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Allgemein

Grenzen im Kopf statt am Foto

„Förderung der Freizügigkeit von Personen ist ein wichtiges Ziel der europäischen Integration seit den 1950er Jahren“, schreibt Frontex, die Agentur für Grenzüberwachung der EU, auf ihrer Homepage. Der offizielle Auftrag von Frontex ist es seit 2004, die EU-Außengrenzen zu überwachen und Flüchtlinge erst gar nicht EU-Boden betreten zu lassen. Waffen, Hubschrauber, Boote, weiteres Equipment und weitreichende Befugnisse stellt die EU dafür bereit.

Grenzbeamte unter Kritik

Menschenrechtsorganisationen üben immer wieder Kritik am Vorgehen der Grenzbewacher, denn deren Umgang mit Flüchtlingen war und ist häufig mehr als fragwürdig. Laut Berichten von Flüchtlingen, Asylsuchenden und Behörden bekleckern sich die EU-Grenzsoldaten nicht gerade mit Ruhm, im Gegenteil: die Organisation „Human Rights Watch“ nennt Frontex beispielsweise die „schmutzige Hand der EU„. Nicht selten taucht der Name Frontex medial im Zusammenhang mit Übergriffen auf Migranten auf. „Die einen sehen in der Agentur ein geeignetes Mittel der Abschreckung, ein effektives Instrument, um unliebsame Flüchtlinge vom europäischen Festland fernzuhalten. Die anderen halten Frontex für ein Symbol der EU-Abschottungspolitik, die auch vor menschenrechtlich fragwürdigen Aktionen nicht Halt macht„, zeigt die Online-Ausgabe von „Der Spiegel“ die Rolle von Frontex auf.

Todesgrenzen der EU

Laut der Organisation pro Asyl sind an den EU-Außengrenzen allein im Jahr 2011 über 2000 Flüchtlinge verstorben. An den Grenzen spielen sich menschliche Dramen ab – Menschen landen nach lebensgefährlichen und langen Reisen an den Toren des Festung Europas. Sie haben unbegreifliches Leid erlebt, sind traumatisiert und suchen Schutz – an Europa scheitern jedoch viele, weil ihnen nicht geholfen wird. Die Schuld dafür tragen auch jene Leute, die von der EU an ihre Grenzen gestellt werden.

Fraglicher Fotowettbewerb

Das alles hindert die Agentur nicht daran zum wiederholten Mal einen Wettbewerb ins Leben zu rufen, im Rahmen dessen Bilder von Grenzen gesucht werden. Ja, richtig gehört: Frontex will dem besten Schnappschuss von einer EU-Grenze 500 Euro als Belohnung geben. Das Ziel des Wettbewerbs sei es sinngemäß, den unverwechselbaren Charakter der europäischen Grenzen abzulichten und sich von den schönen Grenzlandschaften inspirieren zu lassen. Schließlich seien Grenzen ja nicht unbedingt etwas Trennendes, so Frontex. Und wer sich von einer trostlosen Grenzlandschaft nicht inspirieren lassen kann, der hat wohl einfach nicht genug Talent…

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