Herr Ambrozy, kann die Rettung ohne Freiwillige funktionieren?

Dr. Peter Ambrozy ist Vizepräsident des Österreichischen Roten Kreuzes und Präsident des Rotkreuz-Landesverbands Kärnten

Dr. Peter Ambrozy ist Vizepräsident des Österreichischen Roten Kreuzes und Präsident des Rotkreuz-Landesverbands Kärnten

Wer ein bisschen rechnen kann und einen realistischen Blick für die Budgets der öffentlichen Hand hat, wird merken: Ohne Freiwillige gibt es kein Rettungswesen in Österreich. Bewertet man die Leistung der Freiwilligen nur im Roten Kreuz, kommt ein Betrag von über 300 Millionen Euro im Jahr heraus, den sie erarbeiten. Diesen Betrag erspart sich die öffentliche Hand. Und das alleine im Kernbereich Rettungsdienst und Sanitätseinsätze. Aber auch der Katastrophenhilfsdienst wird von Freiwilligen erbracht, oft sind sie identisch mit jenen im Rettungsdienst. Nach Zugsunglücken, Busunfällen, Lawinenabgängen, also Unglücken mit einer Vielzahl an Schwerverletzten, kommt die Versorgung in der ersten Phase – Verpflegung, Trinkwasser, Unterkunft, Krisenintervention für Betroffene und Angehörige – von Freiwilligen. In entlegenen Gebieten erreichen unsere First Responder in kürzester Zeit auch das hinterste Gehöft. Auch sie sind Freiwillige. Nicht nur die Rettung könnte ohne Freiwillige nicht funktionieren. Am Rettungssystem hängt also eine Reihe anderer wichtiger Versorgungsleistungen für die Bevölkerung, die ohne Freiwillige entweder nicht durchführbar oder nicht finanzierbar wären. Das ist der Öffentlichkeit oft gar nicht bewusst.