In remembrance of Claudius Scholer – In Gedenken an Claudius Scholer (†)

We have learned about the sudden death of our colleague Claudius Scholer.

Mit großer Bestürzung haben wir vom plötzlichen Ableben unseres Mitarbeiters Claudius Scholer erfahren.

In Gedenken an Claudius Scholer (†)

In Gedenken an Claudius Scholer (†)

Claudius Scholer has been leading the Austrian Red Cross programs in East Africa (Rwanda, Ethiopia, South Sudan, Uganda, Eritrea) as Regional Representative, since 2015.

He studied philosophy, history, development cooperation studies as well as social pedagogy and he held a master’s degree in business administration.

Originally working as a publicity strategist, in 1993 Claudius became an ICRC delegate and worked in conflict areas in Liberia, Rwanda and Bosnia. After the Tsunami in Indonesia he took over the role of Head of Mission for the Swiss Caritas in Indonesia and afterwards became Country Representative for the Belgium Red Cross.

With Claudius we have not only lost an excellent Red Cross delegate and highly committed colleague, but also a wonderful person.

Claudius leaves behind his wife and three children. Our thoughts are with his family in Kigali.

Below this post, you can express your condolences in remembrance of Claudius.

In German:

Claudius Scholer leitete seit 2015 als Regionalverantwortlicher das ÖRK-Programm in Ostafrika (Ruanda, Äthiopien, Südsudan, Uganda, Eritrea).

Er hat Philosophie, Geschichte, Entwicklungszusammenarbeit sowie Sozialpädagogik studiert, und hatte einen Master of Business Administration.

Ursprünglich Werbestratege wurde er 1993 IKRK-Delegierter und arbeitete in Konfliktgebieten in Liberia, Ruanda, Bosnien und dann als Missionschef für die Schweizer Caritas nach dem Tsunami in Indonesien sowie als Länderverantwortlicher für das Belgische Rote Kreuz.

Mit Claudius haben wir nicht nur einen exzellenten Rotkreuz-Delegierten und engagierten Mitarbeiter verloren, sondern einen wunderbaren Menschen.

Claudius hinterlässt eine Frau und drei Kinder. Unsere Gedanken sind bei seiner Familie in Kigali.

Unterhalb dieses Beitrags können in Gedenken an Claudius Beileidsbekundungen abgegeben werden.

Nach Bangladesch und zurück: Gedanken zum Einsatz

„Wie knüpft man an, an ein früheres Leben?“

Ich weiß … das klingt jetzt sehr pathetisch. Aber ich finde, ein klein bisschen passt dieses Zitat auch für jeden, der von einem Einsatz zurückkommt. Zurück ins „normale“ Leben, in den Alltag und die Routine. Was nimmt man mit? Was lässt man dort?

Aber erstmal von Anfang an …

Wir kamen als 4. Rotation in Bangladesch an. Und wussten, dass wir nicht die letzte Rotation sein werden. Also wie war der Einsatz? Gute Frage.

Und wie so oft kann man diese beantworten mit: Erwarte das Unerwartete. Nichts war so, wie man es sich vorgestellt hat. Vieles hat sich im Laufe der vorherigen Rotationen verändert.

Wir kamen in Cox´s Bazar an und waren dann – dank der Arbeit und Vorbereitung der anderen Delegierten vor uns – bei der Fertigstellung des so wichtigen Bohrlochs an der japanes clinic dabei. Für mich war es spannend zu erfahren und zu lernen, wie so ein Bohrloch unter diesen speziellen Bedingungen gemacht wird. Was ist wichtig, was muss man berücksichtigen? Was ist bei uns in Europa gang und gäbe und in Bangladesch nicht möglich? Aber auch: wie kann man es dort am besten machen?

Deep production borehole mit drilling rig versus deep tube well mit donkey-technique.

Sehr interessant und aufschlussreich. Aber auch teilweise frustrierend, wenn man nicht den erwarteten Fortschritt in der Arbeit sieht. Man lernt auf jeden Fall eines: Geduld. Und Vertrauen in andere Arbeitsweisen.

Auch die Arbeit auf dem HHTW (household water treatement) Level hat an Fahrt aufgenommen. Von einer Verteilung (+Training) in der Woche auf zwei bis drei (mit Ziel vier) in der Woche.

Ich hatte die Gelegenheit bei den ersten Besuchen in neuen Bereichen unserer Arbeitszone dabei zu sein. Da merkt man dann schon sehr gut, wie das Leben im Camp so ist. Und man wird nachdenklich. Wie würde unsereins in so einer Situation klar kommen? Diese Frage kam schon auch bei dem einen oder anderen Gespräch unter den Delegierten auf.

Die Menschen dort im Camp zeigen einen bewundernswerten Durchhaltewillen. Wenn man im Camp unterwegs ist, ist man eher mehr im Weg. Ständig werden Baumaterialien auf den schmalen Wegen transportiert. Überall sieht man, wie sie sich ein Stück weit ein Leben aufbauen. Man sieht kleine Geschäfte, Schmieden,….

Aber natürlich kann man die Augen nicht vor der Armut und der tatsächlichen Situation verschließen.

Am Beginn unseres Einsatzes machte uns noch die Hitze und die Luftfeuchtigkeit zu schaffen. Das wurde dann besser. Glücklicherweise hatten wir nur zwei Regentage. Denn bei Regen gibt es im Camp fast ein kein Vorankommen.

Weihnachten mal anders

Wir konnten zusätzlich auch noch die Erfahrung machen Weihnachten und Silvester im Einsatz zu verbringen. Es wurde ausgiebigst gefeiert, mit lauter Musik und Partys. Auch für die Delegierten wurde eine Weihnachtsfeier veranstaltet. Mit Partyhüten und allem Drum und Dran (man kennt so etwas bei uns eher als Faschingsparty). Ein wirklich einzigartiges Weihnachtsfest, das mit eigener live Gitarrenmusik und Gesang untermalt wurde.

Danach gingen die Partys und Feiern in Cox’s Bazar durchgehend weiter bis Silvester. Obwohl wir davon nicht so viel mitbekommen haben, da wir am nächsten Tag einen ganz normalen Arbeitstag hatten.

Was man mitnehmen kann

Alles in Allem war dieser Einatz geprägt von Höhen und Tiefen, Komplikationen und Teamarbeit. Wir haben lang ersehnte Resultate gesehen und hoffentlich damit den Menschen im Camp die Hilfe zukommen lassen können, die sie so dringend brauchen.

Der Abschied war dennoch mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Wir wissen unser Projekt in guten Händen, aber auch, dass noch viel Arbeit bevor steht.

Also: was nimmt man mit? Auf jeden Fall Bewunderung für die Menschen dort. Demut. Bescheidenheit. Es wird einem bewusster, was wirklich wichtig ist. Viele Erinnerungen.

Was lässt man dort? Vielleicht ein Stück Hoffnung. Hilfe. Und vielleicht auch dort: Erinnerung.

Verfasserin: Katrin Melischnig

16.000 Liter Wasser, jeden Tag

Von Gudrun Weidhofer.

Gudrun Weidhofer in Bangladesch.

Das Österreichische Rote Kreuz ist seit Mitte September mit einer Einheit von Spezialisten in Bangladesch im Einsatz um Menschen sauberes Wasser zur Verfügung zu stellen. Mittlerweile sind mehr als 600.000 Menschen vor der Gewalt in Myanmar nach Bangladesch geflohen und leben derzeit in Camps in der Nähe von Cox Bazar, im Süden von Bangladesch. Ein großes Problem für die geflohenen Personen stellt der unzureichende Zugang zu sicherem Wasser dar. Hier kommt unsere Einheit, eine so genannte ERU M40 (emergency response unit) ins Spiel.

Jeweils zwei Mitarbeiter aus Österreich arbeiten für ein Monat lang, dann werden sie in einer „Rotation“ durch zwei neue ersetzt. Mittlerweile befindet sich die dritte Rotation vor Ort und ist damit beschäftigt die Pläne, welche die erste Rotation erstellt und wir, also die zweite Rotation, umgesetzt haben, zu finalisieren. Einer diese Pläne beinhaltet den Aufbau einer Wasseraufbereitungsanlage in einem der „neueren“ Camp-Bereiche.

Neue Bereiche erkennt man daran, dass die dort gebauten Hütten aus Bambus und Planen erst einige Tage lang stehen und „Infrastruktur“, sofern man davon reden kann, in einem noch geringerem Umfang vorhanden ist als in den Camp-Bereichen, die schon seit zwei Monaten existieren. In diesen Camps bedeutet Infrastruktur etwas anderes als bei uns. In diesem Fall bedeutet es, dass nicht einmal Latrinen oder Brunnen vorhanden sind, dass es keine Straßen sondern nur Trampelpfade gibt. Das Fehlen von Sanitärinfrastruktur erhöht die Gefahr von Krankheitsausbrüchen.

Im Zuge von Erkundungswanderungen am Anfang unserer Rotation haben wir erkannt, dass das Camp inzwischen bis zu einer Rohwasserquelle gewachsen war, die wir verwenden konnten um Wasser daraus aufzubereiten. Jetzt, wo die drei Tanks hoch am Hügel stehen, von weitem zu sehen, ist eine der ersten Fragen, die wir von vorbeigehenden Personen verschiedener Organisationen hören: Wie habt ihr denn diese riesigen Tanks dahin gebracht? Der erste Teil des Weges konnte mit einem  Truck mit Allradantrieb befahren werden, welcher die Tanks geladen hat. Die „Straßen“ sind natürlich Schlammpisten:

Transport des Tanks auf einer Dirt-Road

Zur Erklärung, wie der Rest des Weges zurückgelegt wurde, holen wir unser Handy raus und zeigen ein Video: Hier klicken  Nicht schlecht, oder? Beeindruckende Leistungen, die hier von Camp-Bewohnern erbracht wurden, die unter widrigsten Bedingungen leben und oft erst vor Wochen aus ihrer Heimat geflohen sind. Wir sind froh, dass wir ihnen bezahlte Arbeit anbieten können, ihnen so ein selbstbestimmteres Leben ermöglichen und die großen Leistungen, die sie für „ihre“ Anlage erbringen, würdigen können.

Üblicherweise reist eine Einheit wie unsere mit vielen Tonnen Equipment an. Aufgrund der Gegebenheiten vor Ort wurden wir aber als reine Personaleinheit entsandt. Dies macht uns flexibler beim Aufbau von Anlagen, wir können lokale Materialien verwenden und fördern die Wirtschaft der Region. Zudem sparen wir Transportkosten. Es heißt allerdings auch, dass ein Teammitglied als Logistiker tätig werden muss und viel Zeit damit verbringt in verschiedenen Läden mithilfe von Google Bilder herzuzeigen, und so Werkzeug und Materialien einkauft. Einige Impressionen vom Aufbau der Anlage:

Wenn es darum geht für die Pumpe ein Pumpenhaus zu bauen, sind wieder mal die handwerklichen Qualitäten unserer Mitarbeiter gefragt. Es wird kurz abgeklärt was das Ziel ist – die Pumpe vor Regen und Kinderhänden zu schützen –, und schon geht einer unserer Männer das Baumaterial kaufen. Alles Weitere überlassen wir den Locals. Wir wissen, wenn wir am nächsten Tag wieder ins Camp kommen werden, wird ein perfektes Pumpenhaus fertig sein. Mit Bambus, Machete und Schnur kann beinahe alles gebaut werden.

Schon bevor wir begonnen haben die Anlage aufzubauen haben wir erste chemische Tests im Labor durchgeführt um festzustellen, ob die Rohwasserquelle geeignet ist um aufbereitet zu werden. Ich habe voller Stolz einer Kollegin, mit der ich schon in Uganda zusammengearbeitet habe, folgendes Foto geschickt: img 1062. Ihre Antwort: „Die WASH-people sind crazy. Freuen sich an Dreckflocken in gelbem Wasser 😀 „. Und sie hatte Recht – ich habe mich sehr gefreut, dass die Flockung mit Chemikalien (Schmutz im Wasser bildet Flocken, die durch ihr höheres Gewicht zu Boden sinken) funktioniert hat. Danach wird noch mit Hilfe von Chlor desinfiziert und fertig ist das Wasser mit Trinkwasserqualität! Natürlich müssen auch weitere chemische Überprüfungen direkt an der Anlage durchgeführt werden, immer unter genauer Beobachtung von sehr vielen neugierigen Nachbarn.

Neugierige informieren sich über Wasser-Tests

Die Wasseraufbereitung läuft gerade an, zwei Camp-Bewohner vor Ort werden laufend von uns ausgebildet, um die Anlage selbstständig betreiben zu können. Bis dahin werden unsere Nachfolgerotationen gemeinsam mit diesen „Locals“ die Anlage betreiben und den Menschen im Block M1 jeden Tag bis zu 16 000 Liter sicheres Wasser zur Verfügung stellen können.

Ein Blick ins Labor: Die Arbeit in Bangladesch

Von Marco Skodak.

Marco Skodak und Gudrun Weidhofer in Bangladesch.

“Hi I’m the Lab-Guy!” Wenn wir in den letzten Wochen bei Besprechungen oder in den Camps Menschen getroffen haben, die sich auch mit Trinkwasser beschäftigen, oder, wie es international gerne heißt, im WASH–Sector (Water, Sanitation & Hygiene) arbeiten, dann war das mein häufigster Vorstellungssatz. Wenn so viele Menschen wie in Bangladesch mit einem Schlag in Gegenden leben, in denen es vorher kaum Infrastruktur gab, dann stößt man schnell an Grenzen, auch beim Trinkwasser. So wurden von verschiedenen Organisationen in möglichst schneller Zeit möglichst viele Brunnen installiert, die, wie mein Kollege im ersten Blog schon beschrieben hat, oft nicht sehr tief sind und Latrinen in nächster Nähe haben.

Natürlich geht und ging es uns nicht darum andere Organisationen zu kontrollieren, sondern darum, genügend Informationen zu gewinnen um die besten Antworten auf eine Krise wie diese zu finden. Viele kennen sicher das Gefühl, wenn die Not groß ist, will man so schnell wie möglich helfen. Damit unsere Hilfe aber nicht zu einem kopflosen Losstürmen wird, das im Endeffekt mehr Probleme schafft als löst, braucht es Information. Mit ein bisschen Stolz können wir sagen, dass viele der derzeit vorhandenen Informationen bezüglich Trinkwasser aus den von uns gesammelten und aufbereiteten Daten stammen. Mit diesen Daten und den daraus gezogenen Schlüssen und Handlungen können wir immer wieder auch anderen Organisationen unter die Arme greifen. Doch was soll man sich unter einem Feldlabor vorstellen? Und womit beschäftigen wir uns eigentlich?

Feldlabor – Man nimmt was man kriegt

Feld Labor bedeutet nicht unbedingt Arbeit auf offenem Feld. Dieses Labor besteht aus ein paar Kisten mit Geräten, Tests und Laborausrüstung und kann fast überall aufgebaut werden. Da eine stabile Stromquelle, ein Kühlschrank und Räume mit konstanter Temperatur aber von Vorteil sind, waren Ich recht froh ein Hotelzimmer übernehmen zu können, in dem das Bett und sonstige Einrichtungen gegen Tische und unser Material getauscht wurden.

E-Coli – der kleine Indikator

Escherichia Coli ist ein Bakterium, das Mensch und Tier mit sich herumtragen. Es ist in unserem Darm zu finden und die meisten Angehörigen dieser Spezies sind nicht krankheitserregend. Da es aber von Lebewesen in großer Menge ausgeschieden wird und eine Zeit lang auch außerhalb des Darms überlebt, ist es ein guter Indikator dafür, ob getestetes Wasser mit Fäkalien in Berührung gekommen ist. Finden wir E-Coli im Trinkwasser, müssen wir annehmen, dass Krankheiterreger, die zum Beispiel heftigen Durchfall auslösen, auf demselben Weg übertragen werden könnten. Auch wenn solches Wasser heute vielleicht niemanden krank macht, gilt es als unsicher, da morgen bereits Krankheitserreger drinnen sein könnten.

Nach über 200 Proben in zwei Monaten können wir sagen, dass ein großer Teil der Brunnen, die nur einige Meter tief reichen, bereits kontaminiert sind. Solange die Bevölkerung auf diese Brunnen angewiesen ist können sich Krankheiten also schnell ausbreiten. Nachdem meine Kollegin Anja Pfeifer-Maier in der ersten Rotation schon mit den damaligen Proben zu diesem Ergebnis gekommen war und Alarm geschlagen hatte, flossen unsere Informationen in die Entscheidung mit ein, gegen Cholera zu impfen und die WHO beschloss, selbst einige Tests durchzuführen die unsere Daten bestätigten.

Bangladesch ist bekannt für Arsen 

Wenn es um Trinkwasser geht, verbindet man Bangladesch schnell mit hohen Werten an Arsen. Hier gibt es einige Gebiete, die große Probleme mit diesem Thema haben und in denen viele Menschen an den Langzeitschäden leiden. Für uns Grund genug, uns das Thema genauer anzusehen. Da jede Probe auf Arsen zu testen einen gewaltigen Aufwand bedeutet hätte, wurden von uns Proben über das gesamte Gebiet verteilt genommen. Verschiedene Brunnen wurden ausgewählt, ganz bewusst flache als auch tiefe. So konnten wir eine Art Übersichtskarte erstellen, die zeigt, dass es nur am südlichen Rand unserer Camps eine Belastung mit Arsen gibt. Auch wenn wir hier im Rahmen unserer begrenzten Möglichkeiten natürlich keine hochgenauen Analysen durchführen konnten, sind diese Daten doch ein guter Ansatzpunkt für weitere Untersuchungen und erste kurzfristige Entscheidungen, die getroffen werden müssen.

Chlor – Die Suche nach der Lösung 

Das Chlorieren großer Gefäße mit Chlorlösung

Neben langfristigen Projekten wie Tiefenbrunnen, die hoffentlich die vorhandenen Probleme im Wasserbereich lösen können, müssen wir so gut es möglich ist gegen diverse Krankheiten gerüstet sein. Eine schnelle Lösung ist dabei die Behandlung mit Chlor, wie wir es aus unseren Swimmingpools kennen. Es kann fast alle Keime abtöten. Wichtig ist dabei die genaue Dosierung! Zu wenig bedeutet, dass Keime überleben könnten. Zu viel Chlor im Wasser macht es aber untrinkbar und wird in den meisten Bevölkerungen auf große Ablehnung stoßen. Dieser Einsatz gilt als einer, in dem es für uns keine einfachen Lösungen gibt und so ist es auch in diesem Fall. Verschiedene Brunnen, die oft nur wenige Meter auseinanderliegen, zeigen große Unterschiede darin, wie viel Chlor benötigt wird. Dies kommt von einem hohen Gehalt an Eisen im Wasser, das zusammen mit dem Chlor reagiert und Flocken bildet. Diese Flocken färben das Wasser dann – je nach Menge – Gelb bis Orange. Diese Verfärbung geschieht auch von selbst, sobald das Wasser aus dem Boden und mit Luft in Berührung kommt, der Vorgang dauert aber ohne Chlor länger. Für uns bedeuteten diese Fakten viele Tests und Spielerein, um brauchbare Ergebnissen zu erhalten und den Menschen sicheres Trinkwasser zur Verfügung stellen zu können. Vor meinem Abflug aus Cox Bazar durfte ich das Lab noch an Christopher Friedrich übergeben, der als Teil der dritten Rotation unsere Arbeit für möglichst gute Informationen fortführt.

Bangladesch, Rohingya und ein etwas anderer Einsatz

Seit Mitte August sind Hunderttausende Menschen vor Gewalt in Myanmar über die Grenze nach Bangladesch geflohen. Als Delegierte des Österreichischen Roten Kreuzes helfen wir den Menschen sauberes Wasser zur Verfügung zu stellen.

von Wilfried Hildenbrand

Wilfried Hildenbrand installiert eine Wasserentnahmestelle in Bangladesch.

Als ich aus Wien den Anruf erhielt dachte ich noch: Da fährst du hin, holst eine Wasseraufbereitungsanlage für 40 000 Personen (M40) aus dem Lager und baust sie in Bangladesch auf. Schon bei den ersten Meetings stellte sich dann heraus, dass die Sache diesmal wohl ein wenig komplexer werden würde, und so bin ich am 27. September spätabends samt einer riesigen Kiste voller Laborequipment in Wien Schwechat gestartet.

Über Dubai erreichte ich Dhaka – die Hauptstadt von Bangladesch – am nächsten Abend. Es regnete stark. Wie fast schon üblich fehlte auch diesmal eine Kleinigkeit vom privaten Gepäck und schon beim Ausfüllen des üblichen Formulars fiel mir die extreme Hilfsbereitschaft der Bengalen auf, die bis heute allgegenwärtig ist. Leider war die Maschine in die Krisenregion, in die hügelige Gegend in der Provinz Cox´s Bazar, für den nächsten Tag bereits ausgebucht. Also musste ich einen Tag warten. Beim Einchecken am US Bengal Schalter die freudige Überraschung, dass meine 45 Kilo schweres  Übergepäck ohne Aufzahlung mitgenommen wurden. Ein „Ja“ auch auf die Frage des Personals, ob ich für die Rohingya komme, war genug.

Das Team, bestehend aus zwei Schweden, einem Italiener, einem Japaner und Anja Pfeifer-Maier aus der Steiermark (Anja ist unsere Labor-Lady und wartete schon sehnsüchtig auf das mitgebrachte Equipment), erwartete mich schon, um mich umgehend über alle Aktivitäten zu informieren. Mittlerweile verstärkt noch ein Australier unser Team, das zwar aus vielen Ländern kommt, aber bestens zusammenarbeitet.

Unser Einsatzgebiet sind zwar verschiedene Camps: Diese sind aber zusammengewachsen, sodass wir eigentlich von einem Camp mit verschiedenen Sektoren sprechen können. Das Managona Camp beherbergt rund 70 000 Flüchtlingen, das Hakim Para Camp 20 000 Flüchtlingen und das Burma Para Camp 16 000 Flüchtlinge. Da wir aber die einzigen sind, die ein schnell anwendbares System für den Fall eines sektoralen Choleraausbruches haben, ist es möglich, dass wir auch in anderen Teilen des Lagers zum Einsatz kommen.

Quartiere aus Holz und Plastik – so weit das Auge reicht.

Es ist beeindruckend, wie schnell die Flüchtlinge ihr Leben hier organisiert haben. Sie haben in die Hügel Plattformen gegraben, Hütten gebaut, und für jeden Block wurden offizielle Sprecher gewählt. Wenn wir kommen, können wir uns kaum der helfenden Hände erwehren, die sofort zur Stelle sind und uns interessiert und dankbar unterstützen, aber auch ihr vorhandenes Wissen einbringen. Normal installieren wir in der Nähe eines solchen Camps bei einem verschmutzten Süßwasser- führenden Fluss oder See eine Trinkwasseraufbereitungsanlage und bringen das Wasser mit Lastwagen in das Camp. Wir befinden uns aber in der Nähe des Meeres und bei Flut dringt Salzwasser in die Bäche und Flüsse, was eine Entnahme für uns unmöglich macht.

In diesem Gebiet gibt es nur eine Straße, die an einer Seite am Camp vorbeiführt und man muss zu Fuß über steile, ca. 20 Meter hohe Hügel hineinwandern. Da gerade Regenzeit ist, haben wir einen sehr hohen Wasserspiegel und es gibt eine Menge selbst installierter Handpumpen, die eiligst zwischen vier und 12 Meter tief geschlagen wurden. Diese sind durch die Latrinen allerdings fast zur Gänze mit E. Coli Bakterien hoch verseucht, wodurch die Durchfallerkrankungen ansteigen und ein Choleraausbruch befürchtet wird. Daher haben wir zwei unterschiedliche Systeme entwickelt.

Bei einem System wird direkt bei den Handpumpen eine Chlorlösung in die Gefäße der Flüchtlinge gegeben und beim anderen suchen wir Bohrlöcher, die genug Wasser für kleine Pumpen liefern um Tanks zu füllen, Chlor beizumischen und dann das Wasser abzugeben. Da in ein bis zwei Monaten durch das baldige Ende der Regenzeit diese Bohrlöcher austrocknen werden, arbeiten wir mit Hochdruck an einem Plan, Tiefenbohrungen durchzuführen und ein Verteilsystem zu installieren. Wir arbeiten sehr eng mit dem Bengalischen Roten Halbmond sowie den anderen ERU-Einheiten wie der MSM 20 (Spanier und Engländer) und dem Feldhospital (Norweger, Finnen und Alex ein alter Bekannter aus  Kroatien) zusammen.

Ein kleines Beispiel der extrem unterschiedlichen Herausforderungen, mit denen die Flüchtlinge es hier zu tun haben möchte ich noch anmerken: Da es hier noch wildlebende Elefanten gibt, und deren Wege direkt durch das Camp führen, gab es schon einige Attacken, bei denen Verletzte und vor meiner Ankunft sogar zwei Tote zu beklagen waren. Ich hoffe einen kleinen Einblick in diese für die Flüchtlinge so extreme Lage gegeben zu haben. Am 16. Oktober fliegen Marko Skodak und Gudrun Weidhofer nach Bangladesch, um mich und Anja abzulösen. Für das Rote Kreuz gibt es noch viel zu tun. Leider.

 

 

 

Just for fun

DAVOR

Schlafen, sagt man, wird überschätzt. In unserem Fall von Schlaf zu sprechen ist vermutlich ohnehin eine Übertreibung. Nach nur etwa 4 Stunden Schlaf, der immer wieder von Sirenen der Rettungswagen durchbrochen wurde, versuchten wir eine im besten Falle lauwarme Dusche zu nehmen. Unser Küchenteam war schon wieder höchst motiviert und hat den lebenswichtigen Kaffee und Tee bereits hergerichtet. Es gibt Wurst, Marmelade und Brot. Im komatösen Zustand versuchen wir gerade die völlig übermüdete Nachtschicht abzulösen. In den letzten 12 Stunden haben sie über 50 Patientinnen betreut. Dabei bekamen sie es mit Patienten mit Verdacht auf Masernausbruch genauso zu tun, wie zur Versorgung von Reanimierten oder frisch operierten Patienten.

Den Höhepunkt bildete eine Gruppe aggressiver junger Leute die immer wieder versuchten in das Ambulanzzelt einzudringen. Durch Beruhigung, Fürsprache, und warmen Tee konnten die jungen Schauspielerinnen beruhigt werden. Unser Support Team sorgte nicht nur für ausreichend Licht und Strom für die Handy Ladegeräte ( ein Dank auch an den FMD für das WIFI Netz), sie waren auch laufend um unser leibliches Wohl bemüht. Immer wieder wurde der Wassertank für die Duschen aufgefüllt. Kaum hatte die Frühschicht begonnen, gab es natürlich schon wieder einige Patienten, die immer wieder in Trauben mit Rettungswagen hergebracht worden sind. Zwischendurch kam es auch immer wieder zu sogenannten „no play“ Situationen, die zum Glück immer glimpflich ausgegangen sind.

Improvisierter Krankentransport

Unter „no play“ verstehen wir reale Zwischenfälle. Dann musste einmal ein Pflaster auf eine blutige Zehe geklebt werden, oder auch ein Holzspan aus einem Finger entfernt. Das größte Lob aber bekamen wir nicht von den Schiedsrichtern und Organisatoren dieser Übung, sondern von den Schauspielerinnen, die sich bei uns einfach gut aufgehoben gefühlt haben. Unsere tollen Kolleginnen haben nicht nur ihre spielerische Aufgabe bravourös gemeistert, sondern sich auch zwischendurch mit den jugendlichen Darstellerinnen unterhalten. Da wurde dann auch mal ein Müsliriegel oder eine Flasche Mineralwasser an unsere „Opfer“ weitergegeben. Ich denke, gerade diese Menschlichkeit ist es, die das Rote Kreuz und auch unsere tollen Mitarbeiterinnen ausmacht. Da es an Montag weit über 30° hatte, entschloss sich die Einsatzleitung, allen Kolleginnen ein Eis zu spendieren. Da fiel dann auch das eine oder andere Eis für eine intubierte 13-jährige Patientin ab, deren Augen darauf hin zu strahlen begannen.

Was ist die Faszination an diesem AMP-Modul? Es sind die Menschen, es ist das Team. Jeder und jede hat seine bzw. ihre Spezialität. Jede und jeder seine Sprache. Neben Ungarisch, wurde Vorarlbergerisch, Tirolerisch, Steirisch usw. gesprochen.  Sogar Wiener sollen sich unter den Mitarbeiterinnen befunden haben.

Zwei Patienten, die mit Schwefel kontaminiert wurden, werden wie selbstverständlich von einem Mitarbeiter in Schutzkleidung gereinigt. Eine zweite Kollegin deren Freund Feuerwehrmann ist, sucht in der Zwischenzeit die Datenblätter heraus, um die richtige Art der Reinigung zu finden. Selbst die Schauspieler sind erstaunt darüber, dass sie jetzt mit Laugenwasser abgewaschen werden. Diese Improvisationskunst ist es, die das Österreichische Rote Kreuz und speziell unsere AMP Einheit auszeichnet. Das ist es auch, was in den Köpfen der internationalen Beobachter gespeichert bleibt. Das, und dass wir für jeden Spaß und für jeden Blödsinn zu haben sind. Ich denke das es in so einer großen Einheit wichtig ist, neben der Professionalität jedes einzelnen und jeder einzelnen auch die nötige Portion Humor zu haben, um auch in Krisensituationen den Spaß an der Arbeit nicht zu verlieren.

Ohne diesen wäre es auch nicht möglich gewesen, die gefühlten 100.000 Zelte und das Material wieder einzupacken, übermüdet, schwitzend und top motiviert. Keiner unserer Mitarbeiterinnen hat sich verletzt.

Sogar die Chefs haben gearbeitet

Chiefs at work

Ohne Edi, unser logistisches Genie, der uns durch seine Koordination die Übung erst ermöglicht hat, ohne Christian und Andreas, unsere Tamagotchis, die diese Einheit aufgebaut haben, und ohne das ÖRK, das uns sehr unterstützt, wären diese und andere Übungen nicht möglich. Ein großer Dank geht auch an Aniko, Istvan und Zoltan, unsere ungarischen Kolleginnen. Sie waren eine echte Bereicherung für unser Team. Und am Ende geht der letzte Dank einerseits an Elena und Roman, die uns alle sicher ans Ziel und auch nach Hause gelotst haben und natürlich an KDB, Jörg und Wolfgang das Führungsteam.

Gerade sind die letzten- die Tiroler- nach Hause gekommen, nach über 3.200 km Fahrstrecke sind alle wieder bei ihren Lieben gelandet. Es ist ein gutes Gefühl (wenn auch nur im Spiel) Leben gerettet zu haben

DANACH

Keep on the spirit..

AMP goes FYROM

Starke Regenfälle, Überschwemmungen, Erdbeben mit Hauseinsturz, vermehrtes Auftreten von Durchfallerkrankungen und ein Großunfall mit 30, zum Teil sehr schwer, Verletzten.

Dies alles geschah fiktiv während wir das AMP Modul aufgebaut haben. …

FYR of Macedonia ist Gastgeber einer Übung der EUCP (European Union Civil Protection), bei der das Feldspital des Österreichischen Roten Kreuzes gemeinsam mit ähnlichen Einheiten aus Rumänien und Italien unter internationaler Beobachtung teilnimmt.

Diese noch junge Einheit des Roten Kreuzes besteht aus ÄrztInnen, PflegerInnen, SanitäterInnen und Fachpersonal aus vielen anderen Bereichen (Technik, Logistik, Verpflegsdienst,..) des Roten Kreuzes. Einmalig macht es aber erst der Umstand, dass aus vielen verschiedenen Landesverbänden MitarbeiterInnen zusammenarbeiten.

Die Anfahrt wurde sehr präzise geplant. Zollformalitäten, Klo- & Ess-Pausen, Grenzübertritte und die Eingliederung von drei ungarischen KollegInnen ins Team mussten koordiniert werden.

In Serbien wurde übernachtet, da beim Eintreffen am Einsatzort sofort mit dem Aufbau des Moduls, dass aus 12 Zelten, 3 Verbindungsmodulen und der Einrichtung besteht, begonnen werden sollte.

Aufgrund von Staus konnte erst etwas verspätet mit dem Aufbau begonnen werden. Während ein kleines Team bereits mit 5 Betten einsatzbereit war, beschäftigten sich alle anderen mit dem Aufbau des sogenannten Zeltsternes und dessen Einrichtung.

Auch wenn es bereits 20 Uhr war, ließen die ersten „PatientInnen“ nicht lange auf sich warten. Fünf Menschen, die aufgrund des Hochwassers, kontaminiertes Wasser getrunken hatten, wurden mit Medikamenten und Infusionen behandelt. Die erste Herausforderung neben dem Aufbau stellte die Säuberung des Zeltvorplatzes dar.

Währenddessen kam es zum Funkspruch: Schwerer Unfall mit mehreren Verletzten. Während die rumänischen KollegInnen mit einem Spezialtransporter zum Unfallort fuhren, stellten wir zwei Rettungswägen für die Erstversorgung ab. Die ersten Schätzungen beliefen sich auf etwa 30 Verletzte. Während die Rumänen speziell für Traumata ausgerüstet sind, ist die Spezialität der italienischen KollegInnen ein Operationssaal, in dem sie pro Tag bis zu 7 große Operationen durchführen können. Leider fehlt ihnen die Kapazität der Nachbetreuung. Hier konnten sich das Österreichische AMP gut einfügen. Da wir bis zu 4 beatmete PatientInnen betreuen können, arbeiteten wir Hand in Hand mit dem italienischen AMP zusammen.

Zusätzlich übernahmen wir die Betreuung von PatientInnen mit Schlaganfällen, Hirnblutungen, Asthamanfällen und konnten auch aufgrund der WASH (Water Sanitation and Hygiene) Erfahrung unsere Expertise bei Menschen mit Durchfall und potentiell ansteckenden Krankheiten einbringen. Aufgrund der Lage wurde kurzfristig die Kapazität von 18 Betten auf 30 erhöht. Hierbei handelte es sich um Betten in einem speziellen Zelt, um eine potentielle Ansteckung von anderen Patientinnen zu unterbinden. Dem (Schauspieler) Vertreter des mazedonischen Gesundheitsministeriums wurde dann auch ein Plan zur Seuchenbekämpfung vorgestellt und weitere Hilfe in diesem Bereich angeboten.

In der Zwischenzeit wurden alle Opfer des Unfalles versorgt. Hierbei galt es nicht nur die gespielten Verletzungen zu versorgen. Es musste auch auf das körperliche Wohl unserer zum Teil sehr jungen DarstellerInnen geachtet werden. Die Temperaturen waren nicht sehr hoch und so wurden alle Patienten nicht nur psychisch sehr gut betreut, sondern auch gut zugedeckt und mit Wasser oder Tee versorgt.

Zum Teil befanden sich die Darstellungen auch mehrere Stunden in unserer Obhut, was auch der Spielsituation geschuldet war. Ein Mangel an Abtransport-Fahrzeugen führte zu einem vollen Zelt. Vom Eintreffen am Samstag bis Sonntag-Abend wurden weit über 90 Personen versorgt. Die Versorgung geschieht unter fachkundiger und strenger Kontrolle durch internationale Beobachter aus Schweden, Dänemark und auch den Teilnehmerländern. Das RK Team konnte weder der Großunfall aus der Ruhe bringen, noch der Hauseinsturz mit 10 Opfern. Ein Patient wird mit einer Trage hereingeführt. Oben sitzt eine junge Ärztin und reanimiert ihn – Ein Ertrinkungsnotfall –  aber er wird überleben. Gleichzeitig wurde bereits eine Frau mit Herzinfarkt reanimiert. Selbst diese beiden simultan ablaufenden Ereignisse unter gleichzeitiger Befragung des Teams durch den Geist liefen ruhig ab. „Geist“ oder auch „Tamagotchi“ werden die offiziell nicht anwesenden Beobachter genannt, die uns beurteilen und auch Anregungen geben sollen. Da wird dann auch mal zwischendurch gefragt, wieviel Milligramm von welchem Medikament jetzt gegeben werden. Es wird die Diagnose hinterfragt oder auch der Ablauf von Behandlungen gelobt. Und wir versuchen sie immer brav zu füttern, da gefütterte Tamagotchis glückliche und damit nette Tamagotchis sind.

Eine Frau, im 3. Monat schwanger hat schwere Blutungen und muss weiter zu den Italienern für einen Ultraschall und evt. zu einer Curettage. Eine Gruppe von 5 Patienten kommt, sie haben getrunken… Übelkeit, Erbrechen…auf Nachfrage war es Whiskey. Später, nachdem sie sich nochmal in der Landessprache abgesprochen haben, war es dann doch Wasser, was die Übelkeit ausgelöst hatte. In der Zwischenzeit ein Schrei- vor dem Wartezelt spielt eine junge Dame einen epileptischen Anfall- sie spielt ihn gut. Sie wird versorgt und ein Unterzucker als Ursache festgestellt. Auch dieser jungen Dame geht es bald besser. Es fällt uns schwer, sie alle zum Teil mehrere Stunden im Zelt zu halten. Alle Schauspielerinnen dachten, sie wären nach 10 Minuten wieder draußen, aber da ein Herzinfarkt auch nicht nach 10 Minuten vorbei ist, mussten sie auf einen Transport warten oder darauf hoffen, dass die Trainer ein Einsehen mit ihnen hatten.

Bei all dem Chaos, dass auf die Teams einprasselt, ist der Teamspirit extrem hoch. Alle sind hoch motiviert und gut drauf. Das alles, das darf man nicht vergessen, sind Menschen, die ihre Freizeit und auch ihren Urlaub opfern, um nach 36 Stunden Anreise, kaum Schlaf während der Übung, Problemlösungen finden und nach 50 Stunden Übung wieder alles abbauen um den gleichen Weg wieder nach Hause zu fahren. Und alles, was wir hier machen, tun wir gratis- ehrenamtlich- und aus Liebe zum Menschen.

Kam Kam Waterplant Uganda

Da im jungen Staat Südsudan die Kämpfe zwischen zwei Volksgruppen (Präsident auf der einen und der Vizepräsident auf der anderen Seite) zugenommen haben, befinden sich über 1.5 Mio. Menschen aus dem Südsudan auf der Flucht.

Davon befinden sich laut UNHCR ca.700.000 Menschen in Uganda und täglich kommen 1.000 bis 1.200 neue Flüchtlinge. Uganda ist bestrebt die Flüchtlinge sehr gut aufzunehmen. So bekommt jede Familie ein Grundstück (50 x 50 Meter) zur Verfügung gestellt, auf dem sie ihre Hütten errichten können. Daher sehen diese Camps nicht so überfüllt aus und haben riesige Ausdehnungen. Um zum Beispiel das Rino Camp mit dem Auto zu umrunden benötigt man etwa 6 Std.

Da die Flüchtlinge oft nur mit dem ankommen, was sie am Leib tragen, und in diesem Gebiet keine oder nur ausgetrockneten Brunnen vorhanden sind braucht Uganda bei der Bewältigung dieser enormen Krise unsere Unterstützung.

Die Wasserentnahmestelle des Roten Kreuzes ist für die Flüchtlinge aus dem Südsudan wichtig.

In unserem Gebiet nahe Arua im Nordwesten Ugandas befinden sich drei Camps.

  1. Bidibidi mit über 300.000 Flüchtlingen
  2. Palorinya, das eigentlich für 65 000 Personen geplant war, hat bereits über 100.000 Flüchtlinge und
  3. Rhino Camp mit fast 100.000 Flüchtlingen, wobei die Zahl täglich grösser wird.

Wir, die ERU M40, bestehend aus schwedischen, deutschen und österreichischen Rotkreuz Wasser- Sanitär und Hygieneexperten leisten mit zirka 750.000 Liter sauberem Wasser pro Tag, das aus dem Weißen Nil entnommen und gereinigt wird, einen bescheidenen aber sehr wichtigen Beitrag.

Die Wasseraufbereitungsanlagen des Roten Kreuzes in Uganda sichern das Überleben.

Wir könnten unsere Produktion auf circa 1 Million Liter pro Tag steigern. Derzeit stehen aber nicht genug Tanker (LKW mit 10.000 bis 30.000 Liter Kapazität) die von verschiedenen Organisationen wie UNHCR, DRC zur Verfügung.

Zusätzlich versuchen wir die beiden Anlagen Enjau und Obongi, die das Ugandische Rote Kreuz betreibt, mit unserem Know How und auch materiell zu unterstützen. Unsere Hygienebeauftragten sind mit der Ausbildung von lokalen Hygiene Promotern (Diese machen Hygieneschulungen) beschäftigt.

Wir sind schon ein wenig stolz hier auch bei anderen Organisationen als Vorzeigeanlage mit den natürlich besten und strengsten Qualitaetstandards zu gelten. Dementsprechend vergeht kein Tag ohne Besucher.

Die Schulung unserer nationalen Rotkreuzkollegen, die nach dem Rückzug der internationalen Delegierten die Anlage selbstständig betreiben werden, ist in vollem Gang und so haben wir uns entschlossen, bereits zum zweiten Mal ein einwöchiges Training für Personal anderer Waterplants anzubieten.

Als Freizeitbeschäftigung (soweit man von Freizeit sprechen kann) haben wir eine Laufgruppe gegründet, die von der lokalen Bevölkerung und vor allem den Kindern mit wahrer Begeisterung aufgenommen und unterstützt wird.

Unsere Laufgruppe begeistert die Kinder

Ich hoffe, allen Lesern mit diesen paar Zeilen und ein paar Fotos diese in Europa unfassbarer Weise vergessene Fluechtlingsbewegung etwas näher gebracht zu haben.

Euer Wilfried Hildenbrand WatSan Delegate OERK

Alle Informationen zur Rotkreuz-Hilfe in Afrika auf www.roteskreuz.at.  Ihre Spende hilft direkt vor Ort.

Einfach so…

„Wir bemühen uns hier um jeden Menschen, alle sind voll konzentriert, retten Menschen aus untergehenden Schiffen, reanimieren auf einem Schlauchboot, uebergeben den Patienten uns. Nach 25 Minuten geben wir auf der Responder auf. Wir müssen uns um andere kümmern, die 33,7 Grad haben, sonst haben wir bald mehr Tote.
In den Medien, den Wahlkämpfen dieser Welt und der Politik wird das als Kollateralschaden in die Annalen eingehen. Einer, zwei oder drei mehr, die gestorben sind. Dann kommen vermutlich weniger zu uns. Wir machen keine Unterschiede, weder in Herkunft, Geschlecht, Religion, Hautfarbe oder sexueller Orientierung. Für uns ist das der Patient, den wir nicht retten konnten… ist das die Mutter dreier Kinder, die nur noch tot aus dem Schlauchboot geborgen werden konnte. Wir sind die, die den Kindern, älteste Tochter ist Teenager, jüngstes Kind ein kleines Baby erklären müssen, dass die Mutter nicht mehr wieder kommt. Alleine gestrandet in der EU.
Das ist es also was Europa aus macht. Herzlosigkeit und nackte Zahlen….
We move on…
Aus Liebe zum Menschen und großem Respekt vor dem Leben“

So lautete mein letzter Facebook Eintrag. „Klingt etwas zornig“ dokumentierte meine Kollegin.

Der Post entstand, nachdem unsere Kollegen gemeinsam mit einem Spanischen Marineschiff die Menschen eines gekenterten Dingi gerettet haben. Unter anderem wurde uns aus einem Schlauchboot ein Mann uebergeben, der bereits am kleinen Boot 15 Minuten wiederbelebt worden war.

Eine Reanimation ist im Leben eines Arztes kein Höhepunkt, nichts was man täglich hat, aber auch nichts, was einem Angst macht. An Bord der Responder wurde es etwas besonderes. Ich schnappte mir den Defibrillator, Sauerstoff und Beatmungsbeutel und wartete. Die Notfall Medikamente holten wir dann noch extra, da diese nicht in der Notfalltasche waren. Diese befinden sich im Kühlschrank im Aufenthaltsraum ein Deck höher. Kein Mensch da, der sie holen könnte… Also rauf gerannt, Adrenalin geholt,….

Wer einmal gesehen hat, wie jemand auf einem Gummiboot wiederbelebt wird, vergisst das nicht. Es ist unwirklich.. surreal. Danach wird er aufs Schiff gebracht und keinen Meter neben dem Einstieg geht es los. Laufend kommen Menschen rein , drängen sich an uns vorbei, wollen ins sichere Schiff. Wir sind zu zweit, Eleonore, die Schwester und ich. Gleichzeitig den Notfall Ablauf durch gehen und Medikamente aufziehen und verabreichen schaffen wir nicht. Unser Fotograf fragt, ob er helfen soll. Keine fünf Sekunden später kniet er über dem jungen Mann und pumpt was geht. 30 Herzdruckmassagen…. Pause… weiter. In der Pause fotografiert er uns. Es stört in dem Moment nicht, ist genauso surreal, wie die gesamte Situation. Ich sehe danach ein paar der Bilder. Man kann den Patienten nicht identifizieren.. Damit ist es für mich OK. Adrenalin, Stromstoß, Pumpen… Nach 25 Minuten geben wir auf. Es ist nur ein Leben….

Wenn wir hier weiter machen, werden evt. noch andere sterben. Viele sind nass und unterkühlt. Eine junge Frau sieht uns nicht an, taumelt, hält sich die Ohren zu. Sie kommt mir nicht ganz koscher vor. Ich nehme sie mit in die Klinik. Blutdruck nicht messbar, Temperatur 33,7 Grad. Der kann man oft nicht trauen, ungenau. Blutzucker 35mg/dl. Ah.. daher kommt diese Störung. Zuckerinfusion angehängt. Wärmepackungen an verschiedenen Stellen des Körpers positioniert. Sie ist traumatisiert, unterzuckert und unterkühlt. Die nächsten 4 Stunden ist sie nicht ansprechbar. Ich entschließe mich zur Evakuierung. Die ist nicht so einfach, dauert sie doch weitere drei Stunden, bis das Schnellboot der Küstenwache mit Arzt vorbei kommt. Inder Zwischenzeit kommt Noah. Er hat viel Meerwasser geschluckt, hat auch unter 34 Grad, die jedoch wie auch bei der ersten Patienten realistisch erscheinen. Er bekommt eine Information und Wärmepackungen. Zwischendrin immer wieder nach draußen gehen um systematisch nach neuen Patienten zu screenen.

Rückblick… vorgestern meinte ich: Heute Abend gibt es sicher Arbeit.. jeder wusste, dass es als „Scherz“ gemeint war, jeder wusste aber auch, dass es durchaus ernst gemeint war. Also nicht zu spät ins Bett gehen. Es wurde dann halb 10 und etwa 2 min nachdem ich mich ins Bett gekuschelt hatte, kam der Funkspruch, der uns ermahnte, uns einsatzbereit zu machen. 3 Boote wurden evakuiert, 101 Personen. Danach Versorgung mit Wasser und Decken. Dann kam der Chef von MOAS und meinte, etwas Großes käme auf uns zu. Eine Art Fischerboot, auf dem Normalerweise bis zu 600 Menschen ihr Glück versuchten. Darunter oft viele Tote, die in der unteren Etage des Bootes waren, ausgesetzt den Dämpfen des Benzins, dem Meerwasser, den Exkrementen und dem Erbrochenen und dem Kohlendioxid der anderen Menschen.

2 andere Schiffe kamen uns zur Hilfe- die Minden und die Vos Hestia. Alleine hatten wir es sonst nicht geschafft. Die Info über das Schiff ließ unsere sonst sehr ruhigen MOAS Kollegen etwas unruhig werden. Viele Bergungen viele Tote.

Im Laufe der Rettungsaktion stellte sich heraus, dass wir keine Menschen bekommen werden und die Vos Hestia die etwa 480 Personen übernehmen werde. Daher kam ich zu 1 ½ Stunden Schlaf. Dann begann meine Schicht. Dann passierte, was niemand mag, wir kamen mit Highspeed zu dem kenternten Dingi. Die Spanier waren bereits da und halfen…

In weiterer Folge erholte sich unsere Patientin wieder, aber der junge Mann rutschte ins Lungenoedem. Sprich das Salzwasser, dass er schluckte, kam auch zum Teil in die Lunge. Er klagte plötzlich über Atemnot, man konnte dann Wasser in der Lunge hören. Kortison und Antibiotika sollten das gröbste abfedern. Sauerstoff sollte ihm Besserung verschaffen. Ohne die Evakuierung wäre vermutlich auch dieser gestorben. Ich hoffe das beste für ihn, da noch nicht sicher ist, dass er überleben wird. Die Responder tat ihr möglichstes.

Die drei Kinder, die im Post erwähnt wurden, sind bei uns am Schiff. Scheinbar haben einige Menschen gesehen, wie die Mutter unter gegangen war. Damit wurden die drei zu Waisen. Alleine auf einem Schiff fahren sie jetzt Italien entgegen. Ich persönlich fühle mich nicht schuldig, aber der Politik ist das ganze nur ein paar Zahlen wert. Keine Ahnung, ob die Mädels als „unbegleitete Minderjährige“ beziffert werden, ob sie Asyl erhalten, wie es überhaupt weiter geht? Und doch bin auch ich Schuld.. ich bin Teil des Systems, das sich EU nennt und das weiterhin erfolgreich weg sieht, wenn es um das Sterben im Mittelmeer gibt. Was man nicht sieht, ist auch gar nicht da.

Zu Tode ignoriert ist auch eine Alternative.

Unser Toter hat übrigens keinen Namen. Er hatte nur eine Unterhose und ein Shirt an. Niemand kannte ihn. Er war Afrikaner- von wo auch immer. Keiner wird erfahren, warum er auf der Flucht war, ob er Familie hatte? Ziele? Träume? Ein anonymer Toter, einer von über 4.000 heuer. Wir lesen darüber in der Zeitung, in Blogs, sehen es im Fernsehen. Es liegt aber an uns das zu ändern. Nicht jede(r) muss hier runter fahren. Ich bitte Euch nur, macht was.

Aus Liebe zum Menschen und aus großem Respekt vorm Leben