Monrovia …

Eine afrikanische Millionenstadt. 1,2- 1,4 Millionen Menschen sind hier auf den Straßen unterwegs. Verkehr, der durch Hupen und für Europäer unkonventionelle Fahrweise gekennzeichnet ist, war hier immer eine der größten Gesundheitsrisiken. Seit einigen Monaten ist etwas dazu gekommen… schleichend und tödlich. Ebola.

Ebola hat es bis nach Europa geschafft- einerseits ist die mediale Berichterstattung am Höhepunkt, auf der anderen Seite gab es auch den ersten Fall einer Krankenschwester, die sich auf europäischem Boden angesteckt hat. Grund genug für mich nach meinem 1. Einsatz abermals in das Krisengebiet zu fahren um zu helfen.

Im Team des IKRK (Internationales Komitee des Roten Kreuzes) versuchen wir hier zu helfen. Schon bei meiner Ankunft freuten sich auch die Kollegen, dass wieder Verstärkung gekommen ist. Die Erwartungen sind hoch- die Verantwortung dementsprechend auch. Es ist schwer geeignetes Personal zu finden. Natürlich haben viele Menschen in Europa Angst und wollen nicht hier her. Absolut verständlich. Auf der anderen Seite können wir nicht alle Freiwilligen in die Krisenländer schicken. Das Österreichische Rote Kreuz hat es sich nicht nur zur Aufgabe gemacht, anderen Menschen zu helfen, wir sind auch unseren Mitarbeitern im Krisengebiet schuldig, sie zu schützen und gesund wieder heim zu bringen. Daher bedarf es sehr erfahrenen MitarbeiterInnen um alle wieder gut in Österreich abzuliefern.

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Die Klinik in Monrovia, Liberia.  in diesem Haus werden potentiell erkrankte Mütter unterkommen.

Unser derzeit schönstes Projekt ist eine große Klinik hier. Nach dem Ausbruch von Ebola wurde sie geschlossen. Die Kinderabteilung und auch die Geburtshilfe mussten ersatzlos gestrichen werden. Das ohnehin marode Gesundheitssystem wurde durch den Tod einiger med. Fachkräfte weiter geschwächt. Die Verbliebenen sind überarbeitet und haben weiterhin Angst- Wer ist der oder die nächste?

Diesmal ist nicht der Tod im Mittelpunkt – diesmal versuchen wir Leben zu schenken. Kommende Woche beginnt das 1. Training für med. Personal in PPE (Personal Protective Equipment= Schutzausrüstung). Drei Tage Trockentraining- anziehen, ausziehen und darin arbeiten, die Woche drauf nochmals drei Tage inkl. praktischer Beispiele. Was mache ich, wenn jemand zusammenbricht? Wie verpacke ich Blutproben von potentiell Erkrankten? Worauf muss ich bei potentiell Erkrankten werdenden Müttern beachten.

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Vorbereitung und klare Abläufe. Das sind wohl die wichtigsten Massnahmen zur Vorbeugung und Verhinderung weiterer Ebola-Infektionen.

Gleichzeitig sitze ich mit Dr. John, einem Arzt der seit 3 Monaten freiwillig in Liberia ist und hilft und Francis, meinem Kollegen, im Krankenhaus und wir überlegen, wo wir Isolationsbetten installieren. Sicher ist das einfach- man sucht sich ein Zimmer aus und riegelt es ab. Man muss sich aber vorstellen, dass bei jedem Besuch Abfall in Form einer gebrauchten Schutzausrüstung an fällt. Diese muss gesammelt und zum Incinerator (grosser Ofen zur Verbrennung von Abfall) gebracht werden. Den kann ich nicht quer durch das Krankenhaus vorbei an werdenden Müttern schleppen. Alles in allem eine sehr herausfordernde aber erfüllende Aufgabe. Potentiell Erkrankten Müttern muss Blut abgenommen und im Labor analysiert werden um zu sehen, wie es weiter geht.

Mitarbeitersicherheit steht auch im hiesigen Krankenhaus für uns an erster Stelle. Unsere Wat San Guys (Wasser und Hygiene) schauen sich die Wasserversorgung genauer an, unser Logistiker schaut, dass es genug Schutzausrüstung geben wird. Haben wir erst eröffnet, können wir nicht nach zwei Wochen sagen: Schade, wir haben keine Schutzausrüstung mehr. Kommen Sie in drei Wochen wieder.

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Bald wird man hier hoffentlich wieder Babygeschrei hören, im Kreißsaal der Klinik.

Sobald alle Voraussetzungen erfüllt wird auch Dr. Samuel wieder praktizieren. Er leitet das Krankenhaus schon über 30 Jahre und würde sich freuen wieder etwas zu tun. Er ist Arzt und – wie man an mir sieht – Ärzte können nicht rum sitzen und warten. Also hoffen wir alle im Team, dass er bald wieder beschäftigt wird. Trotzdem muss auch ihm klar sein, dass wir nicht alle behandeln und retten werden können.

Aber bei einer Säuglingssterblichkeit von fast 4 Prozent und einer Muttersterblichkeit von 1 Prozent zählt jede medizinische Unterstützung.

Am Beginn werden wir mit wenigen Betten starten und das Personal noch bei der Handhabung der PPE beobachten müssen. Aber dann werden sie wieder kommen… die Babies.

Bis zu 80 Geburten waren es vor Ebola pro Monat ähnlich dem Krankenhaus in Hartberg, wo ich Teile meiner Ausbildung absolviert habe. Es wäre toll, bald wieder Babygeschrei in den Hallen des Krankenhauses zu hören- es ist der Schrei nach Hoffnung- Hoffnung darauf, dass Ebola bald besiegt sein wird.

Alle Informationen zur Hilfe gegen Ebola

Grenzenlose Menschlichkeit?

Ende des Jahres 1989 fiel der “sozialistische Arbeiter und Bauernstaat”, wie sich die Stasi-Diktatur der Deutschen Demokratischen Republik selbst bezeichnete zusammen. In Deutschland gibt es dazu derzeit – 2014 ist ja das 25. Jubiläum dieses historischen Ereignisses – viele Gedenkfeiern und Erinnerungsveranstaltungen. Zahlreiche Bücher und Fernsehdokumentationen bringen die Erinnerung an die Ereignisse zurück ins Gedächtnis.

Mauerfall in Eisenstadt?

Der Mauerfall vor 25 Jahren. Damit begann die Auflösung politischer Strukturen nicht nur in Europa und ein Paradigmenwechsel im zwischenstaatlichen Zusammenleben

Doch auch für Österreich und das Österreichische Rote Kreuz war diese Zeit des radikalen politischen Wandels eine Herausforderung, ging doch dem “Mauerfall” am 9. November eine grosse Fluchtbewegung aus der DDR über Ungarn und Österreich voraus. Mehr als 50.000 Menschen kamen innerhalb weniger Wochen über die Grenze nach Österreich und wurden vom Roten Kreuz versorgt. Der größte Teil passierte die Grenze im Bereich des Burgenlandes, weshalb auch das Rote Kreuz Burgenland zu jener Zeit den größten humanitären Hilfseinsatz in seiner Geschichte durchführte.

Menschliche Erinnerungen von Seiten der Helfer

Unter dem Titel “Grenzenlose Menschlichkeit” haben Tobias Mindler und Johannes Steiner Anfang Oktober in Eisenstadt ihr Buch über den Rotkreuz-Einsatz zur Unterstützung der DDR-Flüchtlinge vor 25 Jahren präsentiert. Neben einem Überblick über die historische, geopolitische und sozialen Entwicklungen in dieser kuren Zeit widmet sich der Hauptteil der Monographie den Menschen, die damals geholfen haben. Persönliche Erinnerungen schildern emotionale Momente der persönlichen Begegnungen, der zwischenmenschlichen Solidaridät über Landes- und Sprachgrenzen und des individuellen altruistischen Engagements innerhalb und auch ausserhalb des Roten Kreuzes.

Von Schwester “Liebe” und dem ungarischen “Häfen”

Gerade diese persönlichen Erinnerungen von Helferinnen und Helfern machen dieses Buch lesenswert. Bei manchen Geschichten muss man schon sehr hartgesotten sein, wenn nicht Tränen in die Augen bekommt, wie bei  Ljuba – die nicht nur im Rotkreuz-Dienst half, sondern auch privat. Um eine getrennte Familie auf ihre eigene Gefahr wieder zu vereinen, schmuggelte sie ein kleines Kind unter ihrem Mantel von Sopron nach Nickelsdorf. Oder bei Leopold, der als ehrenamtlicher Fluchthelfer sogar beschossen wurde und in einem kommunistischen ungarischen Gefängnis landete.

17  ehemalige und aktive Rotkreuz-Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter berichten von ihren persönlichen Erinnerungen. Archivmaterial und vor allem persönliche Fotos aus diesen emotionsreichen Wochen im Spätsommer und Herbst 1989 ergänzen die Geschichten vom Helfen. Die Schilderungen dieser Zeitzeugen lassen die Situation realitätsnah vor Augen erscheinen, die Problematik in der Logistik, die Versorgung der hungrigen Menschen, die oftmals nichts mit hatten, ausser das was sie am Körper trugen. Sie zeigen aber auch die große Kraft der menschlichen Hilfe, die Dankbarkeit und Zufriedenheit der Betroffenen und die Bescheidenheit der Helferinnen und Helfer, die einfach bloss da waren, wenn man sie brauchte. Aus Liebe zum Menschen.

Zurück in die Zukunft?

Die Geschichten brachten mich nicht nur zum weinen,sondern auch zurück in meine Errinnerungen an meine frühen Jahre beim Roten Kreuz, in jene Zeit der absoluten Begeisterung für diese humanitäre Idee. Ich selbst war zu der Zeit der DDR-Flüchtlingshilfe zwar schon Rotkreuz-mässig engagiert und einige meiner Kollegen halfen auch – gerade der so genannte Kat-Zug aus Brunn am Gebirge unterstützte auch die burgenländischen Kollegen, doch an mir selbst ging dieser Einsatz vorbei, ich war wohl zu intensiv in Sachen Rettungsdienst (und Erlangung der Matura) beschäftigt.

Ich bin mir sicher, dass Sammlungen von (humanitären) Zeitzeugenberichten wie diese dazu beitragen, unsere Kultur des Helfens, die “Liebe zum Menschen” jedem verständlich zu machen. Eigentlich sollte jeder Rotkreuz-Mitarbeiter, jede Rotkreuz-Mitarbeiterin dieses Buch haben, um zu verstehen was Menschlichkeit bedeutet – grenzenlose Menschlichkeit.

Bibliographie

Grenzenlose Menschlichkeit

Grenzenlose Menschlichkeit

Mindler Tobias und Steiner Johannes (2014): Grenzenlose Menschlichkeit. Wie das Rote Kreuz Burgenland 1989 den DDR-Flüchtlingen half, Eisenstadt: Rotes Kreuz Burgenland

 

Resilienz steigern hilft Leben zu retten

Naturkatastrophen lassen sich nicht verhindern – ihre Auswirkungen schon. Überall auf der Welt zeigen zahlreiche Beispiele, wie sich Menschen und ganze Landstriche gegen bedrohliche Naturereignisse wappnen. Das Rote Kreuz will diese Widerstandsfähigkeit, im Fachjargon “Resilienz” genannt, stärken und zeigt in 42 Reportagen Beispiele aus 24 Ländern in einem Online-Journal.

Zum Auftakt diskutierten Ende September Katastrophenresilienz-Experten des Roten Kreuzes, der Weltbank, der Europäischen Union und der ÖFSE in Wien über das Thema.

Hier eine kurze Zusammenfassung der Veranstaltung im Video (Videoaufzeichnung hier):

Joaquin Toro, World Bank

“Es ist nicht genug zu überleben, Resilienz ist auch eine Frage der Lebensqualität nach der Katastrophe”, sagte Joaquin Toro, der bei der Weltbank für Disaster Risk Management zuständig ist. In vielen Ländern seien die Menschen nicht gegen Naturkatastrophen versichert. Sie stünden nach jedem Ereignis vor dem Ruin.Ob Versicherungen tatsächlich die beste Lösung sind, zeigten sich die Experten uneinig. „Solidarität innerhalb und zwischen den Staaten und zivilgesellschaftliches Engagement seien dafür besser geeignet, da keine Erträge für Investoren zusätzlich generiert werden müssen“, so Gerry Foitik, Bundesrettungskommandant des Österreichischen Roten Kreuzes, der auch die staatliche Verantwortung für Vorbereitung betonte.

Die Verantwortung für Resilienz tragen alle öffentlichen und privaten Sektoren einer Gesellschaft: “Die Fähigkeit, die Auswirkungen von Katastrophen einzudämmen ist eine gemeinsame Aufgabe,” betonte die unabhängige Expertin Slobodanka Curic, vor allem in die Prävention sei zu investieren.

Gerry Foitik, Rotkreuz-Bundesrettungskommandant

„Bei Katastrophen verlieren Menschen oft alles“, so Gerry Foitik, weiter. Neben den finanziellen Schäden, die an Gebäuden, Infrastruktur und zerstörten Gegenständen entstehen sind die ideellen Verluste oft noch dramatischer: „Wenn sämtliche Erinnerungen weg sind, weil die Liebesbriefe und Familienalben zerstört wurden, so trifft das Menschen oft mehr, als der zerstörte Flatscreen“, weiß der Katastrophenmanager.

Das Katastrophen-Resilienz-Journal (www.disaster-resilience.com) bietet jeden Tag eine andere Reportage in einer so genannten Web Documentary. Diese gemeinsame Kampagne der Rotkreuz-Gesellschaften in Europa wird vom humanitären Amt der Europäischen Union finanziert.

Resilienz Kampagne

Ohne Kommunikation keine Führung!

einsatzbereit

Einsatzbereit im Regen unter schmalem Dachvorsprung

Situationsgerechte Kommunikation ist das Um und Auf für die Führung von Hilfseinheiten die zum Wohle der Betroffenen optimal disponiert werden müssen. In Ausnahmesituationen wie z.B. regionale oder bundesweite Blackoutszenarien, Ausfall von Internetverbindungen oder Telefonnetzen stehen die Rotkreuzhilfseinheiten aus dem Bereich ‘Telekom&IT’ bereit, um die Helfer ‘Aus Liebe zum Menschen‘ zu unterstützen! Das Einrichten und Betreiben von lokalen Netzwerken für Einsatzstäbe oder der temporäre Betrieb von UKW-Relaisfunkstellen gehört ebenso zum Aufgabenumfang, wie der Informationsaustausch über Kurzwellenverbindungen zu mobilen Einsatzleitungen oder mit dem Bundesrettungskommando im Katastrophenhilfe- und Einsatzzentrum des ÖRK in Wien.

In allen Landesverbänden sowie dem Generalsekretariat bestehen Kurzwellengruppen mit insgesamt 56 freiwilligen Mitarbeitern. Jedes Jahr wird ein Übungs- und Fortbildungsseminar ausgerichtet, in dem Neues vermittelt und Bestehendes geübt wird. Heuer war Mitte September der Landesverband Oberösterreich mit der Bezirksstelle Steyr-Stadt unser Gastgeber.

Codan

Einschulung am Codan NGT-SR Kurzwellengerät

Unter dem Motto ‘Telekommunikation in Krisenlagen’ stellten sich 31 Teilnehmer am Samstag den Herausforderungen, bei ungünstigsten Wetterverhältnissen an verteilten Standorten im Großraum Linz – Steyr die gestellten Aufgaben in einer realitätsnahen Fieldexercise abzuarbeiten. Bei durchgehend regenerischem Wetter mussten über die teilweise aus Notstromakkus oder Stromgeneratoren gespeisten und mit provisorischen Drahtantennen versehenen verlegbaren  Kurzwellenstationen Lageberichte, Fotos und andere Informationen direkt an  die Übungsleitstation im Katlager Linz oder über die ÖRK-eigenen Emailgateways in Feldkirch, Innsbruck und Wien versendet werden.
Wie bei jeder Übung hat es auch diesmal Erkenntnisse gegeben, die dort und da ein Nachjustieren bei Abläufen, Geräten oder Ausrüstung erforderlich machen. In Summe jedoch hat sich die Übungsleitung mit dem Ergebnis zufrieden gezeigt und das in einem Resumee zum Ausdruck gebracht.

NGT

erste Schritte mit neuer Gerätschaft

Administrative als auch fachlich relevante Vortragsthemen standen Freitag Abend und Sonntag Vormittag auf der Agenda und wurden ausgiebig diskutiert. Die anwesenden Vertreter der Landesverbände konnten nach kurzer Systemvorstellung und Einschulung je ein modernes Betriebsfunkgerät mit Dokumentation zum Betrieb in ihren festen Funkstationen in Empfang nehmen. Damit ist ein weiterer Schritt zur verbesserten Erreichbarkeit in Katastrophensituationen gesetzt.

 

Diskussionen

ausgiebige Fachdiskussionen

Als Gastredner des Generalsekretariats hat Markus Glanzer die Bedeutung des ÖRK – Kurzwellen-netzwerkes als Teil der gesamten ÖRK – Fernmeldestruktur hervorgehoben und dessen Bedeutung unterstrichen. Als eine wenig beachtete, aber umso wichtigere Ressource bezeichnet der oberösterreichische Landesrettungskommandant Christoph Patzalt in seiner persönlichen Grußbotschaft die freiwilligen Mitarbeiter der Kurzwellengruppen und würdigt deren Engagement besonders zur Unterstützung der Helfer im Katastropheneinsatz.

Eine Feedbackrunde und eine Vorschau auf das kommende Jahr war der offizielle Abschluß des Kurzwellenseminars 2014.

Ein Dankeschön für die Gastfreundschaft geht an den OÖ Landesverband und die Bst. Steyr-Stadt.

Wolf Höller

Wasserdichte Hilfe

Mitte September trafen sich bei Regenwetter fast 30 Rotkreuz-Mitarbeiterinnen und –Mitarbeiter aus ganz Österreich im Messezentrum in Wels, um sich als Teil einer österreichischen Rotkreuz-Einheit für den internationalen Hilfseinsatz ausbilden zu lassen. Das so genannte AMP (Advanced Medical Post) ist eine Art Feldambulanz, die bei Katastrophen die medizinische Basisversorgung der Betroffenen ergänzt. Die Einheit ist modulartig aus Zelten zusammengesetzt. Die medizinischen Geräte aus der bestehenden Katastrophenvorsorge des Roten Kreuzes kommen zum Einsatz.

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Beim Aufbau der Zelte für die AMP-Einheit müssen alle mit anpacken.

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Dr. Bettina Wiesinger ist – wie alle anderen Mitarbeiter rund um die Uhr im Einsatz. Auch wenn es diesmal nur eine Übung ist.

„Die vorwiegend jungen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind erfahrene Notfallsanitäterinnen und Notfallsanitäter, Techniker, Feldköchinnen und -Köche, Krankenschwestern und –Pfleger sowie Ärztinnen und Ärzte“, erklärt der Oberösterreicher Andreas Hattinger, der die Einheit bundesweit koordiniert.

 

Wichtig ist die Zusammenarbeit im Team der unterschiedlichen Rotkreuz-Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. „Selbstverständlich haben wir gemeinsam angepackt, haben zusammen die Zelte auf- und am Ende auch wieder abgebaut und das Equipment aufgestellt“, erzählt die Notärztin Dr. Bettina Wiesinger aus Steyr in Oberösterreich. Auch bei der Versorgung der Patientinnen und Patienten ist gemeinsame Hilfe gefragt. „Eine große Übung der Rotkreuz-Bezirksstelle in Wels bot sich nach der dreitägigen Grundausbildung an, um die AMP-Einheit auch im Betrieb zu trainieren“, weiß der Bundeskoordinator Andreas Hattinger. Einer der Schwerpunkte dieser Feldambulanz ist die Versorgung vieler Patienten, wenn medizinische Infrastruktur wie Spitäler nicht mehr vollständig zur Verfügung steht.

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Die Arbeit im AMP-Triagezelt ist stressig. Trotz der Übungssituation werden die Patintinnen und Patienten ganz real angeliefert, untersucht und psychisch wie medizinisch auf Top-Niveau betreut.

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Die Aufbauarbeiten machen allen viel Spass. Das, obwohl die Kolleginnen und Kollegen bereits 8 Stunden Theoriekurs hinter sich hatten.

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Bis in die Nacht dauerten die Aufbauarbeiten des Feldspitals.

Bereits am Vortag zur Großübung begannen die medizinischen Teams in der Ambulanz mit ihrer Arbeit. Bis spät in die Nacht wurden immer wieder Patientinnen und Patienten geschminkt und in die Ambulanz gebracht, um den stressigen Schichtbetrieb der Ambulanz unter möglichst realistischen Bedingungen vorzubereiten. Ein weiterer Aspekt war die Teilnahme von Rettungsteams des Deutschen Roten Kreuzes aus Bayern, die den Transport der insgesamt über 150 geschminkten Verletztendarsteller in die Feldambulanz AMP im Welser Messegelände übernommen haben. So ist die reibungslose internationale Zusammenarbeit gewährleistet.

„Zahlreiche internationale Beobachter und das Innenministerium konnten sich davon überzeugen, dass das österreichische Rotkreuz-Team auch für internationale Einsätze im Rahmen des Europäischen Zivilschutzmechanismus reif ist. Das Lob für die professionelle Arbeit, freut uns besonders. Das ist den hochmotivierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zu verdanken!“, sagt Markus Glanzer, der im Österreichischen Roten Kreuz für den Bereich Einsatz, Innovationen und Beteiligungen verantwortlich ist, am Ende des einwöchigen Trainings. Das Team ist daher für den internationalen Einsatz innerhalb und ausserhalb Europas einsatzbereit und kann jederzeit entsendet werden, wenn andere Staaten nach großen Katastrophen österreichische Unterstützung bei der medizinischen Versorgung brauchen.

Obwohl das schlechte Wetter eine Herausforderung war: „Es hat drei Tage durchgehend geregnet“, erzählt Martin Pieler, Cheftechniker der Einheit vom Roten Kreuz in Niederösterreich: „Doch unser Equipment ist letztendlich trocken geblieben. Und gegen das Regenwetter hat unsere gute Bekleidung geholfen.“ Besonders wichtig für die Motivation des gesamten Teams, da sind sich die Teilnehmer einig, war die Verpflegung. Da konnten die Feldköchinnen und –Köche aus Salzburg ihr Können beweisen: Sie bekamen zu Übungsende von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern unter tosendem Applaus drei Hauben verliehen.

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Am Ende des Trainings sind alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer glücklich: Weitere 25 Mitarbeiterinnen des Österreichischen Roten Kreuzes sind einsatzbereit um im Ernstfall im Ausland zu helfen.

Acht Gräber

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B. Kamara gibt die Befehle

Präzise und genau gibt B. Kamara die Befehle. Handschuhe ausziehen, den Overall öffnen, vorsichtig ausziehen, nur innen berühren. Dazwischen werden immer wieder die Hände desinfiziert. „Nein!“, sagt er ruhig, “Zuerst die Brille und die Maske runter- erst dann das 2. Paar Handschuhe ausziehen.“ Es ist der 2. Tag der Ausbildung „meiner Jungs“. 14 Leute haben sich freiwillig für das Burial Team gemeldet- es sind Freiwillige des Sierra Leone Roten Kreuzes (SLRC). Ihre Aufgaben werden unter anderem sein: verstorbene Patienten aus dem Krankenhaus von „Ärzte ohne Grenzen“ abzuholen und zu begraben.

Die weitaus gefährlichere Arbeit wird die Desinfektion von Verstorbenen sein. Wenn Patienten zu Hause versterben, sind sie stark infektiös. Hier ist besondere Vorsicht geboten.

EIne unbezahlbare Arbeit

B. Kamara ist einer von zwei neuen Teamleadern. Sie werden für jeweils sieben Leute verantwortlich sein. Unter seiner Anleitung werden Leichen mit Chlor desinfiziert, in Leichensäcke gepackt, begraben und anschließend wird das Wohnhaus mit Chlor ausgesprüht. Warum er sich das antut wird er gefragt: „Um Ebola aus Sierra Leone zu vertreiben“. Wegen dem Geld macht das hier niemand. Umgerechnet nicht einmal 4 Dollar verdient man mit der Arbeit pro Tag. Dafür ist man mehrere Stunden in einem Ganzkörper- Schutzanzug, schwitzt und hat Angst vor Ebola. Es gibt bereits ein Team, das seit fast zwei Monaten diese Arbeit erledigt. „Meine Freunde, die davon wissen, sprechen nicht mehr mit mir, meine Familie hat Angst“, meint Momoh, der Teamleader des sehr gut eingespielten Teams. Er hilft den Neuen so gut er kann. Jeder Fehler im Feld kann tödlich sein. Daher wird jeden Tag das An- und Ausziehen geprobt. Ohne Befehl des Teamleader geht nichts. Vertrauen ist ein wichtiges Wort hier in Kailahun. Das Team des SLRC vertraut mir, dass ich ihnen die richtige Ausrüstung besorge- alles, was sie brauchen und sie trainiere. Die Mitglieder vertrauen Kamara und der muss seinen Leuten vertrauen können.

Wie schützt man seine Lieben?

„Wie können wir uns und unsere Familien schützen?“ werde ich gefragt. „Indem Ihr ihnen immer wieder sagt, dass Ihr nicht infektiös seid, wie man Ebola bekommen kann und dass wir auf Euch aufpassen. Ich würde keinen Freiwilligen Rotkreuz Mitarbeiter in Europa in eine solche Mission schicken, wenn ich nicht von seiner Schutzausrüstung und seinem Können überzeugt wäre. Das gleiche geschieht hier. Ihr werdet alles IMMER so machen, wie wir es üben, dann kann Euch nichts geschehen.“ Mehr kann ich nicht sagen. Ich meine jedes Wort so, wie ich es gesagt habe. Trotzdem bleibt das schlechte Gewissen. Ich habe keine Angst, dass ihnen etwas passiert. Ich sorge mich um ihre Reputation, die Freunde, das Privatleben. DAS kann ich nicht beeinflussen.

Pause… Jetzt zeige ich, wie man die Chlorlösung mischt. Das Ebola Virus ist sehr ansteckend, kann aber mit einer niedrigen Chlordosis unschädlich gemacht werden. Während wir die Cholera in Haiti mit bis zu 2mg Chlor pro Liter Wasser bekämpft haben, reichen bei Ebola bereits 0,5mg Chlor pro Liter. „10 Liter fasst der Sprayer. Also gebt bitte 10 Esslöffel Chlor hinein“. Meine Warnung, Chlor nur mit Schutzausrüstung an zumischen und das möglichst im Freien wird anfangs noch eher belächelt. Spätestens als der 1. Tapfere den Chlorbehälter öffnet und den ersten Löffel ins Wasser geben will glauben es die anderen. Nachdem er nicht nur einen Esslöffel Chlor sondern auch eine Nase voll Chlor genommen hat, nimmt er Reißaus und gibt den Löffel erst einmal weiter. Er braucht eine Pause.

Danach wird jeder Mal den Sprayer umschnallen und vorsichtig die Wand des Hauses mit Wasser absprühen. So soll jeder ein Gespür für das Gerät bekommen. Alles, was potentiell infektiös ist, muss besprüht werden.

Das war dann genug für den Tag.

Wie geht man mit dem Tod um?

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Acht Gräber an einem Tag

Das Team von B. Kamara hat heute noch einen letzten Punkt. Er und seine Leute werden die Kollegen bei der Arbeit- der Abholung und dem Begräbnis von Leichen begleiten. So sehen sie, was sie erwartet.

8 Menschen sind es heute, die beerdigt werden müssen. Nach einstündigem Warten auf den Leichenwagen geht es los. Der Leichenwagen ist gleichzeitig die Ambulance. In ihr werden Tote, Verdachtsfälle und Erkrankte transportiert. Wir müssen also warten, bis sie gerade frei ist.

B. Kamara bleibt an Momohs Seite, möchte jeden Handgriff erlernen. Ich mag ihn, auch wenn ich ihn bald nicht mehr sehen werde. Es wird für mich nach Hause gehen. Aber bis dahin versuche ich meinen Kollegen aufzubauen.

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Jeder Fehler kann tödlich sein

Mit viel Respektabstand wird das Verladen der ersten beiden Körper beobachtet. Wir fahren etwa 200 m mit dem Wagen. Der erste Friedhof mitten im Dschungel ist mit 16 Gräbern bereits voll. Heute wurde quasi das 2. Teilstück eröffnet. Als wir dort ankommen, haben die „Gräber“ bereits 8 Löcher ausgehoben. Sie graben niemals mehr als benötigt. Dies würde den Tod anziehen meinen sie. Die ersten beiden Körper werden begraben. Während das Team die nächsten beiden holt, bleiben meine Leute da und warten. Sie reden wenig und schauen nur. Die nächsten beiden Körper sind jeweils 11 Jahre alt. Auf den Leichensäcken steht der Name, die Herkunft, der Todestag und das Alter. Ich bin viel gewohnt, aber auch ich kann mir eine Träne nicht verkneifen, wende mich ab.

Nach bereits 4 Leichen beschließen wir, zu Fuß zum Lager zurückzugehen. Es sind 200m und wir möchten noch beim 1. Friedhof vorbei schauen, der auf halbem Wege liegt. Es ist still, als wir den Menschen die letzte Ehre erweisen. Katherine ist bei uns. Sie ist die PR Verantwortliche, die uns einige Tage besucht. Auch sie ist in ihren Gedanken versunken. Bevor wir gehen fragt sie mein Team, was sie von alldem halten. Die Leute, die hier liegen, haben vor 2 oder 3 Wochen noch in ihrem Dorf gewohnt. Keiner mag so wirklich Antwort geben. Einige beten leise. „Es ist unfair!!“, sagt schließlich jemand. Mehr auch nicht.

Am Ende jedes Begräbnisses werden Gebete vom Team und den „Gräbern“ gesprochen. Eines für Muslime eines für Christen. So ist das in Kailahun. Selbst im Tod bleibt man gemeinsam und denkt an alle gleichermaßen.

Und es geht weiter…. jeden Tag

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Stolz auf mein Team

Morgen wird wieder ein Tag sein. Es wird wieder ein Training geben. Von B. Kamaras Team wird einer nicht kommen. Er will nicht mehr mit machen. Ich verstehe ihn nur zu gut und nehme an, es werden ihm weitere folgen. Ich hoffe, dass „meine Jungs“- die meisten von ihnen sind halb so alt wie ich- in einer Woche gut genug sein werden, um ihre Arbeit aufzunehmen. Ich werde es leider nicht mehr sehen können. Ich bin dann in Wien einige tausend Kilometer weg. Daniel, mein Nachfolger und Jose, ein Kollege von der WHO werden das Training weiter führen.

Ich habe sie gebeten B. Kamara als Teamleader zu behalten. Er ist gewissenhaft und gut.

Auch ich werde beten- seit langem wieder einmal- und hoffe, dass meinen Jungs bei ihrer schweren Arbeit nichts passiert- irgendwo in Kailahun wo Ebola zuhause ist.

The way to Brcko – Mission Blog

Endlich! Am Donnerstag (10.7.14) war es dann soweit! Die Gerätschaften, die wir selbst nach Bosnien bringen würden, waren alle eingetroffen und die notwendigen Papiere waren vorbereitet. Nach einem Abstecher über die Wirtschaftskammer (Ausstellung eine Carnets) und das Zollamt (Bearbeitung des Selben) konnte das Abenteuer beginnen. Gegen 17 Uhr tuckerte ich mit meiner Pritsche (Leihgabe des Landesverbands Niederösterreich) Richtung Steyr los um Wolfgang, meinen Kollegen und Chef für diesen Einsatz abzuholen (Ich bin sehr froh mit ihm auf diesem Einsatz unterwegs zu sein, da er jahrelange Erfahrung und Ruhe mitbring).

Randnotiz: Die Pritsche, die für etwa 14 Tage mein fahrbarer Untersatz geworden ist, ist ein absolut kultiges Gefährt. Sie dürfte heuer schon wählen und hat schon einige rostige Stellen, aber ich mag sie einfach.

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Die Reiseroute von Wien ins Bosnische Brcko

Von Steyr nach Bosnien

Gegen 20 Uhr machten wir uns auf den Weg über Graz, Slowenien, Kroatien nach Bosnien. Irgendwo in Kroatien, gegen 2 Uhr in der Früh, hatten wir keine Lust mehr weiter zu fahren und verwendeten die Ladefläche der Pritsche als improvisiertes Hotel (man schläft eigentlich ganz gut, abgesehen von anspringenden LKW-Motoren).

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On the road again …

Am Freitag ging es über einen Kurzbesuch beim Kroatischen Roten Kreuz in Zupanja (Grenzstadt) über die Grenze nach Bosnien.

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Eine Kurzbesuch beim Kroatischen Roten Kreuz in Zupanja (Grenzstadt)

Auf der Bosnischen Seite der Grenze liegt Orasje. Dort hat das Österreichische Bundesheer seinen Stützpunkt. Von dort aus hat es in den letzten 2 Monaten für die Bevölkerung Trinkwasser aufbereitet und auch mit der Überprüfung von Hausbrunnen begonnen.

Von Orasje fuhren wir nach Brcko um dort Kollegen vom lokalen Roten Kreuz zu treffen, mit denen wir nun zusammenarbeiten. In Brcko haben wir auch eine sehre nette Wohnung als Quartier gefunden. Nach dem zügigen Einzug haben wir uns nach Domaljevac aufgemacht um uns den Standort des Labors anzusehen und um das Material gleich sicher zu verwahren.

Irgendwann kurz vor 12 fiel ich auf meine Ausziehcouch und wickelte mich in meinen Schlafsack ein. So geht es mir seit her täglich.

Randnotiz: Wo sind wir eingentlich und was sollen wir dort machen? War wohl eine der ersten Fragen die ich mir gestellt hatte, nach dem ich die Liste fuer ein Trinkwasseranalyselabor zusammengestellt hatte.

Unser Einsatzgebiet

Das Einsatzgebiet umfasst den Canton Posavina und den Brcko District (moegen mir sprachlich begabtere verzeihen, dass ich diverse Sonderzeichen ausgelassen habe). Dieses Gebiet wurde zum Teil waehrend des Hochwassers von 2 Fluessen (Save und Bosna) geflutet.

Unser Einsatz ist eigentlich dreigeteilt. In Brcko und im Canton Posavina werden Trainer fuer Hygiene Promotion und zur Sanierung von Brunnen ausgebildet werden. Meine dezitierte Aufgabe ist es in Domaljevac (Canton Posavina) ein Trinkwasseranalyselabor aufzubauen. Mit diesem Labor werden wir die Wasserqualitaet von mehrheitlich Hausbrunnen (hier hat fast jedes Haus in einem Drof seinen eigenen Brunnen) untersuchen und auch die Brunnensanierung analytisch begleiten. Mehr dazu wird sicher noch spaeter folgen.

Pre-Mission Blog

02_BlogArtikel_the way to Brcko.docxAlles begann mit einem Anruf von Schorsch (Georg Ecker) und der Frage ob ich „zeitlich flexibel“ bin. Auf mein eher verhaltenes Ja (da ich das Wort Nein noch immer nicht über die Lippen bekomme und da dieses „Problem“ schon regelmäßig meinen Arbeitseinsatz auf Pfadfinderlager und Rot Kreuz Veranstaltungen sichergestellt hat, versuche ich mit der Zeit verhalten zu antworten) bat Schorsch mich das Material für einen Laboreinsatz in Bosnien und Herzegowina zuerst digital zusammen zu suchen.

Randnotiz: Laboreinsatz in Bosnien? Da ist doch die Katastrophe schon vorbei, oder? Stimmt (teilweise). Das Wasser ist zum größten Teil wieder dort wo es hin gehört (Flussbett) und viele Aufräumarbeiten sind schon weit fortgeschritten. In diesem Einsatz, zumindest in meinem Teil, geht es darum die Wasserqualität von Hausbrunnen (hier hat jedes Haus einen eigenen Brunnen) zu überprüfen, insbesondere von nicht überfluteten und sanierten Brunnen.

Da ich auf der Universität für Bodenkultur arbeite und noch dazu an einem Institut, an dem wir selbst unteranderem Wasser-/Abwasserproben und Reaktorinhalte von Biogasanlagen untersuchen und die dementsprechenden Laborkapazitäten besitzen, war für mich jeder Arbeitstag mit vielen „Ahh, das hab ich vergessen“ und „Ahh, das brauchen wir noch“ begleitet. Die Einkauf und Services Abteilung hat mich für regelmäßig wechselnde Beschaffungslisten geliebt. (Mein aufrichtiger Dank geht an die Mitarbeiter dieser Abteilung, insbesondere Flo Rupprecht, ohne den wohl kein Einsatz je Inzersdorf verlassen hätte.)

Nach dem die Beschaffungsliste finalisiert wurde (ich bin mir sicher, dass da trotzdem noch ein paar Kleinigkeiten fehlen), konnte die Bestellungen ausgelöst werden und es begann die Wartezeit bis zur Lieferung (einige Werktage, fühlen sich aber zum Teil an wie Jahre, wenn man auf Material wartet).

Mit der Zeit hatte sich auch herausgestellt, dass die auch mein erster Einsatz werden würde.

Das Labormaterial begann über mehrere Tage verteilt einzutrudeln und dementsprechend begann meine (Hilfs-)Tätigkeit als Logistiker. (Normalerweise werden diese Dinge vom Einkauf & Service selbst erledigt, nur lief gleichzeitig ein großer Einsatz im Süd-Sudan an, der einfach Vorrang hatte.)

Deshalb verzögerte sich die Abreise immer wieder um einen Tag nachhinten.

Dead Body Management

Was wie eine wissenschaftliche Definition klingt ist in Wirklichkeit eine sehr sensible, wichtige und nicht ungefährliche Aufgabe, die wir Ende kommender Woche angehen werden.

Alles in allem verstehen wir darunter Tätigkeiten, die neben dem Abtransport verstorbener Menschen, die Desinfektion des Leichnams und die Überwachung des Begräbnisses auf der einen Seite die Desinfektion des Hauses des Verstorbenen, aller Gegenstände und gegebenenfalls das Verbrennen einiger persönlicher Dinge auf der anderen Seite umfassen.

Die Mitarbeiter sind sehr gut ausgerüstet, muessen aber tgl. aufpassen, nicht selbst zu erkranken – eine kleine Unachtsamkeit kann genügen. An ihnen haftet das Stigma des Todes, selbst wenn sie selbst nicht krank bzw. ansteckend sind.

Wir muessen die Gefühle der Angehörigen respektieren und trotzdem auf die Sicherheit der Leute beim Begräbnis Acht geben.

Klingt jetzt kompliziert…ist es auch…

Dazu eine Geschichte, wie sie sich hier täglich zutragen kann…

Nun ein Vater/ Sohn/ Mutter/ Tochter,.. ist verstorben. Dies ist schlimm genug. Jeder sagt, dass es Ebola war. Jeder sagt, dass ich mit diesem Menschen im Haus gelebt habe. Bin ich auch krank? Hab ich es? Ich habe Angst. Menschen kommen. Die „Ambulanz“ kommt, um den Leichnam abzuholen. Sie tragen Ganzkörperanzüge, haben Masken und Brillen auf. Ich darf den Leichnam nicht berühren, mich verabschieden. Sie besprühen ihn mit Chlor, packen ihn in einen Sack und nehmen ihn mit. Wieder andere besprühen mein ganzes Haus, sagen mir, dass ich evt. auch krank sein könnte. Ich soll Menschenkontakt meiden. Alle Nachbarn, das Dorf wissen es. Sie meiden mich… es gibt also ohnehin keinen Kontakt.

Mein Geld wird nicht angenommen, ich bin ausgegrenzt. Irgendwer von den Nachbarn erbarmt sich, bringt mir Essen.

Die Leute, die den Verstorbenen abgeholt haben sagen, dass ich jetzt Besuch bekomme… jeden Tag… er oder sie wird mir Fragen stellen, wie es mir geht, ob ich erbreche, Durchfall habe, Schmerzen. Viele Menschen haben jetzt Schmerzen, Durchfall, Fieber…

Die Regenzeit und damit die Malariasaison haben begonnen. Hier hat jeder mal Durchfall…

Diesmal, so erklärt man mir, soll ich mich melden, wenn ich Beschwerden bekomme. Dann wird mir Blut abgenommen und ich komme sicherheitshalber ins Ebolacenter in Kailahun… wenn ich Glück habe und es Sprit gibt. Es gibt für den ganzen Distrikt Kailahun drei spezielle Ambulanzwaegen, wovon einer defekt ist. Über 500.000 Einwohner hat Kailahun, auf einer Grösse von ca. 60 x 60 km. Manchmal braucht es drei Tage bis sie Menschen holen. Eine Ambulanz ist in Wirklichkeit ein Geländewagen, in dem bis zu 10 Menschen Platz finden müssen. Potentielle Fälle und Erkrankte sitzen gemeinsam in dem Wagen.

Die Telefonnummer, die man anrufen soll ist eine Handynummer. Das Handynetz war drei Tage zusammengebrochen. Also selbst wenn ich gewollt hätte, ich hätte niemanden erreicht. Die Motorbiker, die hier quasi die Taxifahrer sind, weigern sich, mich mitzunehmen.

Der Leichnam soll beerdigt werden. Alles riecht nach Chlor. Das Team hat Schutzkleidung an, schaut, dass alles OK ist. Der Imam bzw. der Pastor sprechen Gebete. Ich habe keine Ahnung, wer in dem Sack liegt, der begraben wird. Ich hoffe, es ist mein Angehöriger. Alle meiden Koerperkontakt untereinander – speziell aber mit mir. Sollte ich in den kommenden drei Wochen keine Probleme bekommen, sei ich nicht erkrankt. Das habe ich auch meinen Nachbarn erzählt. Sie glauben mir nicht wirklich. Auch sie haben Angst. Woher unsere Familie das bekommen hat wissen wir nicht. Man hat uns gesagt, dass es eventuell von dem toten Affen war, den wir gefunden haben, der zubereitet worden ist. Die Zubereitung hätte schon gereicht.

Auch ein anderer Nachbar wurde abgeholt- vor einigen Tagen schon. Er war krank, gestern hat man uns gesagt, dass er gestorben ist. Er war noch lebendig, als er weggebracht worden ist. Ob „SIE“ das waren, die Leute mit den Masken, den Anzügen? Ich habe gehört, die Kranken bekommen Spritzen, evt. wird Ihnen das Virus injiziert, … oder sie brauchen Organe, die sie unseren Freunden entnehmen und den Rest begraben „SIE“ dann. Man sieht die Verstorbenen ja nicht mehr in diesen Säcken.

Was ich jetzt machen werde? Das Dorf hat gestern versucht den letzten Wagen vom Gesundheitsministerium zu vertreiben. Sie haben Angst, dass „SIE“ uns den Tod bringen.

Ich werde wohl versuchen in ein anderes Dorf zu gehen… so schnell wie möglich.. dort nimmt man mein Geld, man kennt mich nicht. Ich merke zwar, dass mich der Durchfall schwächt, aber ich glaube nicht an dieses Ebolazeug. Ich werde einfach ganz früh starten, damit mich niemand sieht.. Ich habe Angst- Angst vor dem was kommt, was alle über mich denken und vor den Menschen in den Anzügen, an denen der Tod haftet…..

Diesen Problemen stehen wir täglich gegenüber. Unsere Aufgabe ist es, einfühlsam die Menschen zu informieren, sie zu betreuen und vor allem der grossen Mehrheit der Menschen die Angst zu nehmen. Es gibt ein Krankenhaus, in dem geholfen wird, es gibt Chance auf Heilung. Je mehr Menschen Angst haben, umso eher gibt es Zwischenfälle, von denen das Rote Kreuz hier in Sierra Leone aber bisher verschont geblieben ist. Je mehr Menschen uns und unseren Botschaften vertrauen, umso mehr Menschen werden überleben. Flucht ist hier keine Lösung

Unsere Kolleginnen haben einen Slogan dafür gefunden:

„Spread the words not the disease“

Sensibilisierung oder der Imam und der Pastor im CAR

Sierra Leone ist anders, es ist arm, es hat Cholera, Dengue, Malaria und Ebola… und es hat Glauben an die Hoffnung.Treffen  mit allen Religionen

Letzten Dienstag kam es in Kailahun zu einem der wichtigsten Treffen der letzten Wochen. Ueber 50 Imame, Pastoren und Priester kamen zusammen, um uns- dem Roten Kreuz- zum Thema Ebola zu lauschen.

Man muss dazu sagen, dass Sierra Leone ein sehr interessantes Land im Hinblick auf Religion ist. Es gibt einen Sprecher (auch in Kailahun), der im Namen ALLER Religionsvertreter spricht. Es ist ein nettes Miteinander..

Das RK hat, da wir ja neutral sind, alle Gruppen eingeladen und es sind alle gekommen- so um 10 mehr als eingeladen. „Das Rote Kreuz sei die erste Organisation gewesen, die die spirituellen Oberhäupter kontaktiert habe“. Mit Information, Diskussion und Beantwortung aller Fragen dauert alles knapp 5 Stunden und alle Parteien verliessen das CAR Center mit dem Versprechen, die Informationen über die Krankheit in Moscheen und Kirchen zu verbreiten. Es wird auch gemeinsame Radioauftritte aller Religionen hier geben. Damit wurde eine der wichtigsten Quellen zur Informationsweitergabe angezapft. Aehnliche Veranstaltungen wurden auch mit einigen Frauengruppen- vermutlich DIE wichtigste Gruppe zur Verbreitung der Infos-, Polizisten und anderen NGOs abgehalten.

Der geneigte Leser fragt sich jetzt: Was ist CAR? Das steht fuer Children Advocacy and Rehabilitation Center, dass 150 ehemaligen Kindersoldaten und auch Kindern, die keine Chance hatten, in die Schule zu gehen- für jeweils 1 Jahr die Chance gibt, Lesen und Schreiben zu lernen, Nähen, Schreinern, Stofferzeugung,… Alles in allem eine tolle Einrichtung des lokalen Roten Kreuzes, dass von Nancy einer robusten aber sehr netten Dame geführt wird. Jeder Lehrer sei gleichzeitig auch Ansprechpartner fuer die Kinder und habe eine spezielle psychologische Ausbildung.

Aber zurück zu Ebola. Abgesehen von uns sind auch andere Partnerorganisationen hier vorort. Gerade wurde eine kleine Ebolaklinik eroeffnet, um den Patienten den über 2 Stunden dauernden Weg nach Kenema zu ersparen. Auf der anderen Seite werden von uns laufend neue Kollegen darin geschult eine überprüfung von Leuten, die mit Ebola in Kontakt waren durchzuführen. Die sogenannten „Tracer“ dokumentieren 21 Tage lang täglich, ob sich bei bei Familienmitgliedern von Erkrankten Symptome zeigen. Danach sollte keine Gefahr mehr bestehen. Ein Job, der an sich nicht wirklich Freude macht. Daher hat Ferdinand, unser Finnischer Kollege, der für psychologische Betreuung zuständig ist, beschlossen, dass wir versuchen werden auch mit meiner Hilfe eine Art Peersystem auf die Beine zu stellen. Das heisst: sollte bei den Tracern Redebedarf bestehen, werden Kollegen da sein, um ihn zu unterstützen. Dies ist ein System, dass beim Roten Kreuz schon seit Jahren sehr grossen Zuspruch hat.

Gestern hatten wir mit den Motorbikern eine Trainingseinheit am Markt. Das sind mehr oder weniger die Taxifahrer. Da wir vorwiegend die Kollegen vom lokalen Roten Kreuz lehren lassen wollen, versuchen wir uns im Hintergrund zu halten und bei Fragen da zu sein. Hat nicht wirklich mit Faulheit zu tun, sondern sie müssen auch weiter machen, wenn wir schon lange wieder im kühlen Norden sind. Nach 5 Minuten etwas abseits hatte ich in Nullkommanichts eine Konkurrenzveranstaltung am Laufen. Erst fragte der Security Mann, P1020409dann ein anderer und am Ende waren es 8-10 gesamt, die laufend mehr oder weniger wurden. Es war nett und die Leute hungern nach Information. Zeitungen sind nicht zielführend, da die Gruppe der Analphabeten bei 70 % liegt. Also Infos via Radio, Erzählungen und via Schulen.. Aber die sind leider geschlossen, weil Eltern Angst um ihre Kinder haben.

Aus meiner Sicht ist die Situation hier unter Kontrolle- wir sind weit weg von Normalität, aber auch sehr weit weg von Chaos oder Panik.

Ferdinand hat bei den Priestern und Co. von Hoffnung gesprochen. Das wollen Leute hoeren- nicht über Mortalität oder Letalität, sondern von den 17 die bisher überlebt haben und wieder heim durften… Deshalb heisst er hier nur noch Mr. Hope.. und es gibt sicher wenig schönere Namen hier in Kailahun. Also let us all be Mr. & Mrs. Hope.