Durchs wilde Pakistan

von Andreas Gradischar

Ein Wahnsinn, wie schnell die Zeit vergeht! Jetzt sind es nur noch drei Tage bis zu unserer Rückkehr nach Österreich. Dabei hätten wir uns jetzt gerade ein wenig eingelebt in Nawabshah im Gymkhana Guest House mit seinem teils sehr schrulligen Personal, dem wir auch ein wenig „Österreichisch“ (Mannerschnitten, Servus, Pfiat di,…) und Schwedisch (Flaska, Puku,…) beigebracht haben. Die Arbeit läuft nach wie vor gut, wir liegen genau im Zeitplan und auch die Volunteers sind fleißig und motiviert, weil endlich ein Ende ihres seit 24. September 2011 dauernden Einsatzes in Sicht ist. Sie haben – bis auf wenige Ausnahmen an den Feiertagen – jeden Tag, 7 Tage die Woche gearbeitet!

Heute ist hier in Nawabshah ein pakistanisches Wunder passiert: Wir haben für 9:00 einen Truck aus Karachi und für 9:30 einen lokalen Bagger zum Beladen bestellt, und beide waren pünktlich vor Ort! Wenn das so weitergeht können wir sogar alle wie geplant am 16. zurückfliegen. Jetzt müssen nur noch die beiden Trucks am 13. und ein kleiner LKW am 15. wie geplant kommen, dann ist alles in Butter.

Beladung des ersten Trucks

Beladung des ersten Trucks

 

In den letzten Tagen hatte ich einige Male die Gelegenheit, den Markt zu besuchen, weil wir diverse Ersatzteile und Verbrauchsmaterial einkaufen mußten. Und das ist jedesmal wieder ein absolut faszinierendes Erlebnis. Der „Markt“, das ist das gesamte Stadtzentrum von Nawabshah. In jedem Haus sind im Erdgeschoß Läden und Werkstätten, verkauft und gewerkt wird aber hauptsächlich auf der Straße. Da steht der Copy-Shop mit uralten Kopierern direkt neben einer „Küche“, danach ein Schlosser und ein Metzger, der auf einem Tisch sitzt, seine Hühner mitten auf der Straße schlachtet, rupft, ausnimmt, zerteilt und dann das Fleisch an Haken einfach aufhängt und feilbietet. Einmal konnte ich im Vorbeifahren beobachten, wie 3 Männer vor ihrem Geschäft eine Kuh ausgenommen haben! Das Fleisch ist natürlich nach kurzer Zeit mit Fliegen übersäht, das Blut rinnt auf die Straße und man will sich gar nicht vorstellen, wie es hier im Sommer bei über 40°C wohl riechen mag. Ich fühle mich ins Mittelalter zurückversetzt, so muß es bei uns vor 500 bis 600 Jahren ausgesehen haben. Nur daß damals die Straßen natürlich nicht mit Autos, Mopeds, Tuk-Tuks und Fahrrädern komplett verstopft waren. Manchmal stehen wir Stoßstange an Stoßstange eingeklemmt, links und rechts versuchen die Einspurigen irgendwie vorbeizukommen, und ich habe das Gefühl, wir müssen die nächsten Stunden hier verbringen. Aber irgendwie geht es dann doch immer wieder weiter und der größte Stau löst sich in wenigen Minuten wieder auf.

Das ist „normaler“ Verkehr am Markt

Das ist „normaler“ Verkehr am Markt

Der gesamte Verkehr funktioniert hier „irgendwie“, aber keiner weiß warum. Auf den Straßen scheint Anarchie zu herrschen, wir haben in ganz Nawabshah bisher 2 Verkehrszeichen gesehen. Jeder fährt kreuz und quer, es herrscht das Recht des Stärkeren oder des Schnelleren, mit unseren Land Cruisern sind wir zum Glück ganz oben in der Hierarchie. Die wichtigsten Bestandteile eines jeden Fahrzeugs sind Gaspedal und Hupe.

Ähnlich mutig ist die Elektrifizierung der gesamten Region. Die hiesigen Elektriker verdienen allesamt den „Sergej Mechansky Orden für mutige Installationen“ (Copyright Gunkl). Da ist es kein Wunder, daß der Strom mehrmals am Tag für Minuten oder Stunden ausfällt. Vorgestern wollte ich in einer Werkstatt zwei Motorenteile reparieren lassen. Nach ca. einer halben Stunde hatten wir geklärt, wo die Bohrungen hin sollten, und als der Handwerker anfangen wollte, war der Strom weg. Dann haben wir halt doch auf der Water-Plant die Akku-Bohrmaschine rausgeholt und es selbst gemacht. Funktioniert haben die Teile nachher auch.

Fehlersuchbild: Warum ist kein Strom mehr da?

Fehlersuchbild: Warum ist kein Strom mehr da?

Nachdem ich morgen auch wieder „funktionieren“ muß, um den Einsatz sauber abzuschließen, und es schon wieder kurz vor 23:00 ist, melde ich mich nun ab aus Pakistan. Ich hoffe, die letzten 3 Tage gehen noch glatt über die Bühne und ich konnte euch mit meinen Zeilen und Werner’s Fotos einen Eindruck darüber vermitteln, was wir hier so getrieben haben die letzten 4 Wochen.

 

 

 

Zu Weihnachten in Pakistan?

Unsere Delegierten aus Pakistan melden sich nach den Feiertagen mit einem Bericht über die Situation vor Ort.

Das Warten hat ein Ende

Das lange Warten hat ein Ende: Nach einem endlos erscheinenden Hin und Her wurden unsere Visa von der pakistanischen Botschaft endlich ausgestellt. Jetzt kann es losgehen, der Abflug von Markus, Werner und mir ist am späten Nachmittag des 15. Dezember. Nach einem Nachtflug mit wenig Schlaf landen wir am Freitag in der Früh in Karachi und werden von unserem Fahrer bereits – nicht erwartet. Irgendwas ist schiefgegangen, aber nach einem Telefonat und einer kurzen Wartezeit, die wir zum Geldwechseln nutzen, werden wir abgeholt und ins Hotel gebracht. Am Nachmittag und dem darauffolgenden Vormittag Briefings (Security, Finanzen, allgemeine Lage), und wir realisieren erst im Laufe der nächsten Tage, wie wenig wir uns alle aufgrund unseres Schlafmangels gemerkt haben.

Nur weg aus der Großstadt

Rotkreuz-Arbeit in Pakistan

Rotkreuz-Arbeit in Pakistan: Ein großes Team mit internationalen und regionalen Mitarbeitern.

Am Samstag gegen Mittag verlassen wir endlich die ehemalige Hauptstadt Karachi, diesen lauten, stinkenden Molloch mit seinen geschätzten 13 Millionen Einwohnern und fahren nach Nawabshah. Dort erwartet uns Robert, der Teamleader des 2. Teams, der tapfer und alleine die Stellung hält. Wobei „alleine“ natürlich relativ zu sehen ist, immerhin hat er ein kleines Unternehmen mit ca. 40 Mitarbeitern (Freiwillige des Pakistanischen Roten Halbmonds PRCS, Fahrer,…) und einem Fuhrpark bestehend aus 7 PKW und 4 LKW zu führen! Und hier erlebe ich zum ersten Mal hautnah und live, was ich schon so oft in der Theorie gehört habe: Das Rote Kreuz bzw. den Roten Halbmond gibt es in jedem Land der Welt, und wo wir hinkommen werden wir bereits von unseren Kollegen der nationalen Gesellschaft herzlich begrüßt. Diese lokalen freiwilligen Mitarbeiter sind ein unschätzbarer Wert in einem Land, dessen Sprache man nicht spricht und dessen Bräuche man nicht kennt. Man stelle sich nur vor, man übersiedelt als Österreicher z.B. nach Albanien. Es dauert Wochen, bis man sich ein wenig auskennt und weiß, wo man was kaufen kann, welche Orte man meiden sollte oder welche Verhaltensweisen wann angebracht sind oder nicht. Durch unsere Kollegen vom PRCS haben wir sofort „Familienanschluß“, und wir alle haben das gleiche gemeinsame Ziel vor Augen. Ich versuche mir vorzustellen, wie es Mitarbeitern anderer Hilfsorganisationen wohl gehen mag, die diese einmalige Unterstützung vor Ort nicht haben.

Latrinenoprimierung als Ziel?

Rotkreuz-Arbeit in Pakistan

Rotkreuz-Arbeit in Pakistan. Ein Wassertank auf einem Damm im Überschwemmungsgebiet.

Die drei Water plants in Nawabshah, Sakrand und Shapur sind in einem guten Zustand und der Betrieb inklusive Wasserverteilung läuft reibungslos. Nach dem letzten Briefing mit Robert, bei dem wir nun wirklich die Situation vor Ort erfahren, versuchen wir uns in den ersten Tagen mittels sog. Rapid Assessments ein eigenes Bild zu machen. Es gibt zwar auch 4 Monate nach dem großen Monsoon immer noch weite Landstriche, die Aufgrund des dichten, lehmigen Bodens überschwemmt sind, aber in den meisten Dörfern hat sich die Situation soweit normalisiert, daß wir mit dem Abbau unserer Infrastruktur bald beginnen können. In einem Zelt-Camp neben einer Landwirtschafts-Schule (Agricultural College) in Sakrand ist allerdings noch Aufbau-Arbeit zu leisten. Die sanitäre Situation der ca. 200 Familien ist unbefriedigend, es gibt nur ein paar notdürfig gebastelte Latrinen, die meisten machen ihr „Geschäft“ auf eine Grünfläche neben dem Camp. Das 2. Team hat bereits einen Prototyp einer sog. VIP-Latrine (Ventilated Improved Pit) mit lokal erhältlichen Materialien gebaut, davon stellen wir gemeinsam mit unseren PRCS-Kollegen in 3 Tagen 25 Stück auf. Aber damit allein ist es nicht getan, unterstützend dazu hält Caroline, unsere schwedische Kollegin, mit ihrem Team aus 8 lokalen Mitarbeitern Hygiene Promotion Trainings ab. Dabei wird mit einfachsten Mitteln versucht, Verhaltensregeln weiterzugeben, um die Verbreitung von Krankheiten zu verhindern, die mit Fäkalien in Verbindung stehen. So wie in den meisten Krisen- und Katastrophensituationen sind auch hier vor allem die ärmeren Bevölkerungsschichten betroffen, und unter diesen ist die Alphabetisierungsrate nicht gerade hoch. Deshalb müssen die Messages primär über Bilder und verbal verbreitet werden, wobei sich hier wieder das Problem stellt, daß diese Menschen kein Englisch sprechen und oft nicht einmal die pakistanische Amtssprache Urdu, sondern nur Sindhi, die lokale Amtssprache der Provinz Sindh.

Zu Weihnachten in Pakistan

Rotkreuz-Arbeit in Pakistan

Rotkreuz-Arbeit in Pakistan: Eine Latrine, die vom Rotkreuz-Projekt errichtet wurde.

Von 24.12. bis 28.12. mußten wir zurück nach Karachi, da am 25. (Geburtstag des Staatsgründers) und am 27. (Todestag von Benazir Bhutto, die aus Sindh stammte) Feiertage sind. Aus Sicherheitsgründen dürfen wir Delegierten uns an solchen Tagen nicht außerhalb der Stadt bewegen, und da unser Aktionsradius in Nawabshah ohnehin sehr eingeschränkt gewesen wäre, haben wir die Gelegenheit genutzt, um mit den Kollegen den Deutschen Roten Kreuzes (bestehend aus einem Deutschen, einer Kärntnerin, einer Kroatin, einem Äthiopier und einem Libanesen) die Weihnachtsfeiertage zu verbringen.

Und da ich gerade beim Thema Sicherheit bin: Die Situation hier vor Ort (speziell in Nawabshah, das in einer sehr ländlichen Region liegt) ist für uns vollkommen ungefährlich. Sowohl der Rote Halbmond als auch die Föderation (IFRC) genießen ein hohes Ansehen, die Leute lächeln uns an und begrüßen uns herzlich, wenn wir in die Dörfer kommen. Natürlich patrolieren Polizei und Rangers (Spezialeinheit der Armee) mit ihren Pickups mit den darauf montierten Maschinengewehren, und in der Nacht werden die großen Kreuzungen von Polizisten mit MG bewacht. Aber ich habe mich in den zwei Wochen, die wir nun hier sind, nie auch nur eine Minute unsicher gefühlt.

Jetzt ist es schon wieder Mitternacht geworden, so wie jeden Abend. In nicht einmal 6 Stunden beginnen die Muhezzine wieder mit ihrem „Gesang“, dann ist in meinem Zimmer leider nicht mehr an Schlaf zu denken. Ich werde mich deshalb nun in die Horizontale begeben, aber ich melde mich wieder!

final comment, abschließendes resumee…

Dienstag, 13.12.2011, ca. 09 Uhr früh am Wiener Flughafen als man gerade die Zarges Boxen vor sich herschiebt: „Hallo sie da! Was haben sie denn in diesen Boxen? Organe?“ wird man gefragt. „Nein.“ sagt man dann. „Natürlich nicht. Da sind nur persönliche Gegenstände drin. Kleidung usw. Nix verbotenes.“ versucht man zu erklären. „Ach so….wo waren sie denn?“ – „In Pakistan. Einsatz mit dem Roten Kreuz.“ – „Aha…was war denn da?“ – „Flut.“ – „Ach so….so wie in Bangladesch? Vielleicht waren sie ja in Bangladesch?“ – „Nein….wir waren in Pakistan.“ (man beachte die Geduld die aufgebracht wird, obwohl man jetzt schon etwas genervt ist). „Ach so…Pakistan….die Leute da sind ja schon ziemlich arm, oder?“ – „Ja, sind sie. Kommt drauf an.“ – „Aber das Land ist ja voller Terroristen. Wieso fahren sie dann da hin?“ – „Nein, nein. Ganz so ist es nicht.“ sagt man (+ innerlicher Aufschrei) und versucht, so schnell wie möglich wegzukommen. Und so ein „Willkommensgespräch“ erstmal zu verdauen.

Ja, Österreich, Wien, hat uns wieder. Der Magen rebelliert nach der ersten europäischen Kost. Der Körper ist schon da, der Kopf noch in Pakistan. Wie sehen wohl die distribution points aus? Wie klappts mit der Auslieferung? Wie läuft die Hygiene Promotion? Wird auch wohl nix an der derzeitigen Aufstellung der Tanks geändert? Werden die Reaktsionzeiten in den Aluminium,- und Chlor-Tanks eingehalten?………Die Gedanken sind noch sehr beschäftigt.

Man freut sich wieder daheim zu sein. Man merkt sofort den Unterschied: die Strassen sind sauber, der Verkehr geordnet, die Luft klar und frisch (so klar und frisch wie sie in einer Stadt halt sein kann), kein Staub in der Luft, man sieht Frauen auf der Strasse…..dann wagt man sich das erste mal in ein Einkaufszentrum und fühlt sich irgendwie fehl am Platz. Als man Österreich verlassen hat, hat die Weihnachtswerbung gerade mal zaghaft angefangen. Jetzt ist alles voll im Gange, man wird bombardiert mit Weihnachtsliedern, überdimensionalen Christbäumen, Konsumartikeln und sieht alles in einem etwas anderen Licht als vorher. Von etwas weiter weg. Von ausserhalb.

Der Einsatz war nicht das, was man sich erwartet hat (obwohl man, wenns nicht der erste Einsatz war, schon weiss das man grundsätzlich sowieso nix erwarten kann, weils immer anders kommt als man denkt). Was nimmt man daraus mit, was bleibt besser dort? Es war teilweise frustrierend, teilweise herausvordernd. Auf jeden Fall aber kein „normaler“ Einsatz. Die ERU….Emergeny Response Unit…..kommt zum Einsatz wenn es irgendwo einen emergency gibt. Das sagt schon der Name. Was aber wenn man vom emergency nicht mehr viel sieht? Wenn es schwer wird einzuschätzen wieviel Not schon vor der Flut da war und wieviel erst durch die Flut entstanden ist? Da arbeitet der Kopf….und das Herz. Man will ja jedem helfen, muss aber Prioritäten setzen. Und die Grenze ziehen zu einem Langzeit-Development-Projekt. Wann hört der ermergency Einsatz auf und wann fängt die Entwicklungshilfe an? Wie gesagt: es war herausvordernd.

Auch auf anderen Ebenen. Was wenn man versucht das Beste zu geben, Pläne zu machen und sein Wissen weiterzugeben und am Ende all diese Pläne sowieso geändert werden? Man nie das so machen, kann wie man es vorher ausgemacht hat? Man dann schon wirklich genervt ist, weil nach 1 1/2 Wochen immer noch nix weitergeht?

Dann steht man irgendwann am Dach des Hauses der pakistanischen volunteers in Nawabshah (Benanzirabad), sieht den Vollmond über der Stadt, hört den Muezzin zum Gebet rufen und dann sickerts langsam durch und man denkt sich: „Halt. Stop. Ich bin ja in Pakistan. Da laufen die Uhren anders.“ Überhaupt läuft alles anders. Es dauert nicht lang und man hat das Herz der Leute hier buchstäblich erobert. Und sie sind wirklich am Boden zerstört wenn man wieder fährt. Sie würden alles für einen tun und wenn man fragt warum, dann hört man oft die Antwort: „Weil du unser Gast bist.“ Auf der anderen Seite lernt man das manche Sachen nicht so ablaufen wie sies eigentlich sollten. Man weiss es nicht 100%ig, man sieht es nicht, aber man weiss das etwas falsch läuft.

Nacht über Nawabshah (Benanzirabad)

Nacht über Nawabshah (Benanzirabad)

Klar hat man seine Vorurteile. Aber spätestens wenn man auf einem abgesperrten Flughafengelände mit ein paar Security-guards zusammensitzt und über Terroristen in Pakistan Scherze macht (was einem dann ehrlich gesagt schon etwas surreal vorkommt) und man nicht weiss ob man lachen soll oder am besten nach dem besten Fluchtweg sucht, weiss man etwas besser wie die Leute in diesem Land ticken. Obwohl man nie ganz dahinter kommen wird. Aber es ist wenigstens ein Anfang.

Tja, das wars. Vier Wochen vergehn im Nachhinein betrachtet wie im Flug. Man hat sicher einiges gelernt. Und wenns nur das ist das man nie, ich betone: NIE, einen ausgedruckten Voucher mit den Flugdetails wegwerfen sollte, weil man nie weiss, ob man ihn nicht doch braucht um in ein mit Maschinengewehren bewachtes Flughafengebäude zu kommen. Und das man immer genug Zeit einplanen sollte um eventuelles Übergepäck umpacken zu können. Und das man, falls man den Boardingpass beim Duty-free shop vergisst, doch noch ins Flugzeug kommt, weil die einem einen neuen ausdrucken können. 🙂

group picture with volunteers and Team 2

group picture with volunteers and Team 2

Mission accomplished.

Allah hafiz

Im Osten nichts Neues

 

Was gibt´s Neues aus Pakistan:

Für Blödsinn ist immer Zeit! Oder: Die Pause ist dringend notwendig...

Nach einer kurzen – aber wohltuenden und dringend notwendigen – „Zwangspause“ in Karachi sind wir alle wieder in Benazirabad, auch bekannt als Navabsha, eingetroffen, um fleißig weiter zu arbeiten.

Letzte Woche beziehungsweise bis in diese Woche hinein waren die ersten zehn Tage des Muharram, des ersten Monats im islamischen Kalender (http://de.wikipedia.org/wiki/Muharram). Aus diesem Grund mussten wir für zwei Tage nach Karachi. Inklusive Reisezeit waren das vier Tage.
Jetzt sind wir wieder happy hier zu sein. Wer WatSan-Mitglieder kennt, weiß, dass diese im Einsatz nicht gerne Pause machen.

Obwohl die Muharram-Zeit die Wasserverteilung mächtig eingeschränkt hat, sind wir doch sehr stolz, dass wir gestern die 10millionen-Liter-Marke an verteiltem Wasser überschritten haben. Sehr stolz sogar. Übrigens haben wir unsere Water Site 1, die Anlage Benazirabad, aufgetuned und einen zweiten Flocculation Tank installiert. Der wurde mittlerweile dringend notwendig, da die Flocculation inzwischen vier Stunden braucht und unser T95 oben schon aus allen Löchern pfeift … oder eigentlich rinnt.            

Selbstgemachte Handpuppen

HP Handpuppen

Das war´s jetzt schon wieder fast mit den Neuigkeiten. Ansonsten arbeiten alle wie gewohnt flott dahin. Die Hygiene Promotion ist sehr fleißig im Gange. Heute gab´s dazu die erste Handpuppenaufführung an einer Schule. Es läuft also alles genau so, wie man es aus der Ausbildung kennt *g*.
 
Robert – und das ist jetzt doch was Neues – hatte jetzt mal Zeit mit unseren Lokals Pumpen zu reparieren.

Sehr viel Energie stecken wir dieser Tage übrigens in die Hand-Over Vorbereitungen und in die sogenannten Exit Assessments. Da wir nämlich etappenweise abgelöst werden, müssen wir´s unseren Nachfolgern so einfach wie möglich machen. Und es dauert nicht mehr lange, dann fahren wir Heim!

 

Liebe Grüße vom Team!

Rainer

P.S.: Die folgenden drei Bilder zeigen unser Tank-Upgrade Pakistan2011. Eine schwimmende Ansaugvorrichtung, um die Flocken nicht mit zu saugen, wenn Wasser schon schneller benötigt wird. Das Rohr ist notwendig, um das Aufwirbeln von Flocken durch den vibrierenden Schlauch zu verhindern. Es lebe der Wissensaustausch innerhalb der WatSan-Föderation!

 

        

 
 

Bombenanschläge, Bankprobleme, andere Unterbrechungen

Es gibt hier wohl keinen Tag an dem man nicht von unzähligen Impressionen geradezu überfallen wird. Genauso wie es wohl auch keinen Tag gibt, der einmal nicht mannigfaltig herausfordert.

Und eines gibt es hier auch in einer beharrlichen Regelmäßigkeit: Arbeitsunterbrechungen. Die wahrscheinlich größte Herausforderung.

Sonntag war wohl wieder ein Tag der besonderen Herausforderungen und Eindrücke. Der Tag begann mit einem SMS vom Radio Room Karachi: In der Nacht hat es einen Bombenanschlag auf die Eisenbahn unweit unserer sogenannten Site 1 gegeben. Der Bahnhof ist ungefähr 500 bis 1000 Meter von unserer Anlage entfernt. Einer unserer Mitarbeiter hatte die Explosion in der Nacht gehört. Ob es Verletzte oder Tote gab, kann ich nicht sagen.

So oder so, gab es jedenfalls gleich einen Arbeitsstopp; noch bevor der Arbeitstag richtig begonnen hatte. Was es noch gab, war die Weisung: „Avoid this Area!“. Ein Satz den sich Tomas und ich gut gemerkt hatten. Unser Fahrer aber offensichtlich leider nicht. Woraufhin wir 40 Minuten lang direkt am Bahnhof im pakistanischen – ich betone pakistanischen – Stau steckten, um über die Sicherheitslage zu diskutieren. Und um dann dem wohl längsten, beeindruckendsten und …beängstigendsten Polizeikonvoi den wir beide je gesehen hatten, und hoffentlich auch jemals wieder sehen werden, zu begegnen. Beide hatten wir uns für eineinhalb Sekunden überlegt ein Foto zu machen. Unser Verstand und all die vorhergehenden Sicherheitsbriefings haben uns dann aber doch noch rechtzeitig gebremst. Somit musst du dich dazu mit meinen Erzählungen begnügen, die auch hier enden. Wir sind ja schließlich die Föderation und halten uns daher naturgemäß mit Infos zurück…

Generell war die Sicherheitslage an diesem Tag eher angespannt. Denn abgesehen von dem Anschlag gab es auch noch einen Zwischenfall im Pakistanischen Grenzgebiet, von dem du bestimmt in den Nachrichten gehört hast.

Da am Wochenende außerdem auch der Muharram begann, musste die Arbeit am Sonntag schließlich sicherheitshalber auch noch früher eingestellt werden.

Eine Entscheidung die Wasseraufbereitern immer schwer fällt, die aber auf jeden Fall richtig war und durch unsere nicht-westlichen Mitarbeiter aufs stärkste unterstützt wurde. Da die eigentliche Wasseraufbereitung ohnehin großteils von unseren Roten Halbmond Kollegen betrieben wird, wurde die an diesem Tag bereits eingeschränkte Produktion zumindest aufrecht erhalten.

Heute, Mittwoch, sind wir alle wieder deutlich relaxter und folgen Katrins Beispiel, die grundsätzlich nicht leicht aus der Ruhe zu bringen ist.

 

 Mit ganz anderen Arten von Arbeitsunterbrechungen, oder zumindest deren Bevorstehen, hatte Robert diese Tage zu kämpfen. Der hier ganz eindeutig immer noch keinen Traumjob hat! Wie schon im letzten Blog erwähnt gibt´s nämlich Trouble mit der Tankstelle. Das heißt eigentlich nicht mit dieser, sondern mit den Uhren der hiesigen Banken, die offensichtlich ganz anders ticken als wir das so gewohnt sind. Trotz einigem Hin und Her wurde uns tatsächlich – und im wahrsten Sinne des Wortes – der Diesel-Hahn abgedreht.

Wer weiß, wie viel Diesel eine Aufbereitungsanlage mit ihren Pumpen und deren LKWs für die Wasserverteilung benötigt, kann erahnen wie …unentspannt eine derartige Situation einen Teamleader machen kann.

So oder so, die Lage scheint mittlerweile geklärt zu sein. Ich werde Robert fragen, wenn er den Berg Rechnungen hinter dem er gerade versteckt ist erledigt hat. Den Stillstand der Wasser Produktion konnte er jedenfalls abwenden. Geld ist ja grundsätzlich da – an dieser Stelle sei übrigens Nachbar in Not und dem Schwedischen Rotem Kreuz gedankt, die diese großflächige und dringend notwendige Hilfsaktion überhaupt erst ermöglichen(!!!!) – nur sagen einem die Banken hier offensichtlich nicht Bescheid, wenn sie einen Transfer nicht durchführen können.

 

 Was gibt´s sonst Neues?

  • Mit heute, 30. November, haben wir unseren 8millionsten Liter Wasser verteilt – jetzt sind wir richtig stolz *ggg* !
  • In unserer kleinen „Hauptstadt“ hat sich die Verteilung verkehrs- bzw. sicherheitsbedingt leider deutlich erschwert.

Distributionbesprechung

  • Unsere ersten Hygiene Promoter und Hygiene Promoterinnen haben Gunnel´s Schule der Hygiene Promoter und Hygiene Promoterinnen verlassen und promoten jetzt fleißig Hygiene. (Ich liebe diesen Satz *g* )

Gunnel´s Schule der Hygiene Promoter und Hygiene Promotorinnen (1. Klasse)

  • Somit bereiten wir langsam den Exit vor, damit unser nächstes Team weniger Arbeit hat und nicht gelyncht wird, wenn es in einem Monat kommt die Tanks abzumontieren. (…das ist jetzt nur bedingt zynisch zu verstehen. Eine ordentliche Exit-Strategie muss von Anfang an da sein!)
  • Tomas schult fleißig Rohrverbindungen und Tankreparaturen und lässt sich dabei auch gerne die lokale 3-Kleber-und-Sand-Methodezeigen – echt interessante Methode.

    Fittings- und Dichtungstraining

  • Katrin, immer noch unser Teamsonnenschein J, hat mittlerweile ein paar Falten mehr. Das liegt aber nicht an der Arbeit oder an der Sonne; nein: Sie ist wieder Mal ein Jahr älter geworden J! Aus diesem Grunde gab´s auch eine sehr nette und halb überraschende Überraschungsparty. Wie alt sie geworden ist, verrate ich hier aber nicht – bin ja ein Gentleman!

Katrins-Birthday-Preparation

Katrin´s Morgenüberraschung

Kuchen-Distribution

PartygästeGeburtstagskind

  • Von Robert gibt´s nichts Neues. Der rechnet immer noch, und organisiert, und organisiert, und organisiert …ich sag ja: Kein Traumjob!

Strapazierter Teamleader beruhigt strapazierten Tankstellenbesitzer

  • Mich freut besonders, dass die Wasserverteilung im Süden deutlich verbessert werden konnte. Die Assessments sind praktisch fertig. Trotzdem sind wir noch dran mehr Wasser an den/die/das Mann/Frau/Kind zu kriegen. Also immer noch Arbeit dort.

    Wasserhahn Modell 2011

 

 

Das wär´s so weit von uns. Im Namen des Teams schöne Grüße aus Pakistan!

Rainer

PS: Hier hat man großes in der Hose:
(Ist übrigens Schuhgröße 47!)

 

 

Gut eingespielt

Schön langsam neigt sich die erste Woche seit der Übergabe ihrem Ende zu. Viele Eindrücke konnten dazu gewonnen werden und die Lage, obwohl sie sich von Tag zu Tag ändert, wird mittlerweile gut überblickt.

Das Team bestehend aus Gunnel und Tomas vom Svenska Röda Korset, und Katrin – die an dieser Stelle allen Daheimgebliebenen ihre Grüße ausrichten lässt – Robert und mir, Rainer, vom Österreichischen Rotem Kreuz hat sich mittlerweile sehr gut eingespielt. Trotz teils widriger Umstände ist die Motivation immer noch hoch und der Teamspirit unbeugsam stark!

Gunnel, unsere sehr erfahrene Expertin für Hygiene Promotion (HP), hat sich auf ihr Fachgebiet gestürzt und heute (25. November) nach mühsamen Anlaufschwierigkeiten die ersten HP-Trainer im Trainingszelt unterrichten können. Diese sollen in weiterer Folge ihr erlerntes Wissen an die betroffene Bevölkerung übermitteln. HP ist einer der wichtigsten Tasks denen wir uns hier stellen müssen. Er umfasst einfache Hygienemaßnahmen zur Seuchenprävention bis hin zum Wasseraufbereiten für zu Hause (das sogenannte House Hold Water Treatment).

Katrin, unser Teamsonnenschein – das, blog´ ich jetzt schnell bevor sie mich zensiert 🙂 – ist eine Surrounderin (schau mal auf wie vielen Fotos sie drauf ist!): Sie hilft Gunnel bei der HP und kümmert sich mit um´s Labor. Dort sitzt zwar einer unserer Pakistanischen Kollegen; der ist aber sehr froh um die Unterstützung und um die Einschulung auf dem DelAqua-Kit – dem Herzstück des Labors – und den anderen Geräten. Dank Katrin´s Einsatz und etwas Geduld konnte der Laborbetrieb jetzt auch endlich vollends aufgenommen werden. Auf Grund der doch widrigen Umstände musste bis jetzt mit teils jahrelang abgelaufenen Testchemikalien gearbeitet werden! Das DelAqua-Kit konnte auf Grund der fehlenden Nährlösung und Elektrizitätsproblemen überhaupt nicht verwendet werden, somit wurde Wasser bisher auch nur „halb getestet“ abgegeben.

Tomas und ich, ein sehr humorloses Duo :-), kümmern sich um die Wasser- und Technikseite des Projekts. Wobei Tomas die letzten Tage mehr in Benazirabad verbrachte, um neben Assessments in der Stadt eher die Technik im Auge zu behalten. Ich war fast nur in den „südlichen Provinzen“ zu gegen, um dort Assessments zu machen. Meine Aufgabe in diesen Tagen ist es den Ausbau der Wasserverteilung festzulegen. Eine umfangreiche und drückende Tätigkeit, da auf Grund von Laborergebnissen und logistischen Möglichkeiten entschieden werden muss, wann, wohin und ob überhaupt Wasser geliefert wird.

Robert, darf – wenn sein Wecker funktioniert 🙂 🙂 – als erster aufstehen, um regelmäßig als letzter ins Bett zu gehen. Der administrative Aufwand, der bei solchen Einsätzen ohne hin schon nicht gerade … unauffällig ist, war diese Tage geradezu enorm. Zu einem Berg von Rechnungen, der uns noch von unseren Vorgängern überlassen wurde (Ist natürlich kein Vorwurf!), hat sich ein weiterer dazu gesellt. Deren Kontrolle und die Leitung des insgesamt 40 Personen starken „IFRC-WatSan-Unternehmens“ (20 Wasseraufbereiter, 6 Fahrer, 4 LkW-Fahrer, 5 Hygiene Promoter und wir fünf) wäre ja eigentlich schon Aufwand genug, wenn da nicht so Kleinigkeiten dazu kämen, wie für unsere Volunteers ein neues Haus zu mieten, weil das alte unzumutbare Abwasserprobleme hat oder den Chef der Tankstelle zu beruhigen, weil das überwiesene Geld noch nicht angekommen ist…

In anderen Worten: Nicht gerade ein Traumjob.

Wie auch immer, wir machen das! Und als gutes Team helfen wir uns auch gegenseitig, wo wir nur können!

Grundsätzlich ist zu sagen, dass sich die eigentliche Hochwasserlage doch schon sehr entspannt hat. Trotzdem sieht man, gerade in unserem südlichen Einsatzgebiet, immer noch Dörfer die von riesigen Wasserlacken umgeben sind. Die verheerenden Auswirkungen sind aber immer noch spürbar und gerade für uns Wasseraufbereiter deutlich zu erkennen: Großteils sind die Brunnen kontaminiert.

Der Einsatz als solche gestaltet sich dahingehend auch immer schwieriger. Umso mehr das Regenwasser zurück geht, desto mehr verschwimmt im wahrsten Sinne des Wortes auch die Grenze zwischen einem akuten mehrmonatigem ERU-Einsatz und einem mehrjährigen Wiederaufbauprojekt. Das sorgt ganz ehrlich durchaus auch für etwas Frust bei uns Helfern. Unser Wasser wird dringend gebraucht, deshalb verteilen wir auch so fleißig wie wir nur können. Wir stellen uns aber auch die Frage: „Was kommt nach uns?“

Abschließend noch ein paar Zahlen. Da ich mich primär ums Wasser kümmere, sitz ich ja direkt an der Quelle:

  • Bis heute haben wir circa 6,4 Millionen Liter Wasser verteilt.
  • In der letzten Woche konnten wir unseren Output um fast 100.000 Liter täglich verbessern.
  • Unser Trinkwasser erreicht derzeit täglich circa 55.000 bis 76.000 Menschen (Diese Zahl ist derzeit aber noch ohne Gewähr(!), da sich in den Assessments der letzten Tage doch gezeigt hat, dass die Einwohnerzahlen nicht leicht ermittelbar sind.)

Soweit die Neuigkeiten aus Pakistan!
Im Namen des Teams, liebe Grüße an alle Leser!
Rainer

Die Ablöse ist da

Nach beinahe vier Wochen Einsatz ist es nun endlich soweit: Die Ablöse, das Team 2, bestehend aus drei Österreichern und zwei Schweden, ist in Navabshah eingetroffen.
Das Aufeinandertreffen war sehr emotional. Wir alle waren begeistert die schon teils von Übungen oder Einsätzen bekannten Gesichter wieder zu sehen. Team 1 freute sich schon langsam die Heimreise antreten zu können und Team 2 nach drei Tagen endlich angekommen zu sein. Ganz besonders hat das Schwarzbrot, das Rainer mitgebracht hatte die Stimmung gehoben.
Das sollte wohl in Zukunft Tradition werden, denn auch wenn das Essen noch so gut schmeckt, Schwarzbrot geht dem gemeinen Österreicher nach einigen Wochen einfach ab!

Jetzt zu acht, mussten wir alle etwas zusammenrücken, die Zimmer und die Autos teilen und uns um die Übergabe kümmern. Mächtig beeindruckt von dem was bereits geleistet wurde – beeindruckt, nicht überrascht(!) ist ja schließlich die WatSan der IFRC – wurden langsam aber sicher die einzelnen Aufgaben übergeben. Etwas zum Wehmut des Teams 1 wie es schien, denn obwohl jeder gerne wieder Nachhause wollte, machte die entgegengebrachte Herzlichkeit und die intensive Zusammenarbeit der letzten Wochen den Abschied schwer. Für alle, die Österreicher und die Pakistanis.

5-Sterne-Restaurant

Als krönenden Abschluss für Team 1 und für ein besonders warmes Willkommen für Team 2 haben unsere Kollegen vom PRCS unsere „Site One“ gestern, 19. November, in ein Fünf-Sterne Restaurant umgewandelt und ein exzellentes Abendessen organisiert. Wir alle vom Team 1 und 2 bedanken uns an dieser Stelle nochmals für diese unglaubliche Gastfreundschaft bei unseren Freunden: „Mehar Bani!“.

Technisch bleibt noch zu erwähnen, dass mit Gestern der 5millionste Liter Wasser aufbereitet wurde. Da sind alle hier mächtig stolz drauf! Nach wie vor ist die Verteilung aber leider immer noch ein riesen Problem, dem sich das Team 2 mit bestem Wissen annehmen wird.

Ich, Willi, melde mich hiermit aus Benazir Abab bei allen Blog-Lesern ab, und bedanke mich für´s fleißige Blog lesen und wünsche im Namen meines Teams unseren Nachfolgern alles Gute!
Und ich, Rainer, hoffe mit dem Team 2, dass alle fleißig weiter lesen und wünsche unseren Freunden eine sichere und gute Heimreise!

Liebe Grüße aus Pakistan,
Willi und Rainer

Anlagenumbau

Man sollte es kaum glauben.
Da ist man im Hochwassereinsatz und auf einmal fehlt das Wasser zum Aufbereiten.

Aber schön der Reihe nach.
Wir haben ja in Sha Pur zwei Filteranlagen die vom Wasserturm ihr Wasser beziehen.
Der Wasserturm wiederum bezieht sein Wasser aus einem Kanal der wegen Reparaturarbeiten trockengelegt werden musste.
Also ging es wieder von vorne los.
Rohwasserquelle suchen (Assessment) und diesmal hatten wir richtig Glück.
Wir konnten ein 70 m tiefes Bohrloch finden, dessen Wasser am Anfang allerdings ziemlich trüb war.
Also ließen wir einen Schlauch hinunter, installierten unsere Pumpe und schon nach kurzer Zeit wurde das Wasser immer klarer. Nach 6 Std. Pumpen hatte das Wasser eine Turbidity (Wassertrübung) kleiner als 5 NTU was dem Standard der WHO (Weltgesundheitsorganisation) entspricht.
Daher brauchten wir nur noch einen 70 000 Liter Tank aufzubauen, in dem das Wasser mit Chlor versetzt wird.
Auf diese Weise können wir mit geringstem Kostenaufwand genügend sauberes Wasser für die Bevölkerung produzieren und damit sicherstellen, dass die Spenden aus Österreich bestmöglich und sparsam verwendet werden.

Spanisch-Österreichische Zusammenarbeit

Da unsere Kollegen vom Pakistanischen Roten Halbmond (PRCS) wirklich fest anpacken und das Aufstellen unserer Distribution Tanks (Wasserabgabetanks) nahezu beendet ist, konnten sich Supermario (Flos neuer Spitzname, da er mit seinem roten Jackett und der roten Kappe eine große Ähnlichkeit mit ihm hat) und ich die Zeit nehmen unseren beiden Spanischen Kollegen bei der Reparatur einer SETA-Anlage zu helfen. Dieser Anlagentyp wird von den Spanischen und Französischen Kollegen benutzt und hat den riesigen Nachteil, dass er Strom benötigt. Diese Tatsache macht die Anlage im laufenden Betrieb zwar sehr leise und im Handling mit der elektronischen Chemiezugabe einfach, allerdings sind die Anfälligkeit und der Reparaturaufwand enorm. Mit vereinten Kräften ist es uns aber gelungen die Anlage in Schwung zu bringen und Flo und ich haben natürlich die Gelegenheit genutzt, uns an diesem Anlagentyp eine intensive Schulung geben zu lassen. So vergehen die Tage wie im Flug und wir hätten bald übersehen, dass wir bereits die Hälfte unserer Zeit hier hinter uns gebracht haben.

Wasser marsch!

Die beste Nachricht zuerst: Knapp eine Woche nach unserem Eintreffen in Navabshah (Benazirabath) sind alle 3 Anlagen aufgestellt und einsatzbereit.

Unsere Anlagen wurden allerdings etwas an die hiesige Situation angepasst und bieten einige Besonderheiten, die ich den Kollegen und Lesern nicht vorenthalten möchte.

Unsere beiden Scanwater-Filteranlagen im Nachbarbezirk Shangra benötigen für die Produktion keine Pumpen, da sie direkt unter einem Wasserturm installiert wurden der als Rohwasserquelle dient.

Daher haben wir so viel Eigendruck, das wir uns die Pumpen und somit viel Diesel ersparen.

Die zweite Linie der M40 Anlage in der Stadt Sakran besteht nur aus einem 70.000 Liter Tank den wir zum Chlorieren benutzen, da als Wasserquelle eine Tiefbohrung ausgesucht wurde deren Wasser so klar ist, dass keine Flockulierung nötig ist.

Im Moment beschäftigen wir uns hauptsächlich mit dem Errichten der Wasserabgabetanks, die jeden Tag mehr werden da ich bei meinen Assesments in der Gegend alleine am heutigen Tag sechs Ortschaften gefunden habe, die dringend unser Wasser benötigen.

Gestern hatten wir noch eine Abordnung von Nachbar in Not samt Kamerateam zu Besuch was vor allem bei unseren Pakistanischen Kollegen im Vorfeld für ziemliche Aufregung sorgte.

Unsere Tage könnten ruhig doppelt solange sein und wir hätten immer noch zu wenig Zeit.