Besucher, Abbau und Heimreise, Tag 4 und Tag 5 – Übung “IPA CRO-FLOODS 2012 Field Exercise”

24. und 25. Mai 2012

Nach unserem erfolgreichen Umzug, warteten wir am 4. Tag im „neuen“ Einsatzgebiet auf die Delegationen und Besucher. Fast pünktlich wurden sie dann auch mit einem Reisebus in das Übungsgebiet gebracht und besuchten auch die Trinkwasseraufbereitung.

TWA 4

Foto: ÖRK/Markus Glanzer

Was uns so interessant machte wahr wohl der Umstand, dass wir ein multinationales Rotkreuz-Team waren. Etwas, das im Kontext des Zivilschutzmechanismus wohl noch nicht bekannt und alltäglich war. Nach rund 20 Minuten war die Show vorbei und die Besucher wieder verschwunden.

THW Boot

Foto: ÖRK/Markus Glanzer

Ein Zuckerl für uns, bevor wir alles abbauten, war die Vorführung des THW.  Ein THW Boot wurde mit einem Super-Puma Helikopter in den See gehoben. Man sieht nicht jeden Tag fliegende Boote :)! Nach der Show war zusammenpacken angesagt.  Die Anlage, der Tank und das Zelt war rasch verpackt und auf den LKW verladen. Anschließend ging es zurück in das Base Camp zur offiziellen „Closing Ceremony“ und zur Übergabe der Urkunden.

Zum Abschluss gab es am Abend ein nette Grillerei mit kroatischen Spezialitäten und letzte Gelegenheit zum Erfahrungsaustausch mit den anderen Teams. Ein gelungener Abend als Ausklang für eine nette Übung (mit Verbesserungspotential)! Am 5. Tag und nach Abbau des Rotkreuz-Camps ging es dann 4 Stunden über die Autobahn zurück nach Österreich, zurück in den Alltag.

Zum Abschluss möchte ich Euch etwas nicht vorenthalten! Den Emergen(c)y Alert, also die Notfall-Alarmanlage im Camp. Was es ist, kann man selbst erkennen 🙂 🙂 (Wenn nicht, Stichwort Schubkarre/Scheibtruhe, etwas zweckentfremdet)! Es gab noch eine Metallstange als Alarmgeber dazu. Und es hat funktioniert…

Alarmanlage

Foto: ÖRK/Markus Glanzer

Wasseraufbereitung, Tag 2 und Tag 3 – Übung “IPA CRO-FLOODS 2012 Field Exercise”

22. und 23. Mai 2012

Morgens nach dem Frühstück brachen wir in das Übungsgelände auf. Unser Ziel für den 2. und 3. Tag war das Errichten der Trinkwasseraufbereitungsanlage und die Produktion von Trinkwasser für das fiktive Katastrophengebiet. Verwendet wurden dafür die beiden Trinkwasseraufbereitungsanlagen (TWA 4 und TWA 6) unserer kroatischen Kollegen/innen.

Zeltaufbau

Foto: ÖRK/Markus Glanzer

Für realistische Übungsbedingungen sorgte auch das Wetter, da es bereits in der Nacht geregnet hatte und auch tagsüber keine Besserung in Sicht war. Die Zufahrtswege und das Gelände verwandelte sich zunehmend in Schlamm und Morast. Aus diesem Grund wurden zuerst die Zelte aufgestellt, um die restlichen Materialien vor dem Wetter schützen zu können. Anschließend wurden beide Trinkwasseraufbereitungsanlagen und die Tanks aufgestellt. Am Nachmittag konnte dann bereits mit beiden Anlagen Trinkwasser produziert werden. Die mitgeführten Tanks (1x 1.000l, 1 x 5.000l und 1 x 10.000l) wurden mit sauberem Trinkwasser aufgefüllt.

TWA Aufbau

Foto:ÖRK/Markus Glanzer

Ob das Wasser auch tatsächlich abgeholt werden würde, wussten wir jedoch noch nicht (Es stellte sich am Ende der Übung heraus, dass lediglich ein Schlauchboot mit dem produzierten Wasser gewaschen wurde 🙂 ). Am Abend des 2. Tages ging es dann zurück in das Base Camp und am 3. Tag in der Früh wieder raus ins Übungsgebiet. Während der Nachtstunden wurde die Anlage von einer Security-Firma bewacht.

Tag 3 brachte uns einige an Überraschungen. Bei der morgendlichen Einsatzbesprechung erfuhr unser Teamleader, dass das Water Purification Team für den nächsten Tag (Tag 4) in ein anderes Übungsgebiet umziehen muss. Die Wetterlage hatte sich soweit verschärft, dass die Delegationen und Besucher nicht in  das Übungsgebiet kommen können.

Matsch und Schlamm

Foto: ÖRK/Markus Glanzer

Zu viel Schlamm für die sauberen Schuhe! 🙂 Und wenn der Prophet nicht zum Berg kommen kann, dann muss halt der Berg umziehen…

Gleich am Morgen des 3. Tages wurde die TWA 4 abgebaut und zum Umzug verladen. Das halbe Team zog mit der Anlage um und baute diese am neuen Standort wieder auf. Der Rest des Teams blieb noch am alten Standort und baute dort die TWA 6 ab, reinigte alles und die gesamte Anlage wurde fix und fertig auf dem LKW verpackt. Ein weiterer Einsatz bei dieser Übung wurde nicht mehr in Betracht gezogen. Auch von der Übungsleitung wurde bestätigt, dass eine Anlage zum „Herzeigen“ genügt.

Die neue Location lag rund 10 Kilometer entfernt an einem Bagger-See.

Neues TWA Camp

Foto: ÖRK/Markus Glanzer

Die Zufahrtswege waren alle gut ausgebaut und die Plätze mit Schotter fixiert. Also perfekt für Beobachter geeignet :)! Am späten Nachmittag trafen beide Team-Teile wieder zusammen und es wurde noch der Ablauf des nächsten Tages besprochen.  Am Abend ging es wieder zurück ins Base-Camp und zum „Socializing“ mit den anderen Teams.

Ankunft in Rakitje, Zagreb – Übung “IPA CRO-FLOODS 2012 Field Exercise”

Leider war die Internetverbindung in Rakitje nicht die Beste und daher komme ich erst jetzt zum Bloggen.

Montag, 21. Mai 2012

Nach einer 4-stündigen Fahrt auf der Autobahn und nur einmal falsch abbiegen, erreichten wir das „Warehouse“ des Kroatischen Roten Kreuzes in Zagreb. Hier trafen wir alle kroatische und slowenische Kollegen/innen für die gemeinsame Weiterreise in das Übungsgebiet. Vom Warehouse fuhren wir im Konvoi in das Übungsgebiet nach Rakitje. Rakitje ist ein Vorort im Süd-Westen von Zagreb. Bei unserem ersten Kontakt mit den Behörden im Übungsgebiet, wurde der „Host Nation Support“ – eine Art Rezeption für internationale Hilfsmannschaften –  simuliert.

Unser Camp

Foto: ÖRK/Markus Glanzer

Hier erhielten wir unsere ersten und auch noch sehr ungenauen Informationen. Unsere ersten Aufgaben: 1) Base Camp finden und 2) Assessment im Übungsgebiet durchführen. Nach erfolgreicher Suche nach dem Base Camp, konnten unsere Unterkünfte für die nächsten Tage rasch errichtet werden. Unser „Rotkreuz-Camp“ im Camp bestand aus 4 Zelten (3 Schlafzelte und 1 Zelt für soziale Aktivitäten), mitten im eigentlichen Camp des ETS-Modules (Emergency Temporary Shelter) von THW (Technisches Hilfswerk Deutschland)  und MSB (Swedish Civil Contingencies Agency).

Ein Teil des Teams war für die Einrichtung unseres Camps verantwortlich und der andere Teil führte das Assessment durch. Mit dabei im Assessment-Team waren Ico unser Teamleader, Mike unser Deputy Teamleader, Ana unser Liaison Officer für LEMA (Local Emergency Management Authority) und ich als Liaison Officer für das OSOCC (On-Site Operations Coordination Centre). Ausgerüstet mit Kartenmaterial, GPS und Kamera fuhren wir in das fiktive Katastrophengebiet.

Assessment

Foto:ÖRK/Markus Glanzer

Der On-Site Commander gab uns ein erstes Briefing für das Water Purification Team. Aufgrund des anhaltenden Regens trat der an Rakitje vorbeifließ?ende Fluss über die Ufer und hat die gesamte Gegend überschwemmt. Mehr als 1000 Häuser standen vollständig unter Wasser und rund 40.000 Einwohner/innen wurden evakuiert.

Nach Beendigung des Assessment und Rückkehr in das Camp, wurden die restlichen Kollegen/innen über die Situation informiert. Ico gab uns noch kurz die Instruktionen für den Folgetag und dann ging unser erster Übungstag mit der offiziellen Eröffnungszeremonie zu Ende.

 

Wenn Kroatien in den Fluten versinkt! – Übung „IPA CRO-FLOODS 2012 Field Exercise“

Schwere Regenfälle im Norden und Nord-Westen des Landes, Überflutungen rund um Zagreb, rund 1000 Industrie- und Wohngebäude stehen unter Wasser, es gibt tote und vermisste Personen und Kroatien wendet sich mit einem Hilfeersuchen an die Europäische Union.

So lautet die Übungsannahme für eine internationale Übung im Bereich von Zagreb, die vom 21. – 25. Mai 2012 über die Bühne geht. Das Österreichische Rote Kreuz nimmt als Teil eines multinationalen EU-Moduls, gemeinsam mit dem Kroatischem und Slowenischen Roten Kreuz, an dieser Übung teil. Die Aufgabe dieses „Water Purification Module“ besteht in der Wasseraufbereitung im fiktiven Katastrophengebiet. Mein Beitrag im Team ist die Position des „Liaison Officer“, sozusagen das Verbindungsglied zu anderen Modulen, anderen Organisationen und den lokalen Behörden. Am Montag, den 21. Mai frühmorgens, geht es los. Nach einem ersten Briefing im Generalsekretariat des ÖRK brechen wir Richtung Kroatien auf, wo wir mit dem restlichen Team und unserem Team Leader  zusammentreffen.

Je nach vorhandener Internetverbindung im „Katastrophengebiet“ werde ich ein paar Bilder und Beiträge zur Übung hier im Einsatz-Blog posten. Jetzt muss ich mich aber noch vorbereiten, meine Sachen zusammenpacken und meinen Regenschutz suchen, denn für nächste Woche ist tatsächlich Regen in der Region angesagt. Es warten also realistische Übungsbedingungen auf uns! 😉

 

 

xH20 Basisausbildung in Krapina

Um den Zivilschutz in der EU zu erweitern und Personal für die Trinkwasseraufbereitung auszubilden, startete letztes Jahr das EU-geförderte Projekt xH20 mit der Basisausbildung. Diese Ausbildung ist mit der nationalen Trinkwasseraufbereitungsausbildung zu vergleichen und Absolventen können damit sowohl im Rahmen des Roten Kreuzen tätig werden wie auch im Rahmen des Zivilschutz der EU. Das ist ein grenzüberschreitendes Projekt, das x steht für crossborder, und TeilnehmerInnen aus Österreich, aus Kroatien und aus Slowenien nahmen daran teil. Die sechs österreichischen TeilnehmerInnen kamen aus den LV Wien, aus NÖ und aus OÖ und ich war eine davon.

xH20 Basisausbildung in Krapina

xH20 Basisausbildung in Krapina

Das nächste Mal war dann ebenfalls in Kroatien, nahe an der slowenischen Grenze, in Krapina, diesmal mit feldmäßiger Unterbringung in einer Turnhalle und Verpflegung aus der Feldküche. Mit „Hallo und Bussi“ begrüßten wir uns und stellten gemeinsam die Zelte auf, es war schön, die anderen wieder zu sehen. Der theoretische Unterricht fand in Stationen statt und wir wurden in fixe Kleingruppen unterteilt. Es gab Stationen zu den Themen Bakterien und Viren, Chemikalien, internationaler Einsatz und so weiter. Parallel dazu vertieften wir unser Wissen beim praktischen Arbeiten an den Berkefeldanlagen. An diesem Wochenende kamen Vertreter der kroatischen Medien und unser internationales Zusammenarbeiten und Lernen war soweit von Interesse, dass tags darauf ein großer Bericht über das xH20-Projekt in der lokalen Zeitung stand. Der Bürgermeister von Krapina lud alle TeilnehmerInnen in das örtliche, neu gestaltete Neandertalermuseum ein und wir kamen in den Genuss von gut aufbereiteter und spannend gemachter Menschheitsgeschichte bevor wir wieder zurück nach Österreich fuhren.

Project co-funded by the European Commission, DG Environment, Civil Protection Unit  Grant Agreement No. 070401/2009/540452/SUB/A4

Project co-funded by the European Commission, DG Environment, Civil Protection Unit Grant Agreement No. 070401/2009/540452/SUB/A4

xH20 Basisausbildung in Ogulin

Um den Zivilschutz in der EU zu erweitern und Personal für die Trinkwasseraufbereitung auszubilden, startete letztes Jahr das EU-geförderte Projekt xH20 mit der Basisausbildung. Diese Ausbildung ist mit der nationalen Trinkwasseraufbereitungsausbildung zu vergleichen und Absolventen können damit sowohl im Rahmen des Roten Kreuzen tätig werden wie auch im Rahmen des Zivilschutz der EU. Das ist ein grenzüberschreitendes Projekt, das x steht für crossborder, und TeilnehmerInnen aus Österreich, aus Kroatien und aus Slowenien nahmen daran teil. Die sechs österreichischen TeilnehmerInnen kamen aus den LV Wien, aus NÖ und aus OÖ und ich war eine davon.

XH2O AUsbildung in Ogulin/Kroatien

XH2O Ausbildung in Ogulin/Kroatien

Das erste Ausbildungswochenende war in Kroatien, in der kleinen Ortschaft Ogulin in der Nähe des idyllischen Sees Sabljaci Ogulin. Dort traf ich zum ersten Mal auf die anderen TeilnehmerInnen der Ausbildung, eine bunt gemischte Truppe, alle topmotiviert und guter Dinge. Eine Grundvoraussetzung an diese Ausbildung teilnehmen zu können, waren Englischkenntnisse, um den Lehrinhalten folgen und um miteinander arbeiten zu können.

Gleich am ersten Abend bekamen wir eine theoretische Einweisung in die Grundlagen der Berkefeldanlage, um am nächsten Tag unser erstes sauberes Wasser aus dem Seewasser zu produzieren. Ich war, wie alle anderen TeilnehmerInnen auch, Teil eines aus Kroaten, Slowenen und Österreichern bestehenden Teams und wir bemühten uns unter Anleitung der ebenfalls aus unterschiedlichen Ländern stammenden Instruktoren die Trinkwasseraufbereitungsanlage aufzubauen und in Betrieb zu setzen. Das, was Tags zuvor theoretisch noch so logisch klang, stellt uns praktisch vor einige Herausforderungen und die AusbilderInnen wurden von uns mit Fragen gelöchert. Oft war auch die englische Arbeitssprache gar nicht so leicht aufrechtzuerhalten, aber trotz aller Schwierigkeiten schafften es alle Teams am Ende des Tages hundemüde zu sein und etwas sauberes Wasser aufbreitet zu habe. Der Abend klang dann aus mit gemeinsamen Essen, Trinken, Geschichten erzählen und musizieren. Die nächsten Tage ging es ähnlich weiter, wir lernten theoretisches Wissen und setzten dieses dann, so gut wir konnten, praktisch um. Die Teams wurden neu zusammengewürfelt, die Instruktoren wechselten und so konnte ich im Lauf der Zeit sowohl vom Erfahrungsschatz aller „alten Hasen“ profitieren als auch sämtliche TeilnehmerInnen kennenlernen und mich je nach Team einbringen. Beim Abbau am letzten Tag im strömenden Regen bewiesen alle xH20ler, dass sie gut und effizient kooperieren können und auch Spaß bei widrigen Umständen haben.

Project co-funded by the European Commission, DG Environment, Civil Protection Unit  Grant Agreement No. 070401/2009/540452/SUB/A4

Project co-funded by the European Commission, DG Environment, Civil Protection Unit Grant Agreement No. 070401/2009/540452/SUB/A4

Bereit für den Ernstfall: internationales Rotkreuz-Training für Trinkwasserexpertinnen und -Experten

Ende September trafen sich rund 30 Trinkwasser-expertinnen und -Experten aus Österreich, Kroatien und Slowenien im Kroatischen Buzet zu einer Trainingswoche. Die Kärntner Rotkreuz-Mitarbeiterin Katrin Melischnig berichtet über ihre Eindrücke dieser Veranstaltung.

Trinkwasser-Expertentraining des Roten Kreuzes in Kroatien Credit: ÖRK/Karin Melischnig

Der Sinn des Trainings war es, ein möglichst realistisches Szenario eines Notfall-Einsatzes für die Teilnehmerinnen der verschiedenen Rotkreuz-Gesellschaften nachzustellen. Anhand dieser Übung sollten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer  lernen können, was die Aufgaben und Tätigkeiten eines Rotkreuz-Einsatzteams (ERU, Emergency Response Unit) im Rahmen einer Katastrophe sind und welche organisatorischen Maßnahmen von den Teams zu ergreifen sind.

Vom ersten „rapid assessment“  – dem schnellen Einschätzen der Lage vor Ort –  und dem Treffen mit den Katastrophenhelfern des  nationalen Roten Kreuz im Einsatzgebiet, über das Errichten des Camps und dem Aufbauen der Anlage gemeinsam mit dem ERU-Team, dem Produzieren von reinem Trinkwasser, den regelmäßigen Laborkontrollen des Wassers, bis hin zum Transport und der Ausgabe des „Notfallmedikaments Nummer 1“  an die Bevölkerung, wurde alles durchgespielt und kritisch überprüft.

Das Training selbst war geeignet,  ein Team von Rotkreuz-Katastrophenhelfern auf Realeinsätze vorzubereiten und sollte daher möglichst realistisch sein. Vergleichbar zum Beispiel mit einer Situation wie in Pakistan:  Überflutungen, Erdbeben, eine Katastrophe wo die betroffenen Familien dringend (Trink-)Wasser brauchen.

Die ersten Tage konzentrierten wir uns darauf, unseren Wissenstand über die verschiedenen Wasseraufbereitungs-Anlagen aufzufrischen, die im internationalen Rotkreuz-Einsatz in Verwendung sind. Wir arbeiteten mit der alten Berkefeld-Anlage, der LMS, der Scanwater und der neuen Berkefeld-Anlage. Die chemischen Grundlagen der Trinkwasseraufbereitung sind bei allen Anlagen relativ ähnlich, auch die eingesetzten Substanzen unterscheiden sich, nur die Art der Anwendung dieser Chemikalien ändert sich.

Die Gruppe von ca. 30 Teilnehmern (Ausbildner inklusive) wurde in vier Teams aufgeteilt, die jeweils eigene Missionen lösen mussten. Zu jedem Team wurden ein Ausbildner und ein Fahrer eingeteilt. Wir wurden mit einem LKW, der das gesamte Equipment (Wasseraufbereitungs-Anlage, Zelte, Feldbetten, Tanks, Chemie,…) geladen hatte, einem Laptop, Funkgeräten, einem Geländewagen, usw. versorgt und zu unserem „Einsatzort“ geschickt. Das ganze war natürlich nicht komplikationslos:  wir hatten auch mit den Problemen die man in einem echten Einsatz erwarten kann, zu kämpfen (Equipment nicht komplett, beschränkter Platz zum Aufbauen des Camps, Funksignalstörungen, … ).

Ich persönlich hatte bei diesem Training erstmals die Möglichkeit, als Teamleaderin eingesetzt zu werden. Die Teamleaderin muss den Überblick über das Geschehen behalten, koordiniert, motiviert und führt die anderen Teammitglieder, hält Kontakt zum Basecamp, dem nationalen Roten Kreuz und anderen Organisationen. Zusätzliche Aufgaben des Teamleaders sind es, regelmäßigen Besprechungen beizuwohnen, Berichte zu schreiben, Entscheidungen betreffend der Wasserproduktion und dem Lebensstandard im Camp zu treffen und das Team zusammenzuhalten.

Ein wichtiger Punkt dieses Trainings war es, so nah wie möglich an reale Einsatzbedingungen heranzukommen. Die Teams sollten bestmöglich darauf vorbereitet werden, was sie erwarten kann, wenn sie in einen realen Einsatz in ein Katastrophengebiet entsendet werden.

Trinkwasser-Expertentraining des Roten Kreuzes in Koatien Credit: ÖRK/Karin Melischnig

Trinkwasser-Expertentraining des Roten Kreuzes in Koatien Credit: ÖRK/Karin Melischnig

Jedes der vier Teams wurde unterschiedlichen Einsatzorten mit unterschiedlichen Besonderheiten zugeteilt. Nach unserem Eintreffen am „Einsatzort“, lernten wir, wie wichtig es ist, einen gut zugänglichen Ort als Camp zu wählen. Bäume und Sträucher versperrten teilweise den Weg zum Camp und es war nur mit Teamarbeit möglich, den Weg für den LKW freizumachen. Der Platz für die Zelte und die Wasseraufbereitungs-Anlage mit den Tanks war knapp bemessen – gute Planung war daher die erste Priorität, um später ein effektives Arbeiten zu ermöglichen. Obwohl es unter Tage sehr warm war, war es in den Nächten teilweise empfindlich kalt, was gute Vorbereitung auf die Nacht erforderlich machte.

Als wir den Lastwagen entladen hatten bemerkten wir, dass einige für den Aufbau der Trinkwasseranlage benötigte Dinge fehlten. Das kann trotz aller guter Vorbereitung natürlich auch im echten Einsatz vorkommen und erfordert dann schnelle Lösungsvorschläge und Einfallsreichtum. In unserem Fall machte ich eine schnelle Bestandsaufnahme der vorhandenen Teile und eruierte, was fehlt, um es dann bei den benachbarten Teams auszuleihen. Trotz einiger fehlender Teile an der Anlage war es uns möglich am Ende des ersten Tages 6.000 bis 7.000 Liter gutes Trinkwasser zu produzieren.

Am nächsten Tag fuhren wir mit der Produktion fort. Bald konnten die Pumpen – alle fehlenden Teile waren nun schon beschafft – mit voller Kapazität arbeiten: 2.000 l Trinkwasser pro Stunde. Von 9 Uhr bis 15 Uhr machte das dann insgesamt 12.000 Liter aus. Im Vergleich bewiesen die Labortests, dass wir das reinste Wasser aller vier Teams produzieren konnten.

Die nächste Herausforderung war eine Nachricht aus dem Basecamp: schlechtes Wetter verbunden mit Regen und Überflutungen war angesagt. In Anbetracht der Lage der Team-Camps war es sehr wahrscheinlich dass sie überflutet werden würden, oder dass es uns nach Regenfällen nicht mehr möglich sein würde, mit dem LKW unser Material abzutransportieren. Daher wurde schnell die Entscheidung getroffen das Camp abzubauen um der Überflutung zu entgehen. Nach dem Abbauen brachen wir in Richtung Basecamp auf. Dort jedoch stellte sich in der Nacht heraus, dass auch das Basecamp überflutet werden würde. Daher übersiedelten wir für die letzte Nacht und den letzten Abend in eine kleine Halle in Buzet.

Während des gesamten Trainings erlebten wir die sehr gute Kooperation, das team-work und die gute Stimmung zwischen den Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus Österreicher, Kroatien und Slowenien. Das ist typisch für die Art, wie Rotkreuz-Mitarbeiterinnen und –Mitarbeiter weltweit  arbeiten, um die Betroffenen nach Katastrophen zu versorgen. „Tutti fratelli“  – italienisch für „Alles Brüder“ ist daher der Wahlspruch für die unterschiedslose Kooperation zur Hilfe.

Die Ausbildner und Organisatoren des Trainings versuchten, realistische Gegebenheiten nachzustellen und hatten damit auch Erfolg: bis hin zur letzten Aufgabe, das Basecamp im Schlamm abzubauen und die Zelte zu reinigen. Das Training begann und endete damit wie ein echter Einsatz.

Zahlreiche Besucherinnen und Besucher beim Trinkwasser-Expertentraining des Roten Kreuzes in Koatien Credit: ÖRK/Karin Melischnig

Zahlreiche Besucherinnen und Besucher beim Trinkwasser-Expertentraining des Roten Kreuzes in Koatien Credit: ÖRK/Karin Melischnig

Die Übung wurde von vielen Besuchern beobachtet, unter anderem von Kinder aus Schulen und Kindergärten, Medien, dem örtlichen Bürgermeister und natürlich von hochrangigen Mitgliedern des Kroatischen und des Österreichischen Roten Kreuzes.

Das Trinkwassertraining fand im Rahmen des EU-finanzierten Projekts XH2O statt.  Das Hauptziel von  XH2O ist es, ein grenzübergreifendes und multinationales Wasser-Aufbereitungs-Modul nach den Standards des europäischen Zivilschutzmechanismus zu schaffen. XH2O wird organisiert vom Österreichischen Roten Kreuz und unterstützt von den Projektpartnern: dem Kroatischen Roten Kreuz und dem Slowenischen Roten Kreuz.