Kam Kam Waterplant Uganda

Da im jungen Staat Südsudan die Kämpfe zwischen zwei Volksgruppen (Präsident auf der einen und der Vizepräsident auf der anderen Seite) zugenommen haben, befinden sich über 1.5 Mio. Menschen aus dem Südsudan auf der Flucht.

Davon befinden sich laut UNHCR ca.700.000 Menschen in Uganda und täglich kommen 1.000 bis 1.200 neue Flüchtlinge. Uganda ist bestrebt die Flüchtlinge sehr gut aufzunehmen. So bekommt jede Familie ein Grundstück (50 x 50 Meter) zur Verfügung gestellt, auf dem sie ihre Hütten errichten können. Daher sehen diese Camps nicht so überfüllt aus und haben riesige Ausdehnungen. Um zum Beispiel das Rino Camp mit dem Auto zu umrunden benötigt man etwa 6 Std.

Da die Flüchtlinge oft nur mit dem ankommen, was sie am Leib tragen, und in diesem Gebiet keine oder nur ausgetrockneten Brunnen vorhanden sind braucht Uganda bei der Bewältigung dieser enormen Krise unsere Unterstützung.

Die Wasserentnahmestelle des Roten Kreuzes ist für die Flüchtlinge aus dem Südsudan wichtig.

In unserem Gebiet nahe Arua im Nordwesten Ugandas befinden sich drei Camps.

  1. Bidibidi mit über 300.000 Flüchtlingen
  2. Palorinya, das eigentlich für 65 000 Personen geplant war, hat bereits über 100.000 Flüchtlinge und
  3. Rhino Camp mit fast 100.000 Flüchtlingen, wobei die Zahl täglich grösser wird.

Wir, die ERU M40, bestehend aus schwedischen, deutschen und österreichischen Rotkreuz Wasser- Sanitär und Hygieneexperten leisten mit zirka 750.000 Liter sauberem Wasser pro Tag, das aus dem Weißen Nil entnommen und gereinigt wird, einen bescheidenen aber sehr wichtigen Beitrag.

Die Wasseraufbereitungsanlagen des Roten Kreuzes in Uganda sichern das Überleben.

Wir könnten unsere Produktion auf circa 1 Million Liter pro Tag steigern. Derzeit stehen aber nicht genug Tanker (LKW mit 10.000 bis 30.000 Liter Kapazität) die von verschiedenen Organisationen wie UNHCR, DRC zur Verfügung.

Zusätzlich versuchen wir die beiden Anlagen Enjau und Obongi, die das Ugandische Rote Kreuz betreibt, mit unserem Know How und auch materiell zu unterstützen. Unsere Hygienebeauftragten sind mit der Ausbildung von lokalen Hygiene Promotern (Diese machen Hygieneschulungen) beschäftigt.

Wir sind schon ein wenig stolz hier auch bei anderen Organisationen als Vorzeigeanlage mit den natürlich besten und strengsten Qualitaetstandards zu gelten. Dementsprechend vergeht kein Tag ohne Besucher.

Die Schulung unserer nationalen Rotkreuzkollegen, die nach dem Rückzug der internationalen Delegierten die Anlage selbstständig betreiben werden, ist in vollem Gang und so haben wir uns entschlossen, bereits zum zweiten Mal ein einwöchiges Training für Personal anderer Waterplants anzubieten.

Als Freizeitbeschäftigung (soweit man von Freizeit sprechen kann) haben wir eine Laufgruppe gegründet, die von der lokalen Bevölkerung und vor allem den Kindern mit wahrer Begeisterung aufgenommen und unterstützt wird.

Unsere Laufgruppe begeistert die Kinder

Ich hoffe, allen Lesern mit diesen paar Zeilen und ein paar Fotos diese in Europa unfassbarer Weise vergessene Fluechtlingsbewegung etwas näher gebracht zu haben.

Euer Wilfried Hildenbrand WatSan Delegate OERK

Alle Informationen zur Rotkreuz-Hilfe in Afrika auf www.roteskreuz.at.  Ihre Spende hilft direkt vor Ort.

Comfort Rooms

Hand washing facility at family shared Comfort Room in Camote, Dulag

Hand washing facility at family shared Comfort Room in Camote, Dulag

Julia Diessl is WatSan Delegate at IFRC MSM 20 ERU German / Austrian Red Cross in Dulag, Leyte, Philippines

Comfort Rooms that is the name for a toilet in the Philippines. After the typhoon most of them do not look comfortable at all. Thus in our mission we focus on construction of emergency Comfort Rooms that different families can share or that are installed at public places like schools or universities. Camote is one of the Barangays (political defined region) that is very actively participating to construct their family shared Comfort Rooms. There is no need to explain to the audience and to the victims of the devastating typhoon Haiyan, locally known as Yolanda, that hand washing is a key issue to prevent individuals against vector and water borne diseases. Thus by providing material we can easily support the community to set up elaborate hand washing facilities next to the public emergency Comfort Rooms we have constructed or rehabilitated.

Back to school

Fixed door and hand washing bucket at Canmogsay, Dulag

Fixed door and hand washing bucket at Canmogsay, Dulag

The 6th of January is not a public holiday in the Philippines, it leads students back to school. Here kids spend up to eight hours of the day at school, if the families currently can afford the school fees and do not need their help in their households. As one group of the population especially vulnerable to vector and water borne diseases we focused our work in the last couple of days to make sure, that proper sanitation facilities are available at the different schools. Fixing a broken door, unclogging a Comfort Room, providing a bucket with faucet and soap as hand washing facility and many other interventions. Such small things can relief the situation and ensure that students can use a secure and safe toilet as displayed on our different picture. In case of total damage of classrooms our emergency latrines provide a temporary solution. Hygiene and health promotion is a part accompanying these interventions continuously.

Emergency Comfort Rooms at Imelda, Tolosa

Emergency Comfort Rooms at Imelda, Tolosa

It is a pleasure to see the Red Cross movement united in the field, in my case it is the involvement of Philippine, German, Spanish and of course of my own National Society, the Austrian Red Cross.

Wirklich schwierige Zustände

IMG_1271_1Unsere Expertin für Hygiene und Seuchenbekämpfung Lidwina Dox bloggt aus den Philippinischen Katastrophengebieten.

Wir sind vor zwei Tagen in Cebu gelandet. Stefan, Bianca und ich sind mit dem Linienflugzeug hierher geflogen, Dieter und Thorsten mitsamt unserem ganzen Equipment, mit der Transportmaschine via Saudi Arabien. Wir wohnen im Hotel Andy, mit all den anderen internationalen Rotkreuz-Helfern.  Die anwesenden FACT-Leute (=Field Assesment and Coordination Team, also Schnelleinheiten zur Lageklärung und Hilfskoordination) haben uns einen Überblick über die Lage verschafft. Vor allem Georg Ecker (unser ÖRK-Kollege im FACT-Team) kümmert sich um uns, er ist unsere WatSan Ansprechperson.

Die Rotkreuz-Hilfe auf den Philippinen. Standorte der Hilfskräfte aus Österreich.

Es hat sich herausgestellt, dass in einigen betroffenen Gebieten noch keine Hilfe geleistet werden konnte, obwohl rund um die  Uhr gearbeitet wird. Wir wissen, dass über 100 internationale Rotkreuzarbeiter (davon 13 ERUs – Emergency Response Units, also Schnelleinsatzgruppen) und 5.000 philippinische Rotkreuz-Mitabeiter vor Ort rund um die Uhr im Einsatz sind um Herr der Lage zu werden. Insgesamt engagieren sich auf den Philippinen 500.000 Personen für das Rote Kreuz! Ausserdem sind noch andere Organisationen vor Ort, wer genau weiss ich noch nicht, da ich momentan in Cebu bin, wo wir unsere Weiterreise intensiv vorbereiten.

Von hier aus wird koordiniert und die Helfer in alle Richtungen gesandt. Es werden Hilfsgüter verteilt, Erste Hilfe geleistet, aufbereitetes Wasser verteilt, Familien wieder zusammengeführt und vieles mehr.   Es wurde entschieden, dass wir nach Takloban geschickt werden. Etwas südlich davon wird unsere Einheit (MSM20, das heißt Mass Sanitation Management also Hygiene und Seuchenbekämpfung für bis zu 20.00 Personen) zum Einsatz kommen und mit den Spaniern kooperieren, die dort mit einer M15 (Wasseraufbereitungsanlage für 15.000 Personen) stationiert sind. Auch Werner unser Kollege, der mit den Schweden im Team ist, ist dort vor Ort. Unsere Kollegen in Tacloban berichten, dass die Stadt in einem schrecklichen Zustand sein muss, schlimmer als die Bilder in den Medien vermitteln können. Sogar die hartgesotten langjährigen Kollegen, sprechen von wirklich schwierigen Zuständen. Es scheint dort der Supergau stattgefunden zu haben. Diese Stadt war nicht nur dem Taifun sondern auch den Tsunamis (?) ausgesetzt.   Ein Grossteil der Ostküste der Insel Leyte scheint das selbe Schicksal erlebt zu haben. Sobald wie möglich werden wir von Cebu losstarten um die Betroffenen Menschen  vor Ort  zu unterstützen. Wir sitzen wie auf Ameisen, den es zählt jeder Tag.

 

Unterstützen Sie die Hilfe nach dem Taifun durch Ihre Spende!

Zu Weihnachten in Pakistan?

Unsere Delegierten aus Pakistan melden sich nach den Feiertagen mit einem Bericht über die Situation vor Ort.

Das Warten hat ein Ende

Das lange Warten hat ein Ende: Nach einem endlos erscheinenden Hin und Her wurden unsere Visa von der pakistanischen Botschaft endlich ausgestellt. Jetzt kann es losgehen, der Abflug von Markus, Werner und mir ist am späten Nachmittag des 15. Dezember. Nach einem Nachtflug mit wenig Schlaf landen wir am Freitag in der Früh in Karachi und werden von unserem Fahrer bereits – nicht erwartet. Irgendwas ist schiefgegangen, aber nach einem Telefonat und einer kurzen Wartezeit, die wir zum Geldwechseln nutzen, werden wir abgeholt und ins Hotel gebracht. Am Nachmittag und dem darauffolgenden Vormittag Briefings (Security, Finanzen, allgemeine Lage), und wir realisieren erst im Laufe der nächsten Tage, wie wenig wir uns alle aufgrund unseres Schlafmangels gemerkt haben.

Nur weg aus der Großstadt

Rotkreuz-Arbeit in Pakistan

Rotkreuz-Arbeit in Pakistan: Ein großes Team mit internationalen und regionalen Mitarbeitern.

Am Samstag gegen Mittag verlassen wir endlich die ehemalige Hauptstadt Karachi, diesen lauten, stinkenden Molloch mit seinen geschätzten 13 Millionen Einwohnern und fahren nach Nawabshah. Dort erwartet uns Robert, der Teamleader des 2. Teams, der tapfer und alleine die Stellung hält. Wobei „alleine“ natürlich relativ zu sehen ist, immerhin hat er ein kleines Unternehmen mit ca. 40 Mitarbeitern (Freiwillige des Pakistanischen Roten Halbmonds PRCS, Fahrer,…) und einem Fuhrpark bestehend aus 7 PKW und 4 LKW zu führen! Und hier erlebe ich zum ersten Mal hautnah und live, was ich schon so oft in der Theorie gehört habe: Das Rote Kreuz bzw. den Roten Halbmond gibt es in jedem Land der Welt, und wo wir hinkommen werden wir bereits von unseren Kollegen der nationalen Gesellschaft herzlich begrüßt. Diese lokalen freiwilligen Mitarbeiter sind ein unschätzbarer Wert in einem Land, dessen Sprache man nicht spricht und dessen Bräuche man nicht kennt. Man stelle sich nur vor, man übersiedelt als Österreicher z.B. nach Albanien. Es dauert Wochen, bis man sich ein wenig auskennt und weiß, wo man was kaufen kann, welche Orte man meiden sollte oder welche Verhaltensweisen wann angebracht sind oder nicht. Durch unsere Kollegen vom PRCS haben wir sofort „Familienanschluß“, und wir alle haben das gleiche gemeinsame Ziel vor Augen. Ich versuche mir vorzustellen, wie es Mitarbeitern anderer Hilfsorganisationen wohl gehen mag, die diese einmalige Unterstützung vor Ort nicht haben.

Latrinenoprimierung als Ziel?

Rotkreuz-Arbeit in Pakistan

Rotkreuz-Arbeit in Pakistan. Ein Wassertank auf einem Damm im Überschwemmungsgebiet.

Die drei Water plants in Nawabshah, Sakrand und Shapur sind in einem guten Zustand und der Betrieb inklusive Wasserverteilung läuft reibungslos. Nach dem letzten Briefing mit Robert, bei dem wir nun wirklich die Situation vor Ort erfahren, versuchen wir uns in den ersten Tagen mittels sog. Rapid Assessments ein eigenes Bild zu machen. Es gibt zwar auch 4 Monate nach dem großen Monsoon immer noch weite Landstriche, die Aufgrund des dichten, lehmigen Bodens überschwemmt sind, aber in den meisten Dörfern hat sich die Situation soweit normalisiert, daß wir mit dem Abbau unserer Infrastruktur bald beginnen können. In einem Zelt-Camp neben einer Landwirtschafts-Schule (Agricultural College) in Sakrand ist allerdings noch Aufbau-Arbeit zu leisten. Die sanitäre Situation der ca. 200 Familien ist unbefriedigend, es gibt nur ein paar notdürfig gebastelte Latrinen, die meisten machen ihr „Geschäft“ auf eine Grünfläche neben dem Camp. Das 2. Team hat bereits einen Prototyp einer sog. VIP-Latrine (Ventilated Improved Pit) mit lokal erhältlichen Materialien gebaut, davon stellen wir gemeinsam mit unseren PRCS-Kollegen in 3 Tagen 25 Stück auf. Aber damit allein ist es nicht getan, unterstützend dazu hält Caroline, unsere schwedische Kollegin, mit ihrem Team aus 8 lokalen Mitarbeitern Hygiene Promotion Trainings ab. Dabei wird mit einfachsten Mitteln versucht, Verhaltensregeln weiterzugeben, um die Verbreitung von Krankheiten zu verhindern, die mit Fäkalien in Verbindung stehen. So wie in den meisten Krisen- und Katastrophensituationen sind auch hier vor allem die ärmeren Bevölkerungsschichten betroffen, und unter diesen ist die Alphabetisierungsrate nicht gerade hoch. Deshalb müssen die Messages primär über Bilder und verbal verbreitet werden, wobei sich hier wieder das Problem stellt, daß diese Menschen kein Englisch sprechen und oft nicht einmal die pakistanische Amtssprache Urdu, sondern nur Sindhi, die lokale Amtssprache der Provinz Sindh.

Zu Weihnachten in Pakistan

Rotkreuz-Arbeit in Pakistan

Rotkreuz-Arbeit in Pakistan: Eine Latrine, die vom Rotkreuz-Projekt errichtet wurde.

Von 24.12. bis 28.12. mußten wir zurück nach Karachi, da am 25. (Geburtstag des Staatsgründers) und am 27. (Todestag von Benazir Bhutto, die aus Sindh stammte) Feiertage sind. Aus Sicherheitsgründen dürfen wir Delegierten uns an solchen Tagen nicht außerhalb der Stadt bewegen, und da unser Aktionsradius in Nawabshah ohnehin sehr eingeschränkt gewesen wäre, haben wir die Gelegenheit genutzt, um mit den Kollegen den Deutschen Roten Kreuzes (bestehend aus einem Deutschen, einer Kärntnerin, einer Kroatin, einem Äthiopier und einem Libanesen) die Weihnachtsfeiertage zu verbringen.

Und da ich gerade beim Thema Sicherheit bin: Die Situation hier vor Ort (speziell in Nawabshah, das in einer sehr ländlichen Region liegt) ist für uns vollkommen ungefährlich. Sowohl der Rote Halbmond als auch die Föderation (IFRC) genießen ein hohes Ansehen, die Leute lächeln uns an und begrüßen uns herzlich, wenn wir in die Dörfer kommen. Natürlich patrolieren Polizei und Rangers (Spezialeinheit der Armee) mit ihren Pickups mit den darauf montierten Maschinengewehren, und in der Nacht werden die großen Kreuzungen von Polizisten mit MG bewacht. Aber ich habe mich in den zwei Wochen, die wir nun hier sind, nie auch nur eine Minute unsicher gefühlt.

Jetzt ist es schon wieder Mitternacht geworden, so wie jeden Abend. In nicht einmal 6 Stunden beginnen die Muhezzine wieder mit ihrem „Gesang“, dann ist in meinem Zimmer leider nicht mehr an Schlaf zu denken. Ich werde mich deshalb nun in die Horizontale begeben, aber ich melde mich wieder!

Anlagenumbau

Man sollte es kaum glauben.
Da ist man im Hochwassereinsatz und auf einmal fehlt das Wasser zum Aufbereiten.

Aber schön der Reihe nach.
Wir haben ja in Sha Pur zwei Filteranlagen die vom Wasserturm ihr Wasser beziehen.
Der Wasserturm wiederum bezieht sein Wasser aus einem Kanal der wegen Reparaturarbeiten trockengelegt werden musste.
Also ging es wieder von vorne los.
Rohwasserquelle suchen (Assessment) und diesmal hatten wir richtig Glück.
Wir konnten ein 70 m tiefes Bohrloch finden, dessen Wasser am Anfang allerdings ziemlich trüb war.
Also ließen wir einen Schlauch hinunter, installierten unsere Pumpe und schon nach kurzer Zeit wurde das Wasser immer klarer. Nach 6 Std. Pumpen hatte das Wasser eine Turbidity (Wassertrübung) kleiner als 5 NTU was dem Standard der WHO (Weltgesundheitsorganisation) entspricht.
Daher brauchten wir nur noch einen 70 000 Liter Tank aufzubauen, in dem das Wasser mit Chlor versetzt wird.
Auf diese Weise können wir mit geringstem Kostenaufwand genügend sauberes Wasser für die Bevölkerung produzieren und damit sicherstellen, dass die Spenden aus Österreich bestmöglich und sparsam verwendet werden.

Spanisch-Österreichische Zusammenarbeit

Da unsere Kollegen vom Pakistanischen Roten Halbmond (PRCS) wirklich fest anpacken und das Aufstellen unserer Distribution Tanks (Wasserabgabetanks) nahezu beendet ist, konnten sich Supermario (Flos neuer Spitzname, da er mit seinem roten Jackett und der roten Kappe eine große Ähnlichkeit mit ihm hat) und ich die Zeit nehmen unseren beiden Spanischen Kollegen bei der Reparatur einer SETA-Anlage zu helfen. Dieser Anlagentyp wird von den Spanischen und Französischen Kollegen benutzt und hat den riesigen Nachteil, dass er Strom benötigt. Diese Tatsache macht die Anlage im laufenden Betrieb zwar sehr leise und im Handling mit der elektronischen Chemiezugabe einfach, allerdings sind die Anfälligkeit und der Reparaturaufwand enorm. Mit vereinten Kräften ist es uns aber gelungen die Anlage in Schwung zu bringen und Flo und ich haben natürlich die Gelegenheit genutzt, uns an diesem Anlagentyp eine intensive Schulung geben zu lassen. So vergehen die Tage wie im Flug und wir hätten bald übersehen, dass wir bereits die Hälfte unserer Zeit hier hinter uns gebracht haben.

Wasser marsch!

Die beste Nachricht zuerst: Knapp eine Woche nach unserem Eintreffen in Navabshah (Benazirabath) sind alle 3 Anlagen aufgestellt und einsatzbereit.

Unsere Anlagen wurden allerdings etwas an die hiesige Situation angepasst und bieten einige Besonderheiten, die ich den Kollegen und Lesern nicht vorenthalten möchte.

Unsere beiden Scanwater-Filteranlagen im Nachbarbezirk Shangra benötigen für die Produktion keine Pumpen, da sie direkt unter einem Wasserturm installiert wurden der als Rohwasserquelle dient.

Daher haben wir so viel Eigendruck, das wir uns die Pumpen und somit viel Diesel ersparen.

Die zweite Linie der M40 Anlage in der Stadt Sakran besteht nur aus einem 70.000 Liter Tank den wir zum Chlorieren benutzen, da als Wasserquelle eine Tiefbohrung ausgesucht wurde deren Wasser so klar ist, dass keine Flockulierung nötig ist.

Im Moment beschäftigen wir uns hauptsächlich mit dem Errichten der Wasserabgabetanks, die jeden Tag mehr werden da ich bei meinen Assesments in der Gegend alleine am heutigen Tag sechs Ortschaften gefunden habe, die dringend unser Wasser benötigen.

Gestern hatten wir noch eine Abordnung von Nachbar in Not samt Kamerateam zu Besuch was vor allem bei unseren Pakistanischen Kollegen im Vorfeld für ziemliche Aufregung sorgte.

Unsere Tage könnten ruhig doppelt solange sein und wir hätten immer noch zu wenig Zeit.

Hilfe in Pakistan: Österreichisches Wasserexpertenteam im Einsatz

ERU WatSan (Emergency Response Unit Water and Sanitation)

Unser Team besteht aus Lidwina Dox (LV NÖ), Florian Haas (LV Wien), und dem Verfasser dieser Zeilen Wilfried Hildenbrand.

Das Team der Österreichisch-Pakistanischen Wasserexperten-Runde

 

Fleißige Blog Leser erinnern sich vieleicht Lidwina und ich waren im letzten Jahr schon in Pakistan um bei der letzten Flut zu helfen. Sogar die Provinz (Sind) ist die gleiche allerdings gibt es entscheidende Unterschiede.

Wir sind weiter Nördlich im Distrikt Navabshah (ca. 1,6 Mio. Einwohner) und der gleichnamigen Stadt (ca. 400 000 Einwohner) die seit kurzem Benazirabath heißt.

Überschwemmungen in Zentralpakistan: Österreichische Rotkreuz-Hilfe wurde angefordert

 

Das Wasser ist diesmal nicht über die Flüsse gekommen, sondern direkt durch starke Regenfälle verursacht worden.

Der Vorteil ist, dass es keine starke Strömung gibt die an den Häusern zusätzlichen Schaden verursachen, dafür sind zusätzlich Gebiete betroffen die normal nicht betroffen sind, da die Flüsse zu weit entfernt sind. In diesen Gebieten gibt es aber auch kein Bachbett in dem das Wasser wieder abfließen kann.

Auch unser Anlagentyp hat sich für diesen Einsatz stark verändert und nennt sich M40.

Das M steht für Masswater und das 40 steht für 40 000 Personen, die mit den bis zu 600 000 Litern produziertem Wasser versorgt werden können.

Wassertank der Rotkreuz-Trinkwasseraufbereitungsanlage

Unsere Versorgung konzentriert sich einerseits auf Gebiete in der Stadt Navabshah (Benazirabath) deren Wasserleitung durch das Hochwasser zerstört ist, und andererseits auf das Umland der ca. 80 000 Einwohner zählenden Stadt Sakran das noch immer stark Überflutet ist.

Im Nachbarbezirk Shangra haben wir noch 2 Sandfilteranlagen die pro Std. je 4 000 Liter Trinkwasser produzieren.

Wir arbeiten im Moment mit 10 Leuten vom Pakistanischen Rotem Halbmond am errichten der M40 und der notwendigen Tanks für die Verteilung des Wassers. Viele unserer Pakistanischen Kollegen haben in den letzten Jahren mehrfach an den Anlagen gearbeitet und so schreitet der Aufbau zügig voran.

Nach Misrata und zurück mit der ‚Maria Dolores‘

Der erfahrene Notarzt, Chirurg und Tropenmediziner Günter Kittel berichtet von seinem Einsatz in Libyen.

Heute, es ist Mittwoch vormittags, bin ich auf dem Schiff von Tobruk zurück nach Malta und hoffe, euch dieses Mail am Abend von Malta schicken zu können.

Ursprünglich sollte wir, ein dreiköpfiges Team des IKRK Sonntag um 3 Uhr früh Malta Richtung Misrata mit der ‚Mara Dolores‘, einem modernen australischen Fährschiff, verlassen haben. Nach 2 Stunden Fahrt gab es Maschinenschaden, was vorläufige Umkehr bedeutete. Sonntag abends ging es dann endgültig los. In nicht ganz bequemer Stellung fanden wir etwas Schlaf. Am Montag Morgen versuchten wir dann, 24 Meilen vor der libyschen Küste, Kontakt mit dem libyschen Roten Halbmond aufzunehmen, was nicht gelang. Als wir uns langsam der Küste näherten, sahen wir in nicht allzu weiter Entfernung von den Hafenanlagen von Misrata immer wieder Rauch aufsteigen, offensichtlich von Explosionen. Dem Kapitän gelang es schließlich, mit dem Hafen über Funk zu sprechen. Er wurde angewiesen, zuzuwarten, die Lage sei zu gefährlich. Ein weiteres Schiff versuchte, in den Hafen einzulaufen. Kurze Zeit später kehrte es um, der Beschuss war zu nahe dem Hafen. Wir hörten über Funk, dass es NATO Luftschutz anforderte. Danach hörten wir Flugzeuge, ein wenig unheimlich, sie waren nur zu hören, zu sehen war nichts.

Die Hafenanlagen von Misrata - immer wieder steigt Rauch auf

Nun, nach einiger Zeit liefen wir dann in den Hafen ein. Misrata hat eine riesige Hafenanlage, riesige Kräne von Waagner Biro. Aber alles schien völlig verlassen, unheimlich ruhig. Nach Stunden des Wartens tauchten einige Libyer auf, winkten uns zu und nach viel Gerede einigte man sich, die Flüchtlinge in ein relativ sicheres Areal des Hafens mit LKW’s zu bringen. Wir hatten eine Kapazität für 600 Leute. Hauptsächlich konzentrierten wir uns auf Flüchtlinge aus dem Sudan, dem Tschad, Niger und Mali, da diese zum gegenwärtigen Zeitpunkt am verwundbarsten scheinen. Außerdem einigten wir uns, ein paar libysche Familien an Bord zu nehmen, sowie einige Verwundete.

Wartende Flüchtlinge im Hafen von Misrata

Dann ging alles zwar extrem langsam, aber geordnet vonstatten. Alles Flüchtlinge wurden registriert, bekamen einen Platz zugewiesen. Natürlich kamen mehr als wir nehmen konnten. Aber auch die Abgewiesenen akzeptierten ohne Jammern ihr Schicksal, sie hatten ja begründete Hoffnung, mit dem nächsten Transport mitgenommen zu werden.

Alle Flüchtlinge wurden registriert, bekamen einen Platz zugewiesen.

Wie ist die Lage in der Stadt? Interessanterweise waren die anwesenden Libyer sehr zuversichtlich und zeigten keinerlei Absicht, Misrata zu verlassen. Es gäbe noch genug Essen, Wasser- und Stromversorgung werde langsam zu Problem, aber man helfe einander mit viel Idealismus. Die Versorgung mit Medikamenten und medizinischen Instrumenten sei schlecht, aber man komme noch zurecht. Die Verletzten würden entweder nach Tunesien oder Ägypten gebracht.

Die Fahrt nach Tobruk dann dauerte 16 Stunden, eine etwas anstrengende Nacht, die See war rauh, und viele der über 600 Passagiere wurden seekrank. Abgesehen davon gab es keine Probleme. Die Mannschaft des Schiffes, in erster Linie Rumänen und Filipinos, verhielt sich vorbildlich.

In Tobruk warteten schon Ambulanzen und Busse, vom Roten Halbmond organisiert, um die Verletzten in Spitäler und die Flüchtlinge an die nahe ägyptische Grenze zu bringen.

Uns blieb nicht viel Zeit zur Erholung. Nach einer Stunde brachen wir zur 24-stündigen Fahrt zurück nach Malta auf, um uns auf die nächste Fahrt vorzubereiten.

Die Schiffs-Evakuierung wurde auf Google-Maps nachgezeichnet, um einen Eindruck zu bekommen.

Auch das IKRK berichtet in einer Pressemeldung vom Flüchtlings-Evakuierungs-Transport, den Günter Kittel begleitet hat.

Teamnachwuchs!

Das ERU M7 Team in Pakistan/Dadu hat Nachwuchs bekommen: Ihr Name ist Vlatka Civrag aus Kroatien…wie schwer sie ist fragt man eine Frau besser nicht und wie groß seht ihr auf dem Foto.

ERU M7 Team

Ja so kleidet man sich in der Sindh Province…alles neu natürlich. Vlatka führt die erfolgreiche Arbeit von Johanna im Bereich Hygiene Promotion fort. Ich denke mal das ÖRK ist richtig froh aus dem kroatischen ERU-Pool TWA´ler, vor allem für Hygiene Promotion rekrutieren zu können. Das ist in einem „Katastrophen“-Jahr wie 2010 gar nicht einfach. Die HP-Gruppe hat einen 2-Monatsplan erarbeitet wobei sie 27 Dörfer besuchen und beraten wollen, sofern es auch finanziert wird.

Unsere lokalen Wassermacher die wir an der Scanwater Filteranlage trainiert haben arbeiten fleißig an beiden Anlagen. Die erste, nur ca. 10 km von Dadu entfernt läuft problemlos. Das Wasser bekommen wir aus einem Fluß, welches wir in einem 40 m3 Tank mit Aluminiumsulphat vorbehandeln. Also man kann hier nicht von einem klassischen Scanwater-Betrieb reden. Das selbe machen wir auch mit der 2. Anlage, die ca. 76 km (1,6 h Fahrzeit) in einem IDP-Camp stationiert ist. Die Zelte des Camps sind auf einem Schutzdamm in einer beachtlichen Länge von über 9 km nacheinander aufgestellt.
Das Rohwasser was hier zur Verfügung steht macht das Aufbereiten nicht einfach. Es ist vom überschwemmten Feld, wird immer weniger und dadurch zur Brühe, also ständig sich ändernde Rohwasser-Verhältnisse. Daneben ist eine Drainage die zwar tiefer ist aber eine grasgrüne Suppe beinhaltet. In der Umgebung ist leider kein Fluß und so zaubern wir Trinkwasser bis dass der letzte Tropfen versiegt ist. Es wird entlang des Camps in den Dörfern auch schon für Handpumpen gebohrt und so wird sich das dann auch ausgehen.

Die Zerstörung ist ja enorm fast wie bei einem Tsunami. Der schwache Mörtel wurde zwischen den Ziegeln herausgeschwemmt und dann sind die meisten Häuser/Hütten eingestürzt. Die Leute müssen wieder ein neues Leben beginnen, von null weg.

Ja, und wir sind in drei Wochen dann alle wieder Zuhause, wo wir in massiven, warmen und mit allem was wir uns wünschen können gefüllten Häusern wieder unser Leben weiterführen werden, das keinen Vergleich zulässt.

Mehar bani (Danke)!