Freiwillig ≠ Freiwillig!

Rotkreuz-ImageVor wenigen Monaten sollte im Ministerrat die Regierungsvorlage über ein Gesetz zur Erleichterung und Förderung der Freiwilligkeit beschlossen werden. Nur durch die scharfe Kritik seitens des Roten Kreuzes und vieler anderer Freiwilligenorganisationen konnte damals das Ende der Freiwilligentätigkeit verhindert werden.

 

Mit dem Aufruf zur Freiwilligenmiliz sorgt die Bundespolitik nun wieder für eine Ungerechtigkeit gegenüber der unbezahlten Freiwilligkeit: Für eine zwei- bis dreiwöchige Übungstätigkeit sowie eventuelle Inlandseinsätze bei Katastrophen wird eine jährliche Prämie von 5.000 Euro ausbezahlt. Durch diesen erneuten Fehlschlag wird freiwilliges Engagement seitens des Bundes offensichtlich mit zweierlei Maß gemessen: Auf der einen Seite die freiwilligen Mitarbeiter, die sich tagtäglich in Abrufbereitschaft befinden, sich an Wochenenden weiterbilden, regelmäßig ihren Dienst verrichten und deren Lohn aus einem „Danke“ besteht – auf der anderen Seite die „freiwilligen“ Mitarbeiter, die für ihre Tätigkeiten satte 5.000 Euro erhalten.

 

Allem Anschein nach ist einigen Entscheidungsträgern nicht bekannt, dass viele Dienste sämtlicher Freiwilligenorganisationen nur aufgrund von freiwilligem – unbezahltem – Engagement in der bekannten und hoch qualitativen Form zu vollbringen sind. Würde dies wegfallen, müsste die österreichische Bevölkerung mit einer massiven Verschlechterung der institutionellen Hilfe auskommen.

 

Als Präsident der größten humanitären Hilfsorganisation des Bundeslandes fordere ich somit, den Begriff „Freiwilligkeit“ nicht weiter politisch zu missbrauchen. Einerseits wird damit die Bevölkerung getäuscht und andererseits offensichtlich die unverzichtbare Leistung der vielen Freiwilligen jeglicher Organisationen geschmälert. Eine freiwillige Leistung zu erbringen bedeutet, diese Tätigkeit unentgeltlich auszuüben. Alles andere ist für mich nicht als „freiwillig“ zu akzeptieren.

Ihr
Dr. Aichinger Walter
Präsident

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