Wir sind da, um zu helfen.

„Der sittliche Gedanke, daß das Maß menschlichen Leids voll sei, der Wunsch, die Qualen so vieler Unglücklicher auch ein wenig zu lindern oder ihnen den verlorenen Mut wiederzugeben, angespannte und unablässige Tätigkeit, die man sich in solchen Augenblicken zur Pflicht macht, all dies ruft eine neue äußerste Kraft hervor, welche den unwiderstehlichen Drang erzeugt, so vielen Menschen, wie irgend möglich, zu helfen.“

Henri Dunant, Eine Erinnerung an Solferino.

menschlich bis zuletzt.Für viele Menschen in Österreich beginnt eine schwere Woche. Vier Familien haben vor nicht einmal sieben Tagen einen Vater verloren; einen Ehemann, Großvater; Eltern haben ihre Kinder verloren und mit einem Male ist nichts mehr so, wie es davor war. Das gilt auch für Kameradinnen und Kameraden, Kolleginnen und Kollegen, die jemanden aus ihrer Mitte nach einem heimtückischen Mord vermissen – einen Freund, Weggefährten und auch Mentor.

Wenn jetzt wieder die Normalität und Routine einzukehren droht, ist das noch viel schwieriger. Zunächst wird diese Woche der Trauer noch einmal vieles in Erinnerung rufen. Hoffentlich auch die vielen positiven Dinge, die der am Dienstag im Rettungs-Einsatz ermordete Rotkreuz-Freiwillige Johann Dorfwirth aus Annaberg aus Liebe zum Menschen bewirkt hat. Angewandte Menschlichkeit im Sinne des Rotkreuz-Gründers Henry Dunant praktiziert in 32 Jahren freiwilliger Rotkreuz-Arbeit.

Als Netzwerk von über 60.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern können wir gemeinsam versuchen, den Trauernden Halt zu geben, Unterstützung und auch Trost. Wir können gemeinsam unsere Anteilnahme ausdrücken, wie das vergangene Woche Tausende im sozialen Netzwerk Facebook gemacht haben, indem sie ihr Profilbild gegen eine schwarze Schleife getauscht haben. Wir können die Kolleginnen und Kollegen der Dienststelle Annaberg unterstützen, wenn es darum geht, Dienste zu besetzen, weil andere Kollegen aus verständlichen Gründen im Moment nicht kommen können. Und wir können versuchen, die humanitäre Arbeit weiter zu machen. Tag für Tag, rund um die Uhr. Wir sind da, um zu helfen. Aus Liebe zum Menschen.

Hier im Einsatzblog wollen wir den Trauernden auch die Möglichkeit geben, ihre Anteilnahme online auszudrücken.

In Erinnerung an Edith

Ich erinnere mich noch genau.

Wenn ich sage, es wäre wie gestern, dann stimmt das nicht ganz, trotzdem…

Es war aber auch in Kufstein. Damals vor zwölf Jahren, 2001, damals gab’s eine Ausbildung für angehende Trinkwasseraufbereiter.

Kufstein 2001

Edith bei einer Ausbildung für angehende Trinkwasseraufbereiter 2001.

Unten am Inn – da war sie dabei! – Georg übrigens auch…

Edith Huemer, damals seit knapp drei Jahren beim Roten Kreuz Innsbruck-Stadt, Medizinstudentin, Rettungssanitäterin, Notfallsani, Erste Hilfe Ausbildnerin, und dann noch Katastrophenhilfe – „Trinkwasseraufbereitung“. Ganz was anderes, weg vom Rettungsdienst.

Vollgas! So vieles wie möglich kennen lernen und erfahren, wie wenn keine Zeit bliebe…

Es hat nicht lange gedauert, da warst du meine Stellvertreterin als Leiter der Trinkwasseraufbereitung in Tirol. Du bist das laut Plan auch heute noch. Nur sind halt die Tiroler Trinkwasseraufbereiter dem Sparstift zum Opfer gefallen, da braucht’s uns nicht mehr. Bei uns im Land will man uns nicht mehr, aber international…

Beim Tsunami in Indonesien 2005, nach den Überflutungen in Namibia 2009, beim Erdbeben auf Haiti, im Südsudan oder nach den Überflutungen in Pakistan 2010– überall dort, wo Millionen Menschen oft vor dem Nichts standen – da warst du dabei. Und zusätzlich als Expertin und Vortragende bei der Ausbildung der ERUs, der Emergency Responde Units.

Edith, du hast geholfen, mit Wasser, mit Ausbildung, mit deinem Können und deinem Wissen, das du weitergegeben hast!

Klar, deutlich und bestimmt – aber trotzdem mit Freundlichkeit und einem Lächeln.

Edith bei ihren Einsätzen

Edith in Namibia im Jahr 2009

Edith, du warst für uns ein ganz besondere Mensch, und ich bin stolz, dich gekannt, dich ausgebildet und mit dir gearbeitet haben zu dürfen. Kameradschaftlich, mit gemeinsamen Zielen. Jetzt will und kann ich nur Georg, deinem Mann, zur Seite stehen, jederzeit wenn er mich, wenn er uns braucht.

parte edith

Der Abschied von Edith findet am 30. August 2013 in Kufstein statt.

Für uns im Roten Kreuz, für uns von der ERU WatSan kann ich nur eines sagen:

Edith, du fehlst!

Heppo