Haiti: Der Tag als das Beben kam
Diese Schultafel notiert als stiller Zeitzeuge den Tag der Katastrophe: Am 12. Jänner 2010 zerstörte ein Erdbeben Haiti. Die Städte Leogane und Miragoane liegen südwestlich von der Hauptstadt Port-au-Prince und sehr nahe am Epizentrum des Erdbebens. Rund 80 Prozent der beiden Städte wurden durch das Beben zerstört. Das Österreichische Rote Kreuz leistet dort Wiederaufbau anhand eines umfassenden Ansatzes.
Unterkünfte, Wasserversorgung, Sanitäreinrichtungen, Schulen, Kindergärten, Gesundheitszentren, Gemeinschaftsgebäude entstehen im Rahmen dieses Programms. Auch die Lebensgrundlage der Bewohner soll mit Handwerker-Trainings und Kursen gesichert werden.

Als Pilotprojekt wurde mit Bauarbeiten im Dorf L’Acul begonnen, welches ca. 15 Minuten westlich von Leogane liegt und vom Erdbeben zur Gänze zerstört wurde. Dort werden in den nächsten Wochen 1.000 Familien mit temporären Unterkünften ausgestattet. Nach dem laufenden Bau der Modellunterkünfte werden auch Bewohner ausgebildet, damit sie die Unterkünfte selber bauen können. Jene Menschen im Dorf, die wenig Selbsthilfe-Kapazität haben (z.B. alleinstehende Mütter, alte oder behinderte Menschen), werden von den ausgebildeten Teams unterstützt.
Nothilfe läuft weiter
Über drei Monate nach dem Beben steigt der Hilfsbedarf weiter. Entgegen ersten, geringeren Schätzungen leben inzwischen über zwei Millionen Menschen in provisorischen Camps und sind von der Versorgung mit Hilfsgütern und Lebensmitteln abhängig.
Obwohl die Hilfsorganisationen Enormes leisten, braucht das zerstörte Land wohl noch über Monate Nothilfe. Der Einsatz der österreichischen Wasser- und Hygienespezialisten wurde von vier auf sechs Monate verlängert.
Die Wasserexperten des Österreichischen Roten Kreuzes haben in Leogane bisher 345 Latrinen errichtet, sie betreuen 50 Camps mit 53.700 Menschen und haben 147 Hygienetrainings durchgeführt und 189 freiwillige Hygienepromotoren ausgebildet.
Seit dem Beben waren 33 Delegierte des ÖRK im Haiti-Einsatz. 114 Tonnen Hilfsmaterial wurden vom ÖRK nach Haiti geliefert. Der Gesamtwert der ÖRK Nothilfe in Haiti beträgt bisher 2,1 Mio. Euro.
Einige Kennzahlen der Rotkreuz-Hilfe in Haiti:
- 7.411 Tonnen Hilfsmaterial wurden vom Roten Kreuz bereits ins Land gebracht (104 Flüge und 244 Schliffscontainer)
- 400.000 Personen (80.000 Familien) haben vom Roten Kreuz Material für Notunterkünfte erhalten (Zelte, Plastikplanen, Werkzeugsets, Seile)
- 95.000 Patienten wurden bisher medizinisch versorgt, 1.000-2.000 Personen suchen pro Tag die Gesundheitseinrichtungen des Roten Kreuzes auf
- Täglich werden 1,8 Mio. Liter Trinkwasser produziert und an Wasserentnahmestellen in 118 Camps an rund 314.000 Menschen verteilt
- Über 90 Mio. Liter Wasser wurden bisher vom Roten Kreuz aufbereitet
Alles über die Rotkreuz-Hilfe für Haiti




Hoffnungsschimmer im Sudan

Tabanya, Sudan. Bei einem Handpumpen-Training lernen Frauen und Männer aus Tabanya und den umliegenden Dörfern wie sie ihre Brunnen funktionstüchtig halten und damit sauberes Trinkwasser und die Bewässerung ihrer Gemüsefelder sichern.
Tabanya liegt in Südkordofan und trägt schwer an den Folgen der konfliktreichen Vergangenheit im Sudan. Quer durch die Region verlief die Konfliktlinie, an der seit 1986 Regierungstruppen und Rebellen aufeinander trafen. Nach dem Waffenstillstand im Jahr 2002 begann die Zivilbevölkerung wieder in die Gegend zurück zu kehren. Die Ressourcen, um für alle eine Lebensgrundlage zu schaffen, sind spärlich.
Das Österreichische Rote Kreuz betreibt mit Unterstützung der EU quasi Starthilfe für die Region: Integrierte ländliche Entwicklung soll für 15.000 Menschen nachhaltig Ernährungsgrundlagen schaffen.
Wasser ist ein Schlüssel dafür. Brunnen für sauberes Trinkwasser und Bewässerungssysteme müssen nicht nur gebaut werden, sondern auch funktionstüchtig bleiben. Die Verantwortung dafür liegt in den Dorfgemeinschaften. Während des Trainings wurden fünf kaputte Brunnen in den Dörfern Asolo, Tagoli, Tamadingo, Tabanya und Lado wieder instand gesetzt.
Foto: Monique Boeshart
