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Lehre ohne Ende

Jeder fünfte Lehrling ist 2012 durch die Lehrabschlussprüfung gerasselt, sagt die Statistik. So viele wie seit 43 Jahren nicht mehr. Am schlechtesten schnitten die Maler- und Anstreicher ab: über ein Drittel schaffte den Abschluss nicht. Einer Wiederholungsprüfung stellte sich nicht einmal jede/r zweite, der/die durchgefallen ist. Die Affektentscheidung nicht zur Wiederholungsprüfung zu kommen hat Folgen für die Zukunft: Kein offizieller Lehrabschluss heißt de facto ein Arbeitsleben als Hilfsarbeiter bzw. ein mühsamer Weg zum beruflichen Aufstieg. In Österreich waren es vergangenes Jahr an die 6.000 Abbrecher plus alle jene, die erst gar nicht zum Lehrabschluss angetreten sind.  Tausende gerade einmal volljährige junge Leute, die sich die Zukunft mit einer Entscheidung schwerer gemacht haben als nötig. Die Dropoutquote ist zwar niedriger als jene von höher bildenden Schulen oder Unis, trotzdem stehen Lehrabbrecher in der Regel alternativloserer da.

Gründe dafür könnten mehrere sein: Das Qualitätsproblem in der Lehrlingsausbildung, dass sich Lehrlinge und ihre Betriebe nicht gerade matchen oder dass eine Lehre oft Mangels Alternativen angegangen wird – das Endresultat liegt am Tisch, nämlich ein schlechtes Image von Lehrberufen. In bestimmten Handwerksberufen wird zwar händeringend nach qualifizierten und willigen Lehrlingen gesucht, allgemein ernten junge Lehrlinge aber keine Begeisterungsstürme, wenn sie sich als Lehrlinge outen. Auch im Jahr 2013 gibt es noch Reaktionen wie „Ja besser als nichts“ oder „Hat er denn die Schule nicht geschafft?“,…u.ä., wenn sich ein junger Mensch gegen die Schulbank und für einen Job entscheidet.

Leute, die mit Lehre Karriere machen gibt es entweder zu selten oder sie werden zu wenig gehört. Genau sie bräuchte es nämlich um Lehrabsolventen zu zeigen, dass es sich lohnt, auch ein zweites Mal zur Abschlussprüfung zu gehen. Weil sie dann ein Stück Papier in den Händen halten, das ihnen den Weg in eine selbstständige Zukunft ebnet. So lange die Lehre allerdings so unattraktiv ist wie sie ist (niedrige Löhne, kein Allgemeinwissen, keine automatische Studienberechtigung,…) werden Jugendliche weiterhin einen Hilfsarbeiterjob vorziehen.

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