Nähestes oder schnellstes Einsatzmittel?

Der neueste Fallbericht im CIRS-Rettungsdienst (Fallbericht 18437) zeigt sehr gut, dass es gerade bei der Disposition von Rettungsmitteln Fehlerquellen gibt. Ist das näheste Einsatzmittel auch immer geeignet? Muss immer das schnellste Einsatzmittel disponiert werden? Dazu meint der Experte für Leitstellenarbeit in seinem Fachkommentar folgendes:

„Dementsprechend muss seitens der Leitstelle danach getrachtet werden, immer das schnellst eintreffende Rettungsmittel zu disponieren. Abweichungen sind nur dann zulässig, wenn die nächstgelegene Einheit für einen Einsatz höherer Priorität benötigt oder wenn sie zu einem Einsatz gleicher Priorität entsendet wird, wenn dadurch die Summe der Eintreffzeiten für beide Einsätze reduziert wird … „

Er geht hier davon aus, dass ein geeignetes Rettungsmittel gewählt/alarmiert wird. Dann ist grundsätzlich – zum Wohle von PatientInnen – das schnellste zu disponieren! Nicht geeignete Rettungsmittel können jedoch trotzdem als „First Responder“ , also zur Ersten Hilfe Leistung eingesetzt werden und das näheste geeignete (aber nicht schnellste) Rettungsmittel wird ebenfalls alarmiert.

Den ganzen Fallbericht findet man im CIRS-Rettungsdienst unter CIRS-Rettungsdienst Fallberichte

 

5 Gedanken zu „Nähestes oder schnellstes Einsatzmittel?

  1. Bei diesem Fall war nicht das GPS ausschlaggebend… Unabhängig davon ist es heutzutage jedenfalls als „state of the art“ zu betrachten. Der Disponent wußte ja aufgrund der Standortmeldung des RTW, wo dieser sich befand. Der Disponent hat hier mEn und den beschriebenen Fakten nach einfach falsch entschieden!

    • GPS war natürlich nicht ausschlaggebend, aber könnte zu einer Verbesserung beitragen. Menschliche Fehler durch mangelnde technische Unterstützung werden sich nicht vermeiden lassen und durch CIRS-Ratschläge wie „du musst besser aufpassen“ kaum verbessert werden können.

  2. Abgesehen davon, dass vermutlich nicht einmal der Einreicher des Beitrages weiß was beim Notruf gemeldet wurde, also daher die Entscheidung des Dispo nicht wirklich nachvollziehen können, und letztlich auch der RTW ohne Arzt transportiert hat, mag sehr wohl ein Dispofehler vorliegen. Das ist aber jetzt nur eine Annahme von uns Außenstehenden.

    An sich sollte man ja aus CIRS was lernen können. Wenn der Fachexperte mehr oder weniger nur empfiehlt man muss besser aufpassen und das schnellste Rettungsmittel entsenden, dann hat er nur vorsichtig formuiert, dass er ja keinem auf den Schlips tritt, statt eindeutig technische Aufrüstung zu empfehlen. Eine Leitstelle einer Einsatzorganisation ohne GPS entspricht einfach nicht dem aktuellen technischen Standard. Wird nicht der aktuelle technische Standard jeweils in Landesrettungsgesetzen gefordert?

  3. Man kann zwar aus dem Fallbericht durchaus lesen, dass die betreffende Leitstelle über veraltete Technik verfügt – es wird von der Auftrags- und der nachfolgenden Standortübermittlung mittels Sprechfunk berichtet. Somit gehe ich davon aus, dass weder die Möglichkeit des Datenfunks noch bzw. schon gar nicht jene der Ortung der Fahrzeuge besteht. Ganz nebenbei ist die offenbar bestehende Kultur des Aufträge-in-der-Leitstelle-Abholens zu hinterfragen. Dennoch lese ich aus dem Fallbericht hauptsächlich einen Fehler des Disponenten raus und möchte das nun kurz begründen:
    1. Nach der Standort- und Statusmeldung des zweiten RTW wusste der Disponent trotz fehlender technischer Unterstützung sehrwohl über den nächstgelegenen RTW bescheid.
    2. Es wird beschrieben, dass der Einsatz ein Kind mit Atemnot betraf, welches in der Folge auch mittels Notarztbegleitung überstellt worden ist. Jedoch steht an keiner Stelle, dass auch an den Einsatzort ein Sonderrettungsmittel entsandt worden ist – es ist sogar von einem Transport durch den RTW ins KH die Rede. Auch die Entscheidung hier einen RTW mal „nachschauen“ zu lassen halt ich in diesem Fall für falsch. Man sollte hier auch bedenken, dass die meisten Atem-Kreislaufstillstände im Kindesalter duch Hypoxie bedingt sind! Dieser Umstand wurde im Kommentar des Experten leider gar nicht berücksichtigt.
    Meine Schlussfolgerung ist viel drastischer als jene der Vorkommentatoren: Hier liegt der Fehler nicht in technischen Details, auch nicht in der „Tagesverfassung“ des Disponenten – das Denken wurde dem Disponenten im Grunde ja von der Mannschaft des nähergelegenen RTW abgenommen – Hier liegt meiner Ansicht nach ein schwerwiegender Dispositionsfehler vor.

  4. Der Experte für Leitstellenarbeit schreibt …. für mich nur allgemeine Platitüden. Aus den Feststellungen was zu tun wäre kann man gar nichts lernen.
    Aus meiner Sicht gibt es für solche Fehlentscheidungen gar keine Ausrede. Eine moderne Leitstelle, die nicht mittels GPS-Daten weiß wo ihre Einsatzfahrzeuge stehen, ist ganz einfach veraltet. Taxidienste, Lieferdienste, LKW-Frächter wissen das seit vielen Jahren ganz genau. Einsatzorganisationen verlassen sich teilweise auch im Jahr 2011 noch auf das Gefühl und die Tagesverfassung des Disponenten. Peinlich. Ohne technische Unterstützung wird der Mensch immer wieder Fehler machen. Und da kann man nicht lernen aus „danach getrachtet werden muss …“.

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