Motivation für freiwilliges Engagement

In einer Metastudie konnte ich in den vergangenen Wochen die Motivlagen von Freiwilligen im Roten Kreuz mit den Motiven vergleichen, die Österreicherinnen und Österreicher insgesamt zum Thema Freiwilligkeit angeben. Zudem wurden auch andere Studien in den Vergleich mit hinzugezogen.

Unter dem Titel „Warum tut man sich das antut: Motivationsfaktoren für freiwilliges Engagement in Österreich“ findet man die Studie auf meinem Blog Redcross Sociologist auch im Volltext als PDF-Dokument.

Motivation von Freiwilligen Mitarbeitern, warum tut man sich das an?

Tausende Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beim Roten Kreuz: Was ist ihre Motivation anderen Menschen in ihrer Freizeit zu helfen?

Wir sind da um zu helfen. Aus Liebe zum Menschen.

Zusammenfassend kann man sagen, dass gerade im Bereich der Freiwilligenarbeit, Motive wie Altruismus, Freude oder auch soziale Motive, wie Freunde zu treffen überwiegen. Allen Unkenrufen zum Trotz, dass wir in Zeiten leben, in denen alle Lebensbereiche von ökonomischen Zwängen durchdrungen sind, kann für den Bereich des Freiwilligenwesens getrost behauptet werden, dass ökonomische Faktoren eine vernachlässigbare Rolle spielen. Für Rotkreuz-Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die „Aus Liebe zum Menschen“ helfen, ist der Altruismus – also der Wunsch, anderen Menschen zu helfen – der essentielle und wichtigste Motivationsfaktor. Nicht zuletzt deswegen ist wohl die zentrale Aussage des Rotkreuz-Leitbilds auch „Wir sind da um zu helfen.“

Stimmungsbarometer und Marktforschung

Die Grundlagen für diesen Text sind einerseits die Ergebnisse des Rotkreuz-Stimmungsbarometers, der Mitte 2011 unter Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Österreichischen Roten Kreuzes durchgeführt wurde und andererseits die Ergebnisse einer Online-Umfrage unter 1000 Österreicherinnen und Österreichern, die von market in unserem Auftrag durchgeführt wurde.

Erste Reaktionen

Die Studie selbst wurde bereits über Rotkreuz-interne und externe Kanäle kommuniziert, dabei gab es schon ein paar interessante Feedbacks.

„Überraschende Erkenntnisse sind in Bezug auf Motivation eher nicht dabei (Altruismus/Wunsch anderen zu helfen ist im RK von besonderer Bedeutung, viele möchten Neues dazulernen…), aber es ist dennoch sehr lesenswert, da die landläufige Meinung, freiwilliges Engagement gehe zurück und sich vor allem Junge kaum für das Allgemeinwohl einsetzen, stark widerlegt wird.

Manuela Oberaigner, Freiwilligenmanagerin im Roten Kreuz Niederösterreich

Auch aus Deutschland hat sich über das soziale Netzwerk „Google Plus“ bereits eine Rückmeldung bis zu mir verirrt …

Ein wesentliches — sicherlich auch verallgemeinerbares — Finding dieser Studie ist, dass sich die Motive je nach Engagementbereich unterscheiden. So dürfte bei den meisten Freiwilligen im Sport der Spaß und die Gemeinschaft eher im Vordergrund stehen als bei Freiwilligen im Rettungsdienst; hier ist es eher der Altruismus und das Pflichtgefühl vorherrschend. Bemerkt sei hier allerdings, dass sich Spaß und Altruismus, Pflichtgefühl und Gemeinschaftserleben keineswegs einander ausschließen. Auch der Altruismus (“etwas für andere tun”) sowie die Pflichterfüllung (“weil es getan werden muss”) und das Gemeinschaftsempfinden (“mit anderen Menschen zusammenkommen”) bereitet Freiwilligen “Freude”.

Hannes Jähnert, Berlin Experte für online volunteering und Social Media in NPOs

Und Euer Feedback?

Wie seht Ihr das, unterscheiden sich Motivlagen von Freiwilligen MitarbeiterInnen? Kann man alle KollegInnen im Roten Kreuz so „Über den Kamm scheren“, oder gibt es für jede einzelne und für jeden einzelnen individuelle Gründe, warum man beim Roten Kreuz ist?

DIE WACHAUER ERKLÄRUNG – Ein Erstentwurf

Das Ziel, starke nationale Rotkreuz-Gesellschaften zu schaffen, das in der Strategie 2020 der Internationalen Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmond-Gesellschaften verankert ist, ist vor allem auch durch eine Stärkung der Freiwilligkeit in allen Formen zu erreichen. Denn nicht nur der beträchtliche Wert, den die Freiwilligen für die Gesellschaft erbringen, sondern auch die durch sie gelebte Menschlichkeit innerhalb und außerhalb der Organisation bestimmen Wesen und Stärke des Roten Kreuzes.

Eines der vier Ziele der Europäischen Union im Jahr der Freiwilligkeit 2011 bestand in der Sensibilisierung für Wert und Bedeutung der Freiwilligentätigkeit. Dieses Bewusstsein müssen wir auch innerhalb der Organisation laufend erweitern.

Alle unsere Freiwilligen und die, die es noch werden wollen, haben ein Ziel vor Augen: Das Leben von Menschen in Not und sozial Schwachen durch die Kraft der Menschlichkeit zu verbessern (Rotkreuz-Mission-Statement). Es ist die Aufgabe der gesamten Organisation sie dabei zu unterstützen und die Voraussetzungen zu schaffen, dass wir den Bedürfnissen neuer Generationen gerecht werden. Gut funktionierende Managementsysteme auf allen Organisationsebenen sind daher auch im Freiwilligenwesen unerlässlich. Dies wurde bereits in der Volunteering-Policy der Internationalen Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmondbewegung klar dargelegt.

Freiwilligkeit soll auch in Zukunft eine win-win-win-Situation für alle Beteiligten schaffen: für die BenefizientInnen, deren Lebensqualität im Sinne des Rotkreuz-Mission-Statements verbessert wird, für die Zivilgesellschaft, die durch die Freiwilligkeit gestärkt wird und für die Freiwilligen selbst, für die das Engagement zur Sinnstiftung beiträgt und deren persönliche Entwicklung nachweisbar gefördert wird.

Basierend auf diesen Grundlagen wurden am 9. und 10. Dezember 2011 im Rahmen einer Rotkreuz-Konferenz neue Möglichkeiten für den Ausbau der Freiwilligkeit im Roten Kreuz diskutiert, wobei die wesentlichen Ergebnisse in die Wachauer Erklärung gemündet sind – ganz dem Grundsatz „Wir setzen auf das Bewährte und wagen das Neue“ folgend.

Wozu neue Formen der Freiwilligkeit?

Als wichtiger zivilgesellschaftlicher Akteur will das Österreichische Rote Kreuz möglichst viele Menschen zu solidarischem Handeln motivieren. Um das große Potential in der Bevölkerung für niederschwellige, projektbezogene und spontane Mitarbeit noch besser zu nutzen, ist eine Weiterentwicklung unseres sehr erfolgreichen traditionellen Freiwilligenwesens ein logischer Schritt. Damit festigt das Rote Kreuz seine Position in der heimischen Freiwilligenlandschaft und fördert die Positionierung Österreichs als „Freiwilligennation“.

Im Zuge einer internen nachfrageorientierten Dienstleistungsentwicklung müssen wir die Handlungsoptionen von Freiwilligen anpassen und erweitern, damit wir Freiwilligen-Zielgruppen ansprechen können, die wir bisher nicht oder kaum erreichen konnten (z.B. MigrantInnen, SeniorInnen, Menschen mit wenig Zeitressourcen oder eingeschränkter Mobilität). Die Etablierung von neuen Formen der Freiwilligkeit unterstützt unser Bemühen, unseren Freiwilligen mehr Raum für ihre Talente zu geben und vermehrt auf ihre individuellen Bedürfnisse einzugehen. Wir erwarten uns vom Eingehen auf diese Bedürfnisse und vom wertschätzenden Umgang mit den freiwillig Engagierten positive Auswirkungen auf die Kultur der eigenen Gesamtorganisation und darüber hinaus auf externe erwerbswirtschaftliche Strukturen.

Beispiele für neue Formen der Freiwilligkeit:

  • Projektbasierte bzw. spontane Mitarbeit: Mitarbeit auf Zeit bzw. im Bedarfsfall (z.B. Team Österreich, Nachbarschaftshilfe, Einbindung von Fachexpertisen, etc.)
  • Online Volunteering: Freiwilliges Engagement von Menschen, die unter Zuhilfenahme der technischen Möglichkeiten des Internets tätig sind (z.B. Fundraising im Web 2.0, Sozialberatung in Foren, Übersetzungs-, Graphik- oder Lektoratstätigkeiten, Webauftritt, etc.)
  • Corporate Volunteering: Entsendung von MitarbeiterInnen eines Unternehmens in gemeinnützige Einrichtungen zur dortigen Mitarbeit (z.B. Abwicklung eines gemeinsamen Projekts, Mitarbeit auf Zeit, etc.)

Weitere Formen, welche hier nicht erwähnt werden, werden natürlich ebenfalls berücksichtigt.

Die Handlungsempfehlungen für den Ausbau neuer Formen des Freiwilligenwesens sind:

  • Das Bewusstsein für die neuen Formen der Freiwilligkeit ist innerhalb des Roten Kreuzes auf allen Organisationsebenen zu schaffen.
  • Das vorhandene Potential in der Bevölkerung für neue Formen der Freiwilligkeit ist zu nutzen. Voraussetzungen dafür sind entsprechende Investitionen und Veränderungen der strategischen Organisationsentwicklung des Roten Kreuzes.
  • Aktive, wirksame Gewinnungsmaßnahmen sowie eine dauerhafte, nachhaltige Betreuung der „neuen“ Freiwilligen sind sicherzustellen. Dies erfordert – ebenso wie traditionelle Freiwilligentätigkeit – entsprechende Personalressourcen auf allen organisatorischen Ebenen des Roten Kreuzes. Der satzungsmäßige und rechtliche Rahmen ist auf die Erfordernisse einer optimalen Betreuung von Freiwilligen anzupassen – auch oder insbesondere für jene, die projektbezogen tätig sind.
  • Voraussetzung für die Weiterentwicklung eines ressourcenorientierten Freiwilligenwesens sind entsprechende Dokumentationen. Freiwillige sollen befähigt sein, ihre Qualifikationen, Talente und Interessen in die Organisation einzubringen. Dafür und für die Entwicklung eines Freiwilligenqualitätsmanagements sind kontinuierliche Datenerhebungen in allen Organisationseinheiten und auf allen Organisationsebenen unerlässlich.
  • Eine umfassende Kosten-Nutzen-Analyse ist am Beginn jedes Freiwilligenprojekts unabdingbar.
  • Die Team Österreich-Freiwilligen sind auch außerhalb von Katastrophen laufend einzubinden bzw. zu informieren und die Angebote für deren Engagement sind laufend weiterzuentwickeln. Nur dadurch kann längerfristig deren Potential genutzt werden.
  • Der Fokus von Corporate Volunteering muss auf die Bedürftigen ausgerichtet werden und braucht kooperatives Erwartungsmanagement sowohl aufseiten der Freiwilligenorganisation als auch auf Unternehmerseite.

Thesen zu neuen Formen der Freiwilligkeit

 

Bei der Freiwilligenkonferenz des Roten Kreuzes haben voriges Wochenende Workshops zu den verschiedenen neuen Formen der Freiwilligentätigkeit stattgefunden. Die wichtigsten Erkenntnisse daraus bzw. die Antworten auf die Fragen, die ihr weiter unten findet, wurden gesammelt und sollen einer breiteren Öffentlichkeit nicht vorenthalten werden. Hier sind sie also geordnet nach den Workshop-Themen:

MICRO VOLUNTEERING

  • Um das vorhandene Potential im Bereich Micro Volunteering zu nützen muss das ÖRK strukturelle Vorarbeiten (Personalressourcen, Aufgabendefinition,…) leisten.
  • Das Suchen von neuen Freiwilligen über Freiwilligenbörsen bedarf seitens des ÖRKs zusätzlicher Personalressourcen und konkrete Aufgabendefinitionen.
  • Die Freiwilligenbörse ist eine zusätzliche Möglichkeit Freiwillige und vor allem Jugendliche zu gewinnen und kann als Sprungbrett für eine längerfristige Tätigkeit gesehen werden.

CORPORATE VOLUNTEERING

  • Der Sprung von der Win-Win-Rhetorik zu einer partnerschaftlichen gemeinwohlorientierten Kooperation braucht kooperatives Erwartungsmanagement.
  • Im Sinne der Auseinandersetzung mit veränderte Rahmenbedingungen (neue Bedürftigkeiten, neue Formen der Freiwilligkeit…) sind Organisationen gefordert nicht nur bestehende Angebote zu verwalten, sondern auch nachfrage-orientierte Dienstleistungsentwicklung zu betreiben.

ONLINE VOLUNTEERING

  • Online Volunteering erweitert die Handlungsoption des Österreichischen Roten Kreuzes.
  • Das Online Volunteering braucht mindestens so viele Ressourcen wie traditionelles Freiwilligenmanagement.
  • Die Einbindung von Online Volunteering hat Auswirkung auf die Organisationkultur und erfordert strategische Organisationsentwicklung.

SPONTANEOUS VOLUNTEERING

  • Auch außerhalb von Katastrophen müssen spontane Freiwillige eingebunden und/oder informiert werden. Nur dadurch kann längerfristig dieses Potential genutzt werden.
  • Das Bewusstsein für spontane Hilfsbereitschaft, niederschwelliges Engagement sowie für Team Österreich muss vor allem innerhalb der Organisation geschaffen werden. Verantwortliche sind auf lokaler Ebene notwendig, um eine dauerhafte, nachhaltige Betreuung der Freiwilligen sicher zu stellen.
  • Vor allem bei großen Katastropheneinsätzen ist es wichtig, dass die Prozesse von Erklärung der Hilfsbereitschaft über die Rekrutierung bis zur Einsatzinformation möglichst automatisiert und nutzerverwaltet ablaufen, um auch große Mengen an Freiwilligen bewältigen zu können.

AUSBILDUNG UND QUALIFIKATION VON NEUEN FREIWILLIGEN

  • Ein Kompetenzportfolio ist vor allem für bestehende MitarbeiterInnen im System hilfreich. Die Rekrutierung neuer MitarbeiterInnen erfordert andere Instrumente.
  • Der Nationale Qualifikationsrahmen kann zukünftig helfen Freiwillige zu gewinnen, weil sie über Zertifikate einen Mehrwert für den Arbeitsmarkt erhalten.
  • Der Nationale Qualifikationsrahmen kann es leichter machen Qualifikationen von Freiwilligen in der Organisation gezielt einzusetzen.
  • Der Einsatz von Kompetenzerfassungsinstrumenten erfordert eine hohe Differenzierung (Zielgruppe, Situation, Erwartungshaltung…).

Diese “Regeln” sind eine wichtige Basis für die Weiterentwicklung der Tätigkeitsfelder mit freiwillig Engagierten. Wir werden sie beherzen! Was ist eurer Meinung nach noch wichtig? Worauf kommt es besonders an?

Freiwilligenkonferenz – Fragen, die uns beschäftigen…

Im Rahmen der Freiwilligenkonferenz, die am 9. und 10. Dezember an der Donau-Universität Krems stattfinden wird, sollen zentrale Fragen in Bezug auf „Neue Formen der Freiwilligkeit“ beantwortet und Strategien für die Zukunft erarbeitet werden.

In den Workshops werden gemeinsam mit ExpertInnen aus der Wirtschaft, dem Non-Profit-Bereich und der Wissenschaft Thesen zu Leitfragen beantwortet werden, wobei diese im Anschluss vom Plenum eingeschätzt werden bzw. die Meinung von mehreren mittels Stimmabgabe eingeholt werden soll. Interessierte sind herzlich eingeladen mitzumachen – Anmeldung unter www.roteskreuz.at/freiwilligenkonferenz)

Die Fragen, die uns beschäftigen hier nach Themenbereichen aufgelistet:

Micro-Volunteering

  • Wie groß ist das Potential an „Micro-Volunteers“ und welche Personengruppen können damit vor allem angesprochen werden?
  • Worin liegen die Möglichkeiten und die Grenzen von Freiwilligenbörsen?

Corporate-Volunteering

  • Welche organisatorischen Rahmenbedingungen sind notwendig, um Corporate Volunteering für Unternehmen und Organisationen effizient abwickeln zu können?
  • Was fördert bzw. behindert Organisationen und Unternehmen Corporate Volunteering zu betreiben?

Online-Volunteering

  • Wie und in welchen Tätigkeitsfeldern könnten Online-Volunteers eingesetzt werden?
  • Welche Ressourcen sind notwendig, um Online-Volunteering in einer Organisation betreiben zu können?

Spontaneous-Volunteering

  • Welche Herausforderungen begleiten die spontane Freiwilligkeit?
  • Wie lässt sich spontane Freiwilligkeit effizient organisieren?

 Ausbildung und Qualifikation

  • Wie können informell oder extern erworbene Kenntnisse erfassbar gemacht werden und was muss dabei beachtet werden?
  • Wie können Kompetenzen in die Organisation sinnvoll eingebracht werden?

Wir sind gespannt auf eure Meinungen – hier oder bei der Veranstaltung in Krems!

Eine Toolbox für das Online Volunteering?

Erneut gilt es, auf einen Blogbeitrag unseres Workshop-Leiters Hannes Jähnert zu verweisen, der auch am vergangenen Wochenende beim Kongress “Engagement heute” des Deutschen Roten Kreuzes in Münster zum Thema zu Gast war. Hannes hat für das DRK ein interessantes Diskussionspapier “Vom Flyer zu Facebook” für die online-Arbeit von Rotkreuz-Organisationen erstellt, dass ich an dieser Stelle gerne verlinke.

Als Vorlage für die online-Vorbereitung auf den Workshop an der Donauuni in Krems am 10. Dezember 2011 bloggt Hannes Jähnert:

Hannes Jähnert:

Grundsätzlich beschrieb ich die Online-Freiwilligenarbeit (a) als wertvolle, weil wirkungsmächtige, Ergänzung der On-Site-Freiwilligenarbeit im Rettungsdienst und (b) als Möglichkeit der hierarchiearmen Beziehungspflege und Koproduktion.

Vorschlag: Eine Toolbox erstellen

Eine Toolbox für das Online Volunteering im ÖRK

Er schlägt vor, den gemeinsamen Workshop zum Thema unter anderem auch dafür zu nützen, eine Toolbox für das ehrenamtliche Online-Engagement anzudenken. Das soll sowohl der Organisation des Roten Kreuzes hefen, die Grenzen und Möglichkeiten zu zeigen, als auch den (potentiellen) neuen Freiwilligen die notwendigen Tools und Informationen zur Verfügung stellen zu können. Ein Vorschlag, den ich nur zu gerne unterstütze!

Für unseren Workshop in Krems, für den sich meines Vernehmens wohl über ein Viertel aller Tagungsteilnehmer!nnen als interessiert gemeldet haben, schlage ich vor, den Inhalt eines solchen Toolkits zu entwickeln; entweder für einen speziellen Bereich wie die Öffentlichkeitsarbeit (wobei hier nicht der Eindruck entstehen darf, das wäre der einzig mögliche Bereich) oder etwas abstrakter als Whitepaper für alle Bereiche.

Was halten die p.T. TeilnehmerInnen von diesem Vorschlag?

Gastkommentar zur Konferenz

Gerne berichte ich, dass ich zum Thema Online-Volunteering einen Gastbeitrag in der IT-Press der APA verfasst habe.

“Virtuelle Freiwillige”, das sind nicht jene Differenzen bei den Freiwilligenzahlen in den Jahresberichten, denen kein tatsächlicher Headcount gegenübersteht, sondern Menschen, die bereit sind, eine Organisation auch online mit den Tools der Social Media zu unterstützen. Dabei geht es nicht nur um die komplexe Entwicklung neuer Meshups, wie das Blutspende-Facebook-Plugin, das uns ein engagierter “virtual Volunteer” erstellt hat, sondern auch oft um einfache Arbeiten, wie Textübersetzungen, Berichterstellung, …

Grundidee ist es, einerseits das Thema online-Volunteering zu referenzieren um so auch immer wieder auf die Freiwilligenkonferenz im Dezember zu verweisen.

Warum sind so viele Menschen freiwillig tätig, was ist ihre Motivation?

„Der Freiwillige wird von seinem Verlangen zu helfen und seinem Mitgefühl getrieben“, Jean Pictet (Vgl.: Jean Pictet: Die Grundsätze des Roten Kreuzes, Kommentar. Genf/Bonn 1990)

Wir haben im Rahmen des Stimmungsbarometers im Sommer über 2.000 Rotkreuz-Mitarbeiterinnen in ganz Österreich nach ihrer Motivation gefragt. Fast 90% geben an (sehr wichtig und wichtig), sie möchten „etwas für Andere tun“ und „Neues lernen und nützliche Erfahrungen machen“. Rund die Hälfte empfindet „eine moralische Verpflichtung zu helfen“, bzw. „möchte sozial oder politisch etwas verändern“. Sie – werte Leserin, werter Leser – sind ebenfalls freiwillig tätig? Wir haben eine Facebook-Umfrage zum Thema Motivation für das Ehrenamt gestartet, machen Sie mit!

 

freiwillig2.0 in der Praxis?

Hannes Jähnert, mein Workshop-Partner hat in seinem Foulder-Blog das Thema Online-Volunteering sehr theoretisch erklärt, um grundlegendes abzuklären. In meinem ersten Beitrag dazu möchte ich nun eher praktisch antworten, um später gegebenenfalls ebenso theoretischen Input zu liefern.

Dazu habe ich zunächst in den eigenen Archiven gestöbert und ein Konzeptpaper (Version 0.1 von August 2010) gefunden, das ich Vorstelle.

Es geht in meinem Blogbeitrag auf Redcross’ Sociologist um die taktische und technische Umsetzungsmöglichkeit von Online Volunteering im Österreichischen Roten Kreuz in einem kleinen Tätigkeitsbereich, nicht um einen gesamtheitlichen theoretischen Abriß des Phänomens, um den ich mich in einem weiteren Blogbeitrag kümmern möchte.

Freiwillige unterstützen den online-Auftritt durch gezieltes Verbreiten der Rotkreuz-Informationen in Foren, Kommentaren und zielgruppenadäquaten Social Media Seiten (Seeding), bzw. durch Mitarbeit im Bereich der online-Redaktion.

Habt Ihr Online-Volunteering-Konzepte? Seid Ihr vielleicht selbst online freiwillig tätig?

Online-Volunteering, einige Thesen

Mein Workshop-Kompagnion Hannes Jähnert hat sich bereits auf unseren Workshop bei der Freiwilligenkonferenz im Dezember vorbereitet – und zwar mit einem ersten Blogbeitrag.

Er formuliert dabei zwei erste Thesen zum Thema online-Freiwilligkeit: Die erste der Thesen lautet, dass online-Engagment das reale Engagement des Roten Kreuzes ergänzen kann:

Sicherlich kann das Online- und Micro-Volunteering den Rettungs- und Pflegedienst nicht ersetzen, Online- und Micro-Volunteers aber – das ist mein Vorschlag für die erste These – können die Arbeit ‚am Menschen‘ sehr gut ergänzen.

These Nummer zwei: das online-Volunteering ist eine hierarchiearme Möglichkeit zum Engagement, er analysiert dabei auch die komplexe föderale Rotkreuz-Struktur in Östereich:

Je höher also die Eben dieses hierarchischen Systems, desto abstrakter die Arbeit, die dort geleistet wird und desto weniger hat die Freiwilligenarbeit dort (wenn sie überhaupt möglich ist) noch etwas mit dem zu tun, was weithin mit dem Roten Kreuz in Verbindung gebracht wird.

Zum Schluss noch ein Aufruf, den ich hier wiederholen möchte:

Für die Diskussion in Workshops und Seminaren haben kreative Vorschläge großen Wert. Einige Vorschläge habe ich hier schon formuliert, einige wurden bereits auf der Facebook-Seite des ÖRK eingebracht. Wenn du auf die Schnelle allerdings eine Idee hast, wie sich Freiwillige auf Bundes-, Landes- und kommunaler Ebene  einbringen könnten, schreib sie doch einfach in die Kommentare unter diesem Beitrag. Vielen Dank.

Was verändert die Freiwilligkeit? Einflussfaktoren und ihre Wirkungen auf Engagementformen

Freiwilligkeit, gesellschaftliches Engagement oder Zivilengagement sind unterschiedliche Begriffe, die gleiches bezeichnen – freiwillige, unbezahlte Tätigkeiten mit fehlender persönlicher materieller Gewinnabsicht. Diese Aktivitäten erfolgen zumeist in Organisationen und somit im öffentlichen Raum. Obwohl Freiwilligkeit von Grundkomponenten menschlichen Zusammenlebens wie Altruismus, Solidarität, Gemeinschaftssinn und Gestaltungswillen getragen wird, verändern sich die Formen und Ausprägungen des Engagements. So nimmt die unmittelbare Organisationsbindung des Engagements ab. Gleichzeitig nimmt ein weniger organisationsgebundenes Engagement (Initiativen, Projekte, selbstorganisierte Gruppen) zu. Statt eines lebenslangen Engagements bezogen auf eine bestimmte Aufgabe und in einer Organisation sind kurzfristige Engagementepisoden zu unterschiedlichen Themen angesagt. Auf individueller Ebene entstehen neue Freiräume, die wiederum Möglichkeiten eröffnen, Verschiedenes auszuprobieren und die eigenen Ideen verstärkt umzusetzen. Gleichzeitig gehen Verbindlichkeiten verloren, und das Engagement wird für die Organisationen schwerer planbar. Freiwilligkeit gestaltet Gesellschaft, aber Gesellschaft prägt auch die Freiwilligkeit. Demographischer Wandel, zunehmende Individualisierung, steigende Mobilität, Wertewandel und Veränderungen der zeitlichen Freiräume im Alltag üben prägende Einflüsse aus. Entsprechend der unterschiedlichen sozialen Lage, dem Wohnort oder dem Familienstand sind die Auswirkungen für einzelne Bevölkerungsgruppen, Generationen und Schichten – Jüngere oder Ältere, Erwerbstätige oder Pensionäre, Eltern oder Singles unterschiedlich.

Dipl. soz. Mareike Alscher und Dr. sc. Eckhard Priller sind wissenschaftliche Mitarbeiter am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung und werden im Rahmen ihres Vortrages am ersten Tag unserer Freiwilligenkonferenz am 9./10.Dezember 2011 in Krems auf die Hintergründe dieser Entwicklungen eingehen und erklären, welche Auswirkungen dies für Organisationen in Zukunft haben wird.

Wir freuen uns auf einen spannenden Vortrag!