Befreit von der Freiheit, die andere meinen?

Fried­rich von Hay­ek (Quel­le: www.eclectecon.net)

Wenn Fried­rich v. Hay­eks Freun­de (www.austriancenter.com) den heu­ti­gen Tag als Öster­reichs Tax Free­dom Day aus­ru­fen und argu­men­tie­ren, dass die Öster­rei­che­rIn­nen bis zum 31. Juli nur für den Staat gear­bei­tet haben, so zeigt sich klar die para­dig­ma­ti­sche Grund­la­ge des Neo­li­be­ra­lis­mus der Öster­rei­chi­schen Schu­le.

Gemeinwohl ist nicht relevant?

Die Argu­men­ta­ti­on, „dass Herr und Frau Öster­rei­cher durch­schnitt­li­ch 214 von 365 Tagen für die Staats­kas­se arbei­ten, um ab dem 31. Juli theo­re­ti­sch frei über ihr Ein­kom­men ver­fü­gen kön­nen“, hinkt zumal Herr und Frau Öster­rei­cher ja durch­aus auch Nut­zen aus dem mit Steu­er­geld finan­zier­ten Gemein­wohl haben. Die Öster­rei­che­rin­nen und Öster­rei­cher konn­ten in den ers­ten 214 Tagen des Jah­res 2013 die Sicher­heit in den Öster­rei­chi­schen Städ­ten genie­ßen, ohne Schul­geld ihre Kin­der aus­bil­den las­sen, die Uni­ver­si­tä­ten besu­chen, sich in welt­weit Top-gerankten Spi­tä­lern ver­sor­gen las­sen oder in den Parks der Stadt aus­ras­ten, vom anstren­gen­den Arbei­ten für den Staat. Herr und Frau Öster­rei­cher kön­nen übri­gens – auch das ist nicht uner­war­tet – eben­je­ne Vor­zü­ge auch im Rest des Jah­res genie­ßen.
Eine klei­ne Text-Bild-Schere zeigt die Aus­sen­dung zudem: was hat die Staats­ver­schul­dung mit dem indi­vi­du­el­len Steu­er­auf­kom­men zu tun?
Aber viel­leicht hat das alles ja nur mit dem Wahl­kampf zu tun und mit der som­mer­li­chen Hit­ze?

Konzeptkritik

Zudem ist das Kon­zept des Selbst­ein­kom­men­schwel­len­tags alles ande­re als robust. Auf­grund der Pro­gres­si­on wer­den hohe Ein­kom­men über­pro­por­tio­nal ein­ge­rech­net, ein „durch­schnitt­li­cher Steu­er­zah­ler” ist im Sin­ne die­ser Defi­ni­ti­on nicht wirk­li­ch sinn­voll. Viel­leicht soll­te man bes­ser mit dem Medi­an rech­nen? Auch sind die unter­schied­li­chen Zah­lun­gen, die in sol­che Mess­wer­te ein­ge­hen, nicht wirk­li­ch genormt – so wer­den bei­spiels­wei­se Kran­ken­kas­sen­zah­lun­gen an pri­va­te Trä­ger nicht mit berech­net, wie in der Schweiz, obwohl die­se auch ver­pflich­tend sind. In den Ver­ei­nig­ten Staa­ten liegt der Tag zwar weit zurück im Früh­ling – trotz­dem gibt es ver­dammt vie­le Per­so­nen, die kei­nen Zugang zu Sozi­al­leis­tun­gen haben, deren Lebens­si­tua­ti­on deut­li­ch schlech­ter ist: trotz selbst­be­stimm­ten (Mindest-) Ein­kom­men. Trotz­al­le­dem.