Haiti: Schule und Lagerhaus in Leogane

Liebe LeserInnen,

r der Schule in Haiti

Ich bin vor der Olizard Schule. Hier befindet auch eine Produktion für Brot und Früchte, ein Shop für den Verkauf - und mit dem Erlös können die Lehrer bezahlt werden.

Heute war ich gemeinsam mit unserer Programmkoordinatorin, der Finanzdelegierten und meiner Finanzkollegin aus Wien in Lower Rosseau und dann in der Olizard Schule.

Nach dem Beben wieder aufgebaut

Die Schule ist voll in Betrieb und die Kinder hatten gerade Pause, als wir ankamen. Die Schule liegt auf dem Berg, und man hat eine wunderbare Aussicht über die Region von Leogane. Beim Erdbeben wurde sie völlig zerstört und jetzt ist alles wieder in Betrieb und auch das Transformationszentrum kann wieder aktiv sein. Dabei wird Cassava zuerst zu Mehl und dann weiter zu Brot verarbeitet und die Früchte zu Säften weiterverarbeitet.

 

Lagerhaus für Holzproduktion - Hier werden Fenster und Türen für den Bau von Häusern angefertigt. Das Wiederaufbauprojekt in Haiti umfasst neben dem Bau von Unterkünften und Sanitäreinrichtungen die Versorgung mit sauberem Wasser, die Durchführung von Hygieneschulungen, den Wiederaufbau von kommunaler Infrastruktur (Schulen, Gemeinden- u. Gesundheitszentren) sowie die Unterstützung beim Kapazitäten-Aufbau (Hilfe zur Selbsthilfe, zB Handwerker Trainings). Dieses Projekt wird teilfinanziert aus Nachbar in Not-Mitteln.

Ein Lagerhaus zur Holzverarbeitung

Anschließend war ich in unserem Lagerhaus, wo die Holzverarbeitung stattfindet. Türen und Fenster werden dort angefertigt und dann für die Häuser in unsere Dörfer geliefert. Einer der Mitarbeiter meinte, dass er mich in Miami schon einmal gesehen hat (was eher unwahrscheinlich ist, weil ich da noch gar nie war). Die Arbeiter sägen, hämmern und überall ist Hochbetrieb.

 

Jetzt geht’s zum Training von Katastrophenvorsorge – werde dazu später mehr berichten.

 

Liebe Grüße aus Leogane,

Martha

p.s. Alle Informationen zur Rotkreuz-Hilfe in Haiti auf der Homepage des Österreichischen Roten Kreuzes. Info zu Nachbar in Not

Ein Tag in Lower Rosseau (Leogane)

Es ist heiss und dabei ist es erst 7 Uhr morgens. Gleich starten wir nach Lower Rosseau, Leogane, wo heute eine Grossveranstaltung zu Hygiene Promotion stattfinden wird. Luftballons sind auf einem Haus befestigt, die MitarbeiterInnen vom Gesundheitsteam haben Theaterspiel, Drama, einen Quiz fuer Hygiene, Zeichenwettbewerbe sowie kurze Rollenspiele vorbereitet – es dreht sich heute alles um das Thema Hygiene/Gesundheit. Ein DJ spielt laut Musik, die Kinder und Jugendlichen tanzen und nebenan am Feld spielen einige Fussball. Emmanuelle, unsere Delegierte fuer Hygieneschulungen in Haiti, begruesst die Leute gemeinsam mit dem Praesidenten des Dorfkommittees. Die Leute sind gluecklich, freuen sich, dass sie heute was lernen und nebenbei Musik hoeren. Es ist der perfekte Einstieg fuer meine 2 Wochen Aufenthalt in Leogane.

Alles dreht sich heute um Hygiene

Am Nachmittag hatte ich ein sehr intensives Gespraech mit Nadine (Name wurde von mir geaendert). Sie lebt in Leogane und arbeitet beim Roten Kreuz seit einigen Monaten. Sie hilft sehr gerne und lernt auch mit viel Freude Neues dazu in ihrer Arbeit. Sie erzaehlte mir vom 12.1.2010 und wie der Tag ihr Leben veraenderte. Sie ist die einzige Ueberlebende in ihrer Familie. Als sie von der Schule heimkam am 12.1. war das Haus eingestuerzt und sie konnte ihre Schwester nur mehr tot bergen.

„Dann war ich auf der Strasse unterwegs und habe verletzte Menschen auf meinem Moped zur naechsten Krankenstation mitgenommen.“

Freiwillige sind die tragende Säule des Haitianischen Roten Kreuzes

Freiwillige sind die tragende Säule des Haitianischen Roten Kreuzes

Es beruehrt mich sehr, wie die tragischen Todesfaelle in ihrer Familie bei ihr den Wunsch und das Beduerfnis erwecken, anderen zu helfen. Sie setzte diesen Wunsch auch in die Realitaet um. Zuerst als Freiwillige einer NGO und jetzt als Mitarbeiterin beim Roten Kreuz. Es ist schoen, wie sie mit Begeisterung bei der Sache ist.

„Es war eine sehr traurige Zeit fuer mich und fuer Haiti. Jetzt geht es mir besser. Ich moechte woanders helfen und viel lernen, um in Zukunft noch mehr beitragen zu koennen.“

Erste Eindruecke aus Haiti, 2012

Liebe LeserInnen,

Seit vorgestern abends bin ich vor Ort und erkenne Port-au-Prince sofort wieder. 2008 war ich zuletzt hier und kann mich noch gut an die vielen Menschen auf den Strassen erinnern – die Frauen, die ihre Waren am Strassenrand verkaufen, der viele Verkehr und die Schwierigkeit, sich hier in dem Getuemmel zu orientieren. Es ist jetzt, 3,5 Jahre spaeter, immer noch so. Im Buero in Port-au-Prince begruesst mich ein lokaler Mitarbeiter und lacht:“Ah, ich kenn dich doch“ Es ist schoen, ihn wieder zu sehen. Er ist jetzt fuer Katastrophenvorsorge zustaendig und erklaert mir seine Fotos an der Wand.

Nach Sicherheitsbriefing (Haiti ist leider ein Land, wo man Sicherheit nicht unterschaetzen soll) und einfuehrenden Gespraechen geht es weiter nach Leogane, unserem Projektstandort. Das Team empfaengt mich auf sehr nette Art und Weise und sie erzaehlen mir, womit sie gerade am meisten beschaeftigt sind und was sich alles tut.

Die Implementierung laeuft auch Hochtouren – gerade einen Tag vorher ist eine weitere Materiallieferung fuer den Haeuserbau angekommen und gemeinsam mit der Programmkoordinatorin fahre ich zum Lagerhaus. Es ist beeindruckend: 60 Arbeiter sind dabei, die Tueren zu machen, die dann fertig in die Doerfer geliefert werden.

 Alle sprudeln nur so vor Tatendrang und ich sauge alle Informationen auf – von Katastrophenvorsorgetrainings, die stattfinden sowie Veranstaltungen rund um den 2. Jahrestag des Erdbebens ueber Hygieneschulungen und die vielfaeltigen Taetigkeiten der Logistik und Koordination rund um das grosse Team von 110 lokalen MitarbeiterInnen (wenn man die 60 Arbeiter fuer das Shelterprogramm mitrechnet sind es 110 Leute!) und 9 Delegierten, die darauf achten, dass alles nach Plan laeuft.

Heute fahre ich in ein Dorf, wo eine grosse Veranstaltung zum Thema Hygienewissen stattfinden wird – ich bin schon gespannt darauf!

Liebe Gruesse,

martha

Kurz vor Abreise nach Haiti

Liebe LeserIn,

Ich bin am Flughafen in München und bald geht es via Paris nach Haiti. Die nächsten zwei Wochen werde ich vor Ort sein, um einerseits das Programm in Leogane kennen zu lernen und andererseits die Delegation zu unterstützen. Die Aktivitäten, die ich seit drei Monaten von Erzählungen, Monatsberichten sowie Besprechungen so gut kenne, werde ich nun bald direkt sehen und darauf bin ich schon sehr gespannt.

Am 12.1.2012 jährt sich der Zwei-Jahrestag des verheerenden Erdbebens. Haiti war damals in aller Munde, Hilfe von vielen Ländern wurde angeboten und die Bilder der Verwüstung gingen um die Welt. Inzwischen ist Haiti nicht mehr so häufiges Gesprächsthema. Wenn ich erzähle, dass ich nach Port-au-Prince fliege ist meistens die erste Frage: „Geht dort wirklich was weiter?“ – Es ist wie wenn diese Frage automatisch zu Haiti dazugehören wuerde.

Ja, es geht was weiter. Wenn ich an die vielen kleinen und großen Erfolge denke, dann ist das unter den Umständen schon beeindruckend. Haiti war bereits vor dem Erdbeben ein extrem armes Land, das keine Rechtsstaatlichkeit hatte und immer wieder von Naturkatastrophen betroffen war. Das Erdbeben hat einen kleinen Inselstaat getroffen, der mit vielen Problemen und Herausforderungen konfrontiert ist und dennoch oder vielleicht gerade deswegen ist es wichtig zu betonen, dass die Hilfe vorangeht: in unserem Programm (das wir gemeinsam mit dem Deutschen Roten Kreuz implementieren) lernen HaitianerInnen, ihre Häuser zu bauen (etwas stabiler als zuvor, um besser vorbereitet zu sein), bekommen Trainings in Katastrophenvorsorge, Latrinen werden gebaut, Hygieneschulungen fuer verbessertes Gesundheitswissen durchgeführt und kommunale Infrastrukturen wieder errichtet. Die Kapazitäten der einheimischen Bevölkerung werden gestärkt und gefördert. (Die Rotkreuz-Hilfe in Haiti)

Bereits in zwei Tagen werde ich mehr Eindruecke vor Ort haben/bekommen und kann mehr erzählen. Denn bis jetzt sind es Erfahrungen und Berichte von anderen und ich freue mich darauf, mir selbst ein Bild von der Situation zu machen.

Liebe Grüße vom Flughafen,

Martha

World Water Day..aufhören wenn es am schönsten ist

Vermutlich zum letzten mal aus Haiti schreibe ich meinen Blog. Ich hoffe er wird nicht zu melancholisch. Nachdem der letzte Eintrag sehhhr sachlich war hier mal wieder ein paar Dinge aus dem Leben eines Delegates.

World Water Day in der Ecole Lumiere de Dieux

Heute war mein letzter Programmpunkt hier in Leogane. Der World Water Day (WWD). Wie versprochen löse ich das Geheimnis… was haben wir gemacht? Wir haben bereits am Freitag in die “Ecole Lumiere de Dieux” Buntstifte und ca. A5 grosse Wassertropfen gebracht. Die Kinder hatten bis heute Zeit sie zu bemalen. Das Motto lautete ” Was ist Wasser für mich”. Die klassische Antwort ist: Wasser ist Leben. Fragt man einen Watsandler (umgangssprachlich für Water & Sanitation – WatSan- Mitarbeiter) so wird der wie aus der Pistole geschossen sagen: Wasser ist das Notfall Medikament Nummer 1.  So wird man gedrillt. Die Frage, die wir aber mit den Kindern erörtern wollten: was kann Wasser alles sein? Trinken, sich waschen, Pflanzen zum wachsen bringen,… Das schöne an der Sache: es waren neben den ca. 25 Kindern zwischen 6 und 10 Jahren auch 10 Mütter gekommen. Anders wie bei “Schulaufführungen” bei uns haben die Erwachsenen mitgezeichnet, Lieder zum Thema waschen, Cholera,… gesungen und waren mitten im Geschehen. Es wurden Gedichte vorgetragen und gemeinsam erarbeitet, dass Wasser auch das Meer ist und das man DAS Wasser nicht trinken kann, das Wasser auch Keime enthält, die krank machen, dass man aber mit Chlorox (lokales Chlor) Keime töten kann und das Wasser wieder trinkbar ist. Ich habe das Ski fahren rein gebracht. Wasser ist auch Schnee. Newton, unser Mitarbeiter hat gemeint, er kenne Schnee: aus dem Fernsehen, den Eiswürfeln und dem Kühlschrank. Na immerhin… Ich war wirklich sehr zufrieden. Alle haben gemeinsam überlegt, was Wasser alles ist…Auch die Kleisten waren eifrig

 

Zu den letzten Tagen:

Nachdem ich am Samstag wieder mal meine Kochkünste (LASAGNE Haitian Style) zeigen durfte, haben Kerstin- meine Kollegin  und ich kurzfristig beschlossen unserem Kollegen zum Purzeltag eine Karottentorte zu backen. Da wir ja schon geübt hatten ging es fast wie allein. Mehl..OK, Staubzucker.. brauner muss auch gehen, Margarine.. gibt es nicht, also Öl, Nüsse.. die dürfte wer gegessen haben- also ohne, Backpulver.. lieber

Die beste Lasagne in Leogane

mehr, dass er auch auf geht, Eier.. JA, DIE haben wir, Karotten..sind da, aber das System mit der “flotten Lotte” ging irgendwie nicht. Zu meiner Verteidigung: Kerstin hat die Karotten geschnitten- also mit der Käsereibe hats dann geklappt, Saft einer Zitrone.. ist da, leider bin ich erst drauf gekommen, als der Kuchen schon im Rohr war. Aber wer mit so viel Liebe bäckt, dem gelingt es auch. Unser Kollege war angetan von unserem Karottenkuchen- alles das in der Mittagspause.

Am Sonntag gab es Hibernation, da niemand wusste, wie die Wahl verlaufen würde noch dazu, wo am Freitag Aristide nach Haiti zurück gekehrt war. <es blieb aber äußerst ruhig. Eigentlich war gar nichts. Dafür haben am Samstag in unserem Ort wieder mal Reifen gebrannt.

Der Hintergrund dazu wurde mir folgerndermaßen erzählt:

Ene NGO (egal welche) hatte Zahltag, also haben alle Mitarbeiter ihr Geld bekommen. Eine andere benachbarte/ befreundete NGO hat aber nicht gezahlt. Deshalb wurden kurzerhand die Strassen gesperrt, Reifen angezündet und demonstriert. Das interessante an der Geschichte. Die letztere NGO hat deshalb nicht gezahlt, weil bei ihr (wie immer) Zahltag erst kommenden Samstag ist. Irgendwie haben die Menschen das vergessen. Es klingt jetzt lustig, war es auch bis zu einem gewissen Grad, aber auch hier sieht man wieder, dass nur ein kleiner Anlass ohne jeglicher Grundlage die Lage eskalieren lassen kann. Dann wird ein Auto umgeworfen, Reifen abgebrannt und mit den  richtigen Leuten dabei hat man ohne ersichtlichen Grund einen Aufstand… Always take care.

Gestern gab es dann als Abschluss so ein richtiges leicht sentimentales beisammen Sitzen mit den Kollegen (+in). Ich hatte ein wirklich nettes Team und habe einige wirklich ins Herz geschlossen. Man kommt sich näher (nein nicht SO nahe), die Gespräche werden tiefgründiger.

Diesmal ging ich unfreiwillig wirklich nach dem Motto: Wenn es am schönsten ist, soll man aufhören.

Nachdem ich am Freitag es erstmals wirklich geschafft hatte, das English des Kollegen in halbwegs verständliches Französisch zu übersetzen, habe ich gemerkt, ja JETZT gehts, ich kann auch im Feld mitteilen, was ich will ohne 10 Hände und 15 Füsse zu Hilfe nehmen zu müssen….

Nach einem rührenden Abschied von unserem lokalen Team heute sitze ich  gerade im Base Camp in PaP und erledige neben dem Blog noch die letzten organisatorischen Aufgaben. Es gibt hier wirklich chilling Ecken und rundherum wird gebaut. Auch das Camp wird, nachdem jetzt alles offiziell dem Haitianischen RC (HRC) gehört aufgerüstet. Die neue Küche ist gefliest- als ich vor 2 mon da war, wurde gerade mal der Estrich gemacht. Viele neue Zelte und ich konnte heute auf französisch einchecken. “aufmichselbststolzbin”.

 

Abschied von unserem lokalen Team inkl. Harald und unserer Putzfrau ;-)

 

Ich danke für die durchwegs positiven Meldungen zu meinen Blogs, danke allen LerserInnen und werde jetzt “Il dolce fa niente” hier geniessen. Ab morgen beginnt eine stressige Woche, bevor ich in 10 Tagen für 3 Monate nach Hamburg düse um dort mein Glück zu versuchen.. Ein Hinweis in eigener Sache: Bin auf der Suche nach 2 Monaten Arbeit auf einer HNO im Krankenhaus oder 3 Monaten in einer HNO Lehrpraxis. Erst dann kann ich dem RK auch als Arzt helfen… Hinweise ans RK. Danke

Als Abschluss möchte ich noch Wolfgang, meinen Kollegen der Abteilung SHELTER zitieren, woran man merkt, dass man schon länger im Einsatz ist:

“Ich merke es daran, dass ich mir denke: Die Ameisen, die beim Frühstück nicht rechtzeitig aus meinem Müsli verschwinden haben einfach Pech gehabt. Sie werden mitgegessen.” MAHLZEIT und a bientot

 

Was war eigentlich mei Leistung?

Mit diesem mittlerweile legendären Zitat möchte ich meinen Angekündigten Rückblick auf  fast 7 Wochen Haiti beginnen.

Bisher konntet Ihr Heiteres, Ernstes, Wirkliches, Erträumtes und auch manches zum Schmunzeln lesen. Was habe ich hier tatsächlich weiter gebracht? Hab ich ausser zu bloggen auch sinnvolles gemacht oder gar Leben gerettet?

Nein, ich habe keine Leben gerettet. Klingt jetzt für einen Arzt nicht wirklich ermutigend. Ich bin aber auch nie müde geworden zu betonen, dass ich hier nicht als Arzt gearbeitet habe. Ich war HP (hygiene promotion) Experte it medizinischem Background. DAS ist ein großer Unterschied. meine Arbeit war von allem Anfang an nicht PatientInnen zu betreuen, sie gar zu versorgen oder zu retten. Dafür gibt es MSF (Ärzte ohne Grenzen) oder andere NGOs (die Abkürzung hatten wir schon). Meine Arbeit kann man nicht messen. Durch meine Arbeit haben nicht nachweislich 500 Menchen keine Cholera bekommen. Das ist das Problem auch mit Public Health. Nach Nichtraucherkampagnen kann man nicht sagen: dadurch haben wir 600 Nichtraucher mehr- also potentiell 15 Fälle weniger an Lungenkrebs. Wäre cool..geht aber nicht.

Also ich werde mal einen groben Überblick geben. Nicht alles war erfolgreich, manches auch etwas weniger..

  • Zunächst mal habe ich versucht, mein Team und auch die Volunteers mit Material zu versorgen. Nicht nur Chlor, Plakate, usw… auch zum Beispiel Picture Cards (also Karten mit Bildern, die den Weg der Verunreinigung von Wasser und Lebensmitteln abbildet). Ich hatte ein Reservoir an viiiiielen Karten, aber trotzdem stellt jeder sein eigenes Kartenset zusammen- je nach Ziel. Schummelzettel für mein Team, Cholera Info Zettel,… Auch hier: man sitzt den ganzen Tag vorm Computer, hat nicht den Eindruck, etwas sinnvolles weiter zu bringen, aber es ist eine Arbeit, die gemacht werden muss.
  • Wir haben unsere community volunteers mit Trainings unterstützt, diese geschult, mit Material unterstützt und so versucht Menschen zu motivieren, ihre wertvolle Arbeit zu leisten. Es geht hierbei um Hausbesuche in ihren communities, Schulungen- einfach Verbreitung der Infos zum Thema Cholera und ihre Prävention (Stichwort Picture Cards weiter oben). Dazu muss man sagen, dass es in unserer Region noch immer wieder mal Cholerafälle gibt, die Zahl aber stetig ab nimmt. Nicht alles ist unserer Arbeit zu verdanken, aber täglich durchschnittlich 20.000 (in Worten zwanzigtausend) Liter gechlortes und damit sicheres Wasser, die in den communities behandelt werden, sind ein wichtiger Teil der Arbeit.
  • Zur weiteren Unterstützung, Entwicklung neuer Ideen, Fragen,.. usw. fanden und finden immer wieder Meetings mit den Freiwilligen der communities statt. Ich habe darüber berichtet
  • Nachem der Bau der Shelter und damit der Latrinen beginnt, haben wir auch hier im Rahmen des Latrinenbaus eine Hygieneschulung geplant und implementiert um hier nochmals die Wichtigkeit  einer sauberen Latrine, des Händewaschens,.. zu betonen und diese den Menschen im Gedächtnis zu halten. Weniger Gefahr von Cholera, erhöhter Lebensstandard
  • Wir haben versucht, in 8 Schulen Händesdesinfektion zu zeigen und die Schulen mit Chlor zu versorgen. Dies hat halb funktioniert. Leider oder zum Glück, das sei dahin gestellt, hat letzte Woche eine andere NGO in unserem Distrikt begonnen, an insgesamt über 30 Schulen- unter anderem auch dem Großteil unserer- Seifen, Kübel, Chlor… zu verteilen. Ausserdem haben sie ein nettes Programm auf die Beine gestellt, um ältere Schüler quasi als “Big Brothers / Sisters” zu trainieren. Nicht im Sinne von Überwachung, sondern als gutes Vorbild für die Kleinen. Nachdem das Budget grösser ist bzw. die NGO sich auf Schulen spezialisiert hat,konnten wir nach Rücksprache die Versorgung auch unserer restlichen Schulen sicher stellen. Es ist einfach nötig, um Doppelgleisigkeiten und evt. unterschiedliche Chlormengen zu vermeiden.  Das passiert leider ab und zu, wenn so etwas ohne Rücksprache durchgeführt wird

Ihr werdet Euch jetzt fragen, warum man unterschiedliche Chlormengen nehmen kann? Es geht hier um unterschiedliche Bedürfnisse: wir forcierten die Desinfektion. Wobei Chlorwasser und Seife einander in der Wirkung weitgehend aufheben (Chlor wirkt als Säure, Seife als Base). Deshalb propagiert die andere Organisation nur die Desinfektion von Wasser, die mit weniger Chlor einher geht. Hier wird aber das Händewaschen mit diesem Wasser und Seife empfohlen. Langer Rede kurzer Sinn: Zu viele Köche verderben den Brei.

Ich verbuche dies unter : netter Versuch, leider nicht ganz geklappt. Das wichtigste: den Schulen wird weiter geholfen- ist ja egal von wem.

Dafür haben wir einer Schule, Lumiere de Dieux, vermutlich einer der ärmsten Schulen auf der Latrinen- Prioritätenliste ganz nach oben gesetzt. Da sollte sich bald etwas tun. Warum wir nicht mehr tun? Altes Problem: ohne entsprechende Unterlagen wie Urkunde über das Eigentum des Grundes, offizielle Berechtigung,… also alles um beim Aufbau zu helfen sind uns die Hände gebunden. Ich hoffe, sie haben bald alles zusammen.

Die Schule steht schon seit einem Jahr.Erstaunlich

Latrinen sind schnell gebaut, im Notfall aber auch schnell wieder zugeschüttet, falls es Probleme mit dem Eigentümer gibt. Ganz so bürokratisch wollen wir nicht sein,auch wenn man von manchen Dingen leider nicht absehen kann.

Um die Schule auch ein bisschen zu unterstützen, werden wir den Weltwassertag dort auch feiern. Dies führt uns zum nächsten Punkt
WWD: ich verbuche das mal als Erfolg, auch wenn er erst in 3 Tagen statt findet. Sollte es keine Hibernation (Ausgangssperre) geben- Morgen sind Wahlen und keiner weiss, wie es danach im Land aussieht- wird der Tag wie geplant statt finden. Das Material ist zumindest schon in der Schule. Ich denke, dass jedem die Bedeutung von Wasser in jeder Form bewusst sein sollte. Von Lebensspender bis zum Todbringer ist hier alles möglich. DAS wollen wir den Kindern näher bringen und die Wichtigkeit, auf Wasser zu achten, weil es sehr wertvoll ist.
Nicht zu vergessen die Meetings, die Treffen mit anderen NGOs, 108.351 Berichte schreiben, Kontakt zum Chef, nach Wien, was auch immer halten. Ja, da kam einiges zusammen.

Für mich war es eine grosse Erfahrung, ich durfte viel lernen, durfte Wissen anwenden, Menschen, Freunde kennen lernen und meinen Durst nach neuen “Zivilisationen”  stillen. Es ist immer schön, neue Länder, Menschen zu entecken, sich an die jeweiligen Gepflogenheiten zu gewöhnen und sich anzupassen versuchen.

Nein, das ist nicht mein letzter Blogbeitrag. Dies ist nur meine Zusammenfassung. Ich werde mich nochmals melden: das Geheimnis des WWD wird noch gelöst. Keine Angst.

Ich hoffe, anders als in der Politik, das dies eine Ausreichende Erklärung auf die Frage war: WAS WAR EIGENTLICH MEI LEISTUNG?

Somit werde ich nun meinen letzten Samstag Abend in unserem Haus in Leogane verbringen. A bientot.

…Show must go on…

Einen schönen Abend nach Österreich. Ich habe sehr lange überlegt, ob ich angesichts der dramatischen Ereignisse in Japan weiter posten soll, wie bisher, ob überhaupt?!

Und ich bin, wie die Überschrift schon sagt, zu einem positiven Ergebnis gekommen. Auch wenn es momentan viele Schauplätze gibt (Japan, Lybien, Ägypten,…) so hat doch auch Haiti das Recht weiter auf der Homepage präsent zu sein. Ungeachtet allen Katastrophen gibt es auch hier weiterhin Menschen, denen zu helfen wir hier her gekommen sind. Zunächst mal,JA, meinen japanischen Kolleginnen respektive ihren Familien in Japan geht es (mit Stand Sonntag abend) gut. Das mag jetzt trivial klingen angesichts des Ausmaß an Zerstörung und Problemen. Aber wie war es mit dem Tsunami 2004? Waren wir nicht alle MEHR betroffen, weil es auch Österreicher, Deutsche, Europäer was auch immer erwischt hat? Jeder kennt doch irgendwen, der zumindest wen kennt der auch dort war und gut raus gekommen ist oder leider aber nicht….  Das Gefühl: ich oder meine Familie könnten in Thailand gewesen sein zu der Zeit- macht uns mehr betroffen als sonst. Seht Ihr, so geht es mir. Wenn es Kolleginnen betrifft, mit denen man arbeitet, freut man sich auch schon über so kleine Dinge, wie das es (zumindest) IHREN Familien gut geht.. Eine Kollegin, die am Samstag (!) nach 6 Monaten hier heim geflogen ist, sitzt wohl auf in New York fest und muss warten, bis sie wieder heim kann.

Doch genug davon, ich möchte von Haiti erzählen.

Ich möchte erzählen, dass sich etwas tut, dass die erste Probelatrine, die den Leuten zeigen soll, was sie für Ihre Hilfe bei unserer Arbeit bekommen, fertig ist. Diese ist, wie man auf dem Foto sieht, ohne Loch also wirklich quasi ein Ausstellungsstück.

Wir wollen den Menschen helfen, trotzdem müssen die Beneficiaries (= englisch: Begünstigter) ihren Teil dazu beitragen. Einfach, um später auch stolz zu sein,

Aufbau unserer Luxuslatrine

dass man beim Bau seiner eigenen Latrine  helfen kann. Diese Eigenleistung besteht zum Beispiel aus dem Graben des Loches. Hier habe ich schon einmal erzählt, dass es nicht immer einfach ist, da der Grundwasserspiegel oft sehr hoch ist und demntsprechend nicht überall gebuddelt werden kann. Beim Bau hilft dann ein “Baumeister”, auch das meiste Baumaterial und das Werkzeug werden von uns zur Verfügung gestellt.  Jetzt liegt es an den Beneficiaries, unser Kunstwerk zu begutachten, positiv zu bewerten und auch so ein Luxusteil haben zu wollen. Anschliessend ist es (zumindest theoretisch) möglich, innerhalb von 2 Tagen sein eigenes WC zu haben. Auf jeden Fall besser, als hinter die Palme zu geben.

Auch um der Frage vorzubeugen: Nein, es gibt sie nicht, die perfekte Latrine. Sonst wäre ich sicher nicht hier, sondern hätte mich mit dem Patentverkauf auf einer netten kleinen Insel zur Ruhe gesetzt und Microsoft übernommen oder sowas in der Art. Deshalb, wird in jedem Einsatz (bis auf ein Grundgerüst/ Prinzip) die Latrine quasi neu erfunden. Es ist ein interessantes Phänomen, welches von Entwicklungspsychologen noch nicht näher studiert werden konnte aber sicher einige Dissertationsthemen liefern würde. Ein Grund ist neben den unterschiedlichen Bedürfnissen zB auch die unterschiedliche Verfügbarkeit von Materialien usw…

Um die Spannung bezüglich dem World Water Day weiter aufrecht zu erhalten. Heute ist das langersehnte Material endlich eingetroffen. Wir werden also, so nichts dazwischen kommt, unser Vorhaben umsetzen können. Für alle, die es gar nicht mehr aushalten vor lauter Spannung: einfach mal aud die Homepage des WWD schauen. Unser Event ist in der Liste der Veranstaltungen aufgenommen.

Auch die Arbeit am Infomaterial für die Malaria geht voran. Step by step. es sind mehrere Fronten, an denen gleichzeitig gearbeitet wird. Es gilt den Überblick zu bewahren um nicht die Arbeit doppelt zu machen.

Leider geht es bald dem Ende entgegen. Beim nächsten Mal werde ich mal Resume ziehen.. eine durchaus positives- so viel sei mal verraten.

Bis dahin gehen meine Wünsche an die Brennpunkte dieser Welt. Zum Zeitpunkt als ich dies schreibe, ist der 3. Reaktor explodiert. Alles alles Gute

Sind wir nicht alle ein bisschen Henry??

Eine Woche ist um.. wieder eine…

Während wir hier versuchen, unsere Arbeit gut zu machen, lesen wir in den Online Printmedien von den Umstürzen/ Unruhen/ Kämpfen in Nordafrika. Etwas, dass mich hier besonders beeindruckt, sind die KollegInnen, die dort vor Ort helfen. Ich lasse mich hier nicht über die Geschehnisse aus, das ist nicht Aufgabe des RKs, aber meine Hochachtung allen, die im Schutzzeichen des Roten Kreuzes bzw. Halbmondes dort unter Einsatz ihres Lebens ihr bestes tun um Menschen zu helfen.

Wenn man hier so arbeitet und mit dem Team ins Feld fährt, tritt die Angst (nicht die Vorsicht) etwas in den Hintergrund, das auch wir hier keine ungefährliche Mission haben.  Am Freitag erst hatte ein Fahrer Bekanntschaft mit einem Baum machen müssen, weil irgendso ein wahnsinniger Buschauffeur die ganze Strasse brauchte und unser Fahrer nur noch ausweichen konnte. Gottlob ist niemandem etwas passiert. Auch das Auto sieht nicht ganz so schlimmaus, da er den Baum nur auf Höhe der Fahrertür seitlich erwischt hat. Ganz weiss ich nicht Bescheid, warum die Fahrerseite, aber egal. Also auch hier gilt: immer Augen auf.

Diese Woche hat unser Team zuwachs bekommen: Harald, ein Deutscher Kollege, wird ab April die Arbeit von Mike übernehmen, nachdem der knapp 1 Jahr hier gearbeitet und gelebt hat.

Jetzt kommt auf alle vermehrt Arbeit zu. Die Vorarbeit vom Shelterteam bzw. unseren Kunden sind abgeschlossen. Bald also wird der Bau der Hütten beginnen. Wie bereits 1x beschrieben wird das am Fliessband geschehen. IKEA Haitian Style…Dann auch kann das Team mit dem Latrinenbau beginnen und werden die Menschen nochmals geschult- auch im Hygienebereich. Natürlich wurden auch bisher Latrinen gebaut, aber jetzt verstärkt-wenn ich kein Dach über dem Kopf habe, ist mir eine Latrine herzlich egal. Aus diesem Grund wirds jetzt bautechnisch rund gehen in der Umgebung von Leogane: Häuser, Latrinen,…

“Bitte meiden Sie dieses Gebiet grossräumig, da es zu erheblichen Verzögerungen wegen LKW Ladetätigkeiten geben kann. Benutzen Sie die Umfahrung nach Jacmel”

Was gabs diese Woche?

Zunächst mal ist es am Montag rund gegangen.. Es hat geshaked… Nein keine Disco..auch weibliche Wesen waren nicht involviert. In Haiti war es das erste mal für mich… Richtig: ERDBEBEN. In der Nacht bin ich mit schrecklichen Kopfschmerzen und einem leicht schwankenden Gefühl aufgewacht- das obwohl ich hier nichts alkoholisches trinke. Was macht man, wenn so ein Beben vorbei ist? Richtig aufs WC und wieder ins Bett gehen. Am nächsten Tag hat mir ein Fahrer erzählt, dass alles 30 sec. gedauert hat, habe also wieder mal alles verschlafen. Umso komischer war es dann, das das Beben 2.9 hatte und das Epizentrum einige 100km entfernt war. Hätte mehr gedacht. Egal. Hätten wir DAS hier auch abgehakt.

Erstmals hatten wir diese Woche wieder volunteers community meetings, also eine Zusammenkunft, bei der geschaut wird, wie läuft die Arbeit, gibt es Probleme, bei denen wir helfen können (ausser Geld, Haus, Auto,….)? Eine Community hat wirklich auch das Thema Müll eingebracht. Also stört es sie doch. Einzig: es ist uns natürlich nicht möglich Leute zu bezahlen, damit sie den eigenen Mist weg räumen. Aber beim Thema Abfall werden wir sie wo es geht gerne unterstützen.. Ich muss mich für das Foto entschuldigen. Die Location war gratis zu haben, der Strand aber nicht so schön. Deshalb habt Ihr auch nichts versäumt ;-)

Auch versuche ich langsam zunächst mal mein HP Team für das Thema Malaria zu sensibilisieren. Wichtig sind hier zum Beispiel Moskitonetze zum Schlafen. Einer unserer lokalen Kollegen hat mir erzählt, dass es NGOs in Leogane gibt, die Netze verteilen. Auch hier ist es wichtig, sich untereinander abzustimmen, um das Geld gezielt und zum grösstmöglichen Nutzen einsetzen und sich koordinieren zu können.

 

 

Ich möchte noch ein bisschen RK Kunde mit den LeserInnen betreiben: Das Rote Kreuz und der Rote Halbmond sind nicht, wie ich es immer wieder mal höre 2 verschiedene Organisationen.

Am Anfang schuf Henry das Kreuz und es war rot. Nein, im Ernst: zu Ehren Henry Dunants, dem Gründer des RK, der Schweizer war, wurde die schweizer Fahne (weisses Kreuz auf rotem Grund) einfach umgedreht. Es hat also NIX mit irgendwelchen religiösen Zeichen zu tun. Der Halbmond, wurde als Zeichen für Länder eingeführt, die meinten, die Idee sei toll, aber das Kreuz aus geschichtl. Gründen inakzeptabel. Also ist der Rote Halbmond= das Rote Kreuz in vielen (nicht nur) muslimischen Ländern. Es gibt auch nur 1 Zeichen pro Land (siehe Grundsätze). Als neutrales Logo wurde vor kurzem der Rote Diamant, Kristall, Raute- wie auch immer- eingeführt. Es soll, wie es an sich immer war, frei von jeglicher religiöser Symbolik sein.

So viel zur Geschichte. Zum Abschluß möchte ich jetzt noch mal von meinen Kochkünsten erzählen. Ja ich kann auch bügeln und nein, ich bin schon vergeben. SORRY

Am Samstag war es soweit. Backen mit Michi. Karottenkuchen. Heute ist Montag und alle leben noch. Probleme: keine Waage, keine Reibe, keine Ahnung.

Aber mit einer Wasserwaage (inkl. Physikkenntnissen), einer “flotten Lotte” und viel Vertrauen is das eigene Können ist das Ding recht ansehnlich geworden. Einzig die gesalzenen Erdnüsse (Wal- oder Haselnüsse waren nicht zu bekommen) waren etwas hmm… gewöhnungsbedürftig. Aber er wurde aufgegessen.

Karottenkuchen HAITIAN STYLE

Dafür gab es hier gestern erstmals  überhaupt zum Frühstück Palatschinken- typisch österreichisch (also vor 1914).. Ich hab böhmische Vorfahren.. da gilt das schon.  Es war zwar keine Pizza, aber den Leuten schien es geschmeckt zu haben.

Damit schliesse ich für heute und freue mich auf eine kurze Arbeitswoche (auf Haiti wird Fasching gefeiert und auch der Regenerationstag – also Aschermittwoch- frei gegeben.) Also gehts erst Donnerstag wieder weiter. Ich schliesse mit den Worten auf einem meiner Lieblings RK T- Shirts:

Sind wir nicht alle ein bisschen HENRY ?

Alles Gute allen RK KollegInnen im Einsatz- wo auch immer. An alle anderen, lasst doch mal Euren Henry raus es macht wirklich Spaß!!

PS: Alles Gute an Matthias, meinen Neffen, zum 11. Geburtstag

Halbzeit

Büroarbeit..

Ist jetzt nicht ganz so aufregend, gehört aber auch dazu…irgendwie…

Arbeit gibt es einige, nicht zu vergessen, das mit heute die Hälfte meiner Kurzmission schon wieder um ist.

Da wäre mal der

Der Welt Wasser Tag am 22.3.2011. Hier soll daran gedacht werden, dass Wasser lebenswichtig und nicht selbstverständlich ist. Wir haben an zwei Schulen etwas geplant. Mehr dazu am 23.3… JA man muss sicher gehen, dass die Spannung aufrecht bleibt.

Dann bleibt die weitere Kontrolle bzw. Evaluation (auf Neudeutsch) der Brunnen, bei denen das Wasser gechlort wird, sowie Rat und Hilfe für die Schulen. Auch hier gilt: nur weil gezeigt wurde, wie man die Händedesinfektionslösung zubereitet heisst es noch lange nicht, dass diese auch angewand und vor allem richtig angewand wird.

Nicht zu vergessen, dass die Regenzeit bald beginnt. Dies ist momentan schwer zu glauben, bei schwülen Temperaturen jenseits der 25°, ja es ist warm im Gegensatz zu Österreich. Ich weiß, ich soll es nicht zu oft sagen, aber es gibt keine Zensur hier. Also: ES IST WARM.

OK wieder Ernst. Natürlich gibt es immer wieder auch neue Locations, neue Orte, an denen wir helfen. Am Freitag waren wir in Haute Rosseau, ein Ort, der nicht mal den Namen Dorf verdient. Irgendwo im Nirgendwo bog der Landcruiser ab und fuhr etwas entlang, dass man in Österreich vielleicht noch als engen Feldweg durch gehen lassen könnte. Aber irgendwann konnte selbst das geländetaugliche Fahrzeug nicht mehr weiter. Ein Erdrutsch hatte alles verlegt, ein Vorbeifahren wäre lebensgefährlich.

Also raus aus dem Wagen und die letzten 2 km per pedes. Das war übrigens das 1. Mal seit ich hier bin, dass ich so etwas wie Sport machen konnte. Meine KollegInnen hatten zwar etwas Angst um meine Gesundheit, aber ich blieb tapfer. Am Ziel angekommen sahen wir ca. 3 Häuser und 2 Leute, die geschult wurden. Abgesehn von dem wahnsinnig schönen Panorama fragt man sich (zurecht), warum wir 2 Leute Schulen und uns das an tun. Die Antwort: die 2 Quellen, die es dort gibt, ist für viele Menschen in der Umgebung die einzigen Wasserstellen und sie legen dafür einige km täglich zurück. Eigentlich sollten ja sechs Leute geschult werden, aber wie es halt immer ist, zwei mussten arbeiten, zwei waren unterwegs. Unser Team hat die Schulung ganz toll aufgebaut. Auch hier wieder: es handelt sich nicht um unterbelichtete Menschen. Die weitere Unterteilung von “GRAMM” in dezi, centi, milli, mikro würden bei einer Strassenbefragung in Wien sicher nicht alle wissen. Hier schon.

Das es Notwendig ist auch präventiv zu arbeiten, haben wir auf dem Weg nach Haute Rosseau gesehen. Da wurde ein vermutlich Cholerakranker zu dem CTC (Cholera Treatment Center) von MSF (Ärzte ohne Grenzen) gebracht. Eine Art Trage, getragen von sechs Menschen…Also der Weg für  uns ist lang und noch nicht zu Ende

Atemberaubender Ausblick

In den letzten Wochen haben wir auch begonnen eine quasi Buchführung einzuführen. Hier wird alles in Gallonen (grob gerundet 1 Gallone = 4 Liter) gerechnet. Jetzt haben wir eine Stricherlliste, bei der 1,3 oder 5 Gallonen eingetragen werden. Also je nach Größe der Community werden im Schnitt bis zu 17.000 Liter pro Tag von den Freiwilligen gechlort. Eine wirklich tolle Leistung. Ein Lob an alle Voluntaires.

Und auch ein Projekt zum Thema Regenzeit: Malaria. Auch die kleinen Plasmodien (Erreger der Malaria) haben das Klima auf Haiti lieben gelernt und machen hier quasi Dauerurlaub. Sonne, Strand, Wasser… mehr braucht eine Anophelesmücke nicht um glücklich zu sein. Ach ja, doch: viel stehendes Wasser. Womit wir beim letzten Problem für heute wären: MÜLL. Es gibt keine MA 48 (ich bin Wiener) hier, von Mülltrennung ist man hier so weit entfernt, wie Österreich vom Nulldefizit. Es gibt niemanden, der ihn holt. Also wird alles irgendwo entsorgt, am besten beim Nachbarn, weil in meinem Garten siehts schirch aus. In sämtlichen Plastikflaschen, Sackerln und ähnlichem kann sich Regenwasser sammeln. Genau dort legen diese kleinen stechenden Mistviecher ihre Eier/ Larven ab. Also gilt es, den Müll zu beseitigen. Mülldeponie ist ein Fremdwort-  ich glaube nicht, dass es das auf KREOL überhaupt gibt. Alternativen: vergraben- Grundwasserspiegel zum Teil bei unter 1,5m, verbrennen- ungesund, aber alternativ wäre irgendwann im Müll ersticken. Und da es auch in das Thema Gesundheit und Hygiene (Promotion) fällt, hat es mich auch zu interessieren. Aber das wird ein längeres Projekt werden…

Zum Abschluß noch eine Story über den besten kroatischen Pizzabäcker in Haiti wo gibt. Wenn uns mal das Heimweh plagt, wird typisch europäisch gekocht. Was wäre typischer, als ein kroatischer Pizzabäcker. Ein dickes Lob an Alex, der seine Pizzen am BBQ Grill perfekt hinbekommen hat. Sollte der Einsatz hier zu Ende sein, hat er überlegt, ein Lokal zu eröffnen- nein nicht in Haiti, leider auch nicht in Kroatien. Island wäre sein Plan. Also sollte jemand ab 2013 planen in Island Urlaub zu machen, einfach an mich wenden wegen der Küche…

BTW: als nächstes komme ich dran: entweder Palatschinken oder Erdäpfelpürre oder eine Mischung aus beiden. Man wird sehen

Von Schulen und Schulbusmissbrauch

Sonntag abend… das Wochenende ist schon wieder vorbei. Schade eigentlich…

Letzten Donnerstag hatten wir die Ehre, Dr. Kopetzky bei uns begrüssen zu können. Er ist der Generalsekretär des Österr. Roten Kreuzes, also jemand, den man gemeinhin als “hohes Tier” bezeichnen würde. Trotzdem ist er ein sehr bodenständiger Mensch, der sich die Mühe an getan hat, 2 Stunden von PaP zu uns zu fahren, hier sich 2 Stunden alles anzusehen und dann wieder 2 Stunden nach PaP zurück zufahren. JA, es gibt auch nette Chefs.

Als er angekommen ist, gabs zur Begrüssung mal typisch haitianischen Erdäpfelsalat und Cola… neben  Reis, Huhn und Bananen derzeit unsere Standartlebensmittel. Danach gabs eine Übersichtstour zu unseren Projekten.

Dr. Kopetzky vor unserem "Ausstellungsshelter"

Es wurde unser Shelter (= Hütte) besucht, ebenso der derzeit statt findende Kurs für die Wasser-beauftragten der Communities..

Als Höhepunkt wurden wir in der Schule der Frère Olizard vom Direktor begrüsst. Hier hat das Gemeinschaftsprojekt aus österreichischem und deutschem Roten Kreuz massgeblich zum Wiederaufbau der Schule beigtragen. Mit großem Stolz wurden uns die Räumlichkeiten gezeigt.
Das Schulgeld, so erfuhren wir, betrage 1500 Gourd pro Kind und Jahr. Dies entspricht ca. 38 U$ (inkl. Mittagessen), also eigentlich nicht viel. Nur können sich diesen Preis etwas 3/4 aller Schüler bzw. der Eltern leisten. Trotzdem, versicherte uns der Direktor, würden auch die anderen Kinder am Unterricht teilnehmen. Der Betrag diene neben dem Essen auch zur Bezahlung der Lehrer. Die Schule ist ein gutes Beispiel dafür, dass man versucht, nicht nur halbwegs unabhängig- vom eigenen Obst und Gemüse- zu leben, auch Brot wird selbst gebacken und verkauft, um das Überleben der Schule zu gewährleisten.

Nach ein paar herzlichen Worten von Dr. Kopetzky machte sich der Tross wieder auf nach PaP.

Am Wochenende wars dann ruhig. Zumindest der Samstag wurde neben der obligatorischen Besprechung am Vormittag zur Regeneration genützt. Sonntag, also heute, fuhren mein Kollege und ich nach Jacmel, einem Ort im Süden. Man sieht dem Ort die Schäden des Erdbebens nicht mehr so an. Ein netter kleiner Ort, wo man sich wohl fühlt. Als wir dann in Richtung Strand fuhren, sahen wir halb auf der Strasse ein Auto- unbemannt. Es kam uns schon mal komisch vor… Als wir dann auf einem geraden Stück ein bisserl weiter einen Schulbus quer auf der Strasse stehen sahen und auch dahinter Blockaden, informierten wir umgehend die Föderation und drehten sofort um. Es waren zwar über den sehr zuverlässigen SMS Weg mögliche Blockaden für den Westen angekündigt, aber der Osten war nicht erwähnt worden.

Strassenblockade

Strassenblockade, im Hintergrund sieht man weitere

Die Gefahr ist, dass man evt. nicht mehr wenden kann bzw. die Stasse vollends blockiert wird. Einzige Möglichkeit: umdrehen und schnurstracks nach Hause. Wieder ein gutes Beispiel, dass wir hier IMMER auf der Hut sein müssen und uns nie 100%g sicher fühlen können und sollen.

Also gabs Essen sicherheitshalber daheim: richtig erraten: Hendl (diesmal ohne Reis, aber mit Erdäpfeln). In diesem Sinne einen sicheren und schönen Abend