Resilienz steigern hilft Leben zu retten

Naturkatastrophen lassen sich nicht verhindern – ihre Auswirkungen schon. Überall auf der Welt zeigen zahlreiche Beispiele, wie sich Menschen und ganze Landstriche gegen bedrohliche Naturereignisse wappnen. Das Rote Kreuz will diese Widerstandsfähigkeit, im Fachjargon „Resilienz“ genannt, stärken und zeigt in 42 Reportagen Beispiele aus 24 Ländern in einem Online-Journal.

Zum Auftakt diskutierten Ende September Katastrophenresilienz-Experten des Roten Kreuzes, der Weltbank, der Europäischen Union und der ÖFSE in Wien über das Thema.

Hier eine kurze Zusammenfassung der Veranstaltung im Video (Videoaufzeichnung hier):

Joaquin Toro, World Bank

„Es ist nicht genug zu überleben, Resilienz ist auch eine Frage der Lebensqualität nach der Katastrophe“, sagte Joaquin Toro, der bei der Weltbank für Disaster Risk Management zuständig ist. In vielen Ländern seien die Menschen nicht gegen Naturkatastrophen versichert. Sie stünden nach jedem Ereignis vor dem Ruin.Ob Versicherungen tatsächlich die beste Lösung sind, zeigten sich die Experten uneinig. „Solidarität innerhalb und zwischen den Staaten und zivilgesellschaftliches Engagement seien dafür besser geeignet, da keine Erträge für Investoren zusätzlich generiert werden müssen“, so Gerry Foitik, Bundesrettungskommandant des Österreichischen Roten Kreuzes, der auch die staatliche Verantwortung für Vorbereitung betonte.

Die Verantwortung für Resilienz tragen alle öffentlichen und privaten Sektoren einer Gesellschaft: „Die Fähigkeit, die Auswirkungen von Katastrophen einzudämmen ist eine gemeinsame Aufgabe,“ betonte die unabhängige Expertin Slobodanka Curic, vor allem in die Prävention sei zu investieren.

Gerry Foitik, Rotkreuz-Bundesrettungskommandant

„Bei Katastrophen verlieren Menschen oft alles“, so Gerry Foitik, weiter. Neben den finanziellen Schäden, die an Gebäuden, Infrastruktur und zerstörten Gegenständen entstehen sind die ideellen Verluste oft noch dramatischer: „Wenn sämtliche Erinnerungen weg sind, weil die Liebesbriefe und Familienalben zerstört wurden, so trifft das Menschen oft mehr, als der zerstörte Flatscreen“, weiß der Katastrophenmanager.

Das Katastrophen-Resilienz-Journal (www.disaster-resilience.com) bietet jeden Tag eine andere Reportage in einer so genannten Web Documentary. Diese gemeinsame Kampagne der Rotkreuz-Gesellschaften in Europa wird vom humanitären Amt der Europäischen Union finanziert.

Resilienz Kampagne

Wasserdichte Hilfe

Mitte September trafen sich bei Regenwetter fast 30 Rotkreuz-Mitarbeiterinnen und –Mitarbeiter aus ganz Österreich im Messezentrum in Wels, um sich als Teil einer österreichischen Rotkreuz-Einheit für den internationalen Hilfseinsatz ausbilden zu lassen. Das so genannte AMP (Advanced Medical Post) ist eine Art Feldambulanz, die bei Katastrophen die medizinische Basisversorgung der Betroffenen ergänzt. Die Einheit ist modulartig aus Zelten zusammengesetzt. Die medizinischen Geräte aus der bestehenden Katastrophenvorsorge des Roten Kreuzes kommen zum Einsatz.

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Beim Aufbau der Zelte für die AMP-Einheit müssen alle mit anpacken.

Dr. Wiesinger im Einsatz_ÖRK_Schneider

Dr. Bettina Wiesinger ist – wie alle anderen Mitarbeiter rund um die Uhr im Einsatz. Auch wenn es diesmal nur eine Übung ist.

„Die vorwiegend jungen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind erfahrene Notfallsanitäterinnen und Notfallsanitäter, Techniker, Feldköchinnen und -Köche, Krankenschwestern und –Pfleger sowie Ärztinnen und Ärzte“, erklärt der Oberösterreicher Andreas Hattinger, der die Einheit bundesweit koordiniert.

 

Wichtig ist die Zusammenarbeit im Team der unterschiedlichen Rotkreuz-Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. „Selbstverständlich haben wir gemeinsam angepackt, haben zusammen die Zelte auf- und am Ende auch wieder abgebaut und das Equipment aufgestellt“, erzählt die Notärztin Dr. Bettina Wiesinger aus Steyr in Oberösterreich. Auch bei der Versorgung der Patientinnen und Patienten ist gemeinsame Hilfe gefragt. „Eine große Übung der Rotkreuz-Bezirksstelle in Wels bot sich nach der dreitägigen Grundausbildung an, um die AMP-Einheit auch im Betrieb zu trainieren“, weiß der Bundeskoordinator Andreas Hattinger. Einer der Schwerpunkte dieser Feldambulanz ist die Versorgung vieler Patienten, wenn medizinische Infrastruktur wie Spitäler nicht mehr vollständig zur Verfügung steht.

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Die Arbeit im AMP-Triagezelt ist stressig. Trotz der Übungssituation werden die Patintinnen und Patienten ganz real angeliefert, untersucht und psychisch wie medizinisch auf Top-Niveau betreut.

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Die Aufbauarbeiten machen allen viel Spass. Das, obwohl die Kolleginnen und Kollegen bereits 8 Stunden Theoriekurs hinter sich hatten.

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Bis in die Nacht dauerten die Aufbauarbeiten des Feldspitals.

Bereits am Vortag zur Großübung begannen die medizinischen Teams in der Ambulanz mit ihrer Arbeit. Bis spät in die Nacht wurden immer wieder Patientinnen und Patienten geschminkt und in die Ambulanz gebracht, um den stressigen Schichtbetrieb der Ambulanz unter möglichst realistischen Bedingungen vorzubereiten. Ein weiterer Aspekt war die Teilnahme von Rettungsteams des Deutschen Roten Kreuzes aus Bayern, die den Transport der insgesamt über 150 geschminkten Verletztendarsteller in die Feldambulanz AMP im Welser Messegelände übernommen haben. So ist die reibungslose internationale Zusammenarbeit gewährleistet.

„Zahlreiche internationale Beobachter und das Innenministerium konnten sich davon überzeugen, dass das österreichische Rotkreuz-Team auch für internationale Einsätze im Rahmen des Europäischen Zivilschutzmechanismus reif ist. Das Lob für die professionelle Arbeit, freut uns besonders. Das ist den hochmotivierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zu verdanken!“, sagt Markus Glanzer, der im Österreichischen Roten Kreuz für den Bereich Einsatz, Innovationen und Beteiligungen verantwortlich ist, am Ende des einwöchigen Trainings. Das Team ist daher für den internationalen Einsatz innerhalb und ausserhalb Europas einsatzbereit und kann jederzeit entsendet werden, wenn andere Staaten nach großen Katastrophen österreichische Unterstützung bei der medizinischen Versorgung brauchen.

Obwohl das schlechte Wetter eine Herausforderung war: „Es hat drei Tage durchgehend geregnet“, erzählt Martin Pieler, Cheftechniker der Einheit vom Roten Kreuz in Niederösterreich: „Doch unser Equipment ist letztendlich trocken geblieben. Und gegen das Regenwetter hat unsere gute Bekleidung geholfen.“ Besonders wichtig für die Motivation des gesamten Teams, da sind sich die Teilnehmer einig, war die Verpflegung. Da konnten die Feldköchinnen und –Köche aus Salzburg ihr Können beweisen: Sie bekamen zu Übungsende von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern unter tosendem Applaus drei Hauben verliehen.

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Am Ende des Trainings sind alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer glücklich: Weitere 25 Mitarbeiterinnen des Österreichischen Roten Kreuzes sind einsatzbereit um im Ernstfall im Ausland zu helfen.

In den letzten Tagen der Mission noch viel zu tun

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Das Camp der Rotkreuz-Katastrophenhelfer im philippinischen Ormoc.

Die Trinkwasser- und Seuchenexpertin Lidwina Dox verantwortet in Ormoc auf den Philippinen das Hygiene Trainings Programm. Gerade diese Seuchenvorsorge hilft mit, nachhaltige Katastrophenauswirkungen frühzeitig zu verhindern.

Das neue Team wir gerade von Dieter in Ormoc abgeholt und wir beginnen uns langsam von den Menschen, mit denen wir über die letzten Wochen hinweg zusammengearbeitet haben, zu verabschieden…

Hygiene Promotion Trainings als Schlüssel zum Erfolg!

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Freiwillige Hygiene-Promotoren übernehmen die Schulungen. Hier wird über die Gefahren von Dengue-Fieber berichtet.

In den letzten Tagen hier ist noch viel passiert . Das Hygiene-Promotion-Training wurde erfolgreich drei Tage absolviert und es war spannend zu beobachten wie die neuen Voluntäre ihre Hygiene Aktionen im Feld umsetzten. Wenn das Team im Dorf einfährt läuten die Glocken, das Zeichen für die Dorfbewohner sich in der improvisierten Schule zu versammeln. Es kommen alle, Männer, Frauen und Kinder. Die Freiwilligen, die sich genau überlegt haben, wer wann welches Thema präsentiert, beginnen sogleich mit Ihrer Aktivität. Es wird gesungen, getanzt, Händewaschen geübt, ueber Leptospirose, Dengue Fieber und Durchfall diskutiert, Community-mapping gemacht, wie man das Essen aufbewahrt, die Reste des Dorfes/das Lebensumfeld korrekt sauberhält in einer Emergency und vieles mehr.

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Edwin ist ein Freiwilliger, der es versteht, die Menge in seinen Bann zu ziehen. Hier spricht er über Leptospirose, eine Infektionskrankheit.

Am Ende der Aktionen sind die Dorfbewohner guter Dinge, einige gehen sogar mit hangeschriebenen Notizen nach Hause  – und die Voluntäre sind glücklich ueber die gelungenen Präsentation.

Vor allem Edwin ist ein Menschenmagnet, er hat die Fähigkeit die Mensche in diesen Community-sessions in seinen Bann zu ziehen, sie zum Lachen, Mitmachen und Zuhören zu motivieren wie kaum ein anderer. Es ist ein Schauspiel der besonderen Art und ich freue mich sehr noch Zeuge von diesen Momenten sein zu dürfen, bevor ich abfahre.

Plakate informieren die Kinder in Schulen

Unsere Plakate in der lokalen Sprache bleiben in den Schulen, und sind daher für Kinder und die anderen Dorfbewohner immer verfügbar.  Zu den Plakaten sei übrigens noch zu sagen, dass das Philippinische Rote Kreuz von ihnen begeistert ist und noch weitere zum Druck in Auftrag geben wird.

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Plakate informieren nachhaltig, wie man sich richtig verhält. Diese werden in der lokalen Warai-Sprache erstellt.

Wahrend Stefan und Thorsten weiterhin Latrinen bauen, wir unsere Aktionen durchführen und das Sprühen fuer die Vektorkontrolle vorbereitet wird sind die Menschen weiterhin fleißig dabei, ihre Häuser immer weiter aufzubauen, die Umgebung vom Unrat weiterhin zu befreien, die elektrischen Leitungen zu reparieren, die Wasserversorgung wieder aufzubauen …

Der tägliche Fortschritt wird von uns immer mit Bewunderung beobachtet.

Der Abschied ist nah.

Morgen Dienstag werden wir noch ein Abschlussfest bei uns haben. Das lokale Team vom Philippinischen Roten Kreuz, das alte und das neue MSM20 Team- alle werden daran teilnehmen. Wir  freuen uns schon alle darauf. Wir werden lokales Essen kochen, Gemüse, Huhn und Reis – all das was es am Markt seit einiger Zeit wieder gibt.  Am Mittwoch schliesslich reisen wir mit dem Boot zurück nach Cebu und von dort brechen wir in alle Himmelsrichtungen zertreut  zu unseren Weihnachtsdestinationen auf…

Fröhliche Weihnachten!

Rotkreuz-Hilfe hautnah

Rotkreuz-Landesrettungskommandant Toni HolzerDer Salzburger Rotkreuz-Landesrettungskommandant Ing. Toni Holzer Berichtet von der INsel Leyte aud den Philippinen von der Rotkreuz-Hilfe nach dem katastrophalen Taifun Haiyan.

 

Wir machen uns am frühen Morgen mit der Fähre von Cebu nach Ormoc auf der Insel Leyte. Auf der Überfahrt mit der Personenfähre werden wir von vielen Filipinos, die für Ihre Familien selbst Hilfsgüter transportieren, begleitet. Neben Matratzen und Lebensmitteln gehören auch Hühner zu den privaten Hilfslieferungen.

Unsere Delegation ist noch um Emilio, dem Spanier den wir schon aus Manila kennen und der für das Deutsche Rote Kreuz arbeitet, Wolfgang ein Architekt des DRK, Matteo vom Italienischen Roten Kreuz und das Organisationstalent Denise vom Philippinischen Roten Kreuz gewachsen. Wir haben alle das Ziel, gemeinsam zu helfen und im Sinne der Opfer des Taifuns unsere Hilfe abzustimmen, damit durch die weltweite Rotkreuzfamilie möglichst vielen der Betroffenen geholfen wird.

In Ormoc

Wir erreichen den zerstörten Hafen von Ormoc, einer Stadt mit rund 180.000 Einwohnern am späten Vormittag. Zwischen den Trümmern und herabhängenden Kabeln haben es die Hafenbehörden und die Reedereien geschafft wieder einen provisorischen Betrieb zu organisieren.

Am Hafen werden wir von Lidwina Dox, einer Lungauerin, die für das ÖRK in Tacloban als Mitarbeiterin des Emergency Response Teams „Mass Sanitätion Module“ des Roten Kreuzes im Einsatz, empfangen. Sie ist international sehr erfahren und seit rund 3 Wochen in Dulog als Expertin für Hygiene und Trinkwasseraufbereitung beim Deutsch-Österreichischen Team eingesetzt.

Unsere Fahrt führt uns durch das zerstörte Ormoc, welches vom des Zentrums des Taifuns überquert wurde. Vorbei an hunderten zerstörten Häusern und kilometerlangen vernichteten Palmenwäldern geht es weiter über die Berge nach Tacloban.

Zuerst kam der Wind und dann die Flut

Die 250.000 Einwohner große Stadt, war nach der Insel Samar der zweite Punkt wo der Supertaifun der Klasse 5 mit einer Windgeschwindigkeit von 320 km/h auf Land getroffen ist. Alles was der Taifun mit dieser unfassbaren Windgeschwindigkeit nicht sofort zerstört hat, vernichtete die kurz darauf folgende Sturmflut mit einer acht bis zehn Meter hohen Welle. Knapp vier Wochen nach der Katastrophe gleicht die Stadt einem Trümmerfeld, die meisten Häuser wurden vollkommen zerstört, Strommasten,

Mobilfunkmasten, Straßenbeleuchtungsmasten sind abgeknickt oder ausgerissen, die widerstandsfähigen Palmen sind entwurzelt oder am halben Stamm abgebrochen, die Wassertürme liegen auf den Trümmern der Häuser, überall auf den Straßen liegt Müll der zum Teil in Brand steht, die Menschen suchen noch immer in den Trümmern nach ihren Habseligkeiten, die Kinder holen von den Wasserausgabestellen Trinkwasser, mit schweren Frontladern werden die Schuttberge abtransportiert, in denen immer wieder Opfer dieser apokalyptischen Katastrophe gefunden werden. Die überall verstreuten Trümmer, der rauchende Schutt und Abfall, die Stumpen der abgebrochenen Palmen und die Bäume, denen der Taifun alle Äste und Blätter abgerissen hat ergeben einen schauerlichen Anblick, der selbst uns als erfahrene Katastrophenhelfer die Worte nimmt.

Wasser ist Leben

Die Menschen leben in Zelten oder in notdürftig hergestellten Hütten aus Trümmern oder in den Ruinen ihrer ehemaligen Häuser, in denen sie durch Planen vor Sonne und Regen unzureichend Schutz finden. Die internationalen Einheiten des Roten Kreuzes haben mit ihren Experten für Wasseraufbereitung und Hygiene Trinkwasseraufbereitungsanlagen, Ausgabestellen die täglich mit Wasser beliefert werden und Latrinen errichtet. Unsere österreichischen Kollegen haben in Dulog und in Tacloban Stellung bezogen. Wir besuchen das deutsch-österreichische Camp und treffen Stefan, einen Kollegen aus Oberösterreich und einige Kollegen des Deutschen Roten Kreuzes. Während uns Dieter, der Teamleiter eine Einweisung gibt, findet in den Trümmern der benachbarten Kirche, eine Beerdigungszeremonie für eines der vielen Opfer von „Yolanda“, wie der Taifun hier genannt wird, statt.

Seit ungefähr einer Woche sind die wichtigsten Straßen wieder passierbar. Die alles vernichtende Kernzone des Taifuns hatte eine Breite, die der Strecke von Salzburg nach Linz gleicht. Durch diese großräumige Zerstörung und die Topographie der Philippinen mit ihren 7.000 Inseln dauerte es Tage bis die betroffenen Gebiete erreicht werden konnten.

Die Hilfe des Roten Kreuzes

Das Rote Kreuz hat mittlerweile in Cebu, in Tacloban, Ormoc, Roxas und lIoilo Logistikzentren eingerichtet. Von dort werden die Hilfsgüter verteilt und in die Katastrophengebiete gebracht. Die Logistik des Philippinischen Roten Kreuzes wird von Experten des Britischen und des Dänischen Roten Kreuzes unterstützt. Neben der Erreichbarkeit der betroffenen Orte ist vor allem die Verfügbarkeit von Lastwägen und Fähren eine Herausforderung. Viele der Inseln sind nur schwer erreichbar, weil die Häfen zerstört sind. Die Britische Armee hat Landungsboote zur Verfügung gestellt, diese reichen jedoch nicht aus. Das Philippinische Rote Kreuz hat bereits selbst die Beschaffung von drei weiteren Landungsbooten und LKWs begonnen, um alle betroffenen Menschen mit Hilfsgütern versorgen zu können.

Im Logistikcenter des Roten Kreuzes in Tacloban

Im Logistikcenter des Roten Kreuzes in Tacloban

Im Logistikzentrum Tacloban erklärt mir der Präsident des Roten Kreuzes der Region Leyte die Hilfsmaßnahmen. Das Rote Kreuz hat tausende freiwillige Mitarbeiter rekrutiert um neben der Hilfsgüter- und Trinkwasserverteilung auch die Aufräumarbeiten unterstützen. Dabei findet man auch Mitarbeiter in Rotkreuzadjustierung als Fahrer von großen Frontladern, aber auch Tankwägen zur Trinkwasserverteilung. Wir sind beeindruckt von der Mobilisierungskraft unserer Philippinischen Kollegen und wissen unsere Spenden hier in guten Händen. Die Verteilaktionen sind ausgezeichnet organisiert. Alle Betroffenen werden registriert, erhalten Ausgabekarten und werden mit verschiedenen Sicherheitsmaßnahmen vertraut gemacht.

Bei der Fahrt zum Operations Center in Tacloban, sehen wir viele der Menschen mit den Hilfspaketen des Roten Kreuzes. Neben einem Zelt sehe ich zwei Kinder die gerade mit einem Lachen Bekleidung aus einer Tasche mit dem Logo des PRK betrachten.

Von den Logistikzentren werden auch schon Werkzeuge verteilt und vereinzelt sieht man schon Filipinos die dabei sind ihre Häuser wiederaufzubauen. Werkzeug und Baumaterial wird aber nicht ausreichen. Es wurden mehr als 500.000 Häuser zerstört und ebenso viel beschädigt. Unsere Philippinischen Kollegen werden für ihren laufenden Einsatz und für den Wiederaufbau von der weltweiten Rotkreuzfamilie jede mögliche Unterstützung brauchen, vor allem Finanzielle.  Es gibt schon ein sehr gutes Konzept für den Bau von Häusern, die Taifuns besser überstehen können.

In Dulag am Dorfplatz

Ein Blogbeitrag von Lidwina Dox aus dem Katastrophengebiet auf den Philippinen:

Es schüttet dermaßen, dass ich die Zeit nutze, ein paar Zeilen zu schreiben…Wir fühlen uns hier in Dulag schon richtig heimisch. Tacloban mit seinem Leyte Park Hotel liegt weit hinter uns! Bei uns im Camp gibt es nun wieder richtiges Essen, genug Wasser zum Trinken, Waschen und WC und Ventilatoren machen das Nachtleben mehr als erträglich.

Das Gefühl selbst ein IDP (internal displaced person) – also ein Flüchtling im eigenen Land – zu sein, ist vorüber… Aber es war eine gute Erfahrung diesen Umständen ausgesetzt zu sein, vor allem wenn man als Hygiene Promotion Delegate hier ist. Man erlebt am eigenen Leib, wie schwierig es unter solchen Umständen ist, den elementaren Hygienealltag einzuhalten. Irgendwann – und zwar schneller als man glaubt – schleicht sich eine gefährliche Gleichgültig ein. Wie muss es dann nur für jemanden sein, der keine Option auf eine schnelle Verbesserung der Lage in Aussicht hat?

IMG_1271_1Unser Camp liegt mitten in Dulag am Dorfplatz, unweit vom Meer entfernt. Gleich neben uns steht eine Kirche im spanischen Stil und direkt daneben die wildromantisch verwachsene Ruine eines alten Hauses. Bisher gab es jeden Abend einen Fackelumzug mit Gesang zu diesen beiden Gebäuden und zurück, sehr stimmungsvoll. Auf der gegenüberliegenden Seite des Platzes steht das zerstörte Gebäude der Polizei und des Gemeindeamts.  Dazwischen hat sich eine „kleine medizinische Katastropheneinheit“ niedergelassen; Kinder werden dort zur Weltgebracht (gestern zum Beispiel zwei), Impfungen durchgeführt, Wunden verbunden…

Die Polizei sitzt im zweiten Stock ihres mauerlosen Hauses und behält den Überblick über den Dorfplatz. Direkt neben unserem Camp baut das Philippinische Rote Kreuz ein Subcamp auf. Wir werden langsam zu einem kleinen Zeltdorf. Auch ACF, Save the Children und andere Organisationen verirren sich gelegentlich hier her, lassen sich jedoch nicht nieder. Das Spanische Rote Kreuz versorgt uns mit Wasser, wir haben einen Bladder (5000) bei uns liegen – und zwischen all dem liegen rechts und links die riesigen meterhohen Wurzeln, Stämme und Äste der umgefallenen Bäume. Vom restlichen Unrat haben wir uns schon befreit.

Der Tag beginnt früh im Camp, zwischen 5 und 5.30 wecken uns täglich die Glocken der Kirche, es wird in Ruhe gefrühstückt und der Arbeitstag beginnt. In den letzten Wochen wurden Kontakte mit den Bürgermeistern der Distrikte Tolosa und Dulag und deren Captains der Barangays geknüpft, mit den Zuständigen für Gesundheit und Sanitärem diskutiert und Pläne entwickelt und natürlich mit dem lokalen Roten Kreuz sowie den Spaniern eine Kooperation aufgebaut. Das Philippinische Rote Kreuz ist sehr klar in seinen Vorstellungen und gibt über weite Bereiche hin genau vor, was zu passieren hat.

Stefan und Thorsten sind mittlerweile voll im sanitären Bereich aktiv, sie kümmern sich hauptsächlich um Schulen, Bianca und ich sind gemeinsam mit dem Philippinischen Rotkreuz-Freiwilligen ganz in Hygiene Promotion eingetaucht. Poster und kleine Booklets wurden im lokalen Dialekt entwickelt und gedruckt, die ersten Trainings sind im Gange, die nächsten schon vorbereitet. Am Freitag beginnen die ersten Aktivitäten der neuausgebildeten Volontäre im Feld… ich bin schon sehr gespannt, wie sie sich schlagen werden. Auch Vectorcontroll wird vorbereitet, es ist nur meine eine Frage der Zeit, dass wir damit beginnen können. Wir werden uns auf Schulen und Gesundheitszentren konzentrieren. Dieter leitet und koordiniert das gesamte  MSM20 Team mit seiner gewohnten Ruhe und gibt uns den Rahmen in Ruhe zu arbeiten.

Tolosa und Dulag, die Distrikte in denen wir aktiv sind, sind schwer in Mitleidenschaft gezogen. Erst gestern wurden wieder drei Leichen freigelegt und begraben, die Lkws und Autos liegen kreuz und quer, die Häuser sind zerstört, alles ist mit Unrat bedeckt, den die Welle und der Wind mit sich gebracht haben. Dennoch schlagen sich die Menschen unglaublich, begegnen uns immer freundlich und mit Dankbarkeit und arbeiten schwer, um ihren Lebensalltag irgendwie in den Griff zu bekommen. Täglich wenn man durch die Straßen fährt, sind Veränderung festzustellen. Und dennoch wird es noch eine Ewigkeit dauern, bis wieder so etwas wie Normalität einkehren wird. Die Menschen hier sind bewundernswert, sie tragen ihr Schicksal mit Fassung!

Am Geisterplanet

Lidwina Dox ist Hygiene-Promotion Expertin und Delegierte in einer Deutsch-Österreichischen Mass Sanitation management-ERU auf den Philippinen.

Letzten Donnerstag wurde spontan entschieden, dass ich mit Georg Ecker und Thorsten nach Takloban fahren sollte. Thorsten und ich sollten quasi die Vorhut bilden und alles für das Team vorbereiten, die anderen sollten in Cebu bleiben und sich um unser Equipment kümmern. Bevor wir losstarteten, bekamen wir ein Briefing. Die Schlüsselnachrichten waren, dass man in drei Wochen möglicherweise mit einem weiteren Taifun rechnen müsse, es am Anfang Plünderungen gab und die Gefangenen zweier Gefängnisse bei der Katastrophe verschwunden und natürlich freiwillig nicht wieder aufgetaucht sind. Sonst sei alles soweit okay…

Wir hatten eine wirklich schöne und friedliche Reise mit dem Boot über Nacht! Kein Seegang eine leichte Brise, wie angenehm nach der Hitze. Es war noch Nacht als wir auf Leyte ankamen. Wir schlichteten uns ins Auto zwischen Gepäck, Wasser und Zarges-Boxen und versuchten eine Runde zu schlafen während die Grillen zirpten, die Hähne krähten und ein Motor leise im Hintergrund brummte. Als es dämmerte wars mit der Idylle schlagartig vorbei – um uns herum das pure Chaos. Wir schlugen uns in Richtung Takloban durch und umso näher wir der Stadt kamen desto schlimmer wurden die Zustände. “Ghostplanet” – ich wurde den Begriff in meinen Gedanken nicht mehr los. Fast alle Bäume lagen kreuz und quer, entwurzelt oder in der Mitte abgebrochen am Boden oder auf den Häusern, Lastwagen und Autos befanden sich wild umgedreht wo sie nicht hinghörten und die Häuser waren entweder ein Haufen undefinierbares Gerümpel oder schwer beschädigt. Am Straßenrand standen Schilder, die immer die gleich Worte beinhalteten: We need food and water!

Die Zerstörungen auf den Philippinen sind enorm. Bild: IKRK ( ICRC / Olivier Matthys)

Wie am Geisterplanet: die Zerstörungen auf den Philippinen sind enorm. Bild: IKRK ( ICRC / Olivier Matthys)

Die meisten Menschen hatten alles verloren und viele von ihnen sind von der Insel geflüchtet oder sind  in Evakuierungszentren untergeschlüpft. Wir nisteten uns im Leyte Parkhotel ein, angeblich einmal ein Nobelschuppen, jetzt ein Camp für viele die hierher kamen um zu helfen. Neben Werner sind auch noch das Rote Kreuz, ACF, Unicef…da. Vom Hotelfeeling war nichts geblieben. Mäuse in den Zimmern, kein Strom, kein Wasser, kein Essen, überall nur Zelte und Menschen. Von hier aus bereiteten wir die Ankunft der anderen vor. Die Tage waren  wirklich anstrengend.

 

Heute sind sie gekommen, das restliche Team und unser Equipment. Wir  begannen am Dorfplatz Dulags  die LKWs abzuladen, und unser Camp aufzubauen. Das halbe Dorf half mit. Während geschleppt und gebaut wurde schüttete es oder war unglaublich heiß, in der halb zerstörten Kirche probte ein Chor und herrliche Klänge drangen zu uns herüber, am Dorfplatz wurde gesägt und gefegt, Kinder machen Musik mit den leeren Plastikflaschen und ein medizinisches Notfallteam versorgte die Menschen… am Ende des Tages waren die Lastwagen  schon längst abgeräumt und unser Camp soweit aufgebaut, dass das Team dort  heute schon die erste Nacht übernachten kann…

Ein Anruf, und du bist weg!

Zusammengefasst und geschrieben von Sonja Kuba nach einem Telefongespräch mit unserem Delegierten Georg Ecker auf den Philippinen:

Ecker GeorgVor 10 Tagen brach über die Philippinen der Taifun „Haiyan“ herein und verwandelte unzählige Regionen des Landes in ein Katastrophengebiet. Mit mehr als 300 Stundenkilometern fegte er die Normalität hinweg und brachte Chaos und Zerstörung über das Land. Laut den aktuellen Zahlen spricht man von rund 13 Millionen Betroffenen, darunter auch 5,4 Millionen Kinder die im Krisengebiet versuchen zu überleben.

Ein Anruf am Samstag mit der Vorwarnung und am Montag ging schon der Flieger in Richtung Manila. Dort angekommen ging es in erster Linie darum, sich zu den betroffenen Regionen vorzuarbeiten um dort zu helfen.

In einer jener Regionen die am schwersten vom Taifun betroffen sind, zeigte sich mir ein ganz neues Maß an Verwüstung.  Der Korridor der Zerstörung ist so groß, dass es nicht möglich ist ihn mit dem Auto abzufahren.

RS10699_p-PHL1183-lprBesonders unwirklich ist es wenn man zuerst durch den Süden fährt, wo Regionen fast gar nicht betroffen sind und man kaum vermuten würde, dass hier noch vor wenigen Tagen ein Taifun getobt hat. Einige Kilometer nördlicher zeigt sich ein ganz anderes Bild. Kaum ein Haus steht noch, Palmen sind umgeknickt und Bäume liegen quer über den Straßen. Wo zuvor Wohnsiedlungen waren, liegt nur noch Holzschutt.

Tausende Menschen haben einfach alles verloren und kämpfen ums Überleben. Vor Shops insbesondere vor Transfer-Shops, wo Geld aus dem Ausland überwiesen wird, bilden sich Schlangen mit bis zu 100 Personen. Dass den Menschen das Geld ausgeht merkt man besonders daran, dass sie ihr vor ein paar Tagen noch in letzter Sekunde gerettetes Hab und Gut verkaufen um an Geld zu kommen. Besonders wichtig sind Nahrungsmittel sowie natürlich Wasser! Für uns geht es jetzt auch vor allem darum so viele Sanitäranalgen wie möglich zu errichten, um das Ausbreiten von Seuchen zu verhindern.

RS10710_Pourflush2Wir verteilen Planen, Werkzeug und Material damit die Menschen Notunterkünfte errichten und Häuser repariert werden können.  Das Schlimmste ist sicherlich, dass die meisten Menschen durch den Taifun ihre Arbeit verloren haben, kein Geld verdienen und ihnen daher jegliche Lebensgrundlage fehlt. Gerade hier versuchen wir zu helfen um die Menschen darin zu unterstützen möglichst schnell wieder zu ihrem Leben zurückzukehren und damit wieder Normalität einkehren kann.

Eines zeigt sich allerdings bereits jetzt ganz klar, wir werden noch lange Zeit vor Ort helfen müssen…

Helfen Sie mit zu helfen! 

Wir sind da, um zu helfen.

„Der sittliche Gedanke, daß das Maß menschlichen Leids voll sei, der Wunsch, die Qualen so vieler Unglücklicher auch ein wenig zu lindern oder ihnen den verlorenen Mut wiederzugeben, angespannte und unablässige Tätigkeit, die man sich in solchen Augenblicken zur Pflicht macht, all dies ruft eine neue äußerste Kraft hervor, welche den unwiderstehlichen Drang erzeugt, so vielen Menschen, wie irgend möglich, zu helfen.“

Henri Dunant, Eine Erinnerung an Solferino.

menschlich bis zuletzt.Für viele Menschen in Österreich beginnt eine schwere Woche. Vier Familien haben vor nicht einmal sieben Tagen einen Vater verloren; einen Ehemann, Großvater; Eltern haben ihre Kinder verloren und mit einem Male ist nichts mehr so, wie es davor war. Das gilt auch für Kameradinnen und Kameraden, Kolleginnen und Kollegen, die jemanden aus ihrer Mitte nach einem heimtückischen Mord vermissen – einen Freund, Weggefährten und auch Mentor.

Wenn jetzt wieder die Normalität und Routine einzukehren droht, ist das noch viel schwieriger. Zunächst wird diese Woche der Trauer noch einmal vieles in Erinnerung rufen. Hoffentlich auch die vielen positiven Dinge, die der am Dienstag im Rettungs-Einsatz ermordete Rotkreuz-Freiwillige Johann Dorfwirth aus Annaberg aus Liebe zum Menschen bewirkt hat. Angewandte Menschlichkeit im Sinne des Rotkreuz-Gründers Henry Dunant praktiziert in 32 Jahren freiwilliger Rotkreuz-Arbeit.

Als Netzwerk von über 60.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern können wir gemeinsam versuchen, den Trauernden Halt zu geben, Unterstützung und auch Trost. Wir können gemeinsam unsere Anteilnahme ausdrücken, wie das vergangene Woche Tausende im sozialen Netzwerk Facebook gemacht haben, indem sie ihr Profilbild gegen eine schwarze Schleife getauscht haben. Wir können die Kolleginnen und Kollegen der Dienststelle Annaberg unterstützen, wenn es darum geht, Dienste zu besetzen, weil andere Kollegen aus verständlichen Gründen im Moment nicht kommen können. Und wir können versuchen, die humanitäre Arbeit weiter zu machen. Tag für Tag, rund um die Uhr. Wir sind da, um zu helfen. Aus Liebe zum Menschen.

Hier im Einsatzblog wollen wir den Trauernden auch die Möglichkeit geben, ihre Anteilnahme online auszudrücken.

Taranis 2013: Ohne Mampf kein Kampf

Dieses alte Sprichwort, das eigentlich aus dem Militär kommt, gilt auch für die Bewältigung von Katastrophen. Über 500 Einsatzkräfte aus allen Teilen Österreichs und aus ganz Europa sind heute in Salzburg eingetroffen, um an der internationalen EU-Übung Taranis 2013 des Roten Kreuzes teilzunehmen. Obwohl die Szenarien im gesamten Bundesland Salzburg erst morgen beginnen, war bereits heute einiges zu tun.

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Das Bundesheer präpariert den Lagerplatz für die Teilnehmerzelte (Foto:ÖRK/NÖ/Moshammer)

Das Basislager ist in der Schwarzenbergkaserne, die Teilnehmerinnen und Teilnehmer schlafen dort in den eigenen Zelten. „Trotz widriger Witterungsverhältnisse konnte der Platz von den Profis des Bundesheeres noch rechtzeitig mit Radladern und schwerem Gerät benutzbar gemacht werden“, berichtet der Rotkreuz-Landesrettungskommandant und Übungsleiter Ing. Toni Holzer erleichtert.

Nachschlag für M.

Das Essen hat besonders gut geschmeckt (Foto:ÖRK/NÖ/Moshammer)

Das Essen hat besonders gut geschmeckt (Foto:ÖRK/NÖ/Moshammer)

Der Koordinator der Feldküchen, Peter Hoffellner aus Wien koordinierte mit mehreren Dutzend Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, dass alle Übungsteilnehmer in der Schwarzenbergkaserne auch satt wurden. „Heute haben wir über 400 Stück Schweinsstelzen fast 900 Hühnerspiesse und mehr als 400 Spiegeleier gekocht“, berichtet der Verpflegungsprofi. Die Küchenteams kommen aus Wien, Vorarlberg, Salzburg und Niederösterreich und arbeiten hervorragend zusammen. Dass die ausgegebenen Speisen hervorragend sind, sieht man daran, dass sich manche gleich mehrfach um ihr Abendessen angestellt haben: „Ich habe zunächst das Schwein probiert – wunderbar, jetzt muss ich auch noch den Hühnerspieß testen“, sagt ein Kollege mit Kärntner Akzent, der unerkannt bleiben möchte.

ExCon: Alles Roger?

Ruhe vor dem Sturm? In der Übungsleitung am Tag vor der Übung.

Ruhe vor dem Sturm? In der Übungsleitung am Tag vor der Übung.

Auch die Übungsleitung (im Milieu-Jargon: Exercise Control – ExCon) stationiert in der Landesfeuerwehrschule begann bereits heute mit der Arbeit. Die Szenarien mussten noch einmal durchbesprochen werden, Abläufe koordiniert und auch die verschiedenen

TeilnehmerInnen mussten miteinander synchronisiert werden, damit die Übung ab morgen früh reibungslos starten kann. AUch die internationalen Teilnehmer an der Übungsleitung und in den Koordinationsteams von EU und dem Roten Kreuz wurden heute informiert und zusammengespannt.

EU Taranis 2013Das Rote Kreuz richtet von 27. bis 29. Juni die EU co-finanzierte Katastrophenschutzübung „EU Taranis 2013“ im Bundesland Salzburg aus. Insgesamt werden rund 1.700 Personen aus acht Nationen an der Übung teilnehmen und an 22 Szenarien für den Ernstfall proben.

Von Lackschuhen und von Gummistiefeln.

Und davon, wer die wahren Helden sind.

Ein Blogbeitrag von Reinhard Schmidt aus Oberösterreich

Von Lackschuhen und von Gummistiefeln. Und davon, wer die wahren Helden sind.

Zwei verschiedene ganz unterschiedliche Perspektiven auf die Hilfe nach dem Hochwasser.

Inzwischen nach sechs intensiven Tagen und Nächten mit deutlich zu wenig Schlaf ist es Zeit, Bilanz zu ziehen über das, was wirklich geleistet wurde.

Meine Welt des Einsatzes

Da waren einmal in „meiner“ Welt des Hochwassers: (Vor)alarme, Führungsgrundgebiete, Verfügungs- und Bereitstellungsräume, Stabssitzungen mit den Spitzen unseres Landes und unserer Republik. Das alles wunderschön und übersichtlich visualisiert auf perfekt geführten Lagekarten, auf großen Monitoren, aus dem Weltraum, aus der Luft und auf Papier. Isoliert in einem Hochsicherheitstrakt, abgeschirmt von dem, was die Welt da draussen im Augenblick ausmacht. Die Sprache, die man in dieser Welt spricht, ist geschliffen und folgt den Lehrbüchern der Taktik, die Hemdsärmel sind lang, die Schuhe sauber poliert, die Uniform zwei Mal täglich gewechselt.
Eigentlich dachte ich, ein klein wenig stolz darauf sein zu können, was wir hier geleistet haben.

Die andere Welt des Einsatzes

Aber da gab und gibt es noch die andere Welt des Hochwassers. (Vor)Alarme zu nachtschlafender Stunde, die von „meiner“ Welt verordnet werden und die verdiente Ruhe rauben, weil eine „operativ sich tendenziell verschärfende Gefahrenlage beurteilt wurde“. Bezirksrettungskommandanten und Einsatzabschnittsleiter, die draußen stehen an den Brennpunkten des Leides der Menschen. Die Entscheidungen „aus der Bewegung“, ohne Monitore und Luftaufnahmen treffen müssen, die darüber befinden, wem welche Hilfe zuerst zukommen kann und darf. Die bei diesen Entscheidungen die Menschen in ihrem Leid vor Augen haben und trotzdem nicht anders entscheiden können und die ihre Einheiten und Mannschaften an die Grenzen der Belastbarkeit führen müssen.
Und dann, ganz unten in der Befehlskette: Unsere Kameradinnen und Kameraden aus allen Einsatzorganisationen, die mit körperlichem Einsatz dort stehen, wohin „meine“ Welt auf der Karte blickt und die das leisten, was nur Menschen leisten können, die für die Nächstenliebe leben. Die die Tränen und die Verzweiflung in den Augen jener sehen, die die „anderen“ Helden sind.

Und da wird „meine“ Welt der Taktik und Operationslehre in den Führungsstäben diese Landes ganz ganz klein und unwichtig.
Diese letzten sechs Tage, waren eure Tage. Die Tage der wahren Helden in den Gummistiefeln draussen im Wasser, Schlamm und inmitten des Elends der Verzweiflung. Die Tage der Menschen, die da sind, um zu helfen. Aus Liebe zum Menschen.

Ich verbeuge mich vor euch und es erfüllt mich mit Stolz, mit euch gearbeitet haben zu dürfen.