Family Affairs: Advent im Henry-Laden

Einem spontanen Einfall unseres 11-jährigen Sohnes Felix folgend haben wir uns gemeinsam als Familie zum Dienst im Henry-Laden eingeteilt. Im vorweihnachtlichen Weihnachtsfeiern- und Einkaufs-Stress eine Möglichkeit, freiwillige Arbeit zu leisten, Gutes zu tun und das im Kreis der Familie. Auch meine Schwester, ihre Tochter und meine Eltern (allesamt seit Jahrzehnten Rotkreuz-Freiwillige) helfen einen Vormittag mit, im Sinne von Henry Dunant, dem Namensgeber für den Henry-Laden.

Der Henry-Laden des Roten Kreuzes ist eine Second-Hand-Boutique, die gespendete Waren – hauptsächlich Bekleidung, Spiele und Kinderbücher – zu günstigen Preisen verkauft. Damit werden noch brauchbare Gegenstände vor der Entsorgung gerettet und bringen jemand anderen Nutzen und Freude. Die erwirtschafteten Erträge werden vom Roten Kreuz für soziale Zwecke verwendet. Insgesamt gibt es niederösterreichweit bereits 13 Läden.

Christkindls Assistenten?

Wir begannen um 8.00 Uhr in der Früh, meine Frau Hedwig, die als Teamleiterin des Brunner Henri-Laden-Teams auch für die anderen Freiwilligen verantwortlich zeichnet, schließt den Laden in der ehemaligen Post auf und startet die Kasse. Schon bald kommen die ersten Kunden und auch neue Freiwillige, die uns helfen wollen: Vanessa und ihre Mutter, eine Kindergärtnerin haben sich bereit erklärt, gespendete Spiele und Puzzles auf ihre Vollständigkeit zu kontrollieren. Auch Felix hilft mit. So können im Laufe des Vormittags mehrere Dutzend Spiele als „spielbar“ gekennzeichnet werden und können vielleicht unter dem Weihnachtsbaum eines Kindes Freude bereiten? Als Danke für die Unterstützung gibt es Schoko-Nikoläuse, die noch vor dem Mittagsläuten der nahen Kirchenglocken verspeist wurden.

Spiele im Henry Laden

Zehlreiche Spiele wurden am Vormittag gecheckt: Steine gezählt, Anleitungen kontrolliert, Puzzlesteine geprüft und Spielpläne auf Beschädigungen untersucht.

Unsere Kundinnen und Kunden

Ein Kinderwagen für den erwarteten Nachwuchs, Weihnachtsschmuck und günstige Winterbekleidung – das konnte sich eine Jungfamilie kaufen, die das erste gemeinsame Weihnachten mit eigenem Christbaum feiern will. Igor, der junge Vater erzählt, dass er wenig Geld verdient, das meiste braucht er für die Miete. Er uns seine Frau sind erst fünf Jahre in Österreich und haben daher keine Familie, die sie unterstützen können. Daher sind er und seine Frau sehr glücklich, im Henry-Laden um wenig Geld wichtige Dinge kaufen zu können. Es bleibt daher ein bisschen Geld zum Sparen für das Baby.

Spenden trudeln ein

Dazwischen kommt ein älterer Herr zu uns – Karl war früher ebenfalls Rotkreuz-Freiwilliger – und fragt, ob wir auch Schi nehmen. Er und seine Frau haben sich vor zwei Saisons eine neue Ausrüstung gekauft, allerdings fahren sie nicht mehr. So spenden sie Schi und Schischuhe – ich bin mir sicher, mit der Ausrüstung hat jemand anderer noch Freude, vielen Dank!

Modebewusste Kunden

Seidentücher und Wollschals in ihren Lieblingsfarben: türkis und blau, das fand Rosemarie nach längerem Suchen bei den Accessoires. Sie stöbert gerne in Second-Hand-Läden, denn neu kriegt sie oft nicht genau das, was sie sich vorstellt. Individuell, so bezeichnet sie ihren Modegeschmack. Und, dass sie Geschmack hat, kann man bei der rund 30 jährigen Frau durchaus erkennen.

Durchaus geschmackvolle Garderobe kann im Henry Laden zu günstigen Preisen erstanden werden.

Gibt es ein Recht zum Spenden?

Eine Dame mittleren Alters bringt einen Sack mit Bekleidung. Ihre Mutter ist verstorben, nun braucht sie das alles nicht mehr. Unterwäsche, Socken, Hausschuhe – alles zusammen in einem Schwarzen Müllsack. Leider können wir diese Dinge hier nicht verkaufen, wird ihr freundlich erklärt. Niemand kauft gebrauchte Unterwäsche. Die Botschaft kommt zwar an, doch leider reagiert die Dame unfreundlich, wirft uns „Undankbarkeit“ vor. Jetzt müsse sie extra zum Entsorgen fahren, meinte sie. Und was für ihre Mutter gut genug war, müsse für andere auch reichen.

Für mich ein Impuls darüber nachzudenken, ob es ein Recht gibt, nur nach eigenem Wunsch helfen zu dürfen, eine Art angebotsgesteuerte Humanitärökonomie? Ich denke die Antwort ist klar: Nein. Der humanitäre Imperativ, betrifft immer die Bedürfnisse des Menschen in Not, das sozial Schwachen. Nicht das Angebot darf die Hilfe beeinflussen, sondern die Nachfrage, die Bedürfnisse jener, die unserer Hilfe bedürfen. Das wird bei aller Charity-Kommunikation oft vergessen.

Das Charity-Shop-Konzept ist in Österreich noch nicht etabliert

„Die Seniorin ist eigentlich schon Stammgast bei uns im Henryladen“, berichtet Hedwig, als eine ältere Frau unser Geschäft betritt. „Ich muss ihnen was erzählen“, begrüßt sie uns, „meine Freundinnen und Bekannten glauben mir nicht, dass hier jeder einkaufen kann. Sie meinen, es ist ein Sozialladen für Bedürftige.“ Hedwig, meine Frau und Teamleiterin erklärt ihr dann, dass dieses Missverständnis öfter passiert: „Ja, der Erlös kommt sozialen Zwecken zu Gute“, weiß sie – doch zum Einkaufen kann und soll jeder kommen. Selbstverständlich können Bedürftige auch kommen, das breite und einzigartige Angebot ist aber für alle Kunden geeignet. Und zudem fließt der Erlös ja dem guten Zweck zu, umso wichtiger ist es, dass möglichst viele Personen her finden. Darum nimmt sie sich beim gehen noch ein paar Visitkarten mit, um andere vom henry-Laden zu überzeugen.

Das Leben ist ein Geben und Nehmen …

Gegen elf Uhr kommt Ursula, eine Arbeitskollegin. Gemeinsam mit ihrem Mann und dem Sohn bringt sie Sachen, vorwiegend Spielzeug und Bekleidung. „Spiele, die nicht mehr gespielt werden, sind nutzlos, die sollten neue Spieler finden“, meint ihr Sohn. Zum Glück findet er bei den Spielen im Henry-Laden auch etwas, das er in Zukunft spielen wird: Ein cooles Lego Ninjago-Set. Doch auch Weihnachts-Kerzen im Stil von Tannenbäumen gefallen ihm. Rasch ist das Taschengeld investiert und er geht nicht mit leeren Händen heim.

Mittags ist der Samstags-Dienst vorbei, wir haben den Henry-Laden auf „weihnachtlich“ umdekoriert, Weihnachtskugeln aussortiert, Spiele geschlichtet und viele Artikel angenommen oder verkauft. Vielleicht haben nicht alle Begegnungen genau so und genau heute stattgefunden, vielleicht stimmen die Namen auch nicht, denn schließlich kennt in Brunn ja jeder jeden – aber was stimmt: Weihnachten kommt und vielleicht findest Du im Henry-Laden noch das eine oder andere Geschenk.

Was wurde eigentlich aus…

Mit Lumia Selfie aufgenommen

Erinnern Sie sich noch? Vor etwa einem Jahr um diese Zeit war sie da: Die sogenannte Flüchtlingswelle. Ein Strom von 1.000en Menschen, die vor Zerstörung und Krieg flohen.

Erinnern Sie sich noch? Es folgte eine Welle der Hilfebereitschaft. Viele kleine und große Organisationen, tausende freiwillige HelferInnen, die an den Bahnhöfen, den Grenzen, in den Flüchtlingsunterkünften gearbeitet haben und auch noch arbeiten.

Und plötzlich wurde es still. 10.000e Flüchtlinge strandeten in Griechenland und konnten nicht weiter. Die EU hatte und hat versagt. Die Menschen wurden zu Marionetten in politischen Spielchen und Machtkämpfen auf allen Ebenen.

Idomeni mit seinem Elend, mit seinem Schlamm wurde tatsächlich ein Synonym für die Schlammschlacht, der sich die Gesellschaft ausgesetzt sah. Ich durfte zwei Wochen dort helfen und habe Dinge gesehen, die man in Europa nicht für möglich gehalten hat und eigentlich bei uns nicht sehen darf.

Nach fünf Monaten bin ich nach Griechenland zurück gekehrt. Abermals versuchen das internationale Team aus Deutschen, FinnInnen, JapanerInnen und Österreichern, inkl. mir, den Menschen dort zu helfen. Idomeni ist Geschichte, aber die Menschen, die dort ausgeharrt und gehofft haben, wurden jetzt auf mehrere Flüchtlingslager aufgeteilt. Drei davon betreut das internationale Rotkreuz-Team

Nea Cavalla, Cherso und Softech sind Camps mit je etwa 1.500 bis 2.500 BewohnerInnen. Die Voraussetzungen haben

sich geändert. Es ist organisierter, weniger Menschen in den Lagern, bessere Hilfe ist möglich

Nachdem ich eine abenteuerliche Anreise über Sarajevo nach Thessaloniki hatte- Direktflug wäre auch zu fad gewesen- fand ich mich in Kilkis wieder. Hier ist quasi die Operationsbasis des RKs. Neben den österreichischen Hygienespezialisten, die bereits seit einigen Wochen hier tolle Arbeit verrichten, befindet sich hier auch das BHC Modul (Basic Health Care).
Je nach Verfügbarkeit von Personal sind pro Camp bzw. pro Team minimum 1 Arzt, 1 Krankenschwester/ Pfleger, 1 Kinderkrankenschwester bzw. Pfleger und eine Hebamme. Außerdem haben wir eine Psychologin, die eine Art Selbsthilfegruppe hier betreut- jeweils in einem Lager eine.

Was hat sich geändert?
Zunächst einmal haben wir tägliche Öffnungszeiten von 9 bis 17 bzw. 18 Uhr. Davor und danach gibt es keine Versorgung durch uns. Es muss hier genauso 112 angerufen werden. Dies wird von den Menschen sehr gut angenommen.
Da das Wetter deutlich besser ist als letztes Mal, ändern sich auch die typischen Krankheiten, die wir betreuen.

WP_20160710_08_41_33_ProZur Erinnerung: im März hat es 14 Tage fast ohne Unterlass geregnet. Viele Infekte der Atemwege waren die Folge. Momentan haben wir einerseits den Ramadan sein einigen Tagen vorbei, während dessen es gelegentlich einen Kollaps gegeben hat. Andererseits haben wir weit über 35 Grad Außentemperatur und Spitzenwerte von über 40° im Zelt. Daher ist vor allem die Gefahr der Dehydrierung, also Austrocknung, groß. Mein Verbrauch an Ibuprofen hat sich auch drastisch reduziert.

Es gibt ein Programm, mit dem Daten der Patienten anonymisiert an das griechische RK gesendet werden. Dieses sammelt die Daten aus ganz Griechenland, um potentielle Krankheitsausbrüche frühzeitig zu erkennen. Durchfall, mit und ohne Blut, Verdacht auf parasitäre Erkrankungen, V.a. Masern,… müssen gemeldet werden, um Vorsichtsmaßnahmen zu veranlassen. Da die Auflagen der Medikamenten Einfuhr auch strenger geworden sind, ist es z.B. nicht mehr so einfach Ivermectin einzuführen. Dises Medikament ist im Gegensatz zu Österreich in Deutschland erlaubt. Es ist gegen Skabies- die Krätzmilbe- sehr gut wirksam, ist aber auch in Griechenland nicht zugelassen. Für Lager ist es die ideale Ergänzung der Medikation. Aber wir werden sicher Alternativen finden (müssen).

WP_20160710_08_41_43_ProHeute hatte ich noch Ben, einen deutschen Kinderarzt an meiner Seite. Dieser verlässt uns morgen aber. Mit mir kam aber auch Daniela, eine sehr kompetente und nette Kinderkrankenschwester, die Ben ersetzen wird.
Das Patientenaufkommen hat sich etwas geändert, wobei heute Sonntag war und wir es eher ruhig hatten. 66 PatientInnen in 9 Stunden sind ein guter Schnitt. Dies lässt genug Zeit, um sich länger um die Damen, Herren und Kinder zu kümmern.

Die Fahrzeit in das Lager hält sich mit knapp 25 min. auch im Rahmen.

Wie üblich herrscht ein Mangel an Ärzten. Gestern kam auch ein japanischer Arzt an. Gemeinsam werden wir das Kind schon schaukeln. Ich werde jetzt mal zumindest 8 Tage durcharbeiten (wie auch die anderen ÄrztInnen), da wir 3 ÄrztInnen für 3 Camps haben und mein Einsatz nur 14 Tage dauert, ist das für mich auch OK so.

In Summe ist die Stimmung im Team sehr gut. Virpi ist unsere Teamleaderin, also Chefin. Ich kenne sie aus Haiti, sie war die Leiterin des Health Centers des Roten Kreuzes in Port au Prince. Auch hier ist es schön, sie wieder zu sehen. Überhaupt sieht man hier wieder, wie klein die Welt bzw. die Rotkreuz Familie ist. Der eine war mit meiner Frau in Liberia, der andere mit mir in Haiti. Wir als HelferInnen sind schon ein eigener Schlag von Menschen.

Wir halten zusammen und behalten Ruhe. Immer wieder mal muss ein Team evakuiert werden- so auch heute, weil es passieren kann, dass es im Camp zu einem Raufhandel kommt. Dies hört sich jetzt schlimmer an, als es ist, aber es reicht schon, wenn sich vier Menschen streiten und evt. in die Haare bekommen. Das Problem wäre dann eines, wenn alle vier verletzt würden und durch ihre Familien zu uns gebracht würden. Da sind Streitereien manchmal vorprogrammiert. Da auch bei uns Eigenschutz vor Fremdschutz geht, versuchen wir in diesen Fällen einfach vorsichtig zu sein. Es kam auch schon vor, dass das Team mit dem Wagen aus dem Camp gefahren ist und dann einfach die Verletzten der Reihe nach zu uns bringen hat lassen. Dies kommt nicht so oft vor, trotzdem muss man auf der Hut sein. Was man nicht vergessen darf: auch hier sitzen die Menschen zum Teil bereits über Monate fest. Es geht nicht vorwärts noch zurück. Es gibt keine Arbeit, keine Beschäftigung. Menschen sind frustriert, werden auch hier zum Teil nicht gemocht.. Da kann sich so etwas mal entladen.

Ein anderer Punkt ist, dass wir alle Menschen gleich behandeln- dies ist ja Teil unserer Grundsätze. Nichtsdestotrotz müssen wir unseren PatientInnen auch klar machen, dass eine MRT Untersuchung auch für GriechInnen bis zu 5 Monate dauert. Da ist man aus Österreich anderes gewohnt. Also muss man den Leuten zu verstehen geben, dass es leider genauso und nicht anders funktioniert und die Wartezeiten normal sind. Es ist schwer für alle helfenden Seiten, da wir keine Besserstellung von Flüchtlingen wollen,aber eine Gleichberechtigung in med. Belangen. Aber alleine das kann zu Spannungen führen.

Was zu sehen ist ist, dass viele kleine Organisationen in den Camps helfen!!

Gemeinsam werden wir unsere PatientInnen weder nach Österreich bringen, noch Ihnen Perspektiven geben können. Aber wir werden sie betreuen, ihnen Hoffnung geben und sie gesund machen, so gut es geht. Allein das ist meine Aufgabe- einfach:
Aus Liebe zum Menschen.

Was wir hier eigentlich tun!!??

Ich werde oft von Freunden gefragt, ob denn die Arbeit hier etwas bringt, ob wir etwas ändern können?

Wenn ich nicht daran glauben würde, wäre ich jetzt irgendwo in Österreich eingeschneit. Sicher müssen wir hier bei allem Enthusiasmus realistisch bleiben. Wir werden Haiti nicht ändern, durch unsere Arbeit wird sich die Wirtschaft nicht erholen, die Bildung nicht angehoben und das „Pro Kopf Einkommen“ nicht nennenswert erhöht. Ich mach das hier auch nicht, weil ich mein soziales Gewissen beruhigen will. Ich „opfere“ dem RK weiß Gott schon genug Zeit und das sehr gerne.

Freunden, die fragen, sage ich nur: “Irgendwer muss es ja tun und warum nicht ich?“

Zwischenstand nach zehn Wochen Hilfseinsatz

Nach den bisher 6 Wochen für mich bzw. 10 Wochen für das gesamte Team wird es langsam mal Zeit für einen Zwischenstand.

Es war, ist und wird schwer werden diesen besonderen Einsatz zu bewerten.

2005 in Indonesien war es einfach: pro Tag  wurden mehr als 300m³ Wasser produziert und verteilt. Den Leuten wurde damit in der akuten Not geholfen.

Training als Hauptkomponente der Cholerabekämpfung

Haiti ist ein Land, dass seit Jahrzehnten immer akut in Not ist. Es wäre verkehrt den IST Zustand zu bewerten. Cholera ist hier IMMER ein Thema, jedoch momentan eher schlummernd. Cholera ist eine Erkrankung, die fäkoral- also über Stuhl und danach über die Aufnahme über Hände und Mund- übertragen wird. Wir versuchen nachhaltig, also nicht nur hier und jetzt, einerseits über Märkte und Trainings die Menschen zu erreichen und sie zum Umdenken zu motivieren. Dadurch (Hände waschen, Lebensmittel abdecken, Wasser mittels Aquatabs desinfizieren, …) erhoffen wir eine geringere Ansteckungsrate zu erreichen.

Cholera Treatment Centers (CTC) als Medizinischer Schwerpunkt des Roten Kreuzes

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Zelt, Latrinen und Dusche, wo noch 2 Tage zuvor nichts gestanden ist. Man spart sich viel Geld, muss nicht mehr in die entfernte Stadt fahren, wenn man krank ist

Auf der anderen Seite werden die CTCs verbessert. Das heisst, dass Latrinen umgebaut- oder wie in Sicard- neu gebaut werden. Incineratoren (Mini Müllverbrennungsanlagen) werden installiert und der Umgang geschult. Dies vermeidet weitere Ansteckungen und hilft auch Brutstätten für Moskitos und damit Malaria zu vernichten. Also auch hier sollte die Situation auf Dauer besser werden.

Capacity Building für die lokalen Rotkreuz-Helferinnen und Helfer

Als drittes wäre noch die Stärkung des lokalen Roten Kreuzes. Auch in Haiti gibt es das RK, auch hier kennen viele Menschen diesen Verein. Anders als in Österreich, gibt es kaum Rettungswägen, es gibt Blutspende, es gibt Katastrophenvorsorge, es gibt zum Teil Erste Hilfe Kurse. Durch die Zusammenarbeit mit dem Haitianischen Roten Kreuz (HRC), durch die Schulungen und Kurse die wir gemeinsam absolvieren und organisieren, gibt es danach auch hier mehr geschulte Mitarbeiter.

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Stärkung des HRC durch gemeinsame Arbeit und Kurse

Ein Beispiel: In kleinen Gemeinden hier werden zum Teil im Cholerafall die Rotkreuz Freiwilligen geholt, damit sie das Haus mit einer Chlorlösung aussprühen. Durch die Übergabe von einigen Sprayern kann dies auch weiter verbessert und gefördert werden…. In Summe könnte man es Hilfe zur Selbsthilfe nennen. Durch dieses Wissen und die verbesserten Möglichkeiten des Haitianischen Rot es Kreuzes kann es im Notfall auch besser, schneller und damit effektiver helfen. Haiti oder zumindest seine Rotkreuzorganisation wird damit besser, schneller, selbständiger.

Dies alles wurde in den letzten 10 Wochen durchgeführt- nicht zu vergessen:

die 27 CTUs, die wir betreut und verbessert haben und auch weiter betreuen, mussten vom 1. Team rausgesucht werden, es musste evaluiert werden, welche CTU was benötigt. Viele Besuche waren nötig, 100e km Offroad zurückgelegt werden.

Koordination und Kooperation als Schlüssel zum Erfolg

Ein Problem, dass sich hier auch gezeigt hat: im Gegensatz zu 2010 nach dem Erdbeben befinden sich hier die verschiedenen Rotkreuzorganisationen (also Österreichisches, Deutsches,….) und auch die Föderation nicht mehr im „Notfallstadium“. Dementsprechend hat auch hier die Bürokratie Einzug gehalten, man muss viele Requests- Anforderungen ausfüllen, es braucht alles seine Zeit und viele Unterschriften, bis es den weiten Weg von PaP zu uns findet. Fahrer müssen anders als bei Langzeitprojekten auch am Wochenende fahren. Wir arbeiten- anders als der klassische 5 to 9 Job auch Sonntags- wenn auch meistens nur am Computer oder in Vorbereitung auf die kommende Woche. Wir sind in 3 Wochen wieder weg und DAS ist die wirkliche Herausforderung. Der Dank gilt hier besonders Chris und jetzt Flo unseren Logistikern. Sie kämpfen gemeinsam mit Barbara tagtäglich dafür unser Material zu bekommen, halten Kontakte zum IFRC, MSF (Medicines sans frontieres), MDM (Medecins du Monde), CARE & Co. Wenn etwas fehlt, wird es von ihnen organisiert- es muss ja im Notfall nicht vom Roten Kreuz kommen..

Es klingt abgedroschen, aber diese Verbesserungen in den CTUs, die Menschen in den Dörfern, die uns unterstützen, der Dank der Menschen und die Möglichkeit, dass wir in unserem beschränkten (Zeit-) Rahmen helfen- evt. retten können- DAS ist der Grund warum ich hier bin. Ich kann allen Menschen nur sagen: Ihr Geld kommt an und das

„Aus Liebe zum Menschen“.

Spenden für die Hilfe in Haiti auf das Konto 2.345.000 
bei der PSK Kennwort Haiti oder Online.
Alle Informationen zur Rotkreuz-Hilfe in Haiti im
Rotkreuz-Portal unter www.roteskreuz.at/haiti 

 

Markttag!

Grand Vincent…Montag 8:30 Uhr… Markttag.. Leute bieten ihre Waren feil… Es gibt Kühe, Schweine und Ziegen. Daneben verkauft eine ältere Dame Kakaobohnen, die sie am Tag davor getrocknet hat. Wir würden es vermutlich „Fair Trade“ nennen.

In großen Säcken mit Aufdruck der amerikanischen Flagge wird Reis angeboten. Daneben gibt es Schuhe, Sandalen in allen Farben und Formen. Es riecht wunderbar nach Gewürzen… Knapp 80% der Marktgänger sind Marktgängerinnen – Frauen, die wahren Chefs der Familien. An sie ran zu kommen ist unser Bestreben. Durch sie gelangen die Botschaften in die Familien – Frauen erziehen Kinder.

Mittendrin hört man eine Stimme aus dem Megaphon. In breitem Kreol werden die Menschen eingeladen, zuzuhören, an einem Gewinnspiel teilzunehmen. Es gibt Lieder, eigentlich sind sie fahrende Gaukler. Was sie verbindet ist das Rote Kreuz, das auf ihrem Rücken leuchtet. 10 Volunteers – also Freiwillige – haben heute ihre 1. Bewährungsprobe. Über zwei Stunden hindurch erzählen sie mehrmals die gleichen Geschichten, zeigen vor, wie man sich die Hände wäscht und stellen dem geneigten Publikum Fragen. Bei einer richtigen Antwort gibt es einen Coupon. Mit diesem bekommen sie am RK Zelt einen kleinen Preis: eine Seife und 30 Aquatabs- Tabletten zur Wasserdesinfektion.

„Die 300 Seifen und knapp 9.000 Aquatabs gingen weg wie warme Semmeln, vermutlich hätten wir die doppelte oder dreifache Menge auch verteilen können“ sagt Barbara Rouchouze vom Wiener Roten Kreuz. Sie und Bianca Betz (Deutsches Rotes Kreuz) haben diese Aktion geplant und sind quasi Patinnen des Marktprojektes hier. Ziel ist es nicht, möglichst viele Seifen zu verteilen. Die Menschen sollen an die grundlegenden Dinge der Hygiene und Choleraprävention erinnert werden:

Wie bekomme ich Cholera? Wie erkenne ich sie? Was ist zu tun? Wie schütze ich mich davor?

Nicht nur Barbara & Bianca sind ambitioniert und begeistert- am Nachmittag wird eine Feedbackrunde mit allen Beteiligten abgehalten. Auch die 10 Volunteers, die alles gegeben haben, sind von der Resonanz begeistert- und Grand Vincent ist als „kleiner“ Markt erst der Beginn. Sie haben sich viel vor genommen. 20 Märkte sollen in den kommenden 6 Wochen besucht werden… Das entspricht einem Volumen von ca. 6.000 Seifen und 200.000 Aquatabs und mindestens 6.000 Menschen, die ein bisschen zugehört  haben, sich etwas merken und die Seifen benützen: vorm Kochen, nach dem WC, nach dem Wickeln,…

Bisher habe ich viel über die Reparatur an den CTUs (Cholera Treatment Center) geschrieben. Auch die gehen gut voran. Aber besser als jede Behandlung ist die Prävention.

Wir werden in 6 Monaten nicht sagen können: durch unsere Marktaktionen sind 100 Menschen NICHT an Cholera erkrankt- das ist leider nicht messbar, aber es ist wahrscheinlich.

Bevor wir den Markt verlassen, gehen die Rrotkreuz-Mitarbeiter noch zu den diversen Marktständen, um mit den Betreibern, die keine Zeit hatten mitzuraten, kurze Gespräche zu führen. Auch sie bekommen noch ein paar Aquatabs. Die Kette der Verunreinigung (Chain of contamination) beginnt bereits bei Ihnen. Durch die Gespräche und die kleinen Präsente fühlen sie sich nicht ausgeschlossen und auch ein bisschen wichtig. Vielleicht bleibt auch bei ihnen etwas hängen. Morgen gibt es bereits die Fortsetzung, steht der nächste Markt am Programm.

Wasser für Tozia

Immer wieder erzählen wir in Interviews, dass Wasser das Notfallmedikament Nummer eins ist…ist es auch. Was aber tun, wenn die nächste Wasserquelle kilometerweit weg ist, wenn man Leute bezahlen müsste, um es herzutragen- aber wie üblich hier kein Geld da ist? Dann versuchen wir zu improvisieren und das Unmögliche wenn schon nicht möglich zu machen dann zumindest die Lage zu verbessern.

Cholera Treatment Center (CTU) Tozia

Tozia ist eine CTU im Südosten von Grande Anse. Einzugsgebiet für mehrere Tausend Menschen. Es gibt eine kleine CTU, die gleichzeitig auch Health Center also quasi Spital ist. Ein Spital, dass aus einem Zimmer ca. 2 x 1,5 m als Rezeption und Behandlungsraum und einem gleichgrossen  Lager besteht.

„Betten haben wir keine“ sagt Darline F. die Krankenschwester hier. Sie ist für alles und jeden zuständig. Der Lohn kommt unregelmäßig, aber sie arbeitet für die Gemeinschaft und weiss, dass ohne sie medizinisch keine Versorgung mehr möglich wäre. Die Dorfgemeinschaft hat begonnen eine Plattform zu bauen. Dort soll zukünftig das Zelt stehen, dass zukünftig mit acht Betten als Behandlungsraum für Cholerakranke dienen soll. Bisher hat man diese in den nächsten Ort mehrere Stunden Fußmarsch weitergeschickt.

Die Plattform ist zur Hälfte fertig, dann ist den Menschen hier das Geld ausgegangen. Vor drei Wochen war das Rote Kreuz das erste Mal hier. Das erste Team hat sich alles angesehen und hat gemeint, wir schauen, was wir tun können. Wir versprechen nie etwas…

Es kann immer etwas dazwischen kommen: das Wetter, Rohstoffmangel, Probleme mit allem und jedem.

Nachdem aber auch die MSPP ( Gesundheitsministerium) gemeint hat, dass man Tozia weiter stützen will, waren wir letzte Woche nochmals dort, um genau zu eruieren, was wir tun können.

Eigentlich sind wir WatSan- das heißt für Wasser und Latrinen und Hygiene zuständig. Nachdem wir aber die Hilflosigkeit und den grossen Bedarf gesehen haben, haben wir uns nach Rücksprache mit dem Generalsekretariat des Österreichischen Roten Kreuzes in Wien dazu entschieden hier weiter zu helfen.

Ausnahmsweise werden wir die paar Gourde, die für Sand und Zement benötigt werden, übernehmen. Wenn wir hier noch einen

Sponsor für das Zelt finden, kann das Minispital bereits in zwei Wochen stehen.

Alle Rohre sind fertig

Gestern waren wir dann dort und haben die Verrohrung vorläufig abgeschlossen. Wenn es regnet, wird das Wasser von 2 Seiten des Daches via Dachrinne gesammelt und mittels Rohren direkt in den bereits bestehenden aber immer leeren Tank geleitet. Die letzten beiden Meter habenbisher gefehlt auch eine zweite Seite des Daches wird zukünftig mit einer Dachrinne versehen. In der Regenzeit- die auch Cholerazeit ist- sollte dann im Idealfall genug Wasser bereit stehen. Alles andere, wie Brunnen graben, Anschluss an die spärliche öffentliche Wasserversorgung ist leider von unserer Seite nicht moeglich. Die Behoerden werden den Rest übernehmen müssen.

Regenwasser wird über die Dachrinne gesammelt

Regenwasser wird über die Dachrinne gesammelt

Mit viel Mühe wurde der Tank gesäubert, geschlossen und Gerhard montierte mit den Kindern den ebenfalls benoetigten Wasserhahn. Damit ist eine kontrollierte Wasserabgabe moeglich.

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Die Kinder vor Ort helfen natürlich fleissig mit.

Am Ende des Tages blieb die Erkenntnis, dass Wasser zwar nicht immer da ist, wir aber wieder versucht haben es den Leuten naher zu bringen.  So kann das Health Center in Tozia hoffentlich bald auch mit Patienten belegt werden.

Bis bald.. euer Michi

Bon Bagay…

Eine Woche in Haiti- nachdem das erste Team nach toller Vorarbeit Jeremie nach und nach verlassen hat, hat das zweite internationale „Rettet die CTUs“ Team unter österreichischer Flagge seine Arbeit voll aufgenommen.

Am Arbeiten sind derzeit:

  • Gerhard, der beste aller Teamleader hier
  • Christopher aka Chris unser Logistiker
  • Ariane unsere Französin und Mademoiselle pour tout (Mädchen für alles) vollst motiviert
  • Bianca unser Neuankömmling aus Deutschland, die viele tolle Ideen hat
  • Barbara die 2. Französin, die aber neben 12 Jahren Wien auch sonst schon einige Auslandserfahrung hat.
  • Und meinereiner in seiner 2. Haiti Mission unterwegs
Unser Team in Haiti bei der ArbeitUnser Team in Haiti bei der Arbeit

Unser Team in Haiti bei der ArbeitUnser Team in Haiti bei der Arbeit

Was hat sich getan?

Gerhard,  Barbara und Chris haben es endlich geschafft, sich einen Überblick über Lagerhäuser, Materiallisten und -beschaffungen, mögliche Verbündete (Dinepa- quasi die „Wasserwerke“, MSPP „Gesundheitsministerium“,..) zu verschaffen. Jetzt muss „“nur noch“ alles koordiniert werden.

Wie immer im Einsatz- nein, es ist nicht typisch Haiti, sondern typisch Einsatz- dauert es endlos lange… Viele mehr oder weniger verantwortliche Menschen müssen besucht, bezirzt und mit einbezogen werden. Das erfordert Geduld und Fingerspitzengefühl. Aber wer könnte unserem dynamischen Trio schon widerstehen??

Antidepressiva aus Ottakring

Chris hat das Chaos mit den Wagen in Griff bekommen  und das Office soweit einsatzfähig gemacht, unsere Handies alle ausgegeben und für Wasser im Office gesorgt. Im Einsatz verwenden wir- wenn es möglich ist- lokale Prepaid Handies. Es wird das billigste Produkt genommen und von den Gesprächsgebühren her ist es auch besser. Die Verwendung von Funkgeräten und die damit verbundene Freigabe von  Frequenzen für solche Einsätze dauern lange. Aufgrund des Kommens des 2. Teams und der Stück für Stück verlaufenden Abreise des 1. Teams war es einfach ein Chaos- ein Auto fuhr nach PaP (Port au Prince) eines kam am nächsten Morgen und irgendwie soll man auch noch motorisiert ins Feld kommen. Armer Chris, aber er macht seine Sache toll und wenn nix mehr geht: Wir haben einen Vorrat an Antidepressiva: MANNER SCHNITTEN. Danach läuft es wieder.

Chris hat das Chaos mit den Wagen in den Griff bekommen und das Office einsatzfähig gemacht

Chris hat das Chaos mit den Wagen in Griff bekommen und das Office einsatzfähig gemacht

Aufgrund des bis heute herrschenden Automangels- PAP ist eine Tagesreise entfernt- war die letzten Tage jeweils nur ein Team im Feld unterwegs.

Choleraprävention in Jeremie

Sehr interessant war ein Training, dass Dominik noch vor seiner Abreise geplant und mit Barbara in Jeremie durchgeführt hat- quasi als letzte gute Tat. 24 Teilnehmer aus ganz Grand Anse wurden in der richtigen Dosierung von Chlor, im Sprayen von Chlorlösungen und in Choleraprävention geschult.

24 Teilnehmer aus ganz Grand Anse wurden geschult

24 Teilnehmer aus ganz Grand Anse wurden geschult Teilnehmer aus ganz Grand Anse wurdengeschult

Nichts und niemand war vor unseren Sprayern sicher. Keine Angst: es kamen keine Motorräder zu Schaden….

Nichts und niemand war vor unseren Sprayern sicher. Keine Angst: es kamen keine Motorräder zu Schaden

Nichts und niemand war vor unseren Sprayern sicher. Keine Angst: es kamen keine Motorräder zu Schaden …

Schokolade zum Frühstück?

Im Feld muss man einen guten Magen haben. Naja eigentlich braucht man den schon beim Frühstück. Vorgestern gab’s geröstete Leber mit Kochbananen, sicher der Renner der kommenden Saison hier in Wien. Gestern dafür Spaghetti- ja, zum Frühstück.

Nach dem kuriosen Morgenmahl geht es dann über Pisten, die ein Geheimtipp für alle Offroad Freunde sind, in Orte, die bei Regen aufgrund der Lage nicht mehr erreichbar sind. Einmal mussten wir auch aufgrund des starken Regens die Destination kurzfristig ändern. 35 km – 70 min Fahrzeit.  Dort angekommen werden einerseits die Verbesserungen, die seit dem ersten Besuch durchgeführt wurden festgehalten. Dzt. liefern wir auch die ersten Incinerators- quasi ein grosser Griller für alles- aus. Damit soll dem Müllberg der Kampf angesagt werden. Außerdem versuchen wir die CTCs mit Chlor zu versorgen, einige Latrinen sind auch schon geplant. Kurz gesagt: es läuft.

Ein so genannter Incerator bei der ARbeit.

Ein so genannter Incerator bei der Arbeit.

Jetzt sollten wir auch genügend Autos haben, um jeweils in 2 Orte gleichzeitig zu fahren. Außerdem ist ein Trip in den Südwesten geplant, der vermutlich 3 bis 4 Tage in Anspruch nehmen wird. Davon aber beim nächsten Mal mehr. Es ist kurz vor Mitternacht und ich bin der Letzte, der noch auf ist. Bonne nuit

Irgendwo auf diesem Bild befinden sich 3 Latrinen für Cholerapatienten

Irgendwo auf diesem Bild befinden sich drei Latrinen für Cholerapatienten

 

Deja vu…

Bonjour..

Nachdem ich 2011 bereits live aus Haiti gebloggt habe, wurde ich kurzerhand zum Teamblogger ernannt.

Michael Kühnel beim Bloggen aus Haiti

Michael Kühnel beim Bloggen aus Haiti

Wir erinnern uns.. und falls nicht hier nochmals die Kürzest- Zusammenfassung: 2010 erschüttert ein schweres Erdbeben Haiti. Im Epizentrum die Stadt Leogane ca. 40km westlich von Port au Prince. Obwohl- anders als nach dem Tsunami 2004- diesmal nicht viele Leute irgendwen kannten, der wen kannte, dessen Angehörige auch zu diesem Zeitpunkt gerade im Epizentrum waren, gab es auch aus Österreich eine wirklich tolle Hilfe in Form von Spenden. Es war und ist der grösste Einsatz in der Geschichte der Rotkreuz- Rothalbmondbewegung. Im Zuge eines Hilfsprojektes gemeinsam mit dem DRK (Deutsches Rotes Kreuz) hatte ich die Ehre im Krisengebiet für 7 Wochen die Hygieneprojekte mitzugestalten.

Gestern, knapp 2 Jahre später bin ich wieder in Port au Prince gelandet. Diesmal als Teil eines ERU Teams (Emergency Response Unit). Man möchte meinen, es sei doch eh nix mehr nötig, nach all dem Geld und all der Arbeit, die die HelferInnen investiert haben. Leider trifft es aber dieses arme Land immer wieder. Sandy- der Wirbelsturm, der in Amerika für großes Aufsehen gesorgt hat, hat leider auch Haiti getroffen. Das ist leider in den Medien ein bisserl unter gegangen Das Österreichische Rote Kreuz versucht mit Unterstützung des DRK, dem britischen und dem französischen Roten Kreuz vor allem CTCs (Cholera Treatment Centre), die vom Sturm zum Teil schwer zerstört worden sind wieder einsatzfähig zu machen. Man darf sich diese CTCs als kleine Minikrankenhäuser vorstellen, die irgendetwas zwischen 5 und 50 Betten haben und versuchen Patienten mit Cholera vor dem Tod zu bewahren.

Derzeit gibt es pro Monat ca. 11.000 Neuerkrankungen. Die Regenzeit wird einen noch höheren Anstieg bringen. Wir versuchen nun Latrinen zu graben, Mauern wieder aufzubauen, CTCs mit Chlor und anderen Medikamenten zu versorgen- und das alles im Wettlauf gegen die Zeit. Dafür ist nun unser Team hier. Dabei sind derzeit 7 Teammitglieder aus OÖ, Wien, Frankreich, England und Deutschland. Da wir drei- das Ablöseteam für das erste Team- erst heute nach einem 24 stündigen Flug mit anschließendem 7,5 Stunden- Jeep- Rodeo- Ritt in Jeremie angekommen sind, gibt es erst im kommenden Beitrag genauere Infos. Nur so viel: geplant ist es bis zu 27 CTCs wieder einsatzfähig zu machen und das in einem Zeitraum von 10 Wochen.. Wird sicher eine spannende Geschichte…

UN-SPIDER Expert Meeting: Crowdsource Mapping for Disaster Risk Management and Emergency Response

Anfang Dezember fand in der UNO City Wien ein Treffen von Expertinnen und Experten zum Thema Crowdsource Mapping for Disaster Risk Management and Emergency Response statt. Organisiert wurde die Veranstaltung vom United Nations Office for Outer Space Affairs (UNOOSA). Auch das Rote Kreuz war mit nationalen und internationalen Fachleuten vertreten.

Das dreitägige Treffen von Expertinnen und Experten fand diesmal in Wien statt.

Das dreitägige Treffen von Expertinnen und Experten fand diesmal in Wien statt.

Aufgrund der technischen Entwicklungen der letzten Jahre entstanden Gruppierungen unterschiedlicher Art (z.B. OpenStreetMap, Ushahidi oder CrisisMappers), die diverse Dienstleistungen im Bereich Disaster Risk Management oder Emergency Response anbieten. Zur Wahrnehmung dieser Aufgaben bildet ehrenamtliches Engagement ein wesentliches Element (Stichwort „Digital Volunteering“). Das United Nations Office for Outer Space Affairs (UNOOSA) bzw. United Nations Platform for Space-based Information for Disaster Management and Emergency Response (UN-SPIDER) hat diesen Trend aufgegriffen und 2011 “Space-based information for Crowdsource Mapping” zum Thema eines Expertentreffens gemacht. Ziel ist die Verbesserung des Austausches und der Kooperation zwischen Expertinnen und Experten aus dem Bereich der Weltraumtechnologie, der Crowdsourcing sowie der Katastrophenmanagement Community.

Mag. Markus Woltran, Associate Expert bei UNOOSA, erläutert die Intention des Projektes:

„Crowdsource Mapping ist eine Disziplin, die einen Brückenschlag zwischen verschiedenen Expertisen darstellt. Interdisziplinäre Zusammenarbeit ist daher unumgänglich, wodurch Bedarf an der Zusammenführung von Wissen aus den Bereichen weltraumgestützter Technik, Crowdsourcing & Crowdsource Mapping und Katastrophenmanagement besteht. Durch die Organisation des Expertentreffen verfolgt UN-SPIDER einen wesentlichen Teil seines Mandates. Im Mittelpunkt steht hier, als „Bridge, Platform und Gateway“ zu fungieren“, so Mag. Woltran.

Über 80 Expertinnen und Experten aus den Bereichen Weltraumtechnologie, Katastrophenmanagement und Crowdsourcing nahmen am Meeting teil.

Über 80 Expertinnen und Experten aus den Bereichen Weltraumtechnologie, Katastrophenmanagement und Crowdsourcing nahmen am Meeting teil.

„Seit Aufnahme des Themas in den Fokus von UN-SPIDER haben wir zwei Expert Meetings abgehalten, deren Ergebnisse in einem Bericht festgehalten und auf unserem Knowledge Portal veröffentlicht wurden. Darauf aufbauend wurde nun das dritte Meeting abgehalten, an dem insgesamt mehr als 80 Expertinnen und Experten teilgenommen haben.“, so Mag. Markus Woltran im Anschluss an das Meeting.

In einem Newsletter von UN-SPIDER (Vol. 2/12, Okt. 2012) wird Crowdsource Mapping als die ideale Ergänzung beschrieben, um nach Katastrophen die Erstellung von Lagebildern zu ermöglichen bzw. deren Qualität zu verbessern. Die Idee von Crowdsource Mapping ist dabei möglichst viele verfügbare Daten zu sammeln und diese in Karten umzuwandeln. Diese Daten können dabei aus den unterschiedlichsten Quellen stammen, wobei social-media-Kanäle von immer größerer Bedeutung werden. Die Bereitstellung dieser web-basierten Karten auf Plattformen soll für Einsatzkräfte von Hilfsorganisationen eine wertvolle Unterstützung für die Planung und Durchführung von Hilfseinsätzen sein. Da die Karten web-basiert sind ist eine Bearbeitung und Nutzung von überall aus möglich und ist nicht mehr ortsgebunden.

Zur ersten großen Anwendung von Crowdsource Mapping kam es nach dem Erdbeben in Haiti im Jahr 2010, wo Satellitenbilder und daraus erstellte Karten rasch verfügbar waren und Grundlage für die Einsatzplanung wurden. UN-SPIDER koordinierte dabei die zeitnahe Bereitstellung von Satellitenbildern, wobei es erstmalig keine Restriktionen durch Urheberrechte gab. Dadurch konnten die bereitgestellten Daten möglichst vielen Nutzern für eine weitere Bearbeitung zugänglich gemacht werden.

Beispiel einer Crowdsource Map der Organisation Ushahidi, die im Rahmen des Erdbebens auf Haiti 2010 angefertigt wurde.

Beispiel einer Crowdsource Map der Organisation Ushahidi, die im Rahmen des Erdbebens auf Haiti 2010 angefertigt wurde.

Zahlreiche „ignite talks“ und „technical presentations“ vermittelten beim diesjährigen Expert Meeting einen umfassenden Eindruck über die Möglichkeiten von Crowdsource Mapping für das Management von Katastrophen. In mehreren „break out sessions“ wurden in Kleingruppen relevante Themen diskutiert, die im Anschluss im Plenum vorgestellt wurden.

In "break out sessions" wurde der fachliche Austausch intensiviert.

In „break out sessions“ wurde der fachliche Austausch intensiviert.

Von Seiten des Roten Kreuzes nahmen neben Yann Rebois vom Internationalen Komitee des Roten Kreuzes (IKRK)und Matthew Lloyd vom New Zealand Red Cross noch Josephine Shields Recass von der Internationalen Förderation der Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften, Stefan Loizmayr und Philipp Polanski, die beide in der ERU Water & Sanitation tätig sind, teil. Clemens Liehr, ehrenamtlicher Mitarbeiter beim Roten Kreuz Purkersdorf-Gablitz, war seitens seines Arbeitgebers zum Meeting entsandt.

Seitens des Roten Kreuzes waren mehrere Personen am Meeting vertreten

Seitens des Roten Kreuzes waren mehrere Personen am Meeting vertreten

Auch seitens des Roten Kreuzes gab es zwei technical presentations. Yann Rebois vom IKRK stellte in seiner Präsentation Kooperationsmodelle und Beispiele für die erfolgreiche Anwendung von Crowdsource Mapping dar. Matthew Loyd vom New Zealand Red Cross stellte in seiner Präsentation ein technisches Projekt vor, in dem ein Tool entwickelt wurde, das die satelliten-gestützte Nutzung von Smart Phones ermöglicht, obwohl keine Netzinfrastruktur verfügbar ist.

Die Ergebnisse des UN-SPIDER Expert Meetings werden in Form eines Reports (Conference Room Paper) dem „Scientific and Technical Subcommittees“ (S&T) präsentiert werden und auf dem Knowledge Portal von UN-SPIDER veröffentlich werden. Eine der wesentlichen Erkenntnisse ist, dass die Zusammenarbeit der unterschiedlichen Communities noch vor einigen Herausforderungen steht. UN-SPIDER wird in den kommenden Monaten versuchen diese Probleme zu adressieren und durch theoretische Aufarbeitung unterschiedliche Fragestellungen zu bearbeiten. In diesem Rahmen sollen unter anderem Begrifflichkeiten und Methoden, aber auch die möglichen Formen der Kollaboration unter den 3 Communities, geklärt werden. Zusätzlich wurde im Rahmen des Expertentreffens die Möglichkeit einer Simulationsübung besprochen. Ein erster Informationsaustausch hierzu hat bereits stattgefunden und es wurde bereits Interesse eines möglichen Gastgeberlandes bekundet.

Link-Tipps:

UN-SPIDER Knowledge Portal

UN-SPIDER Expert Meeting 2012

GMES Emergency Management Service

Projekt-Bericht der Vereinten Nationen

UNOCHA-Bericht „Disaster Relief 2.0: The Future of Information Sharing in Humanitarian Emergencies”

American Red Cross „The Case for Integrating Crisis Response with Social Media”

Einige Beispiele der Crowdsource Mapping Community:

Ushahidi – www.ushahidi.com

InSTEDD – www.instedd.org

Crisis Mappers – www.crisismappers.net

Google Crisis Response – www.google.org/crisisresponse/

Virtual Disaster Viewer – http://vdv.mceer.buffalo.edu/vdv/select_event.php

HOT Humanitarian OpenStreetMap – http://hot.openstreetmap.org/

The Standby Task Force – http://blog.standbytaskforce.com/

CrisisCommons – http://crisiscommons.org/

MapAction – http://www.mapaction.org/

Haiti macht Fortschritte

Teil des Wiederaufbauprogrammes des Österreichischen Roten Kreuzes in Haiti sind so genannte Hygienetrainings. Emmanuelle Le Roy bildet vor Ort Freiwillige aus, die Hygienetrainings abhalten und Gesundheitsinformationen weitergeben. Diese Schulungen sind eine wichtige Maßnahme zur Vorbeugung von Krankheiten wie Cholera. Für Emmanuelle Le Roy ist dies bereits der zweite Einsatz in Haiti. Zuvor hat die Französin unter anderem in Benin und im Tschad gearbeitet.

Im Blog des Deutschen Roten Kreuzes berichtet Emmanuelle über die merkbaren Verbesserungen, die sich in Haiti seit der Erdbebenkatastrophe nicht zuletzt dank der internationalen humanitären Hilfe eingestellt haben.

Die Situation und das Klima ändern sich: Die Menschen scheinen entspannter zu sein, die Gesichter werden offener. Ja, Haiti macht Fortschritte, ganz langsam…

SAUNA/MASSAGE HOUSE REOPENING

Am 20. Juni 2012 war es so weit. Nach intensiven Umbauten, Briefings und unzaehligen Besorgungen hat das Laos Red Cross (LRC)-Bokeo Branch Sauna/Massage House neu eroeffnet!

Die ausgebaute Terrasse mit Blick auf den Mekong und die neue Ausstattung vermitteln ein stilvolles und vor allem entspanntes Flair. Teil der Veraenderungsarbeiten, die vom aktuellen EU Projekt unterstützt wurden, war aber nicht nur eine „auesserliche Verbesserung“, sondern auch ein Massagetraining der MassagetherapeutInnen, Englischtraining und eine Verbesserung des Services. Die neue Werbestrategie des LRC Sauna/Massage House versucht darueber hinaus mit Flyern auf Lao und Englisch, welche in Gaestehauesern und Restaurants aufliegen, und Radiowerbung auf ihr neues Angebot aufmerksam zu machen. Denn alle Einnahmen des Sauna Massage Houses dienen der Finanzierung der LRC-Projekte zur Verbesserung der Gesundheit (durch z.b. Hygiene- u. Erste Hilfe Trainings) der aermsten Doerfer in der Bokeo Provinz.

 

Picture: made by Annett Weidner, AutRC delegate, 20.6.2012, reopening sauna/massage house in Houay Xai, Bokeo

Picture: made by Annett Weidner, AutRC delegate, 20.6.2012, reopening sauna/massage house in Houay Xai, Bokeo

Angeboten werden: „Herbal Sauna“, „Relaxing Massage“, Therapeutic Massage“, „Herbal Massage“, „Food Massage“ und Kombinationen aus den Genannten. Wer es schon probiert hat, weiss die Qualitaet zu schaetzen!

Die MitarbeiterInnen hiessen die Gaeste in ihrer neuen beige-roten Arbeitskleidung, freundlich in Lao oder Englisch willkommen.

 

Picture: made by Annett Weidner, AutRC delegate, 20.6.2012, reopening sauna/massage house in Houay Xai, Bokeo

Picture: made by Annett Weidner, AutRC delegate, 20.6.2012, reopening sauna/massage house in Houay Xai, Bokeo

 

Nach einer kleinen Verspaetung treffen 8 Moenche ein, um das Sauna/Massage House mit einer Zeremonie einzuweihen. Nach ausgiebigem Chanting und der Ueberreichung von Geschenken an die Moenche beginnt der formelle Teil der Eroeffnung.

Picture: made by Annett Weidner, AutRC delegate, 20.6.2012, reopening sauna/massage house in Houay Xai, Bokeo

Picture: made by Annett Weidner, AutRC delegate, 20.6.2012, reopening sauna/massage house in Houay Xai, Bokeo

 

Zur Neueroeffnung waren zahlreiche Gaeste wie RegierungsvertreterInnen, einflussreiche Personen aus der Provinz sowie Nachbarn, FreundInnen und Bekannte geladen, um das Sauna Massage House bekannt zu machen. Nach Eroeffnungsreden des Branch Directors Mr. Bountong, der Projektmanagerin Annett Weidner und der Massagetherapeutin Siliam beginnt die Feier bei Essen, Getraenken und natuerlich „petangue“ (DAS laotische Gesellschaftspiel, welches „boccia“ aehnelt).

Um 18.00 Uhr zog es viele Stammgaeste des LRC Sauna/Massage House, aber auch neue InteressentInnen an, um mit uns zu feiern und die gratis Sauna zu geniessen.

 

Die Feier dauerte lang in die Abendstunden. Nun bleibt nur noch zu hoffen, dass die bereits verzeichnete Steigerung der BesucherInnenzahl weiterhin anhaelt und dadurch mehr Projekte finanziert werden koennen.

 

Das Projekt wird kofinanziert von:

Das Projekt wird kofinanziert von:

 

Article written by Sarah Egger, EVHAC Delegate in Laos