Besucher, Abbau und Heimreise, Tag 4 und Tag 5 – Übung “IPA CRO-FLOODS 2012 Field Exercise”

24. und 25. Mai 2012

Nach unserem erfolgreichen Umzug, warteten wir am 4. Tag im “neuen” Einsatzgebiet auf die Delegationen und Besucher. Fast pünktlich wurden sie dann auch mit einem Reisebus in das Übungsgebiet gebracht und besuchten auch die Trinkwasseraufbereitung.

TWA 4

Foto: ÖRK/Markus Glanzer

Was uns so interessant machte wahr wohl der Umstand, dass wir ein multinationales Rotkreuz-Team waren. Etwas, das im Kontext des Zivilschutzmechanismus wohl noch nicht bekannt und alltäglich war. Nach rund 20 Minuten war die Show vorbei und die Besucher wieder verschwunden.

THW Boot

Foto: ÖRK/Markus Glanzer

Ein Zuckerl für uns, bevor wir alles abbauten, war die Vorführung des THW.  Ein THW Boot wurde mit einem Super-Puma Helikopter in den See gehoben. Man sieht nicht jeden Tag fliegende Boote :) ! Nach der Show war zusammenpacken angesagt.  Die Anlage, der Tank und das Zelt war rasch verpackt und auf den LKW verladen. Anschließend ging es zurück in das Base Camp zur offiziellen “Closing Ceremony” und zur Übergabe der Urkunden.

Zum Abschluss gab es am Abend ein nette Grillerei mit kroatischen Spezialitäten und letzte Gelegenheit zum Erfahrungsaustausch mit den anderen Teams. Ein gelungener Abend als Ausklang für eine nette Übung (mit Verbesserungspotential)! Am 5. Tag und nach Abbau des Rotkreuz-Camps ging es dann 4 Stunden über die Autobahn zurück nach Österreich, zurück in den Alltag.

Zum Abschluss möchte ich Euch etwas nicht vorenthalten! Den Emergen(c)y Alert, also die Notfall-Alarmanlage im Camp. Was es ist, kann man selbst erkennen :) :) (Wenn nicht, Stichwort Schubkarre/Scheibtruhe, etwas zweckentfremdet)! Es gab noch eine Metallstange als Alarmgeber dazu. Und es hat funktioniert…

Alarmanlage

Foto: ÖRK/Markus Glanzer

Wasseraufbereitung, Tag 2 und Tag 3 – Übung “IPA CRO-FLOODS 2012 Field Exercise”

22. und 23. Mai 2012

Morgens nach dem Frühstück brachen wir in das Übungsgelände auf. Unser Ziel für den 2. und 3. Tag war das Errichten der Trinkwasseraufbereitungsanlage und die Produktion von Trinkwasser für das fiktive Katastrophengebiet. Verwendet wurden dafür die beiden Trinkwasseraufbereitungsanlagen (TWA 4 und TWA 6) unserer kroatischen Kollegen/innen.

Zeltaufbau

Foto: ÖRK/Markus Glanzer

Für realistische Übungsbedingungen sorgte auch das Wetter, da es bereits in der Nacht geregnet hatte und auch tagsüber keine Besserung in Sicht war. Die Zufahrtswege und das Gelände verwandelte sich zunehmend in Schlamm und Morast. Aus diesem Grund wurden zuerst die Zelte aufgestellt, um die restlichen Materialien vor dem Wetter schützen zu können. Anschließend wurden beide Trinkwasseraufbereitungsanlagen und die Tanks aufgestellt. Am Nachmittag konnte dann bereits mit beiden Anlagen Trinkwasser produziert werden. Die mitgeführten Tanks (1x 1.000l, 1 x 5.000l und 1 x 10.000l) wurden mit sauberem Trinkwasser aufgefüllt.

TWA Aufbau

Foto:ÖRK/Markus Glanzer

Ob das Wasser auch tatsächlich abgeholt werden würde, wussten wir jedoch noch nicht (Es stellte sich am Ende der Übung heraus, dass lediglich ein Schlauchboot mit dem produzierten Wasser gewaschen wurde :) ). Am Abend des 2. Tages ging es dann zurück in das Base Camp und am 3. Tag in der Früh wieder raus ins Übungsgebiet. Während der Nachtstunden wurde die Anlage von einer Security-Firma bewacht.

Tag 3 brachte uns einige an Überraschungen. Bei der morgendlichen Einsatzbesprechung erfuhr unser Teamleader, dass das Water Purification Team für den nächsten Tag (Tag 4) in ein anderes Übungsgebiet umziehen muss. Die Wetterlage hatte sich soweit verschärft, dass die Delegationen und Besucher nicht in  das Übungsgebiet kommen können.

Matsch und Schlamm

Foto: ÖRK/Markus Glanzer

Zu viel Schlamm für die sauberen Schuhe! :) Und wenn der Prophet nicht zum Berg kommen kann, dann muss halt der Berg umziehen…

Gleich am Morgen des 3. Tages wurde die TWA 4 abgebaut und zum Umzug verladen. Das halbe Team zog mit der Anlage um und baute diese am neuen Standort wieder auf. Der Rest des Teams blieb noch am alten Standort und baute dort die TWA 6 ab, reinigte alles und die gesamte Anlage wurde fix und fertig auf dem LKW verpackt. Ein weiterer Einsatz bei dieser Übung wurde nicht mehr in Betracht gezogen. Auch von der Übungsleitung wurde bestätigt, dass eine Anlage zum “Herzeigen” genügt.

Die neue Location lag rund 10 Kilometer entfernt an einem Bagger-See.

Neues TWA Camp

Foto: ÖRK/Markus Glanzer

Die Zufahrtswege waren alle gut ausgebaut und die Plätze mit Schotter fixiert. Also perfekt für Beobachter geeignet :) ! Am späten Nachmittag trafen beide Team-Teile wieder zusammen und es wurde noch der Ablauf des nächsten Tages besprochen.  Am Abend ging es wieder zurück ins Base-Camp und zum “Socializing” mit den anderen Teams.

Ankunft in Rakitje, Zagreb – Übung “IPA CRO-FLOODS 2012 Field Exercise”

Leider war die Internetverbindung in Rakitje nicht die Beste und daher komme ich erst jetzt zum Bloggen.

Montag, 21. Mai 2012

Nach einer 4-stündigen Fahrt auf der Autobahn und nur einmal falsch abbiegen, erreichten wir das “Warehouse” des Kroatischen Roten Kreuzes in Zagreb. Hier trafen wir alle kroatische und slowenische Kollegen/innen für die gemeinsame Weiterreise in das Übungsgebiet. Vom Warehouse fuhren wir im Konvoi in das Übungsgebiet nach Rakitje. Rakitje ist ein Vorort im Süd-Westen von Zagreb. Bei unserem ersten Kontakt mit den Behörden im Übungsgebiet, wurde der “Host Nation Support” – eine Art Rezeption für internationale Hilfsmannschaften -  simuliert.

Unser Camp

Foto: ÖRK/Markus Glanzer

Hier erhielten wir unsere ersten und auch noch sehr ungenauen Informationen. Unsere ersten Aufgaben: 1) Base Camp finden und 2) Assessment im Übungsgebiet durchführen. Nach erfolgreicher Suche nach dem Base Camp, konnten unsere Unterkünfte für die nächsten Tage rasch errichtet werden. Unser “Rotkreuz-Camp” im Camp bestand aus 4 Zelten (3 Schlafzelte und 1 Zelt für soziale Aktivitäten), mitten im eigentlichen Camp des ETS-Modules (Emergency Temporary Shelter) von THW (Technisches Hilfswerk Deutschland)  und MSB (Swedish Civil Contingencies Agency).

Ein Teil des Teams war für die Einrichtung unseres Camps verantwortlich und der andere Teil führte das Assessment durch. Mit dabei im Assessment-Team waren Ico unser Teamleader, Mike unser Deputy Teamleader, Ana unser Liaison Officer für LEMA (Local Emergency Management Authority) und ich als Liaison Officer für das OSOCC (On-Site Operations Coordination Centre). Ausgerüstet mit Kartenmaterial, GPS und Kamera fuhren wir in das fiktive Katastrophengebiet.

Assessment

Foto:ÖRK/Markus Glanzer

Der On-Site Commander gab uns ein erstes Briefing für das Water Purification Team. Aufgrund des anhaltenden Regens trat der an Rakitje vorbeifließ?ende Fluss über die Ufer und hat die gesamte Gegend überschwemmt. Mehr als 1000 Häuser standen vollständig unter Wasser und rund 40.000 Einwohner/innen wurden evakuiert.

Nach Beendigung des Assessment und Rückkehr in das Camp, wurden die restlichen Kollegen/innen über die Situation informiert. Ico gab uns noch kurz die Instruktionen für den Folgetag und dann ging unser erster Übungstag mit der offiziellen Eröffnungszeremonie zu Ende.

 

Wenn Kroatien in den Fluten versinkt! – Übung “IPA CRO-FLOODS 2012 Field Exercise”

Schwere Regenfälle im Norden und Nord-Westen des Landes, Überflutungen rund um Zagreb, rund 1000 Industrie- und Wohngebäude stehen unter Wasser, es gibt tote und vermisste Personen und Kroatien wendet sich mit einem Hilfeersuchen an die Europäische Union.

So lautet die Übungsannahme für eine internationale Übung im Bereich von Zagreb, die vom 21. – 25. Mai 2012 über die Bühne geht. Das Österreichische Rote Kreuz nimmt als Teil eines multinationalen EU-Moduls, gemeinsam mit dem Kroatischem und Slowenischen Roten Kreuz, an dieser Übung teil. Die Aufgabe dieses “Water Purification Module” besteht in der Wasseraufbereitung im fiktiven Katastrophengebiet. Mein Beitrag im Team ist die Position des “Liaison Officer”, sozusagen das Verbindungsglied zu anderen Modulen, anderen Organisationen und den lokalen Behörden. Am Montag, den 21. Mai frühmorgens, geht es los. Nach einem ersten Briefing im Generalsekretariat des ÖRK brechen wir Richtung Kroatien auf, wo wir mit dem restlichen Team und unserem Team Leader  zusammentreffen.

Je nach vorhandener Internetverbindung im “Katastrophengebiet” werde ich ein paar Bilder und Beiträge zur Übung hier im Einsatz-Blog posten. Jetzt muss ich mich aber noch vorbereiten, meine Sachen zusammenpacken und meinen Regenschutz suchen, denn für nächste Woche ist tatsächlich Regen in der Region angesagt. Es warten also realistische Übungsbedingungen auf uns! ;)

 

 

Erste Eindruecke aus Senbetge

Lisa Taschler ist im Rahmen des EVHAC Projekts der Europaeischen Kommission freiwillig 6 Monate fuer das Oesterreichische Rote Kreuz in Aethiopien taetig.

Liebe LeserInnen,

Nun ist es schon fast ein Monat her seit meine Kollegin Marianne und ich uns am Flughafen Wien getroffen haben um gemeinsam nach Aethiopien zu fliegen. Nach einem kurzen Zwischenstopp in Addis Ababa, fuer diverse Meetings mit Kollegen des OERK und der Ethiopian Red Cross Society (ERCS), haben wir unsere Ziel, die historische Stadt Gondar im Norden Aethiopiens, erreicht. Der Grund unserer Reise ist ein von ADA finanziertes, bilaterales Projekt im Bereich DRR (Disaster Risk Reduction) und WatSan (Water and sanitation) in Senbetge, einem Gebiet ca. 60km enfernt von Gondar. Waehrend Marianne nur fuer eine kurze Mission (25 Tage) hier ist, um die lokale Rotkreuzgesellschaft mit technischem Input zu unterstuetzen, werde ich insgesamt 6 Monate im Land bleiben und mich der Advocacy (Anwaltschafts-) Komponente des Projekts widmen. Ziel ist es durch dieses Projekt auf nationaler und internationaler Ebene Bewusstsein fuer die Wichtigkeit von DRR Projekten zu schaffen und besonders in Regionen, die stark unter den Konsequenzen des Klimawandels leiden, die Kapazitaeten der lokalen Bevoelkerung zu unterstuetzen.

Die beeindruckende Landschaft von Senbetge (Bild: Lisa Taschler)

Soweit zur kurzen Vorstellung des Projekts. Um euch unseren Projektalltag ein bisschen naeher zu bringen folgt eine kurze Beschreibung eines unserer ‚field trips‘ (denn, da sind Marianne und ich uns einig, das ist ja viel interessanter als die Tage im Buero):

Nach ausgiebigem Injera-Fruehstueck soll die Reise ins Projektgebiet losgehen. Fuer heute ist geplant gemeinsam mit Dorfbewohnern geeignete Stellen fuer weitere Handbrunnen festzulegen. Ausserdem wollen wir die Fortschritte bei den Terassierungen begutachten und uns Stellen fuer Schutzmassnahmen gegen Ueberflutungen anschauen. Das Programm ist gedraengt und die Verspaetung des Fahrers kommt ungelegen, aber das ist Aethiopien, Zeiten werden nicht so genau genommen, „chigrillim, no problem“.

Wer denkt, dass 60km gar nicht so weit sind war noch nie auf diesen ‚Strassen‘ unterwegs. Nach fast 3 Stunden Geholper ueber Stock und Stein sind wir im Projektgebiet angekommen und sehen uns als erstes eine Quelle an, die von Ueberflutungen bedroht ist. Um sicheres Trinkwasser gewaehrleisten zu koennen muss diese Wasserquelle geschuetzt werden und gemeinsam mit den lokalen Bauern werden verschiedene Schutzmassnahmen diskutiert. Dann geht es weiter zu den Terassierungen und auch hier wird ueber die weitere Vorgehensweise und ein paar Verbesserungsvorschlaege beratschlagt.

Wasserstelle

Die momentane Wasserstelle ist alles andere als eine saubere Trinkwasserquelle (Bild: Lisa Taschler)

Schlussendlich kommen wir an einer moeglichen Brunnenstelle im Osten des Projektgebiets an. Neben den Aeltesten, die mit uns ueber die Paltzierung des Brunnens entscheiden sollen, hat sich auch schnell eine grosse Kinderschar eingefunden, die uns neugierig beobachtet. Nach einer kurzen Begutachtung der momentanen Wasserstelle diskutieren wir mit den Dorfbewohnern, welcher Platz am besten fuer einen Brunnen geeignet waere, nicht nur aus technischer sondern auch aus  menschlicher Perspektive, denn der Brunnen soll insgesamt fast 500 Menschen mit Wasser versorgen. Dabei muessen viele Faktoren in Betracht gezogen werden, wie Entfernung zu den Doerfern, Landrechte etc.

Den Diskussionen ueber die Platzierung der neuen Brunnen wohnen Jung und Alt gleichsam bei (Foto: Marianne Pecnik)

Nach langen Gespraechen ist eine Stelle gefunden, die in allen Aspekten guenstig ist. Mittlerweile ist es Nachmittag geworden und die Dorfbewohner  sind begeistert von der Aussicht bald eine sichere Trinkwasserquelle zu haben. Zur Feier des Tages und im Geiste der aeusserst grosszuegigen aethiopischen Gastfreundschaft laden sie uns zum Essen ein. Das gemeinsame Injera-Essen bietet uns auch die Gelegenheit tieferen Einblick in die Situation der lokalen Bevoelkerung zu bekommen. So erzaehlt unser Gastgeber, dass die Dorfgemeinschaft schwer unter dem Ernterueckgang der letzten Jahre leidet: „Frueher, als ich jung war, konnten wir drei Ernten pro Jahr einholen, heute ist es nur mehr eine. Die Regenfaelle werden weniger und kommen unregelmaessig, ausserdem zerstoert Hagel unsere Pflanzungen.“ Die Konsequenzen des globalen Klimawandels machen der lokalen Bevoelkerung, die zu 99% aus Bauern besteht, schwer zu schaffen und auch die starke Abholzung in der Region zeigt ihre Auswirkungen. Doch trotz widriger Umstaende ist die allgemeine Lebensfreude gross und die Aussicht durch Brunnen und andere Massnahmen die Situation verbessern zu koennen begeistert die Dorfbewohner.

Gesaettigt von Injera und lokalem Fladenbrot und berauscht von all den Eindruecken kehren wir zu unserem Landcruiser zurueck, wo eine kleine Ueberraschung auf uns wartet, denn im Kofferraum sitzt… ein Hahn! Unser Fahrer hat sich naemlich in der Zwischenzeit um das Abendessen fuer seine Familie gekuemmert und so treten wir die Heimreise zu viert an, wobei Marianne und ich abwechselnd das Federvieh (von uns liebevoll Hansi getauft) halten, damit es auf dem holprigen Weg nicht durchs Auto geschleudert wird.

Hansi und ich am Weg zurueck nach Gondar (Bild: Lisa Taschler)

Im Osten nichts Neues

 

Was gibt´s Neues aus Pakistan:

Für Blödsinn ist immer Zeit! Oder: Die Pause ist dringend notwendig...

Nach einer kurzen – aber wohltuenden und dringend notwendigen – „Zwangspause“ in Karachi sind wir alle wieder in Benazirabad, auch bekannt als Navabsha, eingetroffen, um fleißig weiter zu arbeiten.

Letzte Woche beziehungsweise bis in diese Woche hinein waren die ersten zehn Tage des Muharram, des ersten Monats im islamischen Kalender (http://de.wikipedia.org/wiki/Muharram). Aus diesem Grund mussten wir für zwei Tage nach Karachi. Inklusive Reisezeit waren das vier Tage.
Jetzt sind wir wieder happy hier zu sein. Wer WatSan-Mitglieder kennt, weiß, dass diese im Einsatz nicht gerne Pause machen.

Obwohl die Muharram-Zeit die Wasserverteilung mächtig eingeschränkt hat, sind wir doch sehr stolz, dass wir gestern die 10millionen-Liter-Marke an verteiltem Wasser überschritten haben. Sehr stolz sogar. Übrigens haben wir unsere Water Site 1, die Anlage Benazirabad, aufgetuned und einen zweiten Flocculation Tank installiert. Der wurde mittlerweile dringend notwendig, da die Flocculation inzwischen vier Stunden braucht und unser T95 oben schon aus allen Löchern pfeift … oder eigentlich rinnt.            

Selbstgemachte Handpuppen

HP Handpuppen

Das war´s jetzt schon wieder fast mit den Neuigkeiten. Ansonsten arbeiten alle wie gewohnt flott dahin. Die Hygiene Promotion ist sehr fleißig im Gange. Heute gab´s dazu die erste Handpuppenaufführung an einer Schule. Es läuft also alles genau so, wie man es aus der Ausbildung kennt *g*.
 
Robert – und das ist jetzt doch was Neues – hatte jetzt mal Zeit mit unseren Lokals Pumpen zu reparieren.

Sehr viel Energie stecken wir dieser Tage übrigens in die Hand-Over Vorbereitungen und in die sogenannten Exit Assessments. Da wir nämlich etappenweise abgelöst werden, müssen wir´s unseren Nachfolgern so einfach wie möglich machen. Und es dauert nicht mehr lange, dann fahren wir Heim!

 

Liebe Grüße vom Team!

Rainer

P.S.: Die folgenden drei Bilder zeigen unser Tank-Upgrade Pakistan2011. Eine schwimmende Ansaugvorrichtung, um die Flocken nicht mit zu saugen, wenn Wasser schon schneller benötigt wird. Das Rohr ist notwendig, um das Aufwirbeln von Flocken durch den vibrierenden Schlauch zu verhindern. Es lebe der Wissensaustausch innerhalb der WatSan-Föderation!

 

        

 
 

Bombenanschläge, Bankprobleme, andere Unterbrechungen

Es gibt hier wohl keinen Tag an dem man nicht von unzähligen Impressionen geradezu überfallen wird. Genauso wie es wohl auch keinen Tag gibt, der einmal nicht mannigfaltig herausfordert.

Und eines gibt es hier auch in einer beharrlichen Regelmäßigkeit: Arbeitsunterbrechungen. Die wahrscheinlich größte Herausforderung.

Sonntag war wohl wieder ein Tag der besonderen Herausforderungen und Eindrücke. Der Tag begann mit einem SMS vom Radio Room Karachi: In der Nacht hat es einen Bombenanschlag auf die Eisenbahn unweit unserer sogenannten Site 1 gegeben. Der Bahnhof ist ungefähr 500 bis 1000 Meter von unserer Anlage entfernt. Einer unserer Mitarbeiter hatte die Explosion in der Nacht gehört. Ob es Verletzte oder Tote gab, kann ich nicht sagen.

So oder so, gab es jedenfalls gleich einen Arbeitsstopp; noch bevor der Arbeitstag richtig begonnen hatte. Was es noch gab, war die Weisung: „Avoid this Area!“. Ein Satz den sich Tomas und ich gut gemerkt hatten. Unser Fahrer aber offensichtlich leider nicht. Woraufhin wir 40 Minuten lang direkt am Bahnhof im pakistanischen – ich betone pakistanischen – Stau steckten, um über die Sicherheitslage zu diskutieren. Und um dann dem wohl längsten, beeindruckendsten und …beängstigendsten Polizeikonvoi den wir beide je gesehen hatten, und hoffentlich auch jemals wieder sehen werden, zu begegnen. Beide hatten wir uns für eineinhalb Sekunden überlegt ein Foto zu machen. Unser Verstand und all die vorhergehenden Sicherheitsbriefings haben uns dann aber doch noch rechtzeitig gebremst. Somit musst du dich dazu mit meinen Erzählungen begnügen, die auch hier enden. Wir sind ja schließlich die Föderation und halten uns daher naturgemäß mit Infos zurück…

Generell war die Sicherheitslage an diesem Tag eher angespannt. Denn abgesehen von dem Anschlag gab es auch noch einen Zwischenfall im Pakistanischen Grenzgebiet, von dem du bestimmt in den Nachrichten gehört hast.

Da am Wochenende außerdem auch der Muharram begann, musste die Arbeit am Sonntag schließlich sicherheitshalber auch noch früher eingestellt werden.

Eine Entscheidung die Wasseraufbereitern immer schwer fällt, die aber auf jeden Fall richtig war und durch unsere nicht-westlichen Mitarbeiter aufs stärkste unterstützt wurde. Da die eigentliche Wasseraufbereitung ohnehin großteils von unseren Roten Halbmond Kollegen betrieben wird, wurde die an diesem Tag bereits eingeschränkte Produktion zumindest aufrecht erhalten.

Heute, Mittwoch, sind wir alle wieder deutlich relaxter und folgen Katrins Beispiel, die grundsätzlich nicht leicht aus der Ruhe zu bringen ist.

 

 Mit ganz anderen Arten von Arbeitsunterbrechungen, oder zumindest deren Bevorstehen, hatte Robert diese Tage zu kämpfen. Der hier ganz eindeutig immer noch keinen Traumjob hat! Wie schon im letzten Blog erwähnt gibt´s nämlich Trouble mit der Tankstelle. Das heißt eigentlich nicht mit dieser, sondern mit den Uhren der hiesigen Banken, die offensichtlich ganz anders ticken als wir das so gewohnt sind. Trotz einigem Hin und Her wurde uns tatsächlich – und im wahrsten Sinne des Wortes – der Diesel-Hahn abgedreht.

Wer weiß, wie viel Diesel eine Aufbereitungsanlage mit ihren Pumpen und deren LKWs für die Wasserverteilung benötigt, kann erahnen wie …unentspannt eine derartige Situation einen Teamleader machen kann.

So oder so, die Lage scheint mittlerweile geklärt zu sein. Ich werde Robert fragen, wenn er den Berg Rechnungen hinter dem er gerade versteckt ist erledigt hat. Den Stillstand der Wasser Produktion konnte er jedenfalls abwenden. Geld ist ja grundsätzlich da – an dieser Stelle sei übrigens Nachbar in Not und dem Schwedischen Rotem Kreuz gedankt, die diese großflächige und dringend notwendige Hilfsaktion überhaupt erst ermöglichen(!!!!) – nur sagen einem die Banken hier offensichtlich nicht Bescheid, wenn sie einen Transfer nicht durchführen können.

 

 Was gibt´s sonst Neues?

  • Mit heute, 30. November, haben wir unseren 8millionsten Liter Wasser verteilt – jetzt sind wir richtig stolz *ggg* !
  • In unserer kleinen „Hauptstadt“ hat sich die Verteilung verkehrs- bzw. sicherheitsbedingt leider deutlich erschwert.

Distributionbesprechung

  • Unsere ersten Hygiene Promoter und Hygiene Promoterinnen haben Gunnel´s Schule der Hygiene Promoter und Hygiene Promoterinnen verlassen und promoten jetzt fleißig Hygiene. (Ich liebe diesen Satz *g* )

Gunnel´s Schule der Hygiene Promoter und Hygiene Promotorinnen (1. Klasse)

  • Somit bereiten wir langsam den Exit vor, damit unser nächstes Team weniger Arbeit hat und nicht gelyncht wird, wenn es in einem Monat kommt die Tanks abzumontieren. (…das ist jetzt nur bedingt zynisch zu verstehen. Eine ordentliche Exit-Strategie muss von Anfang an da sein!)
  • Tomas schult fleißig Rohrverbindungen und Tankreparaturen und lässt sich dabei auch gerne die lokale 3-Kleber-und-Sand-Methodezeigen – echt interessante Methode.

    Fittings- und Dichtungstraining

  • Katrin, immer noch unser Teamsonnenschein J, hat mittlerweile ein paar Falten mehr. Das liegt aber nicht an der Arbeit oder an der Sonne; nein: Sie ist wieder Mal ein Jahr älter geworden J! Aus diesem Grunde gab´s auch eine sehr nette und halb überraschende Überraschungsparty. Wie alt sie geworden ist, verrate ich hier aber nicht – bin ja ein Gentleman!

Katrins-Birthday-Preparation

Katrin´s Morgenüberraschung

Kuchen-Distribution

PartygästeGeburtstagskind

  • Von Robert gibt´s nichts Neues. Der rechnet immer noch, und organisiert, und organisiert, und organisiert …ich sag ja: Kein Traumjob!

Strapazierter Teamleader beruhigt strapazierten Tankstellenbesitzer

  • Mich freut besonders, dass die Wasserverteilung im Süden deutlich verbessert werden konnte. Die Assessments sind praktisch fertig. Trotzdem sind wir noch dran mehr Wasser an den/die/das Mann/Frau/Kind zu kriegen. Also immer noch Arbeit dort.

    Wasserhahn Modell 2011

 

 

Das wär´s so weit von uns. Im Namen des Teams schöne Grüße aus Pakistan!

Rainer

PS: Hier hat man großes in der Hose:
(Ist übrigens Schuhgröße 47!)

 

 

Hilfe in Pakistan: Österreichisches Wasserexpertenteam im Einsatz

ERU WatSan (Emergency Response Unit Water and Sanitation)

Unser Team besteht aus Lidwina Dox (LV NÖ), Florian Haas (LV Wien), und dem Verfasser dieser Zeilen Wilfried Hildenbrand.

Das Team der Österreichisch-Pakistanischen Wasserexperten-Runde

 

Fleißige Blog Leser erinnern sich vieleicht Lidwina und ich waren im letzten Jahr schon in Pakistan um bei der letzten Flut zu helfen. Sogar die Provinz (Sind) ist die gleiche allerdings gibt es entscheidende Unterschiede.

Wir sind weiter Nördlich im Distrikt Navabshah (ca. 1,6 Mio. Einwohner) und der gleichnamigen Stadt (ca. 400 000 Einwohner) die seit kurzem Benazirabath heißt.

Überschwemmungen in Zentralpakistan: Österreichische Rotkreuz-Hilfe wurde angefordert

 

Das Wasser ist diesmal nicht über die Flüsse gekommen, sondern direkt durch starke Regenfälle verursacht worden.

Der Vorteil ist, dass es keine starke Strömung gibt die an den Häusern zusätzlichen Schaden verursachen, dafür sind zusätzlich Gebiete betroffen die normal nicht betroffen sind, da die Flüsse zu weit entfernt sind. In diesen Gebieten gibt es aber auch kein Bachbett in dem das Wasser wieder abfließen kann.

Auch unser Anlagentyp hat sich für diesen Einsatz stark verändert und nennt sich M40.

Das M steht für Masswater und das 40 steht für 40 000 Personen, die mit den bis zu 600 000 Litern produziertem Wasser versorgt werden können.

Wassertank der Rotkreuz-Trinkwasseraufbereitungsanlage

Unsere Versorgung konzentriert sich einerseits auf Gebiete in der Stadt Navabshah (Benazirabath) deren Wasserleitung durch das Hochwasser zerstört ist, und andererseits auf das Umland der ca. 80 000 Einwohner zählenden Stadt Sakran das noch immer stark Überflutet ist.

Im Nachbarbezirk Shangra haben wir noch 2 Sandfilteranlagen die pro Std. je 4 000 Liter Trinkwasser produzieren.

Wir arbeiten im Moment mit 10 Leuten vom Pakistanischen Rotem Halbmond am errichten der M40 und der notwendigen Tanks für die Verteilung des Wassers. Viele unserer Pakistanischen Kollegen haben in den letzten Jahren mehrfach an den Anlagen gearbeitet und so schreitet der Aufbau zügig voran.

xH20 Basisausbildung in Wien

Um den Zivilschutz in der EU zu erweitern und Personal für die Trinkwasseraufbereitung auszubilden, startete letztes Jahr das EU-geförderte Projekt xH20 mit der Basisausbildung. Diese Ausbildung ist mit der nationalen Trinkwasseraufbereitungsausbildung zu vergleichen und Absolventen können damit sowohl im Rahmen des Roten Kreuzen tätig werden wie auch im Rahmen des Zivilschutz der EU. Das ist ein grenzüberschreitendes Projekt, das x steht für crossborder, und TeilnehmerInnen aus Österreich, aus Kroatien und aus Slowenien nahmen daran teil. Die sechs österreichischen TeilnehmerInnen kamen aus den LV Wien, aus NÖ und aus OÖ und ich war eine davon.

xH20 Basisausbildung in Wien

xH20 Basisausbildung in Wien

Die vierte und vorerst letzte xH2O-Basisausbildung war in Wien in der Wat-San-Lagerhalle in Inzersdorf. Wir hatte Gelegenheit die Funktionsweise der Scanwateranlage, einer im Katastropheneinsatz weitverbreiteten Trinkwasseraufbereitungsanlage, sowohl theoretisch als auch praktisch zu erlernen und auch die Tücken dieser Anlage kennenzulernen. Es war an diesen Tagen sehr windig in Wien und während wir gerade theoretischen Unterricht im Gebäude hatten, fegten heftige Windböen über das Übungsgelände. Alles was nicht niet und nagelfest war, wurde durch die Luft befördert und obwohl die gesammelte xH20-Mannschaft sofort aufsprang um zu retten was zu retten war, wurden doch so einiges beschädigt. Einige Tankstangen waren verbogen und ein Filter der Scanwateranlage war kaputt. Dies lehrte mich, wie wichtig es ist, die technischen Geräte jederzeit gut abzusichern. Zum Abschluss der Ausbildung gab es eine theoretische Prüfung, für die ich im Vorfeld brav gelernt hatte. Da nicht nur ich sondern alle anderen TeilnehmerInnen sich gut vorbereitet hatten und motiviert die Ausbildung absolvierten, konnten alle die Prüfung positiv abschießen. Und am letzten Abend feierten wir, wie schon Abende zuvor, festigten die entstanden Freundschaften und hatte enorm viel Spaß beim Singen, Musizieren und Grillen.

Jetzt freue ich mich schon auf die internationale xH20-Ausbildung in Laubegg, wo ich sicherlich die Eine oder den Anderen aus der Basisausbildung wiedersehen werde.

Project co-funded by the European Commission, DG Environment, Civil Protection Unit  Grant Agreement No. 070401/2009/540452/SUB/A4

Project co-funded by the European Commission, DG Environment, Civil Protection Unit Grant Agreement No. 070401/2009/540452/SUB/A4

xH20 Basisausbildung in Steyr

Um den Zivilschutz in der EU zu erweitern und Personal für die Trinkwasseraufbereitung auszubilden, startete letztes Jahr das EU-geförderte Projekt xH20 mit der Basisausbildung. Diese Ausbildung ist mit der nationalen Trinkwasseraufbereitungsausbildung zu vergleichen und Absolventen können damit sowohl im Rahmen des Roten Kreuzen tätig werden wie auch im Rahmen des Zivilschutz der EU. Das ist ein grenzüberschreitendes Projekt, das x steht für crossborder, und TeilnehmerInnen aus Österreich, aus Kroatien und aus Slowenien nahmen daran teil. Die sechs österreichischen TeilnehmerInnen kamen aus den LV Wien, aus NÖ und aus OÖ und ich war eine davon.

XH2O Training

XH2O Training

Das dritte Ausbildungswochenende fand in Steyr statt und schon vorab bekam ich Informationen zu einem geplanten Überschwemmungs-Katastrophen-Szenario. Die Übungsannahme war, dass wir einen internationalen Einsatz in einem fiktiven Land leisten. Wir sollten also den Bewohnern im Überschwemmungsgebiet beistehen.

Beim Ankommen in Steyr durchliefen wir eine „Passkontrolle“ und eine strenge Akkreditierung. Die Ausbildner und Ausbildnerinnen machten dies so real, dass ich einen Einblick in den internationalen Einsatz bekam und mich gut in das Planspiel einfühlen konnte. Unter anderem bekamen wir an diesem Wochenende, unterteilt in Kleingruppen, die Aufgabenstellung, ein Hygienekonzept für die Flüchtlinge der Überschwemmung auszuarbeiten und kreativ umzusetzen. Jede Kleingruppe musste für unterschiedliche Problemstellungen Lösungen finden und meine Gruppe sollte sich über die ausgesiedelten Bewohner eines Altersheimes Gedanken machen, wie der Latrinenbesuch für Menschen mit z.B. Gehbehinderung möglich ist, wer für die Hygiene zuständig ist und wie dies publik gemacht werden soll? Die unterschiedlichen Lösungsansätze wurden dann vor allen präsentiert und es gab viele innovative Ideen: ein Lied über Seifen, Handpuppen, gemalte Tafeln, bedruckte T-Shirts u.v.m. Ebenfalls bekamen wir an diesem Wochenende tiefere Einblicke in die Funktionsweisen von Pumpen, deren Handhabung und Wartung und lernten viel über Wasseranalyse und Wassertest.

 

Project co-funded by the European Commission, DG Environment, Civil Protection Unit  Grant Agreement No. 070401/2009/540452/SUB/A4

Project co-funded by the European Commission, DG Environment, Civil Protection Unit Grant Agreement No. 070401/2009/540452/SUB/A4