Ich muss sagen, ich habe schon viel gehört und gelesen zum Thema ‚Refugees‘ – durch Medien und v.a. viel Gegensätzliches durch Gespräche in meinem Umfeld und natürlich Soziale Netzwerke.
Ich selber bilde mir immer gern meine eigene Meinung, was auf Zuspruch aber teils auch auf Widerstand stößt.

Durch meine Einsätze in der Flüchtlinghilfe, u.a. im Team Österreich, wurde mir bestätigt, dass Flüchtlinge nicht nur genauso Menschen sind wie wir mit allen Facetten, sondern ich konnte nur positive Erfahrungen machen: Diese Menschen sind hilfsbereit, offen, teilweise traurig, verängstigt aber v.a. dankbar. Ich konnte nirgends etwas feststellen, das mit Chaos, Undankbarkeit, Unverschämtheit, Gier oder Aggression zutun gehabt hätte. Und auch wenn – versteht man die Situation oder versetzt man sich in die Lage dieser Menschen, mit allem Erlebten, der aktuellen Situation der Verluste und die Ungewissheit der Zukunft, so wäre dies mehr als verständlich.

Das Foto entstand in der Notschlafstelle Pflegewohnhaus Baumgarten. Die Einsatzleiterin hat mich gleich zu Beginn zur Küchenverantwortlichen für diesen Tag gemacht.
Da ich ein kommunikativer Mensch bin, konnte ich mich trotz der Sprachbarriere mit den Flüchtlingen dort unterhalten. Wir haben uns mit Englisch, Übersetzungsprogrammen am Handy oder auch nur Handzeichen und Gestiken verständigen können.
Als wir beispielsweise die Transportwagerln mit der frischen Bettwäsche erhalten haben und ins Lager schlichteten, haben die, die in der Nähe waren sofort und unaufgefordert angepackt und das ganze war in Kürze erledigt. Ich behaupte sogar, es hat richtig Freude gemacht. Nicht zuletzt, weil wir auch ohne verbale Kommunikation Spaß hatten.

Weil mir v.a. Kinder immer sehr leicht zugehen, haben diese dort auch recht bald Anschluss an mich gefunden.
Nachdem durch die örtliche Struktur in Baumgarten nicht so viel zu tun ist wie an anderen Standorten und ich schon am Vormittag nach Frühstücksbereitung Küche zusammengeräumt und alles Umliegende mit TÖ-Kollegen, v.a. meiner Mithelferin Lisa ein-/umgeschlichtet und beschriftet habe, war auch Zeit sich zwischendurch den Kindern zu widmen.
Von ihnen war zwar weder Englisch noch ein Übersetzungsprogramm zu erwarten, aber das hat dem keinen Abbruch getan, mich trotzdem stets aufzusuchen um nach etwas zu Fragen, mir ein selbstgemachtes Kunstwerk zu zeigen oder ein kleines Geschenk zu überreichen.
Zaki, Dave und Adam (ob man sie so schreibt, weiß ich natürlich nicht) sind Geschwister, soweit ich verstanden habe.
Sie und ihre Freunde/innen sind wieder einmal in die Küche spaziert, in diesem Fall mit den Zitronenspalten, die ich zum Teetisch gestellt habe. Zaki, der der größte von den Burschen ist und ich mit 8-9 Jahren einschätze, hat auf sein Zitronenstück gedeutet und um etwas gebeten, das wie ‚Melch‘ klingt. Zuerst dachte ich, er meint Milch, weils ja ähnlich klingt, zwar mit Zitrone nicht gut passt aber doch zum Tee. Zucker war es aber dann auch nicht.
Des Rätsels Lösung war: Salz.
Ich konnte zwar nicht herausfinden, ob sie das üblicherweise so essen oder mit dem Vit.C- und Salzdefizit der letzten Zeit, die sie durchmachten zutun hat. Jedenfalls wurden alle Kids damit versorgt und waren sehr zufrieden damit. 🙂
Zaki ist ein aufgewecktes kluges Kerlchen, das mich nicht nur durch seine höfliche und doch vehemente Art beeindruckt hat.
Er hat große Fürsorglichkeit seinen Geschwistern und den anderen Kindern gegenüber gezeigt und war neben allen anderen netten Bekanntschaften von Flüchtlingen und Mithelfenden, die ich an diesem Tag gemacht habe, eine absolute Bereicherung und Sonnenschein inmitten einer Situation von nicht alltäglichen Umständen.
Er und dieser Tag haben auf jeden Fall einen sehr schönen bleibenden Eindruck für mich hinterlassen. 🙂

Liebe Grüße
Nene
(alias Yvonne)

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„Drohende Geburt – Raststation Göttlesbrunn“… Ein Nachtdienst im April diesen Jahres beim Roten Kreuz Bruck an der Leitha veränderte alles. Es war 4 Uhr morgens, wir machten uns auf den Weg zum Berufungsort. Dort fanden wir eine junge Somali mit starken Wehen im Auto eines Passanten vor. Die werdende Mutter war auf der Flucht von Somalia nach Deutschland. Sie wurde mit Wehen von einem Schlepper auf der Raststation zurück gelassen. Sofort wusste ich, die Flüchtlingsthematik betrifft uns mehr, als ich dachte. Nur wenige Augenblicke nach unserem Eintreffen erblickte der kleine Mohammed das Licht der Welt. Er war gesund und sein erster Schrei ließ nicht lange auf sich warten. Wir waren erleichtert. Die Freude war groß. Ich wurde zum Geburtshelfer dieses kleinen Jungen. Zu diesem Zeitpunkt wollte ich verstehen und vor allem wollte ich helfen. Wenige Wochen nach diesem Erlebnis erhielten wir zum ersten Mal die Aufgabe, eine Akutbetreuungsstelle für Flüchtlinge einzurichten. Rasch wurde unsere Fahrzeughalle in Bruck umfunktioniert und die ersten Asylwerber trafen ein. Es blieb nicht viel Zeit um nachzudenken. Sie waren müde und erschöpft von der weiten Reise, die sie bereits zurückgelegt hatten. Wir versorgten sie und konnten in unzählige dankbare Augen blicken. „Thank you my Friend“, und lachende Gesichter erreichten uns. In den folgenden Tagen wurden wir immer wieder zur Akutbetreuungsstelle für Flüchtlinge. Und so verging der Sommer. Ich lernte wahnsinnig liebenswürdige Menschen kennen. Sie erzählten ihre Geschichten, immer und immer wieder. Ich spielte und malte mit den Kindern. Manche von ihnen verloren ihre Eltern im Krieg oder auf der Flucht, und trotzdem konnten sie lachen. Augenblicke, aus denen ich so viel lernen und mitnehmen konnte. Im August erhielt ich die Möglichkeit eine Dienstschicht in der Asylunterkunft Arena Nova in Wiener Neustadt zu übernehmen. Dort waren circa 250 Männer aus den verschiedensten Ländern untergebracht. Sie schliefen in der riesigen Halle eng aneinander. An Privatsphäre war nicht zu denken. Manche von ihnen saßen ganze Nacht mit uns im Freien, wir plauderten, lachten und machten gemeinsam Fotos. Auch dies war einer dieser Tage, den ich nie vergessen werde. Vor einigen Tagen fuhr ich nach Nickelsdorf um dort in einem Erstversorgungszelt (Primary Health Care) mitzuarbeiten. Gemeinsam mit drei Ärzten und vier anderen Sanitätern versorgten wir die Flüchtlinge, welche in Ungarn ankamen und zu Fuß zur Grenze marschierten. Die meisten von ihnen hatten starken Husten oder schmerzhafte Blasen an den Füßen. Unzählige Kinder und schwache Menschen waren unter unseren Patienten. Sie alle wurden von uns erstversorgt und anschließend in Bussen nach Wien gebracht. Ich möchte keine einzige Sekunde missen, in der ich diese Menschen aus anderen Ländern kennen lernen durfte. Denn jeder der sein geliebtes Land wegen Krieg und Hunger verlassen muss, hat das Recht auf Hilfe und Unterstützung in einem wohlhabenden Land wie Österreich. Gemeinsam können wir so viel Freude schenken!

von ANNA RUSCHER

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24 Stunden im Dienst – Meine Erlebnisse von Nickelsdorf

23.09.2015 – 12 Stunden Tag
Es ist 04:30 und ich stehe auf, obwohl ich weder zur Arbeit muss, noch das Studium
begonnen hat. Warum? Aus Liebe zum Menschen.
Gestern hatte mich eine Rundmail des Roten Kreuzes erreicht, in der um Unterstützung
durch Sanitäter und GSD-Mitarbeiter, am Grenzübergang in Nickelsdorf gebeten wurde.
Nachdem ich den Großeinsatz am Tullner Messegelände durch einen Auslandsaufenthalt
verpasst hatte, war für mich klar, dass es nun für mich an der Zeit war, meinen Teil zur
Unterstützung der Flüchtlinge beizutragen.
Mit dem restlichen Tullner Team erreichten wir kurz nach 07:00 Nickelsdorf und wurden
direkt ins kalte Wasser gestoßen. Ein neuer Flüchtlingsstrom hatte kurz vor uns den
Grenzübergang erreicht und in der SanHist herrschte hektisches und auf den ersten Blick
chaotisch wirkendes Treiben. Rasch wurden uns die wichtigsten Grundinformationen
mitgeteilt und auf ging es ins Getümmel. Die erste Stunde über kam ich mir recht hilflos
vor, umgeben von deutlich erfahreneren Sanitätern, welche stets rasch wussten, was zu
tun war. Ich lief meist hin und her, um Medikamente für Kranke zu besorgen, was
angesichts meiner Unerfahrenheit auf diesem Gebiet wesentlich leichter klingt, als es
tatsächlich war.
Nach etwa einer Stunde plötzlich ein Abflauen. Leere Busse kamen, um die Flüchtlinge auf Lager in der Umgebung zu verteilen. Für das Team der SanHist war es nun Zeit einmal durchzuatmen und sich neu zu organisieren. Die Tagschicht wurde nun auf verschiedene Stationen (z.B.: Erstversorgung, Notfallabteilung, etc.) aufgeteilt. Ich ging zur Erstversorgung, wo ich auch sogleich Instruktionen erhielt, was ich direkt zu versorgen und was zu anderen Stationen zu schicken hatte. Insgesamt arbeitete ich mit einem Notarzt, einer Krankenschwester und zeitweise noch einem Sanitäter zusammen.
Mit der nächsten Welle an Flüchtlingen begann auch die Arbeit wieder, doch diesmal
wusste ich was zu tun war. Ich gab größtenteils Medikamente, natürlich nach Absprache
mit den Ärzten, gegen Erkältung, Grippe und Zahnschmerzen aus. Außerdem kümmerte
ich mich zusammen mit dem Arzt der Erstversorgung um geschwollene und oft von Blasen übersäte Füße, welche verbunden werden mussten. Dank der Professionalität meiner Kollegen gelang es mir diesmal auch die anfänglich aufkommende Hektik zu vermeiden und meine Aufgaben dementsprechend schnell, aber auch ruhig und gründlich zu erfüllen.
Auch einige schwerer Verletzte Patienten wurden zu unserer Station geschickt, da sie auf
den ersten Blick nicht so stark beeinträchtigt wirkten. So traf ich auf nicht weniger als drei
Männer mit gebrochenen Füßen, einer davon mit syrischen Röntgenbildern, die dennoch
die beschwerliche Reise auf sich genommen und es trotz ihrer Beeinträchtigungen
teilweise zu Fuß bis nach Österreich geschafft hatten. Diese Geschichten berührten mich
zutiefst, verdeutlichen sie doch, wie schrecklich diesen Menschen die Lage in ihrem
Heimatland erscheinen muss um sich trotz ihrer Schmerzen immer weiter zu kämpfen.
Insgesamt erreichten uns heute drei bis vier solcher Flüchtlingswellen, die Flüchtlinge
stets schubweise mithilfe von Zügen aus Ungarn losgeschickt werden. Dies bestimmte
auch den Arbeitsrythmus: Wann immer Flüchtlinge ankamen mussten diese rasch und so
gründlich wie möglich versorgt werden, um anschließend die Weiterreise ins Landesinnere
antreten zu können. Zwischen den Schüben gab es zwar immer wieder Atempausen, doch auch diese mussten effizient genutzt werden. Betten wurden gemacht, Medikamente und Verbandsmaterialien ausgetauscht bzw. nachgefüllt und die entstandene Unordnung
wieder aufgeräumt. War das erledigt gab es auch Gelegenheit, in der Feldküche etwas zu
essen zu holen, um bei Kräften zu bleiben.
Nach zwölf Stunden in Nickelsdorf fuhren wir wieder nach Tulln zurück, wohl wissend,
dass wir zwar einen Beitrag zur Betreuung der Flüchtlinge geleistet hatten, dass diese
aber trotzdem immer noch einen weiten Weg vor sich hatten, ehe ihre lange Reise endlich
ein Ende finden würde. Ich nahm mir fest vor, sie weiterhin nach Kräften zu unterstützen.

25.09.2015 – 12 Stunden Nacht

Da ich auch nach dem Einsatz am Donnerstag immer noch das Gefühl hatte helfen zu
müssen, fuhr ich auch heute, am Freitag Abend, diesmal mit nur einem Kollegen nach
Nickelsdorf um zur Abwechslung mal eine Nachtschicht zu übernehmen. Nach Ankunft vor Ort war ich zunächst überrascht über das zahlreich anwesende RK Personal. Es standen uns in dieser Nacht mindestens doppelt so viele Sanitäter zur Verfügung, wie für den Tagdienst am 23.09.! Meine Freude wurde jedoch getrübt, als ich mitbekam, dass dafür nur zwei Ärzte anwesende waren, im Gegensatz zu den sechs Ärzten, die sich am
Mittwoch für die Flüchtlinge eingesetzt hatten. Als uns dann wieder unsere
Aufgabenbereiche zugeteilt wurden, übernahm ich die Leitung über die Erstversorgung,
obwohl ich nicht sicher war, dass alle ihre Rollen begriffen hatten.
Beim ersten Ansturm an Flüchtlingen bewahrheiteten sich dann meine Befürchtungen und
es zeigte sich, dass zu viele Köche auch den besten Brei verderben können. Das
zahlreiche Personal stand sich teilweise leider selbst im Weg und meine
Erstversorgungsstation ging vollständig unter. Die „Portiers“, welche die Triage vornahmen und die Patienten auf die einzelnen Stationen weiterschickten, hatten einfach nicht mitbekommen, dass es auch eine Erstversorgungsstation gab und schickten die
Flüchtlinge daher alle an mir vorbei ins Hintere des Zeltes, was dazu führte, dass ich mir
zunächst mehr als nur unnütz vorkam. Glücklicherweise dauerte der Ansturm nicht lange
und dank der zahlreichen helfenden Hände konnte die Flüchtlingswelle trotz der
allgemeinen Unordnung gemeistert werden. Im Anschluss gelang es uns auch alle noch
einmal besser zu organisieren, das Team von der Triage wurde über alle Möglichkeiten
aufgeklärt und mit der nächsten Flüchtlingswelle kamen auch die ersten Patienten auf
meine Station.
Von nun an konnten wir den Betrieb, nach dem erwähnten System von Ansturm und
Pause aufnehmen und dank der vielen Sanitäter die Versorgung äußerst effizient in Angriff
nehmen. Zwischendurch gelang es mir gegen Mitternacht auch etwa eine Stunde Schlaf
zu finden, da gerade wieder ein Ansturm vorbei gewesen war.
Mit der letzten großen Welle vor Sonnenaufgang sollte der Höhepunkt der Nachtschicht
eintreffen, ein stark abgemagerte und krampfender Mann, gefunden auf der ungarischen
Seite der Grenze, auf dem Bahnsteig. Angeblich lag er dort erst seit der letzte Zug
angekommen war, dennoch würde das bedeuten, etwa eine Stunde ohne Hilfe. Hier zeigt
sich die Flucht von ihrer schrecklichsten Seite. Dieser Patient beschäftigte anschließend
mehrere Sanitäter und einen unserer Ärzte für fast eine Stunde, ehe er von einem Notarzt
abgeholt und ins Krankenhaus gebracht werden konnte.
Letzten Endes konnten alle Flüchtlinge versorgt werden und nach und nach erreichten uns die Ablösemannschaften des Tagdienstes. Müde, erschöpft und übernachtig, aber auch sehr stolz auf das was wir in dieser Nacht geleistet hatten fuhren wir zurück nach Hause.

 

Max und Wallak

Simona’s Eindrücke vom Tullner Transitquartier

Zum wiederholten Mal setze ich mich also an meinen Laptop und versuche zu schreiben! Und obwohl mir das Schreiben normalerweise gerne und leicht von der Hand geht habe ich doch das Gefühl, das keine Zeile auf dem Papier je der Realität gerecht werden kann!

Den ersten Kontakt mit Menschen, die vor dem für uns Unvorstellbaren geflohen und nun in Tulln untergekommen sind durfte ich bereits einige Wochen vor der Errichtung des Notquartiers am Messegelände schließen! Waren es anfangs noch 20 Gesichter, die im 1. Stock der Bezirksstelle des Roten Kreuz in Tulln wohnen, und zu denen ich mir verzweifelt versucht habe die Namen zu merken, sind es jetzt Freunde, ja fast ein bisschen Familie, die ihre unglaubliche Geschichte mit mir teilen und mich Ohnmacht, aber auch riesengroßes Glück fühlen lassen!

Genau diesen Menschen möchte ich an dieser Stelle eine Stimme verleihen! Bis zur Erschöpfung haben sie während der Notquartier-Tage am Messegelände übersetzt, Essen verteilt, Kleidung sortiert, mit den Kindern gespielt und vor allem eines am aller meisten getan: ein Gefühl der Vertrautheit und Trost gespendet! Sie haben es geschafft, Ruhe zu vermitteln, als die Schließung der Grenze nach Deutschland bekannt wurde, und sie haben es geschafft, so vielen Menschen eine Stimme zu verleihen, die wir verstehen. Vor allem haben sie gezeigt, wie sehr sie sich nach so kurzer Zeit mit Tulln verbunden fühlen – und dass wir uns auf sie verlassen können!

Wenn man mich nach den 3 Erlebnissen dieser Tage fragt, die mich am meisten berührt haben, muss ich an folgendes denken: Samer, einer jener Tullner Flüchtlinge, die Tag und Nacht übersetzt haben, der irgendwann mitten in der Nacht völlig erschöpft am Boden zwischen unzähligen Kisten mit Sachspenden einschlief; das kleine Kind, das völlig abgemagert mit dem viel zu großen Kopf auf dem knochigen Körper im Sanitätsbereich auf dem Schoß seiner verzweifelten Mutter gesessen ist; und die Tränen, die wir Helfer vergossen haben, als sich die Menschen zum gefühlt tausendsten Mal bedankt und uns aus den abfahrenden Bussen Herzen zugeschickt haben!

Es ist nicht nur unfassbares Leid, dessen stiller Zeuge ich die letzten Wochen wurde, sondern auch Hoffnung. Hoffnung für die  Menschen, die den Wahnsinn zumindest körperlich hinter sich lassen konnten, aber auch Hoffnung an unsere zukünftige Gesellschaft, in der Werte wie bedingungsloser Zusammenhalt und Liebe ohne Grenzen über allem stehen! Was wir in den letzten Wochen und meist binnen allerkürzester Zeit auf die Beine gestellt haben, gibt mir Hoffnung!

Es ist so ruhig geworden, und die Achterbahn der Gefühle ist irgendwo auf der Strecke zum Stillstand gekommen. Obwohl wir müde und erschöpft sind, sind wir traurig, die Menschen weiterziehen zu sehen! Ich frage mich, ob Mohammed ­– das Baby mit den dicksten Bäckchen und den so ernsten braunen Augen, wohl mittlerweile in seinem neuen zu Hause angekommen ist, und ich wünsche mir nichts mehr, als dass er sich später einmal nicht an die Todesangst seiner Mutter auf dem Seeweg von der Türkei nach Griechenland mit 70 Menschen in einem sinkenden Schlauchboot erinnern kann. Ich frage mich, ob Senat, der 5 Wochen mit einem unbehandelten gebrochenen Bein zu Fuß auf der Flucht war, jetzt keine Schmerzen mehr hat! Und ich frage mich, ob Nour, die im Tullner Krankenhaus erfahren hat, dass sie seit kurz vor ihrem Fluchtbeginn schwanger ist, mittlerweile erste Ultraschallbilder ihres Babys hat. Ich wünsche mir all das so sehr, denn sie alle haben es so verdient! Und ich wünsche mir, dass so viele andere Österreicher die Möglichkeit haben zu lernen, diese Menschen zu verstehen, denn ich für meinen Teil, bin nicht mehr die selbe!

 

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Dabei sein wenn Geschichte geschrieben wird…

Anfang dieses Jahres ist mir das Buch „Grenzenlose Menschlichkeit – Wie das Rote Kreuz Burgenland den DDR Flüchtlingen half“ meines burgenländischen Kollegen Tobias Mindler in die Hände gefallen. Für mich waren die darin beschriebenen Ereignisse unendlich weit weg und kaum fassbar. Ich konnte mir nicht vorstellen wie es ist, wenn tausende Menschen an der Grenze stehen und um Schutz bitten. Zu meiner Freundin sagte ich nur „das muss eine wahnsinnig spannende Phase gewesen sein die unsere Kollegen da erlebt haben – sie waren dabei als Geschichte geschrieben wurde.“ So etwas wird uns wohl in den Zeiten eines stabilen und geeinten Europas nicht wiederfahren, dachte ich. Sechs Monate später ändert sich mein gesamtes Weltbild. Nach Jahren des Bürgerkriegs sind die Bilder aus Syrien plötzlich wieder stärker in den Medien. Speziell im Zusammenhang mit der Unterkunftssuche für jene Flüchtlinge, die in Traiskirchen kein Dach über dem Kopf haben. „Ich glaube das Thema Flüchtlingshilfe ist nun auch auf der operativen Ebene der Bezirksstellen angekommen. Wir müssen mit unseren MitarbeiterInnen darüber sprechen“, sage ich später zu meinem Bezirksstellenleiter. Tags darauf beim Mannschaftsabend beendet er dann seine Ausführungen über die Flüchtlingshilfe mit den Worten „ich glaube, dass auch wir gefordert sind hier zu helfen.“ Die Mannschaft applaudierte. Wir überlegen eine Familie bei uns im Rotkreuzhaus aufzunehmen und rufen unsere KollegInnen auf, ihre Ideen einzubringen. Kurz darauf beginnt unser laufender Einsatz in Wiener Neustadt in der Arena Nova, das zu einem Quartier für rund 250 Asylwerber umgebaut wurde. Das war mein erster Berührungspunkt mit Flüchtlingen und wurde eine Erfahrung, die ich nicht aus meinem Leben streichen möchte. Bald sollte auch die Familie bei uns einziehen… Und dann ändert sich die Situation schlagartig. Plötzlich wird unsere Dienststelle laufend zum Schauplatz von Akutbetreuungseinsätzen. Wir versorgten jene Flüchtlinge, die von Schleppern einfach auf der Straße ausgesetzt wurden und später von der Polizei aufgegriffen wurden. Es sind Gruppen zwischen 30 und teilweise über 100 Menschen: Frauen, Kinder, Väter. Bei einem dieser Einsätze bin ich als Dienstführer eingeteilt, mir fällt auf, dass ein Kind einen Gips um den Arm hat und denke mir vorerst aber nichts dabei. Wir beginnen mit der Ausgabe von Speisen und Getränken. Ich beobachte wie einige Kinder freudig Ball spielen und uns sogar bitten mit ihnen mitzumachen. Erstaunlich eigentlich, wie Kinder, die aus meiner Sicht auch den Krieg mitbekommen haben, die Tage und Wochen der Flucht erlebt haben, dies für einen Moment scheinbar müheloser Unbeschwertheit ausblenden können. Um die Mittagszeit kommt der Vater des Mädchens mit dem Gipsarm zu uns, und meint sie habe starke Schmerzen im Arm. Der Mann schildert uns, dass sich die Kleine während der Flucht den Arm gebrochen hat. Für viel Geld hat die Familie das Kind in der Türkei operieren lassen, doch erst in Griechenland war eine notdürftige Kontrolluntersuchung möglich. Auf dem Röntgenbild aus Griechenland sehen wir einen Bohrdraht im Arm des Kindes. Die Mutter schildert uns dass außer dem Röntgen keine Behandlung stattgefunden hätte. Ich beschließe, dass wir das Kind ins Krankenhaus bringen. In der chirurgischen Ambulanz wird der Gips entfernt – der Bohrdraht ragte aus dem Arm hinaus. Das Kind hatte große Schmerzen und hohes Fieber mit 39,5 Grad Celsius und war trotzdem unglaublich tapfer. Sie lässt alle Behandlungen über sich ergehen. Am Abend verabschiedet sich die Familie, sie wollte weiter nach Skandinavien. Ich werde wohl nie erfahren, ob sie das geschafft haben. Eine Zeit lang gehören Akutbetreuungseinsätze schon zu unserer täglichen Routine, und wir wurden gut darin binnen kürzester Zeit den Vollbetrieb in unser Fahrzeughalle aufzunehmen. Schon nach 30 Minuten waren die Feldbetten und Sitzgelegenheiten aufgestellt und die erste Mahlzeit wurde ausgegeben… Doch es sollte sich wieder alles ändern. Plötzlich stehen tausende Menschen in Nickelsdorf an der Grenze und ich soll Material dorthin bringen: Rettungsdecken würden in großen Mengen gebraucht. Ich fahre also zu jenem Grenzübergang, den ich schon oft auf den Weg zu meinem ungarischen Lieblingslokal überquert habe. Dort stehe ich unter der als „Flugdach“ bezeichneten ehemaligen LKW-Zollkontrollstelle und kann nicht erfassen, was gerade um mich geschieht. Ich wurde Teil eines Ereignisses, das definitiv Geschichte schreiben wird. Die Bilder der Flüchtlingsbewegung der 80er Jahre, kurz bevor die „Mauer“ fiel, die ich als Kind oft gesehen aber nicht begriffen habe, bekommen plötzlich Farbe. Und, es sind keine Deutschen die an der Grenze stehen, sondern größtenteils Syrer. Aus der Menge der Menschen, sticht mir einer ganz besonders ins Auge: Er hat eine EU Flagge in der Hand und sein Gesicht drückt Hoffnung aus. Dinge, die mich sonst so beschäftigen, wurden für mich zur absoluten Nebensache und ich begreife schließlich, wie gut es mir eigentlich selbst geht. Tags darauf bin ich wieder in Nickelsdorf, als Mitarbeiter für die Öffentlichkeitsarbeit. Sind es sonst die regionalen Medien, mit denen ich Umgang pflege, habe ich es plötzlich mit internationalen Sendern und Zeitungen zu tun. Die ganze Welt will wissen was hier los ist. Während ich Interviews gebe, bauen meine Rotkreuz-KollegInnen unermüdlich Zelte auf, geben gemeinsam mit Freiwilligen aus der Region Essen und Trinken aus und kümmern sich darum, dass die Kleiderspenden auch ankommen. Bald sollte auch unser „Feldspital“ in Betrieb gehen, denn viele der Flüchtlinge sind krank oder verletzt. Und wir versorgen sie. Ich bin nun über zehn Jahre beim Roten Kreuz. Heute bin ich Notfallsanitäter, Funktionär und zuständig für die Medienarbeit in unserem Haus. Es war für mich eine der besten Entscheidungen beim Roten Kreuz mitzumachen und es war noch nie so spannend wie jetzt. Spannend, weil wir Menschen helfen, die vor Krieg und Elend flüchten. Ich sehe mich oft der Diskussion ausgesetzt, warum ich das mache – und im gleichen Satz kommen dann auch die Zweifel über die Motive dieser Menschen. Schon die sozialen Medien zeigen extrem negative Meinungen. Doch ich habe mich entschlossen nicht zu werten und auch nicht zu urteilen. Ich helfe jedem der meine Hilfe braucht und dem ich helfen kann. So wie es auch das Rote Kreuz schon immer getan hat. Was von diesem Sommer für mich übrig bleibt? Wir schreiben gerade Geschichte, weil wir etwas bewegen!

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Freikirche Tulln berichtet über ihre Erfahrungen am Tullner Messegelände

Liebes Rotes Kreuz Team der Bezirksstelle Tulln!
Mit an die 15 Personen aus der Freikirche Tulln konnten wir in den vergangenen Wochen als freiwillige Helfer, am Einsatz im Notquartier der Messe Hallen in Tulln mit dabei sein. Dafür möchten wir der Rot Kreuz Bezirksstelle herzlich danken. Danke auch für die gute Organisation und Koordination! Ihr habt wirklich einen sehr guten Job gemacht!
Im Folgenden möchten ich sie teilhaben lassen an dem Feedback, dass ich bekommen habe:

Feedback Flüchtlingshilfe – freiwillige Helfer Freikirche Tulln:
„Bei unserem Einsatz für die Flüchtlinge hatten wir gleich am ersten Tag ein berührendes Erlebnis: Wir waren eben dabei, die bereitgestellten, orangen Westen des Roten Kreuzes überzuziehen, da sagte schon ein Mann aus einer Flüchtlingsgruppe dankbar lächelnd: „Thank you!“ Unsere Erfahrungen waren ausschließlich positiv – alle Menschen waren nett und freundlich. Alles lief – dank des großartigen Einsatzes des Roten Kreuzes und der vielen freiwilligen Helfer – geordnet und diszipliniert ab.“

Gaby, Anni u. Fritz, Ute

„Am Anfang war ich sehr berührt das live zu erleben was man sonst nur am Fernseher sieht. Zuhause war ich dann sehr ruhig und nachdenklich, dass alles machte mich wieder viel dankbarer für die ganz normalen und alltäglichen Dinge.“

Maria

„Aus den vielen Begegnungen, möchte ich zwei herausgreifen. Für einem jungen Mann konnte ich nach Deutschland zu seinen Verwandten telefonieren, diese Möglichkeit berührte ihn so sehr, dass er mir mehrmals dankte. Einem kleinen Jungen konnte ich einen Hosengurt kürzen und neue Löcher anbringen, danach begleitete er mich über eine Stunde bei meinem freiwilligen Einsatz 🙂 . In allem erlebte ich von den Flüchtlingen und dem Roten Kreuz sehr viel Dankbarkeit.“

Urs

„Ich bin sehr froh in Tulln bei den Flüchtlingen mitgeholfen zu haben. Es war eine wertvolle Erfahrung die mich sehr nachdenklich gemacht hat. Bei jedem Lächeln der Kinder, wurde mir warm ums Herz.“

Rebekka

„Insgesamt war es für mich eine bereichernde Erfahrung und ich bin dankbar, dass ich dabei sein durfte. Danke, dass ich für die Menschen etwas Gutes tun konnte. Es geht mir gut mit dieser Erfahrung. Ja und auch zu wissen, dass es den Flüchtlingen hier selbst gut geht und sie gut versorgt sind, gibt mir Zufriedenheit. Ich hoffe und bete im Weiteren, dass alles was noch kommt (Asyl -Integration) in Frieden ablaufen darf.“

Marianne

Noch einmal vielen Dank an euch alle für den wertvollen und unbezahlbaren Dienst an den Menschen! Gerne helfen wir bei weiteren Gelegenheiten wieder mit.

Tulln, 01.10.15 – Freikirche Tulln

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Nicole´s Wahrnehmungen

Es ist 24.00 Uhr, HAKIM weicht nicht von meiner Seite, HAKIM ist 13 Jahre alt. Der Junge spricht fließend Englisch, darauf hat sein Vater viel Wert gelegt. „Du musst dich mit den Menschen unterhalten können“, hatte er damals in Syrien gesagt, bevor die Bomben in ihr Haus einschlugen. Hakim hilft mir, er übersetzt in unserer bunten Kinderecke.

Die Kinder kommen vor ein paar Stunden erschöpft und müde, in Tulln am Messegelände an, doch ihre Freude über die Spielsachen, Buntstifte und Papier ist so groß, dass sie im Moment alles andere vergessen. Hakim übersetzt für mich:

– „Meine Kinder sind auf der Flucht geboren, sie kennen nicht so viele Spielsachen.“

– Große braune Kinderaugen strahlen mich an. „Ja, ja du darfst das Auto behalten“.

– Chams Mama zeigt mir am Handy, Fotos ihrer Kinder aus besseren Zeiten. In Kleidchen, sauber und vor allem lachend. „Wir hatten ein gutes Leben in Syrien, damals bevor,….“ das hübsche, gerade noch lächelnde Gesicht wird wieder traurig…

– HAKIM und ich spielen mit einem Tennisball. Ich male ein Gesicht auf den Ball und schreibe seinen Namen darauf, HAKIM lacht und ich freue mich.

– Hassans Mama umarmt mich, „Thank you so much“.

„Thank you“, werde ich die nächsten Stunden und Tagen noch oft hören.                   Es ist ein „Thank you“, das so herzlich und ehrlich ist und mich jedes Mal ganz tief berührt.

Ich beginne die verschiedenen Zeichnungen aufzuhängen. Ca. 30 Kinder sind um 02.00 morgens am Zeichnen und Malen. Vieles des Erlebten muss auf Papier gebracht werden.

  • Eine Frau mit einem vielleicht 4 Monate altem Baby am Arm und einem Kleinkind am Bein, nähert sich vorsichtig unserem bunten Treiben. Sie steht ca. 20 Minuten nur da und sieht uns scheinbar zu. Ich versuche das Kleinkind, mit Spielsachen von ihr weg zu locken. Es sieht aus als wären ihre Kinder an ihr festgemacht. Mit HAKIMS Hilfe gelingt es uns, den ca. 3 Jahre alten Buben zu beschäftigen. Die Frau setzt sich mit ihrem Baby auf unsere Decken. Ihr Blick geht ins Leere, so sitzt sie dann lange da. Ihr Baby lässt sie nicht aus, hält sich daran fest. Wir sorgen dafür, dass sie bequem sitzt und ihr kleiner Sohn wieder lacht. Ihr Blick ist ausdruckslos und sie lässt ihren Sohn nicht aus den Augen. Später erfahren wir, dass ihr Mann aus einem Boot sprang, um ihr und seinen Kindern Platz zu machen. Er ist verschollen.

Inzwischen haben sich auch Jugendliche zu uns gesellt. Auch sie beginnen zu zeichnen, können, wie es aussieht, nicht schlafen und kommen nicht zur Ruhe. Es entstehen künstlerische Meisterwerke. Viele Ereignisse, Erinnerungen werden zeichnerisch festgehalten. Die Bilder handeln unter anderem von Flugzeugen und Bomben sowie von der Flucht.

HAKIM bringt mir etwas zu Trinken sowie eine Banane. Er meint es wäre wichtig, dass ich genug esse und trinke. Ich gehorche und bin berührt von seiner Fürsorglichkeit. Inzwischen ist es 03.00 Früh, ich verspreche Hakim, wieder da zu sein, noch bevor er aufwacht.

Ich fahre langsam nach Hause und versuche, mich trotz der vielen Tränen auf die Straße zu konzentrieren.

Am nächsten Morgen beeile ich mich, denn ich freue mich schon auf die, mir so schnell vertraut gewordenen, Kindergesichter. Liebevoll werde ich begrüßt und wieder mit vielen Zeichnungen beschenkt.

„THANK YOU AUSTRIA, THANK YOU RED CROSS“.

Deutlich nehme ich wahr, dass die Kinder schon mehr Vertrauen gefasst haben. Aber nicht nur die Kinder, am Nachmittag überrascht mich die Mutter mit dem Baby und dem Kleinkind vom Vortag, indem sie einer der jungen Helferinnen ihr Baby anvertraut und Duschen geht. Ein sehr berührender Moment für mich.

Inzwischen sitzen auch schon die Eltern bei uns und zeichnen, knüpfen und erzählen uns aus ihrem Leben:

–  Ein Mann erzählt während er ein Bild ausmalt, von seiner Frau und seinen getöteten Söhnen. Während er arbeiten war wurde sein Haus von Bomben getroffen. Jetzt ist er mit seinen Brüdern unterwegs. 

– Eine junge Frau, freut sich über die lachenden Kinder nimmt mich in den Arm und beginnt bitterlich zu weinen, da sie ihre Kinder in Syrien zurücklassen musste.

– Ein junger Bursch erzählt vom kalten Meer, in dem er 2 Stunden um sein Leben schwamm und wie froh er nun ist, in Sicherheit zu sein.

– Eine Gruppe von Studenten lief, mit ihren Familien, in Ungarn vor der Polizei davon. Ein 11Jähriges Mädchen, welches zu einer der Familien gehörte, war wie versteinert, weinte und blieb stehen. Die Mutter musste sich zwischen ihrer Tochter und den anderen drei kleineren Kindern entscheiden. Mit Hilfe des Roten Kreuzes konnte der Aufenthaltsort des verloren gegangenen Mädchens ausfindig gemacht werden. Nun warten alle darauf, so schnell wie möglich nach Deutschland zu kommen, wo das Mädchen inzwischen auf sie wartet.

Viele dieser Schicksale werden uns anvertraut. Ein „in den Arm nehmen, einfach da sein und zuhören bzw. gemeinsam schweigen“ wird mit vielen ehrlichen Gefühlen belohnt.

 

HAKIM, lächelt breit als er mich entdeckt, und setzt sich mit seinem Frühstück zu mir. Ich nehme ihn in den Arm und halt ihn fest. Er verbringt den Tag immer wieder bei mir, gibt mir seine Jacke zum Aufpassen, dazwischen geht er Fußball spielen: Syrien gegen Afghanistan. Ich bin beeindruckt von dem friedlichen Miteinander in diesen Hallen und der großen Akzeptanz, mit der die Menschen hier einander begegnen.

Viele Schülerinnen und Schüler helfen in der Kinderecke mit. Diese jungen Helfer sind mit Herz und Mitgefühl am Werk. Empathisch bauen sie Brücken zwischen sich und ihren neuen kleinen und großen Freunden. Immer wieder werden sie geherzt und bekommen viele „THANK YOU, THANK YOU RED CROSS, THANK YOU AUSTRIA“ zu hören.

Ich schließe nicht nur Freundschaft mit HAKIM und vielen anderen Gästen, sondern auch mit vielen Helfern und ROT KREUZ Mitarbeitern. In diesen Tagen treffe ich immer wieder auf Personen die mich durch ihren Einsatz und mit ihren Geschichten beeindrucken:

– eine ältere Dame die um 03.00 morgens das Messegelände verlässt und dabei auf zwei syrische Familien trifft, die verzweifelt zu einem Bahnhof wollen. Ohne lange zu zögern, packt sie die Familien in ihr Auto und fährt sie zur Grenze. Nach nur zwei Stunden Schlaf steht sie wieder beim Kleidersortieren.

– Lehrer, die den Mut haben, mit ihren Schülern zu kommen um mit anzupacken.

– Helfer, die losfahren und einfach mal so Turnschuhe in Größe 45 kaufen.

– Helfer, die einfach kommen und bleiben.

– Rot Kreuz Mitarbeiter, die trotz Dienstschlusses bleiben, um mit HAKIM Fußball zu spielen.

Menschen, die spüren, dass das was sie machen, sich einfach nur richtig anfühlt.

Zweimal bin ich dabei, als unsere neuen Freunde und Mitmenschen abreisen. Beide Male verlaufen tränenreich. Alle Beteiligten sind gerührt und zeigen das auch. Es wird fotografiert, Facebook-Kontakte werden ausgetauscht sowie Telefonnummern verteilt. „Unsere Kinder“ verabschieden sich von uns. Es wird gekuschelt und geknuddelt. Unsere kleinen Gäste werden noch, für die ungewisse Reise, hübsch gemacht.

HAKIM hat den neuen kleinen Lederball und seinen Tennisball gut verstaut und ist bereit für die Abreise. Ich bedanke mich bei ihm, er war mir eine große Hilfe beim Übersetzen und durch seine Anwesenheit. Ich drücke ihn ganz fest, kämpfe mit den Tränen aber reiße mich zusammen. Ich will es ihm nicht schwerer machen. Ich frage nach seinen Eltern, denn ich möchte ihnen zu ihrem großartigen Sohn gratulieren, „NO, NO parents“ bekomme ich als Antwort. Ich bin erstaunt und auch irgendwie nicht. Dann erfahre ich, dass auch sie Opfer des Krieges wurden. Sein Vater war Arzt und seine Mutter Krankenschwester. Unmittelbar nach dem Tod seiner Eltern brach er auf. Mit seinem 19 jährigen Bruder, ist er auf dem Weg nach Deutschland zu seinem Cousin. Ich gebe ihm meine Telefonnummer, drücke ihn noch einmal an mich und wünsche diesem charismatischen Burschen: Alles Glück der Welt.

Danke Hakim und an alle Beteiligten für so viel gelebte Menschlichkeit!

Tulln, 25.09.15 – Nicole Hudson

 

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Flüchtlingsbericht vom Notquartier bei der NÖ Landesfeuerwehrschule

Eigentlich ein normaler Sonntagmorgen. Länger schlafen und faul in den Fernseher gucken. Bis das Handy vibriert und eine Alarmierung der Bezirksstelle eingeht, in der Helfer für die Feuerwehrschule Tulln gesucht werden, in der gegen Mittag etwa 250 Flüchtlinge erwartet werden. Eine knappe Stunde später hatten sich bereits einige Mitarbeiter auf der Dienstelle eingefunden, welche auf Fahrzeuge zugeteilt und in die Feuerwehrschule gebracht wurden. Vor Ort begann dann der Aufbau einer Sanitätshilfestelle, in der ankommende Flüchtlinge registriert, verpflegt und versorgt werden konnten. Die Vorbereitungen waren rasch getroffen und notwendiges Material an Ort und Stelle. Nach und nach kamen weitere Helfer aus anderen Ortsstellen hinzu, um bei der Versorgung mitzuhelfen. Auch aus der Zivilbevölkerung hatten sich zwei Ärzte, eine Krankenschwester sowie mehrere Dolmetscher entschlossen, das Rote Kreuz bei dieser Aktion zu unterstützten. Gut gerüstet warteten wir also auf weitere Informationen und Anweisungen. Nach Angaben des Einsatzleiters wurden bisher nicht-registrierte, nicht medizinisch versorgte Flüchtlinge von der ungarischen Grenze erwartet. Wir wussten jedoch nicht wann, und vor allem wie viele Menschen eintreffen werden. Kollegen, die am Vorabend noch hunderte Flüchtlinge in Zügen von Wien nach München begleiteten, berichteten von teilweise schweren Verletzungen und Erkrankungen, weshalb sich ein eigenartiges Gefühl der Anspannung untern den Helfern entwickelte. Einige Zeit später rief der Einsatzleiter alle Mitarbeiter auf, ihre Positionen einzunehmen: es geht los. Gespannt und wie versteinert standen wir in einer Reihe und beobachteten drei Busse, die sich langsam der vorbereiteten Ausstiegsstelle näherten. Als sich die Türen aufschoben, betraten die ersten Flüchtlinge sicheren, österreichischen Boden und näherten sich müde und erschöpft unserem Lager. Wenige Minuten später war die Feuerwehrhalle gefüllt und alle Reisenden nahmen an den vorbereiteten Tischen Platz. Und dann begann unsere Arbeit. Für viele Ankommende war der erste Weg zur Feldküche, die bereits warmes Essen ausgab. Für andere führte der erste Weg zur Toilette, die jedoch am Weg zu den Schlafhallen aufgestellt wurden, weshalb wir die Flüchtlinge dorthin begleiten mussten. Auf dem Weg dorthin lernte ich die ersten Flüchtlinge kennen. Einer unter Ihnen sprach sogar etwas Deutsch, einige andere sprachen Englisch und für alle übrigen erfolgte die Verständigung mit Händen und Füßen. Einer von ihnen trug ein T-Shirt mit der Aufschrift: besser Korn im Blut als Stroh im Kopf. Ich war von dem Anblick leicht amüsiert, woraufhin der junge Mann zu mir kam und sich bei mir vorstellte. Er hieß Ahmed und kam aus Syrien. Ich nannte ihm meinen Namen und erklärte ihm auf englisch was der Spruch auf seinem Shirt bedeutet, woraufhin er ebenfalls schmunzeln musste. Danach führte ihn sein Weg weiter zurück in die Ankunftshalle, wo bereits eine lange Schlange darauf wartete, von den Helferinnen und Dolmetschern registriert zu werden. Als ich meine Arbeit in der Versorgungsstelle beginnen wollte, begegnete ich einer Helferin, die ein weinendes Baby am Arm hielt, dessen Mutter offenbar abhanden gekommen sein musste. Dies stimmte mich etwas nachdenklich, jedoch begann ich die ersten Patienten zu versorgen. Zu diesem Zeitpunkt konnten wir schon von Glück sprechen, dass keine schwerwiegenden Verletzungen unter ihnen waren. Manche mussten zur ambulanten Versorgung und Abklärung ins Krankenhaus Tulln gebracht werden. Die meisten Menschen jedoch litten unter Husten, sowie grippalen Infekten und Entzündungen. Spuren einer Wochen und zum Teil Monate lang andauernden Flucht und der einsetzenden Kälte in den europäischen Spätsommernächten.

Nach einiger Zeit war unter den Menschen eine gewisse Unsicherheit und Unruhe zu beobachten und ich wurde von mehreren Flüchtlingen gefragt, wo sie hier seien, warum sie hier seien und wie lange sie hier bleiben würden. Die Meisten von ihnen waren auf dem Weg nach Deutschland und waren ob des unerwarteten Zwischenstopps irritiert. Ich erklärte Ihnen, dass Sie in Österreich sicher sind, und sie hier einige Tage versorgt werden und schlafen können, bevor die Reise weitergeht. Danach war eine sichtliche Erleichterung und Zufriedenheit zu erkennen. Per Megafon haben auch die Dolmetscher in der Zwischenzeit diese Botschaft an alle Ankommenden übermittelt, wonach sich die Lage sichtlich entspannte und ordnete. Zu einem späteren Zeitpunkt begegnete ich in der Versorgungsstelle wider dem kleinen Baby, dieses Mal jedoch in den Armen ihrer Mutter, die mich verzweifelt nach Milch für ihr Kind fragte. Da in anderen Lagern bei einigen Flüchtlingen bereits Intoleranz-Reaktionen auf Milch beobachtet wurden, war uns die Ausgabe von Milchprodukten untersagt und so musste ich die Mutter mit einem Gläschen Babynahrung vertrösten. In einer ruhigen Minute machte ich einen Rundgang im Lager und beobachtete das Treiben und ließ die Situation auf mich wirken. Die Registrierung nahm ihren geordneten Ablauf, Menschen saßen an den Tischen und aßen. Die meisten allerdings waren bereits in den Schlafräumen und versuchten sich auf den Feldbetten, bis zur Nase zugedeckt, etwas von der langen Reise zu erholen. Aus der Bevölkerung erreichten uns weitere Helfer und vor allem unzählige Kleiderspenden, sodass kurzerhand eine Kleiderausgabe improvisiert wurde. Zwei Asylwerber, ehemalige Flüchtlinge, die seit kurzem an der Bezirksstelle Tulln leben, engagierten sich tatkräftig und brachten Ordnung in die Berge an Kleidung sowie die Trauben an Menschen, die sich darum versammelten. Auf der anderen Seite des Innenhofs begann derweil ein kollektives Ballspiel unter den jüngeren Reisenden. Es machte den Anschein, als hätten sich alle Wege und Abläufe im Lager unter den Flüchtlingen herumgesprochen und so begann sich ein entspanntes, menschliches Treiben einzustellen. Bis Einbruch der Dunkelheit entwickelte sich die Kleiderausgabe zu einem wahren Hotspot, der nach und nach durch zahlreiche Sachspenden angesichts der kurzen Zeit ein unglaubliches Ausmaß annahm. Wie auf einem Markt wurde die Kleidung nach Art, Geschlecht und Größe sortiert und zur freien Entnahme vorbereitet. Da es bereits dunkel wurde und die Wetterlage unsicher war, wurden Beleuchtungen sowie ein Zelt organisiert um die Kleiderausgabe bis in die Nachtstunden weiter zu ermöglichen und die Berge an Kleidung vor Regen zu schützen. Immer wieder kamen Frauen, Kinder und junge Männer auf unseren „Bazar“ und erfreuten sich über frische, warme Kleidung und Schuhe, da zu dieser Zeit nachts bereits kühlere Temperaturen herrschten. Ich beobachtete noch ein letztes Mal das Leben im Lager bevor ich mich gegen 22:00 selbst in Richtung Zuhause aufmachte.

 

Obwohl ich nun seit bereits sieben Jahren Mitglied im Roten Kreuz bin, hat dieser Tag bei mir einen bleibenden Eindruck hinterlassen und das freiwillige Engagement und die vielseitige Arbeit des Roten Kreuz bestätigt. Für mich war dieser Einsatz eine Möglichkeit, weniger schnelles Handeln in Notfällen als vielmehr Menschlichkeit, Mitgefühl und Weltoffenheit zu zeigen und zu leben.

Mein Dank und mein Respekt gilt auch den Menschen aus der Bevölkerung, die wie selbstverständlich an diesem Sonntagnachmittag ihr Hab und Gut mit Menschen teilten, die es notwendiger brauchten und das spendeten, was für uns ohnehin oft nur Ballast ist.

Ich bin froh, dass es unter den vielen Hasspredigern „da draußen“ doch noch richtige Menschen gibt, und wünsche jedem dieser „Hetzer“, zumindest für einen Tag, das Gesicht hinter dem „Flüchtling“ kennen zu lernen.

 

Tulln, 29.09.15 – Rainer Taurok

 

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Erfahrungsbericht Flüchtlingshilfe am Messegelände in Tulln am Sonntag, den 13.09.2015

„Sonntag, den 13.09.2015, um 04:00 Uhr ist Tagwache, denn in Tulln wird unsere Unterstützung gebraucht. Zusammentreffen mit die Kollegen aus den Bezirk Amstetten ist um 05:15 Uhr auf einem Rastplatz an der A1 in Raum Amstetten.

Nach und nach kommen die Kollegen aus Amstetten, Waidhofen an der Ybbs, Haag, Sankt Valentin und Sankt Peter in der Au am Treffpunkt an, zur gemeinsamen Weiterfahrt nach Tulln. Bei unserer Ankunft in Tulln große Verwunderung, es ist kein einzige Flüchtling da.

Nachdem unserer Einsatzleiter mehr Informationen geholt hat, gibt es folgendes Problem: es gibt in Nickelsdorf zwischen 10.000 und 15.000 Flüchtlinge, Busse sollten auch da sein, aber anscheinend keine Fahrer!

Weiteres wird mitgeteilt, dass jederzeit mit Flüchtlinge zu rechnen ist, erst um 12 Uhr, dann um 13 Uhr und so weiter.

Tatsächlich kommen die Flüchtlinge erst um 19 Uhr. Es sind 18 Busse mit rund 1000 Menschen die außer Hunger, Durst und medizinische Probleme nichts haben.

Eigentlich sollte wir um 19:00 Uhr abgelöst werden, aber wir entscheiden uns jedoch noch etwas zu bleiben um unsere Tullner Kollegen zu unterstützen.

Ich werde eingeteilt um die Menschen noch in den Bussen zu zählen und bekomme Unterstützung von der Tullner Kollegin Luana Köttler.

Unterstützung bekommen wir von mehrere Dolmetscher, was uns das Arbeiten sehr erleichtert.

Die Flüchtlinge haben nach den Strapazen in Ungarn einfach Angst um aus zu steigen. Nachdem wir ihnen gut zugeredet haben steigen die Ersten aus. Frauen mit Säuglingen, völlig übermüdete Kinder, ja auch Erwachsenen fallen mehr aus den Bus als dass sie aussteigen. Nachdem diese Menschen mit einem Band versehen sind, können sie essen, trinken, duschen und die Kinder können spielen. Nachdem alle Bussen leer sind, habe ich ein bisschen Zeit um mit ein paar von diese Flüchtlinge, soweit sie die englische Sprache beherrschen, zu reden. Die Geschichten und Schicksale sind einfach unglaublich. Müde, aber sehr zufrieden was Gutes getan zu haben, fahre ich um 23:30 Uhr heim.

Was mich positiv überrascht hat, war der große Andrang aus der Bevölkerung. Dauernd sind Leute gekommen mit Kleidung, Obst und andere wertvolle Sachen. Ganz viele haben gefragt wo man sich als freiwillige Helfer anmelden kann, sehr Lobenswert war auch die Organisation durch das RK Tulln. Seitens die Flüchtlinge ist so viel Dankbarkeit gekommen, das macht es Wert um die nächste Mal wieder in Hilfseinsatz zu gehen!“

Mit freundlichen Grüßen,

Giovanni Peduzzi

Fahrermanagement

2015-09-13 16.39.10

Erlebnisse rund um die Flüchtlingshilfe

„Flüchtlinge“, „Krieg“ und „Asyl“ sind alles Wörter die einem fremd und weit entfernt vorkamen. Doch dieses Frühjahr sollte sich das, durch eine simple E-Mail meiner Bezirksstelle, schlagartig für mich ändern. In dieser E-Mail wurden wir gebeten, bei der Flüchtlingsbetreuung in der Arena Nova mitzuhelfen. Nach kurzer Skepsis entschloss ich mich auf diese E-Mail zu antworten und Zeit für diese Betreuung aufzuwenden. Ein paar Tage später trat ich meinen ersten Dienst an. Viele Gedanken gingen mir durch den Kopf: negative wie auch positive. Ich wusste nicht recht was mich erwarten würde. Das einzige was ich wusste: Hier sind 250 männliche Asylwerber untergebracht. Dieser Gedanke ließ mich den ganzen ersten Dienst nicht los und ich versuchte nicht aufzufallen. Somit versuchte ich so wenig wie möglich mit den Bewohnern zu sprechen. Kurz gesagt ich hatte Angst vor dem Neuen, Angst vor dem Unbekannten. Der Dienst verging, meine Angst ließ nach. Der zweite Dienst fiel mir wesentlich leichter, da ich die Situation und Menschen schon kannte und wusste: Hier ist jeder friedlich! Bald verlor ich meine Scheu vor dem Neuen, Unerwarteten, und Unbekannten. Ich setzte mich vor die Halle und rauchte eine Zigarette. Es dauerte nicht lange und ein paar Asylwerber setzten sich zu mir und fingen an zu plaudern. Zuerst redeten sie nur untereinander, dann übersetzte einer auf Englisch. Sie wirkten sehr zurückhaltend, ängstlich, doch je länger wir miteinander redeten, desto aufgeschlossener wurden sie. Am Ende dieses Abends zeigte mir ein Bewohner sogar Fotos von seiner Heimat. Seine Augen funkelten, vor Stolz und Freude, wie die eines kleinen Kindes, doch dann erlosch dieses Leuchten in seinen Augen und er sagte mir kühl und voller Traurigkeit: „Das war meine Stadt, nun liegt sie in Schutt und Asche“. Dieser Satz überwältigte mich und ich wusste, weshalb ich hier bin und warum ich helfen möchte. Ich wusste, dass dieser junge Mann sich sehr darüber freute, dass jemand mit ihm sprach und ihm Aufmerksamkeit schenkte und ich wusste, ich will mich noch mehr für diese Menschen einsetzen. Ich absolvierte noch ein paar Dienste in der Arena Nova und jeder einzelne Tag war für mich ganz besonders, da ich von ihnen lernte, genauso wie sie von uns. Soviel Hilfsbereitschaft und Freude über die kleinen Dinge im Leben habe ich bisher nur bei Kindern gesehen. Zur gleichen Zeit begann in meiner Heimatstadt die Akutbetreuung und somit versuchten wir dort, so gut es ging, notwendige Hilfe zu leisten. Dies war ein neuer Abschnitt für meine Kollegen/Innen und mich. Es war eine große Herausforderung, fremde Menschen in unser Leben zu lassen. Menschen die von Schleppern ausgesetzt wurden. Hier kamen nicht nur junge Männer, sondern auch Familien und ältere Personen. Diese Einsätze berührten uns. Es kamen hier sehr viele negative Äußerungen von Nachbarn, Freunden und sogar aus der eigenen Familie. Ich wurde auch oft gefragt, warum ich das mache, da viele meiner Freunde es nicht verstehen konnten. Ich antwortete stets dasselbe: „Ich mache das, weil ich einem Menschen ein Lächeln schenken möchte, das die Sorgen und Ängste für einen kleinen Moment vergessen lässt. Außerdem wünsche ich mir, falls ich einmal in die Situation des Flüchtens kommen sollte, ebenso nette Menschen die mir helfen und mich zum Lächeln bringen.“ Wenn es meine Arbeitszeit zuließ, war ich immer bei Akutbetreuung dabei und ich möchte keinen dieser Tage missen. In diesem Jahr habe ich viel gelernt über andere Kulturen, Sprachen, Menschen. Wir haben auch ein eigenes Asylheim in meiner Heimatstadt und ich verbringe viel Zeit mit meinen neugewonnenen Freunden. Keine einzige Sekunde möchte ich ohne diese Erfahrung sein, sie hat mir die Augen geöffnet und ich hoffe, dass ich noch vielen ein kleines Lächeln schenken kann. Ich möchte mich hiermit bei allen bedanken die geholfen haben bzw. Sachspenden gebracht haben. Genauso bei meinen Kollegen/Innen ohne deren Unterstützung ich das alles nie geschafft hätte.

 

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