I promise it won’t be boring …

Ist ein sozi­al­wis­sen­schaft­li­cher Blog geeig­net für den Nach­ruf auf einen Musi­ker? Ich fin­de schon, denn hat nicht schon Pier­re Bour­dieu gemeint: „Die gesell­schaft­li­che Welt ist akku­mu­lierte Geschich­te. Sie darf des­halb nicht auf eine Anein­an­der­rei­hung von kurz­le­bi­gen und mecha­ni­schen Gleich­ge­wichts­zu­stän­den redu­ziert wer­den, in denen Men­schen die Rol­le von aus­tausch­ba­ren Teil­chen spie­len.“ Umso mehr ist ja die eige­ne Sozia­li­sa­ti­on eine Akku­mu­la­ti­on von Emp­fin­dun­gen, Ein­flüs­sen und Gescheh­nis­sen in der Ver­gan­gen­heit?

Ich war sehr betrof­fen zu hören, dass ein Gro­ßer die Büh­ne ver­las­sen hat. War­um? Bowie war ein­fach immer da. Per­ma­nen­ter musi­ka­li­scher Rah­men­kon­text mei­nes Lebens. Ich habe ihn frü­her immer irgend­wie wahr­ge­nom­men, war er doch in jeder mei­ner Lebens­pha­sen akus­ti­sch irgend­wie da. Nicht so inten­siv und emo­tio­nal prä­sent, wie die Doors, deren Light my Fire oder Waiting for the sun, die mich in der Jugend auch in mei­nem sub­kul­tu­rel­len Zuge­hö­rig­keits­ge­fühl sozia­li­siert haben.

Doch David Bowies Musik war ein­fach da, genauso sein Gesicht, das Gesicht eines Cha­mä­le­ons, sei es als Schau­spie­ler oder als Musi­ker in den Videos, die wir auf Sky­Chan­nel (MTV war noch nicht erfun­den) sahen. Nicht so wild, wie U2 deren Sun­day, bloo­dy Sun­day wohl der­ein­st im Musi­kan­ten­sta­del des Rocks gespielt wer­den wird. Trotz­dem irgend­wie da. Nicht so vir­tuos wie Car­los San­t­ana, bei Sam­ba Pa Ti kom­men mir noch immer die Trä­nen. Bowie war irgend­wie anders. Anders, als alle ande­ren. Anders sogar, als er selbst. Das Anders-sein als zen­tra­ler Lebens­in­halt. Viel­leicht ist es das, was mich an ihm so fas­zi­niert?

Im Hin­ter­grund läuft eine Spotify-Playlist mit Bowie-Nummern. Da ist nichts dabei, dass nicht geht. Nichts, dass nicht zu ihm passt. So wie die Stim­mung sich von Track zu Track ver­än­dert mäan­drie­ren mei­ne Gedan­ken, längst ver­ges­se­ne Situa­tio­nen, ver­dräng­te Ereig­nis­se, die sich weit hin­ter dem nutz­lo­sen Wis­sen ver­steckt haben. Hat mich eine Per­son, die zumin­dest in mei­nen Erin­ne­run­gen nie­mals im tota­len Fokus mei­ner musi­ka­li­schen Sozia­li­sa­ti­on stand doch mehr beein­flusst als gedacht?

Was bleibt?

Per­sön­li­che Erin­ne­run­gen, wie jene an eine gan­ze durch­wach­te Nacht im Kel­ler einer Schul­freun­din. Nur wir zwei. Neben­ein­an­der. Eine gan­ze Nacht Musik­hö­ren in Möd­ling. Am LP-Player läuft Zig­gy Star­dust ein­mal, zwei­mal, immer wie­der – die gan­ze Nacht bis zum Mor­gen­grau­en. „The­re is a Star­man waiting in the Sky …“
So lege ich melan­cho­li­sch noch ein­mal Space Oddi­ty auf …

Here am I floa­ting round my tin can
Far above the Moon
Pla­net Ear­th is blue
And there’s not­hing I can do

I don’t know whe­re I’m going from here, but I pro­mi­se it won’t be boring.”

Wor­an erin­ner­st Du Dich, wenn Du Bowie-Songs spiel­st?