoxie, des rechten Denkens im doppelten Sinne, zu produzieren, mit dem ein neues Äquivalent zur schweigenden Zustimmung der Doxa geschaffen werden soll.“ (Bourdieu 2001, S. 109)</p>
<h2>3.2.Habitus</h2>
<p>Als Habitus bezeichnet Bourdieu die strukturellen Dispositionen, die in weiterer Folge sämtliche Praxis strukturieren. Im Habitus äußern sich daher die inkorporierten Makrostrukturen der Gesellschaft auf persönlicher Mikroebene der Akteure und Akteurinnen. In den Wahrnehmungs-, Denk- und Handlungsschemata der gesellschaftlichen Akteurinnen und Akteure manifestieren sich daher die gesellschaftlichen Normen und Werte. Diese äußern sich vielfältig, beginnend bei der Bedeutung von Symbolen bis hin zum „Geschmack“. (vgl. Bourdieu, Steinrücke 2005, S. 61–63; Joas 2004, S. 533)</p>
<p>Der Habitusbegriff geht auf Klassiker wie Aristoteles zurück, von wo er in die mittelalterliche Scholastik seinen Weg fand und beschreibt in vielschichtiger Bedeutung den Komplex von Fähigkeiten, Gewohnheiten, Haltung, Erscheinungsbild oder Stil eines individuellen Akteurs. Im Rahmen seiner Praxeologie war für Bourdieu der Habitus die Schlüsselstelle, an der sich die gesellschaftlichen Makrostrukturen mit den akteursspezifischen Mikrostrukturen verbinden. Man könnte den Habitus daher auch als die Schnittstelle zwischen Objektivismus und Subjektivismus bezeichnen. Für Pierre Bourdieu ist er handlungsermöglichend in dem er entlastet und damit rasches situationsgerechtes Agieren erlaubt. (vgl. Bohn, Hahn 2007, S. 295,Krais, Gebauer 2002, S. 18f)</p>
<p>„Der Habitus als ein System von &#8211; implizit oder explizit durch Lernen erworbenen &#8211; Dispositionen, funktionierend als ein System von Generierungsschemata, generiert Strategien, die den objektiven Interessen ihren Urheber entsprechen können, ohne ausdrücklich auf diesen Zweck ausgerichtet zu sein.“ (Bourdieu 2001, S. 113)</p>
<p>Der Habitus vermittelt zwischen Struktur und Praxis und hat folgende vier Merkmale: aufgrund von Sozialisation ist er internalisierte Gesellschaftsstruktur; er steuert unbewusst über ein System von Dispositionen die Praxisformen; die Individuen folgen trotzdem den eigenen Interessen und Strategien; die Dispositionen sind dauerhaft und stabil, werden oftmals schon in kindlicher Sozialisation internalisiert. (vgl. Müller 1992, S. 257f )</p>
<p>Der Habitus ermöglicht eine „kontrollierte und bedingte Freiheit“ der Akteurinnen und Akteure, die nicht völlig frei sind, da sie sich auf die Makrostrukturen stützen, die handlungsleitend und perspektiven-ermöglichend funktionieren und gleichzeitig weit weg sind von lediglich durch Strukturen gesteuerten Marionetten. (vgl. Iser 1983, S. 59)</p>
<p>Wesentlich erscheint in diesem Zusammenhang, dass sich die Wirkung des Habitus unbewusst entfaltet. Die subjektiven Dispositionen stellen sich dem Individuum als Handlungsmöglichkeiten dar, die in einer bestimmten Situation bestehen, als Wahlfreiheit oder Alternativen, nicht als Begrenzung der individuellen Freiheit.</p>
<p>In Bourdieus Feldtheorie steht der Habitus sozusagen als individueller Schlüssel zum Feld: „Wichtig ist, dass sich die habitualisierten Dispositionen eines sozialen Akteurs in Auseinandersetzung mit der Praxis des Feldes bilden und gegebenenfalls verändern. In der extremsten Form entsteht so ein Habitus, der sich ausschließlich mit dem Feld identifiziert, weil der soziale Akteur seinen gesamten praktischen Sinn aus der Praxis des Feldes gewinnt. So wird er zum Apparatschik, der dem Apparat alles verdankt, und ist folglich nichts weiter als der ‚Mensch gewordene Apparat’“ (Bourdieu 1997d: 44f. zit. in: Hillebrandt 1999, S. 14).</p>
<p>Der Habitus vermittelt für Bourdieu zwischen der Stellung einer Person im sozialen Raum – also auch im beobachteten Feld &#8211; und ihrem Verhalten und Einstellungen. Im Habitus hätten sich ihre individuellen Erfahrungen und die ihrer Familie und ihrer Klasse (im Sinne kollektiver Geschichte) verkörperlicht. Zwar sei ausgeschlossen, dass die Mitglieder einer Klasse exakt dieselben Erfahrungen und das auch noch in der gleichen Reihenfolge machten, die Aussicht, mit für diese Klasse typischen Situationen konfrontiert zu werden, sei für sie aber sehr viel größer als für die Angehörigen der anderen Klassen. Dieser Habitus stimmt objektive Chancen und subjektive Erwartungen unter Berücksichtigung der eigenen Grenzen aufeinander ab – er verbindet nutzenorientierte Strategien mit klassen- und feldspezifischen Verhaltensformen. (vgl. Müller 1986, S. 163; Hartmann 2005, S. 259; Iser 1983, S. 61f)</p>
<p>„Geschmack klassifiziert &#8211; nicht zuletzt den, der die Klassifikation vornimmt. Die sozialen Subjekte, Klassifizierende, die sich durch ihre Klassifizierungen selbst klassifizieren, unterscheiden sich voneinander durch die Unterschiede, die sie zwischen schön und häßlich, fein und vulgär machen und in denen sich ihre Position in den objektiven Klassifizierungen ausdrückt und verrät.“ (Bourdieu 1987, S. 25)</p>
<p>Der Habitus ist auch im Feld die strukturierende Struktur &#8211; er determiniert die geltenden &#8220;Spielregeln&#8221; und definiert das symbolische Kapital, die Spieleinsätze und die möglichen Positionen im sozialen Raum, sowie ihre Zusammenhänge. (vgl. Iser 1983, S. 69)</p>
<p>Das Individuum wird daher – im Falle des „ökonomischen Habitus“ &#8211; vom Träger eines „Bündel von Präferenzen“<a href="#_ftn1">[1]</a> zu einer „kohärenten Struktur von Neigungen und Gewohnheiten“. (vgl. Bourdieu 2005, S. 211)</p>
<p>Der Habitus ist allerdings kein mechanisches Prinzip, das im Sinne einer trivialen Maschine eine input-output Relation zustande bringt, sondern es ist eine &#8220;konditionierte und eingeschränkte&#8221; Spontaneität, die sich entwickelt; eine &#8220;intelligente Antwort&#8221; auf einen aktiv ausgewählten Teilaspekt der Realität. Trotzdem bleibt der Habitus ein ökonomisches Prinzip, erspart er doch aufgrund der Präselektion von Alternativen und Möglichkeiten, die sonst einzeln und (mehr oder weniger) rational bewertet werden müssten, ein enormes Ausmaß an Zeit und Ressourcen. (vgl. Bourdieu 2005, S. 211f)</p>
<p>„Der Habitus ist das generative und vereinheitlichende Prinzip, das die intrinsischen und relationalen Merkmale einer Position in einen einheitlichen Lebensstil rückübersetzt, das heißt in das einheitliche Ensemble der von einem Akteur für sich ausgewählten Personen, Güter und Praktiken.“ (Bourdieu 2007b, S. 21)</p>
<p>Aufgrund der ähnlichen Sozialisationen unterschiedlicher Klassen ist der Habitus auch ein Produkt genau dieser Klassenlagen, sozusagen Mittel zur Reproduktion ihrer sozial spezifischen Habitusformen. Er wird dadurch zum Handlanger der Vererbung von Ungleichheiten in sozialen Systemen. (vgl. Joas 2004, S. 548)</p>
<p>Eine wichtige Eigenschaft des Habitus ist der so genannte „Hysteresis-Effekt“. Bourdieu geht davon aus, dass habituelle Dispositionen über lange Zeit konstant bleiben, also auch noch, wenn sich die Umwelt oder auch das für den Habitus verantwortliche Feld schon längst verändert haben. Durch die langsame Anpassung des Habitus passen die inkorporierten Strukturen nicht mehr zur objektiven externen Struktur, also aufgrund der langsamen Veränderung der strukturierenden Struktur im Vergleich zur Realität stehen die subjektiven Bewertungsschemata nicht im Einklang mit den externen Bewertungsschemata des Feldes oder der Gruppe. Dann werden beispielsweise falsche symbolische Kapitalien zugeschrieben, wie das etwa im Bereich des institutionalisierten kulturellen Kapitals passieren kann. (vgl. Bohn, Hahn 2007, S. 297)</p>
<p>Auch Generationenkonflikte entwickeln sich aufgrund dieses Hysteresis-Effekts . Man erkennt, der Habitus wirkt aufgrund seiner langsamen Adaption als konservierender Faktor durch die Determinierung der Möglichkeiten des Handelns. Diese konservative Eigenschaft hilft mit, den Habitus in Krisen vor der „Infragestellung“ zu schützen. (vgl. Iser 1983, S. 63f,Bohn, Hahn 2007, S. 297)</p>
<p>Bourdieu erklärt also mit seinem Habituskonzept die Feldwirkung auf individueller Ebene. Er benutzt dazu eine doppelte Wirkung, die er generatives und reproduzierendes Prinzip nennt. Auf der einen Seite strukturiert der Habitus soziale Praxis und auf der anderen Seite reproduziert er soziale Struktur. (vgl. Iser 1983, S. 53)</p>
<p>„Er ist ein generatives Prinzip und somit »strukturierende Struktur« bzw. »opus operandi«, insofern er sozial strukturierende Praxisformen hervorbringt, die im Lauf der Zeit durch individuelle Aneignung oder, wie Bourdieu sich ausdrückt: durch Einverleibung gesellschaftlicher Strukturen und die Ausbildung dauerhafter Dispositionen ermöglicht werden. Der Habitus ist reproduzierendes Prinzip und somit »strukturierte Struktur« bzw. »opus operatum«, insofern die individuelle Praxisformen den sozial strukturierten Dispositionen gemäß gewählt werden und auf diese Weise zur Aufrechterhaltung der ursprünglichen strukturellen Konstellationen beitragen.“ (Müller 1992, S. 256)</p>
<p>„Com grano salis kann man festhalten: Je egalitärer eine Gesellschaft, desto bedeutender werden die feinen Unterschiede. Differenz distinguiert.“ (Müller 2005, S. 34)</p>
<h2>3.3.Kapital</h2>
<p>Ein wesentlicher Begriff in Bourdieus Theoriegebäude ist das Kapital. Er definiert Kapital als „akkumulierte Arbeit“. (Bourdieu, Steinrücke 2005, S. 49), womit er an die marxistische Tradition anknüpft. Bourdieus Kapitalbegriff geht aber deutlich weiter, als der simple ökonomische Sinn als monetäre Ressource wie sie der Autor des Werks „Das Kapital“ Karl Marx im 19. Jahrhundert definiert hat<a href="#_ftn2">[2]</a>. Kapital ist bei Bourdieu als generalisierte Ressource zu verstehen, die monetär oder nichtmonetär sein kann und materiell bzw. auch immateriell.</p>
<p>Als Kapital betrachtet Pierre Bourdieu unterschiedliche Formen von Ressourcen, deren Wert sich erst im spezifischen Feld aufgrund von Definitions-, Macht-, und Verteilungskämpfen ergibt. Die Verteilung der Kapitalien ergibt die spezifischen Machtverhältnisse im Feld und gibt damit auch die Positionen der Subjekte im sozialen Raum wieder. Bourdieus Kapitalsorten verstehen sich allerdings nicht als vollständige Aufzählung aller Varianten von Macht; je nach untersuchtem Feld kann auch eine neue andere Ressource in Form feldspezifischem Kapitals hinzukommen. (vgl. Iser 1983, S. 70f)</p>
<p>„Als vis insita ist Kapital eine Kraft, die den objektiven und subjektiven Strukturen innewohnt; gleichwohl ist das Kapital &#8211; als lex insita &#8211; auch grundlegendes Prinzip der inneren Regelmäßigkeiten der sozialen Welt.“ (Bourdieu 1983, S. 183)</p>
<h3>3.3.1  Formen des Kapitals</h3>
<p>Bourdieu unterscheidet als Idealfall im Prinzip drei unterschiedliche Kapitalien, die von ihm je nach untersuchtem Feld auch angepasst wurden:</p>
<p>„In welcher Gestalt es jeweils erscheint, hängt vom jeweiligen Anwendungsbereich, sowie den mehr oder weniger hohen Transformationskosten ab, die die Voraussetzungen für sein wirksames Auftreten sind: Das ökonomische Kapital ist unmittelbar und direkt in Geld konvertierbar und eignet sich besonders zur Institutionalisierung in der Form des Eigentumsrechts; das kulturelle Kapital ist unter bestimmten Voraussetzungen in ökonomisches Kapital konvertierbar und eignet sich besonders zur Institutionalisierung in Form von schulischen Titeln; das soziale Kapital, das Kapital an sozialen Verpflichtungen und »Beziehungen«, ist unter bestimmten Voraussetzungen ebenfalls in ökonomisches Kapital konvertierbar und eignet sich besonders zur Institutionalisierung in Form von Adelstiteln.“ (Bourdieu 1983, S. 184f)</p>
<p>Als ökonomisches Kapital versteht Bourdieu geldwerte Einkünfte und andere finanzielle Ressourcen, die auch in Form von institutionellen Eigentumsrechten auftreten können, dieser Begriff ist mit Marxens Definition im Einklang. (vgl. Iser 1983, S. 75)</p>
<p>Eine weitere Kapitalart ist das kulturelle Kapital, also (Aus-) Bildung, die Summe von theoretischem und praktischem Wissen, das in unterschiedlicher Form auftreten kann. Soziales Kapital als dritte von Bourdieu definierte Kapitalform beschreibt die Summe der aktuellen und potentiellen Ressourcen, die durch die Teilnahme bzw. Mitgliedschaft an sozialen Netzwerken und Organisationen mobilisiert werden können. Das symbolische Kapital wird feldspezifisch aus den anderen Arten bestimmt und tritt oft verschleiert („euphemisiert“) auf. In späteren Arbeiten definierte Bourdieu auch andere feldspezifische Kapitalien (siehe Weitere Kapitalien ab Seite 18). (vgl. Bohn 2005, S. 862; Savage et al. 2005, S. 40)</p>
<p>„Die Tatsache der gegenseitigen Konvertierbarkeit der verschiedenen Kapitalarten ist der Ausgangspunkt für Strategien, die die Reproduktion des Kapitals (und der Position im sozialen Raum) mit Hilfe möglichst geringer Kapitalumwandlungskosten (Umwandlungsarbeit und inhärente Umwandlungsverluste) erreichen möchten. Die unterschiedlichen Kapitalarten unterscheiden sich nach ihrer Reproduzierbarkeit, also danach, wie leicht sie sich übertragen lassen.“ (Bourdieu 1983, S. 197)</p>
<p>Die unterschiedlichen Kapitalformen unterscheiden sich hinsichtlich ihrer Konvertibilität<a href="#_ftn3">[3]</a> und Liquidität, aber auch in Bezug auf Effekte wie beispielsweise Inflation. Während ökonomisches Kapital am leichtesten umzusetzen und in andere Kapitalformen transferiert werden kann, ist es komplizierter und dauert es länger, kulturelles Kapital zu akkumulieren. Auch soziales Kapital ist schwerer zu akkumulieren bzw. mobilisierbar. (vgl. Bohn 2005, S. 862)</p>
<p>Je nach Dominanz der Kapitalformen in verschiedenen sozialen Feldern entwickeln sich auch die sozialen Strukturen unterschiedlich. Die Vorherrschaft von ökonomischem Kapital beispielsweise führt zu geringerer Segmentation und leicht durchgängigen aber starren Hierarchien. Eine Dominanz von Sozialkapital führt in der Regel zu vielen wenig institutionalisierten Segmenten, die ein komplexes soziales Netzwerk formen. Eine Prädominanz von (symbolischem) kulturellem Kapital schließlich führt zu hierarchischen und segmentierten Sozialstrukturen. (vgl. Bohn 2005, S. 865f)</p>
<p>Grund dafür ist das laufende Spiel im Feld, der Kampf um die Vormachtsstellung, der mittels unterschiedlicher Kapitalausstattung der Akteurinnen und Akteure stattfindet. (siehe dazu auch: Pierre Bourdieus Feldbegriff ab Seite 6)</p>
<h3>3.3.2  Kulturelles Kapital</h3>
<p>„Der Begriff des kulturellen Kapitals hat sich mir bei der Forschungsarbeit als Forschungshypothese angeboten, die es gestattete, die Ungleichheit der schulischen Leistungen von Kindern aus verschiedenen sozialen Klassen zu begreifen. Dabei wurde der Schulerfolg, d.h. der spezifische Profit, den die Kinder aus verschiedenen sozialen Klassen und Klassenfraktionen auf dem schulischen Markt erlangen können, auf die Verteilung des kulturellen Kapitals zwischen den Klassen und Klassenfraktionen bezogen.“ (Bourdieu, Steinrücke 2005, S. 53)</p>
<p>Kulturelles Kapital kann man in drei Formen finden: als inkorporiertes Kapital, verinnerlichtes kulturelles Kapital, als objektiviertes kulturelles Kapital in unterschiedlichsten Artefakten und in Form von institutionalisierten so genannten „Bildungstiteln“. (vgl. Bourdieu 1983, S. 185)</p>
<p>Als objektiviertes kulturelles Kapital versteht man Schriften, Gemälde, Kunstwerke, technische Entwicklungen, also menschliche Artefakte. Diese Ressourcen können zwar mit ökonomischem Kapital erworben werden, ihre Verwendung ist allerdings an die Möglichkeit der Dekodierung gebunden, bedarf daher inkorporiertes, also verinnerlichtes kulturelles Kapital. (vgl. Iser 1983, S. 72)</p>
<p>„Inkorporiertes [kulturelles] Kapital ist ein Besitztum, das zu einem festen Bestandteil der »Person«, zum Habitus geworden ist; aus »Haben« ist »Sein« geworden. Inkorporiertes und damit verinnerlichtes Kapital kann deshalb (im Unterschied zu Geld, Besitz- oder sogar Adelstiteln) nicht durch Schenkung, Vererbung, Kauf oder Tausch kurzfristig weitergegeben werden.“ (Bourdieu 1983, S. 187)</p>
<p>Als empirische Größe zur Messung von kulturellem Kapital schlägt Bourdieu vor, die Zeit zu verwenden, die zum Erwerb des kulturellen Kapitals benötigt wird, da diese – ganz nach dem alten Spruch „Zeit ist Geld!“ &#8211; den direkten Konnex zum ökonomischen Kapital herstellt: „Die stärkste Grundlage für die symbolische Wirksamkeit von kulturellem Kapital ergibt sich zweifellos aus der Logik der Übertragung. [...]Es ist unmittelbar ersichtlich, daß die zum Erwerb erforderliche Zeit das Bindeglied zwischen ökonomischen und kulturellem Kapital darstellt.“ (Bourdieu 1983, S. 188)</p>
<p>Institutionalisiertes kulturelles Kapital wird von einer gesellschaftlich legitimierten Institution bescheinigt und nivelliert daher graduelle Unterschiede, denn entweder hat man die Prüfung für einen Bildungstitel bestanden, oder man hat dies nicht. Es handelt sich also um kategoriale Bezeichnungen für Bildungstitel, die in unterschiedlichem Ausmaß, je nach Feld einen gewissen Wert haben. Der Bildungstitel, das institutionalisierte kulturelle Kapital ist nach dem Erwerb aus sozialer Sicht auch vom ursprünglich damit verknüpften Wissen entkoppelt und damit unabhängig. Die feldspezifische Verknüpfung mancher Positionen im Feld an gewisse Bildungstitel – man denke nur an die so genannten A-Beamten – und damit an ein spezifisches institutionalisiertes kulturelles Kapital macht auch die starke symbolische Wirkung dieser Ressource aus.</p>
<p>„Der Staat ist für Bourdieu dann auch als amtsgewaltiger Wächter über Titel und Patente einer Zentralbank vergleichbar, seine Bezugsgröße sind die Kurse für symbolische Kapitalien.“ (Bohn 2005, S. 68f)</p>
<p>Diese Titel der Bildungsinstitutionen entscheiden dann mitunter über die zukünftige Entwicklung. Hier wird gesellschaftlich festgestellt ob kulturelle Kompetenz besteht, oder nicht.</p>
<p>„Offenkundig wirkt der Bildungstitel wie ein Adelsprädikat: Dem gebildeten garantiert er eine gewisse Ausbildung, eine bestimmte Art, die Dinge zu sehen (‚Manieren‘ im französischen Sinn) und eine qua Bildungsstatus zugeschriebene Kompetenzvermutung, die im einzelnen nicht nachgeprüft wird.“ (Müller 1986, S. 177)</p>
<p>Das Gegenteil passiert Personen, die eine derartige Legitimation einer „alma mater“ nicht haben. Sie werden im Feld laufend wieder ihre Kompetenzen beweisen und sich Tag für Tag um Anerkennung bemühen müssen. Viele Felder sind für diese „Amateure“ überhaupt gesperrt, man denke an Juristen ohne Universitätsabschluss, oder an Ärzte, die nicht studiert haben.</p>
<p>„Der schulische Titel ist ein Zeugnis für kulturelle Kompetenz, das seinem Inhaber einen dauerhaften und rechtlich garantierten konventionellen Wert überträgt. “ (Bourdieu 1983, S. 190)</p>
<p>Das kulturelle Kapital ist allerdings auch die Möglichkeit, soziale Distinktionen über die Generationen weiter zu geben. Durch die frühzeitige habituelle Manifestation kulturellen Kapitals entwickeln sich Kinder aus „höheren Klassen“ anders, als solche aus der Unterschicht.</p>
<p>Familien bezeichnet Bourdieu als Körperschaften, die versuchen, ihre Macht und ihre Privilegien zu perpetuieren, das heißt immer und immer wieder zu reproduzieren. Diese Reproduktionsmechanismen manifestieren sich in Fortpflanzungs-, Heirats-, Nachfolge-, Wirtschafts- und auch Bildungsstrategien. Je bedeutender das kulturelle Kapital innerhalb einer Familie ist, und je wichtiger das kulturelle Kapital gegenüber dem ökonomischen Kapital ist, umso stärker investieren die Familien in die Bildung. (vgl. Bourdieu 2007a, S. 35)</p>
<p>Aus dieser Position kann man auch verstehen, warum die zuvor aufgestellte These, „institutionalisiertes kulturelles Kapital diene dazu, gesellschaftlich festzustellen, ob adäquate kulturelle Kompetenz besteht, oder nicht“, in vielen Fällen nur die tatsächlichen sozialen Strukturen euphemisiert und dazu dient, die Perpetuierung von Eliten zu verschleiern, was Elitenforscher, wie der deutsche Soziologe Hartmann (vgl. Hartmann 2002, S. 371) immer wieder aufzeigen: Zwar nehmen die Abschlüsse an den Universitäten zu, auch die Zahl der Promotionen steigt – doch die symbolische Wirkung der Bildungstitel wurde insofern angepasst, als dass nun gewisse Studien von bestimmten Universitäten<a href="#_ftn4">[4]</a> benötigt werden, damit die Führungskräfte in der Wirtschaft wieder „unter sich“ bleiben können.</p>
<p>„Weil die Aneignung der Kulturgüter Anlagen und Kompetenzen voraussetzt, die ungleich verteilt sind (obwohl scheinbar angeboren), bilden diese Werke den Gegenstand einer exklusiven (materiellen und symbolischen) Aneignung, und weil ihnen die Funktion von (objektiviertem oder inkorporiertem) kulturellem Kapital zukommt, sichern sie einen Gewinn an Distinktion &#8211; im Verhältnis zum Seltenheitsgrad der zu ihrer Aneignung notwendigen Instrumente &#8211; und einen Gewinn an Legitimität, den Gewinn überhaupt, der darin besteht, sich so, wie man ist, im Recht, im Rahmen der Norm zu fühlen.“ (Bourdieu 1987, S. 359)</p>
<h3>3.3.3  Adaptionen zum kulturellen Kapital in anderen Studien</h3>
<p>Aufgrund der Definition der Kapitalien als generalisierte Ressourcen im Sinne von unterschiedlicher Macht diversifizieren sich diese innerhalb der Felder, die sich ja selbst im Laufe ihrer Entwicklungen immer wieder in Subfelder aufteilen. So entstehen, je nach Feld und herrschender Doxa verschiedene weitere Kapitalarten und Unterarten.</p>
<p>„Habitus und symbolische Kapitalien haben sich längst anhand der Felder diversifiziert: in universitäres Kapital, juridisches Kapital, religiöses Kapital etc., die letztlich als feldspezifische Machtformen begriffen werden, deren gesamtgesellschaftlicher »Wert« im Machtfeld umkämpft wird.“ (Bohn 2005, S. 61)</p>
<p>Pierre Bourdieu hat in seiner Arbeit über das wissenschaftliche Feld „homo academicus“ (vgl. Bourdieu, Schwibs 2006, S. 82–99) selbst bereits Adaptionen zu seinen „reinen“ Kapitaltypen angewendet. Seine Indikatoren in der Vollerhebung von akademischen Würdenträgern an französischen Universitäten in der Monographie „homo academicus“ operationalisierte er anhand von Variablen wie „ererbtes oder erworbenes Kapital&#8221;, „Bildungskapital&#8221;, „Universitäres Machtkapital&#8221;, „wissenschaftliches Machtkapital und Prestige“, „intellektuelle Prominenz“ und „politisches oder ökonomisches Machtkapital“.</p>
<p>Betrachtet man – als weiteres Beispiel zur Adaption von kulturellem Kapital – den Krieg als sozialen Raum, so gibt es einige für die Kriegssituation spezifische soziale Eigenschaften, da sich im Laufe eines kriegerischen Konflikts die Gesellschaft-strukturierenden Wirkungen der einzelnen Kapitalformen – je nach Stand der Kampfhandlungen und sozusagen geltender Doxa – laufend verändern. Nicht zuletzt verändern sich auch die Institutionen, die kulturelles Kapital anerkennen und institutionalisieren. Verschiedenes akkumuliertes kulturelles Kapital, das nicht unmittelbar kriegsrelevant, also militärisch verwendbar ist, verliert an Wert, während beispielsweise Gewaltkompetenz an symbolischer Relevanz gewinnt. Eine analytische Betrachtung legt also nahe, das institutionalisierte kulturelle Kapital also für das Feld des Krieges in militärisch relevantes und militärisch nicht relevantes zu kategorisieren. (vgl. Frank 2007, S. 5f)</p>
<p>Ein weiteres Beispiel zur Adaption und Konkretisierung des kulturellen Kapitals ist die Dissertation von Sarah Thornton (vgl. Thornton 1995, S. 11), die jugendliche Clubkultur in Großbritannien untersucht hat. Sie unterscheidet verschiedene so genannte „subkulturelle Kapitalien“ nach ihrer symbolischen Wirkung in den jeweiligen distinkten Subkulturen. Aus der Perspektive der jeweiligen Subkultur handelt es sich nämlich dabei um Prestigebringende und damit distinguierende feldspezifische Ressourcen und damit ganz im Sinne Pierre Bourdieus um Kapitalien: „In thinking through Bourdieu&#8217;s theories in relation to the terrain of youth culture, I&#8217;ve come to conceive of ‘hipness’ as a form of subcultural capital.“ (Thornton 1995, S. 11)</p>
<p>Auch eine deutsche Studie zur regionalen Mobilität von Personen in strukturschwachen Bereichen im deutschen Bundesland Sachsen unterschied zwischen „regionalspezifischen Kapitalien“ und allgemeinen, also beispielsweise zwischen regionalspezifischem kulturellen Kapital  und institutionalisiertem kulturellen Kapital. Zum ersteren zählten beispielsweise Wissen über die regionale Geschichte, die Aneignung eines spezifischen Dialekts und die generelle Identifikation mit der Region. Es wurde nachgewiesen, dass regionalspezifisches kulturelles Kapital die Mobilität senkt, während institutionalisiertes kulturelles Kapital diese hebt (vgl. Skrobanjek, Jobst 2006, S. 229f).</p>
<h3>3.3.4  Soziales Kapital</h3>
<p>Da es verschiedene Effekte gibt, die sich nicht allein auf die Gesamtheit der individuellen Ressourcen eines Akteurs oder einer Akteurin reduzieren lassen, hat Pierre Bourdieu das Konzept des sozialen Kapitals eingeführt. Darunter versteht man die Mobilisierungsfähigkeit von Gruppenkapital, das über Beziehungsnetze der Akteurinnen und Akteure zur individuellen Verwendung potentiell zur Verfügung steht. Das soziale Kapital erlaubt beispielsweise Mitgliedern von Clubs oder Vereinigungen materielle und auch symbolische Profite, zur Aufrechterhaltung müssen allerdings auch laufend soziale &#8220;Investitionen&#8221; getätigt werden. (vgl. Iser 1983, S. 74f)</p>
<p>Das soziale Kapital beinhaltet die mobilisierbaren Ressourcen, die aus persönlichen Netzwerken bzw. Kontakten entstehen. „Das Gesamt-Kapital, das die einzelnen Gruppenmitglieder besitzen, dient ihnen allen gemeinsam als Sicherheit und verleiht ihnen &#8211; im weitesten Sinne des Wortes &#8211; Kreditwürdigkeit.&#8221; (Bourdieu, Steinrücke 2005, S. 63)</p>
<p>Das Sozialkapital entsteht aus den persönlichen Netzwerken der sozialen Akteurinnen und Akteure und es verändert sich je nach Mobilisierbarkeit dieser Kontakte und ihrer Ressourcen. „Der Umfang des Sozialkapitals, das der einzelne besitzt, hängt demnach sowohl von der Ausdehnung des Netzes der Beziehungen ab, die er tatsächlich mobilisieren kann, als auch vom Umfang des (ökonomischen, kulturellen oder symbolischen) Kapitals, das diejenigen besitzen, mit denen er in Beziehung steht.“ (Bourdieu, Steinrücke 2005, S. 64)</p>
<p>Um soziales Kapital zu akkumulieren, bedarf es natürlich auch einiges an Anstrengungen, so genannte Beziehungsarbeit. Man muss laufend Kontakt halten und im Wege des eigenen Beziehungsnetzes in Kontakt stehen. (vgl. Bourdieu, Steinrücke 2005, S. 65)</p>
<p>Gerade Netzwerke sind es, die die bewährten Klassenreproduktionsmechanismen verstärken. Die Alumni-Clubs der Business-Schools, Absolventenvereine der Privatschulen, gemeinsame Freizeitbeschäftigungen, wie Golfspielen oder der Opernbesuch verstärken Segregationseffekte und vermitteln Beziehungen, die sonst nicht geknüpft würden: „Sie sitzen in den Kontrollgremien der wichtigsten Unternehmen, steuern die Kommunikation Dritter und sind immer höchstens drei Handschläge voneinander entfernt“, so beschreibt das Industriemagazin (vgl. Loidl 2007) die Elite der Österreichischen Wirtschaft, die mittels einer Netzwerkanalyse aus den Daten des Österreichischen Firmenbuchs in einem Ranking zusammengefasst wurden.</p>
<p>Wesentliche Betrachtungen in dieser Hinsicht stellte beispielsweise der amerikanische Soziologe Mark Granovetter in seinem Werk „The strength of weak ties“ an. Granovetter zeigt in seiner Studie, dass es für die Erfolgschancen von Arbeitssuchenden wesentlicher ist, über so genannte „weak ties“ (schwache Verbindungen) verbunden zu sein, also über Bekanntschaften und lose Freundschaften, als über starke Verbindungen innerhalb von Gruppen. Grund ist, dass innerhalb von Gruppen mit hoher Kohäsion auch kaum Neuigkeiten oder andere Perspektiven kommuniziert werden, diese kommen &#8211; so wie auch adäquate Jobangebote &#8211; von außerhalb dieser sozialen Gruppen. (vgl. Florian, Hillebrandt 2006, S. 203–210)</p>
<h3>3.3.5  Weitere Kapitalien</h3>
<p>Pierre Bourdieu selbst verwendete seinen Kapitalbegriff eher unsystematisch und vor allem in seinem Spätwerk – beispielsweise bei der Beschreibung von Firmen als ökonomische Akteure in „The Social Structures of the Economy“– verstand er die Kapitalsorten deutlich breiter, als zuvor in den „Feinen Unterschieden“. Die Grundannahmen zu diesen generalisierten Ressourcen, ihre grundlegenden Wirkungen und Regeln bleiben allerdings bestehen.</p>
<p>Die Kapitalien nach denen Bourdieu (vgl. Bourdieu 2005, S. 194f) das ökonomische Feld definiert sind folgende: Das Finanzkapital (dieses Kapital ist die Hauptbedingung für Akkumulation, aber auch für die Erhaltung aller anderen folgenden Kapitalien); das kulturelle Kapital eines Unternehmens, das technologische Kapital (dieses Kapital ermöglicht die Differenzierung und die Weiterentwicklung von Firmen auf Basis von Forschung und Entwicklung), das juristische Kapital, das Organisationskapital (Informationen über das Feld), das Handelskapital, das soziale Kapital (dieses Kapital aktiviert alle anderen Kapitalien über Beziehungsnetzwerke), das symbolische Kapital (repräsentiert Vertrauen und Glaubwürdigkeit aller anderen Kapitalien nach Außen).</p>
<p>Diese Kapitalien wirken zwar auch über den Preismechanismus, vor allem aber wirken sie über strukturelle Mechanismen und Veränderungen. Diese Perspektive der Wirkung über Struktur wird von den neoklassischen ökonomischen Theoretikern strikt abgelehnt, diese kennen lediglich die interaktionistischen Wirkungen an der Schnittstelle vom Verkäufer zum Käufer.</p>
<p>Denn die relative Position einer Firma innerhalb des ökonomischen Subfeldes modifiziert gleichzeitig auch die relative Position und den Gewinn aller Kapitalien der anderen Firmen des Subfeldes (vgl. Bourdieu 2005, S. 195).</p>
<p>Je schlechter eine Firma im Feld positioniert ist, desto mehr ist der Raum der Möglichkeiten – prädeterminiert über den folgend beschriebenen „ökonomischen Habitus“ für diese Firma eingeschränkt – und vice versa, je stärker die Position eines Unternehmens im Feld ist, desto mehr Einfluss hat das Unternehmen auf das Feld und kann die Regeln des feldimmanenten Spiels und damit auch den relativen Wert seiner Kapitalien selber mitbestimmen.</p>
<h3>3.3.6  Kapitalien und das Feld der Nonprofit-Organisationen (NPO)</h3>
<p>Um im Feld der NPO herauszufinden, welches die relevanten Kapitalien sind, was sozusagen innerhalb der Illusio als „symbolisches Kapital“ Wirkung entfaltet, versuchte eine Studie aufgrund von Interviews zu erarbeiten, die mit Vertretern der Orthodoxie im Feld durchgeführt wurden: Eine qualitative Wiener Studie (vgl. Aghamanoukjan et al. 2007, S. 155–157) von 17 Interviews mit Führungskräften aus dem Profit- und dem Nonprofit-Sektor zeigt die Unterschiede in der Selbsteinschätzung, was die Relevanz der unterschiedlichen Kapitalarten nach der Bourdieuschen Theorie angeht: Für den NPO-Bereich erweist sich das ökonomische Kapital als besonders wichtig, während für die Manager aus dem Forprofit-Bereich das soziale Kapital als wichtiger gilt. In einer Detailbetrachtung sieht man allerdings, dass sich NPO-Manager auch auf das organisationale Umfeld beziehen, also die finanzielle Unsicherheit der Organisation auf diese Studie ausstrahlt. Hinsichtlich des kulturellen Kapitals, dessen Bedeutung in beiden Sektoren gleich eingeschätzt wird, ist es im NPO-Bereich unbestritten, selbst viele Aus-, Fort- und Weiterbildungen zu besuchen und das eigene Kompetenzniveau laufend zu erhöhen, die tatsächlichen Titel in Form von institutionalisiertem kulturellem Kapital sind nach dieser Studie eher im Forprofit-Bereich von Bedeutung.</p>
<p>Natürlich ist ein Feld oftmals nicht so strukturiert, wie sich das die Orthodoxie im Feld wünscht. Gerade die verschleiernden Wirkungen symbolischen Handelns als ein Teil der Machtausübung der Orthodoxie verwäscht die relative Relevanz von verschiedenen Kapitalausstattungen der Akteurinnen und Akteure im Feld, der Habitus mit seinen Beurteilungs- und Wahrnehmungsschemata tut sein übriges, um die Realstruktur zu verschleiern. Aus diesem Grund kann die oben zitierte Studie auch nur eine grobe Richtung der Strukturierung des sehr heterogenen Feld der NPO geben, deren tatsächliche Relevanz für das Feld des Österreichischen Roten Kreuzes später überprüft werden soll.</p>
<p><strong><br />
</strong></p>
<h1>Literaturverzeichnis</h1>
<p>Aghamanoukjan, Anahid; Eikhof, Doris; Leitner, Johannes; Meyer, Michael (2007): Leitern ohne Sprossen? Karrieren im Nonprofit-Sektor. In: Helmig, Bernd (Hg.): Nonprofit-Organisationen und Märkte. 7. Internationales Colloquium der NPO-Forscher im März 2006 an der Universität Freiburg/Schweiz. 1. Aufl. Wiesbaden: Dt. Univ.-Verl. (Marktorientiertes Nonprofit-Management), S. 151–160.</p>
<p>Aldridge, Alan (1998): Habitus and Cultural Capital in the Field of Personal Finance. In: Sociological Revue, Jg. 46, H. 1, S. 1–23. Online verfügbar unter <a href="http://dx.doi.org/10.1111/1467-954X.00087">10.1111/1467-954X.00087</a>.</p>
<p>Anheier, Helmut K.; Gerhards, Jürgen; Romo, Frank P. (1995): Forms of Capital and Social Structure in Cultural Fields: Examining Bourdieu&#8217;s Social Topography. In: American Journal for Sociology, Jg. 100, H. 4, S. 859–903.</p>
<p>Bohn, Cornelia (2005): Eine Welt-Gesellschaft. Operative Gesellschaftskonzepte in den Sozialtheorien Luhmanns und Bourdieus. In: Colliot-Thélène, Catherine; Bourdieu, Pierre (Hg.): Pierre Bourdieu Deutsch-französische Perspektiven. 1. Aufl. Frankfurt am Main: Suhrkamp (Suhrkamp-Taschenbuch Wissenschaft, 1752), S. 43–78.</p>
<p>Bohn, Cornelia; Hahn, Alois (2007): Pierre Bourdieu (1930-2002. In: Käsler, Dirk (Hg.): Von Talcott Parsons bis Anthony Giddens. 5., überarb., aktualisierte und erw. Aufl. München: Beck (Beck&#8217;sche Reihe, 1289), S. 289–310.</p>
<p>Bourdieu, Pierre (1983): Ökonomisches Kapital, kulturelles Kapital, soziales Kapital. In: Kreckel, Reinhard (Hg.): Soziale Ungleichheiten. Göttingen: Otto Schwartz; Schwartz (Soziale WeltSonderband, 2), S. 183–198.</p>
<p>Bourdieu, Pierre (1987): Die feinen Unterschiede. Kritik der gesellschaftlichen Urteilskraft. Frankfurt am Main: Surkamp Taschenbuch Verlag.</p>
<p>Bourdieu, Pierre (1999): Die Regeln der Kunst. Genese und Struktur des literarischen Feldes. Frankfurt am Main: Suhrkamp.</p>
<p>Bourdieu, Pierre (2001): Über einige Eigenschaften von Feldern. In: Bourdieu, Pierre; Beister, Hella; Schwibs, Bernd (Hg.): Soziologische Fragen. Dt. Erstausg., 1. Aufl., [Nachdr.]. Frankfurt am Main: Suhrkamp (Edition Suhrkamp, 1872 = N.F., 872), S. 107–114.</p>
<p>Bourdieu, Pierre (2004): Das Paradox des Soziologen. In: Bourdieu, Pierre (Hg.): Soziologische Fragen. Dt. Erstausg., 1. Aufl., [Nachdr.]. Frankfurt am Main: Suhrkamp (Edition Suhrkamp, 1872 = N.F., 872), S. 83–91.</p>
<p>Bourdieu, Pierre (2005): Principles of an Economic Anthropoly. In: Bourdieu, Pierre (Hg.): The social structures of the economy. Oxford: Polity, S. 193–219.</p>
<p>Bourdieu, Pierre (2007a): Das neue Kapital. In: Bourdieu, Pierre; Beister, Hella (Hg.): Praktische Vernunft. Zur Theorie des Handelns. Dt. Erstausg., 1. Aufl., [Nachdr.]. Frankfurt am Main: Suhrkamp (Edition Suhrkamp, 1985 = N.F., 985), S. 34–55.</p>
<p>Bourdieu, Pierre (2007b): Sozialer Raum, symbolischer Raum. In: Bourdieu, Pierre; Beister, Hella (Hg.): Praktische Vernunft. Zur Theorie des Handelns. Dt. Erstausg., 1. Aufl., [Nachdr.]. Frankfurt am Main: Suhrkamp (Edition Suhrkamp, 1985 = N.F., 985), S. 15–35.</p>
<p>Bourdieu, Pierre; Egger, Stephan; Schultheis, Franz (2007): Ein soziologischer Selbstversuch. Dt. Erstausg., 3. Aufl., [Nachdr.]. Frankfurt am Main: Suhrkamp (Edition Suhrkamp, 2311).</p>
<p>Bourdieu, Pierre; Schwibs, Bernd (2006): Homo academicus. 1. Aufl., [Nachdr.]. Frankfurt am Main: Suhrkamp (Suhrkamp-Taschenbuch Wissenschaft, 1002).</p>
<p>Bourdieu, Pierre; Steinrücke, Margareta (2005): Die verborgenen Mechanismen der Macht. Unveränd. Nachdr. der Erstaufl. von 1992. Hamburg: VSA-Verl. (Schriften zu Politik &amp; Kultur / Pierre Bourdieu. Hrsg. von Margareta Steinrücke, 1).</p>
<p>Florian, Michael.; Hillebrandt, Frank. (2006): Pierre Bourdieu. Neue Perspektiven für die Soziologie der Wirtschaft /. 1. Aufl. Wiesbaden: VS Verl. für Sozialwiss.</p>
<p>Frank, Cornelia (2007): Analyse von Kriegsökonomien als soziale Ordnungsformen aus Sicht der verstehenden Soziologie von Gewaltakteuren. Entstehung, Konsolidierung und Transformation der UÇK als Fallbeispiel. Paper für das Panel „Soziologische Ansätze zu den Friedensbedingungen in Nachkriegsgesellschaften“, Erster Workshop des AFK-Arbeitskreises Theorie am 5. – 7. Juli 2007 in der Ev. Akademie Loccum. Universität Trier. Trier.</p>
<p>Fuchs-Heinritz, Werner; König, Alexandra (2005): Pierre Bourdieu. Eine Einführung. Konstanz: UVK-Verl.-Ges. (UTB Soziologie, 2649).</p>
<p>Hartmann, Michael (2002): Leistung oder Habitus? Das Leistungsprinzip und die soziale Offenheit der deutschen Wirtschaftselite. In: Bittlingmayer, U. Eickelpasch R. Kastner J. Rademacher C. (Hrsg.) (Hg.): Theorie als Kampf? Zur politischen Soziologie Pierre Bourdieus. Opladen: Leske + Budrich, S. 361–377.</p>
<p>Hartmann, Michael (2005): Eliten und das Feld der Macht. In: Colliot-Thélène, Catherine; Bourdieu, Pierre (Hg.): Pierre Bourdieu Deutsch-französische Perspektiven. 1. Aufl. Frankfurt am Main: Suhrkamp (Suhrkamp-Taschenbuch Wissenschaft, 1752), S. 255–275.</p>
<p>Hillebrandt, Frank. (1999): Die Habitus-Feld-Theorie als Beitrag zur Mikro-Makro-Problematik in der Soziologie &#8211; aus der Sicht des Feldbegriffs. Technische Universität Hamburg-Harburg. Hamburg. (Working Papers zur Modellierung sozialer Organisationsformen in der Sozionik, WP2).</p>
<p>Iser, Maria (1983): Der Habitus als illegitimer Normalfall gesellschaftlicher Reproduktion. Die soziale Bedeutung von symbolischer Gewalt und strukturgesteuertem Lernen und Handeln in der Theorie von Pierre Bourdieu. Dissertation. Betreut von Michael Hofmann und Stefan Titscher. Wien. Wirtschaftsuniversität Wien, Allgemeine Betriebswirtschaftslehre.</p>
<p>Joas, Hans (2004): Zwischen Strukturalismus und Theorie der Praxis &#8211; die Kultursoziologie Pierre Bourdieus. In: Joas, Hans; Knöbl, Wolfgang; Joas, Hans; Knöbl, Wolfgang (Hg.): Sozialtheorie. Zwanzig einführende Vorlesungen. Orig.-Ausg., 1. Frankfurt am Main: Suhrkamp (Suhrkamp-Taschenbuch Wissenschaft, 1669), S. 518–557.</p>
<p>Krais, Beate (2005): Die moderne Gesellschaft und ihre Klassen &#8211; Bourdieus Konstrukt des sozialen Raums. In: Colliot-Thélène, Catherine; Bourdieu, Pierre (Hg.): Pierre Bourdieu Deutsch-französische Perspektiven. 1. Aufl. Frankfurt am Main: Suhrkamp (Suhrkamp-Taschenbuch Wissenschaft, 1752), S. 79–105.</p>
<p>Krais, Beate; Gebauer, Gunter (2002): Habitus. Bielefeld: Transcript-Verl. (Einsichten).</p>
<p>Krauss, Hartmut (2001): Zwischen Subjektivismus und Objektivismus. Zum Erkenntnisgehalt der theoretischen Konzeption Pierre Bourdieus. Glasnost Archiv. Online verfügbar unter <a href="http://www.glasnost.de/autoren/krauss/bourd.html">http://www.glasnost.de/autoren/krauss/bourd.html</a>, zuletzt geprüft am 22. Februar 2009.</p>
<p>Loidl, Rudolf (2007): Im Netzwerk der Macht. In: Industriemagazin, Ausgabe September 2007, 2007, S. 34–45. Online verfügbar unter <a href="http://www.industriemagazin.at/index.php?id=im-artikel&amp;tx_ttnews[tt_news]=2625">http://www.industriemagazin.at/index.php?id=im-artikel&amp;tx_ttnews[tt_news]=2625</a>.</p>
<p>Müller, Hans-Peter (1986): Kultur, Geschmack und Disinktion. Grundzüge der Kultursoziologie Pierre Bourdieus. In: Neidhardt, Friedhelm; Lepsius, M Rainer; König, René (Hg.): Kultur und Gesellschaft. René König, dem Begründer der Sonderhefte, zum 80. Geburtstag gewidmet. Opladen: Westdt. Verl. (Kölner Zeitschrift für Soziologie und SozialpsychologieSonderheft, 27), S. 162–189.</p>
<p>Müller, Hans-Peter (1992): Die soziokulturelle Ungleichheitstheorie. In: Müller, Hans-Peter (Hg.): Sozialstruktur und Lebensstile. Der neuere theoretische Diskurs über soziale Ungleichheit. 1. Aufl. Frankfurt am Main: Suhrkamp (Suhrkamp-Taschenbuch Wissenschaft, 982), S. 238–351.</p>
<p>Müller, Hans-Peter (2005): Handeln und Struktur. Pierre Bourdieus Praxeologie. In: Colliot-Thélène, Catherine; Bourdieu, Pierre (Hg.): Pierre Bourdieu Deutsch-französische Perspektiven. 1. Aufl. Frankfurt am Main: Suhrkamp (Suhrkamp-Taschenbuch Wissenschaft, 1752), S. 21–42.</p>
<p>Savage, Mike; Warde, Alan; Devine, Fiona (2005): Capitals, assets, and resources: some critical issues. In: The British Journal of Sociology, Jg. 56, H. 1, S. 31–47. Online verfügbar unter <a href="http://dx.doi.org/10.1111/j.1468-4446.2005.00045.x">DOI: 10.1111/j.1468-4446.2005.00045.x</a>.</p>
<p>Schrenk, Jakob (2009): Es gibt nur einen Pierre Bourdieu. Jakob Schrenk im Gespräch mit Franz Schulteis. In: Schrenk, Jakob (Hg.): Pierre Carles Soziologie ist ein Kampfsport. Pierre Bourdieu im Gespräch. Frankfurt am Main: Suhrkamp, S. 25–33.</p>
<p>Schürz, Martin (1999): Feine Unterschiede der Kapitalarten bei P. Bourdieu. Veranstaltung vom 23. 6. 1999. Wien. Veranstalter: Republikanischer Club.</p>
<p>Schwibs, Bernd (o.J.[2002]): ORF ON Science &#8211; Bourdieu: Soziologie als Überlebensprogramm. Mehr als ein Meisterdenker. ORF. Online verfügbar unter <a href="http://science.orf.at/science/news/40745">http://science.orf.at/science/news/40745</a>, zuletzt geprüft am 12. Februar 2009.</p>
<p>Skrobanjek, Jan; Jobst, Solveijg (2006): „Begrenzung” durch kulturelles Kapital? In: Berliner Journal für Soziologie, H. 2 Juni 2006, S. 227–244. Online verfügbar unter <a href="http://dx.doi.org/10.1007/s11609-006-0018-0">doi:10.1007/s11609-006-0018-0</a>.</p>
<p>Thornton, Sarah (1995): Club cultures. Music, media, and subcultural capital. Cambridge: Polity Press (Music/culture).</p>
<p>Wieselberg, Lukas (o.J. [2002]): Französischer Soziologe Pierre Bourdieu gestorben. ORF ON Science. ORF. Online verfügbar unter <a href="http://sciencev1.orf.at/science/news/40727,">http://sciencev1.orf.at/science/news/40727,</a> zuletzt geprüft am 9. Dezember 2009.</p>
<p>Wissing, Hubert (2006): Intellektuelle Grenzgänge. Pierre Bourdieu und Ulrich Beck zwischen Wissenschaft und Politik. Univ., Diss.&#8211;Osnabrück, 2005. 1. Aufl. Wiesbaden: VS Verl. für Sozialwiss. (Forschungen zur europäischen Integration, 18).</p>
<hr size="1" /><a href="#_ftnref1">[1]</a> Das ist die neoklassische mikroökonomische Sicht auf den Konsumenten, bei der ceteris paribus alle sozialen Randbedingungen egalisiert werden.</p>
<p><a href="#_ftnref2">[2]</a> „Historisch tritt das Kapital dem Grundeigentum überall zunächst in Form von Geld gegenüber, als Geldvermögen, Kaufmannskapital und Wucherkapital.“ (Marx 1962, S. 161)</p>
<p><a href="#_ftnref3">[3]</a> Die Konvertierbarkeit ist unter anderem auch eine der Grundvoraussetzungen, die Bourdieu für sämtliche Kapitalien definiert.</p>
<p><a href="#_ftnref4">[4]</a> Diese bezeichnet man dann konsequenterweise Elite-Universitäten. Eine Tendenz, die in den Vereinigten Staaten schon lange Tradition hat, kommt damit auch nach Europa.</p>
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		<title>personal oder corporate Twitter?</title>
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		<pubDate>Wed, 09 Dec 2009 10:31:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Gerald Czech</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
		<category><![CDATA[Organisation]]></category>
		<category><![CDATA[Soziologie]]></category>
		<category><![CDATA[theorie]]></category>
		<category><![CDATA[Kommunikation]]></category>
		<category><![CDATA[Twitter]]></category>

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		<description><![CDATA[Christian Henner-Fehr diskutiert in seinem Blogbeitrag Twittern: darf es auch persönlich sein? den Unterschied in der Kommunikation zwischen Twitter-Accounts von Organisationen, also sozusagen Corporate Accounts (wenn auch Corporate in diesem Falle solche von Organisationen mit einschließt), und andererseits persönlichen Accounts bei Twitter. Ist es ein reiner Unternehmensaccount, bei dem die Follower unter Umständen gar nicht [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://twitter.com/kulturmanager">Christian Henner-Fehr</a> diskutiert in seinem Blogbeitrag<a href="http://kulturmanagement.wordpress.com/2009/12/09/twittern-darf-es-auch-personlich-sein/"> Twittern: darf es auch persönlich sein? </a>den Unterschied in der Kommunikation zwischen Twitter-Accounts von Organisationen, also sozusagen Corporate Accounts (wenn auch Corporate in diesem Falle solche von Organisationen mit einschließt), und andererseits persönlichen Accounts bei Twitter.</p>
<blockquote><p>Ist es ein reiner Unternehmensaccount, bei dem die Follower unter Umständen gar nicht wissen, wer da twittert, dann sind die Tweets in der Regel sehr unpersönlich. [...]</p>
<p>In der Tendenz dürfte sich die von <a href="http://twitter.com/typhaeus">Johannes Reiss</a> und mir geäußerte Vermutung, dass die Art des Twitterns von der Art des Accounts (Unternehmen/Individuum) abhängt, bestätigen. Nicht geklärt ist aber die Frage, welcher Ansatz erfolgreicher ist?</p></blockquote>
<p>Ich finde, das ist ein sehr interessantes Phänomen, das sich aufgrund der Art und der Struktur der vertretenden Organisation, für die man im Sinne einer Organwalterschaft das online-Sprachrohr wird, durchaus verändert.</p>
<p>Dass auch die &#8220;persönlichen&#8221; Accounts nicht die wahre Persönlichkeit ihres nicht-virtuellen Alter Egos repräsentieren ist anzunehmen. Gerade wenn man an <a href="http://twitter.com/chrisrutz/reputationmanagement">Reputation Management</a> im Web denkt, an den virtuellen Jahrmarkt der Eitelkeiten, zu dem Twitter ja auch manchmal verkommt, denn was ist soziales Handeln (sei es nun online oder offline) oftmals, als die Explikation von Distinktionen, das Etablieren von mehr oder weniger feinen Unterschieden?</p>
<p>Natürlich unterscheiden sich die Ziele des privaten und des organisationalen &#8220;fishing for distinction&#8221; und damit auch die eingenommene Kommunikationsform in allen ihren Facetten (also Sprache, Häufigkeit, Themen, Diskussionsfreude, Agressivität, &#8230;). Stimmigkeit und Authentizität ist eines der angestrebten Ziele, denke ich mir, und das scheint bei Corporate Accounts deutlich komplexer, weil man natürlich auch mit der Organisationsinternen Realität konfrontiert wird. Zudem werden von Seiten der EmpfängerInnen alle Aussagen, die im virtuellen &#8220;Gezwitschere&#8221; abgesondert werden, direkt auf die vertretene Organisation verbucht. Das sind zwei reale Einflüsse auf die Kommunikationsstruktur von Coporate Accounts, die es schwierig machen, gleich spontan und persönlich zu sein, wie das ein persönlicher Account tun kann.</p>
<p>Das ist beispielsweise ein Grund, warum ich selbst zwei verschiedene online-Accounts habe, Als <a href="http://twitter.com/redcrosswebmast">redcrosswebmaster </a>die Person Gerald Czech und als <a href="http://twitter.com/roteskreuzat">roteskreuzat</a> die Organisation, die ich vertrete. Gerade bei der Vertretung einer Organisation, die aufgrund ihres Selbstverständnisses sehr auf die <a href="http://www.roteskreuz.at/organisieren/organisation/wer-wir-sind/allgemeine-grundlagen/die-rotkreuz-grundsaetze/">Neutralität ihrer Aussagen</a> achtet, ist es  oftmals schwierig, Dinge direkt als Organisation zu sagen &#8211; daher auch das alter Ego des Webmasters, oder die Blogs. Natürlich ist auch für den redcrosswebmast-Account nicht alles möglich. Aus Parteipolitischen Diskursen klinke ich mich genauso aus, wie in Weltanschaulichen oder religiösen Debatten &#8211; auch wenn es oft juckt &#8230;</p>
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