In einer Metastudie konnte ich in den vergangenen Wochen die Motivlagen von Freiwilligen im Roten Kreuz mit den Motiven vergleichen, die Österreicherinnen und Österreicher insgesamt zum Thema Freiwilligkeit angeben. Zudem wurden auch andere Studien in den Vergleich mit hinzugezogen.
Unter dem Titel „Warum tut man sich das antut: Motivationsfaktoren für freiwilliges Engagement in Österreich“ findet man die Studie auf meinem Blog Redcross Sociologist auch im Volltext als PDF-Dokument.

Tausende Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beim Roten Kreuz: Was ist ihre Motivation anderen Menschen in ihrer Freizeit zu helfen?
Wir sind da um zu helfen. Aus Liebe zum Menschen.
Zusammenfassend kann man sagen, dass gerade im Bereich der Freiwilligenarbeit, Motive wie Altruismus, Freude oder auch soziale Motive, wie Freunde zu treffen überwiegen. Allen Unkenrufen zum Trotz, dass wir in Zeiten leben, in denen alle Lebensbereiche von ökonomischen Zwängen durchdrungen sind, kann für den Bereich des Freiwilligenwesens getrost behauptet werden, dass ökonomische Faktoren eine vernachlässigbare Rolle spielen. Für Rotkreuz-Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die „Aus Liebe zum Menschen“ helfen, ist der Altruismus – also der Wunsch, anderen Menschen zu helfen – der essentielle und wichtigste Motivationsfaktor. Nicht zuletzt deswegen ist wohl die zentrale Aussage des Rotkreuz-Leitbilds auch „Wir sind da um zu helfen.“
Stimmungsbarometer und Marktforschung
Die Grundlagen für diesen Text sind einerseits die Ergebnisse des Rotkreuz-Stimmungsbarometers, der Mitte 2011 unter Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Österreichischen Roten Kreuzes durchgeführt wurde und andererseits die Ergebnisse einer Online-Umfrage unter 1000 Österreicherinnen und Österreichern, die von market in unserem Auftrag durchgeführt wurde.
Erste Reaktionen
Die Studie selbst wurde bereits über Rotkreuz-interne und externe Kanäle kommuniziert, dabei gab es schon ein paar interessante Feedbacks.
„Überraschende Erkenntnisse sind in Bezug auf Motivation eher nicht dabei (Altruismus/Wunsch anderen zu helfen ist im RK von besonderer Bedeutung, viele möchten Neues dazulernen…), aber es ist dennoch sehr lesenswert, da die landläufige Meinung, freiwilliges Engagement gehe zurück und sich vor allem Junge kaum für das Allgemeinwohl einsetzen, stark widerlegt wird.
Manuela Oberaigner, Freiwilligenmanagerin im Roten Kreuz Niederösterreich
Auch aus Deutschland hat sich über das soziale Netzwerk „Google Plus“ bereits eine Rückmeldung bis zu mir verirrt …
Ein wesentliches — sicherlich auch verallgemeinerbares — Finding dieser Studie ist, dass sich die Motive je nach Engagementbereich unterscheiden. So dürfte bei den meisten Freiwilligen im Sport der Spaß und die Gemeinschaft eher im Vordergrund stehen als bei Freiwilligen im Rettungsdienst; hier ist es eher der Altruismus und das Pflichtgefühl vorherrschend. Bemerkt sei hier allerdings, dass sich Spaß und Altruismus, Pflichtgefühl und Gemeinschaftserleben keineswegs einander ausschließen. Auch der Altruismus (“etwas für andere tun”) sowie die Pflichterfüllung (“weil es getan werden muss”) und das Gemeinschaftsempfinden (“mit anderen Menschen zusammenkommen”) bereitet Freiwilligen “Freude”.
Hannes Jähnert, Berlin Experte für online volunteering und Social Media in NPOs
Und Euer Feedback?
Wie seht Ihr das, unterscheiden sich Motivlagen von Freiwilligen MitarbeiterInnen? Kann man alle KollegInnen im Roten Kreuz so „Über den Kamm scheren“, oder gibt es für jede einzelne und für jeden einzelnen individuelle Gründe, warum man beim Roten Kreuz ist?