Blog von Werner Kerschbaum

management, npo-management, anderes.

Keine Details, welches Stück!

Posted by kerschbaum on Oktober 16th, 2009

Hello world!

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Segnung einer neuen Vereinsfahne anläßlich 150 Jahre Solferino

Posted by kerschbaum on Juni 25th, 2009

 
Ich durfte dazu am vergangenen Freitag in Voralrberg im Dom zu Feldkirch eine Festrede halten
Meine zwei wesentlichen „PRO“ Argumente sind nachstehend angeführt
Mich würde eure Meinung zur Idee einer Fahnensegnung interessieren.

2 Überlegungen zur Idee einer Fahnensegnung

1. Überlegung
Ein Bild sagt mehr als tausend Worte und eine Fahne erzeugt starke Bilder in unseren Köpfen und vor unseren Augen. Bilder, die Identität stiften, die eine Sehnsucht wecken. Sie kennen sicher die Empfehlung von Antoine de Saint-Exupery:
„Wenn Du ein Schiff bauen willst, dann hole nicht die Mannen zusammen um Holz zu sammeln, sondern vermittle ihnen die Sehnsucht nach der großen weiten Welt.“
Die Rotkreuz-Fahne vermittelt diese Sehnsucht nach besserer Lebensqualität, Hilfe für die Kranken und Schwachen und ein Leben in Würde für alle Menschen.
Genau das haben wir uns „auf die Fahne geschrieben bzw. geheftet“. Die hunderten und tausenden Freiwilligen, Hauptberuflichen und Zivildienstleistenden zeigen täglich „Flagge“, nämlich die Flagge der Humanität und Brüderlichkeit („Tutti fratelli!“ – Slogan der ersten Stunde)

 

Unsere Fahne ermöglicht uns Orientierung in schwierigen Zeiten, „Wir gehen hinter unserer Fahne, unsere Fahne vereint uns!“.

Die Fahnenstange steht symbolisch für den Halt, den uns unsere Grundsätze, unser Leitbild und das Vorbild unserer erfahrenen Helfer und Helferinnen geben. Die Fahne selbst steht für Bewegung, so wie wir uns als „Bewegung“ in stürmischen Zeiten bewähren und weiterentwickeln müssen, jedoch mit dem Rückhalt einer starken Verankerung durch unsere Werte.

Die Fahne schafft auch ideelle und sichtbare Verbindung mit der Bevölkerung, der wir dienen. Die heutige Fahnenpatin verkörpert diese Verbindung.
Und letztlich ist unsere Fahne auch ein klares und mutiges Bekenntnis zu unserer Geschichte, ein Bindeglied zwischen Historie und Gegenwart.
Das Rote Kreuz ist auf dem Schlachtfeld entstanden, jedoch ein Zeichen für Nächstenhilfe, Nichtdiskriminierung, Freundschaft und Versöhnung.
Mit unseren heutigen Fahnen ziehen wir in keine Kriege – ganz im Gegenteil: Wir versuchen Kriege zu verhindern bzw. deren Folgen zu lindern – und unser Motiv dafür: „Aus Liebe zum Menschen“.

Und nun zur 2. Überlegung.

So wie wir selbst Sinn in unserer Tätigkeit für das Rote Kreuz finden, weil sie über uns selbst hinausweist und auf andere gerichtet ist, so ist die Fahnensegnung ein Zeichen dafür, dass wir uns voller Vertrauen auf einen liebenden Schöpfer einlassen und verlassen. Diese Rückbindung an eine göttliche Kraft (lat. re-ligio vgl. Religion) wirkt – nicht nur in kritischen Situationen – befreiend und stärkt uns.

Befreiend, weil wir nicht auf alles eine Antwort finden müssen, sondern unsere Sorgen auf unseren Herrgott abladen können – stärkend, weil wir mit dieser Einstellung weit über die reine Hilfeleistung hinaus „heilend“ für unsere Mitmenschen tätig werden können. Das sage ich jetzt als praktizierender Christ, aber das gilt natürlich auch für Angehörige anderer Religionen, die sich in unseren Reihen engagieren.
Tutti fratelli passt vielleicht auch hier.

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Diskussion über Wirtschaftskrise im ÖRK

Posted by kerschbaum on April 17th, 2009

Geschätzte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Roten Kreuz!

Am 4.Mai 2009 diskutieren MitarbeiterInnen des Generalsekretariats des ÖRK mit einigen externen Gästen aus den Bereichen Unternehmensberatung und Wirtschaftswissenschaft zum Thema:
„Das Rote Kreuz in der aktuellen Wirtschafts- und Finanzkrise – was sollten wir anders machen? sollten wir was anders machen?
Diskutieren sie mit und schreiben sie mir sie ihre Meinung vor dem 4. Mai, damit ich diese für sie in die Diskussion einbringen kann:
1.Was hat ihres Erachtens die dzt. Krise mitverursacht?
2. Welche Auswirkungen hat die Krise auf die diversen Anspruchsgruppen des Roten Kreuzes wie Patienten/Kunden, Angehörige; Kostenträger(Gemeinden, Krankenkassen); Ärzte; Sponsoren; Mitglieder etc.
3.Was sollten wir daher anders/neu machen/nicht mehr machen/verstärkt machen?

Zur orientierung sind nachstehend noch weitere Fragen zum nachdenken angeführt.
Ich freue mich auf ihre Kommentare

Mit besten Grüßen
Werner Kerschbaum
Stvtr. Generalsekretär des ÖRK

– Haben wir ein Problem mit der derzeitigen Krise? Wenn ja, wie würden wir es genau beschreiben?
– Wo sieht das RK die Ursachen der gegenwärtigen Krisensituation?
– Welche Auswirkungen hat die Krise auf unsere Kunden und die wichtigsten Anspruchsgruppen ?(SVT; Ärzte; Angehörige; Schulen; Ministerien; Länder; Gemeinden etc.)
– Welche (neuen) Herausforderungen (Chancen, Risken) bietet das sich verändernde Umfeld?
– Worauf müssen wir besonders achten?
– Inwieweit hat unsere Strategie 2012 noch Gültigkeit?
– Von wem können wir in der jetzigen Situation lernen? Von wem nicht?
– Was sagen wir unseren MitarbeiterInnen?
– Wie wirken wir in die Gesellschaft hinein? (vgl. Leitbild )



Ziel der Diskussion bzw. nachfolgender Gespräche ist die Erarbeitung eines RK Positionspapiers, welches nach innen und außen Wege/Antworten anbietet- keine Rezepte verordnet.

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Nur mehr Ö1 auf allen Kanälen?

Posted by kerschbaum on April 6th, 2009

Die Dominanz des Themas „24-Stunden-Pflege“ ist kontraproduktiv für die Suche nach einem schlüssigen Gesamtkonzept für die Pflege und Betreuung in Österreich. Dieser Gastkommentar von Dr. Werner Kerschbaum erschien am 19. März 2007 in der Tagsezeitung „Die Presse“:

Donnerstags liegt Ihrer Zeitung kein komplettes Fernseh- und Radioprogramm der darauf folgenden Woche mehr bei, sondern die Ö1-Programmzeitschrift „gehört“. Politiker aller Couleur, Kommentatoren und das Publikum diskutieren ausschließlich den Inhalt der jüngsten Ö1- Sendungen. Auf den Medien-Seiten der österreichischen Presse wird über nichts anderes mehr berichtet als über den Info-Klassik-Sender, dessen Marktanteil bei acht Prozent liegt.
So sehr man sich diesen Zustand des Öfteren herbeisehnen mag: 100 Prozent Debatte und Berichterstattung für acht Prozent Marktanteil, das widerspräche einfach der Realität, den Kundenbedürfnissen und dem Versorgungsauftrag. Außerdem würde es die Vielfalt des gesamten Programmangebots in keinster Weise widerspiegeln.

Trotzdem herrscht genau dieser absurde Zustand in der tagespolitischen Debatte und in der Berichterstattung über die Pflege und Betreuung in Österreich. Hierzulande leben heute knapp mehr als 400.000 Pflegegeld-Bezieher. Rund 20.000 von ihnen organisieren sich Betreuungspersonen aus dem benachbarten Ausland, die im jeweiligen Haushalt leben und rund um die Uhr zur Verfügung stehen.
20.000 von 400.000, das entspricht einem „Marktanteil“ von sogar nur fünf Prozent. Bei allem Verständnis dafür, dass diese Situation rasch einer nachhaltigen und legalen Lösung zugeführt werden muss: Die so genannte „24-Stunden-Betreuung“ überschattet alle anderen Fragen einer längst notwendigen umfassenden Pflegedebatte und spiegelt die breit gefächerten Kundenbedürfnisse nach einer stärker differenzierten Angebotspalette im Pflege- und Betreuungsbereich in keinster Weise wieder.

Das beginnt damit, dass in der Debatte ausschließlich von Betreuung zu Hause die Rede ist. Auf welche anderen Betreuungsformen – stationär, teilstationär, zu Hause mit mobilen Diensten, in innovativen Wohnformen – in welcher Qualität und zu welchen Bedingungen pflegebedürftige ÖsterreicherInnen gesetzlichen Anspruch haben sollen ist aus der laufenden Diskussion ausgeblendet. Für das legale Modell einer 24-Stunden-Betreuung werden in diversen Kalkulationen monatliche Kosten in der Höhe zwischen 2.500,- und 3.000,- Euro veranschlagt. Dies bei einem Medianeinkommen in Österreich von durchschnittlich 1.700,- Euro (Stand 2006). Man muss kein Hellseher sein, um festzustellen, dass ein derartiges Modell ohne staatliche Förderung ziemlich wirkungslos bleiben würde. Denn die derzeitigen Kosten – auf dem bis Ende Juni vom Gesetzgeber mittels Amnestie geduldeten Schwarzmarkt – liegen bei 1.500,- Euro monatlich. Die Konsumenten würden dann das tun, was sie in den vergangenen Jahren gelernt haben: Weil das bestehende legale System ihre Erwartungen nach wie vor nicht erfüllen kann, werden sie weiterhin auf den Schwarzmarkt ausweichen, der die gewünschte Qualität zu halbwegs vertretbaren Kosten bietet.

Bei einer allzu großzügigen Förderung der 24-Stunden-Betreuung durch die öffentliche Hand besteht allerdings die verteilungspolitische Gefahr, dass Besserverdienenende ihre guten „Hausgeister“ staatlich subventioniert bekommen.

Zusätzlich hat jede Förderung Einfluss auf bereits bestehende Versorgungsformen und deren Finanzierung. Was am Beispiel „Pflegeheim“ leicht zu erklären ist: Die Versorgung einer pflegebedürftiger Personen kostet im Pflegeheim österreichweit durchschnittlich 2.500,- Euro monatlich, wovon – wiederum durchschnittlich – 1.000,- Euro von der öffentlichen Hand in Form von Sozialhilfe zugeschossen werden. Sollte der gleiche Betrag auch beim legalen „24-Stunden-Modell“ als Förderung gewährt werden, dann besteht die Gefahr, dass diese Betreuungsform alle anderen „aussticht“. Denn bei der Betreuung zu Hause gibt es – im Gegensatz zum Pflegeheim – keinen Einbehalt der Pension, das Pflegegeld bleibt in der Familie, und darüber erfolgt kein Zugriff der öffentlichen Hand auf das Vermögen der Betroffenen oder deren Familien.

Schon dieses eine Beispiel zeigt deutlich, dass die anstehende Debatte um eine Weiterentwicklung des bestehenden Pflege- und Betreuungssystem in Österreich nicht bruchstückhaft geführt werden darf. Das wäre kontraproduktiv. Vor allem, wo im aktuellen Koalitionsabkommen das Thema Pflege erstmals ausführlicher erwähnt wird (Seite 103). Ohne sich allzu sehr in Details zu verlieren, spricht der Regierungspakt von einer „optimalen Infrastruktur nach Wünschen der Betroffenen“ – also von Kundennähe –, von „leistbarer Pflege“, der „Unterstützung von Freiwilligen und pflegenden Angehörigen“ (im Übrigen der größte Pflegedienst in Österreich!) und der „Forcierung der Pflege als modernem Berufssektor“ (Etwas schwammig ist allerdings der Passus zur Finanzierung formuliert. Was genau bedeutet: „Mehrkosten sind solidarisch durch Beiträge von potentiellen Nutznießern aufzubringen?“).
Um diese Überschriften mit Inhalt zu füllen, haben in der jüngsten Vergangenheit nicht wenige politisch und fachlich breit gefächerte Arbeitskreise getagt: ein von der letzten Bundesregierung eingesetzter unter der Leitung der ehemaligen steirischen Landeshauptfrau Klasnic, ein vom Seniorenrat initiierter. Und die Bundesarbeitsgemeinschaft freie Wohlfahrt (BAG), Zusammenschluss der größten österreichischen Wohlfahrtsorganisationen – hat ihr Positions- und Forderungspapier auch schon mehrmals in Erinnerung gerufen.

Der gesamte Vorgang ist nicht nur als Symptom des Politainments zu werten, zu dem nun einmal gezwungen zu sein scheint, wer Wiederwahlzyklen unterliegt. Die allzu enge Fokussierung auf die 24-Stunden-Pflege geht wieder einmal der Frage nach dem Ziel aus dem Weg, die da lautet: Welches (Wohlfahrts-)Modell in der Pflege will dieses Land seinen Bürgern anbieten? Wie positioniert sich Österreich im europäischen Kontext? Als Musterland für Pflegebedürftige und als Musterbeispiel einer harmonischen Kultur des Alterns? Die Antwort darauf erforderte einen von den freien Wohlfahrtsträgern beständig geforderten breiten und umfassenden gesellschaftlichen Dialog, weil die Festlegung auf bestimmte Wohlfahrtssysteme immer auch eine ideologische Festlegung mit entsprechenden langfristigen budgetären Auswirkungen ist (mehr private Vorsorge oder mehr staatliche Fürsorge?). Es ist höchst erfreulich, dass für einen solchen Dialog noch nie so viele Vorschläge wie jetzt auf dem Tisch gelegen sind.
Aber nur realisierte Ideen sind gute Ideen. Daher müsste man eigentlich jetzt die verantwortlichen Politiker und Experten rasch in ein Zimmer sperren und so lange schuften lassen, bis weißer Rauch aufsteigt: Habemus World Class Care! Leider vermittelt die gegenwärtige Debatte eher den alarmierenden Eindruck, dass wir von einer umfassenden systemischen Lösung im Pflege- und Betreuungsbereich noch immer so weit entfernt wie Ö1 von einer 100%igen Reichweite.
Ö1 gehört gehört – die berechtigten Wünsche und Vorstellungen von mehr als 400.000 Pflegegeldbeziehern und noch einmal so vielen Angehörigen gehören nicht nur gehört, sondern zügig umgesetzt.

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Pflege: Den Kundenwunsch in den Mittelpunkt stellen

Posted by kerschbaum on März 16th, 2009

GASTKOMMENTAR VON WERNER KERSCHBAUM: Der willkürliche Ausschluss von Pflegetätigkeiten im neu geschaffenen Gesetz hält einem Praxistest nicht stand und ist auch logisch widersprüchlich.

Viel, vielleicht schon zu viel ist über die 24-Stunden-Betreuung gesagt und geschrieben worden. Die Fakten: In geschätzten 20.000 österreichischen Haushalten sind ausländische Pflegekräfte beschäftigt und erfüllen den Wunsch von pflegebedürftigen Menschen und ihren Familien nach einer Rund-um-die-Uhr-Präsenz bzw. Betreuung in den eigenen vier Wänden.

Auf diesem „Markt“ werden jährlich rund 350 Millionen Euro umgesetzt. Damit erreicht die gerade erst legalisierte 24-Stunden-Betreuung eine ähnliche Größenordnung wie die „offiziellen“ und öffentlich geförderten Pflege- und Betreuungsdienstleistungen im Rahmen der sogenannten „Mobilen Dienste“ (Hauskrankenpflege, Heimhilfe, Pflegehilfe, mobile Ergo- und Physiotherapie etc.), welche von zirka 70.000 Österreicherinnen in Anspruch genommen werden.

Die Politik hat sich – nach jahrelangem Wegschauen – im Jahr 2007 zu einer gesetzlichen Regelung der 24-Stunden-Betreuung durchgerungen. Das war wichtig und richtig, wenngleich das dafür geschaffene „Hausbetreuungsgesetz“ einige gravierende Geburtsfehler aufwies. Diese werden gerade nach und nach unter Einwechslung politischen Kleingelds repariert.
Neuordnung der Pflegelandschaft

Auf einen dieser Fehler möchte ich besonders eingehen, weil er meines Erachtens Angelpunkt für ein Umdenken und eine Neuordnung der Pflegelandschaft in Österreich sein könnte:

Das Hausbetreuungsgesetz definiert einzelne erlaubte Tätigkeiten im Rahmen der 24-Stunden-Betreuung – und verbietet indirekt jede pflegerische Tätigkeit, wie Körperpflege, Inkontinenzpflege, Verabreichen von Mahlzeiten, Einschachteln von Medikamenten etc.

Das ist praxisfern, weil die große Mehrheit jener Personen, die eine 24-Stunden-Betreuung beanspruchen, nicht eine Gesellschaftsdame, sondern Unterstützung bei den Aktivitäten des täglichen Lebens brauchen. Im Regelfall werden also bei ein und demselben Patienten Betreuungs- und Pflegetätigkeiten anfallen und auch von der jeweiligen Betreuungskraft durchgeführt werden.

Der willkürliche Ausschluss von Pflegetätigkeiten im neu geschaffenen Gesetz hält damit einem Praxistest nicht stand und ist auch logisch widersprüchlich.

Der Logik einer ganzheitlichen Betreuung folgt ja indirekt auch der Gesetzgeber, da er als Voraussetzung für eine öffentliche Förderung – im novellierten Pflegegeldgesetz – das Vorliegen der Pflegestufe 3 definiert und damit einen Hilfe- und Pflegebedarf von 120 bis 160 Stunden pro Monat.

Natürlich stehen konkrete berufsrechtliche Vorschriften Pate bei dieser Trennung zwischen pflegerischen und nicht-pflegerischen Aktivitäten: Diverse Gesetze (z.B. das Gesundheits- und Krankenpflegegesetz) definieren Ausbildungs- und Tätigkeitsrahmen für diplomierte Pflegekräfte, PflegehelferInnen, HeimhelferInnen und weitere Sozialbetreuungsberufe.
Qualitätseinbußen befürchtet

Bei einem Aufweichen der bisher klar abgegrenzten Tätigkeitsbereiche im Rahmen der 24-Stunden-Betreuung befürchten die Berufsgruppen – vielleicht zurecht – Qualitätseinbußen, falls zukünftig großteils ungelernte ausländische Betreuungskräfte Tätigkeiten ausüben, die in Österreich eine zwei- bis dreijährige theoretische und praktische Ausbildung voraussetzen.

Und genau hier sehe ich die große Chance für einen Paradigmenwechsel in unserem Pflegesystem. Stellen wir ganz radikal den Kundenwunsch in den Mittelpunkt unserer Überlegungen. Die ganz große Mehrheit der pflegebedürftigen Menschen hat den Wunsch, in gewohnter häuslicher Umgebung, eingebettet in familiäre und familiennahe Netzwerke, betreut zu werden. Und diese Netze bewältigen unter zunehmend schwierigeren Rahmenbedingungen und unter großen persönlichen Opfern in knapp 70 Prozent aller Pflegefälle die Betreuung ihrer Angehörigen ohne fremde Unterstützung.

Aus Umfragen wissen wir, dass Pflegebedürftige vor allem drei Dinge schätzen: Freundlichkeit, Verlässlichkeit und das Eingehen auf persönliche Wünsche, Ängste und Bedürfnisse. Die fachliche Qualifikation wird als selbstverständlich vorausgesetzt und gilt daher nicht als oberste Priorität.

Daher schlage ich folgende Eckpfeiler eines integrierten Maßnahmenpakets vor, bei dem die 24-Stunden-Betreuung nicht Teil des Problems, sondern wesentlicher Teil der Lösung ist:

1. Massiver Ausbau der 24-Stunden-Betreuung: durch Erweiterung des Tätigkeitskataloges der ausländischen BetreuerInnen auf die sogenannte „Grundpflege“; durch öffentliche Förderungen der 24-Stunden-Betreuung bereits ab Pflegestufe 2; durch deutliches Anheben der derzeitigen Vermögensgrenzen, durch Förderung von Schulungsangeboten für die Betreuerinnen in den jeweiligen Herkunftsländern.
2. Case Management und Qualitätssicherung durch mobile Dienste begleiten alle öffentlich geförderten 24-Stunden-Betreuungsverhältnisse. Dadurch ergeben sich neue Aufgaben für die etablierten Trägerorganisationen und deren hoch qualifiziertes Fachpersonal.
3. Verdoppelung der Kapazität von Tagesbetreuungseinrichtungen in Österreich bis 2010, insbesonders für Demenzerkrankte.
4. Deutliches Anhaben des Personalschlüssels in den stationären Einrichtungen der Langzeitpflege zur besseren Versorgung (dementer) Patienten und zur spürbaren Entlastung der dort tätigen Pflegekräfte.
5. Verstärkte Einbindung von älteren Freiwilligen durch geeignete Anreizsysteme im Steuer- und Sozialversicherungsrecht.

Geschätzte Kosten dieses Investitionsprogramms: 400 bis 500 Millionen Euro. Das bedeutet ein Plus von 15 Prozent zum derzeitigen österreichischen Jahresbudget für die Pflege von rund drei Milliarden Euro (inklusive 1,8 Milliarden Pflegegeld).
Das gute Gewissen einer ganzen Nation

Zu erwartendes Ergebnis: Zufriedene pflegebedürftige Menschen und deutlich entlastete pflegende Angehörige durch ein differenziertes, reichhaltigeres und leistbares Angebot für Pflegebedürftige, besser integrierte ausländische Pflegekräfte, sinnvoll beschäftigte ältere Freiwillige, zufriedene Pflegende – und das gute Gewissen einer ganzen Nation, dass wir mit unseren älteren und pflegebedürftigen Mitmenschen verantwortungsvoll umgehen.

Oder wie es das Rote Kreuz so treffend formuliert: „Aus Liebe zum Menschen.“

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