Und es ist eben noch lange nicht alles gut nach der Flut

Es ist zwar bereits einige Zeit vergangenen, als das Hochwasser viele Orte verwüstete. Gestern erreichte mich jedoch eine sehr emotionale Nachricht einer jungen Rotkreuz-Kollegin, die ich Ihnen gerne auf diese Art weiterleite:

Nachdem ich während der Akutphase der heurigen Hochwasser-Katastrophe nur zwei Tage helfen konnte (und als Telefonistin der Info-Hotline auch fernab der Krisengebiete), war es im August Zeit für mich, meinen Teil der Hilfe zu leisten. Und Hilfe ist nach wie vor wichtig und notwendig!

Nicht nur annähernd ahnend, was uns erwartet, stürzen wir uns als dreiköpfiges Spendenteam in unsere Arbeit, um den Versuch zu starten, die Spendenverteilung möglichst fair zu gestalten. Um uns bei unseren ersten Gehversuchen nicht zu überfordern, beginnen wir mit einzelnen Häusern, die nicht sehr stark vom Hochwasser betroffen waren und sammeln dort gute Erfahrungen. Nach diesem positiven Anfang wagen wir schnell den Aufbruch in die „Hochwasser-Krisen-Gebiete“. Wenige Kilometer entfernt sieht die Welt, oder zumindest die Häuser, bereits ganz anders aus! Die wenigsten Häuser sind halbwegs bewohnbar. Und trotzdem werden wir herzlich empfangen und ernten Dank für unseren kleinen Anteil, den wir leisten. Es ist noch immer berührend, wie freundlich uns die Menschen ungeachtet ihrer momentanen Lage entgegnen.

Besonders betroffen machen uns die vielen einzelne Schicksale, die zutiefst berühren: Eine Frau, deren Mann sich nach dem Hochwasser das Leben genommen hat, eine Familie, die den Vater in ein Pflegeheim geben musste, da das Haus nicht mehr bewohnbar ist, eine Familie, deren Familienvater zur Zeit des Hochwassers zwischen Leben und Tod im Krankenhaus lag, ein Mann der zwei Monate nach dem Hochwasser noch immer in seiner Garage hausen muss,… Die Liste ist lang!

Als Außenstehender kann man gar nicht begreifen, wie manche Leute das überhaupt verarbeiten und doch ist der Grundtenor ein positiver: ES MUSS AUFWÄRTS GEHEN! Ich finde den Mut und die Einstellung dieser Menschen über alle Maßen bewundernswert!

Und dennoch: Von Zuspruch und Mitgefühl allein werden die Probleme, die das Hochwassermit sich gebracht hat, nicht gelöst. Der Slogan „Nach der Flut ist wieder alles gut“, wie er von manchen Zeitungen so gerne veröffentlicht worden ist, trifft keinesfalls zu. Erst jetzt sind die Schäden erst richtig auszumachen und ihre Dimensionen abzuschätzen. Sowohl Aufmerksamkeit und Helfer werden und sind bereits rar, die Arbeit muss von den Betroffenen alleine in die Hände genommen werden. Dazu kommen auch noch die Zweifel, ob eine Absiedlung nicht doch sinnvoll wäre. Wird man dabei genügend unterstützt? Will man seine Heimat überhaupt verlassen? Fragen und Entscheidungen, die die Situation nicht gerade erleichtern!

Nach einem Monat mit Besuchen bei Hochwasser-Betroffen, Austeilen, gemeinsames Ausfüllen und Bearbeiten von Spendenanträgen versuche ich noch immer das Erlebte in meinem Kopf zu sortieren. Ich habe in den vergangenen Wochen viel gesehen, gehört und gearbeitet. Eine Arbeit die deswegen schwierig war, weil sie ganz neu war, nicht nur für mich.

Überwältigt von den vielen Eindrücken und um viele Erfahrungen reicher, hoffe ich, dass den Menschen noch die Hilfe zukommt, die sie benötigen und sie nicht völlig in Vergessenheit geraten. Es ist noch lange nicht alles gut! Helfen wir also mit, dass es zumindest etwas besser wird!

Andrea Kraft

Rotes Kreuz Urfahr-Umgebung

 

Foto: OÖRK / Uwe Herbe