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Allgemein

Kampf ums Wasser

Beitrag zum Weltwassertag am 22.03.

Der Wecker läutet schrill und das nicht zum ersten Mal. Schon wieder spät dran. Die Augen noch halb geschlossen wanke ich zuerst zur Toilette und dann ins Badezimmer, wasche mein Gesicht, putze mir die Zähne und trinke am Weg zum Kleiderkasten noch ein paar Schlucke von meinem Kaffee. Bis ich knapp 20 Minuten nach dem Aufwachen die Wohnung in Richtung Arbeit verlasse, habe ich bereits einige Liter Wasser verbraucht. Bis zum Tagesende werde ich 130-150 Liter Wasser konsumieren, sagt die Statistik. Nur rund zwei Liter werden in meinem Bauch landen, der Rest fließt durch Waschmaschine und Geschirrspüler, in die Badewanne, ins Blumenbeet. So wie ich können nicht viele Menschen auf der Welt mit der Ressource Wasser umgehen. Nur jeder fünfte lebt in einem Haushalt, der überhaupt an Wasser- und Abwasserleitungen angeschlossen ist. Während wir sogar unsere Autos mit reinem Wasser waschen, sind über 800 Millionen Menschen vom Wasserzugang ausgeschlossen, weitere 400 Millionen leben in Gebieten, in denen Wasser sehr knapp ist. Das betrifft Menschen, die ständig wasserarm sind, aber auch jene, deren Heimat von Naturkatastrophen getroffen wurde, – man denke an Überflutungen in Haiti oder Pakistan.

Hilfe in Sicht?

Da Wasser Leben bedeutet, sind Hilfsorganisationen wie das Österreichische Rote Kreuz (ÖRK) in der ganzen Welt im Einsatz um Menschen bei der Wassergewinnung und -aufbereitung zu unterstützen. Das ist dringend notwendig, schließlich sind in Entwicklungsländern 80 Prozent aller Krankheiten auf verschmutztes Wasser und fehlende Abwasserversorgung zurückzuführen. Alle 20 Sekunden stirbt ein Kind an einer Krankheit, die mit sauberem Wasser vermeidbar gewesen wäre. Trinkwasserexperten aus Österreich sind immer in Alarmbereitschaft um mit Hilfe von speziellen Trinkwasseraufbereitungsanlagen schmutziges Wasser zu reinigen und so trinkbar zu machen. Die größte Anlage des ÖRK kann täglich um die 600.000 Liter Wasser reinigen – das reicht für die Notversorgung von 40.000 Menschen. Wo chronische Wasserknappheit herrscht, liegt der Fokus auf den Bau von Brunnen, von Quell- und Regenwasserfassungen sowie von Bewässerungssystemen. Auch der Bau von Latrinen und Abwassersystemen gehört dazu, um den Kreislauf des Wassers zu schließen. Um Hilfe zur Selbsthilfe zu forcieren, finden auch Hygieneschulungen für die lokale Bevölkerung statt. All das und noch viel mehr ist notwendig, um die Grundlage dafür zu schaffen, dass Menschen auch unter schwierigsten Bedingungen überleben können.

Gewissensfrage

Betteln um Wasser, Kriege ums Wasser – für uns klingen solche Szenarien wie aus einem Science-Fiction-Film. So weit wir von Wasserknappheit in Österreich auch entfernt sind, der Kampf ums Wasser hat längst begonnen. 2020 werden über drei Milliarden Menschen an Wassermangel leiden. Schon jetzt werden über 70 Prozent des Wassers in der Landwirtschaft verbraucht. Die Weltbevölkerung wird weiter (bis 2050 voraussichtlich von sieben auf neun Milliarden) wachsen, was heißt: Von den gleichbleibenden Wasserressourcen wird noch mehr in die Produktion von Lebensmitteln für noch mehr Menschen gehen. Auch in Österreich, einem der wasserreichsten Ländern der Welt, diskutieren wir immer öfter über die Erhaltung der Wasserressourcen für die kommenden Generationen. In Teilen Afrikas, Asiens (vor allem China, Indien, Indonesien) und Südamerikas haben die Menschen diese Chance nicht. Somalia, Kenia und Äthiopien – die Dürre tötet Pflanzen wie Tiere und nimmt dem Menschen die Lebensgrundlage. Kinder und Frauen tragen um die 20 Kilogramm schwere Kanister kilometerweite Strecken und bekommen davon schwerste Haltungsschäden und schmerzvolle Gelenksprobleme. Vielen trinken aus Not verschmutztes Wasser und leiden an Durchfallerkrankungen, die gerade Schwächere austrocknen und töten. Am Straßenrand betteln Kinder mit leeren Plastikflaschen in den Händen nicht um Geld sondern um Wasser. Es braucht keinen Propheten um zu erkennen, dass der Krieg ums Wasser längst begonnen hat.

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