Herr Schöpfer, wer zahlt eigentlich die Rettung?

Univ.-Prof. DDr. Gerald Schöpfer, Präsident des Österreichischen Roten Kreuzes.

Univ.-Prof. DDr. Gerald Schöpfer, Präsident des Österreichischen Roten Kreuzes.

Die Finanzierung des Rettungswesens ist eine ziemlich komplizierte Sache. Grob unterscheidet man drei Zahle:

Erstens die Krankenkassen: Sie schließen Verträge mit den Rettungsorganisationen. Die Tarife sind aber weder kostendeckend noch aufwandsgerecht. Denn das Tarifsystem ist veraltet: Kilometerleistungen werden „belohnt“, Notarzt- und Rettungseinsätze „bestraft“. Diese überholte Tarifstruktur fördert kommerzielle Unternehmen, die als „Rosinenpicker“ mit Krankentransporten schnelles Geld verdienen und sowohl die teuren Notarztdienste als auch die Nacht und Wochenendeinsätze dem Roten Kreuz überlassen.

Zweitens: Länder und Gemeinden tragen durch den „Rettungs-Euro“ pro Einwohner und die Beistellung von Ärzten zu den Notarzt-Rettungssystemen bei. Drittens erbringt das Rote Kreuz eine beträchtliche Eigenleistung.

Österreichweit bezahlt das Rote Kreuz zwischen 15 und 20 % seines Rettungsdienstes aus eigenen Mitteln, große Teile der Spenden fließen direkt in das Rettungswesen. Würde man noch die freiwillig geleisteten Arbeitsstunden mitberechnen (über 300 Millionen Euro im Jahr 2013), käme sogar eine Rotkreuz-Eigenleistung von durchschnittlich 60 % heraus.