Wunder der Welt…

So, es ist mal wieder blog-zeit. Viel Sand ist in der Sahara umhergeweht worden seit meinem letzten Blog Eintrag. Viel ist passiert, manch gutes, manch schlechtes.

Aber heute widme ich den Blog-Eintrag mal ein paar „Wundern“ der tunesischen Welt. Natur“wunder“ und moderne „Wunder“. Unter Natur“wunder“ fällt für mich der Sandsturm. Man steht am Morgen auf, sieht aus dem Fenster und denkt sich: oh, etwas windig heute. Man fährt ins Feld und denkt sich: hm, etwas sehr winding heute. Und wenn man dann im camp ist denkt man sich: bloss nicht reden, man will den Mund ja nicht „zu voll nehmen“. *g*

Wenn der Wind nicht zu stark ist fühlt es sich ja noch wie peeling an auf der Haut. aber bei ein paar km/h mehr, fühlt man sich dann schon *gesandstrahlt* und es tut auch wirklich weh. Abgesehen davon das man den Sand am Abend wirklich überall findet und die halbe Wüste mit sich rumschleppt.   🙂

Zu den modernen „Wundern“ zählt für mich eindeutig dieser Mazda (ja, es ist wirklich einer). Mit Reifen die den Formel-1-slicks in nichts nachstehen und sehr praktischen Handbremsen. Man beacht auch bitte die super Antenne. Der TüV hätte seine Freude an diesem Auto. *g* Und das Erstaunlichste: es war abgesperrt!

Und dann hab ich noch ein schönes Bild für euch, aus dem UNHCR camp in Remada. Gehört irgendwie auch unter die Rubrik „Wunder“.

Das wars dann mal wieder. Mehr Impressionen gibts das nächste mal wieder.

Ich geniess jetzt meinen freien Tag.

Wüstenleben

hallo an alle,

mein letzter Blogeintrag ist jetzt schon ein Weilchen her, ich hab endlich fertig gefrühstückt :-), und es sind noch viel mehr Sachen passiert. Ich hab schon jetzt viel gelernt und neue Erfahrungen gesammelt. Wie schon erwähnt, kann sich die Situation schnell ändern. Da stellt man sich auf eine hohe Anzahl an Flüchtlingen im Camp ein, nächsten Tag ist mehr als die Hälfte weg und man kann seine ganzen Pläne über den Haufen werfen. Aber naja, deswegen heisst es ja „Transit-Camp“. Die Leute bleiben hier nicht lange.

Die Menschen mit denen ich arbeite sind echt nett. Meine Hygiene Promotors geben sich wirklich Mühe und es kommt auch wirklich was an bei den Leuten. Auch die Arbeit mit den Arbeitern die die Latrinen und Duschen bauen ist gut.

Gestern war ich einige Zeit lang im Kinderzelt und habe zugeschaut wie mein Hygiene Promotor den Kindern richtige Hygiene beibringt. Wir haben auch einen neuen Hygiene Promotor Supervisor:

Aus irgendeinem Grund bekomme ich immer wieder Tiere in Flaschen und Plastikbehältern. Vor ein paar Tagen hat mir einer der Arbeiter eine Hornviper in einer Plastikflasche gegeben (die ich in sicherer Entfernung zum Camp frei gelassen hab), ich hab schon einige Skorpione gesehen und gestern haben sie mir ein Chamäleon gegeben. Das ich aber wieder zurück gegeben hab.

Wir sind jetzt gerade dabei neue Poster bzw. Schilder zu machen, für die neuen Duschen und Latrinen. Es ist nichts aufregendes, es soll nur seinen Zweck erfüllen. Wie immer wird alles in drei Sprachen geschrieben: englisch, französisch und arabisch.

So vergehen also die Tage mit Wasserstand in den Tanks kontrollieren, verbrauchte Wassermenge notieren, Latrinen und Duschen bauen, Hygiene Promotor motivieren und kontrollieren,…..und ehe man es sich versieht ist eine Woche vorbei. So schnell kanns gehn.

Ich werde jetzt meinen freien Tag geniessen.

Salem aleikum

Salem aleikum, bonjour, hi

Da sitz ich nun also in der Lobby vom Hotel in Zarzis und schreibe meinen ersten Blogeintrag über meine erste mission mit der Föderation in Tunesien. Falls ich überhaupt Erwartungen hatte wie es aussehen wird (der Einsatz, nicht das Hotel), dann sind die sowieso über den Haufen geworfen. An der mission ist alles strange. Angefangen bei der Unterkunft (Hotel ist ja dann doch nicht vergleichbar mit einem Leben im Camp), über das Fahrverhalten der Leute hier (das ich ja schon bei der Fahrt von Djerba nach Zarzis geniessen durfte), bis hin zum Basecamp mit den vielen Freiwilligen für den Tunesischen Roten Halbmond und natürlich dem Transit-camp, meinen Einsatzort.

An eine Situation gewöhnen kann mich sowieso nicht. Schon gar nicht in dem Einsatz. Wie ihr bald erfahren werdet kann sich über Nacht alles ändern.

Ich bin also am vergangenen Dienstag in Djerba (Flug über Tunis) angekommen (nachdem ich den komplett verrauchten Flughafen von Tunis geniessen durfte und auch eine halbe Stunden um mein Gepäck bangen musste das das Gepäckband anscheinend verschluckt hatte), wurde abgeholt und nach Zarzis (1.5 Stunden autofahrt) gebracht. Die Fahrer hier machen viel Gebrauch von der Lichthupe…..beim Überholen, in Kurven, oder einfach nur wenn jemand entgegen kommt. Am Tag ist es dann entweder die Lichthupe oder die Hupe. Den Grund dafür hab ich noch nicht so richtig erfasst, aber ich hoffe am Ende meiner mission wird sich mir auch dieses Geheimnis offenbart haben. *g*

Ankunft im Hotel Oasis Marine. Da ich unter anderem auf eine Unterkunft im Camp vorbereitet war, war das natürlich eine angenehme Überraschung, die aber auch negative Seiten hat.

Erstes Abendessen mit den anderen, die ich dann nach und nach kennenlernte und die, wie sich herausstellte, allesamt echt nett sind. Der Einstieg wurde mir wirklich leicht gemacht und inzwischen laufen auch schon ein paar interne jokes (von wegen Sägen aus Solingen oder made in Kongo *g*).

Der erste Einsatztag war voll von neuen Eindrücken. Da habe ich zum ersten mal das Transit Camp gesehen. Man muss sich das so vorstellen: da ist eine ewig lange Straße Richtung Libyen, und entlang dieser Straße sind 4 Camps. Um zu unserem Camp zu kommen fahren wir am Sousha-Camp vorbei (das ist das größte Camp), dann kommt unser Basecamp, dann unser Transit-Camp und dann das Camp der Emiraten (Roter Halbmond).

Basecamp

Wie ihr seht ist es ziemlich sandig hier. Aber wenns nicht zu windig ist, gehts. Der Sand ist zwar trotzdem überall drin, aber es tut wenigstens nicht weh. *g*

So, das waren mal die ersten Eindrücke. Es ist zwar noch viel mehr passiert seit meiner Ankunft, aber ich werd jetzt mal gepflegt frühstücken gehn.

Zu Ostern im Einsatz: Misrata, Kairo, Tunis.

Günter Kittel, Niederösterreichischer Arzt ist für das Internationale Komitee vom Roten Kreuz im Konfliktgebiet in Nordafrika, um medizinische Hilfe zu leisten und die weitere Hilfe zu planen.

Gestern spät in der Nacht habe ich die libysch-ägyptische Grenze überquert und bin die fast 1.000 km nach Kairo gefahren. Heute nacht geht es wieder von hier nach Tunis.

Schlangen von Flüchtlingen warten im Hafen von Misrata (Libyen) auf die Evakuierung.

Mittwoch nacht sind wir wieder von Malta mit der ‚Maria Dolores‘ nach Misrata gefahren. Dieses Mal hatten wir die Möglichkeit, auch in die Stadt zu kommen und das Spital zu besichtigen.  Es herrscht eine eigenartige Atmosphäre. Die meisten Läden sind zu, auch die Schulen sind geschlossen. Nur Lebensmittelgeschäfte sind offen und die scheinen nach wie vor gut bestückt zu sein. Auch sahen wir jede Menge Schafe in den Fleischerläden die zum Verkauf angeboten wurden. An Gemüse und Obst herrscht Mangel, aber auch das wurde an einer Straßenecke verkauft. Das Verkehrsaufkommen ist trotz allem gewaltig, vor den Tankstellen stehen die Autos Schlange, keine Ahnung, wohin die Menschen fahren, die Stadt ist umzingelt, in der Tripoli Street wird nach wie vor gekämpft, am Vortag (Dienstag) kamen zwei Journalisten ums Leben.

Das Krankenhaus in Misrata

Im Krankenhaus von Misrata

Überall junge Burschen, 20 bis 25 Jahre alt, mit sichtlicher Begeisterung die Maschinenpistole umgehängt. Man sieht auch viele provisorische Straßensperren, aus umgeworfenen Containern und schnell aufgeworfenen Sandhaufen, alles wirkt sehr improvisiert. Dann weist der Fahrer mit der Hand nach links, nach Tripoli Street, man sieht rußgeschwärzte Häuser, dort wird gekämpft. Bald erreichen wir das Spital.  Viele Menschen und viele Milizionäre stehen herum.

Die Notaufnahme des Spitals in Misrata

Im Krankenhaus, eine umfunktionierte private Klinik, da das städtische Krankenhaus zerstört wurde, herrscht relative Ruhe, obwohl angeblich am Morgen 70 Verletzte gekommen waren. Es ist sauber, keine Betten stehen am Gang, kein Chaos. In der Notfallaufnahme sehen wir nur einen Verletzten.  Der Direktor erklärt uns, es fehlen zwar Spezialisten, aber man komme zurecht.  Iommer wieder könne man Schwerverletzte nach Tunesien evakuieren. Leichter Verletzte werden in Privathäusern untergebracht.

Ein Patient in der Notaufnahme des Spitals in Misrata, Libyen

Viel redet er nicht. Als wir hinausgehen, gibt es eine kleine Verzögerung vor unserer Abfahrt. Neugierig drängt sicher unser Fahrer zu einem Kleinlaster, der gerade einen Frischverletzten von der ‚Front‘ bringt. Für das Krankenhaus gibt es dieses Mal keine Arbeit, er ist tot. Sein Bruder steht wort-und fassungslos und bleich daneben. Wir fahren in atemberaubenden Tempo zurück, weniger wegen der Gefahrenlage, sondern eher weil unser sehr junger Fahrer seine Wichtigkeit genießt und alle Sperren ohne Kontrolle passieren darf. Am Hafen warten weiter Tausende von afrikanischen Gastarbeitern, aus subsaharischen Gebieten, auf ihre Evakuierung. Wieder nehmen wir 600 von ihnen an Bord und treten die fast 24-stündige Fahrt nach dem sicheren Tobruk an.

Bei all dem Gesehenen stelle ich mir ganz leise eine Frage: Bei all den unzähligen Millionen, die rund um diesen Konflikt ausgegeben werden, ganz abgesehen von dem ungeheuren menschlichen Leid, wäre es nicht viel billiger, wenn ernsthafte Friedensanstrengungen unternommen würden? Aber wer will das schon?

Nach Misrata und zurück mit der ‚Maria Dolores‘

Der erfahrene Notarzt, Chirurg und Tropenmediziner Günter Kittel berichtet von seinem Einsatz in Libyen.

Heute, es ist Mittwoch vormittags, bin ich auf dem Schiff von Tobruk zurück nach Malta und hoffe, euch dieses Mail am Abend von Malta schicken zu können.

Ursprünglich sollte wir, ein dreiköpfiges Team des IKRK Sonntag um 3 Uhr früh Malta Richtung Misrata mit der ‚Mara Dolores‘, einem modernen australischen Fährschiff, verlassen haben. Nach 2 Stunden Fahrt gab es Maschinenschaden, was vorläufige Umkehr bedeutete. Sonntag abends ging es dann endgültig los. In nicht ganz bequemer Stellung fanden wir etwas Schlaf. Am Montag Morgen versuchten wir dann, 24 Meilen vor der libyschen Küste, Kontakt mit dem libyschen Roten Halbmond aufzunehmen, was nicht gelang. Als wir uns langsam der Küste näherten, sahen wir in nicht allzu weiter Entfernung von den Hafenanlagen von Misrata immer wieder Rauch aufsteigen, offensichtlich von Explosionen. Dem Kapitän gelang es schließlich, mit dem Hafen über Funk zu sprechen. Er wurde angewiesen, zuzuwarten, die Lage sei zu gefährlich. Ein weiteres Schiff versuchte, in den Hafen einzulaufen. Kurze Zeit später kehrte es um, der Beschuss war zu nahe dem Hafen. Wir hörten über Funk, dass es NATO Luftschutz anforderte. Danach hörten wir Flugzeuge, ein wenig unheimlich, sie waren nur zu hören, zu sehen war nichts.

Die Hafenanlagen von Misrata - immer wieder steigt Rauch auf

Nun, nach einiger Zeit liefen wir dann in den Hafen ein. Misrata hat eine riesige Hafenanlage, riesige Kräne von Waagner Biro. Aber alles schien völlig verlassen, unheimlich ruhig. Nach Stunden des Wartens tauchten einige Libyer auf, winkten uns zu und nach viel Gerede einigte man sich, die Flüchtlinge in ein relativ sicheres Areal des Hafens mit LKW’s zu bringen. Wir hatten eine Kapazität für 600 Leute. Hauptsächlich konzentrierten wir uns auf Flüchtlinge aus dem Sudan, dem Tschad, Niger und Mali, da diese zum gegenwärtigen Zeitpunkt am verwundbarsten scheinen. Außerdem einigten wir uns, ein paar libysche Familien an Bord zu nehmen, sowie einige Verwundete.

Wartende Flüchtlinge im Hafen von Misrata

Dann ging alles zwar extrem langsam, aber geordnet vonstatten. Alles Flüchtlinge wurden registriert, bekamen einen Platz zugewiesen. Natürlich kamen mehr als wir nehmen konnten. Aber auch die Abgewiesenen akzeptierten ohne Jammern ihr Schicksal, sie hatten ja begründete Hoffnung, mit dem nächsten Transport mitgenommen zu werden.

Alle Flüchtlinge wurden registriert, bekamen einen Platz zugewiesen.

Wie ist die Lage in der Stadt? Interessanterweise waren die anwesenden Libyer sehr zuversichtlich und zeigten keinerlei Absicht, Misrata zu verlassen. Es gäbe noch genug Essen, Wasser- und Stromversorgung werde langsam zu Problem, aber man helfe einander mit viel Idealismus. Die Versorgung mit Medikamenten und medizinischen Instrumenten sei schlecht, aber man komme noch zurecht. Die Verletzten würden entweder nach Tunesien oder Ägypten gebracht.

Die Fahrt nach Tobruk dann dauerte 16 Stunden, eine etwas anstrengende Nacht, die See war rauh, und viele der über 600 Passagiere wurden seekrank. Abgesehen davon gab es keine Probleme. Die Mannschaft des Schiffes, in erster Linie Rumänen und Filipinos, verhielt sich vorbildlich.

In Tobruk warteten schon Ambulanzen und Busse, vom Roten Halbmond organisiert, um die Verletzten in Spitäler und die Flüchtlinge an die nahe ägyptische Grenze zu bringen.

Uns blieb nicht viel Zeit zur Erholung. Nach einer Stunde brachen wir zur 24-stündigen Fahrt zurück nach Malta auf, um uns auf die nächste Fahrt vorzubereiten.

Die Schiffs-Evakuierung wurde auf Google-Maps nachgezeichnet, um einen Eindruck zu bekommen.

Auch das IKRK berichtet in einer Pressemeldung vom Flüchtlings-Evakuierungs-Transport, den Günter Kittel begleitet hat.