Bangladesch, Rohingya und ein etwas anderer Einsatz

Seit Mitte August sind mehr als 500.000 Menschen vor Gewalt in Myanmar über die Grenze nach Bangladesch geflohen. Wie wir als Delegierte des Österreichischen Roten Kreuzes dabei helfen, den Menschen sauberes Wasser zur Verfügung zu stellen.

von Wilfried Hildenbrand

Als ich aus Wien den Anruf erhielt dachte ich noch: Da fährst du hin, holst eine Wasseraufbereitungsanlage für 40 000 Personen (M40) aus dem Lager und baust sie in Bangladesch auf. Schon bei den ersten Meetings stellte sich dann heraus, dass die Sache diesmal wohl ein wenig komplexer werden würde, und so bin ich am 27. September spätabends samt einer riesigen Kiste voller Laborequipment in Wien Schwechat gestartet.

Über Dubai erreichte ich Dhaka – die Hauptstadt von Bangladesch – am nächsten Abend. Es regnete stark. Wie fast schon üblich fehlte auch diesmal eine Kleinigkeit vom privaten Gepäck und schon beim Ausfüllen des üblichen Formulars fiel mir die extreme Hilfsbereitschaft der Bengalen auf, die bis heute allgegenwärtig ist. Leider war die Maschine in die Krisenregion, in die hügelige Gegend in der Provinz Cox´s Bazar, für den nächsten Tag bereits ausgebucht. Also musste ich einen Tag warten. Beim Einchecken am US Bengal Schalter die freudige Überraschung, dass meine 45 Kilo schweres  Übergepäck ohne Aufzahlung mitgenommen wurden. Ein „Ja“ auch auf die Frage des Personals, ob ich für die Rohingya komme, war genug.

Das Team, bestehend aus zwei Schweden, einem Italiener, einem Japaner und Anja Pfeifer-Maier aus der Steiermark (Anja ist unsere Labor-Lady und wartete schon sehnsüchtig auf das mitgebrachte Equipment), erwartete mich schon, um mich umgehend über alle Aktivitäten zu informieren. Mittlerweile verstärkt noch ein Australier unser Team, das zwar aus vielen Ländern kommt, aber bestens zusammenarbeitet.

Unser Einsatzgebiet sind zwar verschiedene Camps: Diese sind aber zusammengewachsen, sodass wir eigentlich von einem Camp mit verschiedenen Sektoren sprechen können. Das Managona Camp beherbergt rund 70 000 Flüchtlingen, das Hakim Para Camp 20 000 Flüchtlingen und das Burma Para Camp 16 000 Flüchtlinge. Da wir aber die einzigen sind, die ein schnell anwendbares System für den Fall eines sektoralen Choleraausbruches haben, ist es möglich, dass wir auch in anderen Teilen des Lagers zum Einsatz kommen.

Es ist beeindruckend, wie schnell die Flüchtlinge ihr Leben hier organisiert haben. Sie haben in die Hügel Plattformen gegraben, Hütten gebaut, und für jeden Block wurden offizielle Sprecher gewählt. Wenn wir kommen, können wir uns kaum der helfenden Hände erwehren, die sofort zur Stelle sind und uns interessiert und dankbar unterstützen, aber auch ihr vorhandenes Wissen einbringen. Normal installieren wir in der Nähe eines solchen Camps bei einem verschmutzten Süßwasser- führenden Fluss oder See eine Trinkwasseraufbereitungsanlage und bringen das Wasser mit Lastwagen in das Camp. Wir befinden uns aber in der Nähe des Meeres und bei Flut dringt Salzwasser in die Bäche und Flüsse, was eine Entnahme für uns unmöglich macht.

In diesem Gebiet gibt es nur eine Straße, die an einer Seite am Camp vorbeiführt und man muss zu Fuß über steile, ca. 20 Meter hohe Hügel hineinwandern. Da gerade Regenzeit ist, haben wir einen sehr hohen Wasserspiegel und es gibt eine Menge selbst installierter Handpumpen, die eiligst zwischen vier und 12 Meter tief geschlagen wurden. Diese sind durch die Latrinen allerdings fast zur Gänze mit E. Coli Bakterien hoch verseucht, wodurch die Durchfallerkrankungen ansteigen und ein Choleraausbruch befürchtet wird. Daher haben wir zwei unterschiedliche Systeme entwickelt.

Bei einem System wird direkt bei den Handpumpen eine Chlorlösung in die Gefäße der Flüchtlinge gegeben und beim anderen suchen wir Bohrlöcher, die genug Wasser für kleine Pumpen liefern um Tanks zu füllen, Chlor beizumischen und dann das Wasser abzugeben. Da in ein bis zwei Monaten durch das baldige Ende der Regenzeit diese Bohrlöcher austrocknen werden, arbeiten wir mit Hochdruck an einem Plan, Tiefenbohrungen durchzuführen und ein Verteilsystem zu installieren. Wir arbeiten sehr eng mit dem Bengalischen Roten Halbmond sowie den anderen ERU-Einheiten wie der MSM 20 (Spanier und Engländer) und dem Feldhospital (Norweger, Finnen und Alex ein alter Bekannter aus  Kroatien) zusammen.

Ein kleines Beispiel der extrem unterschiedlichen Herausforderungen, mit denen die Flüchtlinge es hier zu tun haben möchte ich noch anmerken: Da es hier noch wildlebende Elefanten gibt, und deren Wege direkt durch das Camp führen, gab es schon einige Attacken, bei denen Verletzte und vor meiner Ankunft sogar zwei Tote zu beklagen waren. Ich hoffe einen kleinen Einblick in diese für die Flüchtlinge so extreme Lage gegeben zu haben. Am 16. Oktober fliegen Marko Skodak und Gudrun Weidhofer nach Bangladesch, um mich und Anja abzulösen. Für das Rote Kreuz gibt es noch viel zu tun. Leider.

 

 

 

Just for fun

DAVOR

Schlafen, sagt man, wird überschätzt. In unserem Fall von Schlaf zu sprechen ist vermutlich ohnehin eine Übertreibung. Nach nur etwa 4 Stunden Schlaf, der immer wieder von Sirenen der Rettungswagen durchbrochen wurde, versuchten wir eine im besten Falle lauwarme Dusche zu nehmen. Unser Küchenteam war schon wieder höchst motiviert und hat den lebenswichtigen Kaffee und Tee bereits hergerichtet. Es gibt Wurst, Marmelade und Brot. Im komatösen Zustand versuchen wir gerade die völlig übermüdete Nachtschicht abzulösen. In den letzten 12 Stunden haben sie über 50 Patientinnen betreut. Dabei bekamen sie es mit Patienten mit Verdacht auf Masernausbruch genauso zu tun, wie zur Versorgung von Reanimierten oder frisch operierten Patienten.

Den Höhepunkt bildete eine Gruppe aggressiver junger Leute die immer wieder versuchten in das Ambulanzzelt einzudringen. Durch Beruhigung, Fürsprache, und warmen Tee konnten die jungen Schauspielerinnen beruhigt werden. Unser Support Team sorgte nicht nur für ausreichend Licht und Strom für die Handy Ladegeräte ( ein Dank auch an den FMD für das WIFI Netz), sie waren auch laufend um unser leibliches Wohl bemüht. Immer wieder wurde der Wassertank für die Duschen aufgefüllt. Kaum hatte die Frühschicht begonnen, gab es natürlich schon wieder einige Patienten, die immer wieder in Trauben mit Rettungswagen hergebracht worden sind. Zwischendurch kam es auch immer wieder zu sogenannten „no play“ Situationen, die zum Glück immer glimpflich ausgegangen sind.

Improvisierter Krankentransport

Unter „no play“ verstehen wir reale Zwischenfälle. Dann musste einmal ein Pflaster auf eine blutige Zehe geklebt werden, oder auch ein Holzspan aus einem Finger entfernt. Das größte Lob aber bekamen wir nicht von den Schiedsrichtern und Organisatoren dieser Übung, sondern von den Schauspielerinnen, die sich bei uns einfach gut aufgehoben gefühlt haben. Unsere tollen Kolleginnen haben nicht nur ihre spielerische Aufgabe bravourös gemeistert, sondern sich auch zwischendurch mit den jugendlichen Darstellerinnen unterhalten. Da wurde dann auch mal ein Müsliriegel oder eine Flasche Mineralwasser an unsere „Opfer“ weitergegeben. Ich denke, gerade diese Menschlichkeit ist es, die das Rote Kreuz und auch unsere tollen Mitarbeiterinnen ausmacht. Da es an Montag weit über 30° hatte, entschloss sich die Einsatzleitung, allen Kolleginnen ein Eis zu spendieren. Da fiel dann auch das eine oder andere Eis für eine intubierte 13-jährige Patientin ab, deren Augen darauf hin zu strahlen begannen.

Was ist die Faszination an diesem AMP-Modul? Es sind die Menschen, es ist das Team. Jeder und jede hat seine bzw. ihre Spezialität. Jede und jeder seine Sprache. Neben Ungarisch, wurde Vorarlbergerisch, Tirolerisch, Steirisch usw. gesprochen.  Sogar Wiener sollen sich unter den Mitarbeiterinnen befunden haben.

Zwei Patienten, die mit Schwefel kontaminiert wurden, werden wie selbstverständlich von einem Mitarbeiter in Schutzkleidung gereinigt. Eine zweite Kollegin deren Freund Feuerwehrmann ist, sucht in der Zwischenzeit die Datenblätter heraus, um die richtige Art der Reinigung zu finden. Selbst die Schauspieler sind erstaunt darüber, dass sie jetzt mit Laugenwasser abgewaschen werden. Diese Improvisationskunst ist es, die das Österreichische Rote Kreuz und speziell unsere AMP Einheit auszeichnet. Das ist es auch, was in den Köpfen der internationalen Beobachter gespeichert bleibt. Das, und dass wir für jeden Spaß und für jeden Blödsinn zu haben sind. Ich denke das es in so einer großen Einheit wichtig ist, neben der Professionalität jedes einzelnen und jeder einzelnen auch die nötige Portion Humor zu haben, um auch in Krisensituationen den Spaß an der Arbeit nicht zu verlieren.

Ohne diesen wäre es auch nicht möglich gewesen, die gefühlten 100.000 Zelte und das Material wieder einzupacken, übermüdet, schwitzend und top motiviert. Keiner unserer Mitarbeiterinnen hat sich verletzt.

Sogar die Chefs haben gearbeitet

Chiefs at work

Ohne Edi, unser logistisches Genie, der uns durch seine Koordination die Übung erst ermöglicht hat, ohne Christian und Andreas, unsere Tamagotchis, die diese Einheit aufgebaut haben, und ohne das ÖRK, das uns sehr unterstützt, wären diese und andere Übungen nicht möglich. Ein großer Dank geht auch an Aniko, Istvan und Zoltan, unsere ungarischen Kolleginnen. Sie waren eine echte Bereicherung für unser Team. Und am Ende geht der letzte Dank einerseits an Elena und Roman, die uns alle sicher ans Ziel und auch nach Hause gelotst haben und natürlich an KDB, Jörg und Wolfgang das Führungsteam.

Gerade sind die letzten- die Tiroler- nach Hause gekommen, nach über 3.200 km Fahrstrecke sind alle wieder bei ihren Lieben gelandet. Es ist ein gutes Gefühl (wenn auch nur im Spiel) Leben gerettet zu haben

DANACH

Keep on the spirit..

AMP goes FYROM

Starke Regenfälle, Überschwemmungen, Erdbeben mit Hauseinsturz, vermehrtes Auftreten von Durchfallerkrankungen und ein Großunfall mit 30, zum Teil sehr schwer, Verletzten.

Dies alles geschah fiktiv während wir das AMP Modul aufgebaut haben. …

FYR of Macedonia ist Gastgeber einer Übung der EUCP (European Union Civil Protection), bei der das Feldspital des Österreichischen Roten Kreuzes gemeinsam mit ähnlichen Einheiten aus Rumänien und Italien unter internationaler Beobachtung teilnimmt.

Diese noch junge Einheit des Roten Kreuzes besteht aus ÄrztInnen, PflegerInnen, SanitäterInnen und Fachpersonal aus vielen anderen Bereichen (Technik, Logistik, Verpflegsdienst,..) des Roten Kreuzes. Einmalig macht es aber erst der Umstand, dass aus vielen verschiedenen Landesverbänden MitarbeiterInnen zusammenarbeiten.

Die Anfahrt wurde sehr präzise geplant. Zollformalitäten, Klo- & Ess-Pausen, Grenzübertritte und die Eingliederung von drei ungarischen KollegInnen ins Team mussten koordiniert werden.

In Serbien wurde übernachtet, da beim Eintreffen am Einsatzort sofort mit dem Aufbau des Moduls, dass aus 12 Zelten, 3 Verbindungsmodulen und der Einrichtung besteht, begonnen werden sollte.

Aufgrund von Staus konnte erst etwas verspätet mit dem Aufbau begonnen werden. Während ein kleines Team bereits mit 5 Betten einsatzbereit war, beschäftigten sich alle anderen mit dem Aufbau des sogenannten Zeltsternes und dessen Einrichtung.

Auch wenn es bereits 20 Uhr war, ließen die ersten „PatientInnen“ nicht lange auf sich warten. Fünf Menschen, die aufgrund des Hochwassers, kontaminiertes Wasser getrunken hatten, wurden mit Medikamenten und Infusionen behandelt. Die erste Herausforderung neben dem Aufbau stellte die Säuberung des Zeltvorplatzes dar.

Währenddessen kam es zum Funkspruch: Schwerer Unfall mit mehreren Verletzten. Während die rumänischen KollegInnen mit einem Spezialtransporter zum Unfallort fuhren, stellten wir zwei Rettungswägen für die Erstversorgung ab. Die ersten Schätzungen beliefen sich auf etwa 30 Verletzte. Während die Rumänen speziell für Traumata ausgerüstet sind, ist die Spezialität der italienischen KollegInnen ein Operationssaal, in dem sie pro Tag bis zu 7 große Operationen durchführen können. Leider fehlt ihnen die Kapazität der Nachbetreuung. Hier konnten sich das Österreichische AMP gut einfügen. Da wir bis zu 4 beatmete PatientInnen betreuen können, arbeiteten wir Hand in Hand mit dem italienischen AMP zusammen.

Zusätzlich übernahmen wir die Betreuung von PatientInnen mit Schlaganfällen, Hirnblutungen, Asthamanfällen und konnten auch aufgrund der WASH (Water Sanitation and Hygiene) Erfahrung unsere Expertise bei Menschen mit Durchfall und potentiell ansteckenden Krankheiten einbringen. Aufgrund der Lage wurde kurzfristig die Kapazität von 18 Betten auf 30 erhöht. Hierbei handelte es sich um Betten in einem speziellen Zelt, um eine potentielle Ansteckung von anderen Patientinnen zu unterbinden. Dem (Schauspieler) Vertreter des mazedonischen Gesundheitsministeriums wurde dann auch ein Plan zur Seuchenbekämpfung vorgestellt und weitere Hilfe in diesem Bereich angeboten.

In der Zwischenzeit wurden alle Opfer des Unfalles versorgt. Hierbei galt es nicht nur die gespielten Verletzungen zu versorgen. Es musste auch auf das körperliche Wohl unserer zum Teil sehr jungen DarstellerInnen geachtet werden. Die Temperaturen waren nicht sehr hoch und so wurden alle Patienten nicht nur psychisch sehr gut betreut, sondern auch gut zugedeckt und mit Wasser oder Tee versorgt.

Zum Teil befanden sich die Darstellungen auch mehrere Stunden in unserer Obhut, was auch der Spielsituation geschuldet war. Ein Mangel an Abtransport-Fahrzeugen führte zu einem vollen Zelt. Vom Eintreffen am Samstag bis Sonntag-Abend wurden weit über 90 Personen versorgt. Die Versorgung geschieht unter fachkundiger und strenger Kontrolle durch internationale Beobachter aus Schweden, Dänemark und auch den Teilnehmerländern. Das RK Team konnte weder der Großunfall aus der Ruhe bringen, noch der Hauseinsturz mit 10 Opfern. Ein Patient wird mit einer Trage hereingeführt. Oben sitzt eine junge Ärztin und reanimiert ihn – Ein Ertrinkungsnotfall –  aber er wird überleben. Gleichzeitig wurde bereits eine Frau mit Herzinfarkt reanimiert. Selbst diese beiden simultan ablaufenden Ereignisse unter gleichzeitiger Befragung des Teams durch den Geist liefen ruhig ab. „Geist“ oder auch „Tamagotchi“ werden die offiziell nicht anwesenden Beobachter genannt, die uns beurteilen und auch Anregungen geben sollen. Da wird dann auch mal zwischendurch gefragt, wieviel Milligramm von welchem Medikament jetzt gegeben werden. Es wird die Diagnose hinterfragt oder auch der Ablauf von Behandlungen gelobt. Und wir versuchen sie immer brav zu füttern, da gefütterte Tamagotchis glückliche und damit nette Tamagotchis sind.

Eine Frau, im 3. Monat schwanger hat schwere Blutungen und muss weiter zu den Italienern für einen Ultraschall und evt. zu einer Curettage. Eine Gruppe von 5 Patienten kommt, sie haben getrunken… Übelkeit, Erbrechen…auf Nachfrage war es Whiskey. Später, nachdem sie sich nochmal in der Landessprache abgesprochen haben, war es dann doch Wasser, was die Übelkeit ausgelöst hatte. In der Zwischenzeit ein Schrei- vor dem Wartezelt spielt eine junge Dame einen epileptischen Anfall- sie spielt ihn gut. Sie wird versorgt und ein Unterzucker als Ursache festgestellt. Auch dieser jungen Dame geht es bald besser. Es fällt uns schwer, sie alle zum Teil mehrere Stunden im Zelt zu halten. Alle Schauspielerinnen dachten, sie wären nach 10 Minuten wieder draußen, aber da ein Herzinfarkt auch nicht nach 10 Minuten vorbei ist, mussten sie auf einen Transport warten oder darauf hoffen, dass die Trainer ein Einsehen mit ihnen hatten.

Bei all dem Chaos, dass auf die Teams einprasselt, ist der Teamspirit extrem hoch. Alle sind hoch motiviert und gut drauf. Das alles, das darf man nicht vergessen, sind Menschen, die ihre Freizeit und auch ihren Urlaub opfern, um nach 36 Stunden Anreise, kaum Schlaf während der Übung, Problemlösungen finden und nach 50 Stunden Übung wieder alles abbauen um den gleichen Weg wieder nach Hause zu fahren. Und alles, was wir hier machen, tun wir gratis- ehrenamtlich- und aus Liebe zum Menschen.

Kam Kam Waterplant Uganda

Da im jungen Staat Südsudan die Kämpfe zwischen zwei Volksgruppen (Präsident auf der einen und der Vizepräsident auf der anderen Seite) zugenommen haben, befinden sich über 1.5 Mio. Menschen aus dem Südsudan auf der Flucht.

Davon befinden sich laut UNHCR ca.700.000 Menschen in Uganda und täglich kommen 1.000 bis 1.200 neue Flüchtlinge. Uganda ist bestrebt die Flüchtlinge sehr gut aufzunehmen. So bekommt jede Familie ein Grundstück (50 x 50 Meter) zur Verfügung gestellt, auf dem sie ihre Hütten errichten können. Daher sehen diese Camps nicht so überfüllt aus und haben riesige Ausdehnungen. Um zum Beispiel das Rino Camp mit dem Auto zu umrunden benötigt man etwa 6 Std.

Da die Flüchtlinge oft nur mit dem ankommen, was sie am Leib tragen, und in diesem Gebiet keine oder nur ausgetrockneten Brunnen vorhanden sind braucht Uganda bei der Bewältigung dieser enormen Krise unsere Unterstützung.

Die Wasserentnahmestelle des Roten Kreuzes ist für die Flüchtlinge aus dem Südsudan wichtig.

In unserem Gebiet nahe Arua im Nordwesten Ugandas befinden sich drei Camps.

  1. Bidibidi mit über 300.000 Flüchtlingen
  2. Palorinya, das eigentlich für 65 000 Personen geplant war, hat bereits über 100.000 Flüchtlinge und
  3. Rhino Camp mit fast 100.000 Flüchtlingen, wobei die Zahl täglich grösser wird.

Wir, die ERU M40, bestehend aus schwedischen, deutschen und österreichischen Rotkreuz Wasser- Sanitär und Hygieneexperten leisten mit zirka 750.000 Liter sauberem Wasser pro Tag, das aus dem Weißen Nil entnommen und gereinigt wird, einen bescheidenen aber sehr wichtigen Beitrag.

Die Wasseraufbereitungsanlagen des Roten Kreuzes in Uganda sichern das Überleben.

Wir könnten unsere Produktion auf circa 1 Million Liter pro Tag steigern. Derzeit stehen aber nicht genug Tanker (LKW mit 10.000 bis 30.000 Liter Kapazität) die von verschiedenen Organisationen wie UNHCR, DRC zur Verfügung.

Zusätzlich versuchen wir die beiden Anlagen Enjau und Obongi, die das Ugandische Rote Kreuz betreibt, mit unserem Know How und auch materiell zu unterstützen. Unsere Hygienebeauftragten sind mit der Ausbildung von lokalen Hygiene Promotern (Diese machen Hygieneschulungen) beschäftigt.

Wir sind schon ein wenig stolz hier auch bei anderen Organisationen als Vorzeigeanlage mit den natürlich besten und strengsten Qualitaetstandards zu gelten. Dementsprechend vergeht kein Tag ohne Besucher.

Die Schulung unserer nationalen Rotkreuzkollegen, die nach dem Rückzug der internationalen Delegierten die Anlage selbstständig betreiben werden, ist in vollem Gang und so haben wir uns entschlossen, bereits zum zweiten Mal ein einwöchiges Training für Personal anderer Waterplants anzubieten.

Als Freizeitbeschäftigung (soweit man von Freizeit sprechen kann) haben wir eine Laufgruppe gegründet, die von der lokalen Bevölkerung und vor allem den Kindern mit wahrer Begeisterung aufgenommen und unterstützt wird.

Unsere Laufgruppe begeistert die Kinder

Ich hoffe, allen Lesern mit diesen paar Zeilen und ein paar Fotos diese in Europa unfassbarer Weise vergessene Fluechtlingsbewegung etwas näher gebracht zu haben.

Euer Wilfried Hildenbrand WatSan Delegate OERK

Alle Informationen zur Rotkreuz-Hilfe in Afrika auf www.roteskreuz.at.  Ihre Spende hilft direkt vor Ort.

Einfach so…

„Wir bemühen uns hier um jeden Menschen, alle sind voll konzentriert, retten Menschen aus untergehenden Schiffen, reanimieren auf einem Schlauchboot, uebergeben den Patienten uns. Nach 25 Minuten geben wir auf der Responder auf. Wir müssen uns um andere kümmern, die 33,7 Grad haben, sonst haben wir bald mehr Tote.
In den Medien, den Wahlkämpfen dieser Welt und der Politik wird das als Kollateralschaden in die Annalen eingehen. Einer, zwei oder drei mehr, die gestorben sind. Dann kommen vermutlich weniger zu uns. Wir machen keine Unterschiede, weder in Herkunft, Geschlecht, Religion, Hautfarbe oder sexueller Orientierung. Für uns ist das der Patient, den wir nicht retten konnten… ist das die Mutter dreier Kinder, die nur noch tot aus dem Schlauchboot geborgen werden konnte. Wir sind die, die den Kindern, älteste Tochter ist Teenager, jüngstes Kind ein kleines Baby erklären müssen, dass die Mutter nicht mehr wieder kommt. Alleine gestrandet in der EU.
Das ist es also was Europa aus macht. Herzlosigkeit und nackte Zahlen….
We move on…
Aus Liebe zum Menschen und großem Respekt vor dem Leben“

So lautete mein letzter Facebook Eintrag. „Klingt etwas zornig“ dokumentierte meine Kollegin.

Der Post entstand, nachdem unsere Kollegen gemeinsam mit einem Spanischen Marineschiff die Menschen eines gekenterten Dingi gerettet haben. Unter anderem wurde uns aus einem Schlauchboot ein Mann uebergeben, der bereits am kleinen Boot 15 Minuten wiederbelebt worden war.

Eine Reanimation ist im Leben eines Arztes kein Höhepunkt, nichts was man täglich hat, aber auch nichts, was einem Angst macht. An Bord der Responder wurde es etwas besonderes. Ich schnappte mir den Defibrillator, Sauerstoff und Beatmungsbeutel und wartete. Die Notfall Medikamente holten wir dann noch extra, da diese nicht in der Notfalltasche waren. Diese befinden sich im Kühlschrank im Aufenthaltsraum ein Deck höher. Kein Mensch da, der sie holen könnte… Also rauf gerannt, Adrenalin geholt,….

Wer einmal gesehen hat, wie jemand auf einem Gummiboot wiederbelebt wird, vergisst das nicht. Es ist unwirklich.. surreal. Danach wird er aufs Schiff gebracht und keinen Meter neben dem Einstieg geht es los. Laufend kommen Menschen rein , drängen sich an uns vorbei, wollen ins sichere Schiff. Wir sind zu zweit, Eleonore, die Schwester und ich. Gleichzeitig den Notfall Ablauf durch gehen und Medikamente aufziehen und verabreichen schaffen wir nicht. Unser Fotograf fragt, ob er helfen soll. Keine fünf Sekunden später kniet er über dem jungen Mann und pumpt was geht. 30 Herzdruckmassagen…. Pause… weiter. In der Pause fotografiert er uns. Es stört in dem Moment nicht, ist genauso surreal, wie die gesamte Situation. Ich sehe danach ein paar der Bilder. Man kann den Patienten nicht identifizieren.. Damit ist es für mich OK. Adrenalin, Stromstoß, Pumpen… Nach 25 Minuten geben wir auf. Es ist nur ein Leben….

Wenn wir hier weiter machen, werden evt. noch andere sterben. Viele sind nass und unterkühlt. Eine junge Frau sieht uns nicht an, taumelt, hält sich die Ohren zu. Sie kommt mir nicht ganz koscher vor. Ich nehme sie mit in die Klinik. Blutdruck nicht messbar, Temperatur 33,7 Grad. Der kann man oft nicht trauen, ungenau. Blutzucker 35mg/dl. Ah.. daher kommt diese Störung. Zuckerinfusion angehängt. Wärmepackungen an verschiedenen Stellen des Körpers positioniert. Sie ist traumatisiert, unterzuckert und unterkühlt. Die nächsten 4 Stunden ist sie nicht ansprechbar. Ich entschließe mich zur Evakuierung. Die ist nicht so einfach, dauert sie doch weitere drei Stunden, bis das Schnellboot der Küstenwache mit Arzt vorbei kommt. Inder Zwischenzeit kommt Noah. Er hat viel Meerwasser geschluckt, hat auch unter 34 Grad, die jedoch wie auch bei der ersten Patienten realistisch erscheinen. Er bekommt eine Information und Wärmepackungen. Zwischendrin immer wieder nach draußen gehen um systematisch nach neuen Patienten zu screenen.

Rückblick… vorgestern meinte ich: Heute Abend gibt es sicher Arbeit.. jeder wusste, dass es als „Scherz“ gemeint war, jeder wusste aber auch, dass es durchaus ernst gemeint war. Also nicht zu spät ins Bett gehen. Es wurde dann halb 10 und etwa 2 min nachdem ich mich ins Bett gekuschelt hatte, kam der Funkspruch, der uns ermahnte, uns einsatzbereit zu machen. 3 Boote wurden evakuiert, 101 Personen. Danach Versorgung mit Wasser und Decken. Dann kam der Chef von MOAS und meinte, etwas Großes käme auf uns zu. Eine Art Fischerboot, auf dem Normalerweise bis zu 600 Menschen ihr Glück versuchten. Darunter oft viele Tote, die in der unteren Etage des Bootes waren, ausgesetzt den Dämpfen des Benzins, dem Meerwasser, den Exkrementen und dem Erbrochenen und dem Kohlendioxid der anderen Menschen.

2 andere Schiffe kamen uns zur Hilfe- die Minden und die Vos Hestia. Alleine hatten wir es sonst nicht geschafft. Die Info über das Schiff ließ unsere sonst sehr ruhigen MOAS Kollegen etwas unruhig werden. Viele Bergungen viele Tote.

Im Laufe der Rettungsaktion stellte sich heraus, dass wir keine Menschen bekommen werden und die Vos Hestia die etwa 480 Personen übernehmen werde. Daher kam ich zu 1 ½ Stunden Schlaf. Dann begann meine Schicht. Dann passierte, was niemand mag, wir kamen mit Highspeed zu dem kenternten Dingi. Die Spanier waren bereits da und halfen…

In weiterer Folge erholte sich unsere Patientin wieder, aber der junge Mann rutschte ins Lungenoedem. Sprich das Salzwasser, dass er schluckte, kam auch zum Teil in die Lunge. Er klagte plötzlich über Atemnot, man konnte dann Wasser in der Lunge hören. Kortison und Antibiotika sollten das gröbste abfedern. Sauerstoff sollte ihm Besserung verschaffen. Ohne die Evakuierung wäre vermutlich auch dieser gestorben. Ich hoffe das beste für ihn, da noch nicht sicher ist, dass er überleben wird. Die Responder tat ihr möglichstes.

Die drei Kinder, die im Post erwähnt wurden, sind bei uns am Schiff. Scheinbar haben einige Menschen gesehen, wie die Mutter unter gegangen war. Damit wurden die drei zu Waisen. Alleine auf einem Schiff fahren sie jetzt Italien entgegen. Ich persönlich fühle mich nicht schuldig, aber der Politik ist das ganze nur ein paar Zahlen wert. Keine Ahnung, ob die Mädels als „unbegleitete Minderjährige“ beziffert werden, ob sie Asyl erhalten, wie es überhaupt weiter geht? Und doch bin auch ich Schuld.. ich bin Teil des Systems, das sich EU nennt und das weiterhin erfolgreich weg sieht, wenn es um das Sterben im Mittelmeer gibt. Was man nicht sieht, ist auch gar nicht da.

Zu Tode ignoriert ist auch eine Alternative.

Unser Toter hat übrigens keinen Namen. Er hatte nur eine Unterhose und ein Shirt an. Niemand kannte ihn. Er war Afrikaner- von wo auch immer. Keiner wird erfahren, warum er auf der Flucht war, ob er Familie hatte? Ziele? Träume? Ein anonymer Toter, einer von über 4.000 heuer. Wir lesen darüber in der Zeitung, in Blogs, sehen es im Fernsehen. Es liegt aber an uns das zu ändern. Nicht jede(r) muss hier runter fahren. Ich bitte Euch nur, macht was.

Aus Liebe zum Menschen und aus großem Respekt vorm Leben

Sonntag 4:27 Uhr

Sonntag 4:27….

Attention to all stations: boat ahead proceed to your station. There will be a rescue..

Es wurde also nichts mit dem Ausschlafen. Tagwache wäre eigentlich um 4:50 gewesen. Aber wer braucht schon Schlaf. Diese Nacht, bereits die vierte am Schiff, konnte ich kaum schlafen. Bis zwei Uhr wälzte ich mich im Bett hin und her, wobei nicht die Wellen Schuld waren. Es würde den ersten Kontakt geben…..

Innerhalb von 10 Minuten waren wir angezogen, ich hatte mir noch im Vorbeigehen eine Packung Mannerschnitten und zwei Wasserflaschen geschnappt und mit Rettungsweste, Overall und Helm bewaffnet standen wir an Deck. MOAS, die Hilfsorganisation, die die Rettungen durchführt, war gerade dabei, die Ghalwp_20161113_13_26_32_proib, unser kleines Schiff, ins Wasser zu lassen. Ein Holzschiff mit 28 Personen trieb am Wasser. Zwei Mal musste die Ghalib hin fahren, um alle Menschen an Bord der „Responder“ zu bringen. Keiner von uns hatte es ausgesprochen, aber später waren wir einhellig dankbar dafür, dass das erste Boot so wenige Menschen beherbergte. Wir waren das Schema einige Male „trocken“ durchgegangen, aber bei der geringen Zahl konnten wir uns leichter an alles gewöhnen.

Die Geretteten kommen an Deck, müssen zuerst ihre Rettungswesten abgeben, danach kommt Eddie ins Spiel. Er ist für die Durchsuchung der Gäste zuständig. Es spielt sich in etwa wie bei einem Fußballspiel am Eingang ab: Arme ausstrecken, Hose und Shirt- mehr haben sie, wenn überhaupt, nicht an-  nach gefährlichen Gegenständen durchsucht, danach weiter zu Abdel oder Eleonore, meinen Rotkreuz- KollegInnen ein Armband abholen. Das sind in Wirklichkeit Haargummis einer Farbe „Bracelets“, um die Menschen zu den Schiffen zuzuordnen. Alle Menschen einer Rettungsaktion haben die Armbänder in gleicher Farbe.

Am Ende steht Johanna und lässt die Menschen in Reihen zu 10 Personen hin setzen. Thorir, mein Kollege ist für die Zählung und die Fotos zuständig. Wir benötigen exakte Zahlen, daher steht er beim Eingang und zählt durch. Am Ende werden alle nochmals gezählt. 28 Menschen.

Menschen frieren, sind durchnässt

Sie frieren, diese hier haben zumindest Hosen und Shirts, manche Pullover. Das sollte sich aber heute noch ändern. Nachdem alles passt, bekommen sie Rettungsdecken, wie man sie aus dem Auto- Erste-Hilfe-Kasten kennt. Danach kommt die medizinische Untersuchung, die sehr grob durchgeführt wird. Wir messen die Temperatur, schauen, ob die Menschen dehydriert sind, Blutarmut haben, schauen auf die Hände, um evt. Verätzungen zu finden oder Skabies. Das sind niedliche Tierchen, die sich unter der Haut einnisten und fürchterlichen Juckreiz verursachen.

Das ganze dauert etwa 15 Sekunden: Temperatur messen, wobei das Thermometer aufgrund der Unterkühlung der meisten eh nur „LO“ anzeigt,  Zunge raus Strecken, in die Augen sehen, Finger und Unterarme zeigen lassen und THANK YOU sagen. Höflichkeit ist mir sehr wichtig. Wir sind keine Zoowärter, die ihre Tiere füttern. Jeder Mensch ist zuallererst MENSCH. Ein Mann fragt mich, wie ich heiße? Michael.. und wie ist der Name des Schiffes? Responder. God bless you, Michael- Gott schütze Dich…wp_20161113_12_59_09_pro

Ich kann nur danke sagen und mich umdrehen. Mehr schaffe ich nicht..

einfach weitermachen und konzentrieren.

Es gibt noch genug Arbeit. Nach knapp 90 Minuten ist der Spuk auch schon wieder vorbei. Die Gäste sitzen auf den Paletten, die sie vor Nässe an Deck bei hohem Seegang schützen sollen. Alle haben Decken, Wasser und Kekse. Es gab keine medizinischen Fälle. Eleonora hat Dienst bis acht. Dann beginnt meine Schicht. Also ab ins Bett. Das wichtigste hier am Schiff: Essen und schlafen so oft es geht. Jede Minute nutzen, da man nie weiß, wann der nächste Einsatz kommt.

7:05.. der nächste Funkspruch. Wie lange habe ich geschlafen? Knapp 57 Minuten. „Immerhin“ denke ich mir und mach mich wieder bereit. Helm, Overall, Schuhe, Schwimmweste. Ich habe mich diesmal für meine Shorts entschieden. Die sind bequemer unter dem Overall und man schwitzt weniger.

Ein kleines Gummiboot, etwa 8m lang und 4m breit ist neben uns. Zu Beginn denke ich an 30-40 Personen. Am Rand, auf den Gummiwülsten sitzen Menschen, Ein Bein im Meer. Ich sollte mich soetwas von irren- mein MOAS Kollege lacht mich etwas aus…

Zu Beginn werden an alle Menschen Rettungswesten verteilt und sie aufgefordert ruhig zu bleiben. Immer wieder fährt die Ghalib hin und her, bringt ein ums andere Mal wp_20161113_13_26_43_proMenschen, Jugendliche Frauen und Männer zu uns. Es sollen etwa 120 werden. Je leerer das Rettungsboot wird, umso ruhiger werden auch die verbleibenden Menschen an Bord. Peter springt ins Gummiboot um zu beruhigen laut  gibt er seine Anweisungen. Seil fangen, halten, einer nach dem anderen…Dieses mal klappt das Zusammenspiel auch bei uns schon etwas besser. Wir haben ja noch soo viel Zeit zu üben. Während der Bergung bekommen wir die Info, dass 4km westlich von uns das nächste Boot gesichtet wurde.

Männer steigen aus, humpeln und beklagen ihre massiven Beinschmerzen. Drei andere haben auf ihrem Bein gesessen. Kein Wunder, so dicht wie das am Boot war. Aber es sind keine ernsten Verletzungen.

Auch unsere MOAS Freunde haben immer wieder Angst, dass sie Tote finden. Natürlich gehören sie „zum Geschäft“, aber man gewöhnt sich nie ganz dran.

Die Menschen hier im 2. und 3. sind leicht bekleidet, manchmal nur in Unterwäsche. Abdel sucht nach Kleidung, schaut drauf, dass jeder zumindest ein Oberteil und eine Hose oder ähnliches hat. Die ersten Frauen kommen an Bord.

Plötzlich ein Hilferuf von einem MOAS Kollegen: eine Frau stolpert beim Einsteigen, droht ins Wasser zu stürzen- er kann sie nicht alleine halten. Drei Kollegen stürzen hin und ziehen und schieben sie ins Schiff. Glück gehabt. Die Frau steht noch etwas unter Schock, setzt sich aber dann hin und atmet erst einmal durch. Das hätte schief gehen können. Zum Glück stehen immer zwei Rettungsschwimmer inkl. Neopren-Anzug bereit. Die Gefahr ist aber, dass jemand der ins Wasser fällt, zwischen die Schiffe kommt und zerdrückt wird.

Meine Hauptaufgabe ganz zu Beginn ist einerseits den Menschen zu helfen, die Rettungsweste abzunehmen und , viel wichtiger, ganz kurz auf jeden Neuankömmling zu schauen, ob er oder sie potentiell schwer verletzt ist oder in Lebensgefahr ist. Das können jetzt Wunden sein, die angesprochenen Verätzungen oder einfach die massive Unterkühlung.

Menschen freuen sich, dass sie am Schiff sind…. Manchmal hört man ein nicht böse gemeintes „Shut up please“, wenn es zu laut wird. Gefolgt von: We want to rescue your friends“- wir wollen auch eure Freunde retten. Erst als alle an Bord sind entspannen sich auch unsere MOAS Kollegen. Jetzt können sie durchatmen und die Arbeit des Roten Kreuzes wird interessant. Als unsere Gäste realisieren, dass sie alle in Sicherheit sind, brandet spontan Jubel auf. Menschen applaudieren, fallen einander um den Hals. Ich weiss nicht, ob ich lachen oder weinen soll, entschließe mich aber mich auf meine Arbeit zu konzentrieren. Die Gänsehaut werde ich aber nicht so schnell los.

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Unsere „Prinzessin“

Abdel schnappt sich unseren neuen Gast und verschwindet mit ihm im Bauch des Schiffes. Ein etwa 1,5 jähriges Mädchen avanciert zum Liebling. Sie weint, ist durchnässt. Als ich nach ein paar Minuten in meine Ambulanz gehe, sehe ich Abdel mit dem Mädchen. Es hat neue Kleidung, etwas zum spielen und strahlt.  „Tres Jolie“ sage ich nur- sehr hübsch. Ich habe keine Ahnung, ob die kleine Französisch spricht oder Englisch. Abdel spricht mit ihr auf Englisch. Ich muss natürlich ein Foto von den beiden machen. Danach kommt sie wieder zu ihrer Mutter.

In Summe gibt es auch für mich etwas zu tun. Johanna, war in der Zwischenzeit nicht untätig und hat bereits eine Wunde am Fuß einer aelteren Frau versorgt. Sie war frisch und wir überlegen zu nähen, lassen es aber bleiben. Eine zweite Frau bekommt Schmerzmittel. Eine Schusswunde, die sie vor zwei Monaten am Unterschenkel hatte, schien infiziert zu sein, aber geschlossen. Ich entschließe mich zu einem Antibiotikum.

Die dritte dürfte einen Mittelfußknochen gebrochen haben und einige Damen haben Verätzungen am Gesäß vom Sprit. Bei dunkler Haut sind viele Dinge für uns Mitteleuropaer schwerer zu sehen. Aber die Hautverfärbungen, die sie nicht nur am Gesäß hat, sind eindeutig.

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Die PHOENIX

Keine gröberen Erkrankungen, keine Toten. Alles in allem ein gutes Gefühl. Am frühen Nachmittag bekamen wir dann die Phönix zu sehen. Dies ist unser Schwesternschiff, die gerade auf dem Weg nach Italien ist. Sie nahmen unsere Gäste zu sich und werden sie nach Italien bringen. Ich lernte meinen Kollegen vom italienischen Roten Kreuz kennen. Wir machten eine Übergabe der Patientinnen. Er erzählte mir von Patienten, die in ihrer Heimat mit Zigaretten gepeinigt worden waren. Einer hätte noch die Abdrücke von einem Hammer, mit denen er malträtiert worden war. Der italienische Arzt war am Ende seiner Reise auf See, meinte aber das es eine einzigartige Erfahrung auch für ihn war.

Wir cruisen hier weiter und warten auf andere Menschen 317 konnten wir retten. Mir ist eal woher sie kommen, dass zählt zu unseren Grundsätzen- ich will, dass sie leben.

Ich wurde heute, wie schon so oft bei Interviews gefragt, ob nicht auch wir Schuld daran sind, dass so viele Menschen kommen- in dem Wissen, dass wir sie sowieso retten. Wenn man mit den Kollegen spricht, einer macht das seit fast 12 Monaten durchgehend, so sind alle der gleichen Auffassung:

Wenn Menschen sich dieses Wagnis antun, dann steckt sehr viel Verzweiflung dahinter. Sie werden es versuchen, auch wenn wir ab Dezember nicht mehr da sein werden. Sie haben Hoffnung, Hoffnung, das Festland zu erreichen.

Aber was macht das schon, sterben halt ein paar Hundert , ein paar Tausend Menschen mehr…. Das erscheint in den letzten Monaten zunehmend die Meinung vieler „Menschen“ zu sein. Ich glaube aber immer noch an das Gute im Menschen, auch, wenn das Wort Gutmensch für manche zum Schimpfwort geworden ist.

Ich werde hier die nächsten zwei Wochen weiter versuchen, dieses Sterben zumindest zu vermindern..

Aus Liebe zum Menschen und großem Respekt vor dem Leben…

Leinen los..

  wp_20161110_16_19_34_proEin drittes und letztes Mal geht es heuer ans internationale Helfen. Immer wieder ist es ein schönes und doch auch komische Gefühl wegzugehen. Der letzte Einsatz hat es in sich.

Die Responder

Die „Responder“ ist ein Schiff, dass seit einigen Monaten im Mittelmeer seinen Dienst versieht. Ziel ist es, in Seenot geratene Menschen vor dem sicheren Tod zu retten. Offiziell kann es bis zu 350 Menschen transportieren. Der letzte Hafen wurde mit etwa 700 angelaufen. Das wären 700 Menschen, von denen man nie wieder etwas gehört hätte, die einfach gestorben wären. Gesamt wurden seit Ende Juli über 5.000 Menschen vor dem sicheren Tod gerettet.

„Meine Verordnungen werde ich treffen zu Nutz und Frommen der Kranken, nach bestem Vermögen und Urteil; ich werde sie bewahren vor Schaden und willkürlichem Unrecht.“ So schrieb schon Hippokrates. Daher war es selbstverständlich, dass ich auf Anfrage des Roten Kreuzes gerne dieses Schiff bestiegen habe.

Malta

Am Sonntag Nachmittag war es soweit. Zwei Stunden Flug sind sehr ungewöhnlich fuer einen Einsatz. Haiti, Indonesien oder Sierra Leone waren dann doch weiter entfernt. Sogar nach Idomeni betrug die Fahrzeit damals mit PKW knapp 10 Stunden.

Am Montag wurden dann die ersten Briefings durchgeführt. An sich war geplant, am Montag Abend bereits die Responder zu besteigen, um wieder abzufahren. Da diese aber gerade auf dem Weg nach Brindisi war, verzögerte sich die Ankunft um 2 Tage.

Diese nutzten wir, um uns im Team untereinander vertraut zu machen. Eleonore, eine schwedische Krankenschwester, Johanna, eine isländische und Thorir ein Kollege aus Island komplettieren mit Abdel, unserem italienischen Teamleader unser Team.

wp_20161111_15_01_31_proGemeinsam mit MOAS, einer Organisation, die bei uns an Bord für die eigentliche Seerettung verantwortlich ist, werden wir das Schiff schon schaukeln.

Kim, die letzte Ärztin am Schiff, berichtete von ihren Erlebnissen, den beiden Freunden seit Kindertagen, die irgendwo aus Zentral-Afrika flüchteten, von Menschenhändlern gefangen wurden, nach zwei Jahren auch von diesen flüchten konnten und durch die Responder gerettet worden waren. Am Schiff erlitt einer der beiden einen epileptischen Anfall. Da unklar war, warum dieser aufgetreten war, wurde beschlossen, ihn zu evakuieren. Obwohl Kim, nachdem sie die Lage der beiden Freunde erklärt hatte, zugesichert worden war, dass die beiden gemeinsam evakuiert werden könnten, wurden sie getrennt. Einer sitzt nun auf Malta fest, der andere in ItalienSehr emotional erzählte sie, dass sie sich vorgenommen hatte, auf dieser Mission nicht zu weinen. Aber da konnte auch sie nicht mehr anders…

Gefahr durch Chemikalien

Peter, ein britischer MOAS Kollege erzählte, wie die Schiffe von Lybien starten, man den Menschen erzählte, dass es zur Küste etwa 100 Meilen wäre. In Wirklichkeit sind es 300 Meilen. Ein Schiff kommt aber keine 100. Der Sprit wird mit Chemikalien versetzt, um die Oktanzahl und damit die Verbrennungsleistung zu erhöhen. Viele Menschen erleiden Vergiftungen  und sterben aufgrund der Dämpfe. Ihn selbst habe es bei einer Rettung auch erwischt. Er wisse noch, dass er 3 Menschen aufs Boot geholfen habe, dann sei alles schwarz geworden….

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MIt diesen beiden Booten werden Schiffbruechige gerettet

Während wir Gäste an Bord haben, müssen wir an Deck IMMER feste Schuhe, eine Schwimmweste und einen Helm tragen. Dies hat Peter auch das Leben gerettet. Menschen haben oft Verätzungen an Armen, Beinen und am Gesäß, weil sie im Sprit sitzen…Ein Mann hatte Verbrennungen von 50% der Hautoberfläche…

Mit diesen Hintergrundinformationen ging es heute auf hoher See zum 1. Training. Der Ablauf einer Bergung wurde durchgegangen. Rettungsringe, aufblasbare Gegenstände, an denen sich Menschen anhalten können, gezeigt. Die Notfallsignale wurden durchgegangen. Es gibt viele Regeln und Verbote- jede und jedes zu unserem Wohl. Keine Messer mit einer Klinge, die länger als 6cm ist sind erlaubt, Macheten und ähnliches sowieso nicht. Rauchen für das Personal nur an wenigen Stellen, für Flüchtlinge nicht erlaubt. Auch hier geht es wieder darum, dass evt. Menschen in Kleidung mit Chemikalien herum laufen. Diese könnte Feuer fangen.

Jean, der Vizekapitän und MOAS Chef am Schiff meinte, er habe vor wenigem Angst, aber vor Feuer an Bord hatte jeder Seemann Angst.

Weniger Ausstattung als ein Notarztwagen

Unser bzw. mein Reich ist der Sanitätsraum. Ein Raum mit einem Krankenbett, Medikamenten und den wichtigsten Dingen. Die Ausstattung ist weit entfernt von einem durchschnittlichen Notarztwagen in Österreich. Die Medikamente gegen Schmerzen, viele gegen Übelkeit, Antibiotika, Notfallmedikamente, wie Adrenalin oder Insulin sind sehr begrenzt. Einen Defi, wie im normalen Rettungswagen, zwei Sauerstoffflaschen etwas zum Intubieren, was zum Nähen. Viel mehr ist da nicht.

Wie haben diskutiert, ob und in welchem Ausmaß wir Menschen wiederbeleben. Natürlich will man das, wir sind aber nicht darauf ausgelegt, einen Menschen wie auf einer Intensivstation am leben zu halten. Die Entscheidung, wann wir aufhören obliegt mir. Ich hoffe, ich muss sie in diesem Einsatz nicht treffen, werde aber auch nicht zögern das zu tun, was ich für richtig halte..

Ich freue mich, dass ich zwei sehr erfahrene Krankenschwestern an meiner Seite habe. Mit ihnen wird alles leichter werden.

Heute Abend werden wir noch eine Übung haben, danach werden wir die Plastikpaletten an Deck verteilen. Wenn die See unruhig ist, schwappt oft Wasser an Deck. Wir wollen aber nicht, dass die Menschen im Nassen sitzen, daher kann das Wasser unter den Paletten entlang laufen und die Menschen sind geschützter.

Sobald wir Menschen am Schiff haben, werden sie mit Rettungsdecken gegen Wärmeverlust, Wasser und Keksen versorgt. Es gibt dreimal täglich Kekse, eintönig, aber innerhalb von max. 48 Stunden haben sie Festen Boden unter den Füßen. Für Babies haben wir ein paar Gläser Babynahrung.

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seit 2007 immer dabei: JAMES

Morgen Früh werde wir das Einsatzgebiet erreicht haben. Dann wird uns vermutlich auch die erste Bergung haben- meistens so gegen 5 oder 6 Uhr morgens.

Es ist, wie immer, eine Mischung auf Vorfreude und Knödel im Magen… Aktion Menschen retten. Ich werde noch weitere Blogs schreiben zu finden unter reiseimpfungen-wien.at und auch hier beim Roten Kreuz

Immerhin ist die See dzt ruhig und mein Magen freut sich. Sogar Delfine konnten wir heute beim Training sehen.

Ab morgen weht ein rauherer Wind…

Aus Liebe zum Menschen und großem Respekt vor dem Leben….

 

Von eitrigen Mandeln, Diabetes und Lebensrettungen

Die Frage, die man mir auch diesmal im Freundeskreis immer stellt, ist: Wie wichtig bzw. wie spannend ist die Mission?

Zum Thema Wichtigkeit:

Mit Lumia Selfie aufgenommen

Wiedersehen mit Omar

Jeder Mensch, der bei uns als Mensch bzw. Patient und nicht als Flüchtling, Bittsteller oder Störenfried behandelt und Ernst genommen wird, ist wichtig. Das ist in Kilkis nicht anders, als in Wien, Graz oder St. Pölten.

Menschen kommen, weil sie krank sind, oder einfach Angst haben krank zu werden. Wenn man den ganzen Tag zum Nichtstun verdammt ist, hört man intensiver auf seinen Körper. Es fehlt jeglicher Alltag.

PTSD- Wenn man schlimme Dinge einfach nicht vergessen kann

Ein Vater kam mit seinem 8 jährigen Sohn, der laut seiner Aussage epileptische Anfälle hat. Jedes Mal wenn der Kleine spiele und von anderen Kindern getriezt werde, falle er um, sei nicht ansprechbar und nässt ein- also macht in die Hose. Ebenso wenn jemand die Autotür laut zu knallt. Auf die Frage, seit wann das so sei, bekam ich zur Antwort: seit einem Bombenangriff in Syrien. Die nächste halbe Stunde verbrachte ich damit, dem Vater verständlich zu machen, daWP_20160721_12_28_52_Pross es sich dabei nicht um Epilepsie sondern den Zustand der Dissoziation handle. Dabei geraten Menschen wieder in diese Extremsituation (in diesem Fall den Bombenangriff) und kommen alleine nur schwer aus dieser Erinnerung. Warum denn seine beiden Töchter „normal“ seien und nur der Sohn so- wollte der Mann wissen? Diese wurden erst später geboren und haben die Angriffe kaum mitbekommen. Zum Glück waren unsere KollegInnen von der psychologischen Hilfe da und kümmerten sich sehr liebevoll um die beiden. Der Vater schien zu verstehen, dass es sich dabei um eine normale Reaktion des Körpers um eine vollkommen abnormale Extremsituation handelte. Ich hoffe, der Kleine bekommt die Hilfe, die er braucht- und viel Verständnis und Liebe von seinen Eltern.

Wir haben aber auch viele ganz „normale“ PatientInnen. Metformin- ein oftmals eingesetztes Zucker Medikament, ist derzeit unsere Schwachstelle. Man mag es nicht glauben, aber auch Flüchtlinge haben Diabetes. Seit wir unsere Pharmazeutin hier haben, die sich um das Medikamentendepot bzw. die Nachbestellung kümmert, geht alles besser. Unter Depot darf man sich kein riesiges Lager vorstellen. Es ist ein kleiner LKW Container, in dem mehr schlecht als recht eine Klimagerät arbeitet um die Temperaturen der Medikamente auf den 2 Stellagen halbwegs stabil zu halten. Letzte Woche hatten wir maximum 51°C im Freien- im Zelt habe ich irgendwann zu Messen aufgehört.

unerträgliche Hitze für alle

Ab 14 Uhr nützen die Ventilatoren nicht mehr, da sie nur die ohnehin bereits sehr heiße

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Morgens 10 Uhr in Greece

Luft noch brutaler auf dich zu pusten. Trinken ist wichtig und ab und zu kleine Pausen.

Menschen hier haben eitrige Mandeln genauso wie auch Menschen in Österreich. Sie haben Husten Schnupfen, oder Wunden, die wir nähen. Eine Klinik, wie unsere, hilft auch dem Gesundheitssystem indem wir Alarm schlagen können, wenn es zum Beispiel zu vermehrten Durchfällen kommt. Letzte Woche hatten wir ein paar Tage, wo wir einige PatientInnen mit Scharlach hatten. Es hat sich nicht weiter ausgebreitet, aber ich war auf der Hut.

Ein Junge hatte Schmerzen im Bereich der Ohrspeicheldrüse, was auf Mumps hinweisen hätte können. Er wies aber nicht die typischen Symptome auf und wurde für den kommenden Tag einbestellt. Ich informierte unsere Teamleaderin, aber es bestätigte sich zum Glück nicht.

Unser WatSan und Hygieneteam unterstützt uns tatkräftig. Ihre freiwilligen HelferInnen schwärmen in den Lagern aus, geben Tipps, kontrollieren WCs auf Spuren von Durchfall und melden auch uns alles zurück. Auf der anderen Seite machen sie Werbung für unsere Impfaktion.WP_20160721_18_10_27_ProWP_20160721_17_37_35_Pro

Natürlich haben wir auch Menschen mit Herz- Kreislauf Erkrankungen. Ein 80 Jähriger wollte Bustickets, um im Krankenhaus Nachschub für seine diversen Medikamente zu bekommen. Abgesehen davon, dass auch das Krankenhaus nur bedingt Vorräte hat, ist der Weg nach Kilkis beschwerlich. Täglich gehen nur drei Busse in jede Richtung. Daher nahm ich mir seine Liste vor und organisierte ihm für 14 Tage alle seine Medis bzw. ähnliche. Am Ende küsste er mich wie einen Sohn auf die Backe und verabschiedete sich mehrfach mit „shoukran“ was auf Arabish „Danke“ bedeutet.

Lebensrettung in letzter Sekunde

Der Höhepunkt war aber vor allem für Daniela, unsere Kinderkrankenschwester, und Sanna, unsere Hebamme, eine tolle Lebensrettung. Sie erzählten, dass kurz nach Dienstende ein Vater zu ihnen kam und um Hilfe fragte. Seine Frau habe vor 2 oder 3 Tagen per Kaiserschnitt Zwillinge entbunden und sie wären seit drei Stunden wieder daheim im Zelt. Meine beiden Kolleginnen eilten ins Zelt und fanden die beiden (2kg und 2,4kg) mitsamt einer schwachen Mutter vor. Die Kinder bewegten sich kaum mehr und waren so rot wie unsere Uniformen. Es hatte an diesem Tag 47°.

Die jeweils handvoll Mensch wurde in unseren gekühlten Container der Hebamme gebracht, wo sie sich von der Hitze erholen konnten. Anschließend ging es für weitere 2 Tage ins Krankenhaus. Gestern waren sie zur Kontrolle bei uns und ich konnte sie erstmals sehen. Sie sahen nicht so schlecht aus. Ein oder zwei Stunden länger im Zelt und die Kinder wären tot gewesen. Vorwürfe kann man niemandem machen. Das Gesundheitssystem hier ist schwächer als bei uns. Für das Gebiet um Kilkis (etwa 30.000 Einwohner) stehen im Schnitt zwei Ambulanzen zur Verfügung. Wir sind da, um den Menschen hier zu helfen und das System zu entlasten.

Allein für diese beiden kleinen Erdenbürger wäre die Mission jeden Cent wert gewesen. Aber wir tun mehr…

Prävention ist genauso wichtig

Kommende Woche wird eine Impfaktion für Mumps- Masern und Röteln durchgeführt. Alles drei Erkrankungen die zu Komplikationen und zum Teil zum Tod führen können. Die Herausforderung ist es dann alles so zu dokumentieren, dass die Info nicht verloren geht. In Idomeni haben Ärzte ohne Grenzen scheinbar schon Impfaktionen durchgeführt. Scheinbar haben aber viele die Bestätigung nicht mehr. Damit ist es schwer zu entscheiden, was man wie impft. Wir wollen das Risiko aber möglichst gering halten.

Wir wollen die Menschen auch auf die europäische Art der Medizin vorbereiten. In ihren Herkunftsländern war es oft usus, dass man Antibiotika in das Gesäß injiziert bekommen hat. Dies wird bei uns sehr selten bis gar nicht angewandt. Außerdem wurde oftmals für jeden Schnupfen ein Antibiotikum verschrieben. Daher gibt es oftmals ein Nord- Süd Gefälle von Antibiotika Resistenzen. Je öfter man grundlos dieses Medikament einnimmt, umso größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass das Antibiotikum irgendwann nicht mehr wirkt. Diese Resistenzen kommen in Finnland, Schweden,… weniger häufig vor als zum Beispiel bereits in Griechenland, Ägypten usw.

Daher gilt es im positiven Sinn die Menschen zu erziehen, wie ich es auch bei österreichischen PatientInnen mache. Oftmals war es daheim bei ihnen so, dass Besuche beim Hausarzt bezahlt werden mussten, nicht aber die im Krankenhaus. Daher gilt es auch, den Menschen begreiflich zu machen, dass das System bei uns ein ganz anderes ist. Daher auch für uns als med. Personal: Geduld und Verständnis haben, da man Dinge, die man seit Jahren gewohnt ist zu tun, nicht so einfach abschüttelt.

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Ablenkung für Kinder

Wir haben tolle HelferInnen aus den Lagern, die sehr passables Englisch sprechen und uns auf Arabisch dolmetschen. Wir mussten aber feststellen, dass ihnen auch vieles „an die Nieren geht“. Manchmal müssen wir PatientInnen sagen, dass sie 2 Monate auf einen Termin beim Facharzt warten müssen, wie jeder andere auch. Manche Menschen fragen nach Zertifikaten, um schneller aus dem Camp raus zu kommen oder bitten einfach nur um etwas Geld. Das können bzw. dürfen wir alles nicht hergeben. Natürlich wissen das auch die DolmetscherInnen, aber das den oft sehr verzweifelten Menschen sagen zu müssen macht diese oft auch fertig. Sie leben selbst in diesen Lagern und werden oftmals dafür verantwortlich gemacht, weil sie die schlechte Nachricht überbringen. Auch hier werden unsere PsychologInnen aktiv werden.

Situation besser aber weit weg von normal

Ansonsten kann man sagen, dass sich die Bedingungen im Verhältnis zu Idomeni deutlich gebessert haben. Natürlich ist man weit weg von Normalität, hat oftmals Wasserprobleme. Das Militär verteilt zum Teil 1l Wasser pro Person und Tag, was bei diesen Temperaturen nichts ist- mehr ist aber geldmäßig nicht drin. Ob das Wasser aus der Leitung trinkbar ist, ist umstritten und unser Team ist dabei genauere Tests zu machen. Aber zumindest Duschen und Latrinen entsprechen den sogenannten SPHERE Standards.

Keine Ärzte…

Wir haben hier leider auch einen akuten Ärztemangel. Für drei Kliniken stehen drei ÄrztInnen zur Verfügung. Damit ist es schwer, einen freien Tag zu haben. Griechische ÄrztInnen anzustellen geht auch kaum. Die, die es sich leisten konnten in der Krise in andere Länder zu gehen, sind weg. Die anderen versuchen das Gesundheitssystem aufrecht zu erhalten. Diese dann auch noch abzuwerben empfinden wir als nicht möglich und unfair.

Wir müssen aber bei jedem Patienten voll konzentriert sein. Das macht müde. Nach 12 Tagen en suite ohne freien Tag genieße ich jetzt mal frei zu haben und meinen Blog und meinen Abschluss Report zu schreiben. Morgen wird dann mein letzter Arbeitstag sein und schon sind sie wieder vorbei… Die zwei Wochen aus Liebe zum Menschen…

Was bleibt sind viele Eindrücke, ein Wiedersehen mit Omar, unserem Übersetzer aus Idomeni, viele sehr motivierte KollegInnen, ein tolles WatSan Team bestehend aus Chris, Flo, Werner und Mandeep, einer britischen Kollegin und die Gewissheit, dass man nicht umsonst hier war…hier in Kilkis wo die Welt bei 51° etwas anders tickt, wo noch nicht alle Hoffnung vergebens ist.WP_20160720_20_58_01_Pro

Was wurde eigentlich aus…

Mit Lumia Selfie aufgenommen

Erinnern Sie sich noch? Vor etwa einem Jahr um diese Zeit war sie da: Die sogenannte Flüchtlingswelle. Ein Strom von 1.000en Menschen, die vor Zerstörung und Krieg flohen.

Erinnern Sie sich noch? Es folgte eine Welle der Hilfebereitschaft. Viele kleine und große Organisationen, tausende freiwillige HelferInnen, die an den Bahnhöfen, den Grenzen, in den Flüchtlingsunterkünften gearbeitet haben und auch noch arbeiten.

Und plötzlich wurde es still. 10.000e Flüchtlinge strandeten in Griechenland und konnten nicht weiter. Die EU hatte und hat versagt. Die Menschen wurden zu Marionetten in politischen Spielchen und Machtkämpfen auf allen Ebenen.

Idomeni mit seinem Elend, mit seinem Schlamm wurde tatsächlich ein Synonym für die Schlammschlacht, der sich die Gesellschaft ausgesetzt sah. Ich durfte zwei Wochen dort helfen und habe Dinge gesehen, die man in Europa nicht für möglich gehalten hat und eigentlich bei uns nicht sehen darf.

Nach fünf Monaten bin ich nach Griechenland zurück gekehrt. Abermals versuchen das internationale Team aus Deutschen, FinnInnen, JapanerInnen und Österreichern, inkl. mir, den Menschen dort zu helfen. Idomeni ist Geschichte, aber die Menschen, die dort ausgeharrt und gehofft haben, wurden jetzt auf mehrere Flüchtlingslager aufgeteilt. Drei davon betreut das internationale Rotkreuz-Team

Nea Cavalla, Cherso und Softech sind Camps mit je etwa 1.500 bis 2.500 BewohnerInnen. Die Voraussetzungen haben

sich geändert. Es ist organisierter, weniger Menschen in den Lagern, bessere Hilfe ist möglich

Nachdem ich eine abenteuerliche Anreise über Sarajevo nach Thessaloniki hatte- Direktflug wäre auch zu fad gewesen- fand ich mich in Kilkis wieder. Hier ist quasi die Operationsbasis des RKs. Neben den österreichischen Hygienespezialisten, die bereits seit einigen Wochen hier tolle Arbeit verrichten, befindet sich hier auch das BHC Modul (Basic Health Care).
Je nach Verfügbarkeit von Personal sind pro Camp bzw. pro Team minimum 1 Arzt, 1 Krankenschwester/ Pfleger, 1 Kinderkrankenschwester bzw. Pfleger und eine Hebamme. Außerdem haben wir eine Psychologin, die eine Art Selbsthilfegruppe hier betreut- jeweils in einem Lager eine.

Was hat sich geändert?
Zunächst einmal haben wir tägliche Öffnungszeiten von 9 bis 17 bzw. 18 Uhr. Davor und danach gibt es keine Versorgung durch uns. Es muss hier genauso 112 angerufen werden. Dies wird von den Menschen sehr gut angenommen.
Da das Wetter deutlich besser ist als letztes Mal, ändern sich auch die typischen Krankheiten, die wir betreuen.

WP_20160710_08_41_33_ProZur Erinnerung: im März hat es 14 Tage fast ohne Unterlass geregnet. Viele Infekte der Atemwege waren die Folge. Momentan haben wir einerseits den Ramadan sein einigen Tagen vorbei, während dessen es gelegentlich einen Kollaps gegeben hat. Andererseits haben wir weit über 35 Grad Außentemperatur und Spitzenwerte von über 40° im Zelt. Daher ist vor allem die Gefahr der Dehydrierung, also Austrocknung, groß. Mein Verbrauch an Ibuprofen hat sich auch drastisch reduziert.

Es gibt ein Programm, mit dem Daten der Patienten anonymisiert an das griechische RK gesendet werden. Dieses sammelt die Daten aus ganz Griechenland, um potentielle Krankheitsausbrüche frühzeitig zu erkennen. Durchfall, mit und ohne Blut, Verdacht auf parasitäre Erkrankungen, V.a. Masern,… müssen gemeldet werden, um Vorsichtsmaßnahmen zu veranlassen. Da die Auflagen der Medikamenten Einfuhr auch strenger geworden sind, ist es z.B. nicht mehr so einfach Ivermectin einzuführen. Dises Medikament ist im Gegensatz zu Österreich in Deutschland erlaubt. Es ist gegen Skabies- die Krätzmilbe- sehr gut wirksam, ist aber auch in Griechenland nicht zugelassen. Für Lager ist es die ideale Ergänzung der Medikation. Aber wir werden sicher Alternativen finden (müssen).

WP_20160710_08_41_43_ProHeute hatte ich noch Ben, einen deutschen Kinderarzt an meiner Seite. Dieser verlässt uns morgen aber. Mit mir kam aber auch Daniela, eine sehr kompetente und nette Kinderkrankenschwester, die Ben ersetzen wird.
Das Patientenaufkommen hat sich etwas geändert, wobei heute Sonntag war und wir es eher ruhig hatten. 66 PatientInnen in 9 Stunden sind ein guter Schnitt. Dies lässt genug Zeit, um sich länger um die Damen, Herren und Kinder zu kümmern.

Die Fahrzeit in das Lager hält sich mit knapp 25 min. auch im Rahmen.

Wie üblich herrscht ein Mangel an Ärzten. Gestern kam auch ein japanischer Arzt an. Gemeinsam werden wir das Kind schon schaukeln. Ich werde jetzt mal zumindest 8 Tage durcharbeiten (wie auch die anderen ÄrztInnen), da wir 3 ÄrztInnen für 3 Camps haben und mein Einsatz nur 14 Tage dauert, ist das für mich auch OK so.

In Summe ist die Stimmung im Team sehr gut. Virpi ist unsere Teamleaderin, also Chefin. Ich kenne sie aus Haiti, sie war die Leiterin des Health Centers des Roten Kreuzes in Port au Prince. Auch hier ist es schön, sie wieder zu sehen. Überhaupt sieht man hier wieder, wie klein die Welt bzw. die Rotkreuz Familie ist. Der eine war mit meiner Frau in Liberia, der andere mit mir in Haiti. Wir als HelferInnen sind schon ein eigener Schlag von Menschen.

Wir halten zusammen und behalten Ruhe. Immer wieder mal muss ein Team evakuiert werden- so auch heute, weil es passieren kann, dass es im Camp zu einem Raufhandel kommt. Dies hört sich jetzt schlimmer an, als es ist, aber es reicht schon, wenn sich vier Menschen streiten und evt. in die Haare bekommen. Das Problem wäre dann eines, wenn alle vier verletzt würden und durch ihre Familien zu uns gebracht würden. Da sind Streitereien manchmal vorprogrammiert. Da auch bei uns Eigenschutz vor Fremdschutz geht, versuchen wir in diesen Fällen einfach vorsichtig zu sein. Es kam auch schon vor, dass das Team mit dem Wagen aus dem Camp gefahren ist und dann einfach die Verletzten der Reihe nach zu uns bringen hat lassen. Dies kommt nicht so oft vor, trotzdem muss man auf der Hut sein. Was man nicht vergessen darf: auch hier sitzen die Menschen zum Teil bereits über Monate fest. Es geht nicht vorwärts noch zurück. Es gibt keine Arbeit, keine Beschäftigung. Menschen sind frustriert, werden auch hier zum Teil nicht gemocht.. Da kann sich so etwas mal entladen.

Ein anderer Punkt ist, dass wir alle Menschen gleich behandeln- dies ist ja Teil unserer Grundsätze. Nichtsdestotrotz müssen wir unseren PatientInnen auch klar machen, dass eine MRT Untersuchung auch für GriechInnen bis zu 5 Monate dauert. Da ist man aus Österreich anderes gewohnt. Also muss man den Leuten zu verstehen geben, dass es leider genauso und nicht anders funktioniert und die Wartezeiten normal sind. Es ist schwer für alle helfenden Seiten, da wir keine Besserstellung von Flüchtlingen wollen,aber eine Gleichberechtigung in med. Belangen. Aber alleine das kann zu Spannungen führen.

Was zu sehen ist ist, dass viele kleine Organisationen in den Camps helfen!!

Gemeinsam werden wir unsere PatientInnen weder nach Österreich bringen, noch Ihnen Perspektiven geben können. Aber wir werden sie betreuen, ihnen Hoffnung geben und sie gesund machen, so gut es geht. Allein das ist meine Aufgabe- einfach:
Aus Liebe zum Menschen.