Nach Bangladesch und zurück: Gedanken zum Einsatz

„Wie knüpft man an, an ein früheres Leben?“

Ich weiß … das klingt jetzt sehr pathetisch. Aber ich finde, ein klein bisschen passt dieses Zitat auch für jeden, der von einem Einsatz zurückkommt. Zurück ins „normale“ Leben, in den Alltag und die Routine. Was nimmt man mit? Was lässt man dort?

Aber erstmal von Anfang an …

Wir kamen als 4. Rotation in Bangladesch an. Und wussten, dass wir nicht die letzte Rotation sein werden. Also wie war der Einsatz? Gute Frage.

Und wie so oft kann man diese beantworten mit: Erwarte das Unerwartete. Nichts war so, wie man es sich vorgestellt hat. Vieles hat sich im Laufe der vorherigen Rotationen verändert.

Wir kamen in Cox´s Bazar an und waren dann – dank der Arbeit und Vorbereitung der anderen Delegierten vor uns – bei der Fertigstellung des so wichtigen Bohrlochs an der japanes clinic dabei. Für mich war es spannend zu erfahren und zu lernen, wie so ein Bohrloch unter diesen speziellen Bedingungen gemacht wird. Was ist wichtig, was muss man berücksichtigen? Was ist bei uns in Europa gang und gäbe und in Bangladesch nicht möglich? Aber auch: wie kann man es dort am besten machen?

Deep production borehole mit drilling rig versus deep tube well mit donkey-technique.

Sehr interessant und aufschlussreich. Aber auch teilweise frustrierend, wenn man nicht den erwarteten Fortschritt in der Arbeit sieht. Man lernt auf jeden Fall eines: Geduld. Und Vertrauen in andere Arbeitsweisen.

Auch die Arbeit auf dem HHTW (household water treatement) Level hat an Fahrt aufgenommen. Von einer Verteilung (+Training) in der Woche auf zwei bis drei (mit Ziel vier) in der Woche.

Ich hatte die Gelegenheit bei den ersten Besuchen in neuen Bereichen unserer Arbeitszone dabei zu sein. Da merkt man dann schon sehr gut, wie das Leben im Camp so ist. Und man wird nachdenklich. Wie würde unsereins in so einer Situation klar kommen? Diese Frage kam schon auch bei dem einen oder anderen Gespräch unter den Delegierten auf.

Die Menschen dort im Camp zeigen einen bewundernswerten Durchhaltewillen. Wenn man im Camp unterwegs ist, ist man eher mehr im Weg. Ständig werden Baumaterialien auf den schmalen Wegen transportiert. Überall sieht man, wie sie sich ein Stück weit ein Leben aufbauen. Man sieht kleine Geschäfte, Schmieden,….

Aber natürlich kann man die Augen nicht vor der Armut und der tatsächlichen Situation verschließen.

Am Beginn unseres Einsatzes machte uns noch die Hitze und die Luftfeuchtigkeit zu schaffen. Das wurde dann besser. Glücklicherweise hatten wir nur zwei Regentage. Denn bei Regen gibt es im Camp fast ein kein Vorankommen.

Weihnachten mal anders

Wir konnten zusätzlich auch noch die Erfahrung machen Weihnachten und Silvester im Einsatz zu verbringen. Es wurde ausgiebigst gefeiert, mit lauter Musik und Partys. Auch für die Delegierten wurde eine Weihnachtsfeier veranstaltet. Mit Partyhüten und allem Drum und Dran (man kennt so etwas bei uns eher als Faschingsparty). Ein wirklich einzigartiges Weihnachtsfest, das mit eigener live Gitarrenmusik und Gesang untermalt wurde.

Danach gingen die Partys und Feiern in Cox’s Bazar durchgehend weiter bis Silvester. Obwohl wir davon nicht so viel mitbekommen haben, da wir am nächsten Tag einen ganz normalen Arbeitstag hatten.

Was man mitnehmen kann

Alles in Allem war dieser Einatz geprägt von Höhen und Tiefen, Komplikationen und Teamarbeit. Wir haben lang ersehnte Resultate gesehen und hoffentlich damit den Menschen im Camp die Hilfe zukommen lassen können, die sie so dringend brauchen.

Der Abschied war dennoch mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Wir wissen unser Projekt in guten Händen, aber auch, dass noch viel Arbeit bevor steht.

Also: was nimmt man mit? Auf jeden Fall Bewunderung für die Menschen dort. Demut. Bescheidenheit. Es wird einem bewusster, was wirklich wichtig ist. Viele Erinnerungen.

Was lässt man dort? Vielleicht ein Stück Hoffnung. Hilfe. Und vielleicht auch dort: Erinnerung.

Verfasserin: Katrin Melischnig