Family Affairs: Advent im Henry-Laden

Einem spontanen Einfall unseres 11-jährigen Sohnes Felix folgend haben wir uns gemeinsam als Familie zum Dienst im Henry-Laden eingeteilt. Im vorweihnachtlichen Weihnachtsfeiern- und Einkaufs-Stress eine Möglichkeit, freiwillige Arbeit zu leisten, Gutes zu tun und das im Kreis der Familie. Auch meine Schwester, ihre Tochter und meine Eltern (allesamt seit Jahrzehnten Rotkreuz-Freiwillige) helfen einen Vormittag mit, im Sinne von Henry Dunant, dem Namensgeber für den Henry-Laden.

Der Henry-Laden des Roten Kreuzes ist eine Second-Hand-Boutique, die gespendete Waren – hauptsächlich Bekleidung, Spiele und Kinderbücher – zu günstigen Preisen verkauft. Damit werden noch brauchbare Gegenstände vor der Entsorgung gerettet und bringen jemand anderen Nutzen und Freude. Die erwirtschafteten Erträge werden vom Roten Kreuz für soziale Zwecke verwendet. Insgesamt gibt es niederösterreichweit bereits 13 Läden.

Christkindls Assistenten?

Wir begannen um 8.00 Uhr in der Früh, meine Frau Hedwig, die als Teamleiterin des Brunner Henri-Laden-Teams auch für die anderen Freiwilligen verantwortlich zeichnet, schließt den Laden in der ehemaligen Post auf und startet die Kasse. Schon bald kommen die ersten Kunden und auch neue Freiwillige, die uns helfen wollen: Vanessa und ihre Mutter, eine Kindergärtnerin haben sich bereit erklärt, gespendete Spiele und Puzzles auf ihre Vollständigkeit zu kontrollieren. Auch Felix hilft mit. So können im Laufe des Vormittags mehrere Dutzend Spiele als „spielbar“ gekennzeichnet werden und können vielleicht unter dem Weihnachtsbaum eines Kindes Freude bereiten? Als Danke für die Unterstützung gibt es Schoko-Nikoläuse, die noch vor dem Mittagsläuten der nahen Kirchenglocken verspeist wurden.

Spiele im Henry Laden

Zehlreiche Spiele wurden am Vormittag gecheckt: Steine gezählt, Anleitungen kontrolliert, Puzzlesteine geprüft und Spielpläne auf Beschädigungen untersucht.

Unsere Kundinnen und Kunden

Ein Kinderwagen für den erwarteten Nachwuchs, Weihnachtsschmuck und günstige Winterbekleidung – das konnte sich eine Jungfamilie kaufen, die das erste gemeinsame Weihnachten mit eigenem Christbaum feiern will. Igor, der junge Vater erzählt, dass er wenig Geld verdient, das meiste braucht er für die Miete. Er uns seine Frau sind erst fünf Jahre in Österreich und haben daher keine Familie, die sie unterstützen können. Daher sind er und seine Frau sehr glücklich, im Henry-Laden um wenig Geld wichtige Dinge kaufen zu können. Es bleibt daher ein bisschen Geld zum Sparen für das Baby.

Spenden trudeln ein

Dazwischen kommt ein älterer Herr zu uns – Karl war früher ebenfalls Rotkreuz-Freiwilliger – und fragt, ob wir auch Schi nehmen. Er und seine Frau haben sich vor zwei Saisons eine neue Ausrüstung gekauft, allerdings fahren sie nicht mehr. So spenden sie Schi und Schischuhe – ich bin mir sicher, mit der Ausrüstung hat jemand anderer noch Freude, vielen Dank!

Modebewusste Kunden

Seidentücher und Wollschals in ihren Lieblingsfarben: türkis und blau, das fand Rosemarie nach längerem Suchen bei den Accessoires. Sie stöbert gerne in Second-Hand-Läden, denn neu kriegt sie oft nicht genau das, was sie sich vorstellt. Individuell, so bezeichnet sie ihren Modegeschmack. Und, dass sie Geschmack hat, kann man bei der rund 30 jährigen Frau durchaus erkennen.

Durchaus geschmackvolle Garderobe kann im Henry Laden zu günstigen Preisen erstanden werden.

Gibt es ein Recht zum Spenden?

Eine Dame mittleren Alters bringt einen Sack mit Bekleidung. Ihre Mutter ist verstorben, nun braucht sie das alles nicht mehr. Unterwäsche, Socken, Hausschuhe – alles zusammen in einem Schwarzen Müllsack. Leider können wir diese Dinge hier nicht verkaufen, wird ihr freundlich erklärt. Niemand kauft gebrauchte Unterwäsche. Die Botschaft kommt zwar an, doch leider reagiert die Dame unfreundlich, wirft uns „Undankbarkeit“ vor. Jetzt müsse sie extra zum Entsorgen fahren, meinte sie. Und was für ihre Mutter gut genug war, müsse für andere auch reichen.

Für mich ein Impuls darüber nachzudenken, ob es ein Recht gibt, nur nach eigenem Wunsch helfen zu dürfen, eine Art angebotsgesteuerte Humanitärökonomie? Ich denke die Antwort ist klar: Nein. Der humanitäre Imperativ, betrifft immer die Bedürfnisse des Menschen in Not, das sozial Schwachen. Nicht das Angebot darf die Hilfe beeinflussen, sondern die Nachfrage, die Bedürfnisse jener, die unserer Hilfe bedürfen. Das wird bei aller Charity-Kommunikation oft vergessen.

Das Charity-Shop-Konzept ist in Österreich noch nicht etabliert

„Die Seniorin ist eigentlich schon Stammgast bei uns im Henryladen“, berichtet Hedwig, als eine ältere Frau unser Geschäft betritt. „Ich muss ihnen was erzählen“, begrüßt sie uns, „meine Freundinnen und Bekannten glauben mir nicht, dass hier jeder einkaufen kann. Sie meinen, es ist ein Sozialladen für Bedürftige.“ Hedwig, meine Frau und Teamleiterin erklärt ihr dann, dass dieses Missverständnis öfter passiert: „Ja, der Erlös kommt sozialen Zwecken zu Gute“, weiß sie – doch zum Einkaufen kann und soll jeder kommen. Selbstverständlich können Bedürftige auch kommen, das breite und einzigartige Angebot ist aber für alle Kunden geeignet. Und zudem fließt der Erlös ja dem guten Zweck zu, umso wichtiger ist es, dass möglichst viele Personen her finden. Darum nimmt sie sich beim gehen noch ein paar Visitkarten mit, um andere vom henry-Laden zu überzeugen.

Das Leben ist ein Geben und Nehmen …

Gegen elf Uhr kommt Ursula, eine Arbeitskollegin. Gemeinsam mit ihrem Mann und dem Sohn bringt sie Sachen, vorwiegend Spielzeug und Bekleidung. „Spiele, die nicht mehr gespielt werden, sind nutzlos, die sollten neue Spieler finden“, meint ihr Sohn. Zum Glück findet er bei den Spielen im Henry-Laden auch etwas, das er in Zukunft spielen wird: Ein cooles Lego Ninjago-Set. Doch auch Weihnachts-Kerzen im Stil von Tannenbäumen gefallen ihm. Rasch ist das Taschengeld investiert und er geht nicht mit leeren Händen heim.

Mittags ist der Samstags-Dienst vorbei, wir haben den Henry-Laden auf „weihnachtlich“ umdekoriert, Weihnachtskugeln aussortiert, Spiele geschlichtet und viele Artikel angenommen oder verkauft. Vielleicht haben nicht alle Begegnungen genau so und genau heute stattgefunden, vielleicht stimmen die Namen auch nicht, denn schließlich kennt in Brunn ja jeder jeden – aber was stimmt: Weihnachten kommt und vielleicht findest Du im Henry-Laden noch das eine oder andere Geschenk.

Was für ein Tag

Lidvina Dox ist als Rotkreuz-Delegierte in Lesbos.

Vorgestern war ich mit Kollegen wieder an der Nordküste. Dort bringen unsere Rescueteams die auf den Booten ankommenden Menschen sicher an Land. Der Wintereinbruch ist seit einigen Tagen immer heftiger zu spüren. Schneefall, feuchte Kälte und Wind. Als ich bei unseren Team ankam, war die Stimmung äußerst bedrückt. Gerade war das tote Kind an Land gebracht worden und auch zwei Frauen hatten die Unterkühlung nicht überlebt. Während wir am Strand standen und über die tragische Situation redeten, näherte sich uns auch schon das nächste Boot eskortiert von zwei Motorbooten, die die Menschen in Richtung Lesbos begleiteten. Die Rescueteams übernahmen das Boot und brachten die Flüchtlinge sicher ans Land. Glücklicherweise waren diesmal alle am Leben. An ihrem starren und schreckerfüllten Blicken war zu erkennen, dass sie kaum bei sich waren. Ihre Kleider waren nass, sie zitterten am ganzen Körper und waren völlig erschöpft. An Land wurden sie sofort von unseren Leuten erstversorgt und in ein Transitcamp gebracht.  Die Teams dort leisten unheimlich tolle Arbeit.

Das Problem ist, dass die Flüchtlinge in der Türkei offensichtlich gnadenlos auf die Boote gedrängt werden. Immer wieder hört man von Geschichten, dass Waffen im Spiel sind, mit denen sie die Menschen zwingen aufs Boot zu steigen, egal, ob alle Familienmitglieder oder Freunde mit an Bord sind oder nicht. Oft müssen sie auch ihr Hab und Gut an Land lassen und zu allem Überfluss  wurden sie in letzter Zeit auch noch mit „gefälschten“ Rettungswesten versorgt. Angeblich waren diese mit Stroh, Papier etc.  gefüllt, – reine Geschäftemacherei. Das Flüchtlingsgeschäft ist auf allen Ebenen ein Alptraum und es scheint keine moralischen Grenzen zu geben…  Die Boote sind natürlich völlig überfüllt. Meist müssen auf der Überfahrt auch noch die letzten Habseligkeiten über Bord geworfen werden, um zu verhindern, dass das Boot nicht untergeht. Die Folge ist, dass sie mit Nichts und völlig unter Schock In Griechenland ankommen und das noch dazu an einem klirrend kalten Wintertag. Und dann kann schon mal die Frage von dem Einen oder Anderen kommen die lautet „ bringst du mich jetzt nach Athen?“. Erst dann wir einem bewusst, wie wenig diese Menschen wissen.

Es ist vielen von Ihnen nicht klar, dass sie auf einer Insel namens Lesbos gelandet sind und Athen noch sehr, sehr weit weg ist. Am Nachmittag war der Plan nach Mytilini, in die Hauptstadt  zurückzufahren, denn dort wartete viel Arbeit. Aber auch uns machte das Wetter einen Strich durch die Rechnung. Die Schneefälle wurden so heftig, dass es kaum ein Auto über die vielen Bergstraßen schaffte. Nicht nur  einmal stiegen wir aus um anderen zu helfen und zu schieben. Irgendwann schloss die Polizei die Straßen und es hieß abwarten. Spät abends, als wir weiterfuhren passierten wir sämtliche gestrandete Autos die „herrenlos“ und völlig eingeschneit zwischen Straße, Abgrund und Wald standen. Die paradiesische Urlaubsinsel Lesbos ist offensichtlich immer gut für Überraschung. Jetzt während ich das schreibe postet BBC News, dass letzte Nacht wieder 42 Menschen am Weg übers Meer gestorben sind. Das alles stimmt einen schon sehr nachdenklich…

Lidwina Dox: Humanitärer Einsatz auf Lesbos

Lidwina Dox koordiniert die Rotkreuz-Hilfsaktivitäten auf der griechischen Insel Lesbos und berichtet für uns von ihren Eindrücken.

Der jetztige Einsatz hat mich nach Griechenland gebracht. Ich bin IFRC-Field-Coordinatorin für die Insel Lesbos. Gemeinsam mit dem Helenischen Roten Kreuz und einer Gruppe von internationalen Delegierten versuchen wir die Menschen, die auf Lesbos ankommen, bestmöglich zu unterstützen.

Ein Rescuer, der Kind und Vater vom Boot an Land hilft.

Ein Rescuer, der Kind und Vater vom Boot an Land hilft.

60 Prozent der Flüchtlinge und Migranten, die sich auf Booten von der Türkei nach Griechenland wagen und sich anschließend weiter nach Mitteleuropa bewegen, landen auf Lesbos. Insgesamt waren es 2015 etwas mehr als 500.000 Menschen.  In Anbetracht dessen, dass die Insel selbst nur 86.000 Einwohner hat, eine unglaublich hohe Zahl.

Die zahlreich präsenten Hilforganisationen haben unterschiedliche Mandate. Unsere Aktivitäten sind vielseitig. Im Norden (Windy Ridge), wo die meisten Menschen auf völlig überfüllten Booten ankommen, hilft unser Rescue-Team den erschöpften Menschen ans Land. In einem Transitlager, gleich an der Küste, bieten wir ihnen Erste-Hilfe-Maßnahmen, psychologische Unterstützung und mobile Handyladestationen an. Nach ein paar Stunden reisen sie mit Bussen in den Süden der Insel nach Moria weiter. Dort werden sie im Camp registriert und – wenn es sich um syrische Flüchtlinge handelt – weiter nach Kara Tepe, ebenfalls ein Camp, gebracht.

Im Moria Camp werden die Flüchtlinge versorgt und registriert.

Im Moria Camp werden die Flüchtlinge versorgt und registriert.

In beiden Camps versorgen wir sie mit Kleidung, Hygieneartikeln und Nahrung sowie abermals mit den mobilen Ladestationen und Internet. Auch Familienzusammenführung wird angeboten.

Der Ablauf verläuft mittlerweile reibungslos – vor allem jetzt im Winter, in dem die Anzahl der ankommenden Menschen stark gesunken ist. In den ersten Jännertagen hatten wir durchschnittlich nur um die 800 bis 900 Menschen täglich. Das ist wahrscheinlich auch auf das teilweise wirklich stürmische Wetter zurückzuführen, das eine Überfahrt am Meer in diesen völlig überfüllten Booten sehr gefährlich macht.

Nach ein bis Tagen auf der Insel reisen sie bereits auf einer sicheren Fähre weiter nach Athen oder Kavala. Von dort aus geht es weiter in Richtung Idomeni, dem Grenzübergang zu Mazedonien. Auf diesem Grenzübergang dürfen angeblich tatsächlich nur  mehr Syrer, Afghanen und Iraker nach Mazedonien einreisen. Unklar ist derzeit, wo sich die anderen hinbewegen…

Eine Mobile-Charging-Station wo die Flüchtlinge ihre Telefone aufladen können.

Eine Mobile-Charging-Station wo die Flüchtlinge ihre Telefone aufladen können.

Das Rotkreuz-Team hier ist einfach großartig! Obwohl ich erst seit wenigen Tagen da bin, haben wir uns schon gut eingespielt. Es lauft soweit reibungslos, wir sind alle total motiviert und haben unheimlich viel Spaß an der Arbeit. Und zu allem Überfluss haben wir auch noch Glück mit der Insel – sie ist prachtvoll.

Ich zahl doch nicht noch etwas dass die hierherkommen

Wie jeden zweiten Tag laufe ich zwischen 7 und 8 Uhr meine Runde aus Kos hinaus hinauf Richtung Norden (Lambi Beach) und dann weiter Richtung Westen. Meist bin ich zu spät um Migranten auf ihren Booten zu sehen – man hat mir gesagt die meisten übersetzen vor 6 Uhr Morgens nach Kos.

Heute scheint es anders denn ich sehe mindestens vier Schlauchboote ankommen. Zu einem laufe ich hin und sehe wie ein 0815 Touri aus. Trotzdem begrüße ich die Syrer und zeige ihnen den Weg zur Polizeistation für die Erstregistrierung. Auch zwei einheimisch aussehende Männer kommen zu den noch im Wasser stehenden Migranten die sich gerade wieder sammeln müssen. Im ersten Moment dachte ich mir „toll dass die hier auch mit helfen“ – weit daneben. Die zwei Einheimischen schnappen sich die Batterie und den Außenbordmotor und verladen diesen in ihr Auto. Von den Syrern die von der Überfahrt noch mitgenommen wirken sagt keiner ein Wort.

Ich frage den Griechen was er da macht und er sagt er benötigt Motor und Batterie für sich. Nach meinem Einwand der gehöre doch den Migranten weil die dafür bezahlt hätten meint er „stimmt nicht“ – nationales Recht. Ich bin entsetzt, irgendwie erinnert mich das an Leichenfledderei … Ich frage ob Sie den Migranten nicht einen kleinen Beitrag zahlen wollen – diese haben ja auch für das Boot bezahlt. Darauf drehen sie sich um und gehen. Ich muss mich sehr beherrschen und rufe noch unschöne Worte nach … Ein nett wirkenden älterer Herr der die Szene beobachtet hat spaziert an mir vorbei. Ich frage ihn ob er von hier ist und ob das „normal“ sei was da gerade passiert ist. Er sagt ihm gehört das Hotel hier 100m entfernt und die Beiden Männer gehören zu ihm. Er ist fest davon überzeugt dass die „Illegalen“ hier nichts zu suchen haben („sollen in der Türkei bleiben“) – ruinieren sie doch sein ganzes Geschäft. Er berichtet von 150.000 Betten auf Kos und 20% Stornierungen heuer. Er muss wenn das so weitergeht MitarbeiterInnen entlassen und außerdem verdrecken die hier alles. Er müsste das auf seine Kosten reinigen. Vor allem aber zahlt er ihnen nicht auch noch etwas (für den Motor) damit sie hierher kommen.

Wir diskutieren eine Weile und der kleinste gemeinsame Nenner den wir finden ist, dass alle Länder der EU hier einen Beitrag leisten müssen. Griechenland und Italien können die Situation alleine nicht stemmen. Ich trotte davon und merke dass die Stimmung auf der Insel gegen Ende der Saison umschlägt. Mehr und mehr Einheimische wenden sich gegen die Migranten.

Außer einem Morgenlauf haben wir uns in den letzten Tagen auch mit der Lagerhaltung beschäftigt und einen Workshop mit den lokalen RK-MitarbeiterInnen zu den Themen Hilfsgüterverteilungen und Lessons Learnt abgehalten. Außerdem haben wir einen Besuch des Internationalen Roten Kreuzes (IFRC) am Dienstag hier nach Kos begleitet. Das IRK hat vor die Hilfe in Griechenland zu vervielfachen – auch auf Kos. Dazu wird in Kürze ein multisektorales Erhebungsteam nach Griechenland geschickt um die Lage genau zu erheben. Diesem Team wird ebenfalls ein Österreicher angehören und dabei für den Sektor Wasser-Sanitärversorgung und Hygiene zuständig sein. Hier auf Kos können sich die beiden Herren und die Dame des IRKs von den Kapazitäten des lokalen RKs überzeugen und helfen selbst bei der Verladung von Hilfsgütern mit, um den Verteilungszeitplan in der Polizeistation halten zu können. Es gibt nach wie vor zu wenige Freiwillige hier.

Alles weg. Aber ich hab ja noch mein Leben

Meine Kollegin Lidwina und ich gehen nach der Arbeit abends noch eine kleine Runde am Hafen von Kos spazieren, um einen Blick in die Polizeistation zu werfen. Heute gab es keine Rotkreuz-Verteilung. Es gab zu wenig Freiwillige, denn die meisten arbeiten in einem Hotel oder Restaurant und konnten sich nicht freinehmen.

Hinweis auf Tickets für Migranten am Blackboard bei Polizeistation

Informationen zu den Fährentickets nach Athen. Bei vielen Flüchtlingen die nächste Station in Richtung Norden.

Neben dem üblichen Anblick – Menschen, die sich am Boden auf die Nacht vorbereiten – ist eine lange Schlange von einigen hundert Menschen nicht zu übersehen. Sie alle stehen an, um ein Ticket für eine Fähre nach Athen zu ergattern. Alle haben heute ihre Registrierungspapiere erhalten. Ein junger Bursche erzählt uns, dass sie alle aus Syrien kommen – er selbst aus Aleppo. Er hat nicht mehr als das Ticket. Seine Familie ist in Syrien geblieben. Seinen Rucksack durfte er nach der Rettung auf See nicht mitnehmen. Er nimmt es leicht, lacht und sagt, er hat ja noch sein Leben. Er will nach Deutschland zu seinem Bruder. Als wir ihn auf die teilweise geschlossene Grenze in Mazedonien ansprechen meint er, dies sei für Ihn kein Problem – er ist unter 16 Jahre alt und seine Freunde, die bereits dort waren, haben ihm berichtet, dass die Behörden Jugendliche leichter durchwinken.

Wir gehen die 100 Meter weiter zur Polizeistation. Eine junge Beamtin empfängt uns und lässt uns ein. Heute ist hier um 21 Uhr noch geöffnet – wir fragen warum. Es wird ein Großteil der aus Pakistan kommenden Migranten registriert. Wir kommen mit einem ins Gespräch und er erzählt uns, dass er bereits 17 Tage auf Kos ist. Der syrische Bursche von vorhin bekam seine Registrierungspapiere nach nur 3-4 Tagen. Alle anderen Nationalitäten müssen wesentlich länger warten, wie es scheint. Syrer dürfen auch bis zu 6 Monate im Land bleiben – alle anderen nur 1 Monat.

Wir sehen uns in der Polizeistation um – wie haben nämlich gestern zusätzlich zu den registrierten Personen auch die hier inhaftierten Migranten versorgt. Leider haben die Beamten nicht wie vereinbart die Nahrungsmittel auch an die Insassen der Kinder-/Männerzelle verteilt. Die Zelle ist in etwa 40m2 groß. In ihr harren 17 Männer und Kinder ab 6 Jahren aus, ohne zu wissen, wie es weitergeht. Es gibt ein Klo, das wir nicht sehen, und mehr gibt es nicht. Unsere Pakete stehen wie gestern abgestellt neben der Zelle – ungeöffnet. Wir sprechen mit der wirklich freundlichen Beamtin und einem Beamten und wir vertagen die Verteilung an die Männer und Kinder auf morgen Vormittag. Es ist bereits dunkel und wir müssen alle 17 Pakete öffnen und die Thunfischdosen entfernen – es darf nichts Scharfkantiges in die Zelle.

Nach ca. 10 Minuten verlassen wir die Polizeistation und sehen uns die oftmals erzählten „Listen“ vor der Türe an einem schwarzen Brett an. Und tatsächlich – hier hängen sie. Diese Listen sind für die Migranten ganz wichtig – quasi ihr Ticket nach Athen. Ist dein Name auf der Liste, kannst du am folgenden Tag zur Verteilung der Registrierpapiere kommen und damit ist der Weg frei, um durch Griechenland zu reisen. Es herrscht großer Andrang und all jene, die nicht auf der Liste stehen drehen enttäuscht um – durchschnittlich muss man nach Erstregistrierung durch die Küstenwache ca 2-3 Wochen warten, um die Papiere zu erhalten. Dies heißt wiederrum die Migranten müssen rund 21xmal hier vorbeikommen, um täglich die Listen zu checken.

HRC Volunteer Core Team bei Verteilung

Rotkreuz-Mitarbeiter/innen auf Kos unterstützen die Flüchtlinge vor Ort

Wir gehen weiter und beenden den Tag. Meine Kollegin und ich bereiten über das Wochenende einen Workshop für Montag vor. Wir wollen die Verteilungen dieser Woche analysieren und besprechen was gut und was noch nicht so toll gelaufen ist. Außerdem müssen wir die Kolleginnen vom lokalen Roten Kreuz in die „Feinheiten“ der Berichterstattung und der korrekten Lagerführung einweisen.

PS: Last but not least ist die Koordination mit anderen Organisationen gestern voll angelaufen. Es gab auf Rotkreuz- und UNHCR-Initiative ein erstes dreistündiges Treffen aller aktiven Organisationen. Neben UNHCR, Rotem Kreuz, Ärzte Ohne Grenzen und Save the Children waren auch lokale Vereine vertreten, um die aktuellen Probleme, den Bedarf und die Planungen zu besprechen. Ab sofort wird es wöchentliche Koordinationsmeetings geben – gut so! Koordination und Kooperation sind ein Puzzleteil um Doppelgleisigkeiten zu vermeiden und die Effizienz zu steigern.

Neunzehn neugierige Nachwuchsdelegierte: Vom Basiskurs Internationale Einsätze (BKI)

Ein Blogbeitrag von Heidemarie Jahn

Neunzehn Nachwuchsdelegierte aus ganz Österreich im Durchschnittsalter von 25-35 lernten Ende Juli im Südsteirischen Laubegg in drei Tagen das Wichtigste für einen Auslandseinsatz, vom Disaster Response Management über die Logistik bis zum Umgang mit GPS, Funkgeräten und Satellitenkommunikation. Auch der Umgang mit und der Einsatz von Medien will zumindest durchgegangen sein, denn schon bei unserer Ankunft in Laubegg und dem Aufstellen der Zelte tauchte unerwartet ein Reporter samt Kameramann und Stabmikrofon von einem unbekannten TV-Sender auf und stellte uns vor laufender Kamera in Einzelinterviews die sensationsmaximierenden Fragen für seine ZuseherInnen: „Im Hintergrund sieht man sehr viele uniformierte Rotkreuz-Mitarbeiter. Es sieht nach einer Katastrophe aus. Was ist denn passiert?“, gefolgt von: „Und wer finanziert das alles?“ Natürlich handelt es sich auch hier um eine Simulation um in einer Videoanalyse zu sehen, was passiert, wenn unvorbereitete RK-Delegierte auf ReporterInnen treffen.

Hilfe weltweit leisten, wenn Hilfe benötigt wird.

Doch warum fühlt man sich tatsächlich berufen, Menschen im Ausland unter nicht immer friedlichen Bedingungen zu helfen? Die individuellen Motivationen sind vielfältig, doch zum Grundtenor gehört das Erfolgsgefühl, gemeinsam mit Menschen und RK-KollegInnen aus aller Welt Hilfe zu leisten, wo sie benötigt wird, auch über Ländergrenzen hinweg. Viele KursteilnehmerInnen bringen bereits private und berufliche internationale Erfahrung mit, sprechen Fremdsprachen oder haben sogar selbst einen multikulturellen Hintergrund, und möchten ihre Kompetenzen für die Auslandshilfe zur Verfügung stellen.

Alle von ihnen bringen innerhalb ihrer jeweiligen nationalen Spezialisierung berufliche Erfahrung mit und/oder haben innerhalb ihrer Sondereinheiten auch eine nationale Grundausbildung abgeschlossen.

Der BKI ist sozusagen der „internationale Führerschein“ für Rotkreuz-HelferInnen, die nach dem Kurs sogleich in die Datenbank für internationale Delegierte kommen, aus deren Pool dann, je nach Qualifikationsanforderung der Katastrophenlage und Verfügbarkeit der Delegierten, kleine Teams zusammengestellt werden, die dann in bis zu vier einmonatigen Rotationen mit einigen Überlappungstagen für Handovers in den Einsatz reisen.

Was sind also die Inhalte des BKI?
Zu den Basics, die das ÖRK seinen Mitgliedern mitgibt, gehört zunächst einmal das „Behind the Scenes“ im Generalsekretariat nach einer Katastrophe, anders gesagt: Wie es von einem Erdbeben in Nepal dazu kommt, dass österreichische Teams und Materialien ausgesendet werden. Dazu gehören internationale Alarmierungsmechanismen und Kommunikationsstrukturen, aber auch Finanzierung und Medieneinsatz für Spendenaufrufe.

Vor unserer Abreise in die Steiermark hatten wir in Wien-Inzersdorf noch Gelegenheit, das Rotkreuz-Katastrophenhilfezentrum zu besichtigen und uns vom Lagerleiter die besonderen logistischen Herausforderungen von Frachtflügen in schwierig zugängliche Gebiete der Erde erklären zu lassen (einen kurzen Überblick findet ihr hier: https://www.youtube.com/watch?v=DvNJx8F9j4k). Die Kosten für einen Frachtflug sind entsprechend der Nachfrage von internationalen Hilfsorganisationen, die innerhalb kürzester Zeit Material transportieren wollen, sehr hoch und machen oft den wesentlichen Teil der Gesamtkosten eines Einsatzes aus. Daher wird versucht, viele benötigte Dinge vor Ort zu erwerben oder anfertigen zu lassen (zB Schaufeln). Dies kurbelt nicht nur die lokale Wirtschaft wieder an und kann Betroffene vom Geschehenen ablenken, sondern ist auch langfristig wesentlich günstiger.

Cultural Awareness

Um die Nachhaltigkeit der Hilfsmaßnahmen mit den zur Verfügung stehenden Ressourcen zu gewährleisten, werden diese gemeinsam mit der Lokalbevölkerung besprochen und entsprechen weitestgehend deren Bedürfnissen, Bräuchen und Wünschen. Daher war auch Cultural Awareness Teil unseres Kurses. Diese trägt aber auch zu einem guten Arbeitsklima mit internationalen KollegInnen, der eigenen Sicherheit und der Stressminimierung durch Prävention des Kulturshocks bei.

Personal Equipment aka „Die Kiste“
Alle Delegierten bekommen für die Zeit ihres Einsatzes eine Kiste mit einer Standardausrüstung geliehen, welche aus den lebensnotwendigsten Artikeln bestehen, darunter Moskitonetz, Lärmschutzkopfhörer und insbesondere für die ersten Tage eine Wasserfilterpumpe und Campingkocher.

One-Flame Cooking
Damit wir auch alle wissen, wie wir mit dem Campingkocher hantieren ohne uns mit der Stichflamme die Armhaare zu versengen, ist nicht nur die persönliche Ausrüstung, sondern auch das One-Flame Cooking Teil des Trainings – in Form einer Kochshow! Vier Teams kochten mit jeweils einem Kocher, einem Heurigentisch und bereitgestellten einfachen Zutaten nach vorgegebenen Rezepten „um die Wette“ und präsentierten einander im Anschluss die fertigen Gerichte. Das Menü unseres Abendessens konnte sich sehen lassen: Italienisches Risotto, mexikanisches Chili, israelisches Shakshuka und indisches Chicken Curry haben wir mit viel Spaß und Teamwork zubereitet und natürlich auch gegenseitig verkostet.

Wie geht es nun weiter?
Nach einem lehrreichen Wochenende mit viel interessantem Austausch zwischen den TeilnehmerInnen der unterschiedlichen Spezialrichtungen und auch mit den kursdurchführenden MitarbeiterInnen aus dem Generalsekretariat, kehren wir aus dem Einsatz- und Bildungszentrum Laubegg wieder in unser reguläres Arbeitsleben zurück, unter anderem die technische Produktionsfirma, die Sozialeinrichtung, die Forschung, die Softwarefirma. In weiteren Fortbildungen vertiefen und wiederholen wir innerhalb unserer Sondereinheiten unsere Kenntnisse und stehen innerhalb kürzester Zeit bereit, wenn das ÖRK aus dem Ausland angefordert wird.

Europäische Solidarität: Die richtige Hilfe zur richtigen Zeit am richtigen Ort

Der Europäische Zivilschutzmechanismus (EU/CP-Mechanismus) ist eine Möglichkeit für die Zusammenarbeit von Mitgliedstaaten im Rahmen von Zivilschutz- und Katastrophenhilfeeinsätzen. Eine Informations- und Koordinationsstelle (das Emergency Response Coordination Center, ERCC) unterstützt hier die Mitgliedstaaten des Mechanismus, das sind die EU-Mitglieder und weitere Staaten (Island, Montenegro, Norwegen, Serbien und Mazedonien) und stellt bei Bedarf auch ein Spezialistenteam, das Koordinations- oder Assessment-Aufgaben vor Ort wahrnehmen kann. (Infoseiten im Rotkreuz-Portal zum Katastrophenmanagement)

Europäische Zivilschutzteams tragen die charakteristischen blauen Westen

Europäische Zivilschutzteams tragen die charakteristischen blauen Westen

Das Österreichische Rote Kreuz hat mehrere Expertinnen und Experten, die im Rahmen dieses Mechanismus als Expertinnen und Experten ausgebildet sind. Diese fuhren in den vergangenen Jahren – ausgestattet mit den charakteristischen blauen Westen mit goldenen Sternen – auch immer wieder im Auftrag der Republik Österreich auf EU/CP Missionen, um innerhalb und außerhalb der Europäischen Union die Europäische Hilfe zu unterstützen und damit nicht zuletzt auch die Solidartät Österreichs praktisch unter Beweis zu stellen. Erst heuer im Frühjahr war einer meiner Kollegen in der Ostukraine, um die humanitäre Hilfe zu unterstützen.

Neben der Koordination von eintreffenden Hilfsgütern und europaweit genormter Einheiten zur (meist technischen) Hilfe vor Ort – so genannten Modulen – ist auch das Assessment, also die Beurteilung der Situation vor Ort und die Einschätzung der Bedürfnisse eine wichtige Aufgabe dieser Experten. Im Rahmen eines einwöchigen Kurses konnte ich diese wichtige Fertigkeit Anfang Juli 2015 trainieren.

Start in Bulgarien

Seminarstart in der bulgarischen Hauptstadt Sofia

Seminarstart in der bulgarischen Hauptstadt Sofia

Zunächst haben sich 18 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus ganz Europa in Sofia getroffen. Dort gab es zwei Tage lang theoretische Sessions zu den Grundlagen von Assessments und zu den Herausforderungen, die ein solcher Einsatz jedem einzelnen bringt. Themen waren unter anderem auch die Kultursensibilität, das Teambuilding oder der Umgang mit Medien im Einsatz. Auch der richtige Umgang mit technischem Equipment, wie GPS-Geräte, Satellitentelefon oder Satelliten-Internetverbindung war Teil des Trainings. Von nun an wurde in fixen Teams trainiert: Eine Geocaching-Übung war das Finale dieses Trainings, das Siegerteam freute sich über Süßigkeiten und eine Flasche Wein, die in einer großen Transportbox mittels Code gesichert war. Ach ja, ich war im Siegerteam 🙂

Erdbeben, Tsunami: Das Worst Case Szenario für eine Insel am Rande Europas

Das Briefing am nächsten Tag begann mit einer eMail, die jeder Teilnehmer schon in der Nacht erhielt:

please find attached the ECHO Crisis Report – CP-Message 1 regarding the earth-/ sea-quake in the eastern Mediterranean Sea this morning

Jetzt fanden wir relativ rasch in die Situation. Das Team bestimmte mich als ersten Teamleader, wir wollten aber jeden Tag im Einsatzgebiet tauschen, damit das auch jeder üben kann. Das Einsatzgebiet? Ach ja: Wir wurden nach Zypern entsendet. Nach einem Skype-Videotelefonat mit dem Leiter der dortigen Zivilschutz-Behörde, der uns die Situation vor Ort und die Struktur der zypriotischen Behörden darlegte, hatten wir noch grob zwei Stunden zur Vorbereitung. Danach ging es ins Taxi zum Flughafen. Nun waren wir alleine (also fast, denn wir hatten einen Schatten der Übungsleitung mit, der den Namen Thorsten trug) unterwegs. Am Flug waren unsere Plätze vorab schon gebucht, der Flughafen hatte zum Glück noch WLAN, um Recherchen zu machen und einiges zu planen.

Am Flug nach Zypern

Am Flug nach Zypern

Nach der Landung in Larnaca am Abend formierten wir uns und vor dem Ausgang wartete bereits ein Kamerateam (danke an der Stelle an den fabelhaften Mario Dobovisek, als Redakteur) und der Verbindungsoffizier des Zypriotischen Zivilschutzes, der uns in die Lage eingewiesen hat.

Die Übung war mehr als realistisch: Alle Mitspieler, egal ob vom Zivilschutz, von nationalen Behörden, lokalen Gemeindevertretungen, Krankenhäusern, Feuerwehren, Fieschereiämtern, … waren jene Personen, die diese Funktionen auch in der Realität ausüben. Das heißt, wenn man zum Vorsitzenden der Gemeindeverwaltung in einem Vorort von Limassol gegangen ist, so traf man genau den Vorsitzenden, der sich zwischen seinen realen Terminen Zeit für die Übung genommen hat.

Der Autor am Steuer eines zypriotischen Wagens. Wegen der britischen Geschichte fährt man hier links.

Der Autor am Steuer eines zypriotischen Wagens. Wegen der britischen Geschichte fährt man hier links.

Am Flughafen wartete zudem ein Mietwagen auf uns, mit dem wir uns zugleich auf den Weg nach Limassol machten. Unser Hauptquartier nahmen wir in einem Hotel in Limassol – kein Zufall, dass die Übungsleitung im Nachbarraum weilte. Von dort aus hatten wir Tag für Tag drei bis vier Erkundungsaufträge zu absolvieren. Auf der gesamten Insel. Unser Bild über die Katastrophe, das Ausmaß der Schäden, die Zahl der Betroffenen und auch die benötigten Unterstützungen wurden mit jedem Treffen klarer. Täglich auch ein Update mit dem ERCC in Brüssel: zunächst ein Telefongespräch und danach den täglichen Lagebericht, der dann im Normalfall an die Mitgliedsstaaten weitergeleitet wird.

Ein starkes Team

Dazwischen wurde jedes unserer Teammitglieder immer wieder interviewt – Medientraining war nämlich auch Teil des Kurses. Apropos Teammitglieder, die wurden ja noch gar nicht vorgestellt. Neben mir, dem Österreichischen Rotkreuz-Mitarbeiter waren an Bord: Roy, ein Diplomat aus den Niederlanden, der als UNDAC-Teammitglied ebenfalls am Kurs teilnahm; Edmunds, ein lettischer EU-Beamter aus der Generaldirektion für Humanitäre Hilfe, wo er für Zivilschutzagenden verantwortlich ist und Benoit, der in Brüssel als Zivilschutz-Mitarbeiter tätig ist. Ein fünftes Mitglied sagte seine Kursteilnahme am Tag des Kursbeginns leider ab.

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Team-Feedback in Nikosia. v.l.n.r: Thorsten (Schatten), Roy, Benoit und ich. Das vierte Teammitglied verblieb im Hauptquartier zum Informationsmanagement. Im Spiegel: Monika, Schatten und Team-Building-Trainerin.

Besonders lehrreich war das Feedback, das wir uns als Team gegenseitig gaben. Nach jedem Meeting vor Ort gab es eine Feedback-Runde. Jeder schilderte, wie er selbst die Situation erlebt hat, danach gab noch unser Schatten Thorsten seinen Eindruck wieder. An zwei Tagen war zudem eine Cultural-Awareness und Teambuilding-Trainerin mit, die ebenfalls noch ihre Einschätzungen mit uns teilten. Diese 360°-Feedbacks waren mehr als wertvoll: man hatte unmittelbar Informationen über sein eigenes Wirken und über die Art, wie dieses Handeln von anderen empfunden wurde.

Informationsverarbeitung: der wesentliche Teil des Einsatzes.

Ein Mitglied unseres Teams blieb immer im Büro und war für das Informationsmanagement zuständig. Laufender Kontakt ins ERCC, Vernetzung mit dem zypriotischen Verbindungsoffizier und auch die permanente Aktualisierung der Einsatzkarten bzw. Tabellen war seine Aufgabe.

Datenaufbereitung der wesentlichen Übungsinformationen.

Datenaufbereitung der wesentlichen Übungsinformationen (Zwischenstand).

Aus diesen Daten dann auch noch Trends und Entwicklungen abzulesen und diese mit den Informationen aus anderen Quallen zu vernetzen, ist meines Erachtens fast noch interessanter, als draußen vor Ort diese Daten zu erheben. Dazu braucht es neben guten Skills in den verschiedenen Datenanalysewerkzeugen auch ein großes Prozess- und Kontextwissen in der Domäne des Katastrophenmanagements. Auch die Vorbereitung des täglichen Lageupdates, das am Abend nach Brüssel geschickt wurde, war Teil des Jobs als Informationsmanager.

Der Vorhang zu, und alle Fragen offen?

Nach vier sehr anstrengenden Tagen in Zypern endete auch dieses Training. Es war wohl eines der spannendsten, die ich bis jetzt besuchen durfte. Einerseits, weil die Situation wirklich herausfordernd war: durchgehend englischsprachig Meetings zu führen, Teams zu koordinieren, zu diskutieren oder auch Berichte zu schreiben, andererseits weil die Ergebnisse für mich selbst so wertvoll waren: laufendes Feedback zum eigenen Handeln auf allen Ebenen, Selbstreflexion mit eingeschlossen. Und, so wie das bei allen guten Ausbildungen der Fall ist, stellen sich für mich am Ende wieder mehr Fragen, als ich sie am Anfang hatte. Eine davon, vielleicht kann ich sie in meinem Blog einmal ausführlicher formulieren, ist die Erkenntnistheorie des Assessment, die Epistemologie hinter all diesen Dingen. Wie kann man verhindern, dass man sich nur manche gesellschaftliche Gruppen ansieht, wie sehr beeinflusst man als Team selbst die Ergebnisse seiner Evaluierungen, …?

Etwas wie ein Epilog

Im Feld: Viel gelernt, und alle Fragen offen?

Im Feld: Viel gelernt, und alle Fragen offen?

Dank einer längeren Wartezeit auf den Rückflug konnte ich einige dieser Fragen noch mit „unserem Schatten“ Thorsten und dem Kursleiter Wolfgang Krajic besprechen. Danke an dieser Stelle an die gesamte Kursorganisation, die hier wirklich wertvolle Arbeit geleistet hat. Danke an Mitarbeiter im Österreichischen Innenministerium (in Österreich der Koordinationspunkt für den EU/CP-Mechanismus) für die Nominierung zum Kurs.

Am Heimflug durfte ich noch gemeinsam mit einer St. Pöltner Ärztin und einer Scheibbser Krankenschwester als Ersthelfer agieren und traf nach der Landung noch nette Kollegen der Flughafenambulanz in Wien. Danke auch für Eure Unterstützung!

10 Jahre danach: persönliche Erinnerungen an die Katastrophe.

Stefanitag 2014. Zehn Jahre nach der Tsunamikatastrophe in Südasien. Zeit, ein wenig in der eigenen Erinnerung zu graben. Der Weihnachtsurlaub gibt mir Zeit, meine alten Mail- und Dokumentenarchive anzusehen, die alte Website zu durchforsten um mich selbst wieder zu erinnern.

Der Beginn

Weihnachtsurlaub hatte ich auch, im Jahr 2004. Wir waren – noch nicht lange verheiratet – bei der Schwiegermutter in Stadt Haag, ich hab‘ schon in der Früh die Meldungen aus den verschiedenen Alarmkanälen erhalten, dass in Südasien – irgendwo vor Indonesien etwas wirklich Großes passiert sein könnte. Ich war damals Presseverantwortlicher im Generalsekretariat des Österreichischen Roten Kreuzes und – wie eigentlich fast immer – in Rufbereitschaft. Nach einem Telefonat mit Jürgen Högl, der damals den nationalen Disastermanagement-Desk leitete, habe ich mich irgendwann gegen 11:00 Uhr entschlossen, nach Wien zu fahren. „Wir treffen uns am Nachmittag im Büro“, war unser Plan. Was wirklich passiert ist, wusste um diese Uhrzeit niemand.

Während einer nach dem anderen aus dem Weihnachtsurlaub anrief, die Kollegen, die in Wien waren kamen dann ins Büro, fuhren wir einen Krisenstab hoch und versuchten uns innerhalb Österreichs und mit den internationalen Kollegen in Genf und in Bankok zu vernetzen. Es war rasch klar, dass vor Ort tausende Österreicherinnen und Österreicher im Weihnachtsurlaub waren (auch ich war eigentlich noch bis 19. November in Khao Lak auf Hochzeitsreise), viele von Ihnen waren mit der Austrian Airlines unterwegs. Von den Schäden wusste man wenig. Ein Tsunami soll nach dem Erdbeben viele Meter hoch alles überflutet haben, wo genau das war nicht wirklich klar.

Eine erste Presseaussendung zu Mittag am 26. Dezember war ein Spendenaufruf, gegen 17:00 Uhr wussten wir schon mehr: „Unsere Experten sind seit dem Vormittag in Alarmbereitschaft versetzt. Im Moment gilt es, die Ergebnisse des internationalen Rotkreuz-Evaluierungsteams abzuwarten, das in den nächsten Stunden in der Katastrophenregion eintrifft. Anhand der Erfahrungen dieser Experten helfen wir zielgenau“, so Dr. Kopetzky, Rotkreuz-Generalsekretär.

Repatriierungen aus dem Katastrophengebiet

Im Hintergrund koordinierten uns mit dem Außenministerium und der AUA, um hinsichtlich der Repatriierungen, also der Rückführung betroffener Österreicher Hilfe leisten zu können. Hunderte Rotkreuz-Mitarbeiter in ganz Österreich wurden in Alarmbereitschaft versetzt. Das Außenministerium richtete eine Hotline ein, wir bereiteten die ersten Kriseninterventionsteams vor – die AUA-Maschinen ins Katastrophengebiet wurden mit Rotkreuz-Notärzten (und später auch mit psychsozialen Fachkräften) besetzt.

Erstes Hilfsteam nach Colombo

Bereits am 27. Dezember konnte ein erstes Hilfeteam nach Sri Lanka fliegen, um einerseits die Rückkehr Betroffener zu unterstützen und andererseits die internationale Hilfe in Sri Lanka vorzubereiten. Unter der Einsatzleitung von Günter Stummer aus Wien haben Gerhard Huber, Ing. Toni Holzer und Vinzenz Mihelak aus Salzburg, Werner Liebetegger aus der Steiermark und Petra Schmidt aus Niederösterreich am späten Nachmittag des 27. Dezember Wien in Richtung Sri Lanka verlassen.

Am 28. Dezember berichtet Günter Stummer aus Colombo: „Wir hatten bereits Kontakt zu mehreren Österreichern und sind im Moment dabei, die Hotels der Stadt zu kontaktieren, um auch von dort Informationen zu sammeln“.

Neben einer Sondermaschine nach Colombo, um verletzte auszufliegen besetzten Rotkreuz-Teams aus Ärzten, Kriseninterventionsmitarbeitern und Notfallsanitätern alle Linien- und Charterflüge der AUA in die Katastrophenregion. Für die Betreuung der mit den nächsten Flugzeugen zurückkehrenden Österreicher in Schwechat wurden am 28. Dezember zur Unterstützung der Wiener Rettung vor Ort 45 Rotkreuz-Einsatzfahrzeuge bereitgestellt. Ein eigener Verbindungsoffizier des Bundeskommandos – in Person von Franz Jelinek (der übrigens am 26. Dezember Geburtstag feiert: Alles Gute!) – wurde am Flughafen in Schwechat stationiert um diese Aktivitäten zu koordinieren. Aufgrund der Sonderstellung des Flughafens erfolgte zusätzlich eine Koordination mit der Rettung der Stadt Wien und der Wiener Akutbetreuung.

Bloß Presse und Medienarbeit?

Mein Job war die Koordination der Presse und Medienarbeit – zu diesem Zeitpunkt zwei Tage nach der Katastrophe hatten wir mehrere hundert Medienanfragen und viele Kamerateams bei uns im Haus, im Katastrophenhilfelager (damals noch im Prater), am Flughafen, …

Ein kurzer Blick in meine Zeitaufzeichnungen von damals zeigt mir, dass ich eigentlich rund um die Uhr im Büro war. Gerne wäre ich damals auch in einem der Hilfeteams gewesen, mit hinaus ins Katastrophengebiet gegangen, um persönlich zu helfen, doch die Medienarbeit war definitiv wichtiger, wohl auch, weil mich damals niemand wirklich ablösen konnte …
Das ist heute zum Glück anders …

Thailand

Aufgrund der Meldungen bei der Hotline im Aussenministerium war bald klar, dass auch in Thailand viele vermisste Österreicher zu beklagen sind. Am Abend des 28. Dezember wird daher das zweite Team zusammengestellt und nach Phuket in Thailand entsendet: Unter der Leitung des Niederösterreichers Josef Schmoll flogen: Markus Neumüller (NÖ), Mag. Christian Schönherr (T), Mag. Dr. Elmar Dobernig (K), Dr. Heike Welz (W), Dr. Kurt Lemberger (OÖ), Dr. Thomas Meindl (OÖ) und Wolfgang Egger (KIT Land Steiermark).

Noch am Tag vor Silvester wird ein zweites Team von 10 Personen in die Thailändische Hauptstadt Bangkok entsendet.

Am 29. Dezember ist klar, dass es koordinierte internationale Hilfe geben wird. Die Stiftung Nachbar in Not beschließt, eine eigene Hilfsaktion zu starten und lädt für den 30. Dezember zum Roten Kreuz zur Pressekonferenz ein.

Psychosoziale Unterstützungsangebote

In Österreich gibt es, nicht zuletzt aufgrund der enormen Medienberichterstattung viele Sekundärbetroffene, also Personen, die nicht direkt einen Angehörigen vermissen, aber trotzdem betroffen sind, an eigene Schicksale erinnert wurden, oder aufgrund der Weihnachtsfeiertage besonders anfällig für die dramatischen Katastrophenbilder im Fernsehen waren. Die Ö3- Kummernummer hat daher eine eigene Sendung auf Ö3 gestartet, die im Anschluss als „Ö3 Kummernummer, der Talk“ einige Monate regelmässig mit Gerry Foitik und Sarah Kriesche on Air war. Für die Koordination aller psychosozialen Unterstützungsangebote und die Hilfe an Board kam die Chefpsychologin Dr. Barbara Juen aus Innsbruck nach Wien und war damit bei allen Stabssitzungen mit dabei.

Die Bilanz bis Silvester

Allein in den ersten Tagen waren über 85 Personen des Roten Kreuzes im Einsatz, in Österreich und bei den Repatriierungsflügen. Diese Notärzte, Katastrophenhelfer, Psychologen, Rettungs- und Notfallsanitäter wurden vom Team des Generalsekretariats unterstützt, das ebenfalls mit rund 10 Personen rund um die Uhr on Duty war. Zählt man noch die über 50 Rettungsfahrzeuge dazu, die in den ersten Tagen für die Repatriierungen bereit standen, so ist man rasch bei fast 180 Personen, die hier in den ersten sieben Tagen involviert waren. Zum Glück war dieser Teil der Hilfe in wenigen Wochen abgeschlossen – der viel größere Teil war die internationale Hilfe. Zum Beispiel mit Hilfe der Trinkwasseraufbereitung in Banda Aceh in Indonesien oder der Wiederaufbau in den betroffenen Regionen, der insbesondere in Sri Lanka intensiv und nachhaltig betrieben wurde.

Tsunami Dezmeber 2004Auch wenn viele materielle Schäden behoben werden konnten, wenn Häuser wieder errichtet wurden, die stabiler sind, wenn Familien wieder zusammengeführt werden konnten, bleibt dieser eine Tag vor zehn Jahren in Erinnerung. So wie sich die Generation meiner Eltern erinnern kann, wo sie waren, als der erste Mann auf dem Mond war, so wissen wir, wo wir waren, als wir vom Tsunami gehört haben. Mit diesem Tag war alles irgendwie anders.

Grenzenlose Menschlichkeit?

Ende des Jahres 1989 fiel der „sozialistische Arbeiter und Bauernstaat“, wie sich die Stasi-Diktatur der Deutschen Demokratischen Republik selbst bezeichnete zusammen. In Deutschland gibt es dazu derzeit – 2014 ist ja das 25. Jubiläum dieses historischen Ereignisses – viele Gedenkfeiern und Erinnerungsveranstaltungen. Zahlreiche Bücher und Fernsehdokumentationen bringen die Erinnerung an die Ereignisse zurück ins Gedächtnis.

Mauerfall in Eisenstadt?

Der Mauerfall vor 25 Jahren. Damit begann die Auflösung politischer Strukturen nicht nur in Europa und ein Paradigmenwechsel im zwischenstaatlichen Zusammenleben

Doch auch für Österreich und das Österreichische Rote Kreuz war diese Zeit des radikalen politischen Wandels eine Herausforderung, ging doch dem „Mauerfall“ am 9. November eine grosse Fluchtbewegung aus der DDR über Ungarn und Österreich voraus. Mehr als 50.000 Menschen kamen innerhalb weniger Wochen über die Grenze nach Österreich und wurden vom Roten Kreuz versorgt. Der größte Teil passierte die Grenze im Bereich des Burgenlandes, weshalb auch das Rote Kreuz Burgenland zu jener Zeit den größten humanitären Hilfseinsatz in seiner Geschichte durchführte.

Menschliche Erinnerungen von Seiten der Helfer

Unter dem Titel „Grenzenlose Menschlichkeit“ haben Tobias Mindler und Johannes Steiner Anfang Oktober in Eisenstadt ihr Buch über den Rotkreuz-Einsatz zur Unterstützung der DDR-Flüchtlinge vor 25 Jahren präsentiert. Neben einem Überblick über die historische, geopolitische und sozialen Entwicklungen in dieser kuren Zeit widmet sich der Hauptteil der Monographie den Menschen, die damals geholfen haben. Persönliche Erinnerungen schildern emotionale Momente der persönlichen Begegnungen, der zwischenmenschlichen Solidaridät über Landes- und Sprachgrenzen und des individuellen altruistischen Engagements innerhalb und auch ausserhalb des Roten Kreuzes.

Von Schwester „Liebe“ und dem ungarischen „Häfen“

Gerade diese persönlichen Erinnerungen von Helferinnen und Helfern machen dieses Buch lesenswert. Bei manchen Geschichten muss man schon sehr hartgesotten sein, wenn nicht Tränen in die Augen bekommt, wie bei  Ljuba – die nicht nur im Rotkreuz-Dienst half, sondern auch privat. Um eine getrennte Familie auf ihre eigene Gefahr wieder zu vereinen, schmuggelte sie ein kleines Kind unter ihrem Mantel von Sopron nach Nickelsdorf. Oder bei Leopold, der als ehrenamtlicher Fluchthelfer sogar beschossen wurde und in einem kommunistischen ungarischen Gefängnis landete.

17  ehemalige und aktive Rotkreuz-Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter berichten von ihren persönlichen Erinnerungen. Archivmaterial und vor allem persönliche Fotos aus diesen emotionsreichen Wochen im Spätsommer und Herbst 1989 ergänzen die Geschichten vom Helfen. Die Schilderungen dieser Zeitzeugen lassen die Situation realitätsnah vor Augen erscheinen, die Problematik in der Logistik, die Versorgung der hungrigen Menschen, die oftmals nichts mit hatten, ausser das was sie am Körper trugen. Sie zeigen aber auch die große Kraft der menschlichen Hilfe, die Dankbarkeit und Zufriedenheit der Betroffenen und die Bescheidenheit der Helferinnen und Helfer, die einfach bloss da waren, wenn man sie brauchte. Aus Liebe zum Menschen.

Zurück in die Zukunft?

Die Geschichten brachten mich nicht nur zum weinen,sondern auch zurück in meine Errinnerungen an meine frühen Jahre beim Roten Kreuz, in jene Zeit der absoluten Begeisterung für diese humanitäre Idee. Ich selbst war zu der Zeit der DDR-Flüchtlingshilfe zwar schon Rotkreuz-mässig engagiert und einige meiner Kollegen halfen auch – gerade der so genannte Kat-Zug aus Brunn am Gebirge unterstützte auch die burgenländischen Kollegen, doch an mir selbst ging dieser Einsatz vorbei, ich war wohl zu intensiv in Sachen Rettungsdienst (und Erlangung der Matura) beschäftigt.

Ich bin mir sicher, dass Sammlungen von (humanitären) Zeitzeugenberichten wie diese dazu beitragen, unsere Kultur des Helfens, die „Liebe zum Menschen“ jedem verständlich zu machen. Eigentlich sollte jeder Rotkreuz-Mitarbeiter, jede Rotkreuz-Mitarbeiterin dieses Buch haben, um zu verstehen was Menschlichkeit bedeutet – grenzenlose Menschlichkeit.

Bibliographie

Grenzenlose Menschlichkeit

Grenzenlose Menschlichkeit

Mindler Tobias und Steiner Johannes (2014): Grenzenlose Menschlichkeit. Wie das Rote Kreuz Burgenland 1989 den DDR-Flüchtlingen half, Eisenstadt: Rotes Kreuz Burgenland

 

Resilienz steigern hilft Leben zu retten

Naturkatastrophen lassen sich nicht verhindern – ihre Auswirkungen schon. Überall auf der Welt zeigen zahlreiche Beispiele, wie sich Menschen und ganze Landstriche gegen bedrohliche Naturereignisse wappnen. Das Rote Kreuz will diese Widerstandsfähigkeit, im Fachjargon „Resilienz“ genannt, stärken und zeigt in 42 Reportagen Beispiele aus 24 Ländern in einem Online-Journal.

Zum Auftakt diskutierten Ende September Katastrophenresilienz-Experten des Roten Kreuzes, der Weltbank, der Europäischen Union und der ÖFSE in Wien über das Thema.

Hier eine kurze Zusammenfassung der Veranstaltung im Video (Videoaufzeichnung hier):

Joaquin Toro, World Bank

„Es ist nicht genug zu überleben, Resilienz ist auch eine Frage der Lebensqualität nach der Katastrophe“, sagte Joaquin Toro, der bei der Weltbank für Disaster Risk Management zuständig ist. In vielen Ländern seien die Menschen nicht gegen Naturkatastrophen versichert. Sie stünden nach jedem Ereignis vor dem Ruin.Ob Versicherungen tatsächlich die beste Lösung sind, zeigten sich die Experten uneinig. „Solidarität innerhalb und zwischen den Staaten und zivilgesellschaftliches Engagement seien dafür besser geeignet, da keine Erträge für Investoren zusätzlich generiert werden müssen“, so Gerry Foitik, Bundesrettungskommandant des Österreichischen Roten Kreuzes, der auch die staatliche Verantwortung für Vorbereitung betonte.

Die Verantwortung für Resilienz tragen alle öffentlichen und privaten Sektoren einer Gesellschaft: „Die Fähigkeit, die Auswirkungen von Katastrophen einzudämmen ist eine gemeinsame Aufgabe,“ betonte die unabhängige Expertin Slobodanka Curic, vor allem in die Prävention sei zu investieren.

Gerry Foitik, Rotkreuz-Bundesrettungskommandant

„Bei Katastrophen verlieren Menschen oft alles“, so Gerry Foitik, weiter. Neben den finanziellen Schäden, die an Gebäuden, Infrastruktur und zerstörten Gegenständen entstehen sind die ideellen Verluste oft noch dramatischer: „Wenn sämtliche Erinnerungen weg sind, weil die Liebesbriefe und Familienalben zerstört wurden, so trifft das Menschen oft mehr, als der zerstörte Flatscreen“, weiß der Katastrophenmanager.

Das Katastrophen-Resilienz-Journal (www.disaster-resilience.com) bietet jeden Tag eine andere Reportage in einer so genannten Web Documentary. Diese gemeinsame Kampagne der Rotkreuz-Gesellschaften in Europa wird vom humanitären Amt der Europäischen Union finanziert.

Resilienz Kampagne